Erwartungen an einen Alkoholiker

  • Hallo

    Zitat

    es sind ja nur erwartungen, weder bedingungen noch verträge

    Sehe ich anderes. Dann wäre ja eine Erwartung nur ein Wunsch. Ist es aber nicht. In der Erwartung setze ich immer etwas voraus das es eintrifft . Ohne Bedingung keine Erwartung.


    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Meine Einstellung.

    Ich erwartete früher, dass ein Mensch (mein Mann), dem ich vertraue, mich nicht belügt und betrügt. Diese Erwartung und dieses Vertrauen war illusorisch.

    Das war bevor ich erkannte, er ist süchtig.

    Nun erwarte ich, dass er seine innerhalb einer Stunde organisierte Therapie (nachdem er erfahren hat, dass ich in meine bereits vorhandene neue Wohnung ausziehen werde) durchziehen wird und trocken bleibt.

    Ich weiß mit gr. Sicherheit, dass das ebenso illusorisch sein wird, wie meine frühere Erwartung, dass jeder sein bestes zu einer gelungenen und glücklichen Partnerschaft beiträgt.

    Ich vermute auch, dass ich nicht erwarten darf, dass diese Einstellung hier besonderen Anklang finden wird.

  • Hartmut ,

    Da schliesst sich für mich der Kreis.

    Ich habe schlicht und einfach keine Erwartung an andere Menschen bzgl. Ihres Alkoholkonsums.
    Es ist ihr gutes Recht zu trinken. Es ist nicht ihr gutes Recht, andere Menschen zu gefährden.
    Ich kann sie nur darauf hinweisen, dass es ggf. nicht Ihren eigenen Zielen entspricht.
    Ich weise sie auch darauf hin, wenn sie sich in unnötige Gefahr begeben oder die Krankheit Alkoholismus nicht adäquat behandeln lassen wollen.

    Bei Menschen, zu denen ich persönliche Bindungen habe, würde ein Rückfall mit negativen Auswirkungen auf ihr Leben bei mir das Gefühl der Trauer auslösen.

    LG Jürgen
    -----------------------------------------------
    Meine Meinung. Keine Suchtberatung.

  • Hallo oldie!

    Bei mir findet deine Erwartung viel Anklang. Auch ich habe das von meinem Partner erwartet und ich finde es sind keine unrealistischen Erwartungen.

    Ich bin der Meinung in einer Partnerschaft sind Erwartungen die eine Beziehung ausmachen etwas Normales. Ich setze es sogar als selbstverständlich voraus dass der Partner mich nicht belügt oder betrügt, mich beleidigt oder mir die Verantwortung für seine Sucht aufhalsen will.

    Alkoholismus ist eine unheilbare Krankeit aber das heisst nicht dass man sie ungehemmt ausleben darf wenn man Frau und Kinder an seiner Seite hat. Ich erwarte schon vom Partner dass er alle Hebel in Bewegung setzt um trocken zu werden und zu bleiben.

    Er erwartet ja schliesslich auch Dinge von mir und möchte auch nicht belogen oder betrogen werden.

    Wenn ich aber erkenne dass der Partner mir diese Erwartungen nicht erfüllen kann muss ich gehen. Aber im Unterschied zu dir fallen dann meine Erwartungen an ihn von mir ab.

    Ich lebe ja nicht mehr mit ihm zusammen und er kann ja nicht mehr mein Leben so negativ beeinflussen. Was er mit seinem Leben macht ist dann seine Sache - so sehe ich das.

    Liebe Grüsse
    Speranza

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • @ jürgen,

    Zitat

    Da schliesst sich für mich der Kreis.

    Ich habe schlicht und einfach keine Erwartung an andere Menschen bzgl. Ihres Alkoholkonsums.
    Es ist ihr gutes Recht zu trinken. Es ist nicht ihr gutes Recht, andere Menschen zu gefährden.
    Ich kann sie nur darauf hinweisen, dass es ggf. nicht Ihren eigenen Zielen entspricht.
    Ich weise sie auch darauf hin, wenn sie sich in unnötige Gefahr begeben oder die Krankheit Alkoholismus nicht adäquat behandeln lassen wollen.

    Bei Menschen, zu denen ich persönliche Bindungen habe, würde ein Rückfall mit negativen Auswirkungen auf ihr Leben bei mir das Gefühl der Trauer auslösen.

    LG Jürgen

    das gibt mir nämlich zum nachdenken, denn meiner meinung nach , die ich mir echt ziemlich hart erarbeitet habe mit der akzeptanz jeder darf trinken , saufen wie er will, es ist sein gutes recht. auch einen rückfall haben.

    gruß melanie

  • glück auf hartmut

    Zitat von Hartmut

    Dann wäre ja eine Erwartung nur ein Wunsch. Ist es aber nicht. In der Erwartung setze ich immer etwas voraus das es eintrifft . Ohne Bedingung keine Erwartung.

    meine erwartungen sind anleitung/vorbereitung/richtlienie für mein eigenes handel.
    ich hab ja, über fast alles womit ich mich beschäftige, einige infos (ob die stimmen oder nich soll erstmal egal sein). anhand dieser infos "überlege" ich, was am warscheinlichsten passieren wird, danach richte ich mein handeln aus (wie in meiner überlegung vom "fußgängerüberweg" siehe oben.).
    die infos, die ich z.b. über dich hab stammen alle aus m forum. ich folge jetzt mal deiner unterscheidung zwischen "trocken" und "trinkpause" (schon daran erkenn ich, dass du dich intensiv mit unserer krankheit beschäftigt hast) wenn ich jetzt noch deinen "blauen balken" in betracht ziehe, erwarte ich von dir, dass du trocken bleibst, weil das für mich am wahrscheinlichsten is.
    auf grund dieser meiner erwartung werd ich dir keine ratschläge oder tips zum trockenleiben geben.
    im übrigen is es mir egal, ob du meine diesbezügliche erwartung erfüllst.


    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • silberkralle ,

    was du das als "Erwartung" beschrieben hast, bezeichne ich als "Vermutung".
    Ich vermute auch, dass Du und Hartmut trocken bleiben werdet.
    Sollte sich Eure Geisteshaltung im Laufe der Jahre ändern, würde ich meine Vermutung korrigieren und Euch auf Risiken hinweisen.

    Erwartungen habe ich an Euch keine, weil ich mit Euch keine Verträge schliessen möchte.
    Siehe auch die Definition von Vertrauen und Vertrag.

    LG Jürgen
    -----------------------------------------------
    Meine Meinung. Keine Suchtberatung.

  • glück auf jürgen

    da hamm wer s wieder, der unterschiedliche inhalt von begriffen. für mich besteht zwischen erwartung und vermutung n qualitätsunterschied. je mehr (möglichst gesicherte) infos ich hab, desto mehr wird (für mich) ne vermutung zur erwartung.

    Zitat von juergenbausf

    was du das als "Erwartung" beschrieben hast, bezeichne ich als "Vermutung".

    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Zitat

    das gibt mir nämlich zum nachdenken, denn meiner meinung nach , die ich mir echt ziemlich hart erarbeitet habe mit der akzeptanz jeder darf trinken , saufen wie er will, es ist sein gutes recht. auch einen rückfall haben.

    ja, klar darf er das. Bei mir würde das auch Trauer auslösen, aber auch "Mitleid" und "Mitgefühl" und ich meine das wörtlich. Ich würde mit leiden und mit fühlen. Veranlagung UND gelernt. Das würde mich runter ziehen und wiederum unter Druck setzen, denn ich will ja nicht mitleiden und auch nicht, dass der andere leidet. Was ist hier jetzt Eigensicherheit? Unbedingt helfen wollen, um mir selbst zu helfen? Nein, denn damit manipuliere ich den anderen. Oder mich abgrenzen. Wie kann ich das tun. Räumlich oder emotional. Räumlich, durch Kontaktabbruch. Wenn ich das nicht will, bleibt emotional.Vollständige emotionale Abgrenzung heißt aber nicht nur: Nicht helfen und wissen, dass es richtig ist. Es heißt auch: nicht helfen, wissen, dass es richtig ist und ein gutes Gewissen dabei haben. Sich nicht egoistisch zu fühlen. SEhr, sehr schwer.
    Erstmal, erwarte ich also vom anderen, dass er keinen Rückfall hat.
    Hat er nen Rückfall, verteufel ich ihn aber nicht dafür, denn das ist seins. Aber ich muss dann bei mir bleiben. Bleib ich da, muss ich lernen, mich abzugrenzen, das Leiden des anderen nicht an mich ranzulassen. Mich nicht verantwortlich zu fühlen. Zieh ich mich zurück, muss ich mich mit dem schlechten Gewissen auseinandersetzen, das mich dann fragt: Konntest Du nichts tun oder wolltest Du nicht? Das alles ist dann aber meins.

  • Hallo matthias


    Zitat

    Hartmut hat Folgendes geschrieben:
    Zitat:


    NEIN , sonst gebe es keinen Rückfall .

    Zitat

    doch! die/der eine hat n rückfall(oder mehrere) die/der andere hat keinen rückfall. die/der eine hat die erwartung erfüllt, die/der andere nich. ?

    Ich will es mal realistisch angehen. Erwartungen das ein Alkoholiker trocken bleibt ,bei einer bekannten Wahrscheinlichkeit von 2-5 %, im Laufe des Lebens , entspricht, einem Wunschdenken und ist unrealistisch an der Erwartung gemessen.

    Ich kann nicht erwarten das er trocken bleibt und gleichzeitig erwarten das er rückfällig wird um danach zu sagen das es meine Erwartungen nicht entsprochen hat. Kommt mir einer Schönredrei nach.

    Ich erwarte nicht von mir das ich trocken bleibe, jedoch erwarte ich von mir, alles zu tun , um es zu ermöglichen. Jedoch maße ich mir nicht an , Erwartungen an andere trocken Alkoholiker zu stellen. Vermuten , wünschen oder hoffen schon.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • lieber hartmut,

    ist es anmassend erwartungen zu haben?

    Zitat

    Kann ich von einem Alkoholiker erwarten, dass er trocken bleibt?

    fazit für mich:
    ich kann erwartungen haben. das ist meins, das lass ich mir auch nicht absprechen. wie ich damit umgehe ist auch meins. wenn das druck macht auf den anderen dann ist es seins, mit druck umzugehen.seins dann da zu stehen und zu sagen ich kann den erwartungen nicht entsprechen.meins dann wieder zu sagen ok, in dem fall werd ich meine erwartungen an dich eben runterschrauben oder keine mehr haben.dann kann ich mir das vom angehörigen, von dem ich weiss das das eine zu hohe erwartung ist, die er aufgrund der krankheit nicht erfüllen kann dann wünschen das er trocken bleibt, jeh länger er trocken bleibt auch hoffen das er trocken bleibt.in dem fall wird es wohl sinnig sein sich von erwartungen zu lösen, damit ein umgang miteinander als angehöriger dann weiter stadtfinden kann. das das was ich hier für mich aus den vielen treads mitnehme.

    lieben gruß melanie

  • Hallo melanie

    was du kannst, machst oder willst bleibt dir überlassen. Du kannst von mir aus träumen ,hoffen und vermuten, stundenlang umschreiben bis es dir so passt das du glücklich wirst . Das ist alles deines . Aber lass mich doch aus deinen nicht enden wollenden Gedanken raus. Ich hatte ja schon geschrieben das wir beide da nicht zusammenkommen . Warum diskutierst du denn schon wieder mit mir? Alles was ich bei dir gerade lese entspricht meiner -Erfahrung einer CO Denkens. Ist aber auch deines.

    Ich denke Schwarz Weiß und ziehe realistische Tatsachen zu Grunde. Zudem ich nur von mir spreche!! Kannst du das einfach nicht mal so stehen lassen? Das war nun keine Aufforderung um weiter Statement abzugeben sondern das es in diesem Fall keinen Sinn macht.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hartmut ,

    Zitat

    bei einer bekannten Wahrscheinlichkeit von 2-5 %, im Laufe des Lebens

    Das ist doch mal eine "Hausnummer", mit der ich "arbeiten" kann. :D
    Wie ich schon mal andeutete: Wer schneller stirbt, hat bessere Chancen es zu schaffen. :mrgreen:

    Ich erwarte mal nix, gebe mir höchste Mühe und geniesse das Leben. :D

    LG Jürgen
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    Meine Meinung. Keine Suchtberatung.

  • Hallo Matthias,

    Zitat

    du würdest klar und deutlich zu hören bekommen: "sauf doch! ich brauch mir ja später nich anhören wie grauenvoll du verreckt bist."

    Echt - Du sagst:"Sauf doch?" - nur weil ich Deine Erwartung nicht erfülle, die Du ja eindeutig an mich gestellt hast:

    Zitat

    ...da steht schon, dass ich von jedem trockenen erwarte das er trocken bleibt.

    Vielleicht überlegst Du Dir ja Deine Helferrolle noch einmal sehr gründlich., denn sowas ist keine Hilfestellung, die Du immer vorgibst, dass ist reiner Egoismus: Du erwartest von einem anderen, dass er trocken bleibt, nur damit Du Dir nichts anhören mußt? Wie zynisch ist das denn? Wo ist denn da das Verständnis für die eigene Krankheit?


    Gruß

    BC

  • @ Matthias,

    nö - ich denke nicht, dass ich Dich mißverstehe. Vielleicht liest Du einfach nur nicht richtig (nur eine Vermutung)?

    Du hast doch die Erwartung an jeden Trockenen, dass er trocken bleibt... also auch an mich - ich bin momentan trocken, plane auch nicht zu trinken, ergo meinst Du ja auch mich.

    Deine Erwartung kann ich aber nicht erfüllen, da ich der Überzeugung bin, dass Du an meine Krankheit keinerlei Erwartungen auf Beständigkeit der Trockenheit stellen kannst.

    Hier ist eben mal der Begriff "Schönreden" gefallen (ich glaube Hartmut war´s) - genau das denke ich, wenn mir jemand sagt, dass er von mir erwartet, dass ich trocken bleibe.


    Gruß

    BC

  • Zitat von silberkralle

    [quote='BlueCloud'] an jeden Trockenen

    das is der punkt. ich seh dich nich als trockene, ich meine, du machst ne trinkpause.

    Komisch, genau dasselbe habe ich mir bei Dir auch schon gedacht - aber nur gedacht - aussprechen tue ich sowas natürlich nicht, weil´s einfach nur Phrasendrescherei ist, wenn einem die Argumente ausgehen.

    Nicht alles was scheint, ist auch so. Ist wie mit Phantomschmerzen....

    Gruß

    BC

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