man muß lernen, auf eigenen Beinen zu stehen

  • Hallo, liebe Zahnina ;)

    auch bei mir war es eine Beziehung von fast einem Jahrzehnt. Mehr also, als ein fünftel meines Lebens. Auch ich habe von Anfang an die Brisanz nicht erkannt, eine Steigerung bemerken müssen und letztendlich innerhalb von wenigen Monaten den kompletten Horror.

    Es ist nicht leicht auszusteigen und neu zu starten. Es lohnt sich ganz sicher immer, aber der Weg ist langsam und steinig und das, was nun gesünder und sicherer für mich als Co ist fühlt sich relativ neu und unbekannt an.

    Bekannt waren Schmerz, stets auf Hab-Acht-Stellung was passiert, welcher Polizist, Gerichtsvollzieher oder sonst auch immer vor der Türe steht. Oder ist es gar eine Anzeige.... in der stärker werden Sucht ist nämlich auch eine ganze Anzeigenlawine ins Rollen gekommen.

    Wenn Du gehst, liebe Zahnina, dann wird ihm (vielleicht?) sein Zahn gezogen, dass er sein Leben im Griff hat. Vielleicht ermöglicht ihm das die Chance des Aufwachens. Ich bin zu spät gegangen, ich denke mal, mein Gegenstück ist zumindest bisher nicht erwacht von seinem Dornröschenschlaf mit der Pulle. Wer ihn wachküst wird vermutlich irgendwann einmal eiin Nierenversagen oder Papa Korsakow sein. Ich weiß es nicht, aber ich weiß dass mein Leben neue Facetten bekommen hat und wieder ein Leben ist.

    Ich weiß aber auch, dass der Weg nicht einfach ist und auch die Traurigkeit und Angst vor der Zukunft uns ständig "in den Hintern tritt". Es ist nur die Frage, ob nicht ein einmaliger starker Tritt in Richtung "Dein Leben selber in die Hände nehmen" besser ist als viele "kleine Tritte im Miteinander, durch welche der Hintern nicht mehr sitzfähig ist".

    Ich wünsche Dir viel, viel Kraft für Deinen Weg.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Zahnina,

    schön, dass du jetzt auch hier schreibst.

    Natürlich fällt es schwer.
    Aber wie lange soll man warten?
    Ich lese bei dir raus, dass du ziemlich leidest, wenn du schreibst, du hast ihn angefleht, klingt das bei mir so, dass du wirklich drunter leidest.
    Also sitzt du sozusagen im Wartezimmer und wartest, dass er sich endlich ändert. Und das Problem ist, das kann wirklich ewig dauern.

    Ich wünsch dir erstmal viel Kraft und guten Mut, egal, wie du dich entscheidest und was du als nächstes tust.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Ach ja, und noch was.

    Die SAche mit dem "er wird sich gehen lassen", diese Gedanken kenne ich auch von meiner ersten Trennung damals. (vom gleichen Mann wie jetzt :oops: )

    Also, irgendwie stimmte es, andererseits auch wieder nicht.
    Er ließ sich ja vorher schon gehen.
    Aber die Kurve zur Trockenheit hat er dann plötzlich völlig ohne mich bekommen, allerdings erst einige Jahre nach der Trennung. Ich dachte, ich versteh die WElt nicht mehr, dass alles schließlich ohne mich ging, nur weil er endlich eingesehen hatte, dass es so nicht mehr weitergeht.
    Also, ich denke, jeder normale Erwachsene kann schon für sich sorgen, wenn er will. Oder sich eben irgendwie Hilfe organisieren. Jedenfalls ist das meine ERfahrung mit meinem Mann. Ich habe immer das Gefühl, ihm helfen zu müssen, aber wenn es drauf ankommt, packt er das auch alleine oder organisiert sich jemanden, der ihm hilft.
    Oder er lässt es eben bleiben, aber dann, weil er es irgendwie nicht richtig will, weil er das Leben im Suff nicht aufgeben will und alles andere in Kauf nimmt.

    Wie kommt man von ihm los?

    Bei mir liefs so:
    Wenn ich Angst um mein eigenes Leben bekam, Angst, dass ich zu viel opfern muss für ihn. Wenn also der Preis mir zu hoch erschien.
    Und dann entstand der Druck, dass ich was ändern muss, dass ich mich lösen MUSS, auch wenns schwer fällt.

    Meine Strategie war und ist:
    viel schreiben, sich bewusstwerden, sich selbst gut zureden.

    Alles Gute
    Doro

  • Ach, jetzt haben sich unsere Nachrichten überschnitten.

    Das mit deinem Alter, das habe ich auch gleich gedacht.
    Ich war bei der ersten Trennung von ihm 29 und für mich war das ein ganz entscheidender Knackpunkt, dass ich dachte: Ich will Familie gründen, ein Leben aufbauen, mit ihm geht das nicht.
    Jetzt oder nie.
    Aber er war damals schon so drauf, dass der Alkohol bei him dazu geführt hat, dass er gar nicht gearbeitet hat und überhaupt war das kein Leben zu zweit mehr. Das ist bei euch ja anders.

    Dass ich nun mit demselben Mann doch eine Familie gegründet habe, liegt daran, dass er trocken wurde, einige Jahre nach der Trennung. Und da war ich noch single und hab mich halt wieder auf ihn eingelassen.
    Und nun ist er nach einigen Jahren rückfällig...
    Aber das ist ne andere Geschichte.

    Wenn das einzige, was dich bei ihm hält, das Pflichtbewusstsein ist...
    Das geht nicht.
    Überleg doch mal, du kannst doch nicht dein Leben in die Tonne werfen, damit er nicht abrutscht.
    Wenn du dich trennst, hat er ja die Chance, sich noch zu ändern und ihr könnt es doch noch zusammen schaffen.

    Alles Gute
    Doro

  • Hallo Zahnina

    jetzt weine ich nicht mehr so viel, weil wir jetzt getrennt sind.

    Die ersten kleineren Rückfälle waren zeitlich beschränkt und da hab ich ihm noch relativ schnell wieder gerne geglaubt, dass er nicht so wahnsinnig sein wird, jetzt wieder alles, was wir aufgebaut haben, kaputt zu machen.

    Leider war er dann wirklich so wahnsinnig...

    Also, als er wieder richtig anfing, das war für mich der Horror.
    Er kam am Heiligabend (!) betrunken an und das war für mich echt schlimm. Wir haben ja auch zwei kleine Kinder und ich hab versucht, denen trotzdem noch einen schönen Weihnachtsabend zu machen und nebenbei flossen die Tränen. Und er machte einfach weiter, TAg für Tag, wie zu alten Zeiten, mit allem Drum und Dran: Flaschen verstecken usw.

    Aber die ganze Sache ist dann sehr schnell eskaliert, er wurde aggressiv, ich rief die Polizei, seitdem hasst er mich und ich hab mich getrennt.
    Weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn er nicht so aggressiv gewesen wäre, dann hätte ich wohl noch ne Weile mitgespielt und nur gelitten.
    So wars eine relativ kurze Schreckensphase und seit wir getrennt wohnen, erhole ich mich langsam und bin eigentlich jetzt ganz vergnügt.

    Es ist schon bitter, das stimmt.
    Aber ich bin nicht dran zerbrochen und ich habs nicht nur überlebt, ich glaube, ich wachse daran.

    Bloß zurück zu ihm will ich nie wieder, jetzt reichts.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Hallo Andrea

    Du hast doch nichts falsch gemacht, das ist die Sucht. Er wird was ändern, wenn er soweit ist. Abe es wird nur klappen, wenn er es einsieht. Mein Mann ist zur Entgiftung gegangen, zur LZT, er hat alles gemacht, was ich ihm gesagt hab. Aber er hat es für mich gemacht, dabei nichts eingesehen und ist wieder rückfällig geworden.
    Jetzt bin ich allein mit meinen Kindern und es geht mir gut dabei. Ich kann mich um mich kümmern, kann mein Leben leben. Muss vieles erst wieder lernen, es fühlt sich oft noch komisch an, aber es ist schön.
    Denk an dich, mach eine Therapie für dich, du bist es wert.
    Ich schick dir ganz viel Kraft und drück dich mal!

    julchen

  • Hallo Zahnina (schöner name..ich arbeite in der Gruppenprophylaxe in Kiga und Schule)

    schön, dass du dich hier einfindest..

    Ich heiße ich auch herzlich willkommen..

    ich habe eine 21 Jahre dauernde Beziehung hinter mir und einiges ist doch sehr ähnlich zu mir..
    Ich war bis 18 Uhr außer haus und er als Briefträger schon sehr viel früher.. als ich noch arbeitete, fiel das nicht weiter auf..denn er hatte bis ich nach Hause kam seinen Rausch ausgeschlafen..ich fand sein trinkverhalten doch trotzdem merkwürdig und wir hatten häufige Gespräche darüber, aber mnichts änderte sich, außer, dass er es noch mehr vor mir versteckte..

    Als ich dann schwanger wurde, und in den Mutterschutz ging, da wurde s auch für ihn sehr schwierig, da er ein Spiegelquartalstrinker ist...
    Wir hatten eine Krise nach der anderen und ich hielt immer an seinen Versprechungen fest.. die er in dem Moment wo er sie aussprahc auch ernst meinte, aber nicht haten konnnnte... da begann unsere Bezihungsodyssee eine andere Dimension anzunehmen.. es war unerträglich....ich schaffte es weiter nach außen eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen und verlor mich ... meine Kräfte wurden ja auch von unserer Tochter beansprucht und diese ist (damals nur ) körperbehindert gewesen... ich schafft es soweit zu verdrängen dass ich noch ein 2.Kind bekam...als meine Große dann noch krampfte und Papa starb, konnte ich nicht mehr so weiter machen......trotzdem dauerte es bis 2004,bis ich ausstieg..und noch einmal waren wir ein Paar..bis vor knapp 2 Jahren..
    Ich bin überzeugt,dass jeder seinen eigenen Tiefpunkt braucht und ich denke, du bewegst dich dem ein wenig entgegen..

    lG Tihaso

    co-abhängig...Sich auf den Weg machen - egal wie schwer er ist!!!

  • Hallo Andrea

    du siehst doch schon, daß das kein Leben mehr ist. Nur du kannst dein Leben ändern, es wieder lebenswert machen.
    Ich hab meinen Mann kennengelernt als ich 14 Jahre alt war. Bin von meinem Elternhaus mit ihm in eine Wohnung gezogen. Ich war auch nie allein, hatte auch Angst davor und bin noch 13 Jahre älte als du.
    Es klappt, es findet sich immer ein Weg. Ich bin nicht arbeiten gegangen, als ich mit meinem Mann zusammen war, dacht immer, eine Trennung würde ich schon finanziell nicht schaffen. Es ist schwer, aber auch das funktioniert. Ich bin auch nicht immer glücklich, allein zu sein, aber ich kann soviel machen, allein entscheiden, mich freuen ohne daß er es schlechtredet.
    Mach dein Leben auch wieder schön, denk an dich.

    julchen

  • Liebe Andrea,

    du liest es, alle wollen dir Mut machen. Du bist gewiss nicht allein auf der Welt. Es ist gut, dass du dich öffnest und erst mal den Schmerz zulässt. Das andere wird sich finden, ganz bestimmt.

    Im Januar war ich auch in Suizidstimmung. Ob ich wirklich zu sowas in der Lage wäre, weiß ich nicht, aber der Druck war enorm, dass ich einfach wollte, dass der Schmerz aufhört.
    Und dann fing ich an, daran zu glauben, dass ich da irgendwie rauskomme und ich fing an, mir vorzustellen, was ich allein mit den Kindern alles machen könnte, was mit ihm nicht möglich war. Ich hatte eine Vision davon, wo ich hin will, dass ich ohne ihn wirklich besser dastehe.
    Noch hab ich ja nicht alles ausgestanden, es sind noch viele Probleme da, die geregelt werden müssen, aber mein Alltag ohne ihn ist einfach so viel heller, unkomplizierter, freier, glücklicher.
    (Nur zur Erklärung: Auch während seiner trockenen Phase hatte er irgendwie sehr kranke Verhaltensweisen, die mich sehr eingeengt haben.)

    Ich hatte allerdings nach der Eskalation im Januar auch regelmäßig Telefonkontakt mit einigen sehr guten Freundinnen und mit Verwandten - NACH seinem Rückfall, vorher habe ich alle Eheprobleme hübsch unter uns behalten, weil er es so verlangte.
    Aber dann war es eine große Befreiung: Ich habe mich sehr stark geöffnet, einfach aus der Not heraus. Ich hatte das Gefühl, nur so kann ichs schaffen, wenn ich alle Scham einfach links liegen lasse, denn wofür soll ich mich schämen? Und es kam soviel Mitgefühl von so vielen Leuten, auch relativ entfernten Verwandten, alle wollten mich unterstützen irgendwie. Ich habe z.B. lange Briefe geschrieben und Freunde von uns informiert über die Situation, Freunde, die ich schon jahrelang nicht mehr gesprochen hatte, was natürlich auch vor allem an ihm lag. Jedenfalls waren die auch überhaupt nicht böse und haben gleich angerufen und sich erkundigt, wie es mir geht.
    Vielleicht wirst du auch solche Erfahrungen machen, wenn du dich öffnest. Dass es befreiend ist, dass man dir helfen wird.
    Nicht alles abnehmen, das nicht. Du musst es alleine schaffen, aber du kannst dir Unterstützung holen.

    Das Leben ist doch so viel reicher als nur er und sein Problem.

    Und was Einsamkeit angeht:
    Du merkst es ja selbst, man kann auch schrecklich einsam sein an der Seite eines Partners.
    Wenn du allein lebst, hast du Zeit und die Freiheit, dich zu öffnen für alle möglichen Menschen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Klar gibt es Abende, wo man sich vielleicht einsam fühlt, wenn man alleine lebt. Aber ich habe es damals, als ich schon mal getrennt war für einige Jahre, so erlebt, dass ich unheimlich intensive Kontakte aufgebaut habe, was während der Beziehung mit ihm gar nicht möglich war, weil er mich voll in Beschlag genommen hat.
    Und im Übrigen: Auch mit mir alleine habe ich damals gelernt, sehr sehr glücklich zu sein, einfach mit mir und meinen Gedanken. Das ist noch mal eine eigene Dimension, aber dafür braucht man Ruhe und Frieden in seiner Wohnung und keinen täglichen Kleinkrieg.

    Ich kann so gut nachempfinden, wie du dich fühlst, weil es bei mir noch nicht lange her ist. Deshalb schreibe ich wohl auch so viel, weil es bei mir irgendwas anrührt .

    Schreib du jedenfalls weiter, ich werde es lesen.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Ein herzliches Willkommen Andrea, auch von mir.

    Ich bin auch noch nicht so lange hier, konnte aber schon einiges lernen.
    Ich in in der zweiten Alkoholikerbeziehung, das ist auch nicht so einfach. Derzeit möchte ich mich nicht wieder trennen, sondern versuchen, einen Weg für MICH zu finden. Ich habe viele Freunde, schreibe und telefoniere, wenn es mir nicht gut geht und bin viel weg. Dabei komme ich auf andere Gedanken und kann mein eigenes Handeln reflektieren. Viele Arbeiten für ihn habe ich eingestellt. Früher habe ich auch alles Schriftliche erledigt, Behördengänge gemacht und alles aus dem Weg geräumt, damit es keinen Krach gab.

    Jetzt nicht mehr.
    Natürlich gefällt es ihm nicht, mir geht es aber besser dabei, denn ich habe mit meinen Sachen genug zu tun, denn die nimmt mir niemand ab.
    Andrea, ich wünsche dir viel Kraft, deinen Weg zu gehen. Einen Ratschlag kann ich dir nicht geben, denn jede Situation ist anders und jeder Mensch ist anders.
    Alle Liebe Rosita

  • Zitat von Zahnina Zahn

    ...
    , aber er hat anscheinend etwas verstanden, denn seit letztem Freitag hat er nicht mehr getrunken.

    Das kenne ich von meinem Noch zur Genüge.. wie oft hat er diese Anläufe genommen und auch ne zeitlang hbeherzigt.. aber eben nur , um mnmich wieder weich zu kochen und rückblickrnd denke ich, dass ich mit jedem Mal ein Stück meiner Seele zurückgelasen habe und es jedesmal schwerer wurde an mich zu glauben.. ich machte mich selbst auch mit jedem Mal berechenbarer und unglaubwürdiger.. ich drohte und zog meine Haltung (was er als, böse auf ihn deutete) nur innerhalb unserer vier Wände durch nicht sehr aussagekräftig..weiß ich heute alles viel besser:lol: [quote='Zahnina Zahn']Traue dem Frieden aber noch nicht, denn was seit Jahren auf der Tagesordnung steht, kann nicht mit einem Blinzeln verschwinden, oder doch? [/quote9.. haste grade schon selbst beantwortet :wink:


    Also..in diesem Sinne viel Kraft und ein paar schöne ruhige Stunden an Ostern lG Tihaso

    co-abhängig...Sich auf den Weg machen - egal wie schwer er ist!!!

  • Hallo Andrea,

    ich bin noch ziemlich neu hier, aber wenn ich lese, was bei Euch abgeht, dann kann ich nur sagen:
    "Pass schön auf Dich auf"

    Bei uns war es ähnlich, nur dass dann vor ca. 1,5 Jahren noch Depressionen dazu kamen. Der Tablettenmix und Alkohol passen ja einfach nicht zusammen. Vielleicht sind die Depressionen auch aus der Alkoholsucht entstanden, ich weiß es nicht.
    Ich habe für mich dann letzten Freitag endlich die Notbremse gezogen.

    Ich wünsch Dir viel Kraft.

    LG wurzelchen

  • Hallo Andrea,

    ich kenne dieses immer wieder Hoffnung schöpfen. Und ich kenne es auch, Vorkehrungen für den worst case zu treffen. Ich erinnere mich z. B., als ich mit "meinem Alki" zusammen zog, dass ich bei der Wahl der Wohnung darauf achtete, sie im Notfall auch eine Weile allein finanzieren zu können. Es hat mich jedoch nicht davor bewahrt, dem worst case aus dem Weg zu gehen. Ich musste ihn durchleben.

    Es ist im übrigen irrelevant, welche Art von Alkoholiker dein Mann ist. Wobei ich "nur" Quartalssäufer so nicht formulieren würde. Es ist eine der Formen der Alkoholkrankheit. Wichtig ist doch viel mehr, dass DICH der Alkoholkonsum stört und somit hier der Ansatzpunkt für dich ist. Dass du hier schreibst, egal in welchem Zeitmodus, ist der erste Schritt, etwas für dich zu verändern. Und das ist gut so.

    Wie sieht es bei dir denn mit professioneller Unterstützung aus? In Hannover gibt es ja etliche Beratungsstellen und auch SHGs von verschiedenen Organisationen. Im Internet kannst du hier gute Infos finden.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • hallo andrea

    Zitat

    Ist er jetzt Alkoholiker, oder nur Quartalssäufer?


    meine mutter war auch eine quartalstrinkerin, daher is mir absolut nicht nachvollziehbar wie in diesem zusammenhang das wort nur erscheinen kann. es war übel wenn sie betrunken war und es wurde immer schlimmer - die nüchternen tage waren irgendwann nur noch an einer hand abzählbar :(

    in der literatur wirste auch immer wieder den hinweis finden das quartalstrinker die chance am geringsten is das sie dauerhaft trocken werden - ist er wirklich NUR Quartalstrinker?

    für mich wars auf jeden fall schlimm - auch bei einer quartalstrinkerin.

    Zitat

    Habe das Sch..Zeug weggegossen und in meiner Wut ihm die (Plastik)flasche an den Kopf geschmissen. Nicht mal das hat er richtig begriffen


    nur er? ist es denn ok das du ihn schlägst? manch einer würds vielleicht nicht als schlagen bezeichnen, aber es is nichts anderes als körperliche gewalt - was kommt das nexte mal wenn er wieder betrunken is?

    Zitat

    Heute habe ich im Internet einen Alkomaten bestellt. Er hat mir versprochen, jeden Tag zu "pusten" um mir zu beweisen, daß er diesmal wirklich aufhört.


    kontrolle pur also - für dich und über ihn.

    beide habt ihr nix von außer das er noch weniger das gefühl hat mensch zu sein.

    liest sich so dargestellt nicht so schön ich weiß... hab ja auch einiges "probiert" um meine mutter vom trinken abzubringen und hab dabei ihren wert mit füßen getreten, kein tolles gefühl.

    Zitat

    Vielleicht hatte ich auch einfach Angst, die Sätze zu lesen, die ich so gut kenne: der einzige Weg ist die Trennung.


    es gibt kein einzigen weg - aber es sollte ein weg sein mit dem du dich gut fühlst, es dir gut geht. das muss nicht eine trennung sein, auch wenn es öfter dort hin führt... aber dahin musst du noch nicht schauen, wenns dir momentan noch zu wider is... was ich auch gut nachvollziehn kann.

    aber an dir arbeiten kannst du, schritt für schritt, ob an seiner seite oder nicht.... auch damit du dich selbst wieder leiden magst. ich kann mich täuschen, ich hab einfach nur den verdacht das es (oft?) momente gibt wo du dir selbst nicht in die augen schauen kannst :( so gings mir zumindest oft, kann mich natürlich auch täuschen.

    lg -Dani-

  • Hallo Zahnina Zahn,

    Zitat

    Mit welchem Recht kann er mich so behandeln?

    Weil Du es zu läßt.

    Wenn du deinen Fokus auf dich lenkst damit es dir gut geht, wenn du all das was du in IHN investierst in Dich investierst wird sich etwas verändern.

    Solange du ihm den Rücken frei hälst hat er keinen Grund etwas zu ändern, erst wenn ER an seinem Tiefpunkt ist könnte er vielleicht die Kurve bekommen.

    Wenn jeder für sich seinen Weg aus der jeweiligen Abhängigkeit geht, kann es auch wieder ein wir geben.

    LG
    Elocin

  • Liebe Zahnina,

    Zitat

    Er trinkt ja nur, weil ich es nicht möchte. Weil er einfach stur ist.

    Er trinkt, weil er süchtig ist.

    Zitat

    Denn irgendwie denke ich immer noch: wenn ich gehe, hat gar keinen Ansporn mehr, aufzuhören.

    Im Gegenteil. Dann ist er auf sich alleine gestellt. Dann heißt es: Die Kurve kriegen, VON SELBST, aus EIGENEM Antrieb und nicht, weil DU ihn dahin drängst oder untergehen, ebenfalls aus eigenem Antrieb.

    Du gibst ihm die Eigenverantwortung für Sein Leben zurück und übernimmst Verantwortung für Dein Leben.

    Zitat

    Ich versuche, ihn zu kontrollieren, damit es mir selbst ein wenig besser geht. Weil ich irgendwie denke, daß er sich aufgrund der Kontrolle nicht so oft trauen wird, sich zu besaufen.

    Oh, wie gut ich das kenne.
    Es ging mir aber nicht besser damit, im Gegenteil. Es war demütigend, anstrengend und überflüssig. Abgesehen davon wurde er immer "kreativer" in seinen Ausreden und Lügen, was ebenfalls demütigend, weil so durchschaubar, war.

    Zitat

    Er lügt mir seit Jahren dummdreist ins Gesicht.

    Das gehört zur Krankheit. Mein Mann schämte sich in Grund und Boden, aber der ständige Saufdruck trieb ihn von einer Lüge zur nächsten.

    Und ich?
    Ich wusste, jetzt ist er beim Saufen und konnte nicht einschlafen, bevor ich nicht den Schlüssel hörte.
    Und was tat ich dann?
    Ich stellte mich nachts um drei vor ihn hin und fragte ihn, wieviel er getrunken hat. :shock::roll:
    Ja, welche Antwort erwartete ich eigentlich?

    Zitat

    Siehst du, wie durchgeknallt ich bin?

    Du bist nicht mehr oder weniger durchgeknallt als ich es war in "unserer" Nassphase.
    Der verzweifelte Wunsch IHN zu ändern, trieb mich in die verrücktesten Gedankengänge.
    Ich ging nachts auf Flaschensuche im Garten, mit Taschenlampe und Negligee. (naja, Bademantel).
    Wie durchgeknallt war das denn?

    Auch ich bin eines Nachts total ausgerastet, nachdem ich wie immer wartend zuhause saß und kurz vorm verzweifeln war, weil er sein Versprechen, früher heimzukommen wieder nicht einhielt.
    Als er dann kam, knockte ich aus, zum ersten und letzten Mal. Das war mein totaler Tiefpunkt.
    Ich prügelte auf ihn ein, schrie, schmiß Schuhe durch den Vorraum und schlug schließlich mit meinem Kopf solange an den Heizkörper, bis ich bewußtlos wurde.
    Ich hatte einen Nervenzusammenbruch, ich war im wahrsten Sinne des Wortes ausser mir.
    Ab da änderte sich was in ihm und auch in mir. Dieser Vorfall war die Wende.
    Ich empfehle aber niemandem, es solange zu treiben.

    Zitat

    Meine Kontrollsucht habe ich erst entwickelt, seit ich mitbekommen habe, daß er ständig trinkt, mich anlügt und die ganze Wohnung mit Flaschen vermint.

    Bist Du da sicher?
    Ich denke, ich hatte schon einen Hang zur Kontrolle, bevor diese so augenscheinlich hervortrat, als ich Flaschen und Atem zu kontrollieren begann.
    Ich war ein zutiefst unsicherer Mensch, ohne Selbstwertgefühl.
    Daher mein Wunsch, zu kontrollieren.
    Mir wurde das aber erst bewusst, als ich schon fast am Ende war.

    Lass ihn los. Wie auch immer.
    Damit hilfst Du ihm wirklich am besten.
    Hilf jetzt Dir selbst, versuche Dich zu beruhigen, liebe Zahnina.
    Ver-rückt, ja das bist Du.
    Das waren/sind hier die meisten.
    Warum auch immer.
    Aber nur Du kannst Dich (mit Hilfe von aussen) wieder zurechtrücken.

    Schreib einfach weiter, das hilft mir immer, mich zu sortieren.
    Die Antworten sind ja eh in uns.

    Alles Liebe und Kopf hoch :)

    Thelma[/quote]

  • hallo andrea,

    mir fällt auf, dass du wortreich über "schandtaten" deines partners schreiben kannst. vielleicht ist dir deshalb die beantwortun meiner frage bezüglich einer professionellen unterstützung deinerseits durchgegangen.

    lg
    ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

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