Beiträge von Stromer

    Mit zunehmender Trockenheit habe ich festgestellt, daß ich immer ruhiger und gelassener wurde. Das tut mir sehr gut. Denn zu Trinkzeiten war ich gerne mal das HB Männchen, was gerne mal abgegangen ist, wie eine Rakete.

    Betrunken war ich gerne mal "superschlau", nur meine (besoffene) Meinung war die richtige.

    Ich habe schnell mal Dinge falsch verstanden oder gar nicht.

    Heute schmunzel ich oft vor mir so hin, wenn ich eine Situation erlebe, in der ich damals zu Trinkzeiten - ob nüchtern oder betrunken- ganz sicher wieder etwas zum Besten gegeben hätte.

    Es ist manchmal gar nicht so verkehrt, einfach mal den Mund zu halten.

    Anders herum mache ich heute immer häufiger den Mund auf, wenn ich zu Saufzeiten mich eher verstecht hätte. Ich biete vorgesetzten Paroli und lasse mir so einiges nicht mehr gefallen. Das mache ich nicht mal bewusst, das kommt häufig einfach so aus mir heraus.

    Nüchtern lebt es sich nicht nur gesünder. Das Leben allgemein steigert sich in Bereichen, mit denen ich gar nicht gerechnet hätte.

    Abstinens lohnt sich. Immer. :thumbup:

    Hallo Elly,

    ja, wir leben zusammen und es ist sehr toxisch. Dazu braucht es noch nicht mal Alkohol. Da ich dazu noch Co-Abhängig bin, war mir das lange Zeit nicht bewusst. Ich sehe es auch so, dass meine Abstinenz an erster Stelle stehen sollte und ich habe auch den Wunsch frei davon zu sein. Jedoch muss ich mir auch eingestehen, solange ich nichts an meinen Lebensumstände ändere und an meinem Umfeld, wird es schwer. In meiner Partnerschaft bekomme ich jedenfalls keine Unterstützung.

    Lg Chapa

    Du schreibst schon in Deinem Anfangspost von einer toxischen Beziehung. Dazu das Du festgestellt hast, daß Du Co bist.

    Ich lese aber auch aus dem, was Du schreibst, das Du offensichtlich sehr stark und selbstbewusst bist. Es ist sehr gut, das Deine Abstinenz für Dich an erster Stelle steht!

    Ich bin mir sicher, daß Du weisst, was das Beste für Dich ist. Er tut Dir nicht gut.

    Hallo Du, zuallererst: Du bist nicht falsch, nicht verkehrt, Du hast nichts schlimmes oder böses gemacht sondern Du bist einfach nur krank. Dafür kannst Du nichts, Du bist nicht schuldig und Du hast nichts verbrochen.

    Du konntest sogar etwas lebenswichtigen für Dich tun: Du konntest sogar Deine Erkrankung stoppen! Das ist großartig! :thumbup:

    Ich weiss, wie schwer es ist, wenn man als Alkoholkranke Person auf Menschen trifft, die keine Ahnung von unserer Krankheit haben. Gerade in einem Dorf ist das nicht schön, wenn das die Runde macht. Aber weisst Du was: Das kann Dir am Arsch vorbei gehen denn das ist nicht Dein Problem, daß die nichts von Deiner Krankheit kennen sondern deren Problem.

    Du kannst selbstbewusst und voller Stolz durchs Leben gehen denn Du hast großartiges geschafft, was die meisten mit Deiner Erkrankung nicht schaffen: Du bist trocken. Und nur das zählt, das sollte das Wichtigste in Deinem Leben sein.

    Ich wünsche Dir hier einen tollen Einstand, gute Gespräche und alles Gute für Dich.

    Dir darf es auch mal schlecht gehen. Das ist vollkommen normal und erlaubt.

    Gefühle wollen gefühlt - und verarbeitet werden, nicht verdrängt. Früher hatte ich meine Gefühle weggesoffen weil ich sie nicht ertragen habe oder nicht mit ihnen umgehen konnte. Heute stelle ich mich ihnen.


    Der Gute. Jetzt ist alles schön, obwohl es längst nicht mehr mit dem zu vergleichen ist, was ich in früheren Jahren, als die Kinder klein waren, angestellt habe. Damals hat man unsere Haus-Illumination aus dem Weltall sehen können :) Es gibt also durchaus Veränderung, aber Weihnachten wird nicht in die Tonne getreten

    Für mich ist eine Beleuchtung oder ein Schmuck nicht die Definition von schönen Weihnachten. Für mich ist Weihnachten Besinnlichkeit, die aus der Geschichte heraus entsteht, so wie ich es einmal gelernt habe. Bei uns gibt es keinen Weihnachtsbaum oder Weihnachtsbeleuchtung. Ein paar Kerzen reichen uns. Aber es ist gemütlich bei uns und sehr, sehr heimelich. Das liegt sicherlich an der Einstellung von meiner Frau und mir. Es gibt sicherlich Familien, die sind Weihnachten mit Baum, Beleuchtung und Schmuck unglücklich. Ich brauche nicht viel, um mich am Leben zu erfreuen.

    Verstehst Du was ich meine?

    Ich habe auch mein Leben lang Katzen. Die erste wilde habe ich heim geschleppt, das war so 1972. Die hatte ich in einem alten Bauernhof gefunden der am Tag drauf abgerissen wurde. Die Katze war erst ein paar Wochen alt und hätte das sicher nicht überlebt.

    Meine Mutter war damals total überfordert, damals gab es noch gar kein richtiges Katzenfutter, Katzenstreu usw. Wir können aber nicht alles falsch gemacht haben, sie wurde 21 Jahre alt.

    Ich hatte daraufhin nur wilde Katzen. Mein jetziger Kater ist auch so einer:

    Der wurde draussen mit einem grossen Tumor an der Nase gefunden. Dieser wurde weg operiert, dann kam er ins Tierheim.

    Da er ein wilder war, war er nicht gerade freundlich und seine Nase war entstellt. Er galt als nicht vermittelbar. Der war genau richtig für mich.

    Nachdem ich mit ihm ausdiskutiert hatte, ob er aus dem Tierheim will, ist er bei uns eingezogen. Heute ist er der liebste Schmustkater, sicher war er das schon immer. Nur wenn man lieber alleine ist und so viele andere Katzen um sich hat, ist man nun mal genervt - vollkommen erständlich oder? ;)

    Zu meiner Trinkzeit hatte ich auch jede Menge Kaffee getrunken. Auf der Arbeit haben wir eine richtig gute Kaffeemaschine die ganz leckeren Kaffee produziert. Den habe ich literweise getrunken.

    Seit ich trocken bin, habe ich auch keinen Kaffee mehr getrunken. Ich habe mir bewußt gar keine Gedanken darüber gemacht. Ich hatte so viel in meinem Leben verändert, ich habe angefangen Tee zu trinken und zwar so richtig leckeren Tee den man lose kauft, im Sieb aufgebrüht und dann braunen Kandis dazu oder Honig. So etwas zelebrieren ich richtig. :)

    :/ Irgendwie ist da der Kaffee aus meinem neuen Leben rausgeflogen.

    Meine Frau hatte mich auch schon mal kurz nach der Entgiftung gefragt, was denn wäre, wenn sie den neuen, trockenen Stromer gar nicht mehr mag. Sie kannte mich nur trinkend. Ich sagte darauf: dann ist das eben so.

    Natürlich verändert sich ganz viel im Laufe des Trocknungsprozess. Das muss nicht nur sympathischer machen.

    Egal was ich mache, eins gilt immer: meine Trockenheit steht an allererster Stelle. Immer. Komme was wolle. Denn fange ich wieder an zu trinken, verliere ich alles, vielleicht auch mein Leben.

    Meine Frau mag mich aber weiterhin :) Ich stelle weiterhin Veränderungen an mir fest. Die Basis stimmt aber weiterhin in unserer Beziehung die bei uns nie aus Alkohol bestand.

    Überspitzt gesagt: Wer noch nie einen Rückfall erlebt habe, sei noch nicht auf dem Weg zu 'lebenslang'. Zu jeder Suchtgeschichte gehörten Rückfälle.


    Wie seht ihr das? Gibt es jemanden, der dauerhaft abstinent geblieben ist, ohne jemals zuvor eine Trinkpause (bzw einen gescheiterten Versuch, 'für immer aufzuhören') gemacht zu haben?

    Viele Grüße

    Mattie

    Ich hatte nie einen Rückfall und für mich gibt es diese Option auch nicht. Ich darf nicht rückfällig werden denn mein erster Rückfall kann für mich tödlich enden.

    Ob ich jemals rückfällig werde, weiss ich erst, wenn ich unter der Erde liege. Aber die Einstellung: "zu jedem Alkoholiker gehört ein Rückfall" würde für mich ein riesengroßes Tor zum Trinken öffnen denn: gehört schliesslich dazu!

    Nein, für mich ist das keine Option. Ich habe für den Rest meines Lebens dafür zu sorgen, daß ich nicht mehr trinken muss. In keiner Situation.

    Vielen lieben Dank für die vielen, vielen Glückwünsche. :) Die 1000 Tage habe ich nicht von selber erreicht. Jeder einzelne von euch ist ein Baustein meiner Abstinens. Dafür Danke ich euch!


    Aber an vielen tollen Beispielen hier im Forum sehe ich, es ist zu schaffen.

    LG

    Bibi

    Und genau deshalb habe ich dies hier im offenen Bereich gepostet. Es geht, es ist kein Zauberwerk, keine Magie.

    Was ich gemacht habe ist dankbar Hilfe angenommen ohne Bedingungen zu stellen. Alle Hilfe, die ich erhalten konnte. Ich habe selber den Hintern hoch bekommen und nicht andere machen lassen. Ich war nicht hochnäsig sondern demütig. Und ich war und bin hier :)


    was sagt eigentlich dein arzt heute, freut der sich mit dir?

    Dieser Arzt war damals schon über 70 Jahre alt und ist kurze Zeit später in den Ruhestand gegangen. Ich war sozusagen sein letzter grösserer Fall. Es war einfach irres Glück, das ich an ihn geraten bin.

    Er ist mir ein mal beim Einkaufen über den Weg gelaufen. Da hat er sich sehr über meinen Werdegang gefreut. Ich weiss aber wo wohnt und möchte ihn mal besuchen. Ich bin ihm so dankbar. Er war wirklich mit seiner Art, wie er mit mir umging, der Schlüssel zu meinem heutigen Zustand.


    Ich möchte allen, jeden der hier angemeldet still liest oder noch gar nicht angemeldet ist Mut machen, aktiv zu werden. Helfen kann Dir niemand, das kannst nur Du selber. Wir können Dich lediglich auf Deinen Weg begleiten. Es lohnt sich, auch für Dich! :thumbup:

    Hallo, heute auf den Tag genau, bin ich 1000 Tage trocken :) Und das wichtigste daran ist für mich, das ich schon eine lange Zeit davon absolut glücklich und zufrieden trocken bin.

    Alkohol spielt im Alltag für mich gar keine Rolle mehr. Das kommt sicherlich auch daher, das ich mit Freude regelmässig in meine tolle Selbsthilfrgruppe gehe und täglich in dieser Selbsthilfegruppe lesen darf.

    Ja es geht. Ich hatte nur eine ganz, ganz kleine Chance, hatte mein Arzt mir damals gesagt, als ich wie ein kleines Häufchen Elend da bei ihm sass, vollkommen fertig und am Boden. Eine klitzekleine Chance zu den ganz wenigen zu gehören, die es dauerhaft schaffen, trocken zu werden und vor allem zu bleiben.

    Ich werde niemals sicher sein. Ich darf niemals leichtsinnig werden oder hochmütig. Dann wird mein Suchtgehirn sofort, so listig wie es nunmal ist, zuschlagen - garantiert.

    Danke das ich hier sein darf. :)

    Auf mich und meinen Arbeitgeber (strenges Alkoholverbort unter Androhung von Disziplinarmaßnahmen) jedenfalls nicht.

    Bei uns herrscht ebenfalls ein strenges Alkoholverbot. Deshalb habe ich ja auch nie tagsüber getrunken.

    Dennoch ist mein Chef überaus professionell mit meiner erkrankung umgegangen. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Gerade in grossen Firmen wird mit dem Thema professionell hilfreich umgegangen. Schliesslich bin ich wertvoll für das Unternehmen und natürlich hat es ein Interesse daran, das ich wieder zu 100% Leistung bringe. So habe ich es jedenfalls bei mir erlebt.

    Mir wurde geraten, meinen Arbeitgeber mit ins Boot zu holen und das habe ich auch gemacht. Ich habe es meinem Chef in einem 4 Augengespräch mitgeteilt und seine volle Unterstützung erhalten. Er hat mich für meine Entscheidung zu entgiften und Langzeitterapie zu machen gelobt und mir alle Hilfe angeboten, die ich brauche. Das alles war sehr professionell. Ich bin sehr lange in dem Betrieb beschäftigt, qualifiziert und muss mir um meinen Arbeitsplatz keine Sorgen machen.

    Ich habe es noch 2 weiteren, vertrauten Kollegen gesagt, der Rest weiss es nicht. Warum auch? Die meisten denken, dass ich wegen Burn out weg war. Das haben die aber selber über den Flurfunk verbreitet. Ich habe mich dazu nicht geäußert.

    Im Alltag spielt das alles keine Rolle mehr. Ich mache meine Arbeit gut, ich werde gebraucht und das reicht. Bei Festen besorge ich mir selber sofort ein Getränk. Will mir jemand etwas alkoholischen geben, sage ich, das ich nichts trinken möchte. Ich rechtfertige mich nicht weiter.

    Ich habe wegen meiner Krankheit noch nie gelogen und das werde ich auch nicht machen. Lügen haben kurze Beine, irgendwann rächt sich das.

    Mir ist meine Trockenheit das allerallerwichtigste im Leben, danach kommt alles andere.

    Das Suchtgedächtnis und der Suchtdruck sind glaube ich die Endgegner an denen es schon oft gescheitert ist.

    Ich sehe Alkohol nicht als Gegner.

    Ich habe diese harte Droge so lange und intensiv konsumiert, bis sich durch diese harte Droge mein Gehirn so verändert hat, daß ich süchtig wurde und mein Körper und mein Geist diese harte Droge nun dauerhaft braucht.

    Ich konnte aber im Laufe der Zeit mein Suchtgehirn, welches immer nur nach dieser harten Droge giert, schlafen legen. Das hat gedauert aber ich konnte dadurch, daß ich wirklich alle Hilfe angenommen habe, die ich bekommen konnte, dies erreichen. Dabei habe ich nicht darauf gewartet, bis mir Hilfe angeboten wurde, ich habe selber meinen Hintern hoch bekommen und bin selber losgezogen.

    Das war alles extrem anstrengend aber ich kann heute sagen, daß es sich für mich voll gelohnt hat!!! :thumbup:

    Ich war am Anfang sehr ungeduldig, ich wollte sofort von der Droge weg. Mir haben aber alle gesagt, daß ich mal 3 Gänge zurückschalten soll.

    Trocken werden ist kein Sprint sondern ein Marathon.

    Sei geduldig, es dauert. Aber es wird besser. Garantiert :)

    Aber Essig hatte ich nicht auf den Zettel. Allein die Namen! Rotweinessig, Weißweinessig, Branntweinweinessig ...

    Ich war diesbezüglich am Anfang sehr vorsichtig und das war auch richtig so. Ich muss, gerade am Anfang, alles was mit Alhohol zutun hat, sehr Aufmerksam und vorsichtig sein.

    Aber ich habe mit der Zeit gelernt, die Kirche im Dorf zu lassen.

    Heute betrachte ich alles etwas gelassener ohne aber dadurch leichtsinnig zu . Es ist ja nicht die Frage, was es ist, womit ich umgehe sondern was es mit mir macht.

    Alkohol ist in sehr vielen Lebensmitteln auf Natürliche Art und Weise enthalten z.B. in verschiedenen Säften. Dadurch ist der menschliche Körper ja überhaupt in der Lage, Alkohol in ganz geringen Maßen abzubauen. Er kann damit umgehen, das ich alkoholkaltigen Orangensaft trinke und zwar auf eine vollkommen für mich ungefährliche Art.

    Ich habe ganz sicher auch schon Salat gegessen, der mit einem Dressing angemacht wurde, welches in geringsten Mengen Alkohol enthielt. Ich weiss es aber nicht, deshalb interessiert es mich auch nicht.

    In den letzten Tagen, als ich noch trinken musste, war es mir kaum noch möglich, diese Fassade, die ich mit den Jahren aufgebaut hatte, aufrecht zu halten.

    Ich hatte nur abends ab 18:00 Uhr angefangen zu trinken. Ich habe mir selber vorgegaukelt, dass ich nicht tagsüber trinken muss. Dass war mein "Beweis" dafür, das ich kein Alkoholiker bin. Dafür musste ich die letzten Monate, sehr viele Monate, immer stärkere Entzugserscheinungen aushalten.

    Zum Schluss war ich nur noch fertig, ich war kaum mehr in der Lage, dieses Schauspiel vor allen, meinen Kollegen, meinen Freunden, beim Einkaufen aufrecht zu halten. Meine Frau hatte mich ja schon einmal erwischt und ich hatte das einzig Richtige gemacht: ich hatte ihr alles ehrlich und offen gebeichtet.

    Ich war nur noch ein Schatten meinerselbst. Ich war sooo froh, als ich endlich mit der Entgiftung beginnen konnte und nicht mehr trinken musste!

    Heute darf ich wieder nach langer, langer Zeit mein Leben in vollen Zügen geniesen. Ich verzichte auf nichts und bin total glücklich und zufrieden. Ich bin nicht mehr gezwungen, die harte Droge Alkohol, deren zerstörerische Wirkung ich voll erleben musste, zu konsumieren.

    In 18 Zagen bin ich 1000 Tage trocken. So etwas konnte ich mir viele Jahre in keinster Weise überhaupt nicht vorstellen, es war sehr lange für mich unmöglich.

    Es ist sicherlich nie leicht aber es hat sich für mich sowas von gelohnt! Und ich kann jedem nur empfehlen, alle Hilfe anzunehmen, wie ich es gemacht habe. Sonst wird es praktisch unmöglich, gegen sein eigenes Suchtgehirn anzukommen.

    Aber es geht :)