Hi Alex, wenn du dich nicht schon entschieden hast, dich von der Situation zu distanzieren, kann es nach meiner Erfahrung sinnvoll sein, zunächst rasch mehr über die tatsächliche Stärke ihrer Bindung an den Alkohol herauszufinden.
Ein erster Schritt kann sein, deine eigenen Grenzen sachlich zu formulieren, immer auf dich selbst bezogen. Beispiele könnten sein:
„Für mich ist es unangenehm, wenn abends bei uns Alkohol getrunken wird, während ich keine Lust dazu habe."
„Mir fällt es schwer, in einer Runde zu bleiben, in der alle sichtbar betrunken sind.“
„Ich möchte morgens klar im Kopf sein und nicht mit einem Kater starten.“
Diese Aussagen sind keine Vorschriften für sie, sondern zeigen nur, was für dich in Ordnung ist und was nicht. Auch wenn das sanft klingt, setzt Du sie schon durch das Aussprechen unter sanften - und legitimen - Druck. (Einhalten der Grenzen für Dich selbst ist natürlich auch angesagt.)
Denn damit machst du deutlich, dass du dich nicht einfach unterordnest, sondern in der Beziehung Mitgestaltungsmacht beanspruchst – dass du also nicht stillschweigend zulässt, dass sie euch ihren Lebensstil diktiert. Bereits durch das klare Einhalten deiner Grenzen wird sichtbar, dass deine Haltung zählt und ernstgenommen werden muss – ohne dass du sie angreifst oder manipulativ wirst.
Danach gilt: Beobachte ihre Reaktionen. Erste Abwehr ist normal - wem gefällt schon, wenn Grenzen gesetzt werden? Aber danach: Wenn wiederholt Rechtfertigungen, Ausweichmanöver oder Vorwürfe kommen, dann zeigt Dir das, wie stark sie an ihrem Verhalten hängt. Du kannst ruhig den Ball zurückspielen, zum Beispiel:
„Ich verstehe, dass dich das belastet, aber ich kann nur meine eigenen Grenzen einhalten, genauso wie ich nicht ändern kann, wie du damit umgehst.“
„Wir haben unterschiedliche Empfindungen. Ich achte auf meine Grenzen, du musst für dich entscheiden, wie du damit umgehst.“
Die Konsequenz dieser Beobachtungen ist nicht sofort vorwegzunehmen – sie können dir aber helfen, klarer zu sehen, wie tragfähig die Beziehung ist, welche Kompromisse möglich sind und ob du dich distanzieren musst: Verteidigt sie sich immer wieder? Macht sie dir Vorwürfe? Relativiert und "normalisiert" sie immer wieder? Vergleicht sie mit stärkeren Trinkern? Versucht sie, Deine Grenzen zu unterlaufen oder zu ignorieren?
Es kann sein, dass du so innerhalb relativ kurzer Zeit schon zu einer klaren Entscheidungsgrundlage kommst, allein durch das Festhalten an deinen Grenzen und das Beobachten ihrer Reaktionen. Wenn Du die Grenzen setzt, veränderst du sofort die Dynamik in der Beziehung, und die Reaktionsmuster dürften schnell erkennbar werden. Ohne Grenzen funktioniert das nicht, weil sie keinerlei Druck spürt und fröhlich weitermachen kann wie bisher. Besser also beschleunigen, damit du dich nicht unnötig tief verstrickst.