Hallo Susanne,
als ich las, was Du geschrieben hast über Deine Verletzung, packte mich richtiggehender Hass und eine enorme Wut nach dem ersten Entsetzen.
Es erinnerte mich an den Tag, als ich zum ersten Mal im Gesicht eines Menschen eine stille Freude entdeckte, als er gewalttätig wurde.
Das einzige, was mir bei Deiner Erzählung Hoffnung macht für Alle in einer ähnlichen Lage, ist die Tatsache, dass Du dich nach diesem Erlebnis so verändern konntest, denn ich erlebe Dich hier vor allem klar, stark, mutig und konsequent, jederzeit bereit, Deine Meinung zu äußern. Diese Haltung würde ich mir für jeden Menschen wünschen, daran hat sich nie etwas geändert.
Ich habe fast vergessen, auf wie viele verschiedene Arten Menschen sich gegenseitig ver@rschen können, denn ich habe kaum noch Kontakte.
Einige Beziehungen zu Menschen, von denen ich mich aus unterschiedlichsten Gründen noch nicht trennen wollte, sind jetzt während meines Aufenthaltes im Krankenhaus den Bach hinuntergegangen. Ich ertrage dieses ewige und ausschließliche oberflächliche Kreiseln um die eigene Achse einiger meiner Mitmenschen nicht mehr, nicht das ewige Misstrauen und nicht die stumpfsinnige Verurteilung Anderer, die nicht in die Schablone passen, die sie sich von ihrem Leben zurechtgebastelt haben, nicht die leicht durchschaubaren Manipulationsversuche, nicht die Non-stop-Nölerei wegen Kinkerlitzchen. Auch liebe ich Tiere, aber mir kommt niemand mehr über die Schwelle, für den das eigene Tier wichtiger ist als alle Menschen.
Da bleibt nicht mehr viel, aber mir wurden gerade die Prioritäten mal wieder neu sortiert ;-).
Es tut mir so leid, dass Du jetzt so dermaßen enttäuscht worden bist. Es klang wirklich traumhaft, was Dir in Deiner neuen Wohnung in Aussicht gestellt wurde. Ich denke, dass das Zuhause für die meisten Menschen einen der wichtigsten Eckpfeiler im Leben darstellt, eine Art Basis, wo sie sich wohlfühlen können müssen und sicher, und sich erholen dürfen, um die Akkus wieder aufzuladen. Dein zerplatzter Traum ist in meinen Augen keineswegs eine Lappalie, auch wenn Du sicher recht hast: Schlimmer geht immer, das wissen wir wohl beide.
Meine Neugier ist ja in vieler Hinsicht erstaunlich wenig ausgeprägt (auch wenn ich heute noch gern wissen würde, ob die Libelle, die sich im Sommer auf meinem Buch niedergelassen hatte und dann mit dem winzigen frechen Käfer im Gepäck wieder durchgestartet ist, der sich plötzlich auf ihrem Rücken niedergelassen hatte, wohl überhaupt bemerkt hat, dass sie einen Passagier hatte), aber bei Deiner Erzählung überlege ich immer noch, wie es anderen Menschen möglich war, das, was Dir in Aussicht gestellt wurde, so komplett über den Haufen zu schmeißen. Nichts davon erschien mir abwegig oder so außergewöhnlich/extravagant, dass es nicht umzusetzen gewesen wäre. Es klang einfach nach einer guten Gemeinschaft.
Es müssen wirklich dreiste Lügen gewesen sein, um das zu erreichen und vermutlich kannst Du hier auch nicht ins Detail gehen, um mir das für mich kaum Nachvollziehbare zu erläutern.
Es freut mich aber total, dass Du trotz dieses Rückschlags die Entscheidung treffen konntest, dort wieder auszuziehen anstatt zu resignieren und auszuhalten und vor allem, dass Du die schönen Dinge in Deinem Leben bei all dem Frust nicht aus den Augen verloren hast.
Meine Versorgung läuft übrigens bestens. Ich hatte ja Vorräte angeschafft wie ein Eichhörnchen im Herbst und so benötige ich momentan nur sehr wenig.
Alle paar Tage kommt ein Freund vorbei und versorgt mich mit frischen Sachen, die ich noch nicht allein schleppen kann. Ansonsten sehe ich zurzeit keinen Menschen. Ich kann mir noch keinen Besuch einladen, da ich nie im Voraus weiß, wann ich wieder umfalle wie ein komatöser Maikäfer. Das spielt momentan aber keine Rolle, denn die meisten Fragen, die ich habe, werden gerade im Inneren beantwortet und nicht im Außen ;-). So fühle ich mich wie eine Schneebedeckte Landschaft und es herrscht Ruhe und eine Stille, die mir längst keine Angst mehr macht und auch kein Kribbeln auf der Haut.
Die einzige Nickligkeit grad ist der Umstand, dass ich meine „touch-me“-Stehlampe gekillt habe, die so ein gemütliches Licht gezaubert hat :-). Ich lag schon in der Horizontalen, was ja vor wenigen Tagen noch eine Ewigkeit dauerte, und stellte dann fest, dass meine Arme nicht lang genug waren, um die Lampe auszuschalten, als ich schlafen wollte. Ich habe dann kurzerhand mit der Fernsehbedienung drauflos gedroschen, weil auch meine Zange nicht in greifbarer Nähe war. Nun liege ich abends herum und werde von der grellen Deckenleuchte bestrahlt, gemütlich ist also anders. Auch ein Luxusproblem, denn schließlich muss ich hier wenigstens nicht im Dunklen herumtapern ;-).
Über Deinen letzten Satz habe ich geschmunzelt :-). Es ist jedenfalls genügend Mut da, um zuzugeben, dass ich gerade das Gefühl habe, in der Mitte durchzubrechen und mich jetzt wieder hinlegen muss, um mich auszuruhen ;-).
Ganz liebe Grüße und Dir einen schönen Sonntag.
Katha
PS: Und ja, vielleicht kannst Du einen eigenen Faden aufmachen. Ich würde so gern mehr von Dir lesen!