• Hallo @ all,

    dieser Tage in meiner realen SHG kam wieder einmal die Sprache auf Suchtverlagerung. Allerdings oder natürlich bei den Alkoholabhängigen. Allerdings ging mir durch den Kopf, dass dies ja wohl auch bei den Co´s der Fall sein kann. Denn nicht immer wenn der Angehörige trocken wird, ist auch der Co gesund.

    Habt ihr bei euch selbst so etwas ähnliches wie Suchtverlagerung festgestellt? Und wenn ja, wie sah die denn aus? Bei mir habe ich den Verdacht, dass es lesendes Lernen ist. Oder lernendes Lesen? Na ja, auf jeden Fall etwas mit Büchern und Lernen.

    Ich bin gespannt, was ihr findet.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo liebe Ette,

    ein, wie ich finde, sehr interessanter Thread!

    Ich bin schon sehr gespannt auf die Erfahrungen und Meinungen der anderen Co's.

    Bei mir könnte es das Forum sein?!?!? :wink:

    Ich kann mich immer sehr schwer von Euch trennen... ist das schon Suchtverhalten?

    Ich hoffe nicht, denn ich bin sooo gerne bei und mit Euch!

    Lieben Gruss
    Speedy

  • Hallo Ette...ein wirklich interessanteer gedanke... Bei ihm hab ich das wohl schon immer bemerkt.. er verlagert ja gern ins Kiffen oder Spielen(manchmal macht er auch alles zusammen mit dem saufen..)
    bei mir??
    Ich weiß, dass ich in kritischen Phasen innerhalb der beziehung dazu neigte, immer mehr Aufgaben außerhalb der familie anzunehmen..z.Bsp. im Kindergarten Elternrat, Elternbastelgruppe Intiativkreis...usw. so hatte ich keine Zeit und auch keinen Kopf auf mich und meine Probleme zu schauenm..
    Ich werde mal genauer hinsehen, wie sich das bei mir entwickelt.. (ich bin viel hier :wink::oops::oops::lol::lol::lol::lol: )= genau wie speedy schreibt...

    LG Tihaso

    co-abhängig...Sich auf den Weg machen - egal wie schwer er ist!!!

  • Hallo Ihr Lieben,

    irgendwann trifft eine gewisse Normalität ein. Alleine durch das nervöse Gezappels, durch Wegfall der ganzen Fluppen, durch Ordnung im Kopf, Arbeitswegfall und Hirnbefreiung, Einsparungen in der Einkaufzeit, Wegfall des Flaschentragens und Entsorgens und Wegfall der Rechtfertigungen von Rechtfertigungen, überhaupt der Wegfall der Blockadegedanken, da sind enorme Freiräume und Energieschübe entstanden, alles aufzufüllen, mit Ruhe, Gelassenheit und Gedanken.

    Wenn ich morgens Sport mache, auf Ernährung achte, viel Lese, mich mit neuen Dingen beschäftige, anders denke und weiter Veränderungen vornehme, sehe ich da keine neuen Suchtstrukturen.

    Ich bin dankbar hier sein zu dürfen, es belastet mich nicht, denn ich kann nach Belieben gehen und kommen ohne nervös auf die Uhr zu sehen oder ins Schwitzen zu kommen oder wirklich andere Dinge zu vernachlässigen. Intensiv an etwa zu arbeiten, in dem Fall an mir, wäre ja dann Selbstsucht. Vom Selbstbewußtsein in die Selbstsucht. Auch kein schöner Gedanke.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ette!
    Bei mir hat so ziemlich gleich mit dem Trockenwerdenanfang meines Mannes eine Suchtverlagerung stattgefunden. Für mich gab es dann nur noch das Trockenwerden. Bis ich von meiner SHGruppe gesagt bekam, dass ich an mich denken soll. Und bis ich hierher fand.
    Jetzt hat sich alles in mich verlagert. Ich versuche mich zu finden, zu stärken und den Umgang mit den Menschen neu zu erlernen.
    Es war am Anfang sehr schwer, ist es auch immer noch, habe zu lange viel falsch gemacht, falsch mit mir umgehen lassen , mich vergessen - lassen.
    Mein Mann hat aus meiner Sicht auch eine Suchtverlagerung erlebt, denn als er anfing, trocken zu werden, hat er ganz viel Kaffee, - puddings, - cremes in sich hineingestopft. ?Ersatz? Jetzt hat es aber schon wieder nachgelassen. (nach 9 Monaten).
    LG Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Guten Morgen,

    schön, dass sich ein paar Leute gemeldet haben. Schließlich gilt auch bei Co-Abhängigkeit, dass ein Loch entsteht, wenn der trinkende Partner nicht mehr trinkt, das es zu füllen gilt. Ich hätte mir gewünscht, dass auch ein paar Stimmen aktiv werden, von den Frauen, die Seitenlang ihre Gedanken um den Alki kreisen lassen. Allerdings - da gibt es noch keine Suchtverlagerung, da die aktuelle Sucht noch sehr gegenwärtig ist. Jedenfalls sieht es von außen so aus.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hey Ette,
    hm, bei mir gab es (noch) keine Verlagerung.

    Allerdings bin ich starker Raucher. Mit dem Umzug ins Neue Haus will ich versuchen im Hause nicht mehr zu rauchen - a) wegen dem Geruch und b) selber die Sucht zu reduzieren, aufstecken schaffe ich leider jetzt gerade nicht.

    Meine Sucht viel an meinen Homepages zu arbeiten und zu Surfen wurde von meinem Ex eliminiert weil er mir die Anschlüsse kappte. Auch das war heilsam, ich bin nun auch da auf etwas Abstand und mir gehen andere Dinge vor, auch wenn ich froh bin wieder im Netz aktiv sein zu können.

    Eigentlich (da das Wort eine Einschränkung ist, benutze ich es bewußt) ist bei mir eher dir Richtung Gesundung und Relativierung angezeigt. Was früher in Übermaß und extrem betrieben wurde ist derzeit eher normalisiert.

    Wobei ich aber denke, mein Punkt der Gefahr kommt erst noch.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo

    Oh wie wahr. Man fühlt eine Leere, aber eine die erholsam ist, die alles von einem abfallen lässt, wenn der Partner nicht mehr trinkt.
    Da wird erst klar um was man sich alles gekümmert hat. Wahnsinn, oder?
    Auch die Kinder bepütschert man so.

    Ich gewöhne mir das gerade alles ab und genieße meine freie Zeit.
    Ich muss sagen, ich kann mich gut aushalten und finde das auch total OK.

    LG

    vergissmeinnicht

  • Nachdenklich.....

    ...macht mich, was ich hier im Forum zur Zeit lese. Feindbilder werden aufrecht erhalten, ja sogar noch aufgebaut, wie es scheint. Da werden Ratschläge zum Lügen erteilt, als ob Lügen moralischer wären, wenn sie nicht durch Alkis erfolgen. Trotz Um- und Auszügen gibt es im Grunde nur ein Thema. DER ALKI! Von Selbsthilfe sehe ich im Moment nicht viel. Na ja, vielleicht Hilfe dazu, sich so richtig schön rein zu steigern. Auch eine Art von Suchtverlagerung. Wenn der Alki schon nicht mehr im alltäglichen Leben gegenwärtig ist, wird er wenigstens als Feindbild thematisiert.

    Eine, wie gesagt, nachdenkliche
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Servus Ette,

    schön, dass Du dies ansprichst.

    Schade, dass es nicht nur mir auffällt.

    Ungesund, dass wir nichts dagegen machen können. Das können nur die, die es betrifft. Und die sind entweder noch nicht so weit oder wollen es nicht sehen.

    In beiden Fällen sind mahnende Worte vergeblich. Aber ja, auch ich würde mir im Angehörigenbereich bei so manchem Thread mehr Ehrlichkeit zu sich selbst wünschen.

    Bei manchen schreibe ich dies auch, dort, wo mir die "Schreiberlinge ans Herz gewachsen sind". Bei anderen schreibe ich lieber nichts (mehr).

    Ich denke mir dann es ist wohl besser, bei mir zu bleiben und mich um meine Dinge zu kümmern.

    LG
    Spedi

  • Ich grüße euch. Bin mir meiner CoA noch nicht so lange bewusst. Mir ist da aber Etwas aufgefallen, was ich für mich als Anzeichen der Suchtverlagerung eines Co´s verstehe:

    Kurz zur Vorgeschichte: ich habe ihn fast unmittelbar nach der Erkenntnis meiner CoA verlassen und bin jetzt Kontaktlos ihm gegenüber.

    Ich war letzten Montag zum ersten Mal in meiner SHG, diese besteht nur aus 3 Personen (inkl. mir) und der Gruppenleiterin. Ist also sehr überschaubar. Nachdem ich mir die traurigen Geschichten der anderen zwei Co´s angehört habe, regte sich in mir eine Stimme, die sagte, hilf ihnen! Ich habe ihnen Ratschläge (als Wochenaufgabe) gegeben und angeboten (als meine Wochenaufgabe) Infos über CoA zu besorgen und mich darüber hinaus über einige rechtliche Aspekte zu informieren, die mit den Geschichten der anderen beiden Co´s zu tun haben. Musste mich innerlich stoppen um mich - wie sage ich es - nicht aufzudrängen. Ich habe in diesem Moment überhaupt nicht mehr zu mir schauen können. Danach hab ich unglaublich heftige Migräne bekommen und musste mich um mich kümmern. Das fand ich schon sehr bedenklich und ich frage mich, ob eine/diese SHG wirklich das Richtige für mich ist.

    Ich frage mich weiter, bis wann ist Helfen gesund und wann fängt Helfen Wollen an, krankhaft zu sein?!

    Ich fühle mich befangen und besessen.

    k.

  • @ koketterie

    das, was du schreibst, läuft in richtung helfersyndrom. es ist natürlich wahnsinnig schwierig abzugrenzen, was ist noch nächstenliebe und hilfsbereitschaft und wo fängt es an krankhaft in form von aufdrängen zu werden. ganz problematisch ist es, wenn man dann auf mitmenschen trifft, die permanent nur am jammer sind. bis man dann erkennt, dass es denen nur gut geht, wenn es ihnen schlecht geht. die zwar immer einen rat fordern, den aber gar nicht befolgen wollen, denn da ginge es ihnen ja wieder gut. schwierig sich dann abzugrenzen.

    lieben gruß - emz

  • Zitat von Ette

    Hi koketterie,

    ich denke mal, das liegt an der SHG.

    LG
    Ette

    Ups - da ist mir doch ein "nicht" abhanden gekommen. Koketterie, im Grunde liegt ALLES in uns. Ratschläge, womöglich noch ungefragt, in SHGs finde ich bedenklich. Hausaufgaben - nun ja, die Gruppenleitung macht so etwas schon mal. Aber ein Mitglied? SHGs können nur so gut sein wie ihre Mitglieder und wenn diese ihre Co-Strukturen auch in der Gruppe ausleben, dann fehlt jemand, der darauf hinweist. Jedenfalls läuft das in meiner Gruppe so.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • @ Ette

    Hallo und vielen Dank für deine Antworten. Ehrlich gesagt, habe ich mir bei meinem heutigen abendlichen Spazierganz deine erste Antwort durch den Kopf gehen lassen und fand es sehr unbefriedigend. CoA bedeutet für mich in erster Linie "Die Sucht gebraucht zu werden" und das Helfersyndrom, was ich bei mir feststelle, geht doch damit einher. Ich bin froh, dass ich auch deine zweite Antwort nun lesen durfte. Danke. Es ist nicht mein Ziel, meine Sucht auf andere Menschen zu verlagern.

    Ich denke jetzt aber auch ganz sicher, dass diese SHG nicht die Richtige für mich ist. Die beiden anderen haben tatsächlich Suchtprobleme in der Familie als Angehörige - ich hingegen habe dieses Suchtproblem anhand eines Freundes entdeckt. Ich kann mir vorstellen, dass das einen Unterschied in der Problematik ansich macht. Ich bin mir meiner CoA bereits bewusst, die anderen beiden noch nicht (die SHG ist mit uns jetzt auch erst neu gegründet worden). Aber mal davon abgesehen, frage ich mich auch die ganze Zeit, warum mich diese "verdammte" Gruppenleiterin nicht davon abgehalten hat. Diese Hausaufgaben waren ebenso meine Idee.. Als Gruppenziel habe ich benannt: ich will mit meiner Geschichte helfen. ?!? Da hätte sie doch einschreiten müssen! Es kommt mir schon fast so vor, als hätte ich an diesem Tag die Gruppe geleitet, daher auch dieser heftige Kopfschmerz im Nachhinein. Aber ich werde meine Leiterin am nächsten Montag darauf ansprechen und vielleicht wollte sie ja auch, dass ich allein auf den Trichter komme..?! Bin ich ja auch irgendwie ;)

    @ emz

    Auch dir vielen Dank für deine Antwort. Ich frage mich, ob dieses Helfersyndrom zuerst da war oder aber die CoA? Ich denke, die Problematik Helfen wollen wird mich noch lange begleiten, denn eigentlich helfe ich gern. Ich will eben einfach nur nicht, dass diese Hilfe bis zur Selbstaufgabe geht. Ich glaube irgendwo in meinen Kopf ist da eine Schraube verdreht, die es zu lösen gilt, denn das Maß ist mir abhanden gekommen (da schreitet dann wohl wieder die CoA ein?!).

    Wir Co´s sind - glaube ich - ein Paradebeispiel für Menschen, die gut jammern können und denen es fast nur gut geht, wenn es uns schlecht geht. Zumindest war das ein Satz, den ich in den letzten 6 Jahren öfter mal von meiner Droge (ihm) gehört habe. Ich jedenfalls hab mich gut gefühlt im Schlechtfühlen. Aber damit soll nun ja auch Schluss sein. Denn es gilt ja wohl nun, wieder Verantwortung für mein Tun zu übernehmen.

    Ein lieber Gruß in den Abend

    k.

  • Guten Morgen,

    in diesem Thread schrieb ich, relativ kurz nachdem ich hier aufgelaufen bin. Ausleben meines Helfersyndroms bei ABC als Suchtverlagerung nach dem Kontaktabbruch zum XY, könnte man in kurz sagen. Ich will helfen, andere sollen auch von meinem Weg profitieren, das war auch irgendwie mal eine Aussage, die ich recht zum Anfang hier getroffen habe. Eine Aussage, die ich öfter auch hier lese bei Neuankömmlingen im Angehörigenbereich. Ich habe dieses Bedürfnis heute nicht mehr. Nicht falsch verstehen, ich helfe noch immer gern. Aber es ist mir längst nicht mehr so wichtig wie es mir zu Beginn meiner Reise wichtig war. Da war helfen für mich essenziell. Es gab mir Bedeutung und es gab meiner Geschichte auch irgendwie einen Sinn.. Heute brauche ich das nicht mehr. Das ist wohl ein gutes Zeichen von einer Freiheit von Co-Abhängigkeit, die ich mir auf meinem Weg erarbeitet habe. Heute, 8 Jahre später.

    Viele Grüße, B.Nyborg

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