Hallo Miezekatze,
gestern habe ich dir was darüber geschrieben hier, wie es war, mit meinem Exmann. Da war dann die Trennung das Einzige, was für mich gut war. Und es hat einiges an Zeit gekostet, bis ich das zugeben, durchsetzen und leben konnte. Während dieser Phase habe ich mit meinem Exmann nicht zusammen gelebt, ich hatte mir ja eine Wohnung genommen. Manches Mal war ich drauf und dran gewesen, alles hinzuschmeißen und zurück zu gehen. Der Druck, den ich spürte, Verantwortungen, die ich glaubte zu haben und Schuldgefühle waren ganz schön heftig. Und der Ex haute da voll in die Kerbe und tat sein's dazu. Diese Zeit hat er auch nicht getrunken...
Ich war dann ja hier im Forum und da schrieb in mein Fädchen öfter ein "Dante" was rein. Seines Zeichens Alkoholiker. Und er kommt auch aus Berlin und suchte jemanden, der ab und an mal mit ihm mitging in die Oper oder zu Veranstaltungen. Er hat mich gefragt und irgendwann, das ist jetzt Ende Oktober 5 Jahre her, traute ich mich, da mal mitzugehen.
Und da lernte ich auch kennen, wie Alkoholiker auch sein können, wenn sie es ernst meinen. Ich war ja damals noch dabei, mich loszulösen vom Exmann. Und hatte einen Vergleich. Ex, der machte nix. Gruppe, braucht er nicht. Therapie schon garnicht. Drüber reden erst recht nicht. Und all sowas. All das, was ich hier bei den Alkis als "Grundbausteine" kennen gelernt hatte, kam für meinen Ex nicht in Frage. Wohl aber für Dante! Wir sind z.B. damals essen gegangen, da schaute er selbstverständlich auf die Zutaten bzw. fragte nach (das war neu für mich und erstaunlich, vom Ex kannte ich das garnicht so...). Er hatte seine Gruppe und das Forum. Therapie gemacht. Er lebte immer mehr seine Trockenheit, ist ganz offen damit.
Es war ganz anders als beim Exmann. Ich sah, da passierte was bei diesem Mann "Dante". Er nahm (und nimmt) sich selbst ernst, ist achtsam. Weiß um das, was er hat an seinem Leben, ohne Alkohol. Und will das auch behalten. Also macht er was dafür.
Ein Jahr nach unserem ersten Treffen wurden Dante und ich ein Paar, seit April 2011 sind wir verheiratet. Ich lebe also mit einem Alkoholiker zusammen. Das geht ja auch! Aber es gab und gibt da eben auch das "etwas andere".
Damit meine ich, als Dante und ich beschlossen, er zieht zu mir, war Dantes Forderung, dass der Haushalt alkoholfrei sein muss. In der Wohnung hatte ich keinen Alkohol mehr, aber im Keller standen noch Reste von meinem 50ten Geburtstag. Die verschenkte ich. Seitdem leben wir abstinent, ich also auch. Hier gibt es nichts mit Suff, auch nicht in Lebensmitteln, und wenn wir Besuch einladen, bieten wir auch nichts Alkoholisches an. Warum auch? Inzwischen gehe ich mit Dante zusammen zu den Guttemplern, das ist unsere reale Gruppe. Er lebt aktiv sein trockenes Leben. Und ich?
Nun habe ich als Co wieder einen Alki, oder?
Nööö, im Grunde kann man es so nicht sagen. Er achtet auf sich und darauf, trocken zu bleiben. Dafür macht er was. Ich achte darauf, meine alten Muster mehr und mehr abzulegen. Denn eine Coabhängige kann mein Mann nicht gebrauchen.
In der 4 Jahren unserer Beziehung habe ich einiges an Mustern erlebt. Die noch aus meiner 1. Ehe stammen. Die immer mal hervor kommen. Einmal, z.B., blitzte was hinter unseren Büchern. Mein Exmann hat immer hinter den Büchern sein Bier versteckt. Sofort lief was in meinem Kopf ab, und ich dachte, das darf doch nicht wahr sein...
. War's auch nicht, das, was so blitzte, war ein Lesezeichen...
Oder z.B. letztes Jahr im Urlaub. Da hatte unsere Vermieterin eine Flasche Sekt auf's Zimmer gestellt. Ehe wir die zurück geben konnten, lief erstmal Kopfkino ab, als ich unter der Dusche stand. Und ich sah im Geist jemanden, der diese Pulle vor dem Hals hatte... So wie der Ex damals. Aber Dante hat das nicht gemacht. Das sind so alte Dinge, die passieren, werden mir immer wieder mal passieren. Aber grundsätzlich habe ich Vertrauen zu meinem Mann und seiner Trockenheit. Und ich liebe ihn. Das sind Dinge, die konnte ich mit meinem Exmann nicht mehr spüren. Ging nicht, war alles kaputt.
Gut, Dante kenne ich nun auch nur trocken. Aber ich sehe eben auch, dass er was tut. Dass er aktiv ist für sich. So, wie ich es für mich eben bin. Er weiß, einen nassen Alkoholiker an meiner Seite wird es nie mehr geben! Nie! Das wäre das Aus!
Es geht also, mit einem trockenen Alkoholiker ein wunderschönes, glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Wenn gegenseitiges Vertrauen herrscht, Toleranz, Achtung. Und Liebe. Aber das ist doch die Grundbasis für jede Beziehung, oder? Eine gemeinsame Basis zu haben, Augenhöhe.
So, das war jetzt mal mein Roman
, irgendwie wollte ich das auch hier noch mitteilen. Denn die Frage war ja schon irgendwie auch, ob ein gemeinsames Leben mit einem Alkoholiker, der trocken ist, möglich ist. Gut, wir sind nicht in der Nassphase von Dante zusammen gewesen. Aber ich habe einen Vergleich, Exmann und Dante, wie es laufen kann. Oder auch nicht. Denn mein Exmann trinkt seit 1 Jahr wieder...
Warum, das weiß nur er. Ich weiß nur, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe, damals. Dass ich hingesehen habe und gesehen habe, was ich will und was nicht. Ich habe erkannt, was ich vom Leben verlange und was ich nicht mehr tolerieren will. Ich nehme mich ernst. Es hat schon einiges gekostet, an Zeit, an Schmerz, Tränen, Auseinandersetzung. Aber schlussendlich hat es mir was gebracht.
Aurora