der Weg in mein neues Leben

  • Tja, da bin ich nun und weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll? Angefangen hat alles vor 8 Jahren, da lernte ich meinen Ex, puh alleine ihn schon so zu benennen ist ein komisches Gefühl. :roll:
    Wir waren gerade recht frisch zusammen, als ich das erste mal in meinem Leben, jemanden kennen lernte der Drogen nahm. Das gefiel mir damals schon nicht, aber ich wäre mir so spießig vorgekommen, also tolerierte ich das. Alkohol, so behauptete er, wäre kein Thema bei ihm. Angeblich würde er nichts mehr trinken und er trank auch tatsächlich die erste Zeit nichts. Als wir dann eine Gartenfeier bei mir hatten und er auf einmal zum Radler griff, habe ich mir noch gar nichts dabei gedacht. Aber es blieb natürlich nicht bei einem Radler und schon da erfand ich für mich die erste Ausrede. Es ist ja schließlich eine Feier und damals trank ich selbst ganz gerne. Bis zu dem Tod von meinem Mann trank ich gar nicht. Es schmeckte mir einfach nicht und mir war einfach nur eckelig warm von dem Zeug. Auf der Beerdigung betrank ich mich das erste mal in meinem Leben und leider ließ ich mich durch falsche Freunde schneller auf diesen Zug ziehen, als mir lieb war.
    Als wir dann eines Tages mit einem Kumpel von ihm, in seiner Wohnung saßen, hätten mich die Worte von ihm gleich aufhorchen lassen müssen, aber wenn man verliebt ist, dann sieht man ja alles leider durch die berühmte rosa Brille. Ich selbst hatte damals eine Magen-Op hinter mir und nahm über 60 kg ab. Ich fühlte mich das erste mal in meinem Leben sexy, anziehend und erlebte das Leben irgendwie neu. Vielleicht war das auch ein Grund, warum ich so völlig die Kontrolle verlor.
    Dann kam der erste heftige Streit und es eskalierte richtig. Wir hatten in der Badezimmertüre kleine Fensterscheiben und als er so laut wurde und ich sagte, dass ich gehen würde, kam er hinterher und bekniete mich zu bleiben. Erst auf die liebe Tour, danach wurde er lauter, agressiver und gemeiner. Er schlug mit der Faust gegen die Scheibe und schnitt sich dabei sehr tief. Ich versuchte die Blutung zu stillen, aber versucht mal einen Betrunkenen von Hilfe zu überzeugen. Er war wie ein wildes Tier und aus lauter Verzweiflung rief ich den Notdienst an. Irgendwie ahnte der Mann am anderen Ende der Leitung, dass etwas nicht stimmte. Mein Ex kam ins Zimmer und brüllte herum, mit wem ich da telefoniere und dieser eine Satz, von dem Mann am Telefon: Ist ihr Leben in Gefahr? ( wenn ich damals geahnt hätte, wie recht er damit noch behalten würde) und mein leises Ja, brachte eine Welle zum Vorschein, die ich bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte. Ich hatte das Gefühl, mir reißt jemand den Boden unter den Füßen weg. Mein Ex brüllte die ganze Zeit, er bräuchte keine Hilfe, während das Küchenhandtuch schon vor lauter Blut tropfte, der Mann am Telefon redete die ganze Zeit mit mir und auf einmal klingelte es bei uns an der Haustür. Mein Ex öffnete die Tür und ich habe noch nie so viele Polizisten auf einmal gesehen. Da stand das ganze Treppenhaus voll, eine Ärztin war auch dabei und ich stand im Hintergrund und wusste einfach nicht was ich sagen sollte. Mein Ex tat so als wenn er der King wäre ( er arbeitet selbst im Sicherheitsdienst und stellt sich mit den Polizisten sehr gerne auf eine Stufe) und schon alleine von dem Müll, der aus seinem Mund kam, könnte ich mich heute noch in Grund und Boden schämen. Den Polizisten verweigerte er den Zugang zur Wohnung und faselte immer was von, er kenne seine Rechte. Ich hatte schon meine Reisetasche gepackt, aber ich kam mir vor wie in einem Traum. Das alles passierte mir? Ich werde heute noch rot, weil es mir so unglaublich peinlich war. Ein sehr großer Polizist stand in diesem Getümmel und fragte mich nur diesen einen Satz: Haben Sie Angst und möchten Sie aus der Wohnung raus? Ich konnte damals nur nicken, Worte fand ich keine. Dann ging alles recht schnell. Die Ärztin überredete meinen Ex mit nach unten zu kommen, um die Wunde versorgen zu lassen. Zum Glück tat er das auch und ein Polizist schnappte sich meine Reisetasche und in diesem ganzen Trupp von Polizisten verließ ich die Wohnung. Der Notarztwagen war weg, sie hatten ihn mit ins Krankenhaus genommen und schwupp saß ich in einem Mannschaftswagen und eine Polizistin drückte mir Flyer in die Hand. Gewalt gegen Frauen.... :? und ich dachte echt, dass wäre eine einmalige Aktion gewesen. Ich musste Anzeige erstatten, die ich aber Tage später wieder zurückzog. Meine Reisetasche stand in meinem Auto( zum Glück hatte ich damals noch eins) und ich hörte mir was von Rechten an. Das Recht ihn für 14 Tage nicht in die Wohnung lassen zu müssen, bis ich alles aus der Wohnung hätte etc. Diese Angst schnürt mir gerade wieder die Kehle zu und ich habe diese Angst noch immer in mir. Ich bin dann nochmal alleine in die Wohnung hoch, um meine restlichen Sachen zu holen. Diese Angst, er könnte in der Türe stehen...unbeschreiblich.
    Für heute mache ich hier Schluss. Ich merke, wie sehr mich das Ganze herunterzieht und bevor ich den Rest des Tages mit meinen Depressionen zu kämpfen habe, versuche ich mich aus diesem Loch erstmal herauszuziehen.
    Ich hätte nicht gedacht, dass das Niederschreiben so Kräfte zehrend ist und ich bin froh, mit dem Tagebuch angefangen zu haben.-Fortsetzung folgt-

  • Hallo Regina,


    Nun bist Du also auch hier, Herzlich Willkommen !
    Ich hatte Dir vorhin noch im Vorstellungsbereich geschrieben... kannst ja da nochmal rein lesen.


    Regina, Du musst hier nicht Deine Geschichte auf einmal runterschreiben, das ist viel zu belastend.
    Das es eine Aufarbeitung braucht, ist mir schon klar, aber ich denke, eine gewisse Stabilität wäre ertstmal ebenso wichtig.
    Nicht nur rückwärts schauen auf das Schreckliche, sondern auch das Nach-Vorn-Sehen bitte nicht vergessen !
    Du hast endlich das Richtige getan und ihn verlassen !
    Das ist schon mal ein Riesenschritt, zu dem andere mitunter noch viel länger brauchen...
    Wichtig ist nun, stabil zu werden in der schweren Trennungszeit, was sicher nicht einfach ist. Den man ist ja auch sehr angeschlagen nach solchen schlimmen Vorfällen und all der Unterdrückung durch den nassen Säufer an Deiner Seite.
    Vielleicht brauchst Du auch zusätzliche professionelle Hilfe, denn in solche Situationen gerät man ja nicht aus Zufall...
    Da muss man schon nen gewissen Hang zur Aufopferung haben, oder?
    Du musst jetzt lernen, auf Dich zu schauen und Deine Bedürfnisse wahrzunehmen und möglichst auch zu erfüllen.


    Und es bahnen sich ja auch weitere Veränderungen in Deinem Leben an, und zwar dieses Mal sehr schöne ! :D
    Du wirst in absehbarer Zeit Oma...und wenn das kein Grund zur Freude ist, dann weiß ich auch nicht... :wink:
    Meine Enkelkinder sind mir eine große Bereicherung in meinem Leben geworden, wie ich Dir ja auch schon im Vorstellungsbereich heute schrieb.
    Will das jetzt nicht alles wiederholen :wink:


    Ich kann Dir nur raten, genieße auch die Vorfreude auf den neuen Erdenbürger... das Wetter ist obendrein schön (bei uns zumindest), das lädt außerdem zu herrlichen Herbstspaziergängen ein.
    Kurzum, genieße auch Deine neue gewonnene Freiheit und falle bitte nicht in eine Depression weil Dich alle schlimmen Erinnerungen überrennen.
    Raus aus der Opfer-Rolle und rein ins selbstgestaltete Leben !!


    Ich war übrigens mal in einer Situation, wo ich auch beinahe in eine Opfer-Rolle gerutscht bin, aber ich habe das nicht zugelassen.
    Mein ehemaliger Schwiegervater war mir gegenüber mehrmals se*xuell übergriffig und mir glaubte das damals niemand.
    Das hat auch einen großen Teil zum Scheitern meiner ersten Ehe beigetragen, denn ich konnte dort nicht mehr bleiben, wir wohnten damals bei Schwiegereltern.
    Selbst nach meinem Auszug stellt mein Ex-Schwiegervater mir noch nach...versuchte, in meine neue Wohnung reinzukommen und solche bösen Scherze. Er drohte mir auch und versuchte, mich zu erpressen.
    Aber ich gab nicht nach und wehrte mich.
    Und drohte dann ihm mit gewissen Dingen, die ich an die Öffentlichkeit bringe, und zwar nicht nur im privaten Bereich sondern auch in Form von einer Anzeige gegen ihn.
    Ich habe mich von ihm nur zum Opfer machen lassen, ich habe das einfach nicht zugelassen ! Ich habe nicht zugelassen, das mir ein anderer Mensch mein Leben versaut und lasse sowas auch bis heute nicht zu, egal was da ist.
    Er war der Täter, aber ich habe mich nicht in eine Opferrolle begeben, sondern mich um meiner selbst Willen dagegen gewehrt.
    Fiel mir nur gerade so ein....in Sachen Opfer und Täter...


    LG an Dich und genieße bitte auch ein bisschen den Sonntag !
    Sabine

  • Oh, das hier ist ja gar nicht der Tagebuch-Bereich :oops: :lol:
    Wollte gerade noch was korrigieren, aber das geht in diesem Forenbereich wohl gar nicht...


    Zitat

    Ich habe mich von ihm nur zum Opfer machen lassen


    Das sollte heißen, "ich habe mich von ihm NICHT zum Opfer machen lassen" :wink:


    Vielleicht wäre der Tagebuch-Breich auch was, wo Deine Geschichte einen guten Platz hätte?


    LG Sabine

  • Liebe Regina,


    wie schön, dass du nun auch hier angekommen bist.
    Mach ganz in Ruhe, solches Aufschreiben kostet viel Energie. Das ging und geht mir auch oft so.


    Liebe Grüße
    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Hallo Aurora und hallo auch an alle Anderen.
    Ich dachte eigentlich ich hätte mein Tagebuch eröffnet 🙈 ich bin da nach deinen Anweisungen vorgegangen, aber da bin ich wohl vom Weg abgekommen 🙈
    Tja wie geht es mir mittlerweile?
    Ehrlich gesagt ziemlich schlecht. Ich denke die erste Zeit war einfach alles unter einer Glocke versteckt. Da war erstmal nur alles schön. Leider musste ich vor ein paar Tagen zu ihm gehen, da dort blöderweise ein Paket von mir gelandet ist und das er natürlich nicht mir hinterher senden konnte. Leider konnte auch niemand anderes es abholen, aber ich habe ständig sein Bild vor Augen. Er sah so blass aus und dieser Blick in seinen Augen lässt mich nicht los.
    Ich weiß das er da wieder mit meinen Gefühlen gespielt hat und ich weiß auch, dass er so bescheiden aussah, weil er eben nicht die Finger von dem Alkohol und den Drogen lassen kann. Aber tief in mir und für diesen Gedanken schäme ich mich so, wünsche ich mir das er wegen unserer Trennung so aussieht. Ich habe ihm in dieser kurzen Zeit die ich bei ihm war, nicht erlaubt mir irgend etwas privates von sich zu erzählen. Natürlich versuchte er es wieder auf der Schiene des Mitleids, aber ich bin ihm ständig über den Mund gefahren und habe zum Schluss nur zu ihm gesagt, dass er das gerne“Mutti“ erzählen kann ( diese Frau hat jeden Furz von uns erfahren) und das es mich nicht mehr interessiert.
    Aber seitdem geht es mir richtig schlecht. Die Depressionen sind wieder ganz massiv da und ich lenke mich mit meinen ganzen ehrenamtlichen Arbeiten ab. Aber wenn ich dann zur Ruhe komme, geht es los. Auf der einen Seite das Engelchen, dass mir flüstert das es der richtige Weg ist und auf der anderen Seite sitzt das verfluchte Teufelchen das mir ins Ohr flüstert,ich hätte mich mehr anstrengen sollen. Dieses ständige Wechselbad der Gefühle ist so unglaublich kräftezehrend. Ich habe echt gedacht, dass es mir leichter fällt. Und das ich das mal ebenso hinbekomme. Aber Naivität ist leider nicht strafbar, ansonsten hätte ich wohl lebenslänglich.
    Der Kampf ist noch lange nicht überstanden und dazu die massiven finanziellen Sorgen, die Schmerzen,die in dieser Jahreszeit leider immer sehr stark zuschlagen, all das lässt in mir den Wunsch hochkommen,mich in seine Arme zu flüchten und mal einen Moment alles zu vergessen.
    Wie banal das schon beim Schreiben klingt. Furchtbar!!!
    Ich werde weiterhin stark bleiben, denn ich weiß das ein Rückgang für mich gefährlich ist und niemals wieder auch nur ansatzweise etwas schön mit ihm ist.
    Ich gehe jetzt weiter Plätzchen backen, in diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen 1. Advent
    Liebe Grüße Paula

  • Moin Paula,


    puh, eine harte Story. :(


    Vermutlich mussten wir beide einfach raus aus der Situation, um uns selbst zu beschützen. Und auf Grund der Teufelchen auf der Schulter, dem Helfer / Retter in uns, denken wir so "verworren". Liebe schafft alles, man muss nur mehr als genug geben, theoretisch alles von sich selbst, Selbstaufgabe. Aber das hilft nicht, nur sein eigener Akku ist danach auf 0%. Das ist leider auch etwas, das ich lernen muss. Raus aus dem Strudel, 100% Energie auf mich selbst. Ich wünsche mir auch so viele andere Wege und Chancen. Aber wir sind und bleiben machtlos.



    Aber tief in mir und für diesen Gedanken schäme ich mich so, wünsche ich mir das er wegen unserer Trennung so aussieht.


    Ich denke das ist normal. Vermutlich die innere Hoffnung, ihn mit dem Weggang wachzurütteln und endlich zu retten. Wenn schon nicht mit Liebe retten, dann mit der Trennung. Aber wir müssen beide weg von dieser Hoffnung. Höchstwahrscheinlich wird er noch lange so bescheiden aussehen, sich trotzdem nicht ändern, und irgendwann jemand neues einwickeln, eine neue Spirale / Alibi erschaffen um weiterzumachen.


    Das sind nur meine Gedanken. Ich bin, wie du vielleicht schon gelesen hast, selbst ganz neu in der Materie. Aber vielleicht konnte ich dich gedanklich irgendwie anstupsen.


    @Plätzchen, ja ich nehme auch welche :mrgreen:


    Lieben Gruß
    Xlausi

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