Beiträge von sorrowful

    YKMN ,

    ich finde mich in Vielem wieder, was Du schreibst.

    Vor allem gleich ist:

    Aber mit der Einordnung von so einem "Mittelding" tue ich mich schwer.

    Unterschiede: Bei mir geht es nicht um eine, sondern um zwei Frauen. Ich selbst bin zwar kein Antialkoholiker, aber das Zeug interessiert mich in etwa soweit wie meinetwegen Tomatensaft.

    Bei der ersten Frau war es krasser als bei Deiner Freundin - um es mittels Rhythmus auszudrücken: Das Normale waren da so ca. 6:1 bis 7:0 Trinktage pro Woche und alle 1-2 Wochen ein Exzess, der aber auch wirklich seinen Namen verdiente. Mir war aber irgendwie aber von Anfang an klar, dass ich daran nichts ändern kann. Trotzdem habe die zwei stressreichsten Jahre meines Lebens gebraucht, um mich da rauszuziehen.

    Und:

    die Angst hat sich definitiv über die Jahre eingefressen.

    Und darauf kannst Du einen lassen. Und zwar kann sie sich so sehr einfressen, dass man (hier: ich) schon in große Sorgen verfällt, wenn es dann bei einer anderen Frau nur um vielleicht so 0:7 bis 2:5 Trinktage geht, an denen es aber immer bei maximal einem normalen Glas bleibt - ohne Exzesse zwischendurch.

    Soll heißen: Der Stress ist so intensiv, dass er für lange Zeit Spuren hinterlassen kann, die vielleicht schon am Rande von pathologisch sind, zumindest aber eindeutig eine Bürde.

    Außerdem noch ein paar Gedanken zu Deiner Unsicherheit in punkto "Mittelding" (ich habe das für mich als "Grenzfall?" formuliert):

    Sie hat auch letztens erwähnt, dass sie lieber wieder auf das 5:2 Format umsteigen würde, weil sie bei 4:3 das Gefühl hat, die reduzierten Tage dann wenigstens auskosten zu müssen und nicht nur für 1 Glas Wein zu verschenken.

    Heimlich trinken versus Trinkregime: Natürlich trinkt sie nicht mehr heimlich, weil Du ihr Trinken ja quasi "legalisiert" hast. Wenn sie an 5 oder 4 Tagen in der Woche trinken "darf" - warum sollte sie dann heimlich trinken?

    Aber Du siehst ja schon: Selbst 4 sind ihr eigentlich zu wenig, denn sie hat den Drang, diese vier Tage dann aber auch möglichst gründlich "auszukosten", möglichst ohne Dich mit Freundin, weil dann der Ärger von Deiner Seite wenigstens erst hinterher kommt und nicht schon beim zweiten Glas.

    Wer aber kein Problem mit Alkohol hat, der hat auch kein Problem ohne Alkohol. Der braucht solche Regime nicht, und der hat auch nicht den Drang, das Regime dann möglichst aufzuweichen, wenn das nicht gelingt, im Rahmen des vereinbarten Regimes aber auch nach Möglichkeit alles auszureizen und herauszuquetschen, was das Regime beim besten Willen hergibt, oder zur Not eben das Regime komplett zu unterlaufen, indem er auf heimliches Trinken ausweicht.

    Wir können hier alle keine Diagnosen stellen, aber sorry: Das ist doch offensichtlich zumindest nicht mehr nur Lust, mal was zu trinken, denn es braucht massive Kontroll(versuch)e, damit es nicht aus dem Ruder läuft. Da ist ein Problem.

    Sie wird auch ab und zu beleidigend und mischt dann andere Beziehungsthemen mit rein und will die Diskussion darauf lenken.

    Ja, normal, Du nervst eben, und das soll aufhören.

    Aber soll ich sie einfach sich selbst überlassen?

    Die Situation, in der man sich da findet, ist ein bisschen paradox:

    Wenn es Dir darum geht, ihr (mit einer sehr geringen Chance) bei dieser Alkoholproblematik helfen zu wollen, ist es besser, sie zu verlassen - denn wenn Du bleibst, machst Du ihr das Leben mit dem vielen Alkohol leichter.

    Wenn es Dir darum geht, weiter mit dieser Frau zusammenleben zu wollen, musst Du Deinerseits ausreizen, mit wie viel Stress dieser Art Du leben willst und kannst. Die Chance auf weniger Alkohol werden dann aber noch geringer.

    Sie schreibt eh nix mehr also wäre es auch egal nicht zu blockieren.

    Dann ist aber auch vollkommen OK, sie zu blockieren, denn sie merkt es ja eh nicht.

    Ist es nicht zu hart jemanden zu blockieren?

    Jemanden zu blockieren, ist genauso hart, wie mit jemandem Schluss zu machen. Natürlich ist es hart, aber solche Entscheidungen sind legitim: Man muss nicht mit jemandem zusammenbleiben (und schon gar nicht an jemandem ewig hängen, der sowieso kein Interesse mehr an einem hat), wenn einem der- oder diejenige nicht gut tut. Deine langfristigen Interessen für Dein Leben (und davon hast Du nur eins, nota bene) sid genauso legitim wie ihre für ihr Leben. Solange diese beiden Interessenlagen kompatibel sind, kannst Du Deine natürlich immer problemlos hintanstellen, aber wenn sie krass kollidieren, ist es legitim, Deine zu priorisieren - was sie ja schon längst tut. Du bist genauso viel wert wie sie!

    Reicht es nicht wenn ich mich in meinem Inneren von allem loslöse?

    Das ist ein bisschen wie bei einer Heirat, nur natürlich genau umgekehrt: Eigentlich ändert sich ja danach nichts, man lebt eben einfach weiter zusammen wie auch schon vorher. Und doch ändert sich emotional eine Welt durch so einen symbolischen Akt. Hier: Man lebt nicht mehr nur getrennt weiter wie bisher.

    Meine Erfahrung: Es hilft kolossal beim Loslösen, alles zu löschen, alles zu kappen, was einen noch mit der anderen verbindet. Was sie darüber denkt, ist bei diesem Stand der Dinge, doch nun wirklich vollkommen egal.

    Finde ich unfair den ehrlich nach einem neuen Partner suchenden Menschen gegenüber und bringt dich selbst auch kein Stückchen weiter bei Deiner Loslösung.

    Unfair würde es meinem Empfinden nach erst dann, wenn er dort einer Frau falsche Hoffnungen machen würde. Ob es ihm bei seiner Loslösung hilft, kann man meines Erachtens so pauschal nicht beantworten. Wenn er das Gefühl hat, dass ihm das gut tut, kann ich das gut nachvollziehen: Hätte mir sicher damals auch Erleichterung gebracht, bin nur nicht auf die Idee gekommen.

    Dass Du zum Speeddating gegangen bist, ist meines Erachtens völlig OK. Mal den Kopf etwas freikriegen, sich auch mal antun, wie andere Frauen so sind.

    Damit, dass Du die Kontaktsperre nicht einhältst hast, schießt Du Dich nur selbst ins Knie. Jetzt fängst Du wieder bei Null an.

    Nach ein paar Monaten Kontaktsperre, und zwar 100% Kontaktsperre, wird es besser.

    Wieso tut man mir sowas an?

    Lieber Korli, ich verstehe Deine Situation nur allzu gut. Ich habe das auch alles schon einmal durch.

    Wenn Du meinst: Wieso tut *sie* Dir das an? - Du kennst die Antwort. Wenn der Alkohol erst einmal ein gewisses Maß an Macht über jemanden übernommen hat, dann kommt der einfach nicht mehr dagegen an. Das können noch so liebe Menschen mit einem Supercharakter sein, sie kommen einfach nicht dagegen an. Wenn sie dann zwischen Dir und dem Alkohol wählen muss, wird sie sich für den Alkohol entscheiden. Wenn sie Dich liebt, wird sie das vielleicht schweren Herzens tun, vielleicht sogar sehr schweren Herzens, aber sie wird es tun, weil der Preis, nicht mehr zu trinken, für sie einfach höher ist als der Preis, Dich zu verlieren. Du kannst Dich auf den Kopf stellen, Du kommst nicht dagegen an.

    Es tut mir in der Seele weh zu lesen, wie Du Dich quälst. Ich habe zwei Jahre lang Ehrenrunden gedreht, bis ich den Absprung geschafft habe. Es war so eine elende Quälerei. Gerettet hat mich, dass es mit ihr am Ende auch aus vielen anderen Gründen einfach nicht mehr ging. Wenn sonst alles halbwegs gut gewesen wäre, hätte ich ganz sicher noch eine Weile weiter am Ende der Sackgasse vor mich hin rotiert.

    Wenn Du meinst: Wieso passiert das mir? - Du schreibst, Du bist EKA. Ich bin kein Psychologe, mag sein, dass das eine Rolle spielt. Ich selber hatte dagegen davor keinerlei solche negativen Erfahrungen gemacht, und auch mit allen meinen Partnerinnen davor gab es keine Probleme. Dann ist es eben passiert, und ich neige dazu zu sagen: Zufall. Pech.

    Aber was beide Fragen angeht: Mir hat nur die Kapitulation geholfen. "Ich kann einfach nichts machen, Punkt." Dann den radikalen Sch itt zu machen, ist immer noch ein Riesending. Ich habe mir nach dem Schritt, wenn die Gedanken wieder anfingen zu kreisen, monatelang wirklich mantraartig gesagt: "Ich kann einfach nichts machen, Punkt." Immer wieder, immer wieder, immer wieder. Auch laut, wenn ich alleine war. Das sind so Überlebensstrategien für eine Zeit, in der man wie ein Gespenst durchs Leben wandert. Jeder muss seine eigene finden. Aber es wird dann irgendwann leichter.

    aber er steht ja nicht vor mir und sagt ich ändere was und trinke weniger. Das hat er anfangs gemacht. Jetzt ist er einfach maximal distanziert und zieht das weniger trinken durch, ist mir gegenüber aber maximal verschlossen, als wäre er ein Fremder. Deshalb finde ich es so schwierig. Er kommt ja nicht mit Liebe zu mir und fleht mich an zu bleiben, sondern er macht halt sein Ding.

    Hm, man kann ja nicht in ihn hineingucken, wenn er nichts darüber sagt, was seine Motivation ist. Könnte es vielleicht eine Art Kapitulation mit letztem Hoffnungsschimmer sein? Ich ziehe das jetzt schweigend durch, vielleicht bleibt sie ja dann doch?

    Ich glaube beides. Zum Einen wollte er sich ja nie verändern. Er hat schon immer ziemlich klar gesagt, er ist so wie er ist und das muss man so akzeptieren. Da spielen tatsächlich auch noch andere Faktoren als die Sucht mit rein. Und in dem ich das so annehme und sage, dass er so ist wie er ist und ich mich nicht mehr daran abarbeite, dass er anders zu sein hat: liebevoller, verantwortungsbewusster, nüchterner, damit überlasse ich ihn sich selbst. Das ist ein Geschenk für ihn, aber wahrscheinlich auch für mich. Auch wenn ich das aktuell nicht sehen kann.

    Ja, ich kann das verstehen: Der Mensch, in den man sich einmal verliebt hat, ist einfach nicht mehr da ...

    Ich hatte bei meiner Ex damals noch Glück im Unglück, da ging die Verwandlung vom Engel zum Teufel ganz schnell. Ich konnte mich damals noch relativ leicht lösen, aber insgesamt habe ich mich doch knapp zwei Jahre mit ihr und dann eine ganze Weile ohne sie herumgequält. Aber wenn man sich schon sicher war wie Du, dass das der Mensch ist, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen will, und man sich völlig darauf eingelassen hat, dann muss es fürchterlich sein.

    Mich hat damals der totale Kontaktabbruch gerettet. Die ganze Energie, die man bis dahin in endlosen, fruchtlosen Gedankenkreisen um diesen Menschen verschwendet hat, konzentriert sich plötzlich auf einen einzigen Punkt: Ich muss "trocken bleiben"! Und das bringt einen jeden Tag ein kleines bisschen vorwärts, während die jagenden endlosen Gedanken vorher zu nichts führten als zu noch mehr und noch mehr jagenden Gedanken,

    Und es ist so schön, wenn man sich plötzlich nach einigen Monaten dabei ertappt: "Mensch, jetzt habe ich doch tatsächlich zwei Tage lang nicht an sie gedacht!" Das ist so ein überwältigendes Befreiungsgefühl, das Dir da noch bevorsteht. Irgendwann wird es kommen.

    Liebe Jump!,

    Ich will dir nur sagen, dass du MIR keine Energie geraubt hast. Mich hat die Auseinandersetzung mit deinen Beiträgen selbst weiter gebracht.

    Danke, das ist schön, und außerdem lieb von Dir, dass Du das sagst. Aber ich kann das schon verstehen, da die Leute ja Energie investieren (für die ich dankbar bin), um mir zu antworten, die dann aber irgendwie zu nichts führt, weil ich ewig nichts entscheide, sondern mir stattdessen die ganze Situation und meine Gefühle damit weiter anschaue.

    Ich kann das also verstehen, aber da das Ganze so in dem Bereich: "Hm, kann ich mich damit wohlfühlen - oder vielleicht gerade schon nicht mehr?", liegt und da es keinerlei negative Auswirkungen gibt, und da alles andere so gut ist, tue ich mich damit eben schwer.

    Aber da ich das verstehe, will ich die ganzen engagierten und hilfsbereiten Leute hier nicht weiter belasten und beschränke mich aufs Rezipieren. Auch dadurch lerne ich Vieles und kann die Dinge besser einordnen.

    Ich habe mich gefragt, ob deine Partnerin denn erst süchtig oder gefährdet sein muss, damit du dich damit unwohl fühlen "darfst"?

    Nein, das muss sie natürlich nicht, aber die Gedanken darüber kamen daher: Wenn ich emotional so auf einem Kipppunkt herumbalanciere, dann suche ich permanent nach irgendwelchen Momenten (im Sinne von Faktoren) oder meinetwegen nach Anzeichen, die mir erleichtern, endlich ein Kippen auf die eine oder die andere Seite zu bewirken. Aber da kann man keine Antwort geben, das ist mir klargeworden.

    Was ich nicht verstanden habe ist, weshalb du nicht einfach mit deiner Partnerin darüber reden kannst? Das hat doch nichts mit co-Abhängigkeit zu tun zu sagen was du denkst und fühlst.

    Ich habe nach den ersten Gesprächen (siehe im Thread weiter oben) erst einmal damit aufgehört, weil mir klar war, dass das im Moment einfach keinen Zweck hatte.

    Ich habe ihr das auch so gesagt (und dabei dankbar eine Formulierung von AnnaBlume zu Hilfe genommen), ungefähr: Ich rede im Moment nicht mehr darüber, weil ich merke, dass es jetzt einfach keinen Zweck hat. Aber wir haben deshalb trotzdem nach wie vor ein ungelöstes Problem, nämlich dass etwas, das für Dich vollkommen normal ist und absolut kein Problem darstellt, bei mir ein gewaltiges emotionales und moralisches Durcheinander auslöst, in dem ich mich herumquäle. Ich weiß noch nicht, wann, aber wir werden darüber noch reden müssen.

    Also ich würde es jedenfalls wissen wollen, wenn mein Partner so unter meinem Verhalten leidet, dass er sogar im www darüber schreibt. Aber mir nichts sagt?!

    Ja, und ich merke auch, dass sie das wissen will. Ihr ist selbst nicht klar, wo meine Wohlfühlgrenzen liegen (es geht nur um Häufigkeit bei Besuch, nicht um Mengen, dazu unten mehr), aber sie möchte wissen, ab wann ich mich nicht mehr wohlfühle.

    Nachdem ich ja lange, lange Zeit vollkommen über das Thema geschwiegen habe, dann geredet habe und jetzt wieder nicht, ist sie sichtlich verunsichert, will wissen, wie ich mich in diesen Situationen fühle. Ich spüre da auch die Suche nach einem Kompromiss, nach Entgegenkommen. Sieht man zum Beispiel daran, dass sie auch bei Besuch entweder ganz aussetzt oder die Menge an einem Abend mit den Leuten am Tisch auf insgesamt irgendein symbolisches halbes kleines Glas begrenzt, um einerseits den sozialen Erwartungen der Form nach noch gerecht zu werden (wir sind nicht in Deutschland), aber andererseits auch mir den Abend nicht unangenehm zu machen. Das muss sie gar nicht, ich erwarte das ja gar nicht, aber sie macht das von sich aus.

    Und was den normalen Alltag angeht: Je länger wir zusammenleben, desto klarer wird, dass das so wenig ist, dass ich damit kein Problem habe. Klar, ist immer möglich, dass sie heimlich trinkt, aber das bei der Nähe unserer Beziehung auf Dauer unbemerkt durchzuziehen, erscheint mir kaum vorstellbar.

    Insofern bin ich im Moment relativ ruhig, aber mein vorsichtiges Ich sieht sich das trotzdem weiter an. Das Mitlesen reicht mir, auch wenn ich jetzt hier mal als Antwort auf Deinen Beitrag mal wieder einen längeren Sermon abgesondert habe ...

    Danke, DIr auch alles Liebe, und ich hoffe, dass Du nach Deinem großen Schritt innerlich weiter zur Ruhe kommst und glücklich bist!

    es stellt sich inzwischen die Frage, was diese ganzen Theorien noch mit eurer Selbsthilfe für euch in eurer Wohnung zu tun haben

    Bringt es dir denn was, wenn von einer offiziellen Stelle ein quasi normal aka unbedenklich definiert wird?

    Hm, wieso helfen mir diese Zahlenangaben? Ich hab’s ja schon mal versucht zu erklären, aber vielleicht so:

    Sie geben mir ein bisschen Halt, denn sie helfen mir, meine Gefühle und Maßstäbe und meine/unsere eigene Situation im Vergleich zu anderen einzuordnen und zu bewerten. Wenn ich weiß, wie die meisten Menschen trinken, hilft mir das zu sehen, wo meine Partnerin steht. Eine kleine Orientierung im dunklen Zimmer.

    Ein „unbedenklich“ steht da nirgendwo, aber ich kann sehen, dass der Konsum meiner Partnerin nicht nur unter den Empfehlungen für „medizinisch doch schon einigermaßen bedenklich“ liegt, sondern auch unter dem, was eine große Mehrheit so trinkt.

    Gut, ich mag ja vielleicht auch irgendwo relativ hoch auf der Autismusskala liegen, geschenkt. Aber so, wie ich nun mal bin: Insgesamt helfen mir Zahlen, meine Ängste und Empfindungen zu relativieren. Sie sind wie ein neutraler Bezugspunkt, mit dem ich meine Gedanken sortieren kann. So kann ich die Sache entspannter angehen und bekomme eine realistischere Sicht.

    Mit unserer Wohnung hat es allerdings in der Tat nichts zu tun.

    Wenn ich all diese hypothetischen Annahmen und aufgestellten Thesen im Thread lese, die sich auf Alkoholiker oder deinen Partner beziehen, dann bringt dieses aus dem Kontext gerissenes Zitat alles für mich auf den Punkt.

    Ja, der gute, alte Prediger 1,14. Seit vorantiken Zeiten probates Mittel, um die finale negative Schlussfolgerung zu ziehen, die man gerade will.

    habe ich da was überlesen

    Ich würde sagen, das klingt nach einer plausiblen Möglichkeit.

    Ist es nicht ermüdend

    Ich wüsste nicht, dass irgendwo geschrieben stünde, dass man sich mit für einen selbst wichtigen Dingen nur befassen darf, wenn sie nicht ermüdend sind.

    Offenbar gab es eine Kathegorie 0-3 Gläser Wein oder equivalent. Da das die niedrigste ist - also auch Frauen umfasst die gar keinen Alkohol trinken sind 100% aller Frauen mindestens in dieser Kategorie.

    15% der Frauen trinken mindestens 10 Gläser pro Woche (das umfasst auch die, die mehr trinken!) und 85% trinken mindestens oder höchstens (das geht hier nicht hervor) 2 Gläser pro Woche.

    So, wie ich das verstanden habe, ging es nirgendwo um Mindest- oder Höchstwerte, sondern immer nur um Durchschnittswerte.

    Das hat mir ein Statistikerfreund hier im Hause, der sich mit dem Global status report on alcohol and health and treatment of substance use disorders der WHO für 2024 befasst, irgendwie aus den statistischen Anhängen zu dem Bericht rausgezogen und rausgerechnet. (Ich weiß nicht, darf man hier Links posten?). Wahrscheinlich mit Hilfe irgendwelcher Power-law-Verteilungen, ich habe da keine Ahnung. Er hat aber betont: Es sind nur sehr grobe Näherungswerte. Aber für mich war das so schon eine kleine Krücke.

    Ich empfinde Deine Aussagen als beschönigend.

    Ja, ich verstehe, was Dich stört. Und ich empfinde es nicht als Angriff auf mich, nein.

    Was ist mit denen, die das anders sehen? Sind die dann keine "echten" Menschen oder alle Fanatiker?

    Doch, natürlich. Ich meinte: Der Wunsch nach Rausch ist im Menschen angelegt, wie meinetwegen auch das Bedürfnis nach sozialem Status oder Macht oder der Wunsch nach Sexualität. Nicht alle haben diese Bedürfnisse, und die, die sie haben, haben sie nicht alle in gleichem Maße, aber sie kommen häufig vor, und die, die sie nicht oder nur wenig haben oder wenig umsetzen, sind deshalb genauso Menschen.

    Darüber habe ich mich auch geärgert, aber es ist vielleicht einfach ein Tippfehler, denn es ist ja klar, dass dies nicht sein kann?

    Ja, das klingt absurd, aber man kann das tatsächlich so sagen. Soweit ich weiß, ist es kein logischer Fehler, weil sich die Aussage nach den 100% ja nur auf den Durchschnitt bezieht und nicht auf die tatsächlich getrunkene Menge: Die, die gar nichts trinken, und auch die, die 20 Gläser oder mehr trinken, trinken im Durchschnitt 3. Besser wäre sicher: "Frauen in Europa trinken im Durchschnitt soundso viel." Aber insgesamt zeigt das natürlich nur, dass die Durchschnittsangabe immer absurder und untauglicher wird, je größer und heterogener die betrachteten Gruppen sind.

    Was ist wenn? - Solange du sie nicht heiratest (war doch mal der Plan oder?), kannst du doch auch jederzeit aussteigen, wenn sich deine Ängste bewahrheiten sollten.

    Und ich würde auch sagen, fang an dich ernst zu nehmen. Es scheint, daß du nicht nur ihre Reaktion fürchtest, wenn du es ansprichst, sondern dich auch für deine eigenen Empfindungen fertigmachst. ("niedriges Niveau, Mücke-Elefant, du Exot, eigenartig, phobisch"). Was würde sich denn ändern, wenn es OK ist, was es in dir auslöst? Also erst mal für dich.

    Ja, ich kann jederzeit aussteigen. Und nicht nur, wenn sich meine Ängste bewahrheiten sollten, sondern auch, wenn es OK ist, was es in mir auslöst, würde es auch keinen anderen Weg geben. Aber das wäre eine Tragödie. Ich hatte eine Reihe von Beziehungen im Leben, aber die jetzt ist, von diesem einen Punkt abgesehen, ganz einfach so, wie ich es mir Jahrzehnte lang erträumt habe.

    Beziehung auf Augenhöhe heißt nicht "Du machst aus einer Mücke nen Elefanten" sondern "Schatz lass uns versuchen, das Problem das da zwischen uns steht zu lösen. Schauen wir mal, was jeder von uns dazu beitragen kann".

    Ich glaube das beste wäre, wenn ihr zwei mal mit einer neutralen Person darüber sprecht (z.b. eine paartherapeutin aber nicht deine Therapeutin- die gehört dir und darf und soll parteiisch sein für dich). Irgendwo muss es da einen Weg geben der sie nicht verärgert und dich nicht in Panik versetzt.

    Ah, übrigens: Der Vorschlag, das in einer Paartherapie zu besprechen, kam übrigens so ziemlich sofort von ihr! Das war sehr positiv. Das steht jetzt noch im Raum, ich habe erst einmal geantwortet, dass ich mir selbst erst einmal mit meiner Psychologin über einiges klar werden will, aber ich kann das jederzeit ohne Probleme wieder aufgreifen, das ist sicher. Ich scheue im Moment aber einfach davor zurück, das Thema aufzugreifen, mit oder ohne Therapeut dazwischen. Ich brauch ein bisschen mehr Zeit und Erkenntnisgewinn.

    Das ist echt vertrackt. Bei dir löst ein Verhalten Panik aus, das für sie normal ist.

    Ja, aber das eben schon auf einem Niveau, bei dem andere Leute sagen, wie zum Beispiel Cadda hier: Wenn Leute bei dem, was Deine Freundin so trinkt, Alkoholiker wären, dann wären alle meine Freunde Alkoholiker. Und das ja im Alltag auch unter den in Deutschland als Obergrenze für relativ risikoarmen Konsum eingestuften maximal 5 Standardgläsern pro Woche bleibt.

    Kein Wunder dass du dir ein wenig gewünscht hast hier zu hören, dass das was sie für normal hält eben nicht normal ist.

    Ja, oder eben das Gegenteil, in der Art: "na ja, das ist jetzt wirklich kein Riesending". Mir fehlt die Orientierung. Ich fühle mich wie im Dunkeln. Kein Horizont, mit dessen Hilfe ich das irgendwie bewerten könnte - nur mein Unverständnis und meine Angst, und damit koche ich im eigenen Saft.

    Hast du Angst vor ihr?

    Nein, vor ihr nicht. Ich habe nur Angst vor Gesprächen über das Thema, und jetzt auch davor, meine Grenzen aufrechtzuerhalten.

    Es führt doch alles zu nichts. Wozu es führen sollte, heißt: Bitte akzeptiere, dass ich, so, wie ich heute bin und empfinde, mit den Ganzen meine Problem habe. Du weißt, warum und wieso. Und bitte akzeptiere, dass für mich momentan die Lösung ist, dass ich mich zurückziehe, wenn es für mich zu häufig und damit zu quälend wird.

    Aber das ist für sie völlig inakzeptabel: Ich übertreibe maßlos. Ich projiziere meine schlechten Erfahrungen auf sie (damit hat sie völlig Recht), aber sie sei nicht meine Ex (damit hat sie auch Recht, es ist ja überhaupt nicht zu vergleichen). Das ist nicht normal, und das ist ganz schrecklich so. Ich soll mit meiner Psychologin über das ganze Thema reden.

    Das mache ich sowieso. Ich habe eine neue Psychologin, sie ist sehr konsequent und gründlich, ich bin nach den Sitzungen oft den ganzen Abend völlig überwältigt. Ich muss doch einfach für mich Licht in das Dunkel bringen: Wie kann ich, nicht nur bei meiner Partnerin, wieder erreichen, dass ich nicht gleich in Weltuntergangsstimmung verfalle, wenn andere Leute, was weiß ich, zweimal pro Woche ein Glas Wein trinken? Was ist für den Großteil der Leute, die nicht abhängig sind, eigentlich überhaupt "normal"? Ich weiß, dass ich an einem extremen Ende der Skala bin, aber wie ticken "die Leute" eigentlich? Mir fehlen da die breiten Erfahrungen. Ich habe einige Leute kennengelernt, wo schon die ganze Umgebung sagte, dass das echt nicht mehr "normal" ist. Aber ich habe mich über lange Jahre ziemlich vom sozialen Leben zurückgezogen (eine lange Geschichte), mir fehlt also echt der soziale Rundumblick unter Leuten im mittleren Lebensalter.

    Du umschreibst ihre Reaktion auch immer. Schlägt sie dich?

    Aber nein! Sie ist dann einfach nur sehr "böse", anders kann ich es nicht beschreiben. Ich kann das auf der rationalen Ebene ja auch nachvollziehen, siehe "Mücke und Elefant". Aber ich komme eben emotional nicht damit klar. Meine puritanische Prägung sagt: "Es ist doch schockierend, wenn jemand regelmäßig im Leben die Wirkung von Alkohol spüren will, wenn auch nur in geringem Maße." Die Erfahrung und die daraus entstehende Angst sagen: "Aber was, wenn jetzt irgendwelche Exzesse dazukommen? Aber was, wenn das sich in die Richtung entwickelt wie bei meiner Ex?"

    Das ist ein Gemisch von Prägungen und Ängsten. Ich habe ja schon öfter versucht, das hier zu beschreiben. Passiert alles bei einem sehr niedrigem Alkoholniveau, aber ist für solche eigenartigen Leute wie mich eben schon ein Problem.

    Es tut mir leid, Ihr seid irgendwie alle viel besser darin, eure Emotionen auszudrücken, ich kann das nicht so gut.

    ‚ich fühle mich unwohl dabei dir beim trinken zuzuschauen‘.

    Das geht mir ja nicht nur bei ihr so. Ganz ehrlich gewesen wäre: "Ich fühle mich unwohl dabei, anderen beim Trinken zuzuschauen." Und, ja, natürlich: " Aber bei Dir ist es mir am unangenehmsten, weil ich Dich liebe und mit Dir zusammenlebe."

    Aber so direkt habe ich mich noch nie getraut, das anzusprechen. Das blieb bei: "Bitte nicht böse sein, aber es kann sein, dass ich mich manchmal zurückziehe, wenn es mir zu viel (oder korrekter: zu oft, siehe unten) mit dem Alkohol wird, ich fühle mich dann nicht wohl."

    Der Gipfel an Direktheit war beim ersten Mal, als sie dann fragte: "Warum?". Ich habe dann gesagt, dass in mir dann Angst aufkommt, dass da irgendwann mal eine Abhängigkeit aufkommen könnte. Ich habe ihr von meiner Prägung erzählt und der Ex-Beziehung, die ich durch hatte, und dass die Angst sicher aus beidem kommt.

    Die Reaktion war so fürchterlich, dass ich nie wieder so weit gegangen bin. Ich habe das ja dann sowieso ruhen lassen, weil man mir hier auch geraten hat, die Dinge einfach zu machen, ohne noch weiter vorher darüber zu reden.

    Ihre offenbar unangenehme Reaktion bezog sich direkt auf den Alkohol oder darauf dass sie sich kontrolliert und gemaßregelt fühlt?

    Nein, da war das kein Thema.

    Sie kam dann ziemlich sofort hinterher zu mir aufs Zimmer, um zu sehen, wie es mir geht, und blieb dann auch. Sie war dann böse, weil ich beim Gehen nicht die Wahrheit gesagt hatte (ich wollte sie doch vor den anderen nicht bloßstellen) und sie sie sich wirklich Sorgen gemacht hatte, dass ich krank werde, außerdem wisse sie ja schon, dass ich beim Alkohol vollkommen unnormale und überzogene Grenzen hätte, aber dass es nun so weit gehe, dass ich mich so unsozial verhalte, schockiere sie.

    Ich habe mich auch noch nie getraut, mich einfach zurückzuziehen, wenn sie im Alltag abends ein Glas Wein trinken will und ich nicht. Das erschien mir bisher viel zu krass, sie dann da einfach alleine sitzen zu lassen.

    trank drei kleine Bier (normalerweise wären es mindestens 5-6 große gewesen). Danach war er ehrlich erschüttert über meinen ‚Zustand‘

    Echt? Drei kleine Bier sind doch auch nur ungefähr wie knapp zwei gängige Gläser Wein, war Dir das da echt schon was anzumerken? Gut, wenn man die so quasi auf einen Schlag herunterwolft, dann sicher für eine Weile, aber so über den Abend verteilt?

    Ich glaube, Dein Ex war da noch viel extremer und auch phobischer als ich.

    Er konnte was für sich tun, aber nicht für mich.

    Darum geht es ja die ganze Zeit: Kann ich damit ruhig leben oder nicht?

    Ich hab das ja alles schon durch, und damals ging es schon ziemlich in die Richtung, die Du von Dir beschrieben hast. Damals war nicht nur die Häufigkeit ein Problem für mich (so ziemlich täglich), sondern auch die Menge. Sie hat mich von den Wochenendexzessen und ihren Trinkfreunden immer konsequent ferngehalten, aber den Zustand danach habe ich mir ein-, vielleicht auch zweimal, weiß nicht mehr so genau angetan, und danach nie wieder. Schock, Horror.

    Das steckt mir in den Knochen. Ich weiß, dass ich meine Gefühle, meine Angst von damals auf sie heute projiziere. Das ist ganz eindeutig.

    Da hast Du mich missverstanden. Das bezog sich auf die Suchtkrankheit- sorry wenn das missverständlich rüber kam…

    Wieso redest du dich krank? Es ist völlig gesund keinen Alkohol zu trinken und zu Betrunkenen Abstand zu halten.

    Ja, das ist völlig normal. Aber bei mir ist es wirklich so, dass ich inzwischen bei einem Glas Wein zum Essen (und mehr wird es ja an einem Abend fast nie) schon veritable Panikattacken bekomme.

    Ja ich halte Statistiken auch für essentiell- Grundlage einer jeden Aussage menschlichen Verhaltens, aber wenn wir in den Bereich psychischer Erkrankungen kommen werden die Kriterien immer individuell angesetzt.

    Ich will doch damit nicht herauskriegen, ob sie krank ist, siehe oben.

    Krank ist jemand, dessen ungewöhnliche Verhaltensweisen oder Gefühle ihn oder andere belasten.

    Ja, eine Phobie vor Alkohol habe ich garantiert, ist pathologisch, keine Frage.