Meine Vorstellung einer Vorstellung: die ersten Schritte

  • Danke, liv!

    Ich komme gerade genervt und frustriert von meinem Termin. Gebügelt, bebürstet und reichlich nervös stand ich da, dann hieß es, alles sei nur ein Mißverständnis gewesen. Der Termin sei erst am nächsten Montag. Bei der telefonischen Terminabsprache hieß es einfach nur Montag, ohne Datum, daher bin ich von heute ausgegangen. Als die Frage kam, ob ich denn sicher sei, mich wirklich dort gemeldet zu haben, kam ich mir schon sehr blöd vor.

    Es tut mir leid, ich weiß nicht, ob das Forum für sowas da ist, aber ich muß es einfach loswerden. Was mache ich denn nun? Noch ne Woche warten? Mein Vertrauen in diese Einrichtung ist natürlich auch nicht mehr das Beste. Oder erwarte ich einfach zuviel. dass alle sagen: Tada! Endlich sind Sie da! Alles stehen und liegen lassen und sich um mich kümmern...

    Wenn ich jetzt erzählen muß, mein Termin sei geplatzt, denken doch alle mit denen ich geredet habe, ich will mich drücken. Mir ist es so wichtig, jetzt was in die Wege zu leiten.

    Vielleicht kann mir jemand einen Tip geben, was ich nun tun kann. Eine Woche warten? Wo anders hingehen?

    Oh mann.... :wink: ich trink jetzt erstmal n Kaffee und rauch eine, muß runterkommen...

    lg

    klabund

  • hey klabund,

    ja komm erstmal runter :lol: .

    Hier ist ein guter Platz, um sowas loszuwerden.

    Das ist wirklich ärgerlich. Schliesslich hast Du diesen Termin, wenn auch nervös, ersehnt. Wenn Du es aber genau betrachtet, ist ja nicht viel schlimmes passiert. Es war ein Missverständnis. Wenn Du das Deinem Umfeld so erzählst, wird Dir da wohl keiner etwas "unterschieben".

    Was hast Du Dir denn von diesem Gespräch erhofft? Es ist ja eigentlich auch "nur" eine Begleitung und Beratung. Der wichtigste Schritt, die Entgiftung und der Arztbesuch hast Du ja geschafft. Jetzt geht es darum nüchtern zu bleiben und da kann dieses Forum hier schon eine grosse Stütze sein. Ich bin damit trocken geworden.

    Im geschützten Bereich ist der Austausch wesentlich intensiver. Es gibt viel mehr zu lesen und durch die grössere Anonymität wird da etwas offener geschrieben. Vielleicht wäre das ja auch für Dich eine Möglichkeit ... .

    Ich würde eine Woche warten, oder siehst Du Punkte, die Dir Sorgen machen? Etwas konkretes, wo Du Hilfestellung brauchst? Etwas, das Du gerne dort angesprochen hättest und sonst nirgends kannst?

    gruss liv

    PS: Morgen sind meine Ferien vorbei, dann hast Du vor mir auch mal etwas mehr Ruhe :lol: .

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hey liv,

    dank für die Antwort!

    Zitat

    dann hast Du vor mir auch mal etwas mehr Ruhe


    Nee klar... ich fühle mich regelrecht bedrängt :wink:

    Zitat

    Was hast Du Dir denn von diesem Gespräch erhofft?


    Ich habe einfach momentan das Gefühl, ich müßte diese Erkenntnis, dass ich Alkoholiker bin, ohne wenn und aber, festigen und aussprechen. Obwohl ich momentan kein Verlangen habe, zu trinken, wird mir aus dem Lesen der Beiträge hier klar, dass ein einfaches weiter so, nur ohne Alkohol, nicht funktioniert. Ich will diese Erkenntnis einfach nicht vor mir verharmlosen und auch in keine Situationen reinrutschen, die mich davon wieder abbringen könnten.

    Ich habe die Grundbausteine gelesen: Umfeld ändern, Kontakte abbrechen, feiern meiden etc. Ich versuche das, für mich anzunehmen und hatte mir von dem Termin einfach Tips und Hilfestellung erwartet, wie ich mit dem umgehe, auf dass ich zu gehe.

    Das Forum hilft mir schon jetzt sehr. Ich halte hier auch ne Menge Persönliches zurück, da ich ja wiedererkannt werden kann. Ich hatte aber gedacht, der geschützte Bereich wär eher Leuten vorbehalten, die schon längere Zeit ohne Alkohol leben und eben keinem "Frischling".

    Zitat

    Ich würde eine Woche warten, oder siehst Du Punkte, die Dir Sorgen machen? Etwas konkretes, wo Du Hilfestellung brauchst?

    Darüber denke ich mal nach. Vielleicht ist es die Angst, dass mein Kopf noch nicht so stark ist, wie ich mir das wünsche. Meine Erkenntnis, ein Alkoholproblem zu haben, ist noch so frisch, daher kann ich mir selber noch nicht trauen und bin darauf angewiesen, wie es Leute sehen, die sich einfach "besser auskennen". Das meine Verhaltensweisen nicht in Ordnung sind, sehe ich ja dadran, wo ich nun gelandet bin. Daher fällt es mir schwer, mir selber zu vertrauen, es alleine zu versuchen.

    Ist vieleicht ein wenig wirr, aber ich war auch ein wenig aufgewühlt. Geht nun wieder...

    lg,

    klabund

  • Hey Klabund,

    nur nicht den Kopf hängen lassen, klar das Du jetzt frustriert bist, würde bzw. ist mir Anfang des Jahres auch so gegangen.Ich war erst bei einer Institution "A" Ende Februar, das Gespräch hat genau 5 min gedauert, und mich zu einer anderen verwiesen "B"(Namen darf ich nicht schreiben,oder!?!)
    Naja bei "B" hatte ich erst einen Termin gehabt, der aber auf Grund eines Sterbefall`s verschoben wurde, und hatte mein Erstgespräch bei "B" erst Anfang April gehabt, wo ich auch noch heute brav hingehe;)...und bin mit der Institution sehr zufrieden.
    Will damit sagen, nur nicht den Mut verlieren, und den Kopf hängen lassen.
    Immer schön am Ball bleiben, viele Wege führen zum Ziel;)


    Zitat

    Ich hatte aber gedacht, der geschützte Bereich wär eher Leuten vorbehalten, die schon längere Zeit ohne Alkohol leben und eben keinem "Frischling".

    Quatsch, einfach den Antrag "Erweiterter Forenzugang" ausfüllen und dann wird sich Karsten schon bei Dir melden, so war es jedenfalls bei mir.

    LG Sascha

    Trocken seit 15.08.2011

  • Hi Sascha,

    das waren aufmunternde Worte. Ich habe die Befürchtung, einfach zuviel auf einmal zu wollen. Ich werde die Woche abwarten, die nüchternen Tage genießen, weiter viel hier lesen und schreiben. Wahrscheinlich lags auch dadran, dass ich einfach die Nacht vor dem Termin sehr aufgeregt war.

    Über den erweiterten Forenzugang werde ich nachdenken, denn ich merke hier eine Grenze, über Persönliches zu berichten, Familie, Freunde, Stichwort: alkoholfreies Umfeld. Ich kann dann aber nix schreiben, weil die Menschen sich ja locker wieder erkennen können. Auch meine wohnliche Situation, zu der ich Fragen hätte, kann ich deshalb nicht erörtern.

    Jedenfalls gut zu sehen, dass Du eine ähnliche Erfahrung gemacht hast, aber Dich davon auch nicht hast irritieren lassen.

    lg,

    klabund

  • Hallo klabund,

    wir haben im geschützten Leute, die direkt aus dem Vorstellungsbereich gekommen sind, also frisch aus der Entgiftung. Und wir haben Langzeittrockene von x bis 20 Jahren, also eine gemischte Gruppe mit ebenso gemischten Themenschwerpunkten. Die Frischlinge können etwas von den Alten lernen und die Alten können immer mal eine Standortbestimmung bei sich selber machen.

    Karsten ist diese Woche in Urlaub, danach gibt es dann wieder Freischaltungen, wenn gewünscht.

    Kannst du deine Fragen zu Wohnsituation und alkfreies Umfeld nicht etwas umformulieren und sie trotzdem stellen? Oder ist das denn doch zu speziell bei dir vor Ort mit dem Wiedererkennen?

    Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • hey klabund,

    kurz nachdem ich hier aufgeschlagen bin, "riet" mir ein alter Hase in den geschützten Bereich zu wechseln. Ich war ganz verblüfft, weil ich eben auch dachte, dass ich dort noch überhaupt nichts verloren habe. Aber dem ist überhaupt nicht so. Also daran soll`s nicht liegen ... .

    Und sonst kann ich nur sagen "Schritt für Schritt". Erwarte und verlange nicht zuviel von Dir. Die ersten Tage denke ich gehts hauptsächlich ums nicht-trinken, steht das im Mittelpunkt. Das hinzubekommen ist am Anfang oft schwierig genug. Das tiefere Bohren, das Festigen, etc. kommt dann von alleine, falls Du im Austausch bleibst. Ich will damit nicht sagen, sauf nicht und lass alles andere schleifen. Nur einfach, mach Dir nicht zuviel Druck. Druck bekommt zumindest mir auf Dauer meistens nicht gut.

    Ich finde es sehr wichtig, im Austausch mit anderen Süchtigen zu sein. Sei das nur hier oder auch in einer realen Selbsthilfegruppe.

    gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • liv :

    Zitat

    Erwarte und verlange nicht zuviel von Dir.

    Das werd ich versuchen. Ich laß jetzt einfach mal locker. Meine erste Erkenntnis hat mich halt so umgehauen, dass ich dachte, ich müßte alles auf einmal machen. Ich konzentriere mich darauf, nicht zu trinken und Situationen zu meiden, die bisher dazu geführt haben. Viele praktische Fragen drängen sich mir da ( ich stell mal zwei weiter unten :wink: )
    Linde66 :

    Hi Linde66,

    ich denke, dass die Anmeldung dort gut für mich wäre. Werde die Tage überlegen und dann ggf den Antrag stellen.

    Die Fragen beziehen sich einmal auf einen Freund und wie und ob ich mit ihm noch Umgang haben kann oder nicht. Und wenn nicht, wie ich es ihm mitteile. Er hat mir klipp und klar gesagt, dass er mein Vorgehen für übertrieben hält und es einfach Situationen gibt, bei denen er auf Alk nicht verzichten will.
    Er würde nicht vor mir trinken oder mich animieren, aber andererseits haben wir schon viele Trinkabende hinter uns. Und das Gespräch würde doch immer mal wieder auf Alkohol kommen. Das ist eben die Vergangenheit. Kann ich mit ihm mal DVDs schauen, muß ich ihn hinter mir lassen?

    Die zweite Frage bezieht sich darauf, dass ich in einer Gegend wohne, wo viele Menschen mit sozialen Problemen auf einem Haufen sind, Trinker vor dem Supermarkt etc. Muß ich wegziehen? Ich mag meine Wohnung sehr und der Gedanke an einen Umzug schlaucht mich. Dafür hab ich sicher nicht die Energie. Aber überall wird hier getrunken, ich hab ja selber hier getrunken, die Kioske, die Buden...

    Ich hoffe, das war so unverfänglich wie möglich. Dies sind ernste Fragen für mich und ich würde mich über einen Rat des einen oder anderen, der soetwas kennt, sehr freuen.

    lg

    klabund

    PS. Ich denke ich nehme Eure Hilfe sehr einseitig in Anspruch, aber aus eigener Erfahrung habe ich ja auch noch nix beizutragen :oops:

  • Hallo klabund
    hab gelesen was los (oder nicht los)war bei Suchtberatung.Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben,und rechtfertigen brauchst dich schon garnicht.Auf deine Fragen was dein Wohnumfeld betrifft:Bei mir war es so:Ich war jahrelang voll drin im Alkoholikermilieu,denn Bahnhöfe und Supermärkte waren mein zuhause.Ich war jung und ungebunden.Wenn ich Geld brauchte bin ich arbeiten gegangen.Ich hoffe du meinst nicht so ein Milieu,nämlich dann kann ich dir nur empfehlen Arme und Beine eine rotierende Scheibe und weg.Ansonsten ist egal-gesoffen wird überall und wer sich seiner Krankheit bewußt ist und wirklich abstinent leben möchte der kommt damit klar.Tschüss K.U.D.68

  • Hallo klabund,

    Zitat

    Die Fragen beziehen sich einmal auf einen Freund


    Ich habe einen guten Freund, der ab und an mal Wein trinkt. Nachdem ich mich bei ihm geoutet hatte, war es für ihn eine absolute Selbstverständlichkeit keinen Alkohol mehr vor mir zu trinken. Ich würde erstmal unvoreingenommen zu dem Freund gehen und sofort abhauen wenn Alk ins Spiel kommt. Auf der Arbeit reden sie auch viel über Alk. Am Anfang bin ich oft aus den Pausenraum gegangen. Heute macht es bei mir nichts mehr. Ich höre nicht mehr hin. Es interessiert mich nicht mehr.

    Zur anderen Frage möchte ich nur sagen, das Alkohol überall gegenwärtig ist. Meine Nachbarin trinkt auch viel Wein. Der Keller
    ist halt auch Weinkeller. Aber ich würde darum nicht ausziehen. Eben auch, weil ich mich in meiner Wohnung wohl fühle. Es ist heute meine Alkoholfreie Zone und Rückzugsburg.

    LG Nobby

  • Hi K.U.D.68,

    Dank für Deine Meinung!

    Zitat

    ich hoffe du meinst nicht so ein Milieu

    Naja, die Gegend hier ist schon heftig, aber ich selber habe (noch) nicht vor dem Supermarkt gestanden und gebechert. Deshalb konnte ich mir ja auch so gut vormachen, alles sei in Ordnung, ich hätte alles im Griff. Ich glaube, ich verschiebe die Frage nach dem Umzug auf später, da ich jetzt eh nix dran machen kann.

    Hi Nobby,

    Zitat

    ich höre nicht mehr hin. Es interessiert mich nicht mehr.


    Schön, dass das bei Dir gut klappt!

    Ein Telefonat eben hat mir die Augen geöffnet. Ich ahne, wohin es geht. Allgemeiner Tenor: er hat ja schon mal 6 Monate nicht getrunken, das bringt nichts, das Leben ist zu öde ohne Trinken, jetzt sei das anders, da trinke er nicht mehr jeden Tag. Ich hab ihm vom Termin erzählt, er hat mir erzählt, wie cool es war, gestern 6 Halbe zu trinken.

    Auf die Frage, wann wir was zusammen unternehmen wollen, hab ich geantwortet, erstmal nicht, konnte aber nicht sagen, warum.


    Die Ironie ist, dass er in seiner 6 monatigen Trinkpause mir immer vorgeworfen hat, ich würde zu viel trinken, was ich natürlich entrüstet abgelehnt habe.

    Ich will das nicht und werde mit niemendem verkehren, der mir erzählt, wie toll das Trinken ist, wenn ich ihm erzähle, ich gehe zur Suchtberatung. Das macht mich sogar irgendwie sauer. Rede ich denn Chinesisch? Andererseits hat er auch überhaupt keine Einsicht in seine Krankheit und auch kaum Möglichkeit (kein Internet), sich zu informieren.

    Vielleicht bin ich jetzt zu egoistisch, aber ich werde jetzt mal nur an MICH denken!

    Das zweite Mal heute bin ich ein wenig aufgewühlt und grüße euch,

    klabund

  • Hallo klabund
    Das du Hilfe nur einseitig in Anspruch nimmst, ist tatsächlich nur deine einseitige Wahrnehmung. Einer wie ich, der etwas länger "trocken" ist und hier ließt, freut sich über jeden der es für sich in Angriff nimmt. Zum anderen ist eine solche Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit für mich ebenso wertvoll. Die nüchternen Erfahrungen, welche du jetzt schon hast - über die du ehrlich schreibst - helfen denen, die eben noch nicht da angekommen sind. Deine Fragen an die Welt sind deshalb wichtig, weil sie sich so manch einer noch nicht gestellt hat.
    Gruß Uwe und einfach dranbleiben.

  • ich sollte wirklich erst nachdenken, dann tippen :wink: :

    Zitat

    Andererseits hat er auch überhaupt keine Einsicht in seine Krankheit und auch kaum Möglichkeit (kein Internet), sich zu informieren.

    Was weiß ich denn schon, ob er krank ist. Ich kümmer mich um mich und muß sehen, dass ich jetzt ohne Alkohol klar komme. Ich denke, ich werde ihm in einem Brief schildern, was los ist, wie ich meine Krankheit sehe und das es besser ist, sich nicht zu treffen, da mich das in Versuchung führt und ich keinen Bock habe, mir seine Trinkgeschichten anzuhören. Gespräch bringt nix, da dann ja eh nur blöde Argumente kommen.

    Weitere Maßnahmen- ich habe grad bei meinem Mailanbieter eingehende Mails meiner Ex sperren lassen, das gleiche beim Telefon: es wird kein Anruf mehr von ihr durchkommen. Ich weiß genau, dass mich das schwer durcheinander bringen würde.

    So- mal wieder mußte ich das loswerden... Bin auch ruhiger. Die Dinge lösen sich.

    Allen Mitlesern eine gute Nacht,

    klabund

  • Danke, Uwe,

    ich hatte Deinen Eintrag nicht gesehen, war mit schreiben beschäftigt.

    Ich bleib dran, kann mir aber nicht vorstellen, dass das was ich schreibe helfen könnte. Momentan hilft es eher mir :wink:

    Aber das in Angriff nehmen, über das Du schreibst, ist wohl sicher ein Wert an sich.

    Lg,

    klabund

  • Zitat

    Ich würde erstmal unvoreingenommen zu dem Freund gehen und sofort abhauen wenn Alk ins Spiel kommt.

    Hallo Waschbär, hallo klabund,

    zum Abhauen kann es schnell mal zu spät sein. Lieber gar nicht erst hingehen, wenn das im Vorfeld schon absehbar ist, daß du dich ins nasse Umfeld begeben würdest.

    Klabund, wenn du weiter so konsequent dran bleibst, dann tust du dir echt was Gutes. Weiter so.

    Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Zitat

    Klabund, wenn du weiter so konsequent dran bleibst, dann tust du dir echt was Gutes. Weiter so.

    Danke, linde66! Ich fühle, dass da noch ein Leben ist, das ich noch gar nicht gelebt hab. Das möchte ich gerne. Vielleich mach ich im Moment zu viel, will zuviel auf einmal. Aber ich hab irgendwie das Gefühl, das ich mich "absichern" muß. Soviele Jahre gegen ein paar Tage- da krieg ich schon ein bißchen Respekt...

    Gruß zurück,

    klabund

  • Guten Morgen liebes Forum,

    ich muß einfach ein bißchen schreiben.

    Bin grad vom Doc zurück. Ewig gewartet, dann rein zum Blutabnehmen. Als die Arzthelferin kurz raus war, hab ich auf den Monitor des Rechners geschielt und las ganz kurz Leber/Verdacht auf Diabetis. Da gings wohl darum, warum das Blutbild gemacht werden soll. Da habe ich gedacht: so, so... fühle mich körperlich soweit recht gesund, aber ich weiß ja (auch durch dieses Forum) wo die Reise hingeht.

    Die Nacht war wieder merkwürdig. Kaum geschalfen, dann wirre Träume- tatsächlich von Alkohol! Ich sollte eine absurd riesige Bowle zusammenkippen aus hunderten von Hartstoffflaschen. Es war ein Alptraum und ich bin sehr zerschossen aufgewacht.

    Jetzt fühle ich mich aber doch glücklich, trotz allem, denn ich habe eine Entscheidung getroffen. Und egal welche Schwierigkeiten kommen- der Alkohol hat sie bisher immer verschärft. Wie mein Leben dann, bis auf den Umstand, nicht zu trinken, aussehen wird, weiß ich nicht.

    (Ich merke grad- das wird ein langer Text :oops: )

    Ich weiß genau, dass meine Trinkerei auch etwas mit meinen inneren Ängsten zu tun hat. Zu oft denke ich daran, was andere von mir denken, ob sie mich mögen, etc.
    Ich neige einfach dazu, mich selber zurückzunehmen, charmant und einnehmend zu sein, selbst wenn mir eine Situation nicht paßt und ich es auch sagen sollte. Oft bin ich auch von anderen menschen sehr eingeschüchtert. Dadurch entsteht bei mir innerer Druck. Alles soll glatt laufen, bitte keine Probleme.
    Mit dieser Einstellung bin ich, begleitet vom Alkohol, in meine Isolation und Arbeitslosigkeit geraten. Innerlich habe ich aber ein ganz anderes Bild von mir, möchte stark sein, ein "normales" Leben führen. Und wenn dieser Zwiespalt zu groß wird: schwupp! Besäufnis.
    Anlässe gabs dann genug und es ist auch nicht so, dass ich wirklich spürbaren Kummer haben mußte. Es reichte dann einfach die Gelegenheit: Feste, Freunde treffen (ihre Freunde, alle weg), die Freundin hat gerade ne Kiste besten Wein geliefert bekommen... Wir hielten die Trinkerei ja auch für so eine Art von Lebensstil. Boheme und so. Die besten Künstler haben gesoffen, bla, bla...
    Die ersten Gläser dann gemütlich, ab einem bestimmten Pegel aber bis nichts mehr geht, bis ich eingepennt bin. Nach zwei Gläsern hab ich immer einen unglaublichen Zug gespürt, so ein Zerren am Körper, gleich nachzuschenken. Dieser Zeitraum, bis ich einfach nicht mehr konnte und geschlafen habe, wurde mit der Zeit immer länger. In den letzten 1,5 Jahren dann auch schon mal fast 2 Tage.
    Da dies aber nicht jeden Tag vorkam, war der Gedanke, Alkoholiker zu sein für mich sehr abwägig.
    Dazu dann noch eine zweifelhafte Beziehung zu einer Frau, an die ich mich sehr gehängt habe, die aber selber voller Probleme steckt. Dann Krise, ewiges hin und her. Ich habe einen Horror vor Trennungen (Scheidungskind) und ich habe alles getan, damit es irgendwie weiter geht. Die Versöhnungen wurden dann mit Wein und Wodka "gefeiert".
    Dann wieder Trennung (im Suff), die Alkoholmenge wurde bedenklich mehr, vor 10 Tagen Totalabsturz. Sonntag Nacht um 3 Uhr aufgewacht, in Klamotten, keine Ahnung was passiert ist.
    Da habe ich einen Film gesehen:"Heute habe ich nicht getrunken". Mitten in der Nacht, total am Ende und habe geweint und geweint. Das Trinkverhalten war ja nicht meins, aber im Verlauf der Geschichte wurde gezeigt, dass es nicht so sein muß. Dass es Lösungen gibt.
    Eine Selbsthilfegruppe wird gezeigt, die Gespräche, die Beschäftigung und da hat sich was getan. Dann bin ich schnell auf dieses Forum gestoßen, habe gelesen, mich gewehrt, um jetzt doch zu sagen: Ich bin Alkoholiker. Das ist doch schon mal was. Ich habe ein Problem. All dies Destruktive soll aus meinem Leben verschwinden. In meinem Leben ist noch Potential, es ist noch nicht zu ende, wie ich oft gedacht habe.
    Obwohl viel in mir gährt, genieße ich trotzdem die Nüchternheit und überlege viel, was ich nun tun will. Die Probleme verschwinden ja nicht von alleine (Arbeitslosigkeit, Ängste, Sehnsucht nach Nähe und doch auch wieder Scheu vor ihr).
    Ich lese und lese hier, will lernen und freue mich über mich selber, da ich nun weiß, was los ist. Ist es normal, so durcheinander zu sein?

    Naja, ich schreibs mir von der Seele
    :wink:

    Was ich heute Gutes tue: Ein Geschenk verschicken, Spaziergang mit Fotoapparat, etwas Gutes kochen, nachdenken, sortieren und ruhig werden.

    Danke fürs Lesen und einen lieben Gruß,

    klabund

  • Moin Klabund,

    Zitat

    Ich hab ihm vom Termin erzählt, er hat mir erzählt, wie cool es war, gestern 6 Halbe zu trinken.

    Leberfibrose, Lebersklerose, Leberzirrhose, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen und...und...und, sind ja auch sowas von "cool".Ich hab schon vieles gehört, wie sich manche ihren eignen Konsum irgendwie zu rechtfertigen, und finde das manchmal absurd, bis lächerlich was ich dann zu hören bekomme...Nein, ich habe doch kein Problem mit Alkohol, trinke unter der Woche kaum was, nur dann am WE...Ne ist klar, sehe Dich nur alle 2 Tage bei uns nach der Arbeit mit Bier in der Hand, an der Tankstelle, und erzählst mir am Montagmorgen, voller stolz, das am WE zusammen mit einem Kumpel 3 Flaschen Hochprozentiges geleert wurden...Achso, na wenn das so ist, alles im grünen Bereich...*Kopfschüttel*
    Ich will jetzt nicht herablassend klingen(zumal ich in meiner nassen Zeit, ähnlich gedacht habe), aber es ist so, das die meisten die selbst ein problemmatischen Alkoholkonsum haben, sich ungern bis garnicht einen Spiegel vorhalten lassen(bloss nicht auffallen, tarnen und täuschen, da verstehen wir uns Alkoholiker als wahre Meister darin, und ich rede da auch von mir selbst)

    Zitat


    Vielleicht bin ich jetzt zu egoistisch, aber ich werde jetzt mal nur an MICH denken!

    Wieso egoistisch, es geht um Dein leben!!!...Ist es egoistisch, sich seinen Problemen zu stellen, und andere es nicht verstehen oder verstehen wollen!?!...Denke...NEIN!

    Wünsche Dir einen schönen trockenen Tag!

    LG
    Sascha

    Trocken seit 15.08.2011

  • huhu klabund,

    Zitat

    Ich denke ich nehme Eure Hilfe sehr einseitig in Anspruch, aber aus eigener Erfahrung habe ich ja auch noch nix beizutragen

    Das sehe ich ebenfalls ganz anders. Durch den Austausch hier mit Dir, nehme z.B. ich auch vieles für mich mit. Es ist die Erinnerung wach behalten, das Bewusst-und Achtsambleiben, aber hier ... muss ich gestehen ... auch einfach Freude über die schöne Entwicklung :D . Es ist auch wichtig so gerade Wege, aber auch Sorgen und Nöte ehrlich aufzuzeigen. Das kann Mitleser ebenfalls motivieren.

    Für mein Empfinden bist Du erstaunlich gut und konsequent "unterwegs".

    Was Dein Freund betrifft, denke ich auch, dass es Sinn macht, erstmal kein Treffen auszumachen.

    Ich bin auch ein Mensch, der nüchtern sehr unsicher ist, der Konflikten üblicherweise ausweicht, sich vor Beurteilung durch andere "fürchtet". Das ist eines meiner Themen ... . Wenn ich dabei irgendwann weiter kommen sollte, leite ich das an Dich weiter ... aber das könnte noch dauern .... :lol: .

    Dir noch einen schönen Tag und Gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hey Sacha!

    Zitat

    und finde das manchmal absurd, bis lächerlich was ich dann zu hören bekomme...

    So habe ich das gestern auch empfunden. Zumal er auch an nichts und niemandem ein gutes haar läßt: Gesellschaft schei..., Leute zum Kotzen, alles geht den Bach runter etc. Ich kanns nicht mehr hören. Es bewegt mich sehr, da ich sonst kaum Bekanntschaften habe, aber andererseits hab ich mich heut gefragt, ob das Wort Freund da überhaupt noch paßt. Ich werde den Brief schreiben und einfach mal abwarten.


    Zitat

    und ich rede da auch von mir selbst

    Ja, so gings mir auch beim Gespräch, ich hörte meine eigenen Argumente. Mir ist das plötzlich sowas von aufgefallen, es sprang geradezu aus den Sätzen heraus.

    Dir auch einen schönen Tag, trocken!

    Huhu zurück, liv!
    Du hast geschrieben:

    Zitat

    Durch den Austausch hier mit Dir, nehme z.B. ich auch vieles für mich mit.


    Das freut mich natürlich, obwohl ich ganz ehrlicherweise schreiben muß, dass ich momentan hier einfach nur ablade. Ich verstehe langsam, dass das auch kein Problem und das Forum auch dafür da ist. Mir hilft es jedenfalls irgendwie mein Denken auf die Reihe zu kriegen. Andererseits bin ich auch auf Rat angewiesen. Gerade der Arztbesuch hat mir das gezeigt. Ich bin hin, obwohl ich eigentlich gedacht habe, es sei nicht nötig. Ah, da hat sich aber gezeigt, dass es gut war. Also will ich versuchen, hinzuhören.

    Ich habe gestern und heute auch in Euren Starterthreads gelesen, was mir recht zu Herzen gegangen ist. Ich fühle mich nicht in der Lage, mich in anderen Threads zu melden, wollte aber gerne schreiben, dass ich sie verfolge, sehr beeindruckt bin und es teilweise sehr starke Emotionen bei mir auslöst. Ich wünsche jedem, dass er es schafft und fühle Respekt.
    Hier ist aber auch eine Sache, die ich für mich als Gefahr ansehe. Teilweise sind die Geschichten sehr heftig und ich beginne, meine Geschichte mit der anderer zu vergleichen. Und da will sich doch der Gedanke melden: na siehst Du, schau mal wie krass die getrunken haben, so warst DU aber nicht drauf...und mir ist klar, dass das gefährlich für mich ist. Ich will meine Einsicht, Alkoholiker zu sein, nicht damit festigen, dass ich wieder trinke.

    Weiteres Problem: nahende Familienfeiern. Die Alternativen: weg bleiben, hin gehen und beim Trinken zu sehen (will ich nicht), keiner der Familie darf trinken (find ich diktatorisch).
    Ich hab noch ne Woche Zeit, für mich eine Lösung zu finden. Ich habe teilweise schon gelesen, was hier dazu steht, aber das ist doch ein Brocken. Ich weiß, dass von meiner Familie kommen wird: naja, da trinkst Du halt nicht. Das mußt Du jetzt eben lernen. (War auch so beim Gespräch am Sonntag).

    Uff, das war wieder viel,

    lg,

    klabund

    PS.

    Zitat

    Wenn ich dabei irgendwann weiter kommen sollte, leite ich das an Dich weiter ...


    Da wäre ich sehr dankbar! :wink:

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