Beiträge von Hartmut

    Willkommen bei uns.

    Das ist übel. Aber im Moment weiß ich noch nicht genau, wie wir dir helfen können. Das hier ist eine Selbsthilfegruppe, keine Beratungsstelle. Hier tauschen sich Menschen aus, die Selbsthilfe betreiben.

    Damit wir dich einordnen können, brauchen wir erstmal die Basics. Wie lange trinkst du schon nicht mehr? Wann war dein letzter Konsum? Und ist dein Ziel, dauerhaft abstinent zu bleiben?

    Und h ast du eine SHG vor Ort, die du besuchst?

    Erzähl uns ein bisschen von deinem Weg, damit wir dich besser kennenlernen und verstehen können, wo du stehst.

    Ich will auf jeden Fall mein Leben lang abstinent bleiben.

    Jeder kann es schaffen, warum nicht auch du?;) Passt alles.

    Hier ist ein Bewerbungslink, einfach anklicken, kurz im Text um Freischaltung bitten und schon kann der Austausch losgehen.

    Der nächstmögliche freie Moderator wird dich an die richtige Stelle im Forum verschieben und du kannst einfach weiterschreiben.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Servus, mal pragmatisch gedacht. Es gehört auch dazu, etwas auszuhalten, sich dagegenzustellen und die Zeit abzuwarten, bis das Craving nachlässt. So ist es eben. Es geht vorbei, solange ich es nicht weiter füttere. Ein vorher aufgestellter Notfallplan hilft dabei. Was kann ich tun, wenn es kommt?

    Denn wenn ich nichts tue und mich zum Beispiel nicht melde, ist mein Kopf schon viel näher beim Saufen als beim Gegenhalten. Genau deshalb braucht Craving Vorbereitung.

    Ein richtig fettes Craving.

    Normal. Was soll eine Sucht denn sonst machen? Es ist ihr Job, dich in jeder Situation daran zu erinnern, „endlich mal wieder zu saufen“. Sie kann ja nicht wissen, ob du gerade mitten im stress steckst oder ob ein friedliches Ereignis ansteht. Für die Sucht zählt nur eines, ihren alten Platz zurückzuerobern. Sie flüstert dir zu „Mensch, Boss, sauf endlich wieder.“

    Alkohol habe ich benutzt, um runterzukommen. Das ist jetzt weg.

    Aber was jetzt?

    Wieder saufen. Oder doch nicht ? Das war früher die „Lösung“, die dich in die Sucht getrieben hat. Was kann ich ändern? Nicht gedanklich hin und her springen, nicht von Thread zu Thread schleichen, sondern wirklich etwas verändern. Mehr bei mir bleiben.

    Austasuch reicht nicht.

    Weihnachtsmarkt kann ich meiden.
    Silvester kann ich meiden.
    Aber den Alltag? Geht nicht.
    Scheiße.

    Alltag meiden? Unsinn. Es geht darum, nur das zu meiden, was wirklich triggert. Zwei Situationen haben das Suchtgedächtnis aktiviert, mehr nicht. Kurz anschauen, als Nebenwirkung der Sucht einordnen und abhaken. Das ist kein echter Alltag, das ist ein alter Reflex.

    Wenn ein Versicherungsmakler da ist, bekommt er Vertrauen. „Mach mal“ – alles online rüber, erledigt. Das Finanzamt kommt jedes Jahr, völlig normal. Wer selbständig ist, gibt vieles ab. Keine Kontrolle über jeden Cent mehr, alles digital über den Steuerberater. Und wenn eine Rechnung fehlt, dann fehlt sie eben. Ein paar Euro Unterschied sind nichts im Vergleich zu dem, was früher bedenkenlos versoffen wurde. Belastendes wird ausgelagert, fertig.

    Es geht darum, Lösungen zu schaffen, statt dem Suchtgedächtnis Raum zu geben, das alte „Wegsaufen“-Muster vorzuschlagen.

    Probleme verschwinden nicht im Glas. Verantwortung liegt nicht bei Maklern, Behörden oder sonst wem. Der Suchtdruck entsteht im eigenen Kopf, und dort wird er auch beantwortet: mit Struktur, Klarheit und echtem Handeln statt Ausreden.


    Das mal kurz zusammengefasst, auf den Punkt gebracht, was ich denke, was zu tun ist. Vielleicht ist auch für dich etwas dabei.

    Tun muss man tun.:whistling:

    Aus meiner Perspektive des Langzeittrockenen:

    Da mache ich direkt mit. ;)

    Die Abstinenz an erste Stelle zu setzen , als meine persönliche Priorität Nummer eins,– hat sich nicht über Nacht in mein Hirn eingebrannt. Das brauchte Zeit. Aber als es sich einmal gesetzt hatte, stand es da wie in Stein gemeißelt. Alles andere ordnete sich automatisch darunter. Ich musste es nicht ständig betonen, es war einfach da, wie festgeschraubt.


    Ich musste meine Trockenheit auch nicht täglich polieren, analysieren oder neu verpacken. Ich nahm sie schlicht als gegeben. Vielleicht lande ich irgendwann in der Kategorie „staubtrocken bis zum Schluss“ und da passt der alte Spruch ganz gut:.

    Von Staub komme ich, zu Staub gehe ich zurück. Nur dass ich diesmal wenigstens nüchtern ankomme.

    1 Monat trocken. Sehr schön!!Freiheit, Leben. Daran habt ihr auch einen großen Anteil. Danke und besonders an Hartmut!!

    Das warst alles du selbst. Wir anderen waren nur Puzzleteile, die dir geholfen haben, dich neu zu sortieren.

    Wir waren ja schon da –;) aber du warst derjenige, der den Weg hierher gefunden, den Schritt in die Nüchternheit gemacht und entschieden hat, etwas gegen die Sucht zu unternehmen.

    Wenn ich an deine Anfänge denke, war es zwar steinig, aber nur durch dein konsequentes Umdenken und Dranbleiben hast du es geschafft. Der erste Monat ist geschafft mögen viele weitere folgen.

    Bleib dran und genieß den Tag.

    Danke, Carl, für das Thema.

    Auch Immer wieder spannend. Kaum liegt das Thema Sucht auf dem Tisch, sprudeln Lösungsansätze, Kritik, Besserwisserei und die üblichen „man müsste, man sollte“-Sprüche. Aber selbst aktiv werden? Passiert selten. Am Ende wird theoretisiert, analysiert, zerredet und trotzdem ist jeder froh, seine Meinung zu haben.

    Dann wieder ab in die Schublade, bis das Thema wieder hochkocht und alle gefragt sind, um zu reden und zu diskutieren. Wer kennt diesen Kreislauf nicht?:saint: Ich kenne ihn, ich beteilige mich ja auch.:whistling:

    Viel warten darauf, dass sich irgendwas „von selbst“ bewegt. Ab und zu klappt das sogar meist nur, weil irgendwann jemand einfach angefangen hat. Dabei wäre es simpel. Wer etwas verändern will, muss handeln. Nicht reden, machen.

    Na, wer kennt meinen alten Spruch nicht, den ich seit 19 Jahren runterbete: „Tun muss man tun.“ Der Satz ist so simpel, dass er schon wieder weh tut.:mrgreen:

    Wie immer fühlt sich der eine oder andere angesprochen, der andere hat mehr Ausreden als Motivation, und der Nächste erklärt sich grundsätzlich für nicht zuständig. Alles gut. Muss nicht jeder. Es reicht völlig, wenn wenigstens die, die am lautesten schreien, irgendwann auch mal etwas machen.

    Das Gute hier im offenen Bereich. Jeder Beitrag zieht Kreise. Vielleicht nicht immer mit der Wirkung, die man sich wünscht, aber er wird gelesen. Überall im Netz. Selbst kleine Impulse setzen etwas in Gang, auch wenn sie erstmal unscheinbar wirken.

    Während sich die verschiedenen Süchte im Laufe der Jahre sich verschoben haben, gibt es einen Bereich, der besonders stark zugenommen hat. Die digitale Sucht.

    Wir sind ein Alkoholiker-Forum, also breche ich es mal für mich runter.

    Studien, politische Programme oder irgendwelche neuen Verordnungen ändern nichts an der Realität der Sucht. Als ich noch gesoffen und geraucht habe, hat mich das alles nicht im Geringsten interessiert. Ich habe auch mit 13 angefangen , weder Preise noch Verfügbarkeit noch das allgegenwärtige Rauchen haben mich gestört.

    Warum auch? Ich war Teil des Problems.

    Die eigentliche Frage ist für mich: Warum stört es mich heute? Weil ich es nicht mehr kann? Oder weil ich andere vor dem bewahren will, was ich selbst durchgemacht habe? Beides ist menschlich, aber keins davon verändert die Fakten. Kein Süchtiger hört wegen höherer Preise auf, keiner bleibt wegen Steuern trocken. Politik, Verbote, Steuern , das geht komplett am Kern der Sucht vorbei.

    Zumindest meiner persönlichen Einschätzung nach sitzt es nicht im Geldbeutel und auch nicht im Gesetzbuch, sondern im Kopf.
    Wenn ich irgendwo wirklich etwas bewirken will, dann muss ich in die Köpfe rein. Nicht mit Streicheleinheiten, sondern mit Klartext. Alles andere ist Schönschreiberei.

    Und wenn ich als Alkoholiker meine eigene Selbsthilfe in eine Art Aufklärungsarbeit umwandle, dann geht das nur über Ehrlichkeit und deutliche Worte. Das sind die einzigen Hebel, die ich zumindest habe und selbst die wirken nur begrenzt.

    Denn kein Jugendlicher in seiner Sturm-und-Drang-Phase denkt nachhaltig. Das ist einfach die Realität.

    Das heißt ein Leben lang auf der Hut sein.

    Es ist einfacher, leichter und entspannter, als "man" sich das am Anfang vorstellt. Auch wenn es hier mal etwas härter zugeht, was den Austausch betrifft, ist es dennoch entspannter und hilfreicher, als bis zum Tod trinken zu müssen.

    Mein Tipp: Schreib weiterhin alles auf, auch die Kleinigkeiten. Selbst wenn es mal ganz leicht ist, reicht ein „Es war heute easy“ nicht aus. Hilfreich ist zu notieren, was genau easy war.

    Denn die Sucht ist wie so ein kleines „Einhörnchen“ – eigentlich wollte ich „Bitch“ schreiben, aber das passt hier nicht :saint::mrgreen:, das sich genau dort versteckt, wo es bequem ist. Und genau an diesen Stellen fängt sie an zu flüstern

    Angenommen man hat es ein Jahr gemieden, das Suchthirn erinnert sich dann doch trotzdem bei so ner Veranstaltung oder?

    Nein, so einfach ist das nicht. Nur das erste Jahr „auszusitzen“ reicht nicht.;)

    Für mich war das erste Jahr dazu da, überhaupt stabil zu werden. Deshalb habe ich in dieser Zeit alles gemieden, was ich früher zum Saufen benutzt hatte , Feste, Feiern, bestimmte Orte oder bestimmte "Menschen." Die grundlegenden sichtbaren Triggerreize gemieden .

    Aber im Grunde ging es um mehr.

    In den ersten Jahren habe ich mir bewusst die Zeit genommen, mich neu zu orientieren und mir ein trockenes Leben aufzubauen. Ich habe die Zeiten neu besetzt, in denen ich früher gesoffen habe. Ich habe mir Aktivitäten gesucht, bei denen Alkohol keine Rolle spielte. Und das habe ich positiv gemacht, nicht als Pflichtprogramm und nicht als Abarbeiten irgendeiner Liste.

    Mit der Zeit hat sich dadurch auch mein Denken verändert. Bestimmte Feste oder Situationen tauchten irgendwann gar nicht mehr in meinem Kopf auf, weil sie einfach keine Bedeutung mehr hatten. Das Denken hat sich verschoben.

    Ich kann heute überall hingehen , aber eben nicht immer. Und genau das halte ich nach 18 Jahren immer noch so wie am Anfang.

    Wie meinst du das genau mit dem Muster, dass nicht abgeschlossen werden konnte von früher und das nachwirken kann?

    In der nassen Zeit lief es bei mir immer gleich. Weihnachtsmarkt, Abschluss-Glühwein natürlich nicht nur einer. Das war fest ins Saufhirn eingebrannt, ein Ritual . Heute, wo ich trocken bin, schleicht sich genau dieses alte Programm wieder an und flüstert: „Da fehlt doch was.“

    Und das passiert nicht immer sofort. Manchmal kommt es zeitversetzt, Tage später, wie eine Erinnerung: „Du hast auf dem Weihnachtsmarkt etwas vergessen zu trinken.“ Da ich aber nichts mehr trinke, kann sich diese Erinnerung als Suchtdruck bemerkbar machen , einfach weil das alte Muster noch gespeichert ist.

    Die Idee, Freitag in meine alte SHG zu gehen, steht immernoch. Ich hoffe, ich kneife nicht. Aber ich merke ja hier schon, dass ich mich in so einer Runde nicht schämen muss, einen Rückfall zuzugeben. Für Samstag brauche ich eben noch etwas, Plan B ist immer, zu meinem Bruder zu fahren, da bin ich auch sicher.

    Schämen musst du dich nicht, wenn du einen Rückfall hast. Wir sind hier deine Gruppe, und wenn es so ist, dann ist es eben so. Es ist ja kein Schnupfen. Besser ist es, wenn du mir vorher meldest, wenn etwas nicht in Ordnung ist.;) Wie nah stehst du schon davor?

    Und deinen Plan B habe ich. Geh nicht hin.

    Hat jemand Erfahrungen mit Antidepressiva in der Zeit des psychischen Entzugs? Will keine Benzodiazepine nehmen. Oder glaubt ihr ein Umbau des Gehirns ist einfach von der Zeit abhängig? Mir fällt es schwer da ein Ende zu sehen.

    Ich kann deine „Ängste“ verstehen, aber medizinische Fragen sollten immer mit den Ärzten besprochen werden, da es individuell ist. Darauf achten wir hier genau. Erfahrungen lassen sich ja nicht einfach übertragen.

    Erstmal danke, dass sich viele mit mir über das Thema austauschen.

    Das ist als hypothetisch Frage von Hartmut

    So sieht’s aus.

    Für mich war es immer die Sucht selbst, nicht die Peinlichkeiten und nicht die materiellen Schäden. Das Peinliche hat mich nicht umgebracht, das Materielle konnte ich wieder aufbauen. Getötet hätte mich nur die Sucht.

    Wer seine Prioritäten zuerst auf Scham und materielle Verluste legt und nicht auf die Sucht selbst, befindet sich in der Abstinenzphase, nicht im echten Trockensein. Oder? Denn wenn die Peinlichkeiten verblassen und das Materielle wiederhergestellt ist, meldet sich die hartnäckige Stimme des Suchtgehirns: „Kann ich ja wieder saufen, oder?“

    Spannend war für mich der Abgleich, denn es ist ja ein Prozess, der nie aufhört, zu sehen, wie andere darüber denken. Außer bei denen, die gedanklich schon immer in einer Sonderwelt unterwegs waren und sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, sich überhaupt einordnen zu lassen und es als Affront ansehen, sich etikettieren zu lassen – selbst in einer SHG.

    Wenn dir jemand auf die Schulter klopft und es staubt heftig, dann ist es soweit

    Und um noch einen draufzusetzen :saint: richtig trocken rausgehauen. Staubtrocken ist nicht der, bei dem Staub aufwirbelt, wenn ich ihm auf die Schulter klopfe, sondern der, der sich mit dieser Tablette überhaupt nicht mehr beschäftigt. Weil der längst aufgehört hat, Illusionen nachzujagen oder auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob man irgendwann „wieder trinken könnte“.

    Ich habe mich die ganze Zeit gedrückt hier zu schreiben weil ich mir nicht sicher bin ob ich Ja oder Nein sagen würde, wenn es eine wie o.g. Tablette geben würde.

    Warum? Es ist Austausch, mehr nicht. Niemand hat etwas davon, wenn sich jemand zurückhält, nur weil andere es für sich anders handhaben. Jeder bleibt für sich allein trocken. Es gibt keine Kopien, keine Schablonen. Es gibt nur Wege und Erfahrungen, die einem helfen, trocken zu bleiben.

    Ein kleiner Tipp aus meiner Erfahrung. Ich habe mich meist nicht an den 5 % orientiert, die es geschafft haben. Ich habe mich an den 95 % orientiert, die es nicht geschafft haben. Denn wenn ich nur den Erfolgsstories zugehört hätte, wären mir viele Risiken, Stolpersteine und Muster nie bewusst geworden.

    Willkommen bei uns.

    Bei allem, was du gerade fühlst. Den Verlust eines Menschen durch die Sucht zu erleben und dabei zusehen zu müssen, wie er daran zugrunde geht, ist kaum auszuhalten. Dass du trotz dieser Belastung den Weg hierher gefunden hast und darüber schreiben möchtest, verdient nichts weniger als tiefen Respekt.

    Danke dafür. Komm erst einmal an. Und wenn du irgendwann die Kraft hast, darüber zu sprechen, dann tu es. Lass alles heraus. Trauer, Wut, Ohnmacht, Fragen. Alles, was sich in dir bewegt, hat hier Platz.

    Wir sind da. Und du bist damit nicht allein. Leider passiert so etwas häufiger, als man glaubt.

    Mein Beileid!