Beiträge von achelias

    Hier ist aber auch kein Kuschelforum. Uns wird ca. einmal im Quartal Holzhammermethoden, Empathiemangel, Druck, Dogmatismus u. ä. reklamiert. Also wundere dich nicht, wenn ab und an sowas durchs Forum geht und die Fetzen fliegen.

    Sooo schlimm ist es hier (auch) nicht! :mrgreen:

    Manche könnten etwas an ihren Formulierungen feilen, das stimmt, doch wer ist schon vollkommen?

    Hallo Ben,

    schön von dir zu lesen, dass es langsam Bergauf geht.

    Du steuerst ja stramm auf den zweiten Monat zu, Respekt.

    Hab' Geduld, die Nerven (PNP) brauchen Zeit bis sie sich wieder regenerieren, gib' sie ihnen!

    Eben so der "Rest" des ganzen Ben's. :mrgreen: Ganz langsam wird sich dein Körper erholen, wenn du was für ihn tust.

    Ich hoffe in deiner Klinik gibt es genügend Beschäftigung und Auslauf.

    Selbst der Suchtdruck lässt nach - verspochen!

    Viele Grüße

    Der Wunsch, die Risiken weitgehend zu minimieren, ist doch nur ein frommer Wunsch. Es bleiben noch mehr als genug Risiken übrig.

    Am Anfang war ich mir sehr unsicher! War der Drang, "Wunsch" , besser die Versuchung wieder zu trinken sehr groß - Risiko ohne Ende!!!

    Ich hatte Angst, Angst vor mir, ich könne wieder trinken. Das ging wohl jedem so.

    Nun kann ich die Angst immer wieder nähren, unterdrücken, sie bekämpfen, fliehen ... am Anfang sehr hilfreich, hindert sie mich doch am Trinken.

    Beweise ich mir doch, dass ich es kann, auf Alkohol zu verzichten.

    Hätte mir jemand in den ersten Tagen gesagt: ich bleibe immer süchtig, immer krank, hätte mir das sicherlich nicht geholfen. Mir!

    Ich wusste, ich kann mich von der Sucht lösen, ich verspüre nicht immer einen unwiderstehlichen Drang (Sucht), ich musste mir Zeit geben und (!) daran glauben, die ersten Tage ... Wochen durchhalten. Diese Alk-Gedanken vergehen mit der Zeit.

    Von Woche zu Woche wuchs dieser Aha-Effekt, mein Bewusstsein. Auch ich konnte es. Ein bisschen Stolz erfüllte mich.

    Meine Furcht (vor einem Rückfall) wurde immer kleiner, ähnlich einem "frischen" Radfahrer, der das Radfahren erlernt, am Anfang sehr unsicher, immer Angst vor einem Sturz, wurde ich zu einem ganz passablen Radler, nicht perfekt, aber zufrieden und je länger und öfter ich fuhr, desto sicherer wurde ich.

    Wenn ich das Radfahren immer meide, werde ich es nie (wieder) erlernen.

    Wenn ich alles meide, was im geringsten mit Alk. zu tun hat, werde ich immer ängstlich, unsicher bleiben und langsam zum Einsiedler und bleibe ewig der furchtsame "Fussgänger".

    Wenn ich es lernen konnte, warum sollen es nicht auch andere können?

    Jeder muss dazu seine eigene, persönliche Strategie finden. Einer ist wagemutiger und fällt bestimmt auch auf die Nase, doch die Erfahrung muss jeder selbst machen.

    Nichts ist sicher! Nichts ist 100%ig.

    Es liegt an mir, ich bin das Risiko Nr.1, nicht meine Umwelt, der Alk. ist nicht das böse, wilde Tier. Ich bin der dumme, einfältige Mensch.

    Ich kenne mich, wenn ich mir etwas nicht zutraue, wage ich es nicht.

    Falls doch - mein Pech, ich kannte das Risiko, ich bin doch nicht ganz blöd ... vielleicht. :mrgreen:

    Ich stelle es mir auch sehr schwer vor, den Rahmen seiner eigenen Aktivität festzulegen, wenn man beim Betreffenden nie sicher sein kann, wie ernst man seine Äußerungen nehmen kann ...

    Ich machte die Erfahrung, dass man diese Äusserungen überhaupt nicht erst nehmen konnte. Sie waren rein zweckgebunden. Ging es ihm schlecht, sagte er was man hören wollte, brauchte er etwas, eben so. Kaum war "die Gefahr" vorüber oder ihm ging es wieder gut, war alles plötzlich Schall und Rauch.

    Es gab sogar erfunde Geschichten, Vorspiegelung falscher Tatsachen ... die gesamte Palette.

    Lange fiel ich darauf hinein, jahrelang. Ich wollte es einach nicht glauben.

    Mein "Helfersyndrom" siegte immer wieder und schaltete meine Vernunft aus.

    Hallo Jada,

    als ich deine Zeilen las, dachte ich nur 'alte Kacke ...' und wurde sofort in die Zeit zurückversetzt, in der ich in einer ähnlichen Situation war.

    " Kinder haften für ihre Eltern " zumindest emotional.

    Niemand will die Verantwortung übernehmen, kein Arzt, übervolle Pflegeeinrichtungen auch nicht, alles ist sehr arbeits- und kostenintensiv.

    Gut wenn es da noch Kinder gibt.

    Ich lehnte diese Verantwortung ab!

    Als man noch etwas hätte retten können (Gesundheit), wurde ich beleidigt, ignoriert, es wurde gefordert und (trotzdem) weiter gesoffen.

    Ich kann dir keine Tipps geben, wie du dich verhalten könntest.

    Wir Kinder haben ein Recht auf unser eigenes Leben.

    Mein Verhältnis zu meinem Vater war nie ein gutes, mit zunehmender Sauferei wurde es auch nicht besser.

    Ich trennte mich von meinem Vater völlig, versuchte alle Emotionen auszublenden und zwar endgültig.

    Ich wollte das weitere Elend weder sehen, noch miterleben.

    Das kann man feige nennen.

    Bei meinem Vater wurde aus Ungeflegtheit, ganz langsam Siechtum, nicht aufzuhaltendes, langsam versagte der Körper.

    Willts du dir das antun? Willst du die Pflege deines Vaters übernehmen?

    Wunschkonzert - ja!

    Ich kann mich verändern, sogar meine Wünsche und das bewusst.

    Wenn ich das kann, können es dann andere auch?

    Wenn mir etwas nicht gefällt, es mir nicht behagt, bleibe ich doch nicht - logisch, sei es auf der alkohollastigen Geburtstagsparty des Schwagers oder auf Nachbars Swingerparty. :mrgreen:

    Da habe ich doch kein schlechtes Gewissen, wenn ich gehe. Warum auch?

    Dieses, mein Selbstbewusstsein darf ich haben, muss ich haben, um überhaupt im Leben zurechtzukommen.

    Warum soll das plötzlich anders sein, nur weil ich jetzt alkoholfrei unterwegs bin?

    Ich bleibe doch ich. Ich muss mich nicht immer rechtfertigen. Wozu, warum?

    Ich weiss doch was ich mir zutraue, was ich kann und was nicht.

    Wenn ich mir unsicher bin, gehe ich doch erst gar nicht ein Risiko ein und sollte ich es doch tun und "versagen", ist das meine freie (!) Entscheidung!

    Aber du solltest Dir selbst nochmal und immer wieder klar machen, dass Du nicht für ihn „verantwortlich“ bist. ...Und du hast keine Möglichkeit das zu ändern. Er hat ein Recht darauf, sich tot zu saufen ...

    Hallo Maria1989,

    ja, leider ist das so.

    Du hast (eigentlich) nur zwei Möglichkeiten, entweder machst du den "ganzen Zauber" bis zum bitteren Ende mit oder du steigst völlig aus, mit allen Konsequenzen.

    Bei mir war's der Vater, der sich völlig in den Ruin soff und letztendlich daran verstarb.

    Zum Glück, wenn ich das so sagen darf, hatten wir keine materiellen Verbindungen, Wohnung o.ä. , da ist es relativ leicht sich zu distanzieren, sieht man Mal von der emotionalen Bindung ab.

    Trennung ist immer keine leichte Entscheidung, zu mindest war es für mich ein langer Weg, bis ich mich dazu entschied.

    Doch ich konnte es nicht mehr ertragen!!!

    Ich wusste was passiert, wie es enden würde.

    Genau so kam es dann auch. Nur hätte ich nie gedacht, dass der menschliche Körper so widerstandsfähig sein kann. Mein Vater soff dann noch 14 Jahre weiter, mind. 1 Flasche Wodka od. Korn/Tag, begleitet von vielen Stürzen, Verletzungen (volltrunkend), sogar einen Hausbrand (selbst verursacht) überlebte er glimpflich und soff danach weiter.

    Seine letzten ~6 Wochen konnte er nicht mehr gehen, ganz langsam versagte auch die Leber, das Lymphsystem brach zusammen - das war's!

    Ein Sterben was man niemanden wünscht.

    So traurig das auch alles ist/war, heute 10 Jahre nach seinem Tod, war es für mich die richtige Entscheidung, den Kontakt völlig abzubrechen.

    Für mich stand der Selbschutz (irgendwann) an erster Stelle, bei mir hat es sehr lange gedauert, bis ich mir meiner Machtlosigkeit bewusst wurde, bis ich bemerkte, dass mein Helfen-wollen nichts anderes als vergebene Liebesmüh war.

    Ein Punkt an den wohl jeder Angehöriger früher oder später ankommt.

    deswegen füge ich ,wenn denn das Thema ansteht,egal wo auch immer hinzu:trockener Alkoholiker.

    Hallo Bolle.

    Wenn ein ICD einmal aktenkundig ist, bleibt er das, egal was du hinzufügst, das bleibt ewig an dir kleben.

    Einmal als Dieb straffällig geworden = aktenkundig, bleibst du der Dieb, egal, was du hinzufügtst.

    Das ist leider so.

    Es gibt ab ICD F10.2 kein zurück mehr, bei F10.0 und F10.1 mag es noch Ermessenspielräume geben, da kann man noch spekulieren, mutmaßen.

    Wenn ich Arzt wäre, würde ich mich über F10.2 freuen, denn ich kann alles abrechnen (böse Unterstellung).

    ... zeigt mir wie tief die Stigmatisation sitzt. ...

    Diese Sigmatisierung (!) wird auf immer so bleiben, ähnlich wie beim Dieb oder Betrüger, denn alle "wissen", wer ein Mal ...

    Dabei spielt es keine Rolle, ob ich abgerissen vor der Trinkhalle stehe oder im feinen Leinen in meinen Bentley steige.

    Hier unter Alkoholikern kann ich mich so nennen.

    In der Öffentlichkeit ist es ein bisschen anders, bin ich auf niemanden angewiesen, von niemanden abhängig, ist es egal, was ich tue, wie ich mich nenne.

    In vielen Fällen ist das leider nicht so.

    Ich überlege mir sehr wohl, bei wem ich welche Äußerungen tätige. Was nützt mir alle Offenheit, wenn ich da durch nur Nachteile erfahre?

    die Definition der Diagnose F10.2 anschaue, steht da z.B."ständige Beschäftigung mit Alkohol, unkontrollierbares Verlangen, etc."

    F10.2 steht für Abhängigkeitssyndrom

    Hallo Chrissi44,

    ich fragte einen befreundeten Arzt, Allgemeinmediziner und suchterfahren, der ICD-Code F10.2 bedeutet lt. Bundesministerium für Gesundheit: Psychische und (!) Verhaltensstörung durch das Abhängigskeitssyndrom ...sie sind abhängig von Alkohol, haben dauerhaft den starken Wunsch, Alkohol zu konsumieren ... (ich hoffe, dass war jetzt kein Zitat).

    Nun habe ich diesen o.g. Wunsch nicht (mehr), seit 2 Jahren. Die hier schon viel diskutierte Frage: Bin ich noch abhängig, wenn ich die (meine) Sucht stoppte? kommt immer wieder auf, (mein) der Arzt sagte mir, das sei Ermessensspielraum, wenn er einen neuen Patienten mit der Diagnose F10.2 bekommt, sei davon auszugehen, dass er, entweder noch trinkt und/oder seine Gedanken ständig um Alkohol kreisen (die berühmte Faust in der Tasche).

    Diese Diagnose legitimiert ihn (Arzt) auch dahingehend abzurechnen, da es Ursache sein kann (!), für Folgeerkrankungen. Wenn der Arzt also auf Grund von F10.2 eine Darmerkrankung, Nervenschädigung oder sonst was diagnostiziert, ist das gerechtfertigt, da es weder auszuschliessen sei, noch bewiesen werden könne.

    Das unterstreicht, einmal wieder: ein Mal Alkoholiker immer Alkoholiker, egal ob du noch trinkst oder nicht.

    Im Kopf bleibt dieser Gedanke "was passiert, wenn ich nicht helfe ?"

    Bei mir hat es sehr lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass ich eben nicht helfe, wenn ich "helfe".

    Im Gegenteil, durch meine "Hilfe" unterstützte ich den Suff, ich räumte viele Unbequemlichkeiten aus dem Weg und erleichterte somit die Sauferei.

    Bei mir wars der Vater, der trank in seiner ständigen "Freizeit", in der er sich um nichts kümmern musste, nichts tun musste. Ich kümmerte mich, werkelte in bester Absicht, machte mir Sorgen .... was wäre wenn ... und bemerkte gar nicht, das ich es ihm sehr bequem machte.

    Ich kann den Alkoholiker nicht in Watte packen, ausser ich mache eine 24h-Betreunung.

    Auch mir schossen Gedanken durch den Kopf: was ist, wenn er sich im Suff das Genick bricht oder besoffen einen Unfall baut oder ... ?

    Ich konnte es nicht beeinflussen. Ein Erwachsener ist selbst für sich verantwortlich! Auch ein Säufer.

    ...

    Ich hatte gehofft hier Wege zu finden, wie man eine Beziehung zu einem alkoholkranken Menschen gestalten kann, ohne selbst dabei kaputt zu gehen. Aber offensichtlich läuft es in den meisten Fällen auf Kontaktabbruch oder Sterbebegleitung hinaus.

    Hallo Jada,

    ich würde dir gern Hoffnung machen, doch ich kann es nicht!

    Ich hatte selbige Wahl und entschied mich für den Kontaktabbruch.

    Es war der reine Selbstschutz, nichts anderes. Ich musste alle Empathie ausschalten.

    Ca. 10 Jahre brauchte ich dazu, hoffte, machte, kümmerte mich ... ohne jeglichen Erfolg, mein Vater soff "fröhlich" weiter und ich war der Verzweiflung nahe.

    Nachdem ich den Kontakt völlig abbrach, vegetierte/ lebte er noch weitere 14 Jahre, allein, saufend.

    Es war für mich keine einfache Entscheidung, aber eine notwendige.

    Gibt es eigentlich auch bei der Alkoholkrankheit einen "point of no return" oder kann es diesen geben?

    Ja, den gibt es.

    Eigentlich sind es zwei Etappen, die Erste, wo man aufgegeben hat, seiner "Schwäche" erliegt, aufhört zu kämpfen, weil alles sowieso sinnlos ist, die Zweite, wo dann das Hirn langsam abbaut und nicht mehr richtig funktioniert.

    Wenn die Psyche geschädigt ist, wage ich zu behaupten, das man es selbst nicht mitbekommt.

    Als ich mich entschloss abstinent zu werden, war mir gar nichts bewusst, ich wollte einfach nur aufhören, freiwillig, über körperliche Schäden machte ich mir keine Gedanken, bemerkte auch keine.

    So nach und nach, mit wurde mir klar wie verwirrt ich war. Das hat vielleicht Wochen gedauert, wenn nicht gar Monate.