Fragen an einen Alkoholiker

  • Ja der Alkoholiker wirkt von außen extrem egoistisch. Das Trinken steht über allem- sogar das Leiden enger Angehöriger wird ignoriert oder klein geredet. War bei mir genauso.

    Ich hab einfach nicht wahrhaben wollen, dass mein Saufen nicht nur mir selbst schadet sondern auch Menschen, die mich lieben, die ich auch sehr liebe und für die ich Verantwortung trage.

    Die Therapeutin meines Kindes sagte klipp und klar ‚sie Trinken und das macht ihrem Kind Angst und Sorge‘. Meine Reaktion ‚das geht die Frau gar nix an.‘ Dass ich bei diesem Gespräch eine Fahne hatte? Zufall! Dass mein Kind weinend daneben saß? Affig!

    Ich schäme mich so sehr dafür, aber in diesem Moment war ich einfach noch nicht bereit. Ich konnte mein nasses Denken nicht ablegen. Mir war mein Kind alles andere als egal, aber ich habe die Verbindung zwischen meinem Trinkverhalten und dem Leid bei meinem Kind einfach nicht sehen können, obwohl ich dieses Kind wirklich über alle Maßen liebe und dass auch in diesem Moment so spürte. Wie blind war ich! Dass ich mir nebenbei selbst massiv schadete blendete ich ja auch aus.

    Niemand hätte mich von außen erreichen können. Es musste von innen kommen.

  • ich weiß das du es nicht böse meinst, und ich verstehe auch deine wut. nur wird die am ende dich auffressen. du mußt aus der situation raus gehen, evtl kriegt dein partner dann den ausgang. es ist nun mal eine familienkrankheit der mit logik und verstand nicht zu begegnen ist. ihr cos macht auch immer wieder sachen wo ich dann sage meine güte, warum?? ich verstehe eure seite der medallie nicht, die muß man genau wie die andere seite erleben ums zu verstehen. aber ich bin sicher da haben weder du noch ich lust zu.

    es ist auf beiden seiten nötig alles über bord zu werfen und neu anzufangen. das ist schwer, davor haben alle immer irgendwie angst. und hinterher fragt man sich, vor was hatte ich angst, so viel verlorene zeit wegen hirngespinnsten.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Guten Morgen, ich habe es auch nicht böse gemeint!

    Gestern war da einfach wieder Wut und Hilflosigkeit über meine Situation, da ich das jetzt schon seit über 26 Jahren „miterleben“ darf als Co Abhängige.

    na ja, „stolz“ sehe ich für mich ein bisschen anders, aber ich weiß, wie du es meinst. :whistling:

    Nein, ich habe es zumindest nicht böse genommen. Glaub mir, wer hier schon ein paar Jahre unterwegs ist, kann sowas ganz gut einordnen. Selbst wenn jemand mal wirklich böse meint, was er schreibt dann ist das eben so. Ist ja kein Ponyhof, sondern eine schwerwiegende Krankheit, bei der auf allen Seiten genug gelitten wird.

    Da kann man sich schon ordentlich die Zähne dran ausbeißen.

    Du hast aber selbst etwas geschrieben, wo ich eher ansetzen würde. Nur bitte in deinem eigenen Faden, hier sind ja eigentlich die Fragen an Alkoholiker. ;)

    Du machst das seit 26 Jahren mit und beschreibst immer noch Wut, Hilflosigkeit und Verzweiflung. Da würde ich für mich irgendwann nicht mehr nur auf den Alkoholiker schauen, sondern auch fragen. Was kann ich heute verändern, damit mein Leben nicht weiter von seiner Sucht bestimmt wird? Nach 26 Jahren wäre das für mich jedenfalls die wichtigere Baustelle.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

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