Ich wuensche mir, wieder frei zu sein.

  • Und ohne nochmal zu denken, mache ich nun mein Handy aus und widme mich dem, was ich tun moechte.

    Schlafen.

    :)

    Gute Nacht.

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • Liebe Muriel,
    Du machst das alles doch schon ganz gut.

    Dieses Loslösen vom Partner, bzw dessen Sucht, ist letztlich heftige Bewußtseinsarbeit. Wäre er nicht süchtig, wäre er möglicherwiese ein wunderbarer Partner für Dich, daher schreibe ich lieber 'loslösen von der Sucht'.
    Nochmal, um zu verdeutlichen, was Du Dir da in Deinen Gedanken klar machen sollst. Warum ich das schreibe?

    Ich lese aus Deinen Zeilen noch immer diese Unsicherheiten. Soll ich mit ihm reden, soll ich sein Gespräch annehmen, ist es richtig, wenn ich jetzt...

    Es ist kein Rückfall von Dir, wenn Du Dich mit ihm unterhälst. Und klar fällt ihm die Trennung auch schwer. ER soll sich jetzt sogar zweifach trennen: Von Dir UND vom Alkohol, Da ist er natürlich ganz schön gefprdert. Das soll er ja auch ruhig. Das sind jetzt die Konsequenzen SEINES Trinkens, Die werden noch erbärmlicher, Und die wird er immer selber zu tragen haben. Du kannst ihm auch keine Leberzirrhose, Bluthochdruck, Dilirium, Magenblutungen abnehmen können Wenn man jemanden liebt, dann möchte man das so sehr verhindern. Auch wenn er Krebs hätte würdest du durchdrehen. Das ist normal. Und genau das mußt du verstehen.

    Er sagt, dass er aufhören 'will' zu trinken. Das ist eine durchaus glaubhafte Aussage. Er weiß, dass er süchtig ist und er weiß/spürt auch, dass es nicht gut für ihn ist. Aber das reicht nicht. Allein der Wille reicht nicht aus
    Du schaust und hoffst immer wieder, ob die Trennung irgendwas bei ihm in Gang setzt. Auch verständlich, denn Du hast ja auch Gefühle für ihn.
    Aber gehe lieber davon aus, dass er jetzt Panik gekriegt hat.
    Lass ihm seinen Tiefpunkt selber erreichen, selber spüren.
    Was er jetzt spürt ist Trennungsschmerz. Ihr beide.

    Du solltest ihm vielleicht sagen, dass Du im Moment eine Abstand brauchst. Vielleicht kannst Du so drei Monate sagen. So könnt ihr beide mit der Trennung klar kommen, Euch neu orientieren.
    Wenn er versucht Dir irgendwas zu versprechen , was seine Sucht angeht solltest Du ihm sagen, dass GENAU DAMIT Du jetzt abgeschlossen hast. Du möchtest nicht mehr davon wissen. Weder ob er noch trinkt oder ob nicht.
    Versuche, wenns Gespräche gibt, diese nur auf neutrale Themen zu lenken. So, wie wenn Du mit Deiner besten Freundin telefonierst. Wenn Die ein paar Pfunde zu viel drauf hat wirst DU das doch auch nicht ständig mit ihr diskutieren, oder? Und da mußt Du hinkommen. Lass ihm seine Sucht, misch Dich nicht ein. Denn es ist wirklich seine Sache. Es ist eine Krankheit, und zwar seine. Meine Mutter hat Diabetes und ich frage sie nie nach ihren Zuckerwerten. Auch ermahne ich sie nicht, wenn sie sich falsch ernährt. Sicher könnte sie sich gesünder ernähren. Aber - es ist ganz und gar ihre Sache. So etwas würde nerven, nichts bringen ausser Streit.


    Warum wird Alkohol nicht einfach auch als eine Krankheit akzeptiert, die nur den Kranken etwas angeht? Weil sie Auswirkungen auch auf den Partner hat. Und davor rettest Du Dich gerade. Nicht vor ihm als mensch. Sondern vor den Auswirkungen seiner Sucht auf Dich.

    Es gibt viele Dinge, die ebenfalls ähnliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben wie der Alkohol. Auch zu fette Ernährung macht die Leber kaputt. Würdest Du nun anfangen ständig über jede Bratwurst zu diskutieren oder jede Tüte Chips?

    Der Alkohol paßt uns nicht , weil er auch Konsequenzen auf uns hat. Und das wollen wir nicht mehr. Wir können den Partner nicht stoppen. Aber wir können uns befreien und gehen.

    Das schmerzt für beide sehr. Das ist ja schon eine ungewöhnliche Trennung. Normalerweise ist es ja so, dass von einer Seite die Gefühle nicht mehr da sind und der dann Schluß macht. Aber hier sind Gefühle vorhanden, die Beziehung aber macht keinen Sinn.

    Dennoch kann man den anderen als einen netten Menschen akzeptieren.
    Unüberwindbare Trink-Kultur- Unterschiede. Leben und leben lassen, wie man so schön sagt. Ich lass Dich so wie Du bist. Du bist ok, Du paßt nicht in mein Leben. Ich glaube, das ist gemeint mit: In Liebe gehen lassen.

    Was ist dann mit der Liebe, was macht die dann noch für einen Sinn, fragt man sich dann viellicht. Mich hat das Forum auch inspiriert über das Thema Liebe viel nachzudenken. Wie weit 'darf' man überhaupt in das Leben eines anderen eingreifen. Soll man jemanden nicht einfach so lieben wie er ist. Will man selber nicht auch so geliebt werden wie man ist, mit all seinen Macken. Mir persönlich fällt es einfacher loszulassen, wenn ich mir all diese Dinge ins Bewußtsein hole. Dann verschwendet man auch keine Unmengen an Geld für sinnlose Telefonate. Man sagt nur: Schade für Dich, dass Du heute wieder trinken mußt.

  • Hey Frozen Tears,

    danke fuer deinen Beitrag! Es ist immer wieder sehr aufschlussreich und wohltuend von dir zu lesen!

    Dass es kein Rueckfall ist, ein Gespraech mit ihm zu fuehren, es tut gut, das zu hoeren, denn eigentlich fuehlt es sich auch nicht so an.

    Gestern Abend hat er dann doch wirklich direkt als ich den PC aushatte angerufen, und natuerlich bin ich drangegangen.

    Er hatte einen schoenen Tag mit seinem Freund erlebt und mir davon erzaehlt.

    Ausserdem hat er erzaehlt dass er morgens bei der Aerztin war und gesagt hat, dass er nichts mehr trinken will, sein Trinkverhalten erklaert haette und nochmal zum Arzt ginge, dann aber zu einem anderen, er wolle zum Psychologen.

    Er hat mir auch vom moeglichen Entzug erzaehlt, den es ja gaebe, den er aber fuer nicht richtig haelt, weil er ja auch so das Trinken aufhoeren kann, er sich aber weiterhin frei bewegen will, meinte er. Und deswegen eben einen Psychologen zur Unterstuetzung wolle.

    So ganz liegt sein Schwerpunkt nicht auf dem Alkohol, so empfinde ich.

    Ich hab nichts bewertendes dazu gesagt, es nur zur Kenntnis genommen.

    Heute Morgen ruft er wieder an, nach dem 8. Mal (!) bin ich dann dran gegangen und er war sehr gut drauf und hat viele Spaesse gemacht (so wie frueher oft)...

    Ich merke, dass ich trotz kleiner Freude nicht locker bin, dass mir einfach nicht wohl ist.
    Und das hab ich ihm auch gesagt.

    Er sagte dann, er versucht mit dem gluecklich zu sein was er hat, und er waere sehr froh, dass ich ans Telefon gegangen bin.

    Im Grunde klappt das mit der Abgrenzung von der Sucht relativ gut, aber das mit dem Abstand klappt eben irgendwie vorne und hinten nicht.
    Ich denke jetzt wieder, wie typisch Co, dass ich ihn ja doch irgendwie jetzt unterstuetzen muss, in seinem Vorhaben aufzuhoeren.
    Was aber natuerlich voellig falsch ist...

    Jetzt, wo er so motiviert und positiv ist, faellt es mir schwer, dem etwas entgegen zu halten und zu sagen, dass ich aber dennoch jetzt Abstand will...

    Ja, er ist jetzt in Panik wg der Trennung und tut und macht alles, um den Kontakt jetzt wieder zu "normalisieren", so mein Gefuehl.

    Ich habe ihm gesagt, dass in mir vieles passiert ist und ich nicht bereit bin, um den Kontakt so wieder zu haben und dass ich es auch nicht will.

    Er versteht, sagt er, ruft aber im naechsten Moment wieder an.
    Und ich weiss, dass es MEINE Entscheidung ist, dranzugehen oder nicht....

    Ich will garnicht drueber nachdenken, ob er mich vl in seiner Krankheit jetzt nur wieder manipuliert mit seinem extrem Positiven Gespraech... ich hab keine Ahnung und ich wills auch garnicht auseinandertroeseln....

    Er hat mir dann auch noch ueber Vorhaben erzaehlt, die er hat bezueglich des Umorientierens im Job etc. (das, was WIR gemeinsam mal vorhatten)....

    Ich will das alles nicht hoeren, weil ich weiss, dass er es nur tut, weil er jetzt merkt, dass ich gehe und das will er verhindern.

    Bzw. dass ich gegangen bin und das will er rueckgaengig machen (was nicht moeglich ist)...

    Er fragte mich, ob ich heute abend Zeit haette zu skypen (anstatt Telefonkosten) und ich sagte, dass ich heute Abend zu meiner Selbsthilfegruppe gehe und mir das sehr wichtig ist.

    Ich weiss garnicht, warum ich das gesagt habe, vermutlich um ihm wiederum aufzuzeigen, dass es einfach nicht getan ist...

    Ich kann mich aus meinen Aengsten nicht befreien, und muss ich ja auch nicht.

    Und wie du sagst, Abstand waere das einzig Richtige, nur ich weiss nicht so Recht, wie ich es grade anstellen soll...

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • Hallo ihr Lieben..

    er ruft mich an, er schreibt SMS, er ist optimistisch, er trinkt alkoholfreies Bier und will zu den AA's gehen, usw und und und und.

    Ich habe ihm gesagt, dass ich denke, dass Abstand das einzig Richtige sei.

    Wie und wann ich nun in dieser "neuen" Situation erneut einen Schlussstrich ziehen kann, ich weiss es nicht.

    Es ist schwierig.

    Ich habe keine Aengste, so wie er, dass wir uns nie wieder sehen koennten oder so. Ich versuche einfach nur im JETZT und HIER zu leben, ohne Gedanken an das, was irgendwann mal sein koennte, zu verschwenden.

    Er will die Beziehung retten. Ich will mich retten.

    Ich sage ihm das auch alles, er scheint es auch zu verstehen, aber er lebt eben grade einen anderen Weg..

    Er sagt zwar, dass er das alles fuer sich mache und ich ihm geholfen haette, Dinge zu erkennen, aber ich glaube nicht dran.

    Ich habe ihm klipp und klar gesagt, dass auch ich krank bin und an mir arbeiten muss und dass ich keine Eile habe oder Panik empfinde, so wie er ("JETZT muss schnell was passieren, damit die Beziehung wieder schnell aufgenommen werden kann..")

    Ich habe gesagt, dass jegliches Vertrauen weg ist und ich nur noch an mich selbst glaube und mir vertraue.

    Ich weiss grade einfach nichts.

    Meine Gefuehle machen mich auch sehr verrueckt.
    Ich zwinge mich dazu, hart zu bleiben, MEINEN Weg zu verfolgen, den ich begonnen habe, nicht abzukommen, usw. Aber es ist unglaublich schwierig, zwischendurch wuerde ich einfach nur gerne hinreisen, ihn endlich wieder in den Arm nehmen, aber ich weiss, dass es nicht geht und dass die Zeit dafuer JETZT aufkeinenfall ist, und vielleicht nie mehr sein wird.

    Ich merke, wie es mich anstrengt, mit ihm zu sprechen, und ich sage das auch und beende dann auch das Gespraech, wenn es fuer mich unangenehm oder sonstiges wird.
    Wird hatten wieder jeden Tag Kontakt seit Freitag und ich fuehle mich nicht ganz wohl damit.
    Ich melde mich nie, er ruft an, aber ich hebe ab.

    Ich denke, ich weiss, dass er es nicht lassen wird, wenn ich nicht wieder eine Entscheidung ausspreche...

    Ich aergere mich irgendwie, da ich merke, dass ich doch wieder in dieses alte reingerutscht bin, natuerlich nicht wirklich und nicht voll, weil klar ist, dass wir nicht zusammen sind und auch unsere Gespraeche anders verlaufen.

    Es geht viel um allgemeine Themen und nicht rund um den Alkohol, ich frage nichts, er sagt auch nur knapp etwas darueber.

    Aber sobald das Gespraech eben abriftet auf ein Beziehungsthema oder Aehnliches wird es ungemuetlich und wir haben uns nicht mehr wirklich im Griff, jedenfalls ich nicht.

    Auch das hab ich ehrlich gesagt, dass ich selbst einfach Zeit brauche, um "normal" sprechen zu koennen, und dass das einfach nicht innerhalb von 2 Wochen alles irgendwie normal ist, im Gegenteil...

    Ach mann, ich habe das Gefuehl, mich schon wieder im Kreis zu drehen...

    Mit vielen Gruessen

    Miriel

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • Hey Miriel,
    in welcher neuen Situation sollst du wieder einen Schlussstrich ziehen?

    Und ansonsten hast du doch oben geschrieben, dass du ein Prepaid-Handy hast.. Es wäre doch eine Idee, eine neue Karte beim selben Anbieter zu besorgen? Sodass er dich nicht mehr erreichen kann? Den anderen kannst du die neue Nr ja geben.. Aber ihm vorläufig nicht. Vielleicht ginge das ja?
    Ich fürchte, dass er nicht aufhören wird, dich zu kontaktieren. Solange, wie du ihm das nicht unmöglich machst.

    Ich stelle es mir auch vor, dass es anstrengend sein muss, ständig zu reagieren. Ich denke, es wird auch für dich eine Erleichterung sein, wenn du seine Anrufe nicht mehr erwarten musst.

    Liebe Grüße,
    Natalie

  • Hey Zimttee,

    danke fuer deine Antwort.

    Ja mit neuer Situation lueg ich mir wahrscheinlich selbst in die Tasche. Damit meine ich das, das jetzt ein Freund eingeweiht ist, er beim Arzt war, er sich bemueht, etc......

    Ich finde ein Nummerwechsel ist so ein harter Schritt und ich weiss nicht, ob das wirklich gerechtfertigt ist, er stalkt mich ja nicht :(

    Aber wahrscheinlich hast du Recht..

    Vielleicht schaffe ich es ja, mir wirklich ein paar Gedanken zu machen, unabhaengig von ihm, und es dann einfach wieder abzubrechen.
    Ich glaube nicht, dass er mich kontaktieren wuerde, wuerde ich ihn ausdruecklich darum bitten, es zu lassen.

    Aber auch das, muss ich eben erstmal SAGEN.

    Liebe Gruesse,
    Miriel

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • Liebe Miriel,

    ich finde auch: wenn es dich so belastet, dann solltest du wirklich um eine Kontaktpause bitten.
    Bei mir war der befreiendste Schritt in dieser Hinsicht, dass ich darum getrauert habe (und noch trauere) was ich mit ihm verloren habe.
    Seitdem bin ich zwar oft traurig, aber auch sehr ruhig. Das Kapitel geht zu Ende, das merke ich ganz deutlich.
    Der echte Abstand kommt von innen. Und wenn er, wie bei dir, noch nicht da ist, dann hilft
    Funkstille.
    Ob ich einfach meine Handynummer ändern würde, weiß ich nicht. – Er kennt ja deine Adresse und es könnte sein, dass er so in Panik gerät, dass er irgendwann vor der Tür steht.
    Je nach Zustand kann das sehr unangenehm werden.
    Ich würde ihn um einige Zeit Funkstille bitten.

    Lieber Gruß und Trostpflaster von
    Lea

    If you know where you stand
    then you know where to land ...

  • Liebe Miriel,

    ich bin auch der Meinung, dass Du eine Kontaktpause einfordern solltest. Ich sehe es eigentlich schon als einen sehr großen Schritt, dass Du so klar benennen kannst, dass Dir der Kontakt nicht gut tut. Wenn das doch der Fall ist, so unterbinde ihn und schau, dass es Dir gut geht.

    Wir müssen, so glaube ich, uns immer wieder bewusst werden, dass wir keinem was schuldig sind. In Deinem Fall bist Du ihm kein Telefonat schuldig!! Aber wir stehen in unserer eigenen Schuld, zu schauen, dass es uns gut geht.


    Liebe Grüße und alles Gute

    Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass es einen Sinn hat - egal wie es ausgeht.

  • Liebe Miriel,
    einen lockeren freundschaftlichen Kontakt werdet ihr vermutlich erst dann haben können, wenn ihr euch beide mit etwas Abstand neu orientiert habt.

    Wenn Du ihn sonst so als Mensch gerne magst spricht ja nichts dagegen, dass Du irgendwann mal locker mit ihm irgendeine Umgang haben wirst.

    Was Dir jetzt schlecht bekommt und nahezu unmöglich st ist eine Beziehung mit einem nassen Alkoholiker, Mach es mal nicht so an ihm fest, sondern an der Tatsache, dass man ( bzw frau , also auch andere frauen) mit einem nassen Alkoholiker ( also auch irgendeinem anderen) keine gesunde Beziehung führen kann und auch keine Zukunft aufbauen kann ( kinder usw,

    Sehr schön gesagt hast Du: Es geht nicht darum ihn zu retten, ich will mich retten. Sag es ihm immer wieder. Nasse Alkoholiker stellen sich gern in den Vordergrund. Durch Selbstmitleid, Gejammer, Aggressivität oder auch 'Schleimerei', wie Deiner es gerade versucht. Er testet aus, was bei Dir am besten ankommt. Und Du spürst selber mehr und mehr wie unecht diese Sabbelei ist. Ich kenne das zu Genüge. Versuche mehr und mehr ihn zu durchschauen und dabei stark zu bleiben. Irgendwann, wenn Du nicht mehr auf ihn eingehst wird er kapitulieren. Bedenke, dass auch Du nicht nur Seine Partnerin, sondern auch sein Suchtgefährtin bist, die er jetzt gerade verliert. Sag ihm, dass Du lange genug versucht hast ihm zu helfen und dass er jetzt trinken kann. Oder auch aufhören. Er Kann sich selbst entscheiden. Aber DU hast Dich entschieden und da gibts nichts dran u rütteln. Damit tust Du ihm vielleicht tatsächlich was gutes. Du zeigst ihm wie konsequent Du bist und sein musst um Dich aus DEINER SUCHT zu befreien. Verstehst Du, Du lebst ihm quasi das vor, was er ja für sich auch umsetzen muss. Was Du immer von ihm erwartet hattest.
    Irgendwann wirst Du sehen, dass diese Konsequenz ihm auch gut tut. Irgendwann kommt nämlich auch er an den Punkt, dass seine Masche nicht mehr wirkt und er jetzt 'wirklich überlegen muß, was Sache ist. Das wird vermutlich noch ne Weile dauern, denn er wird auch viele innerliche hin und hers durchmachen.

    Dieser Egoismus, dieses sich in den Vordergrund stellen mußt Du durchbrechen. Ich persönlich finde es sogar gut, wenn Du stark bist und bei Dir bleibst, wenn Du hin und wieder mit ihm telefonierst. Das ist meine persönliche Erfahrung und Einstellung. Für andere mag es anders sein. Aber bei jedem Telefonat spürst Du , ob Du wieder schwach wirst , Dich einlullen läßt, oder Dich ihm( der Sucht) wiedersetzen kannst. Du kannst das aber auch in Gedanken machen.
    Wichtig ist, dass DU DICH in den Vordergrund stellst. Rede von Dir, von Deiner Sucht. Erzähl ihm, an was Du arbeitest und was Du schon erreicht hast. Er soll zuhören. Mal überlegen wie Du Dich dabei fühlst. Nimm Dir vor, nicht mehr ihn zu fragen, wie es ihm geht. Dem gehts schon gut.
    Wenns ihm nicht gut geht trinkt er eh. Und wenn er was ändern will, weiß er ja mittlerweile auch wie es geht. Den Arzt hat er ja ohne Dich gefunden.
    Aber gib ihm nicht so viel Aufmerksamkeit. Nimm es als normal an, was er da gegen seine Krankheit tut. Jetzt bist Du dran.

    Ich finde es gut, dass Du ihm gesagt hast, dass du lieber zu deiner Selbsthilfegruppe gehst. Du weißt nicht warum Du es ihm gesagt hast?
    Weil ,vielleicht noch ganz unbewußt, du ihm mitteilen wolltest , dass DU DIR jetzt auch mal wichtig bist. Man steckt viel ein und weg bei einem Alkoholiker. Dem setzt Du ja gerade ein Ende.

    Wenn er Dich liebt soll er das auch mal verstehen und akzeptieren.
    Auch wenn es ihm weh tut. Er muß auch aus Liebe loslassen.

    Schreib doch mal auf, was Du nie wieder willst, was Dich an der nassen beziehung eigentlich so stört.

  • Hallo ihr Lieben,


    Danke fuer eure Beitraege, ich hatte sie schon gestern gelesen und mir viele Gedanken gemacht und gestern Abend nun den Kontakt erneut abgebrochen.

    Es war ein langes Gespraech und es war auch ein sehr angenehmes Gespraech aber die Kontaktpause war von Anfang an Thema und es war dann am Ende auch klar, dass das jetzt so sein wird.

    Ja, ich sagte ihm, schon in den vorherigen Gespraechen, dass ICH fuer mich was tue und ich auch SUECHTIG bin und er mein Suchtmittel ist, von dem ich einfach den kompletten Abstand brauche, um wirklich nicht mehr abhaengig zu sein...

    Die letzten 2 tage gab es dann aber auch noch zwei Dinge, die mir auch wieder ganz klar gezeigt haben, wie krank(traumatisiert in der Hinsicht) ich bin.

    Wir haben am Samstag geskyped und er hat mir dann gezeigt mit der Kamera, dass er sich alkoholfreies Bier gekauft hat, er zeigte mir die Flasche, ganz nah, mit der Aufschrift, es war sicher lieb gemeint von ihm, er wirkte irgendwie ganz stolz, was ja auch sein Ding ist. Die Flasche zu sehen, war auch fuer mich ok.
    Doch dann ca. 1 Minute spaeter als wir weitersprachen, nahm er die Flasche und setzte an.
    Und da konnte ich nichts mehr sagen, ich war wie gelaehmt, dieses Bild zu sehen, zog in mir alles zusammen. Das Bild war das Gleiche, wie es immer gewesen war und ich mir wurde es richtig anders.

    Das Gleiche war dann am naechsten Tag, also gestern, als wir morgens kurz telefonierten (nicht skype) und er ein Glas abstellte.
    Das Geraeusch, und wieder zitterte alles in mir.

    Und in dem Moment hab ich es ihm auch gesagt.
    Und in dem Moment hab ich ihm auch gesagt, wie es mir mit der Flasche ging.

    Wir haben dann gestern Morgen das Gespraech beendet und ich hab eigentlich den ganzen Tag darueber nachgedacht, wie und was ich will und nicht will.

    Und gestern Abend habe ich mich dann bei ihm gemeldet und nach einem laengeren Gespraech letztendlich die Kontaktpause verlangt.

    Er hat anscheinend nun seine Familie in sein Problem eingeweiht und 2 Freunde. Er ist fest entschlossen, hat aber Angst, dass er es nicht schafft.
    Er wird mich vermissen, sagt aber auch, dass es sicher das Beste ist, auch wenn er mich als Gespraechspartner und auch als Frau eigentlich nicht hergeben will, sagt er, dass er ja weiss, dass wir beide jeweils an uns arbeiten muessen und es nichts bringt, wenn wir uns dabei eben aufeinander fixieren.

    Gestern Abend war seine Mama kurz ins Gespraech eingeklinkt und sie ist sehr verwundert, hauptsaechlich erleichtert, ueber seinen Entschluss, da sie ja auch schon Jahre damit kaempft.

    Aber sie sagte ihm ganz klar, dass auch sie ihn erlebt hat, wie er ist und ich das, was alles passiert ist, niemals vergessen werden kann, da sie weiss, wie sehr sie schon verletzt war, sie ihm aber eben nie den Ruecken kehren wuerde, weil sie seine Mutter ist, sie hat ihm sozusagen jegliche Hoffnung auf einen Neuanfang mit mir abgesprochen.


    In der Theorie scheint alles verstanden.

    Ich bete fuer ihn, dass er das erreicht, was er will.

    Ich hoffe, dass ich es schaffe, jetzt weiterhin stark zu sein, und jetzt wirklich anfangen zu koennen, nur noch auf mich zu schauen....

    Ich habe Angst. Und ich bin traurig.
    Er sagte viele Dinge gestern, und wenn er sie wirklich so sieht, ist es fuer mich das, was ich lange lange haette hoeren wollen.
    Nur fuer uns ist es leider jetzt zu spaet.

    Mit vielen Gruessen von einer grade sehr traurigen

    Miriel

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • Liebe Miriel,

    auch wenn du jetzt so traurig bist – ich kann aus meiner Situation heraus sagen: die Traurigkeit ist gerade mein bester Freund. Natürlich gibt es schönere Gefühle, aber – wie soll ich sagen – sie hat mich sehr entspannt gemacht.
    Ich finde es gut, dass du die Kontaktpause verlangt hast und er sich einsichtig gezeigt hat.
    Die Aktion mit dem Bier-trinken über Skype – finde ich auch einigermaßen gruselig.
    Vertrau’ da auf dein inneres Gefühl und deine unmittelbare körperliche Reaktion, die sagen dir unmissverständlich, was Sache ist.

    Es klingt zwar hart, aber: bete nicht für ihn. Gott hat ihn nicht zum Trinker gemacht. Gott wird ihn nicht trocken machen. Meine feste Überzeugung ist: es gibt so etwas wie einen freien Willen. Auch wenn man ihn sich in manchen Situationen (wieder) hart erarbeiten muss – wie wir das auch gerade tun.

    Gibt es irgend etwas, was dich körperlich entspannt? Sport? Yoga? Oder so etwas?
    Das hat mir auch sehr geholfen.

    Ganz herzlicher Gruß von
    Lea

    If you know where you stand
    then you know where to land ...

  • Hey Lea,

    ja, ich weiss, mit beten meine ich ja auch, dass ich es ihm einfach wuenschen wuerde, dass er es ernst meint und dass er es eben schafft. Weil ich ihm halt schon glaube, dass er es will. (Vielleicht auch falscher Glaube, keine Ahnung.)

    Dass unsere Beziehung aber ganz klar vorbei ist, das wurde mehrmals ausgesprochen und auch sachlich darueber geredet, schmerzhaft aber auch einfach klarmachend und befreiend.

    Mhh. Entspannen, ja das faellt mir sehr schwer.
    Ich hab mich schon oefters mal umgeschaut, was Yoga und Meditation angeht, es aber dann doch nie wirklich angegangen, hab es noch nie gemacht.

    Auch wg Sport hab ich mich jetzt in der Umgebung ueber einige Vereine informiert und auch angeschrieben, ich habe vor Jahren mal mit Kickboxen angefangen und wuerde es gerne wieder aufnehmen.

    Aber grad jetzt so spontan mache ich eigentlich nichts zur Entspannung.
    Vielleicht sollte ich laufen gehen oder Fahrrad fahren..

    Entspannen kann ganz schoen schwierig sein.. :)

    Mit vielen Gruessen

    Miriel

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • Krass, und in diesem Moment bekomme ich grade von meiner besten Freundin das Angebot 4 Tage nach Mallorca, sie macht die Reise nicht aus privaten Gruenden und wuerde sie mir schenken, weil es nicht mehr stornierbar ist.

    Mit 3 Maedels, die ich zwar nicht so gut kenne, aber..

    Ich glaube, ich sollte das jetzt einfach machen.

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • zugesagt!!!!!

    waaaaaaaaaaaa :) :) :)

    das nenn ich mal fuegung!!

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • Ich glaube auch.

    Ich bin so froh darueber. Und denke mir nur, dass kommt so richtig.

    Und dennoch bin ich traurig darueber, was ich hinter mir lassen muss.

    Und vor allem der Gedanke daran, dass er es vielleicht nicht schafft, der macht mich fertig.

    Weiss auch nicht.

    Aber ja, ich darf mich nicht mehr damit beschaeftigen, ich weiss....

    Ich muss meinen Weg gehen.

    Und der Urlaub ist sicherlich ein guter Start, um raus zu kommen und noch mehr Abstand zu haben...

    :)

    Mh.. Ich fuehle mich ruhig irgendwie grade..

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

  • Liebe Miriel,
    das mit dem Urlaub freut mich sehr für Dich. Genau zum richtigen Zeitpunkt....klasse, dass du zugesagt hast.

    wann gehts denn los?

    Dass Du dich gerade ruhig fühlst ist WUNDERBAR

    Viele liebe Grüße
    Herze

    Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass es einen Sinn hat - egal wie es ausgeht.

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