Ich bin müde

  • Seit dem Mal sind erst zwei Wochen vergangen.
    Ich war im Büro und habe wieder einen Anruf erhalten.
    Wieder ist er betrunken.
    Wieder weiß ich nicht genau, was mich zu Hause erwartet.
    Wieder fühle ich mich hilflos.
    Wieder schnürt es mir die Kehle zu.
    Wieder pocht mein Herz bis zum Hals.
    Wieder habe ich Angst, alles falsch zu machen.
    Wieder habe ich Angst, nicht konsequent sein zu können.
    Wieder möchte ich einfach nur weglaufen.
    Wieder fehlt mir jetzt jemand zum Reden.
    Wieder fühle ich mich allein.
    Wieder bin ich angewidert von seinem betrunkenen Ego.
    Wieder spüre ich die Panik in mir aufsteigen.
    Wieder weiß ich nicht weiter.
    Wieder wird die Wohnung wie ein Schlachtfeld aussehen.
    Wieder wird es erbärmlich nach Alkohol stinken.
    Wieder spure ich aber auch die Kraft, die in mir schlummert.
    Wieder suche ich nach einem Weg, diese zu aktivieren.
    Wie finde ich den Weg daraus?
    Wie kann ich mich befreien?
    Wie finde ich den Wegweiser aus dieser Sackgasse?
    Ich bin müde.

  • Hallo Lilli,


    oh je, das hört sich traurig und anstrengend an. Ich hoffe, du hast den Abend gut überstanden und es geht dir heute besser.


    Diese ganzen "wieder" kenne ich zu gut. Es ist wie ein Kreisel jedes Mal. Immer ähnliche Abläufe, immer dieser Schmerz und die Wut und Angst. Und der Ekel.


    Wie du einen Wegweiser da heraus finden kannst? Hm...
    Zuerst kannst du überlegen, was du vom Leben erwartest. Und ob du meinst, das mit "ihm" erreichen zu können. Was sind deine Wünsche und Träume, wo siehst du dich in nicht allzu ferner Zeit?


    Dann geht es los mit dem Sortieren. Was ist machbar für dich. Wie sieht es aus mit einer Trennung? Ist das für dich vorstellbar. Wenn nicht, was ist vorstellbar?


    Das fällt mir gerade so spontan mal ein.


    Liebe Grüße
    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Liebe Aurora, vielen lieben Dank für deine Worte. Ich saß beim Schreiben im Bus, war auf dem Weg nach Hause. Mein Handy hat leider ein paar Worte verschluckt. Ich wollte schreiben "Seit dem letzten Mal..." und "ich war heute im Büro..." der Abend ist noch nicht überstanden. Gerade schläft er oder er stellt sich schlafend. Ich gehe noch ein paar Schritte. Ruhe finden, durchatmen... Er war recht ruhig, als ich nach Hause kam. Kein Chaos, nur das Telefon lag mit gesprungenem Display auf dem Boden und die Brille ist kaputt. Sonst bisher noch alles heil. Noch...
    Er fragte mich, warum ich nicht endlich mal losmeckere. Ich fragte, warum ich das tun soll und was es ändert? Dann bekam er wieder den provozierenden Unterton, wollte mich aus der Reserve locken. Ich sagte nur erstaunlich ruhig "STOP! NICHT SO!" Er ging dann wortlos und legte sich aufs Sofa.
    Das war bisher alles. 😔

  • Update: Als ich wieder zurück war, sagte er mir, ich solle innerhalb einer Woche verschwunden sein. Um dann 30 Sek. später wieder zu weinend zu beteuern, dass er das alles nicht so meint und ich ihn nicht verlassen soll. Die Brille und das Telefon waren inzwischen mutwillig komplett zertrümmert. Ansonsten nicht viel Neues. Der Tag danach wie immer. Beteuerungen, Betteln, Weinen und "Ich könnte ja nochmal zur SHG gehen, aber einen Entzug mache ich nicht!"
    Ich habe ihm gesagt, dass ich mit ihm reden will, aber nicht an diesem Tag danach. Weil eben das genau zu nichts führt. Der Kater und die Emotionen, das schlechte Gewissen, das Selbstmitleid helfen nicht weiter. Ich habe gesagt, dass ich zwei oder drei Tage später darüber sprechen will. Dann, wenn er wieder alles verdrängt und totschweigt. Und ich weiß, dass er sich darauf nicht einlässt.
    Liebe Aurora, ich weiß, dass ich meine Ziele/Wünsche/Träume MIT ihm nicht erreiche. Zu Sortieren fällt mir aber immer noch schwer. Mir fällt es auch schwer, ihn abzuweisen, wenn er weinend vor mir sitzt. Das ist mein "Knopf" und das weiß er. Und ich weiß, dass es anderen genauso geht. Das lese ich immer wieder.
    Ich weiß auch, dass ich mich irgendwann aus diesem Strudel befreien kann. Ich weiß aber nicht, wann das sein wird, wie lange es noch dauern wird.
    In nicht allzu ferner Zukunft sehe ich mich in meiner kleinen Wohnung, in der ich selbstbestimmt alles so machen kann, wie ich es möchte. Ich sehe erst einmal keinen Mann an meiner Seite, denn ich möchte erst einmal durchatmen.

  • Hallo Lilli,


    weinend vor Dir sitzen, aber sagen „ich mache keinen Entzug“ passt nicht zusammen. Er will saufen. Er will nichts ändern. Dann braucht er nicht heulen, entschuldige die harte Ausdrucksweise. Wenn er irgendwann trocken wäre und Du würdest ihn trotzdem verlassen, dann hätte ich vielleicht auch Mitleid mit ihm. Aber doch nicht so!!!!!


    Das wäre ja so, als wenn mein Sohn nach der Schule heulend vor mir sitzen würde und weint, weil er ne Ohrfeige kassiert hat, da er einen Mitschüler ständig ärgert. Und als wenn mein Sohn dann heult und weint, aber gleichzeitig sagt „ich höre trotzdem nicht auf, meinen Mitschüler zu ärgern“. Also sorry, aber da hätte ich NULL Mitleid mit meinem Sohn. Soll er doch rumheulen. Wer nichts ändern will, tut mir nicht leid.
    Leid täte er mir erst, wenn er aufgehört hat zu ärgern und trotzdem noch Ohrfeigen kassiert. Und selbst DANN hält sich das Mitleid noch in Grenzen, da es selbstgemachtes Leid ist. So wäre es übrigens auch bei einer Trennung trotz Trockensein....


    Deine Träume sind toll. Eigene Wohnung ohne Mann. Ich lebe meinen Traum inzwischen :mrgreen:
    Ok, inzwischen habe ich seit einem halben Jahr wieder jemanden. Aber mein Zuhause ist MEIN Zuhause. Es ist nur eine kleine, schnuckelige Wohnung. Aber ich hab mich seit meiner Kindheit nicht mehr Sooo wohl und Zuhause gefühlt.


    Zieh es durch, Lillie!

  • Hallo Cadda,
    du hast recht, er will nichts ändern. Er sagt, er kann nicht. Ich sage: er will nicht! Und ich ärgere mich über mich selbst, dass ich ihn trotzdem immer wieder in den Arm nehme, ihn tröste und gleichzeitig verkrampft sich alles in mir. Es ist ein innerer Kampf, ich spreche die Dinge anders aus, als ich denke und könnte mich selbst dafür ohrfeigen. Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, was gerade passiert, aber ich verstehe meine eigenen Reaktionen nicht, kämpfe gegen mich selbst.
    Auch am Freitag Abend dachte ich: "Ich müsste jetzt gehen!" und trotzdem bin ich wie festgewachsen sitzengeblieben. Der Geruch nach Alkohol, sein Verhalten, die ganze Situation haben mich angewidert. Am meisten war ich aber wütend auf mich selbst und doch nicht in der Lage, zu gehen.
    Ein Hoffnungsschimmer ist aber, dass ich mich sehr gut kenne und weiß, dass es plötzlich und unverhofft doch aus mir herausbricht und es dann plötzlich ganz schnell gehen kann. :-)

  • Genau so ist es bei mir auch!!! :-D


    Ich hab in Beziehungen schon immer so unendlich viel mitgemacht. Auch ohne, dass Alkohol eine Rolle spielte. Ich hab immer gesagt, dass es eeeeewig dauert, bis bei mir eine Grenze erreicht ist. Aber WENN sie erreicht ist, dann IST sie auch erreicht und dann ist es zu spät. Darauf konnte ich mich dann doch verlassen.


    Dennoch würde ich gern die Zeit zurückdrehen und schneller handeln. Denn dieses Ausreizen der persönlichen Schmerzgrenze kostet unendlich viel Energie und schlimmer noch: Das Selbstwertgefühl sinkt mit jedem Tag.


    Es ist ein tolles Gefühl, es wieder zu haben und mir persönlich wird es auch nicht mehr passieren, dass ich mir so viel gefallen lasse, da ich mich glücklicherweise nicht nur aus der Co-Abhängigkeit, sondern auch aus der eigenen Abhängigkeit befreit habe. Bzw umgekehrt. Erst dadurch, dass ich mich aus der eigenen Abhängigkeit befreit habe, konnte ich meine Co.Abhängigkeit angehen.


    Du bist sympathisch. Du hast so ein Verhalten und somit so einen Mann nicht verdient. Fang an, Dir das Leben schön zu machen. Das geht mit ihm nicht. Das geht nur ohne ihn.

  • Hallo Lilli,


    ich finde das klasse, dass du dir über meine Fragen Gedanken gemacht hast!
    Und Antworten darauf hast du auch gefunden.


    Nun mach dir aber keinen Druck, dass du das innerhalb von kürzester Zeit erreicht haben musst. Das wird leider nicht so schnell gehen. Meine Therapeutin damals hat zu mir gesagt, "machen sie lieber kleine Schritte, das ist besser als ein riesiger Sprung, bei dem sie wieder rückwärts umfallen..."


    Und so habe ich das auch gemacht.


    Zitat

    Ein Hoffnungsschimmer ist aber, dass ich mich sehr gut kenne und weiß, dass es plötzlich und unverhofft doch aus mir herausbricht und es dann plötzlich ganz schnell gehen kann.


    Jaaaa, das kenne ich auch so.


    Ich schlucke und schlucke und dann kommt die Explosion. Oha. Ich konnte dann damals auch ganz schnell handeln plötzlich, vorher ging es mir so wie dir. Ich war wie festgenagelt. Inzwischen habe ich aber gelernt, damit anders umzugehen. Ich versuche, meine Grenzen schneller zu setzen. Nicht immer zu nicken und zu schlucken sondern vorher "nein" zu sagen. Ein Lernprozess. Es ist unheimlich entlastend! Denn das ewige Schlucken und dann explodieren ist sehr energieraubend. Und die Explosion auch dann unangenehm, denn ich explodiere dann wirklich nur noch völlig unkontrolliert... nee, das mach ich lieber nicht mehr.


    Liebe Grüße
    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Hallo Lilli,
    ich sehe grade, wirsind im selben Alter - wie schön :)
    Das, was du beschreibst, kenne ich nur allzu gut.
    Wie oft habich ich über mich selber geärgert, weil ich nicht so gehandelt habe, wie ich es eigentlich gerne hätte. Zum Teil bis heute noch. Schlagartig geändert hat sich das letztes Jahr Weihnachten, als ich so unglaublich unglücklich war, dass mein Sohn irgendwie bei jedem ist, nur nicht bei mir. Wir hatte nur den Heiligen Abend zusammen und das Frühstück am 25.
    Eigentlich war es anders vereinbart und wurde dann immer wieder verändert und verschoben usw. bis ich gar keinen Durchblick mehr hatte und dann erst am 25. morgens festgestellt habe, dass ich irgendwie nicht genug Zeit mit Krümel hatte. Und da war für mich Schluss. Seit dem wird alles erst überdacht und durch gesprochen mit Freunden und Familie, evtl auch mit zuständigen Stellen (Jugendamt, Anwalt Etc) und erst dann entschieden und geantwortet.
    Ist jetzt ganz anders als deine Situation. Ich will damit nur sagen, dass es sich lohnt erst einen Schritt zurück zu gehen und das zu betrachten, bevor man antwortet.


    Bzgl Auszug und weitere Ziele: es ist gut, dass du die Ziele hast. Eine eigene Wohnung ist sooo viel wert. Da hat man eine Tür, die man einfach schließen kann und alles negative davor lassen kann.


    Liebe Grüße
    Eule89

  • Zitat


    Jaaaa, das kenne ich auch so.


    Ich schlucke und schlucke und dann kommt die Explosion. Oha. Ich konnte dann damals auch ganz schnell handeln plötzlich, vorher ging es mir so wie dir. Ich war wie festgenagelt. Inzwischen habe ich aber gelernt, damit anders umzugehen. Ich versuche, meine Grenzen schneller zu setzen. Nicht immer zu nicken und zu schlucken sondern vorher "nein" zu sagen. Ein Lernprozess. Es ist unheimlich entlastend! Denn das ewige Schlucken und dann explodieren ist sehr energieraubend. Und die Explosion auch dann unangenehm, denn ich explodiere dann wirklich nur noch völlig unkontrolliert... nee, das mach ich lieber nicht mehr.


    Wie lernt man das? Mit Hilfe eines Therapeuten? Ich weiß, dass das mein Problem ist, immer zu lange zu warten. Und ich weiß, dass es mir nicht guttut. Wenn es mir schlecht geht, bin ich auch süchtig und zwar nach Schokolade. Das klingt lustig, ist es aber nicht. Ich hatte gerade wieder ein gesundes Gewicht und habe Sport gemacht und nun stopfe ich Unmengen an Schokolade in mich hinein und zusätzlich noch alles, was ich im Kühlschrank finde. Das ist reines "Frustfressen" (entschuldigt die Ausdrucksweise). :(


    Ich habe mir inzwischen bereits 5 Wohnungen angesehen. Eine wurde mir abgesagt, dreien habe ich abgesagt. Eine (und das ist die beste bisher) steht noch offen. Keine Ahnung, ob es klappt. Aber auch wenn es klappt, habe ich noch keinen wirklichen Plan, wie ich das machen soll. Offen ansprechen oder heimlich abhauen? Letzteres widerstrebt mir, da ich eigentlich lieber über die Dinge spreche (insgeheim hoffe ich immer auf Verständnis und das ärgert mich so). Aber in diesem Fall ist heimlich wohl besser, da er mich nicht einfach gehen lassen wird.


    Ich habe richtig Angst davor, nicht zu wissen, wie das ganze ausgeht. Wenn ich nur daran denke, klopft mein Herz bis zum Hals. Ich wünsche mir so sehr jemanden, der mich an die Hand nimmt und mir sagt, was ich wie und wann tun soll. Nur in diesem einen Fall. Ansonsten brauche ich das nicht, kann ganz gut für mich alleine entscheiden und stehe mit beiden Beinen im Leben. Nur bei solchen Dingen vermisse/vergesse ich mein Selbstbewusstsein.


    Warum ist das so?

  • Hallo Lilli,


    ich habe das mit Hilfe einer Therapie gelernt, mit dem Austausch hier im Forum und durch viel Nachdenken und Üben.


    Ich bin noch immer keine Meisterin, aber das wichtigste an diesem ganzen Prozess war zu lernen, meine Grenzen zu erkennen und auch zu verteidigen. Ich habe immer zu allem "ja" gesagt. Ein "nein" war unfassbar für mich, wenn ich wirklich mal "nein" sagen musste habe ich üble Gefühle gehabt und sofort einen Ausgleich angeboten. Eine Wiedergutmachung gewissermaßen.


    Ich habe immer mit mir machen lassen, ich habe mich nicht getraut, mich auseinander zu setzen. Zu streiten. Das war in meiner Urfamilie verpönt. Ich habe nicht gelernt mich zu verteidigen, schon als Kind habe ich nachgegeben denn "der Klügere gibt nach" war das Motto, was meine Mutter mir eingeimpft hat. So habe ich Dinge gemacht die ich eigentlich nicht wollte, ich habe Dinge hingenommen, die mich verletzt oder gekränkt oder auch in meiner Person eingeschränkt haben. Ich habe immer gelächelt, gelacht dabei. So, als mache es mir nichts aus. Ich war schon beliebt dadurch, denn ich konnte gut "gebraucht" werden. Ich wurde ausgenutzt. Fand das sogar noch toll denn es gab mir ein Gefühl von gebraucht werden, von geliebt werden. Aber ich habe geschluckt. Denn es hat mir ja ganz oft nicht gepasst oder gefallen, was ich mir da aufgehalst hatte durch meine Jasagerei. Ich bin ja gar nicht mehr dazu gekommen, mein eigenes Leben zu leben sondern ich habe von anderen mich leben lassen...


    Das Schlimme daran war, dass die anderen Menschen das ja nicht wussten, ich war immer lächelnd und immer bereit. Ich war tatkräftig nach außen hin und für nichts zu schade. Perfekt also für mein Umfeld. Nur ich bin auf der Strecke geblieben.


    Das bisher schlimmste, was mir daraus passiert ist ist, dass ich die Familie meines Exmannes aus meinem Leben regelrecht rausgeschleudert und -gebrüllt habe. Mein Exschwager ist äußerst dominat, in meinen Augen ein Narziss, und ich habe immer geschluckt. Er hat sich in meine Ehe, in meine Erziehung, in mein ganzes Leben eingemischt. Unglaublich, ich kann es hier nicht erklären, das würde den Rahmen sprengen. Und meine Exschwägerin hat da mit reingehauen, immer ihrem Mann untertan. Irgendwann war es dann tatsächlich so, dass meine Exschwägerin mich anrief nach einigen Tagen Urlaub, den sie hatten. Und ich habe gebrüllt, konnte kaum reden vor Aufregung, Schmerz, Enttäuschung und Hass. Mein Hals war zu eng für alles, was da raus wollte nach 26 Jahren mit denen und schlucken. Ich war fast besinnungslos vor Anstrengung und Aufregung.


    Mein Sohn, der das mit angehört hatte meinte dann " Muddi, jetzt warste das erste Mal ehrlich!".


    Bis heute wissen diese Leute nicht, was mit mir los war. Sie haben es nicht verstanden und es kam für sie wie aus heiterem Himmel. Ich habe den Kontakt abgebrochen, nur noch in äußerst seltenen Ausnahmefällen treffe ich sie mal und dann nur kurz. Ich war hinterher fix und fertig. Das war sehr unangenehm. Ich möchte nie mehr so viel hinnehmen, dass so etwas passiert, denn das war echt nicht angenehm für mich. Ich hatte keine Kontrolle mehr über irgend etwas in mir, es kam wie Bombenexplosionen aus mir raus.


    Also habe ich geübt und übe noch. Ich sage "ja" wenn ich es so meine und ich sage "nein" wenn ich es so meine. Ich erkenne meine Grenzen. Es macht mir noch immer unangenehme Gefühle, meistens. "Nein" zu sagen oder so. Aber das halte ich aus. Das ist echt ein Lernprozess. Ich habe dadurch aber mehr von meinem eigenen Leben und bin nicht mehr fremdbestimmt. Das "ja" kommt aus vollem Herzen und ist ehrlich gemeint. Meine Mitmenschen nehmen mich seitdem ernst...


    Selbstbewusstsein und Grenzen erkennen und setzen, das gehört für mich zusammen...


    Oha, ein Roman... :oops: , hoffentlich kannst dir was daraus mitnehmen.


    Liebe Grüße
    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Hallo Aurora,


    vielen Dank für deinen "Roman" :-)
    Ja, ich kann daraus etwas mitnehmen. Und wenn es nur die Erkenntnis ist, dass ich mich darin so sehr wiederfinde und nun weiß, dass es auch anders geht. Ich habe vor Jahren schon zweimal eine Therapie gemacht. Weil ich, wenn ich unglücklich/unzufrieden bin, schnell zu Panikattacken und diversen Phobien leide. Die habe ich inzwischen recht gut im Griff (mit einigen kleinen Ausnahmen), allerdings ist das Grundproblem (es jedem Recht machen wollen, lieber Ja- als Nein-Sagen) noch nicht gelöst und unangenehme Begleiterscheinungen tauchen immer wieder auf.
    Und natürlich hat es auch bei mir schon in der Familie begonnen. Die Ursachen liegen, wie so oft, in der Kindheit.
    Vermutlich bin ich genau deshalb auch die perfekte Partnerin für meinen Freund. :-/
    Ich denke, ich bin intelligent genug, um zu erkennen, was hier passiert. Aber kann mich gegen den inneren Drang nicht wehren, es auch ihm immer wieder Recht machen zu wollen.
    Ich hoffe, dass es bei mir nicht zur "Explosion" kommt. Denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass mir das auch unangenehm wäre. Ich kann es dir aber auch nachfühlen. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass in mir etwas brodelt. Bisher habe ich die Wut immer ganz gut unterdrücken können.
    Obwohl ich genau weiß, dass eben das nicht gut ist. Dieses "unterdrücken"! :-(


    Ich hoffe so sehr, dass es mit der letzten besichtigten Wohnung klappt. Aber da ich schon seit fast 4 Tagen keine Rückmeldung bekommen habe, schwindet meine Hoffnung.


    Das Wochenende ist wieder sehr anstrengend. Dieses Mal ohne Alkohol, dafür aber mit einem ständigen Auf und Ab der Launen. Kritik und Liebesbekundungen in einem Satz. Und das immer wieder. Vermutlich wird es jetzt auch wieder eine Zeit ohne Alkohol geben. Aber eben nur eine Weile, weil die Einsicht noch immer fehlt. Aus der einstigen Liebe/Zuneigung ist schon längst Mitleid geworden und eine Form der Abhängigkeit (helfen wollen, verantwortlich fühlen, usw.)


    Das nur kurz für heute. Mal sehen, was mir der Sonntag noch so bringt.

  • Jetzt stehe ich wieder vor der nächsten großen Hürde. Eigentlich sind es sogar mehrere Hürden.
    Gestern habe ich die Zusage für eine Wohnung bekommen. Da man dort keine Mietkautionsbürgschaft akzeptiert, muss ich bis zum Wochenende auf die Schnelle die Kaution organisieren. Vertragsunterzeichnung soll am Wochenende sein. Ich habe keine Ahnung, wie ich es erklären soll, dass ich am "Kinderwochenende", dass man eigentlich gemeinsam verbringen will, einen "Termin" habe. Aber das ist noch die kleinste Herausforderung. Ich wollte ihm erst Mitte nächsten Monats sagen, dass ich ausziehe und habe sowieso noch keine Ahnung, wie ich es umsetzen soll.
    Mein Freund sucht nun schon seit Jahren ein Haus, teils als Wertanlage und teils um mich an sich zu binden (so empfinde ich es).
    Seit einiger Zeit hat er ein Auge auf ein kleines Häuschen in meinem Lieblingsurlaubsort geworfen. Bisher war es noch immer zu teuer. Aber erst heute kam die Info, dass der Preis gesenkt wurde. Jetzt will er es gemeinsam mit mir anschauen. Und ich habe keine Ahnung, wie ich darauf reagieren soll. Ich muss für das Haus nichts zahlen und nicht bürgen, somit habe ich keine finanziellen Verpflichtungen in der Hinsicht. Aber mein Gefühl sagt mir, dass er jetzt gerade, wo er spürt, dass ich mich distanziere, mit allen Mitteln unbedingt sofort ein Haus kaufen will. Ich fühle mich unter Druck gesetzt. Er sucht schon seit 15 Jahren, hatte bereits gemeinsam mit seinen Exfrauen schon mehrere Besichtigungen (und mit mir) und konnte sich aus diversen Gründen nie für einen Kauf entscheiden. Immer gab es andere Dinge, die nicht gepasst haben. Jetzt will er das Haus besichtigen und fordert von mir eine Entscheidung, ob es mir auch gefällt und ob ich denn auch bei ihm bleibe, usw. Und vermittelt mir, dass er das Haus ja auch für mich kauft, weil das schon immer meine Wunschheimat war und ist.
    Mein Problem ist nicht, dass ich "wieder einknicken" könnte, sondern dass ich nicht weiß, ob ich jetzt schon die Karten auf den Tisch legen soll oder einfach weiter "den Ball flach halte" und meine Pläne weiter verfolge. Letztendlich ist es seine Entscheidung und sein Geld. Wenn ich ihm aber jetzt schon offen von meinem Auszugswunsch erzähle, werden die nächsten Wochen hier extrem schwierig (das ist sicher noch untertrieben). Ich wüsste aber auch auf Anhieb nicht, wo ich hier bis zu meinem Auszug hin könnte. Meine Freunde wohnen alle viel zu weit weg.
    Ich habe gerade totales Chaos in meinem Kopf. :-(

  • Dazu kommt noch, dass er in zwei Wochen Geburtstag hat und ich ihm eigentlich nicht als Geburtstagsgeschenk die Trennung überreichen wollte. Ich rechne sowieso damit, dass er sich nach unserem Gespräch erst einmal betrinken wird und vermutlich wird er die Schuld dafür auch mir geben. Also hatte ich alles für Mitte oder Ende Juli geplant. So, dass ich dann auch direkt gehen kann. Ein paar Tage könnte ich auch in einer Pension verbringen.
    Ich rechne mit viel Alkohol und mit vielen Anrufen und Nachrichten und Alkoholeinfluss. Und ich habe Angst davor. :-(

  • Lilli, es gibt nie den richtigen Zeitpunkt! Geburtstag, Urlaub, Weihnachten, depressive Stimmung, Stress auf der Arbeit. Eine Trennung bring immer Kummer mit sich.


    Freue Dich über die Wohnung!!!!! Da kommt zwar nun erstmal Unangenehmes auf Dich zu, aber wenn das erstmal geschafft ist.... herrlich!!!!

  • Liebe Cadda, vielen Dank für deine Antwort. Natürlich hast du recht. Den "richtigen" Zeitpunkt gibt es nicht. Das o. g. "Problem" mit dem Haus hat sich nun auch von selbst gelöst. Er kam nun doch plötzlich an und wollte, dass ich finanziell etwas dazu beitrage. Nicht für den Kauf, sondern in Form von monatlicher Miete. Da ich monatlich aber sowieso nicht mehr aufbringen kann, als ich derzeit schon zahle, war die Diskussion diesbezüglich schnell beendet. Das verschafft mir etwas Zeit dafür, in Ruhe meine Dinge zu klären. Den Termin für die Mietvertragsunterzeichnung konnte ich auf Montag verschieben. Auch das ist gut.
    Ja, ich freue mich auf die Wohnung und denke bei allen negativen Erlebnissen zuhause nun immer daran, dass es bald vorbei ist. :-)
    Am Freitagabend wurden wir von Bekannten zu einer kleinen Runde im Garten eingeladen. Ganz spontan und stressfrei mit Abstand. :-) Er hat es abgelehnt, dorthin zu gehen. Wie er alle Einladungen in letzter Zeit ablehnt. Natürlich, weil er dort Gefahr läuft, mit Alkohol in Kontakt zu geraten oder sich erklären zu müssen, warum er keinen trinkt.
    Ich bin alleine hingegangen, da ich mich über die Einladung sehr gefreut habe. Und auch, wenn er wieder angefressen war, dass ich ihn "alleine zuhause gelassen habe", haben mir der Abend und die netten Gespräche am Lagerfeuer gut getan.
    Noch vor einiger Zeit hätte ich auch abgesagt und wäre mit ihm zuhause geblieben.


    Trotz dieser ganzen positiven Entwicklung habe ich mächtig Angst vor dem "Gespräch". Natürlich ist jeder anders und es gibt kein Patentrezept für ein erfolgreiches Trennungsgespräch. Aber vielleicht könnt ihr mir berichten, wie ihr es gemacht habt? Gibt es hier vielleicht auch den ein oder anderen, der einfach heimlich seine Sachen gepackt hat? Ich hatte mit meinem Exfreund schonmal ein Trennungsgespräch, aber da wusste ich, dass ich offen und ehrlich mit ihm darüber sprechen konnte. Und ich wusste, dass es keinen Rosenkrieg geben wird. Wir sind auch nach der Trennung sehr respektvoll miteinander umgegangen.
    Hier wird es anders sein. Zumindest befürchte ich das. :-(

  • Ganz ehrlich? Wenn Du befürchtest, dass es Theater gibt, dann würde ich erst mit ihm reden, wenn Du den Schlüssel für die Wohnung hast und jederzeit weg kannst.


    Ich finde es klasse, wie konsequent Du es jetzt durchziehst!!

  • Hallo Lilli,
    Ich habe still und heimlich meine Sachen gepackt, während er auf Montage war, einen Brief geschrieben und bin gegangen, bevor er zurück war. Anders hätte ich es nicht geschafft.


    Sonnige Grüße
    Lütte

    Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.

    (Henry Ford)

  • Hallo Lütte,
    vielleicht muss ich es auch so machen. Auch wenn es meinem Innersten widerspricht. Weil ich mir verlogen vorkomme und feige. Weil ich normalerweise die Dinge gerne in einem Gespräch kläre. Aber nach meiner Erfahrung mit ihm wird genau das nicht möglich sein.
    Ich weiß, es klingt böse. Aber fast wünsche ich mir, er würde sich jetzt noch einmal so richtig betrinken. So, dass er mir damit einen weiteren Grund gibt, einfach so zu gehen. Ja, ich weiß: Ihr werdet sagen, dass er mir doch schon genug Gründe gegeben hat.
    Im Augenblick trinkt er aber wieder mal nichts und ist besonders anhänglich. Immer wieder gibt es kurze Augenblicke, in denen er seine eigene Unzufriedenheit zeigt und seinen Frust auch an mir auslässt. Aber nur kurz, um dann wieder total um meine Gunst zu buhlen. Und ich weiß auch, wenn ich einknicken würde, würde sich auch nichts ändern. Der nächste Rückfall ist nur eine Frage der Zeit.
    Am meisten Angst habe ich aber davor, dass er meine Familie und meine Freunde da mit reinzieht. Menschen, die nur teilweise davon wissen. Nach dem letzten Rückfall hat er damit "gedroht", sich von meiner Mutter "verabschieden" zu wollen. Er kennt sie aber kaum, hat sie nur 3mal gesehen und ansonsten auch keinen Kontakt zu ihr. Und meine Mutter ist schon etwas älter und ich will sie mit solchen Dingen gar nicht belasten. Das war eine ziemlich miese Masche. Aber ich habe keine Möglichkeit gesehen, als weiterhin erstmal bei ihm zu bleiben und so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Inzwischen bin ich einen Schritt weiter, aber mir graut es trotzdem davor, dass er meine Familie da mit reinzieht.

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