Nichts.
Aber es interessiert mich.
Das verstehe ich und es interessiert mich auch. Als ich es verstand, änderte es eine ganze Menge, ich konnte mit dem Thema abschliessen. Ich hatte es begriffen: so lange ein Alkoholiker trinkt, ist man chancenlos, absolut.
Diese Einsicht half mir, doch sie gefiel mir überhaupt nicht.
Ich trank, immer wenn mich etwas bedrückte, das konnten Kleinigkeiten sein oder auch nur "bedrückende" Lange Weile.
Ich lernte Alkohol = gute Stimmung, das Grübeln ist weg, Probleme weg, Ärger weg, Schmerzen weg ... ich fühle mich wohl, kann einschlafen, entspannen, zur Ruhe kommen.
Ich konnte mich auch eine bestimmte Zeit "zusammenreissen" , mit der Zeit wurden die Abstände kürzer. Mit der Zeit nahm diese Sucht nach "Unbeschwerlichkeit" im Geiste auch meinen Körper in Anspruch, ich wurde unruhig, wenn mir der Stoff ausging oder er drohte auszugehen.
Wenn genügend Vorräte da waren, war ich beruhigt, musste nicht mal trinken.
Ich weiss, das klingt verrückt, doch genau so war es.
Nun hatte ich für mich entschieden, die Sucht wohnt nur in meinem Kopf, d.h. wenn ich nicht aufhören will, mich immer wieder selbst breitschlage, der Versuchung nicht widerstehe, werde ich immer weiter, immer mehr trinken. Schließlich war mir das Problem Alkoholismus bekannt, in all seinen Facetten, Uraschen und Wirkungen, meine Oma trank, mein Vater soff jämmerlich, jahrzehntelang.
Ich musste also nur noch wollen, mich von meinem "geliebten", immer verlässlichen Betäubungsmittel trennen.
Da konnte mir keiner helfen, denn es wohnte ja in MEINEM Kopf.
Nach anfänglichem, einfach nur Durchhalten und Unterdrücken, kam der erste Aha-Effekt - aha, es geht, aha, ich kann es, aha, ich bin gar nicht so schwach.
Ich beantwortete mir die Frage: warum immer wieder saufen bzw. nicht aufhören "können", mit Schwäche, mangeldem Selstbewusstsein, genau dieses ließ mich immer wieder trinken.
Ich hatte unzählige Gespräche mit meinem Vater darüber, wir diskutierten tagelang ... er konnte nicht einfach nicht widerstehen, er wollte auch nie so wirklich, das hätte die Aufgabe der Bequemlichkeit bedeutet.
Ich erkannte für mich, ich hatte ein mächtiges Defizit, drum trank ich, ich wählte immer den einfachsten Weg - betäuben, es sich schön saufen, fliehen.
Es sich so einfach wie möglich machen ... auch mal schwach sein dürfen, nichts machen müssen. Da durfte jede Ausrede, jeder Grund herhalten.
Manche vertreten die Auffassung es habe nichts mit Willensträrke zu tun, ich wage das zu bezweifeln.
Wenn ich nicht aufhören will, wer will es sonst?
Ich kann keinen Anderen überreden etwas zu wollen, nur mich selbst.
Ich hatte kein "medizinisches Problem" , mein Problem war im Kopf ... ich wollte mir nicht eingestehen, schon weit über den normalen Aklkonsum hinaus zu sein, ich wollte (durfte) nicht so sein, wie all die anderen Alkoholiker, wie mein Vater.
Ich war es.
Diese Ehrlichkeit, Erkenntnis liess mich aufhören. Ich gestand mir ein, was ich für eine arme, saufende Wurst bin - das tat weh und öffnete mir die Augen.