Liebe Dagmar,
ich hoffe, Deinem Oberschenkel geht es besser, sind die Wunden gut abgeheilt?
Du lebst ja wie unsere Grosseltern, kann mir gut vorstellen, dass Du da abends ins Bett fällst. Das möchte doch alles bearbeitet und versorgt sein.
Es ist eine sinnvolle Aufgabe und die Unabhängigkeit ist ein grosses Geschenk, ganz zu schweigen, von der Natur und der Umgebung die Du tagtäglich geniessen darfst.
Dennoch fällt mir auf und der nachfolgende Satz passt dazu:
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es der Nachbar nicht möchte.
Manch reifere Männer???????, meinen auch heute noch, dass alleinlebende Frauen, Freiwild sind. Glauben vielleicht der Frau noch einen Gefallen zu tun.
Hier ist Abgrenzung wie Du es getan hast ganz wichtig. Ist doch auch irgendwie ein Übungsfeld, das wir unsere Grenzen aufzeigen können. Gut jetzt kommt es darauf an, was Du in diesem Mann gesehen hast und ob Du Dich dabei in ihm getäuscht hast, das ist es, was dann weh tun könnte. Freundschaft ist ein kostbares Gut, mit dem keine/r spielen sollte.
ENTTÄUSCHUNG hat auch was Gutes es ist das ENDE einer TÄUSCHUNG. Siehst wie der Mensch wirklich denkt, ob er fühlen kann bezweifele ich, sonst hätte er sich anders verhalten.
ZitatDieser Mensch, der so ganz anders ist als ich - ich der Gefühlsmensch, er der absolute Realist - ist für mich (ohne dass er es weiß) ein sehr, sehr wertvoller Lehrmeister. Nicht nur, dass mein Intellekt gefordert ist, gerade die Psyche ist es umso mehr. Habe ich doch früher in solche Menschen Eigenschaften hineininterpretiert, die ich gerne an ihnen gesehen hätte, so bin ich jetzt bereit diesen Menschen so zu nehmen und kennen zu lernen, wie er ist. Was sich dann anweiteren Charakterzügen zeigt das ist interessant, aber nicht in meinem Oberkastl entstanden.
Ja, es ist ein Lernweg! Nein, leicht ist er weiß Gott nicht! Dennoch: er bringt mich immer wieder ein Stückchen weiter zu mir, aber auch zu meinen Mitmenschen, wie sie wirklich sind.
Gefühlsmenschen und Kopfmenschen können viel voneinander lernen, denn der andere hat das, was ich bei mir vermisse oder nicht so gut ausgebildet oder beachtet habe. Der andere ist deshalb als Mensch nicht mehr "wert", wir intepretieren das oft nur hinein, deswegen ist es so wichtig, bei sich bleiben zu können, hinzuschauen wie Menschen wirklich sind und vor allen Dingen wie wir wirklich sind, wahrnehmen zu wollen.
Das ist für mich mit der schmerzhafteste Prozess gewesen, mich selbst sehen zu können mit meinen hellen und dunklen Seiten, ist nicht einfach, aber nur das bringt uns weiter, auf unserem Weg zu uns selbst.
Ich himmele keine anderen Menschen mehr an und möchte auch nicht mehr ein anderes Leben als mein "Eigenes" zu Ende leben.
Wenn wir das in uns selbst gut vereinigen können Kopfmensch (Denken) und Gefühlsmensch (Fühlen) sind wir authentisch und sehend geworden.
Übung macht den Meister liebe Dagmar, das schaffen wir auch noch, davon bin ich überzeugt.
Ich wünsche Dir noch eine gute Woche.
Alles Liebe Weitsicht