• Nochmal Andreas

    da fällt mir grad ein, - er hat mal gesagt

    (Umformuliert)

    "ich bin viel weniger als Du denkst"

    da hatte er dann wohl doch ein schlechtes Gewissen. (Wegen der Krone)
    Aber er hätte es so leicht haben können:

    Das erste Mal habe ich Schluß gemacht

    Dann hat er das nächste Mal seine Frau entscheiden lassen (gegen mich)

    Da war jedes Mal ein Punkt zum Aufhören ohne daß er was hätte tun müssen!

    Das ist halt meine Verletzung, daß er da keine Ruhe geben konnte. Alles aber auch alles aufs Spiel gesetzt hat - nur wg. einer Spielerei? Unglaublich.
    Aber man muß glaub nicht alles verstehen. :roll:

  • Hallo Nys,

    deine Gedanken kreisen nur um ihn...

    Es fehlt dir ein Abschluss, so verstehe ich das. Du kannst doch einen Brief schreiben und in's Nirwana schicken. Also verbrennen oder in einen Fluss werfen und wegsegeln lassen. Da kannst du all deine Dinge für ihn reinschreiben und vielleicht fällt dir das Loslassen dann leichter.

    Warum liest du Bücher, in denen du seine Charaktereigenschaften suchst? Oder habe ich das falsch verstanden.

    Wenn ich dieses Fädchen hier lese, kommt für mich viel Verbitterung rüber, verletzter Stolz, Entwertung, Wut, die du spürst. Das sind Gefühle, die entstehen, wenn Menschen sich so abgeschoben fühlen.Das kann ich verstehen. Aber es nutzt dir nicht, wenn deine Gedanken unentwegt nur um ihn kreisen und darum, was er dir angetan hat und warum es so sein könnte.

    Wichtig ist doch, den Fokus jetzt auf dich und dein Leben heute zu legen. Diese vergangenen Dinge wirst du nicht mehr ändern können. Du kannst dafür sorgen, dass in Zukunft niemand mehr so mit dir umspringen kann. Du kannst daraus, aus dem Vergangenen, lernen, es nun anders zu machen, so zu machen, dass es dir gut tun kann. Dass du lernst, in Zukunft schneller Grenzen ziehen zu können, damit dir solche Verletzungen nicht mehr pasieren können.

    Es wär gut, wenn es jetzt hier in deinem Thread nicht mehr nur um deinen XY geht und was er gesagt und getan hat. Sondern dass es hier um dich geht und wie du lernen kannst, dein Leben, was du jetzt hast, anzunehmen. Ohne dauernd diese bitteren Gedanken an damals zu haben.

    Loslassen, verzeihen und annehmen. Das ist nicht leicht, aber es geht. Das geht, wenn du eben auf dich siehst, jetzt, nicht auf ihn und das, was mal war.

    Viele Grüße
    Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Nys,

    Mir ist besonders ein Satz in deinem ersten Posting aufgefallen

    Zitat

    ..Es tut einfach weh weil ich ihm wie ein Kind vertraut hab, daß er mir nie weh tun würde....

    Führt dich das nicht wieder zu deinem Inneren Kind zurück?

    Kein erwachsener Mensch soll sich derartig in einen anderen Menschen versenken und schon gar nicht in einen alkoholkranken Menschen; ein Kind hat ja niemanden anderen, es muss mit der Situation irgenwie "fertig" werden und trägt meist gr. Schäden davon. Aber du bist jetzt schon groß und du bist für dein Leben verantwortlich und für das Setzen deiner Grenzen.
    Er handelte so, wie er aufgrund seiner Persönlichkeit und seiner Suchterkrankung handelte (z.T. sicherlich auch handeln mußte).....

    Für mich ist es (jetzt) müßig der Frage nachzugehen, warum, weshalb etwas so gelaufen ist, wie es eben gelaufen ist. Ja, ich habe auch Verletzungen und ich hatte so manche Fragen, aber solange ich mich mit diesen Fragen beschäftige, kann ich nicht loslassen. .... und die Gedanken kreisen und kreisen.
    Da hilft nur eines, austeigen aus dem Karussel, und akzeptieren, es war wie es eben war. Nur dadurch wird die Leimrute durchtrennt und ein selbstbestimmtes Leben möglich.

    Vielleicht geben dir meine Gedanken etwas.

    LG oldie

    -----
    Danke Andreas, dass du dich beteiligt hast. Du hast auch mich wiederum bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein.

  • Liebe Aurora

    Du hast recht und Carpenter hat mir sehr geholfen was das Abschließen dieses Gedankenkreises angeht,
    der mit Mitleid anfängt und mit Bitterkeit endet und anders rum.

    Die Bücher habe ich gekauft, weil Angst vor Zurückweisung ein Titel war, der mich ansprach (Hysterie) und weil ich in dem Border-Line-Buch
    geblättert und teilweise meine Verhaltensmuster wiedererkannt habe. Daß ich Erklärungen für sein Verhalten bekam, war eher ein Zufall - aber auch irgendwie hilfreich, wenn es um dieses verzeihen und annehmen geht.

    Wie Du schon festgestellt hast ist das mit dem Loslassen so eine Sache. Heute denke ich: Ja Carpenter hat mir geholfen. Morgen sehe ich das hoffentlich noch genauso. Nicht umsonst habe ich mich hier als Co angemeldet. Mir ist klar, daß ich mich wahrscheinlich nie wegen dem Alkoholmißbrauch von ihm getrennt hätte - obwohl ich ihm das vom ersten Verdachts-Moment an angekündigt hab. Ich hätte nie den Absprung geschafft wenn er seine Frau verlassen und zu mir gekommen wäre. Ich hätte mich für ewig verantwortlich gefühlt und auch in seiner Schuld. Alle hätten dann irgendwann gesagt, ich sei schuld daß er trinkt und seine Familie verloren hat.

    Ich kann wirklich so was von froh sein. Und das versuche ich jetzt wieder mal auf ein Neues!.

    Bitte entschuldigt diesen XY-Anfall. Ich hab es bisher krampfhaft versucht zu vermeiden. Deshalb
    klangen meine Postings auch manchmal so verkopft. Es einmal durchzukauen war wichtig.
    Der Kaugummi wird nun ausgespuckt, versprochen.

    Und sagt mir bitte, wenn ich ihn wieder zurückhole! :x

    LG Nys

  • Liebe oldie

    Zitat

    Kein erwachsener Mensch soll sich derartig in einen anderen Menschen versenken

    Genau das habe ich über dieses Border-Line Buch erkannt: Ich bin in gewisser Weise ein Kind geblieben. Deshalb auch das "Waldkind" in meinem Märchen.
    Ich habe einen Hang zur Symbiose (dieses Versenken) die ich als
    Baby nie erleben durfte. Diese Symbiose versuche ich als Erwachsener
    nachzuholen. Das geht aber nicht mit einem selbständigen Erwachsenen der das nicht sucht. (Weil er es ja hatte und nicht mehr braucht). Das geht nur mit einem Menschen der selbst gerne "in etwas versinkt".

    Das ist meine Sucht, mein Muster, das ich erkannt habe und jetzt endlich
    auch einordnen kann. Das war ein Riesen-Schritt. Ich kann dadurch verhindern, daß es wieder passiert, weil ich weiß was da abläuft und ich kann die bislang unkontrolliert auftretende Sehnsucht nach der Geborgenheit die ich nur bei XY spürte sofort abstellen, sobald ich mir bewußt werde, daß ich eigentlich nicht ihn, sondern die Geborgenheit eines Baby's bei seiner Mutter vermisse. Dieses innere Kind behandle ich gerade sehr liebevoll.

    Weißt Du - ich habe Ablehnung so oft verarbeiten müssen, daß ich es teilweise garnichtmehr gemerkt hab. Meine Sehnsucht nach dem Schutz einer Mutter und dem Angenommen sein ist aber innerlich wie ein Tsunami angewachsen. Als ich das vor einigen Tagen bemerkte, hab ich nur noch geheult.

    Zitat

    akzeptieren, es war wie es eben war

    Gerade eben, weil ich mich jetzt zu meiner eigenen Mutter gemacht hab und dieses innere Kind liebe und beschütze, war es unheimlich schwer die XY Geschichte damit in Einklang zu bringen. Ich glaube auch, daß ich mich
    nie wieder so behandeln lassen würde. Aber jetzt war's ja schon passiert und noch gar nicht so lange her.

    Deshalb habe ich eine Nacht lang versucht das zu bearbeiten. Rausgekommen ist dann das Märchen, - aber da kamen dann alle Gefühle auch gleich wieder mit hoch. Ich glaube das gehört einfach auch zur Aufarbeitung dazu. Und wirklich GOTT SEI DANK
    habe ich Euch und bin mit diesen Gedanken und Gefühlen nicht alleingelassen worden.

    Ich denke wenn ich heile, werde ich auch nichtmehr so was mit mir machen lassen (müssen) die Sucht nach der Symbiose wird schwächer und ich lerne als erwachsener Mensch tasten und fühlen und sehen und merken, daß ich eigentlich ein Ganzes bin, das keine Ergänzung sondern ein Gegenüber braucht. Ich habe schon gemerkt, daß ich meinen Mann und unsere Zweisamkeit in ganz neuer Form wahrnehme. Und ich danke Euch, daß Ihr mir helft das Vergangene zurückzulassen.

    LG Nys

  • Liebe Nys,

    Ich möchte noch einen anderen Gedanken, der mir lange Zeit durch den Kopf ging, ansprechen.

    Du hast dich in der Gestalt des Hans, der Igel, wiedergefunden und danach für dich eine Diagnose gestellt. Ich denke, so eine Selbstdiagnose ist gefährlich. Meiner Ansicht nach, wenn ich mir dein Verhalten nach dem von dir Geschriebenen durch den Kopf gehen lassen, und deine Texte lese, spräche doch etliches dagegen.

    Es wird hier im Forum darüber keine Diskussion erwünscht sein - sehr verständlich.

    Das wichtigste ist sicherlich, dass du mit dir im Reinen bist..... und dazu trägt eine Diagnose sehr wenig bei.

    LG oldie... bitte das ist nur meine Ansicht!

  • Liebe oldie

    ich verstehe Deine Ansicht und will auch nicht steif und fest behaupten, daß ich eine Border-Line Persönlichkeit (Hans mein Igel-Syndrom) habe. Meine Schlüsse, die ich ziehe, sind für mich nicht Diagnose, sondern Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn die mit dem Hans mein Igel funktioniert - wunderbar.

    Es gibt eine Liste an Kriterien, die erfüllt sein müssen, um von einer Border-Line-Störung zu sprechen. Meiner pers. Einschätzung nach treffen 4 davon
    auf mich zu. Mein Mann sagt es seien fünf.

    1.) Verzweifeltes Bemühen nicht verlassen zu werden
    2.) Ein Muster instabiler intensiver Beziehungen mit dem Hang zur Idealisierung
    3.) Instabiles Selbstbild (mal Überhöhung mal enorme Selbstzweifel)
    4.) Impulisvität in selbstgefährdender Form (Adrenalin u. a. Süchte)
    5.) Wiederholte Suizidversuche/gedanken

    Wichtig ist für mich nicht die Dianose. Wichtig ist ein Lösungsansatz und der scheint für mich darin zu bestehen:
    Mir hat das Verständnis geholfen, daß ich diese Mutter-Kind-Symbiose
    schmerzlich vermisse. Und daran besteht kein Zweifel. Man heult nicht
    stundenlang über eine Erkenntnis, wenn sie nicht ganz tief sitzende
    Wunden berührt. Damit habe ich eine neue "Entspannungstechnik"
    für mich entwickeln können - die universell einsetzbar ist und mich
    (ganz wichtig! ) von den Sehnsuchtsanfällen nach XY geheilt hat. Die traten sinniger Weise immer dann auf, wenn ich mich überfordert oder
    ängstlich fühlte.

    Auch die Erkenntnis, daß ich ein Vetrauen zu der menschlichen Gemeinschaft aufbauen muß um heilen zu können, hat mir geholfen. Ich habe mir bislang immer nur Einzel-Helden herausgesucht, die ich als "Retter" auserkoren habe. Gegen die Gruppe habe ich mich aus Angst vor
    Ablehnung immer (innerlich) ein Stück abgegrenzt, weil ich mich als irgendwie undefinierbar anders wahrgenommen habe. Ich habe ein tiefes Mißtrauen und fühle mich ganz tief da drinnen auch wehrlos wie ein Tier, wenn ich an die "Menschliche Art" denke. Da ist eine gewisse Angst, die ich mit viel Aktionismus und viel Energie-Aufwand immer betäubt und verdrängt habe. Man muß nicht unbedingt auffallend bösartig sein, um
    von einem eigenen Igelpelz sprechen zu können. Ich glaube es reicht wenn es unter der Oberfläche einen tiefen Groll und ein Mißtrauen gibt, das der gesamten Menschheit gilt.

    Es hilft mir, mich auf meine Schwäche einzulassen, Verletzlichkeit zuzulassen und der Gemeinschaft, z. B. dem Forum, Vertrauen zu schenken um wie der Igel mit hilfreichen Salben behandelt zu werden.
    Eine passive Form der Hilfe, die man an sich geschehen lassen muß.
    Dieser Gedanke ist auch aus dem Buch und hat mir sehr geholfen.

    Also Diagnose hin oder her ist mir eigentlich egal - hauptsache es geht mir besser damit. Findest Du nicht auch?

    Liebe Grüße und Danke für Deine Gedanken
    Nys

  • Hallo Nys

    Zitat

    ch kannte diese perfekten Lügen, von Junkies, die ganze Geschichten erfinden, um an Geld zu kommen. Meinst Du man entwickelt als Suchtkranker generell eine besondere Art glaubhaft zu lügen? Ist es vllt. auch der Alk, der einen Alkoholiker selbst glauben läßt was er sagt? Um dann so überzeugend rüberzukommen, daß man immer total überwältigt ist von der Vorstellung die der da so bietet? Oder ist das eher eine ganz bewußte Art, sich wirkungsvoll davor zu schützen enttarnt zu werden? Ich weiß das sind krasse Fragen. .

    ist das rein informativ für dich oder bist du immer noch am Begreifen was nicht zu begreifen ist mit dem Studienobjekt Suchtkranker ? Diese Fragen an einem Alkoholiker zu stellen heißt für mich nur das Suchtmittel auszutauschen .

    Wann denkst du dich denn mal um was wichtigeres zu kümmern ? Ich hätte da jemand :wink: Dich!

    Denke mal in Ruhe darüber nach ohne jetzt mir etwas Böses zu unterstellen :)

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut

    freue mich, daß Du mir schreibst und unterstelle Dir gar nix Böses.

    Hab Andreas ja geschrieben, daß es nicht so wichtig ist, ob er darauf antwortet. War rein informativ der Vollständigkeit halber und eigentlich nicht so wichtig.

    Liebe Grüße Nys

  • Ich kann hier nur noch mal mit allem Nachdruck unterstreichen was ich Andreas bereits geschrieben habe:

    Ich weiß gar nicht wie ich ihm danken soll für seine Zeilen! Er hat hat mir letztendlich vollends den
    richtigen Schubs in die Freiheit gegeben

    und dafür bin ich ihn unglaublich dankbar!!

    Falls Du das liest, Andreas, Danke nochmal

  • Guten Morgen, Nys

    ich würde Dir gerne auf Deine Frage ausführlich antworten...ich habe Dein Märchen hergenommen und es umgeschrieben...herausgekommen ist mein Märchen...es ist fertig...im Kopf...aber ich werde es hier nicht veröffentlichen, obwohl ich schon mit dem Gedanken gespielt habe.
    Das hat zwei Gründe. Erstens hat Hartmut in diesem Fall völlig recht...es ist nicht richtig, daß Du Dich mit Deinem Soldaten beschäftigst, auch wenn es aus meiner Sicht verständlich ist...was Du wissen mußt, weißt Du nun...erst wenn Du Dich gedanklich vollkommen gelöst hast von ihm, solltest Du fragen, warum und wieso...ich hoffe, daß es funktioniert.
    Zweitens ist mir aufgefallen, daß ich anfange, mein eigenes Märchen aufzuarbeiten...es geht hier aber nicht um mich, sondern um Dich. Und da wären wir wieder bei Punkt 1...es ist wirklich wichtig, daß Du Dich um Dich kümmerst.

    Vielleicht hilft es Dir weiter, zu wissen, daß der Soldat nie ein Waldmensch werden würde...er ist Stadtmensch, war es schon immer...er wäre vermutlich nie auf Dauer im Wald geblieben.

    Es klingt irgendwie blöd, das zu schreiben, aber Du hast einen Mann, der Dir verzeiht, der ganz offenbar zu Dir steht...ihm sollten Deine Gedanken gelten und nicht dem Soldaten.

    Und hör bitte auf, mir zu danken...auch wenn ich Dir in dem Moment helfen konnte...ein Soldat ist und bleibt immer ein Soldat...auch wenn man denkt, man könnte ihn zum Landschaftsgärtner umschulen.

    Die Antwort auf Deine Frage wirst Du irgendwann bekommen, falls das dann überhaupt noch wichtig ist. Und irgendwann werde ich Dir vielleicht auch mein Märchen erzählen...aber erst, wenn ich das Gefühl habe, daß es Dir guttun kann...

    Versprich mir, daß Du Dich jetzt mal nur um Dich kümmerst, okay ?

    LG Andreas

  • Guten Morgen Andreas

    OK ! versprochen :!:

    Du siehst ja vllt. auch an den Gedanken die ich an oldie und Aurora geschrieben habe, daß es mir um mich geht. Die tiefe Aufarbeitung hat natürlich Gefühle und Gedanken aufgewühlt, die noch ganz flach unter der ersten "Wundschicht" begraben waren.

    Aber gerade weil ich das neue Leben mit meinem Mann so schätze und seine Liebe die wirklich unbezahlbar ist - wollte ich

    (grins... mein Mann kam grad rein und sagte: Schreib mal, daß ich Dich auch sehr schätze.. )

    also wollte ich keinen noch so kleinen Spreisel von XY in meiner verheilenden Wunde zurück lassen. Deshalb habe ich ganz genau reingefühlt, was da noch pocht und eitert. Habe Dir ja schon geschrieben, daß ich einen ganz neuen Frieden gefunden habe, seitdem ich dieses Mitleid und die Vorwürfe, die ich mir gemacht habe weglassen kann.

    Ein weiterer Grund für die Tiefenschürfung war:
    XY wird ab Juli zwangsläufig regelmäßig an unserem Haus vorbeifahren. Davor hatte ich Angst. Ich hatte auch Angst, daß ich dann evtl. am Fenster stehe,sein Auto anstarre und ins Grübeln komme. Ich hatte Angst, ihm vor dem Haus oder auf dem Nachbarhof zu begegnen.

    Zum ersten Mal hab ich das Gefühl, daß mir das gleichgültig sein wird. Zum ersten Mal habe ich keine Angst davor, er könnte anhalten und mich im Garten begrüßen. Zum ersten Mal ist er für mich ein Soldat auf der Durchreise, dessen Leben mich nichts aber auch garnichts mehr angeht. Dessen Auto, das Auto eines Fremden ist. Auch die Gefühle sind weg. Sollte er mich im Garten grüßen, werde ich "Hallo" sagen und mich dann wie eine Ortsansässige verhalten, die nie etwas mit ihm zutun gehabt hat.

    Zum Glück ist er nie aufdringlich gewesen, also auch eine unfreiwillige Begegnung könnte ich mit der "Kalten Schulter" locker meistern.
    Diese "Kalte Schulter" hätte ich mir vorher nur unter Schmerzen vorstellen können. Jetzt denke ich: Nichts anderes darf sein. Alles andere wäre unangebracht. Nur die Kalte Schulter und ein: Leben und leben lassen. Ohne Groll aber auch ohne jede Form von Mitleid oder Gefühl.

    Du hörst es nicht gern, aber auch wenn Du selbst ein Soldat bist, - in diesem Fall
    hast Du ein Leben lebenswerter gemacht. Und vllt. eine Ehe vor der nächsten Katastrophe gerettet. Nichts macht mich glücklicher als die Freiheit von meiner XY-Fessel! und es ist nichts falsches dabei, dafür Danke zu sagen.

    LG Nys

  • Guten Morgen Nys
    Ob eine Idee funktioniert?

    Ich glaube eher nicht,weil ich es sehr anders erlebt habe.
    Man kann den Fall ---yxz... und schon garnicht das Gefühl dazu vorher planen und in deiner vermeintlichen Vorsorge,,was passiert wenn...mögliche Begegnung etc.....bist du aktuell viel zu sehr bei xy.

    Solange deine Gedanken täglich darum kreisen,fehlt dir diese Zeit etwas viel schönes zu machen zum Beispiel mit deinem Mann.
    Du hast großes Glück deinen Mann an deiner Seite zu haben(ich wünschte mir ging es so) verpass nicht den Moment wo es ihm zu viel wird mit der ,,Aufarbeitung,,
    Schaffe dir mit deinem Mann eine Gegenwart(Jetzt) von der du morgen sagen kannst ,,mensch war das gestern schön..........Kino ,Kuscheln was auch immer.
    Weißt du was ich meine.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag wünsche ich dir(Euch!!) zwinker!!!!
    R...

  • Hey Renate

    ehrlich gesagt verstehe nicht ganz warum Du glaubst das sei nur eine Idee?

    Ich spüre doch ob ich frei bin oder nicht.
    Meine Gedanken sind in keinster Weise bei XY. Ich wollte Andreas ja nur sagen, wie es vor ein paar Tagen war und daß es irgendwo klick gemacht hat.
    Du kannst Dir sicher vorstellen, daß man als Geliebte auch so was wie ein schlechtes Gewissen hat, - das einen augenscheinlich mit dem Schicksal des XY verbindet? Man fragt sich: Wären wir nicht so weit gegangen, dann wäre für ihn jetzt alles besser... usw. - Seit dem ich seine Verantwortung bei ihm lassen kann, ist diese Verbindung weg! Das ist mehr als eine Idee. Das ist eine neuer Zustand.

    Schau ich kann ja schlecht von mir schreiben wie es mir in bezug auf XY geht, ohne XY zu erwähnen. Das heißt ja nicht, daß ich dabei persönlich an ihn denke. Wenn ich schreibe er ist mir egal, dann schreibe ich das nicht aus einer Laune heraus. Es ist eine innere Einstellung, die ich vorher nicht hatte. Die mir vorher nicht gelang. Sollte diese Einstellung einmal ins Wanken kommen - kann ich sie (allein mit meinem Willen) wieder aktivieren. Das funktioniert aber nur wenn ich die Einstellung mal hatte.
    Und zwar so wie jetzt. Nicht aus Hass oder Bitterkeit, sondern als Zustand.

    Und keine Angst, mein Mann und ich verbringen gerade viel Zeit miteinander und unseren neuen Plänen für die Zukunft.

    LG - Dir auch einen schönen Sonntag -
    Nys

  • Hallo
    Ich bringe jetzt mal ein ,,komisches Beispiel,,
    das ich aber so bei meiner Tochter (damals ca.16 und etwas unentschlossen /unwillig) anwendete.

    Ich erklärte ihr das jedem Tun,der entsprechende Gedanke vorrausgehen muß.
    Beispiel:
    wir möchten Nudeln mit Hackfleisch und Ketchup essen.
    Was muß vorrausgehen?
    Wo kann ich was kaufen und erst dann macht es Sinn loszugehen..........
    Und meiner Meinung nach ist das übertragbar auf vieles .
    Möchte ich meine Freundin anrufen,geht dem Wunsch ,der Gedanke vorraus.....
    Also ist der Gedanke an die Sache /den Menschen/den Wunsch.... die Vorraussetzung für die Handliung und nicht rückwärts...das klappt meiner Meinung nach nur bedingt.

    Willst du etwas hinter dir lassen (loslassen) solltest du auch den Gedanken loslassen und ihn nicht so oft wieder hervorholen.Im Fall deines xy liegt die Handlung doch schon hinter Dir?
    Du kannst das gestern nicht verändern,keiner kann das,du verfängst dich in Schuldgefühlen, hätte wenn und aber......
    Schau auf das jetzt und nach vorne das kannst du gestalten und fallst du nichtmehr vorhast in so einen ,,Fall,, zu geraten.
    LG R..

  • @ all

    Mal eine Beschreibung meines neuen

    BEWUSSTSEINS-ZUSTANDES

    es ist, als hätte man mir mein Leben zurückgeschenkt. Und zwar das Leben vor XY.


    Der Unterschied: Ich habe einen verwandelten Ehemann, der mich wahrnimmt und ich habe eine neue Wahrnehmung von mir.

    Ich kann diese neuen Wahrnehmungen jetzt ohne schlechtes Gewissen genießen. Bislang war da immer ein Wermuts-Tropfen im Glas, der mir
    die Unbeschwertheit nahm.

    Seit ich den letzten Verbindungs-Draht (das Gefühl schuldig zu sein) gekappt habe, ist es auch nicht mehr wichtig, was mir angetan wurde.
    Es tut nicht mehr weh. Ich kann Euch nicht sagen warum. Ich denke nur, daß es an dieser "gegenseitigen Schuld" -Verbindung lag. Die dann zu einem Gedankenkreislauf geführt hat. Seit dem ich meine Schuld dank Andreas da ein bißchen raus nehmen konnte - kann ich auch sagen: XY und ich sind quitt. Ich nehme meine Schuld raus (zu mir) und lass ihn mit seiner Schuld ziehen.

    Es war eine Lebenserfahrung. Die mich reifen läßt und als Geschichte in sich selbst abgeschlossen ist. Die Erkenntnisse die daraus über mich selbst und meine Persönlichkeit gewonnen habe, werden mich noch viele Jahre begleiten. Aber die Verletzungen, wegen denen ich dieses Thema begonnen habe, fühle ich nicht mehr. Ich habe gestern schon überlegt, ob ich nicht besser ein neues Thema aufmache. Aber dieser Abschluß und das neue Bewußtsein gehört noch in diesen Thread. Nur so macht er Sinn.

    Ich kann mir gut vorstellen, daß das vielen etwas zu schnell geht. Es ist auch schwierig am PC alles in Worte zu fassen, was da so ganz tief in einem drin abgeht. Ich bin noch nicht lange hier und habe gestern mal
    alle meine Einträge nacheinander durchgelesen.

    Ich habe mich auf den Weg gemacht, bin hier angekommen und dachte
    die Co-Abhängigkeit sei mein größtes Problem. Dann festgestellt, daß
    es auch Suchtpersönlichkeit ist, die mein Handeln bestimmt. Die Unterhaltung mit Jonas hat mich in meine Kindheit geführt. Ich habe überlegt, ob es wirklich Mißbrauch war? Habe Bücher dazu angeschaut, bin bei meiner fehlenden Mutter-Kind-Symbiose gelandet und mußte feststellen, daß ich XY nicht wie von Jonas vermutet, bestrafen wollte - sondern ihn sozusagen als Ersatz-Mutter mißbraucht habe. Das war der erste Schritt, mir die bis dahin so dubiosen "Verschmelzungszustände" zu erklären, die ich dabei gefühlt habe.
    Die Erkenntnis, - nein das plötzlich auftretende Gefühl: Ich sehne mich nach einer Mutter, die mich mütterlich liebt. Über alles liebt wie ein Mutter es in den ersten Tagen mit ihrem Kind empfindet - hat mich weinen gemacht. Ich habe so viel geheult wie noch nie. Meine Haustiere sind gekommen, weil sie spürten, die braucht jetzt jemand. (Sie sind sonst sehr scheu). Also hab ich geheult und dabei entdeckt, wie ich mir selbst Geborgenheit schenken kann. Wie ich dieses Defizit, das kein Partner auffüllen kann, selbst ausgleichen kann. Die erste Fessel an XY - nämlich die unerklärliche Sehnsucht - war weg.
    Schnell habe ich gemerkt, daß da noch nicht alles im Reinen ist. Warum tat es noch weh? Einerseits wußte ich, daß ich mich damals nicht besser schützen konnte. (Ich hatte ja noch nicht gelernt, wie man sich selbst eine liebevolle Mutter sein kann)... Andererseits gab es auch Vorwürfe, an ihn, die ich hin und her gewälzt habe. Ich wußte ich habe vergeben, aber es tat weh und dann kamen die Gedanken: wieviel Schuld trage ich?
    Eine neue Erkenntnis war wichtig: Ich trage Verantwortung nur für das was ich mit mir machen ließ. Ich trage keine Verantwortung dafür, was er mit seinem Leben gemacht hat und wie es ihm heute geht. Dieser Teil gehört nicht zu mir. Und seit dem ich diesen Teil - diese Fessel auch noch los bin, fühle ich mich frei. Ich weiß -eigentlich steht diese Erkenntnis schon 100 mal hier im Forum. Aber für mich hat es jemanden wie Andreas (von der anderen Seite + auch ein Soldat) gebraucht, um mich frei zu sprechen.

    Die Freude und das Glücksgefühl über diese Freiheit versuche ich damit auszudrücken daß ich hier so viel schreibe.

    Ich will jetzt nicht zu euphorisch wirken und ihr kennt mich ja auch nicht so lange. Menschen die mich seit Jahren kennen, würden bestätigen, daß ich ziemlich "ONE-WAY-TICKET" unterwegs bin. Also die Richtung, die ich mal eingeschlagen habe auch nicht so schnell ändere. Das hat manchmal Nachteile. In diesem speziellen Fall sehe ich es als einen Vorteil an.Und ich sehe diesen Thread jetzt auch nicht mehr als XY-Rückfall - sondern als Restmüll-Entsorgung aus meiner Seele.


    LG an alle
    Nys

  • Hallo Nys

    ich sehe es ja aus anderer Seite und "vergleiche " hin und wieder Auffälligkeiten die beide Süchte gemeinsam haben könnten . Kindheit war für mich zwar wichtig aber um genauer hineingucken uninteressant für mein jetziges suchtfreises Leben . Je länger ich etwas beobachte, um so mehr finde ich etwas, umso weniger komme ich im Hier und Jetzt an.

    Ich halte da auch nur sehr bedingt etwas davon oder verpreche mir einen nachhaltigen Effekt .

    Zitat

    Aber für mich hat es jemanden wie Andreas (von der anderen Seite + auch ein Soldat) gebraucht, um mich frei zu sprechen.

    ich finde es gut das es dir hilft wenn es dir hilft .

    Als ich es jedoch gelesen hatte, hatte ich sofort Erinnerungen an meine nasse Zeit . Ich brauchte auch immer noch ein Glas um vom letzten Abschied zu nehmen .

    Schönen Sonntag noch

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut! :D

    ja - es hilft bzw. hat geholfen und war ein regelrechter Befreiungsschlag!

    Verstehe natürlich auch Deinen Ansatz (mit dem ...noch ein Glas..dann)

    ne - ne. Aber hätte sein können. ... wäre wirklich nicht abwegig. Aber ich sage Dir, die neue Freiheit fühlt sich 10 mal besser an, als alle Fragen dieser Welt beantworten zu können! Und keine 10 Pferde kriegen mich in mein Irrenhaus zurück. Es ist die Freiheit nach einem Freispruch. Ich bin ihm nichts mehr schuldig!! Damit kann ich gehen! ....und ihm alle Schuld erlassen - weil das Glück frei zu sein auch großzügig macht. Dieses Craving, wie ihr Alkoholiker den Saufdruck nennt, wenn die Sucht nach Dir greift - das war bei mir die Verbundenheit. Seit meiner "Entschuldung" durch Andreas fühle ich diese Verbundenheit nicht mehr. Erstaunlich aber HURRA. Bin gestern von jemand aus dem Kundenkreis angesprochen worden - wg XY ... hat mich echt kalt gelassen. Nix mehr diese meine Baustelle!! Nix mehr meine Drama.
    .
    Deine Einstellulng zur Selbstanalyse wg. der Kindheit habe ich schon mitbekommen.
    Sicherlich werde ich jetzt nicht alles weitere in meinem Leben psychologisch durchleuchten und das Feld jeden Morgen neu umgraben. Einmal umgraben reicht, dann wird gesät, gegossen, dann muß was wachsen, reifen, Früchte bringen, Wurzeln schlagen und irgendwann reicht es, daß die Würmer die Erde lockern. Dann werde ich vllt. ab und zu Unkraut jäten müssen. Wie Du schon sagst. Wenn man beim Umgraben bleibt, und dauernd gräbt, kann auch nichts wachsen.

    Außerdem: So viel Freiheit wie ich jetzt habe, will auch genossen werden :lol: da setz ich mich lieber in den Liegestuhl und sehe dem zarten Pflänzchen Nys beim wachsen zu :wink:

    Liebe Grüße Nys
    ...und ich find Deine Einstellung mit nicht alles hinterfragen grds. gesund!
    Schreib mir mal wieder!

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