Hallo,
nach langer Zeit schreibe ich mal wieder hier. Aber ich habe die letzten Wochen genutzt und immer fleißig im Forum gelesen. Das hat mir immer geholfen, dass ich meinen Weg nicht verliere, mich nicht selbst vergesse.
Mein Freund macht weiter seine ambulante Therapie, unser Zusammenleben war eher ein Nebeneinanerherleben. Ich machte mein Ding und er war mit sich und seinem neuen Job völlig ausgelastet.
Es gabe keine gemeinsamen Unternehmungen. Ich habe auch nicht großartig danach gefragt. Wenn, dann sollte auch einmal von ihm ein Vorschlag in dieser Richtung kommen.
Ein Auszug aus der gemeinsamen Wohnung hat bisher auch nicht stattgefunden. Wir haben viel darüber gesprochen, zusammen gesessen und geweint. Imer ein Auf und Ab. Die vielen Diskussionen haben dann im Februar dazu geführt, dass er endlich eine Wohnung gefunden hatte (zumindest hat er mir das so gesagt). Es gab auch Telefonate, die ich mithören konnte in dieser Hinsicht. Aber kurz vor dem Umzug hat ihm der Vermieter gesagt, dass die Wohnung jetzt doch teurer sei, als angenommnen, da er verschiedene Renovierungsarbeiten ausgeführt habe. Das wollte mein Freund dann nicht mehr bezahlen und so hat er alles gestoppt. Er hatte geplant, etliche Möble der Vormieterin zu übernehmen, aber noch nichts veranlasst, da der Mietvertrag noch nicht unterschrieben war.
Also hat er alles wieder gecancelt und mich gebeten, ihm noch Zeit zu geben.
Daraufhin habe ich bei unserem Rechtsschutz nachgefragt, was ich tun könne bei unserem gemeinsamen Mietvertrag.
Die Antwort hat mir gar nicht gefallen, denn ich kann weder verlangen, dass er auszieht und ihm auch keine Frist setzen.
Im Grunde genommen läuft alles über unseren Eigentümer. Wir stehen beide im Mietvertrag mit gleichen Rechten. Das Beste wäre, wenn wir uns einigen könnten, denn eine Gegenklage kann eine sehr langwierige Angelegenheit sein. Schlimmstenfalls müssen wir dann beide ausziehen.
Also haben wir besprochen, dass wir zusammenbleiben, zumindest solange er die Therapie macht und - meine Bedingung - nichts trinkt.
Er sagte mir, dass er mir das nicht versprechen kann, aber die Therapie will er auf jeden Fall nicht aufgeben.
Ich habe alles akzeptiert mit dem Hinweis, das ich auf jeden Fall die Trennung will, wenn er wieder trinken solle. Natürlich hat er mir wieder bestätigt, dass er nicht trinken will, daher auch die Therapie. Das aber .... stand und steht trotzdem immer im Raum.
Wir haben jetzt die ganze Zeit versucht, uns halbwegs zu arrangieren.
Mir ging es dabei nicht so sonderlich gut. Ich merkte immer mehr, wie mich das alles belastet.
Auf einmal flossen die Tränen bei jeder Kleinigkeit. Alles Dinge, die ich von früher nicht mehr kannte. Aber vielleicht ist das ganz gut so.
Jetzt laufen mir schon wieder die Tränen runter.
Ich war sehr froh, als ich Mitte März Urlaub hatte und 1 Woche Rundreise in der Türkei genießen konnte. Es war ganz toll. Ich war mit einer Freundin und ihrem Freund in Kappadokien mit einer ganzen Gruppe unterwegs. Hatte das eigentlich auch alleine geplant, aber die Reise war so günstig und ich konnte noch andere Personen mitnehmen.
Wieder eine Erfahrung, das ich auch alleine sehr gut zurecht komme.
Ich habe auf dieser Reise so nette Leute kennengelernt, viele Paare und mich so wohl gefühlt. Meinen Freund habe ich absolut nicht vermisst, im Gegenteil. Ich habe mich oft gefragt, wie es wohl mit ihm zusammen gewesen wäre.
Mit Sicherheit wären die Abende nicht so lustig und entspannt gewesen. Das alles ging mir so durch den Kopf und immer wieder der Gedanke: Alleine geht es vielleicht doch besser, als immer wieder diese Ängste, wie verhält er sich jetzt wieder und so weiter und so weiter ....
Ihr kennt das ja auch alle.
Mein Freund hatte mich sogar zum Flughafen gebracht bis zum Einchecken, das hatte ich gar nicht erwartet. Er war auch die Tage vorher richtig lieb und anhänglich (hat mir ganz gut getan).
Zum Abschied hat er mich richtig herzlich geküsst und mir ins Ohr gemurmelt, dass ich ihm doch sehr fehlen würde.
Wir haben dann im Urlaub auch mal telefoniert und er hat mir immer wieder gesagt, dass er sich freut, wenn ich wieder nach Hause komme.
Dann hat er mich auch vom Flughafen wieder abgeholt. Die Wohnung war super aufgeräumt. Auf dem Tisch stand ein riesiger Strauß mit roten Rosen. Ich war natürlich sehr gerührt.
Er selbst war auch sehr verändert. Plötzlich erzählte er mir auch von seiner Therapie und wir konnten uns wieder besser unterhalten. Abends gab es auch mal wieder gemeinsame Spiele.
Irgendwie habe ich immer gedacht, vielleicht braucht er doch noch etwas Zeit. Und die wollte ich ihm auch lassen.
Aber ich habe ich gemerkt, dass ich mich verändert habe. Das Thema Auszug gab es bei ihm nicht mehr. Anders bei mir. Ich habe trotz allem immer mal wieder richtige Tiefpunkte gehabt, oft geweint und plötzlich Ängste und immer wieder Tränen, auch manchmal tagsüber.
Ja und heute ist dann die Bombe geplatzt. Eigentlich fing das schon am Freitag an. Als ich abends von der Arbeit kam, gab es es wegen einer Kleinigkeit Streit. Ich bemerkte, dass irgend etwas wieder anders war bei ihm. Wie früher, wenn er getrunken hatte. Streit wegen nichts und wieder nichts. Dann wieder seine Entschuldigung. Das hat mich so fertig gemacht. Ich hatte das Gefühl, plötzlich keine Kraft mehr zu haben. Und wieder Tränen ohne Ende.
Er meinte dann, ich sei völlig überarbeitet (stimmt auch, ich hatte nach meinem Urlaub sehr viel Stress in der Firma, weil meine Kollegin dann auch gleich Urlaub hatte und viel liegen geblieben war während meiner Abwesenheit.
So schlug er vor, dass wir am Wochenende etwas gemeinsam unternehmen sollten. Gestern waren wir spazieren. Es ging mir dann auch wieder besser.Natürlich hatte ich wieder Hoffnung, dass wir auch mal wieder gemeinsam etwas machen.
Heute morgen wollten wir nach Formel 1 (das schaut er immer regelmäßig) zusammen wegfahren zur einer Ausstellung. Ich hatte mich schon darauf gefreut.
Beim Frühstück fiel mir schon auf, dass er wieder verändert war.
Kurz vorm Wegfahren gab es dann einen "kleinen Wortwechsel", der mir bestätigte, dass ich mich nicht geirrt hatte.
Trotzdem sind wir zuammen gefahren, d.h. er fuhr. Wieder fiel mir sein veränderter Gesichtseindruck auf, er fuhr auch schneller als normal und war sichtlich nervös.
Ich konnte dann nicht anders, habe ihn direkt gefragt, ob er wieder getrunken habe. Darauf reagierte er sehr heftig, was der Quatsch solle. Aber er gab mir keine Antwort. Gleich wieder Streit. Ich würde ja spinnen und ob das jetzt wieder losginge mit mir. Aber mir war völlig klar, dass er wieder getrunken hatte. Daher sagte ich ihm klipp und klar, dass ich eine ehrliche Antwort möchte. Aber es gab keine Antwort. Er meinte dann, wir könnten ja auch wieder umdrehen, wenn ich das unbedingt wolle. Dann hätte ich es ja wieder mal geschafft, alles kaputt zu machen.
Ich habe ihm gesagt, dass er zurückfahren solle. Und dann habe ich ihm gesagt, dass ich mit ihm zusammen sein Auto anschauen wolle, ob da Alkohol drin sei, weil ich der Meinung sei, dass er mich angelogen habe.
Er reagierte sehr heftig und meinte, was das solle, das wäre schließlich sein Auto. Ich sagte ihm, dass ich mir auch den Keller anschauen würde, da ich absolut kein Vertrauen mehr zu ihm habe.
So fuhren wir dann wieder zurück. Sein Auto hat mich eigentlich gar nicht mehr interessiert. Auch der Keller nicht. Für mich war damit klar, dass ich nur noch eines will: nämlich, dass er so schnell wie möglich auszieht. Das habe ich ihm auch gesagt und dass ich nicht möchte, dass er heute in der Wohnung schläft. Ansonsten würde ich gehen und mir auch schnellstmöglich eine Wohnung suchen, wenn er nicht auszieht.
Er hat mir dann gesagt, dass er das tun würde, morgen müsste er aber wieder in die Wohnung, um noch Sachen zu holen. Und ob er auch wieder in die Wohnung reinkommen dürfe. Dann hat er mir noch einmal gesagt, dass er seine Therapie auf jeden Fall machen will, egal mit mir oder ohne mich.
Ich habe mich nicht mehr auf längere Diskussionen eingelassen, war nur froh, dass ich endlich wusste, was ich nun tun muss. Es hat mir auch nicht sonderlich weh getan. Ich war einfach nur froh und bin es immer noch, dass ich ihn nicht um mich haben muss. Hatte auch einen sehr schönen Nachmittag, habe im Cafe ein sehr nettes Paar kennengelernt, mit dem ich mich prima unterhalten habe. Da verkaufsoffener Sonntag war, habe ich gleich ein paar neue Klamotten erstanden. Das tat richtig gut !
Und ich war soooo froh, dass ich heute morgen bei unserer Auseinandersetzung auf der Rückfahrt bestanden habe. Was wäre das für ein trauriger Tag gewesen ?
Als ich heute abend nach Hause kam, lag ein kurzer Brief von ihm auf dem Tisch, wo er mir kurz mitteilte, dass er ein Problem habe, das er selbst versuchen will zu lösen, mit oder ohne Hilfe. Ich könne ihm nicht helfen, da er meine Forderungen nicht erfüllen könne oder auch nicht wolle. Dann schrieb er noch, dass er mich trotz allem liebe, egal was er für einen Mist von sich gebe.