Nun mal aus meiner Warte. Der Alkohol ist nicht das Problem. Der macht mir nichts, der rennt mir nicht hinterher, der steht einfach nur da. Das Problem ist das Suchthirn, mal leiser, mal lauter, das mich erinnert: „Sauf doch wieder.“
Die Sucht kennt ja nur dieses eine Muster, keine Ausreden. Sie beschönigt nichts, sie toleriert nichts. Sie fragt nur: „Wo bleibt mein Stoff.“ Ja, wenn ich mich täglich damit beschäftige, ist Alkohol präsenter. Wenn ich es nicht tue, zieht er sich zurück, was wiederum bedeutet, dass das Suchthirn dies als Motivation nutzt. Wenn ich es dann nicht bemerke, kann ich weniger eingreifen.
Wenn ich aus voller Überzeugung akzeptiert habe, Alkoholiker zu sein, und es für notwendig halte, trocken zu bleiben – quasi meine Lebensversicherung , dann kann das Saufhirn schreien, wie es will. Es ist da, klar. Aber ohne Zweifel wird es leiser, mit Zweifel wird es schwer.
Aus meiner Erfahrung braucht es Verständnis, keine kleine oder große Schritte. Das sind für mich Floskeln, hinter denen man sich versteckt. Ich erinnere mich noch, wie es am Anfang war, nicht immer leicht, aber nicht, weil ich mich ständig mit Alkohol beschäftigen musste, sondern weil es einfach ein Prozess ist.
Es ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Und je klarer die eigene Erkenntnis wird, desto weniger Raum bekommt die Sucht.