orangeblau - Partner Alkoholiker oder bilde ich es mir nur ein

  • Ich habe in früher Kindheit die Sucht miterlebt. Das hat mich wohl mehr geprägt als ich mir bewusst bin.

    davon kannst du ausgehen. Kinder von nassen Alkoholikern passen sich an, übernehmen oft Verantwortung, die ihnen nicht zu kommt.
    Das prägt natürlich, es bilden sich Muster aus, die es gilt zu überschreiben. Verhalten sollte überdacht und verändert werden.
    Mich persönlich wundert es nicht, dass da wieder jemand in deinem Leben auftaucht, der deinen Kümmermodus anspricht.
    Deshalb würde ich dir auch einen regelmäßigen Austausch hier in deiner Gruppe empfehlen, denn ich muss mir selbst erst einmal bewusst warum ich so handele wie ich eben handele.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Genauso ist es bei mir.


    Es fühlt sich an als wäre ich dazu geboren mich um andere zu kümmern. So war es schon immer. Ich bin immer die Verantwortungs- und Pflichtbewusste, die Vernünftige, die Macherin, diejenige die über den Dingen stehen muss, und doch ist es nie genug. Wenn es mal um mich geht, werde ich schief angeschaut, fühle mich bestraft und schuldig.

    Das betrifft alle Bereiche meines Lebens.

    Ich will das nicht mehr. Es ist eine Last.

  • wir haben ja hier auch einen Bereich für erwachsene Kinder von Alkoholikern, da kannst du dich gerne einlesen, und wenn du da deinen Schwerpunkt siehen solltest, können wir auch dein Thema dorthin verschieben.

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo!


    Ich bin’s mal wieder.

    Unglaublich, aber habe mich nach meiner schweren Beziehung und Trennung wieder total verliebt - er ist auch Alkoholiker. Er bestreitet es nicht wie mein Ex.

    Er hat sich zurückgezogen und ich bin diesmal diejenige, die nicht loslassen kann.
    Verstehe mich selbst nicht.

  • Gut, dass Du Dich hier meldest.

    Vielleicht kannst du deinen Faden noch mal komplett durchlesen und da anknüpfen, wo Du zuletzt mit Deiner Selbsthilfe aufgehört hast?

    Danke für die schnelle Antwort.


    Mein Stand der Dinge nach der Trennung war, dass ich mich ausschließlich auf mich und die Kinder konzentrieren will.

    Das ist mir auch sehr gut gelungen. Habe soweit alles super in den Griff bekommen und bin stolz auf mich.


    Dann kam unerwartet der neue Mann in mein Leben. Er ist ganz anders als mein Ex, war sehr nett, einfühlsam, offen, zuvorkommend, es gab viel Verständnis für meine Vergangenheit und Probleme (er wusste von Anfang an Bescheid über meinen Ex und die Trennungsgründe). wir hatten viel Spaß zusammen, ich habe mir der Zeit Vertrauen und starke Gefühle aufgebaut.

    Getrunken hat er von Anfang an viel, ich auch mit ihm. Ich habe/wollte lang nicht sehen und wahrhaben, dass er massiv übertreibt.

    Es gab dann immer mal wieder Andeutungen, dass er Alkoholiker ist, es gab Versuche seinerseits den Konsum zu reduzieren (ohne dass ich es verlangt habe), natürlich hat das nicht geklappt…

    Nun hat er sich zurückgezogen, weil er in seiner aktuellen Lage keine Beziehung eingehen kann. Damit hat er sicher recht. Aber ich leide, mache mir große Sorgen und kann nicht loslassen, will „helfen“, für ihn da sein, sehen ihn als guten Menschen, der immer korrekt zu mir war und merke, dass er mich auch gern hat/hatte.


    Das übliche eben….ich weiß dass ich nicht helfen kann, sondern nur mir selbst, aber so ganz kommt es nicht bei mir an.

  • Ja genau, bin auch EKA und ich bin mir mittlerweile sicher dass mein Muster etwas mit meiner Kindheit zu tun hat.
    Es zu ändern fällt mir allerdings schwer.

    Ich kann mir doch nicht aussuchen, wen ich anziehend finde. Außerdem fällt es mir oft schwer zu erkennen, was „normal“ und was grenzwertig/grenzüberschreitend ist.

  • Hi orangeblau,

    ich kann mir schon vorstellen, dass er einfach weiß, dass er nicht mit dem Trinken aufhören wird und dass eine Beziehung mit Dir so aber nicht glücklich werden wird. Egal, ob er nicht aufhören kann oder nicht aufhören will.

    Grenzüberschreitend wäre, wenn er Dir sagt, er will keine Beziehung, und Du ihn aber bearbeitest, dass Du es ohne ihn nicht aushältst. Anziehend oder nicht ist ja nicht alles, es müssen auch beide wollen.

    Positiv betrachtet könntest Du es als Herausforderung sehen, ihn Seins machen zu lassen und Dich von ihm zu lösen.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:


  • Danke für deine Antwort.

    So ist es, es bleibt mir sowieso nichts anderes übrig.

    Einfach bitter, schon wieder jemanden an den Alkohol verloren.
    Ich hasse diese Hilflosigkeit nichts machen zu können.

    Bei diesem Mann habe ich gemerkt, dass er versucht wegzukommen, er sich manchmal für eine Abend zusammengerissen hat, darunter leidet, es gerne anders hätte, das macht es noch schlimmer für mich. Im Nachhinein ergibt vieles Sinn…

    Außerdem ist er einsichtig, mein Ex leugnet sein Problem bis heute.

  • Für erwachsene Alkoholiker gibt es hierzulande immer noch jede Menge Hilfsangebote, wenn sie denn wirklich bereit für einen Neuanfang sind, orangeblau. Kann ich dir aus eigenem Erleben sagen. Da musst Du nicht rettend eingreifen, zumal Du ja vom Kopf her schon weißt, dass das sowieso nicht geht.

    Dir wurde ja nach Deiner Trennung schon mal vorgeschlagen, Deinen Faden in den EKA-Beteich zu verschieben und Dich verstärkt mit Deiner EKA-Geschichte zu beschäftigen, um die seinerzeit gelernten Muster zu bearbeiten.

    Wäre das jetzt etwas für Dich? Magst Du Deine EKA- Erfahrungen hier etwas näher beschreiben - für Dich und auch für andere?

    Ich muss sagen, dass mich Dein Beispiel verstärkt über meine eigenen EKA-Anteile (die ich bisher für eher gering hielt) nachdenken lässt.

    Schlimmer noch als das unbedingte Helfen-Wollen (das für mich erstmal etwas Positives ist, solange es nicht in Selbstaufgabe und Zuwendung-verdienen-wollen übergeht) finde ich z. B. die übergroße Leidensfâhigkeit und den Verlust gesunder Grenzen und innerer Warnampeln.

  • Hallo!

    Meine Mutter ist trockene Alkoholikerin seit ich 6 Jahre alt bin.
    Ich hatte eigentlich eine relativ normale und schöne Kindheit.
    Ich habe zwar bewusste Erinnerungen an ihre nassen Zeiten (Alkoholverstecke, kotzend über der Kloschüssel, wie sie am Tag auf dem Sofa liegt usw), aber diese sind relativ beschaulich und für mich war das als Kind normal. Ich verknüpfe damit nicht unbedingt etwas schlechtes.

    Aber unbewusst scheint es mich doch sehr geprägt zu haben. Das ist mir vor allem durch meine Partnerwahl bewusst geworden.

    Ich bin seit ein paar Wochen auch in Therapie um meine Geschichte aufzuarbeiten.

    Ich bin eine sehr perfektionistische, verantwortungsbewusste Person in allen Bereichen meines Lebens.

    Kann schlecht Nein sagen und nicht gut Grenzen aufzeigen/erkennen.
    Ich merke auch nicht, wenn jemand meine Grenzen überschreitet, oft erst mit Verzögerung ein paar Stunden/Tage später.

    Bin eher angepasst, aufopfernd, lege viel Wert auf die Meinung anderer. Helfer-Syndrom kann auch sein, bin gerne für andere da, werde von anderen oft als sehr empathisch beschrieben, sehe immer „das Gute“ in anderen.

    Habe auch oft starke Verlustangst und sonstige Ängste.

    Genau, innere Warnlampen habe ich kaum. Ich bin quasi blind, gerade wenn es um Alkohol geht. Ich merke, wenn jemand viel trinkt, es fällt mir allerdings schwer zu erkennen, ob der Konsum problematisch ist, selbst wenn es für andere offensichtlich ist das ein Problem besteht. Habe viel mit Freundinnen schon darüber gesprochen.

  • Ich glaube für mich ist der beste Weg mich komplett von Menschen fernzuhalten die Alkohol trinken.

    Ich war da eigentlich nach meiner Trennung auf einem sehr guten Weg. Habe mit Sport angefangen und meine freie Zeit so für mich genossen, viel Wert auf einen gesunden Lebensstil gelegt. War froh und erleichtert, voller Zuversicht, dass ich mich endlich nicht mehr mit dem Thema Alkohol beschäftigen muss.

    Doch dann gab es immer wieder Stimmen aus meinem Umfeld, dass ich mich doch nicht so verschließen kann und unter Menschen muss, noch jung bin, Männer kennenlernen soll, das Leben genießen soll, Spaß haben soll. Damit war gemeint: abends ausgehen, feiern.

    Und so bin auch ich wieder in „mein Muster“ gerutscht.

    Dating ist für mich irgendwie mit Alkohol stark verknüpft. Das ist zwar witzig, enthemmt ja, aber bin dann schon an den Punkt gekommen wo es mich gestört hat. Hab dann selbst gemerkt, es tut mir nicht gut und dass ich lieber öfter „ohne“ etwas machen würde. Die Grenze gezogen habe ich trotzdem nicht. Ich glaube ich hatte Angst ihn zu verlieren, was ich ja auch getan habe.
    Es gab Abende ohne Alkohol, aber meistens war er dann gereizt, müde, distanziert, angespannt, nicht gut drauf. Das habe ich dann auf mich bezogen, weil ich das Problem nicht gesehen habe/wahrhaben wollte.

    Eigentlich muss ich lernen komplett mein eigenes Ding durchzuziehen und zu meine Werten zu stehen, auch wenn ich dann in den Augen anderer „keinen Spaß“ habe und auch keinen neuen Partner finden werde.

    Es ist wie ein Rückfall in die Co-Anhängigkeit. Kann man das so nennen?

    4 Mal editiert, zuletzt von orangeblau (7. Mai 2026 um 06:49)

  • "Er versucht wegzukommen"....erinnert mich an die Zeit, in der ich halbherzig reduziert und Pausen gemacht habe. Da war ich noch lange nicht so weit, wirklich aufzuhören und das auch aus ganzer Überzeugung durchzuziehen. Ich wusste, ich trinke einfach zu viel, aber dafür, wirklich trocken zu werden, war mein Leidensdruck noch lange nicht groß genug.
    Und als der Leidensdruck groß genug war, kam es nicht drauf an, ob ich ne Partnerin habe oder nicht, denn da wollte ich auch alleine nicht mehr leiden. Wäre sinnlos gewesen, wenn sich da jemand aufgeopfert hätte.

    Was den Spaß angeht, denkst du ja fast wie ein Alkoholiker, dass es ohne Alkohol nicht lustig sein kann.
    Das hat mich lange am Trinken gehalten, dass ich Angst hatte, ohne gibt es keinen Spaß.

    Ich hab zwar nicht das Problem mit dem Dating, aber ich hab mir als Trockener schnell angewöhnt, dass ich auch nüchtern lustig sein kann. Ich hatte sogar den Anspruch an mich, dass ich sogar nüchtern genau so dumme Sprüche machen kann wie früher.
    Und heute bin ich viel lustiger als da, wo ich noch getrunken habe.

    Auch Du musst vielleicht Deinen Umgang wechseln, es gibt viele Leute, die wenig bis gar nichts trinken. Warum sollst Du keinen Partner finden, dem das Trinken unwichtig ist?

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  • Ich bewundere das so, wenn es jemand schafft aufzuhören. Respekt!


    Warum es mir auch schwer fällt nicht helfend eingreifen zu wollen, mich abzugrenzen, zu distanzieren ist, dass ich Angst bekomme die Person könnte sterben oder sich etwas antun. Das könnte ich mir nicht verzeihen. Man hat den Menschen ja sehr gerne.

    Kennt jemand solche Gedanken?

  • Vielleicht erst mal eine Dating-Pause einlegen und Dich zur Abwechslung mehr mit Dir selbst beschäftigen, orangeblau? Die Trennung vom Vater Deiner Kinder liegt doch auch noch gar nicht so lange zurück, oder? Wie kommen die Kinder denn mit der neuen Situation klar?

    Mit dem erneuten Schreiben in Deiner SHG und dem Therapiestart hast Du ja schon wichtige Schritte für Dich eingeleitet. Bleib dran!

    Denn auch wenn Du die nasse Zeit Deiner Mutter als nicht so lang oder schlimm in Erinnerung hast, kann sie doch etwas mit Dir gemacht haben, mit Deinem Verständnis von "normal" z. B.

    Als ich mich hier mal fragte, ob ich mich überhaupt EKA nennen darf, weil die Saufeskapaden meines einen Elternteils im Arbeitsumfeld, die ich in jungen Jahren mitbekommen habe und nicht normal oder spaßig fand, nach einem Jobwechsel weitestgehend aufhörten, schrieb mir eine EKA sinngemäß mal: Die destruktiven Familienstrukturen sind ja nicht automatisch weg, nur weil Sucht/Missbrauch gestoppt sind. Das fand ich sehr treffend für mich.

    Am Ende geht es ja auch nicht um die passende Schublade, sondern um den Blick auf ungesunde Prägungen, die durch neue, gesündere überschrieben werden können und sollten.

    Nimm dir Zeit für Dich und Deinen neuen Lebensabschnitt, sei es Dir wert!

  • Die Trennung ist schon fast 2 Jahre mittlerweile. Ich habe dann auch fast 1 Jahr niemanden gedatet oder kennengelernt bis besagter Mann kam.


    Die Kinder haben die Trennung aus meiner Sicht sehr gut verkraftet. Der Vater war sowieso selten präsent, da gab es wenig zu vermissen. Unser Alltag hat sich durch die Trennung kaum verändert außer das der Stress und die negative Stimmung weg fiel.

    Den neuen Mann habe ich ihnen nicht vorgestellt.

    Sich besuchen den Vater regelmäßig, wollen sie auch. Ich unterstütze das solange ich das Gefühl habe, dass es ihnen gut tut. Er kümmert sich zu meinem Erstaunen auch sehr gut um sie, wenn sie bei ihm sind. Er ist dann auch immer nüchtern, glaube ich zumindest. Er war sowieso nie dieser Rauschtrinker, eher Spiegeltrinker.

    Mir sagt er, dass er aufgehört hat, aber ich glaube ihm das nicht. Bin aber mittlerweile innerlich komplett weg von ihm. Er soll sich in seiner Papazeit gut um die Kinder kümmern, der Rest ist seins und mir egal.

    Habe die Trennung keine Sekunde bereut, das war die beste Entscheidung meines Lebens.
    Auch für ihn denke ich, immerhin bemüht er sich jetzt wenigstens ein Vater zu sein, was er während der Beziehung wirklich gar nicht war.

    2 Mal editiert, zuletzt von orangeblau (7. Mai 2026 um 08:47)

  • Ich bewundere das so, wenn es jemand schafft aufzuhören. Respekt!

    Das brauchst Du nicht bewundern, denn es geschah aus Angst, was passiert, wenn ich nicht aufhöre. Aus Angst um mich selbst und meinen Geisteszustand, denn ich hatte Angst, dass ich den Verstand ganz verliere, wenn ich weitertrinke, und auch mein körperlicher Zustand im Suff war unerträglich.

    Es ging mir schnell so gut, dass es mir nicht schwer gefallen ist. Ich war schnell nur noch froh, dass ich ja nur aufhören musste, damit es besser wurde.
    Ja, und das ist genau der Punkt, der den Unterschied macht, schätze ich.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
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  • Die destruktiven Familienstrukturen sind ja nicht automatisch weg, nur weil Sucht/Missbrauch gestoppt sind. Das fand ich sehr treffend für mich

    Danke, so ist es.

    Deswegen die Therapie.

    Mir fällt es so schwer da wirklich hinzusehen, denn ich liebe meine Eltern und weiß, dass sie ihr bestes gegeben haben.

  • Das brauchst Du nicht bewundern, denn es geschah aus Angst, was passiert, wenn ich nicht aufhöre. Aus Angst um mich selbst und meinen Geisteszustand, denn ich hatte Angst, dass ich den Verstand ganz verliere, wenn ich weitertrinke, und auch mein körperlicher Zustand im Suff war unerträglich.

    Es ging mir schnell so gut, dass es mir nicht schwer gefallen ist. Ich war schnell nur noch froh, dass ich ja nur aufhören musste, damit es besser wurde.
    Ja, und das ist genau der Punkt, der den Unterschied macht, schätze ich.


    Trotzdem gibt es viele die niemals an diesen Punkt kommen, die anscheinend keinen Tiefpunkt haben.

    Kenne einige die sich zu Tode gesoffen haben, eben auch aus meiner Familie….

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