• Hallo zusammen,

    bei mir geht grad einiges im Kopf rund. Mir ist klargeworden, daß ich auch vor dem Schmerz davonlaufe, ihn nicht spüren will. Obwohl ich weiß, daß ich ihn annehmen sollte. Mir anschauen, was er mir sagen will. Ihn zu verleugnen bringt nichts...und nicht nur das, ich habe Angst. Nicht Angst vor meinem Ex, ich kann es gar nicht beschreiben, kennt einer von Euch das Gefühl? Und auch die Angst will ich nicht, obwohl ich mir die wohl ganz besonders gründlich anschauen sollte.

    Vielleicht liest sich das ganz klar und strukturiert, vielleicht total wirr...so fühlt es sich auf jeden Fall an...

    Ein Schema bei mir selbst...unabhängig von den Menschen, mit denen ich mich umgebe...kann's gerade nicht so beschreiben, könnt Ihr das verstehen?

    LG,
    Sonnenblümchen

  • liebe sonnenblümchen,

    kenn ich. das schlimmste was du nun machen kannst dieses angs vor der angst zu bekommen. nimm auch das an. es ist halt so.

    wofor hast du angst? schmerzen sind unangenehm, doch sie signalisieren dir etwas. woher kommt der schmerz? meisst von dir selbst. hast du angst dafor dich mit dir selbst ausseinander zu setzen? auch das ist etwas, was menschn nur ganz schwer können wovor sie am allermeisten angst haben.lieber bei anderen schauen, nicht bei sich selbst, es könnte was ganz schlimmes bei rauskommen. unangenehmes, bei mir war es so, das ich auch hier an mir eigenschaften kennen lernen durfte die mir unangenehm waren, die mir weh taten. doch es war lang nicht so schlimm wie ich dachte, es ist auszuhalten und konnte mich echt viel weiter bringen.

    lieben gruß melanie

  • Hi Melanie,

    da hast Du genau das beschrieben, was ich ausdrücken wollte! Und daß sich eben dieses Schema unabhängig von meinem Ex, dem Alkohol oder was auch immer abspielt...und das ich eben diese Angst jetzt spüre und nicht nur "im Kopf wahrnehme und geradebügele". Ein jahrelanger Begleiter, und ich will ihm zuhören.

    Habe (wieder einmal) angefangen, Tagebuch zu schreiben und diesmal so, daß ich all das wirre Zeug da reinschreibe, was mir so im Kopf umhergeht. Worte wie Machtlosigkeit, passiert mir nie mehr und so finden da Platz. Und eben ganz viel Angst.

    Die Welt da draußen ist ein Spiegel des Inneren, heißt es doch. Und ich frage mich auch: Was spiegelt da? Welche Dinge, die ich an anderen "da draußen" anklage, stören mich selbst so sehr an mir, daß ich sie verleugne? Der konkrete Anlaß ist natürlich mein Ex, und daß er sich einfach nicht seiner Sucht, seiner Angst, seinen "Dämonen" halt, stellt. Klage ich es deshalb so an, weil auch ich nicht wage, in mich zu schauen? Was denke ich von mir, was für ein schlimmes, nicht liebenswertes Ding ICH bin? Und da geht es nicht nur um Eigenschaften, sondern um das "Sein"...hoffe, ich bin jetzt nicht zu philosophisch geworden.

    Und ja, es ist ein Unterschied, etwas nur zu wissen oder es zu fühlen...

    LG,
    Sonnenblümchen

  • liebes sonnenblümchen,

    wenn du es schaffst dich anzuschauen unabhängig von dem was dir dein ex aufgebrummt hat wer du angeblich bist wirst du mit sicherheit einen liebenswerten menschen entdecken, der nur darauf wartet wieder in dein leben einzuziehen!!!!

    die angst die dich überkommt kann schon daher kommen, das du noch nicht losgelöst bist, von dem was er dir vermittelt hat. doch du hast doch jahrelang so gelebt gehabt, mit dieser "person" die er aus dir gemacht hatte! ich glaub dir wird gerade so klar, was aus dir geworden ist und das tut richtig weh!!!!!!

    es ist so, du hast dich manipulieren lassen, du bist eine coabhängige. auch du hast diese krankheit dir nicht ausgesucht und bist bewusst da reingerutscht. akzeptier das für dich ebenso wie für die tatsache das er alkoholiker ist. damit kommst du besser klar, als wenn du anfängst dich schlecht oder gar schuldig zu fühlen. du kannst echt nichts dafür, verzeih dir das selber! schau heute, jetzt , wer bist du denn wirklich, da tief in dir drin?da wohnt ein liebenswerter mensch in dir drin, weisst du das?????

    lieben gruß melanie

  • Hi Melanie,

    ja, Du hast vollkommen recht, wenn Du sagst, daß aktzeptieren (muß ja nicht gut finden heißen) die wohl einzige Lösung ist! Und Dein Beitrag hat mir einen weiteren Denkanstoß gegeben!!!

    Mein Ex ist nicht schuld an meinem Selbstbild, genau so wenig wie ich an seinem...ich verteidige ihn hier mal, auch wenn das jetzt vielleicht verrückt klingt...wir waren ja nicht jahrelang zusammen, ich hab nicht für ihn gelogen (nein, mein "engerer Kreis" weiß komplett Bescheid, von Anfang an), ich hab ihm nie seinen Stoff besorgt und ich habe auch alle "Androhungen" konsequent durchgezogen...mein dämliches Selbstbild hatte ich ja vorher schon...und wenn ich es weiter hege und pflege, ist die nächste Katastrophe ja vorprogrammiert!

    Die Welt ist ein Spiegel, und ja, ich habe mich in vielem bei ihm wiedererkannt, also nicht in konkreten Dingen, aber von der Grundstruktur her...und es ist unfair, von ihm Dinge zu verlangen (sprich: Hör auf, Dich selbst zu hassen) und selber nichts anderes zu tun...und habe auch einige Dinge aus meiner Vergangenheit besser zu verstehen gelernt...viele Begebenheiten haben sich "aufgelöst", Dinge, die mit ihm gar nichts zu tun haben...

    Hoffe, das war jetzt nicht wieder zur wirr, aber bei mir ist einiges an Verstehen und Verständnis eingezogen, und irgendwie auch für mich selbst...

    LG,
    Sonnenblümchen

  • liebe sonnenblümchen,

    das ist nicht wirr was du schreibst. es stimmt punkt genau was du schreibst.

    eins möchte ich dir noch gern mitgeben. co abhängigenverhalten ist nicht glich ihm das bier zu besorgen. auch nicht für ihn zu lügen. es sitzt wesendlich tiefer und hatmit solchen handlungen nicht unbedingt was zu tun.

    es ist eher das an dem anderen hängen, ihn nicht loslassen können. es ist das sich übermässige kümmern und sorgen um den partner, ihm das leben so schön wie nur möglich zu gestalten damit er bleibt. es sind die verlustängste die einen dazu bringen, das der co abhängige alles aufopfernd mitleidend erträgt nur um bei ihm zu bleiben. das unbedingte helfen wollen. der coabhängige glaubt tatsächlich daran den alkoholiker trocken zu bekommen und nimmt dabei über seine eigenen grenzen dinge in kauf die ungesund sind.dazu die ewigen mannipulationsversuche und die kontrolle über das was er macht in gedanken nur an ihn und sich selbst vergesssens.das mit sich machen lassen um liebe zu bekommen und das ertragen das der tritt in den allerwertensten garantiert kommen wird. denn der alkoholiker und der co wechseln gern die rolllen, mal ist der eine der böse, dann der andere. ein ewiges ungesundes hin und her und der blick immer nur auf den anderen und nicht bei sich selbst. wer sich nur ein stückchen selbst lieb hat und sich etwas wert ist macht so eiinen mist nicht mit!!!!der sagt stop, mach den mist allein. doch der coabhängige braucht den alkoholiker für seine sucht, sowie der alkoholiker den coabhängigen braucht für seine.mir ging das so, das sind meine erfahrungen die ich machte.

    du kommst da raus, wenn du anfängst dei eigenens selbstwert wieder aufpollierst!!!!

    lieben gruß melanie

  • Hallo zusammen,

    ja, das sind so die Punkte, die insgesamt eine ungesunde Beziehung ausmachen, denke ich, also so ein "Machtgefälle"...weit weg von gleichberechtigter Partnerschaft...nicht gesund, nicht gut, und, wie Du ja schon sagst, auch nicht ausschließlich auf Alkoholiker begrenzt, solche "faulen" Strukturen gibt's auch anders, genausowenig gesund! Der Partner muß ja irgendwie bei mir bleiben und umgekehrt, und auch hier denke ich: Nicht müssen, wollen!

    Ach Claudie, das "Finden" ist bei mir ja auch erst ne Woche her...was mir sehr geholfen hat, war die Aussage, daß Alkis ihr Zeugs nicht verstecken, weil sie das lustig finden und Dich für dumm halten. Das hatte mich sehr gestört...ich fand es wichtig, zu verstehen, welche kranken Schemata da in so Hirnen ablaufen, und daß all die Aktionen nicht gegen den anderen gemünzt sind...aber es gibt hier viele, die Dir sicherlich Hilfe und Ratschlag geben können!

    LG,
    Sonnenblümchen

  • Hallo nochmal,

    wollte mal wieder berichten...

    Co-Abhängig, ja...nachdem ich ja die kranken Muster in meinem Beziehungsverhalten allgemein erkannt habe, geht's doch nun mal weiter mit meiner aktuellen Situation. In einem Thread hab ich hier gelesen, es geht auch darum, daß die Gedanken ständig darum kreisen, wie und wo der andere jetzt ist...ich glaub, ja, da hab ich ein Problem. Ja, verdammt, ja!!!

    Ich komme mir an freien Tagen manchmal so vor, als ob ICH derjenige wäre, der ein Alkohoproblem hat, aufstehen ist eine Qual, nachts aufwachen mit Magenschmerzen...ist das krank...

    Mist...

  • Hallo Sonnenblümchen!
    Das mit dem Aufstehen kenne ich auch,quäle mich ins Bad,ziehe mit Haarewaschen etc.das ganze Programm durch und frage mich-"wofür das alles?!"
    Dann stelle ich mir vor mein Ex wäre wieder da,allerdings mit all dem Stress den er verursacht.
    Plötzlich wünsche ich ihn mir ganz schnell wieder weg!
    Manchmal muss man sich selbst in den Hintern treten,bzw.sich selbst etwas vormachen um einen Sinn in der ganzen Sache zu sehen.
    Ich frage mich auch oft was er denn jetzt macht,und wo er ist.
    Aber ich kenne doch die Antwort!
    Es ist wohl eher die Phantasie die einen da quält,die Vorstellung,er könnte jetzt plötzlich so sein wie man sich ihn gewünscht hat.
    Wie wahrscheinlich ist das denn???
    Man hat sich doch nicht ohne Grund getrennt.
    Gerade die freien Tage nutze ich dafür alles nochmal Revue passieren zu lassen,da ich dann keine Arbeit habe die mich fordert und auf die ich mich konzentrieren muss.
    Wenn ich mir so einen"Jammertag" gönne,so geht es mir oft am nächsten wieder besser.
    LG Ragna

  • Hallo Ragna,,

    ich philosophiere mal wieder so vor mich hin...Theorie und Praxis...ja, Theorie verstehen ist nicht das größere Problem, nein, theoretisch weiß ich ja, um was es geht.

    Mal so als Beispiel. Ich KANN mit jemandem leben, der trinkt. Klar, ist ja nicht mein Problem. Ich KANN mich auch jahrelang Sch... fühlen, mich belügen lassen, mich hintergehen lassen, immer wieder Hoffnungen hegen, immer wieder glauben, man schafft es zusammen, all das kann ich. Davon sterbe ich nicht. Aber WILL ich das? Anscheinend ja, denn sonst wäre ich ja nicht hier. Und WOZU will ich das? Grübel...

    Und WOZU verkrieche ich mich permanent in meiner Heulecke? Die Suche nach dem Sinn, nach dem Verstehen und Begreifen...es gibt einen, da bin ich mir sicher...hoffe ich...ein Hoch auf die Psychosomatik und meinen rebellierenden Magen!

    Vielleicht hat die ganze Alkohol-Geschichte mir mal wieder eine Endlosschleife in meinem Leben präsentiert...meine eigene Angst vor dem Verstoßenwerden oder sowas. Vielleicht...

    Genau, die Phantasie, eine Illusion dessen, was er sein könnte! Eine für mich sehr schöne Definition von Illusion ist "Fehlwahrnehmung"..."Denkfehler" oder auch "Irrtum"...in meiner Phantasie ist er ein wunderbarer Mensch, mag sein, daß er das tief drinnen auch ist. Wahrscheinlich sogar. Nichtsdestotrotz habe ich in meiner unendlichen Beklopptheit, ihn gefunden zu haben, so vieles durchgehen lassen. Moment - lasse ich mir selber auch so vieles durchgehen? Verschwimmende Grenzen?

    Bevor ich hier zu weit abschweife, erst mal Pause...

    LG,
    Sonnenblümchen

  • Hallo Sonnenblümchen!
    Du fragst ob Du das willst und WOZU Du das willst(ich weiss nicht wie man "zitiert").
    Die Frage ist glaube ich eher,
    was man sich selbst davon verspricht.
    Der Mensch an sich handelt immer "gewinnorientiert",man handelt nie gegen sich selbst.
    Wenn man dem Ex irgendetwas hat durchgehenlassen,dann doch nur weil man sich selbst damit wohler gefühlt hat,nicht weil es für ihn gut war.
    Ist unsere Gutmütigkeit dann nicht reiner Egoismus gewesen um selbst mehr geliebt zu werden???
    Ich glaube,da muss ich selbst nochmal drüber nachdenken!
    LG Ragna

  • Hi Ragna,

    ja, genau das meinte ich! Ja, wir Menschen tun alle nichts ohne Grund...man tut das, wovon man sich etwas verspricht, was man zumindest gut für sich hält...

    Ich weiß auch nicht, wie man zitiert ;-), sonst würd ich es jetzt machen "Ist unsere Gutmütigkeit dann nicht reiner Egoismus gewesen, um mehr selbst geliebt zu werden?" Mir geht's grad wieder im Kopf rund. Ist unsere "Gutmütigkeit" nicht auch ein kleines bißchen versteckter Selbsthaß, auszuharren in einem Zustand, der einen traurig macht? Steckt da nicht diese gewisse Philosophie hinter, die da lautet: Wenn ich jetzt leide, wird es mir hinterher besser gehen? Die uralte Schuld- und Sündenfrage?

    Grüblerisch und LG,
    Sonnenblümchen

  • Hallo Sonnenblümchen!
    Ich danke Dir für Deine neuen Denkanstöße.Selbsthaß hatte ich weniger vermutet.Das muß ich erst einmal für mich sortieren.
    Meine Befürchtung war eher,daß ich seine Schwäche für mich genutzt hatte.Denn auch wenn es Stress bedeutet,so "schmeichelt" es einem doch,wenn der andere immer wieder vor der Tür steht.
    Fragen über Fragen,die ich mir jetzt im Schlaf beantworten muß,da ich morgen Frühschicht habe.
    Trotzdem habe ich das Gefühl der "Lösung"ein bißchen näher gekommen zu sein.
    Gute Nacht,lG Ragna

  • Hallo liebes Sonnenblümchen,

    also ich kann von mir nur sagen, meine Gutmütigkeit war reiner Zweck dazu, um mir Liebe und Anerkennung zu verdienen. Von den anderen, denen ich meine Gutmütigkeit angedeihen ließ. Ich wollte in einem guten Licht da stehen, und da mein Selbstwert irgendwo im Keller in einer Ecke verstaubte, holte ich mir Selbstwert über diesen Weg. Ich sah nicht mich als liebenswerte Person, wie ich von Natur aus bin, sondern ich meinte eben, es mir erarbeiten zu müssen. Ich konnte es nur durch andere Menschen bekommen, das Selbstwertgefühl.

    Und meine Gutmütigkeit gab mir Macht. Macht über meinen trinkenden Exmann. Denn was wäre er wohl ohne mich? Ein Nichts, denn ohne mich wäre er ja untergegangen. Verkommen. Haltlos. Und ich, die Gutmütige, reichte ihm immer wieder souverän die Hand, um ihn zu retten, wenn er aus seinen Suffzeiten langsam wieder auftauchte. Ich, die Gutmütige, nahm doch alles auf mich für ihn. Um ihn zu retten und vor der ganzen Welt als die "Gute" da zu stehen.

    Ich, die Gutmütige, nahm alles auf mich, um ein wenig wertvoll zu sein in den Augen der anderen, um mir Liebe zu erarbeiten, um Macht zu haben, um meine eigene Angst und Schwäche nicht mehr spüren zu müssen. Um nicht als die "Böse" da zu stehen, die ihren armen, saufenden Mann da einfach so links liegen lässt. Oder vielleicht sogar eigene Bedürfnisse hat...

    Oh, wie war ich gutmütig! Und weia, wie wurde ich ausgenutzt, wie habe ich mich benutzen lassen, wie sehr habe ich mich verdreht. Ich war ja grenzenlos gutmütig. Und bin daran fast zerbrochen...

    Liebes Sonnenblümchen, das sind meine Gedanken und meine eigenen Erfahrungen dazu. Das ist mir so beim Lesen deines letzten Postings durch den Kopf gegangen. Vielleicht kannst du was davon für dich auch sehen?

    Liebe Grüße
    Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Ihr Lieben,

    Ihr habt mir wieder viel Anstoß zum Nachdenken gegeben. Und, wie es der Zufall ;) so will, zwei Threads über mir ging es um das Thema, mit dem ich mich heute nacht auseinander gesetzt habe...Art der Beziehung...was davon ist Phantasie, was davon ist real und was wünsche ich mir eigentlich???

    Ich möchte hier noch einmal eine Frage stellen (sorry für die doppelte Thematisierung). Was ist das für eine "Stimme", die immer wieder (bei mir zumindest schon jahrzehntelang) sagt: Alles nicht so schlimm, halb so wild, stell Dich nicht so an...eine Aufforderung zum Verdrängen...und auch immer wieder das Gefühl, manche Dinge nicht mit "Nein" beantworten zu dürfen...

    Und ja, Aurora, ich kann so einiges wiedererkennen!

    LG,
    Sonnenblümchen

  • Schon wieder ich...aufschreiben befreit irgendwie...

    Der Schmerz, das, wovor wir uns alle schützen wollen! Der Schmerz als Manifestation der Angst, ging es mir gerade so durch den Kopf...Angst vor dem Alleinsein, Angst vor dem Verlassenwerden, Angst vor dem Verstoßenwerden, kennen wir ja alle wahrscheinlich. Die ewige Suche nach der Liebe. Und Angst macht blind.

    Wenn ich jetzt mal unterstelle, daß ich Angst vor der Verlassenwerde habe, ist es ja so, daß eben das Verlassenwerden einen riesigen Schmerz in mir auslösen müßte. Oha, da wird mir anders! Nein, das darf nicht passieren, ist die menschlich logische Konsequenz. Also schaltet sich mein Warnsystem ein: Davor habe ich Angst, das will ich nicht erleben, das darf einfach nicht sein. Und diese Angst regiert mich, beeinflußt mein Denken und somit auch mein Handeln. Ich klammere. Dann kannst Du mich ja nicht verlassen. Ich halt Dich ja fest. Und ich tue es ja nur aus Liebe...

    Angst macht blind...und ich sehe einfach nicht...noch mehr Angst...Teufelskreis...

    LG,
    Sonnenblümchen

  • Hallo Sonnenblümchen!
    Die "Stimme",die mir immer wieder einredet es sei alles halb so wild,ist bei mir eindeutig die meiner Eltern.
    Ich habe einen älteren Bruder,der schon als Kind sehr schwierig war.So hatte ich von Geburt an die Aufgabe lieb,still,rücksichtsvoll,perfekt etc.zu sein.Probleme kamen da nicht in Frage.
    Habe ich mich dann doch einmal gewehrt,bzw.den Versuch gestartet,so wurde es genau mit Deinen beschriebenen Worten abgetan.
    Irgendwann gibt man dann auf....
    Ich war ja abhängig von dem Wohlwollen meiner Eltern.
    Vielleicht habe ich heute sogar einen Nachholbedarf an "Leid".Zumindest das auszuleben.
    Es ist wohl ein mir vertrautes Muster in dem ich mich unbewußt wohl fühle und inzwischen selbst alles halb so schlimm finde.
    Ja hurrah,da haben meine Eltern ja ganze Arbeit geleistet!
    Den Rest meines Lebens darf ich mir dann diesen Unsinn wieder ausreden.
    Mit mäßigem Erfolg.
    LG Ragna

  • Hallo

    Bei mir ist die Stimme die Erziehung und vorgelebtes Beispiel.
    Ich sollte brav, still, ruhig sein. Dann musste sich keiner über mich ärgern, also die Atmosphäre daheim war in meiner Verantwortung. Bisschen viel für ein 3-Jähriges Kind nicht?
    Und so ging es weiter und weiter.
    Einmal habe ich vor paar jahren mich bei meiner Mutter ausgeheult, wo es mit meinem Mann nicht auszuhalten war, und was hat sie mir geantwortet?
    Richtig - Ja, Liebes, eine Frau muss es einfach aushalten...
    Erst war ich wütend aber dann tat sie mir leid, sie wusste ja nicht besser. Ich konnte mich von diesen Regeln lösen, sie nicht.

    ich sehe es auch mittlerweile nicht mehr so wie Ragna, ich muss mich nicht mehr mein Leben lang sich damit auseinander zu setzen.
    Ich bin erwachsen jetzt und kein Kind mehr. Ich bin auch Klug und Intelligent genug, um neue Wege zu suchen und zu gehen. ich kann mich ändern.
    Es geht nicht von Heute auf Morgen aber es geht.

    LG Grazia

    Da, wo du nur eine Spur im Sand siehst, da habe ich dich getragen...

  • Hallo und mittlerweile guten Morgen!

    Da bin ich der Stimme auf der Spur ;) , und nicht nur das.

    Ich glaube nicht, daß es die Stimme der Erziehung ist, sicherlich habe ich auch mal gehört, daß irgendetwas halt nicht so schlimm ist, jedoch nicht als Grundtenor. Ganz im Gegenteil, mir bzw. uns wurde immer deutlich gemacht, daß ich/wir ein Recht haben, Dinge abzulehnen, nicht alles akzeptieren müssen. Ich (bleib jetzt mal beim Ich) wurde sogar aufgefordert, ruhig meine Probleme und Erlebnisse zu schildern...mir fällt halt nur an meinem Verhalten auf, daß ich ein großes Problem damit habe. Es ist sogar so, daß ich mich schäme, Dinge zu erzählen, vor mir selber herunterzuspielen. Daß ich in vielen Situationen (und das als Kind noch viel öfter als heute) einfach eine Riesenangst hatte, irgendetwas zu berichten. Ich durfte das nicht! Und ich weiß nicht, wer es mir verboten hat...ich hatte immer fürchterliche Angst, daß irgendwas ganz Schreckliches passiert, meist hatte es was mit Tod zu tun...ganz knapp formuliert: Wenn Du das jetzt tust/sagst, stirbt jemand, der Dir wichtig ist. Und was habe ich geschwiegen...und vor mir selbst heruntergespielt...

    Soooooo, das ist also die Story meiner "Stimme", oder ein Echo, oder wie immer man es nennen will. Auch heute noch sind zumindest Reste davon in mir zu spüren.

    Soweit erstmal...mal sehen, ob ich heute schlafen kann!

    LG,
    Sonnenblümchen

  • Hallo Sonnenblümchen

    Da war Deine Erziehung ganz das gegenteil von meiner.
    Aber ich denke immer noch, dass es anerzogen ist.
    Einfach weil ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Kind von selbst auf den Gedanken kommt, dass Jemand stirbt weil es was schlimmes erzählt.
    Ich denke, und das möchte ich betönen ist nur meine Meinung, dass wir es doch irgendwo aufgeschnsappt haben. das wir was erlebt haben was uns genau das glauben liess.
    Ein Beispiel: Kind verletzt sich fängt an zu schreien, die Oma sagt: Och, ich wäre fast vor Angst gestorben.
    Verstehst Du was ich meine.?

    LG Grazia

    Da, wo du nur eine Spur im Sand siehst, da habe ich dich getragen...

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