Beiträge von Hanseat

    Die Chance nimmt er aber nicht wahr, begründet damit dass er dann Probleme auf der Arbeit bekommen würde. Also bleiben wir getrennt.

    Ich glaube zwar nicht, daß Du Deinem Mann, Du schreibst ja selbst "Ex", noch irgendeine Träne hinterherweinen solltest, aber mal aus Interesse gefragt: Ist Dein Ex fest angestellt oder selbständig? Bei Festanstellung ist eine Reha nämlich ganz gut zu organisieren und kaum mit finanziellen Einbußen verbunden.

    Alter Schwede, 30 Jahre, das ist ja wie bei Elton John hier. So sehen Vorbilder aus. Ich habe jetzt erstmal die 100 Tage fest im Visier und kann mir ein abstinentes Leben von Tag für Tag besser vorstellen. Es freut mich sehr, daß Du hier bist, Dieter, und daß wir ein Mehr-Generationen-Haus sind.

    Tja, da war die Ex wohl Seelentrösterin und Zechkumpanin. Es ist würdelos, damit auch noch vor dem Nachbarn zu prahlen. Aber Saufen und Würde gehen eh nicht zusammen. Ich bezweifle sehr, daß die beiden einen "schönen" Abend hatten.

    Ich habe jetzt "Ausgesoffen" von Bernd Thränhardt gelesen. Am Anfang war ich etwas skeptisch, ob mir das Buch gefallen würde, denn der Autor erschien mir zunächst nicht sonderlich sympathisch. Er schildert seine Zeit als TV-Filmemacher mit viel Alkohol, Kokain, Valium und käuflichem Sex, seine Bekanntschaften mit Gestalten aus der Kölner Halb- und Unterwelt. Vor allem, wie er den Frauen nachjagte und zum Teil Rache an ihnen übte, wenn er sich in seiner Ehre gekränkt fühlte, fand ich erst einmal etwas abstoßend. Andererseits muß es man es Thränhardt zugutehalten, daß er auch seine weniger schmeichelhaften Charakterzüge nicht verschweigt.

    Was dieses Buch für mich interessant und auch letztlich empfehlenswert macht, ist die Geschichte seiner vielen Rückfälle. Heute ist Thränhardt rund 20 Jahre trocken, aber das war nicht von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. Er brauchte viele Anläufe in mehreren Kliniken, bis er dann tatsächlich über eine AA-Gruppe den Ausstieg fand. Dies ist kein Buch der Sorte "Eines Tages hat es klick gemacht, und ich war geläutert", sondern die Geschichte einer langen, von Rückschlägen geprägten Suche nach dem Notausgang. Das hat mir Mut gemacht und Zuversicht gegeben und hilft bestimmt auch anderen, die sich selbst als "hoffnungslosen Fall" sehen.

    Hallo MeaCulpa,

    es ist schön, wieder von Dir zu hören, auch wenn es Trauriges zu berichten gibt. Ich wünsche Dir, daß Du die Kraft und innere Ruhe findest, das, was jetzt auf Dich zukommt, nüchtern zu bewältigen. Mit Alkohol wird ja alles nur noch viel schwieriger, wie wir alle wissen. Sei ein guter Daddy!

    Grüße,

    Hanseat

    Danke, Ihr Lieben, es tut gut, auch mal gelobt zu werden. Ich bin auch sehr zufrieden damit, wie im Moment alles für mich läuft. Mein Freund, mit dem ich gestern im Kino war, hat auf Alkohol verzichtet. Das hätte er nicht unbedingt tun müssen, aber so war es nochmal ein etwas schönerer Abend.

    Zum Ausgleich mal wieder etwas Positives: Gestern war Freitagabend, meine typische Problemzone, und ich habe, wie auch schon die Woche zuvor, gar nicht an Alkohol gedacht. Ich weiß, ich muß wachsam bleiben, aber es ist doch schön zu sehen, wie langsam etwas Routine reinkommt, daß es immer selbstverständlicher wird, das Wochenende nüchtern zu gestalten. Heute geht's ins Kino, "Keine Zeit zu sterben", das ist schonmal ein super Titel, ich gebe meinen Senf dazu: Keinen Bock, jetzt schon zu sterben. Und ich war auf dem Highway to hell, irgendwann würde ich auf der Straße oder in der Klapse landen, wenn ich weiter saufe.

    Zur Belohnung für drei nüchterne Monate und als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk habe ich mir eine gute Espressomaschine gegönnt. Der alte Apparillo, voll mit überflüssigem Elektronik-Tüdelüt, war einfach dreckig und eklig geworden und funktionierte auch nicht mehr richtig. Jetzt hab ich robuste 60er-Jahre-Technik aus Italien, die angeblich bei guter Pflege ein Leben lang hält. Wir werden's sehen ... Es tut mir sehr gut zu sehen, wie sich an der Wohnung was ändert. Meinen alten Schreibtisch, der tausende Flaschen und Dosen tragen mußte, habe ich gleich als erstes entsorgt.

    Heute morgen gab es Schwatz im Viertel, daß ein bekannter Obdachloser gestorben ist. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, vielleicht war die letzte Nacht zu kalt. Er war nervig und nicht der Hellste und schwerster Alkoholiker, trank den Wodka am liebsten pur, doch er war harmlos und hatte zwar ein gutes Herz, aber wenig Chancen im Leben. Ich habe ihm hin und wieder mal geholfen, bis es mir zu anstrengend wurde. Nun ist er tot. Es war abzusehen. Hoffentlich geht es ihm da, wo er jetzt ist, besser. Das war kein Leben mehr, das er geführt hat.

    Ach ja, der Tod. Im Juli habe ich erfahren, daß meine erste große Liebe nur noch ein paar Tage zu leben hat. Bei ihr wurde ein Gehirntumor festgestellt. Zwei Wochen später fand ich die Traueranzeige im Internet. Ich habe 20 Jahre lang versucht, sie im Internet zu finden, um mal ein bißchen zu quatschen, und dann sowas. Scheißnamenswechsel bei Frauen, blöde Erfindung. So mal wieder konfrontiert mit der eigenen Endlichkeit, dachte ich mir, ich nehme das mal zum Anlaß, mit dem Saufen aufzuhören. Einen Absturz gab es dann leider doch noch, aber danach habe ich angefangen, mein Leben zu ändern.

    Da hilft wahrscheinlich gar nichts mehr.

    Tja, da müßte wohl mal Thors Hammer einschlagen, bevor sich was tut. Ich ertappe mich gerade bei dem Gedanken: Vielleicht wäre es das beste, wenn Löwenmamas Sohn beim Autofahren erwischt wird, da kann der Staat auch andere Saiten aufziehen. Ich schreibe das nicht aus Böswilligkeit, aber das könnte ein echter Ausweg sein.

    Wie haltet ihr das alle aus?

    Ich setze mich dem gar nicht mehr aus. Mein Bruder ist erwachsen, er kann große Töne spucken und Reden halten wie ein Wanderprediger, er weiß doch sowieso alles besser, dann soll er eben alleine zurechtkommen. Wenn mich jemand bedroht, ist da für mich ein für allemal eine Grenze überschritten. Nun ist das für mich als Bruder bestimmt einfacher als für Dich als Löwenmama. Die Behörde hat ja recht, wenn sie sagt, Dein Sohn ist volljährig. Ab einem gewissen Alter sollten Söhne für ihre Mama da sein, nicht umgekehrt. Ansonsten bleibt eben der Weg der Betreuung, aber das weißt Du sicher, und ich kenne mich da letztlich nicht mit aus.

    Psychosozialen Notdienst kenne ich nicht, aber das ist natürlich wenig hilfreich, wie der reagiert hat. Ich kenne nur die 112, und da habe ich gerade erst vor ein paar Monaten sehr gute Erfahrungen gemacht. Bei meinem Nachbarn, der auch einen Betreuer hat, wie ich dann erfuhr, hatte die Wohnungstür offen und die Musik laut. Also bin ich in seine Wohnung, und da saß er völlig verwirrt und desorientiert, weil er wohl seine Medikamente abgesetzt hatte. Die Rettungssanis waren offenbar auch psychologisch geschult und haben ihn erstmal mitgenommen. War ein Top-Service, wenn man das in diesem Zusammenhang so sagen darf.

    Genau so wie bei meinem Bruder. Alle sind Schuld an seiner Situation, auch ich da ich ja kein Verständnis habe, nur er nicht. Alle Kommunikationskanäle zu ihm sind bei mir jetzt abgeschaltet. Es ist trotzdem schwer, weil es mir trotz der Beleidigungen und Bedrohungen nicht leicht fällt meinen einzigen Bruder dabei zuzusehen, wie er sich umbringt.

    Wenn es wirklich lebensbedrohlich wird, kannst Du noch die 112 anrufen, vielleicht noch notlügen, er habe was von Selbstmord gefaselt, dann ist auch eine vorübergehende geschlossene Unterbringung möglich. Der Mann braucht Therapie und Betreuung, das ist alles nicht so einfach gegen seinen Willen einzuleiten.

    Hallo Ladyinred, ich habe auch einen Bruder, der alkohol- und drogensüchtig ist und von Sozialhilfe lebt. Er macht es mir leicht, ihn nicht zu mögen, er ist mir inzwischen egal. Er hat mir auch nur wirre, drohende, aggressive SMS geschrieben, und nachdem er mich das letzte Mal am Telefon bedroht hat, habe ich ihn auf dem Handy blockiert. Bringt nichts. Alle sind schuld an seiner Misere, Vater und Mutter, das Schweinesystem, in dem wir leben, ich natürlich auch, tralala. Nur er ist an nichts schuld, er ist das arme Opfer. Soll er zusehen, wie er klarkommt. Ich habe selber genug Probleme an den Hacken, sonst wäre ich nicht hier, da kann ich ihm nicht helfen. Außerdem ist er eh der Typ, der gleich den ganzen Arm abreißt, wenn man ihm eine Hand reicht. Ich habe seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm und kümmere mich jetzt um mich selbst.

    Ja, irgendwie sind hier gestern die Wellen hochgeschlagen, auch Carl Friedrich wirkte plötzlich etwas angefaßt, was überhaupt nicht meine Absicht war. Ist ja gut, daß sich das wieder etwas beruhigt hat. Ich denke nicht über Rückfälle nach, um mir eine Hintertür offenzuhalten, sondern um der Gefahr ins Auge zu sehen. Und wie Hartmut schrieb, kann der nächste Rückfall mein persönliches Ende und der soziale Absturz sein, aber es sollte doch immer eine Möglichkeit geben, wieder aufzustehen. Viele Menschen schaffen den Ausstieg, ich kann es auch schaffen, aber ich habe keine Statistik darüber, wie oft das wirklich gleich beim ersten ernsthaften Anlauf gelingt. 100 Prozent werden das in keinem Fall sein. Eigentlich habe ich doch nur Selbstverständliches hingeschrieben. Ich kann Topema verstehen, daß er hier aufgrund seiner eigenen leidvollen Erfahrungen empfindlich reagiert und zur Vorsicht mahnt.

    Na gut, Schwamm drüber. Ich bin hier, um über meine Erlebnisse zu schreiben und um Hilfe und Unterstützung zu suchen, da sollten wir unsere Zeit nicht mit Nickeligkeiten verschwenden.

    Du weißt was passiert, wenn Du diese Tür öffnest...das Ergebnis hast Du einhundert Mal (wirklich?) hinter dir und planst schon den nächsten Absturz, den Du dir jetzt schon verzeihst !?

    Das sind Deine Gedanken, nicht meine. Ich habe sowas nicht geschrieben und finde Deine Vorwürfe nicht angebracht. Muß das sein?

    Hallo Hanseat,

    da bist du schon ein gutes Stück weiter als ich. Weihnachten und Silvester ist bei mir noch unklar, also mit wem ich feier und wie ich mich von Trinkenden fernhalten. Aber das wird sich schon ergeben.

    Viele Grüße aus ebenfalls Hamburg

    Herbstmensch

    Viel Erfolg, mach Dir einen guten Plan! Wer weiß, vielleicht machen wir mal irgendwann zusammen trockene Feiertage in Hamdorf ... Aber dieses Jahr wird das nichts. ;)

    Ja, gute Idee, vielleicht sind Filme dann wirklich das geeignetere Medium. Ein paar Filme, die mir spontan einfallen:

    - "A Star is Born" (kenne nur das Remake, möglicherweise ist das Original auch gut)

    - "Crazy Heart" mit Jeff Bridges

    - "Leaving Las Vegas" mit Nicholas Cage

    - wenn es was Deutsches sein soll: "Rückfälle" mit Günter Lamprecht. Alt, aber zeitlos


    Und zuletzt eine Doku, die hier neulich schon empfohlen wurde, die mich auch schwer geprägt hat:

    - "Alkohol -- der globale Rausch". Hier erzählen ein englischer, weiblicher Fußballfan und ein österreichischer Journalist ihre sehr privaten Geschichten und schildern ihren Ausstieg

    Jeder Mensch ist anders, Bücher hinterlassen bei mir einen tieferen Eindruck. Und auch nasse Alkis haben ja ihre trockenen Momente der Läuterung, wo es nicht schadet, die Nase mal in ein Buch zu stecken. Schon so manches Leben wurde durch ein Buch verändert.

    Würde versuchen diese Tür gedanklich nicht so offen stehen zu lassen. Knall sie mal zu im wahrsten Sinne des Wortes.

    Schwieriges Thema. Ich weiß nicht, wie ich mit möglichen Rückfällen umgehen soll. Ich wünsche mir sicher keinen, die Vorstellung ekelt mich an, aber warum soll ich mich selbst belügen? Natürlich denke ich an Rückfälle, weil ich nämlich Angst vor ihnen habe. Wenn ich einen Rückfall kategorisch ausschließe und er kommt dann doch, ist das dann das Ende der Welt? Das darf nicht so sein, ich will lieber realistisch auf die Dinge gucken.

    Hab bitte auf dem Schirm, dass sich gerade in den Tagen vor und nach dem Fest, als Du immer kräftig gebechert hast, Suchtdruck einstellen kann.

    Ich werde dran denken, Herr v. Weizsäcker, oder doch eher Professor Boerne? Ich war auch die Tage nach dem Jahrgangstreffen, wie versprochen, besonders achtsam. Ich werde mich durch Arbeit ablenken, das ist zwar vielleicht nicht besonders originell, aber immer ganz effektiv.

    Hast du denn auch einen Plan für "davor und danach"?

    Hallo Seeblick,

    absolute Sicherheit gibt es für mich nicht, ich lebe allein und habe keine Totalüberwachung. Ich habe nur meine gute Einstellung, dieses Forum, und ich werde nicht mehr Urlaub nehmen, als für die Reise unbedingt notwendig ist. Urlaub war in der Vergangenheit immer Gift für mich, da hab ich mir immer ordentlich den Hahn aufgedreht.

    Außerdem hatte ich mir als Ziel gesetzt, mich nach drei Monaten ohne Alkohol um eine Psychotherapie zu bemühen. An diesem Punkt bin ich jetzt angelangt, aber bisher noch etwas faul ... Aber eigentlich bietet mir das Homeoffice beste Rahmenbedingungen für eine ambulante Therapie. Ich muß nur mal in die Hosen kommen.

    LG,

    H.