Teufelskreis

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Für beide Gruppenbereiche kannst du hier Vorstellen und hier bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo an alle,


    ich habe mich bereits im Vorstellungsbereich vorgestellt, würde gern meine Situation hier nochmal schildern und hoffe auf einen Austausch mit anderen Betroffenen.


    Ich bin w (28) und bin mit meinem Freund XY (31) seit über einem Jahr zusammen und er trinkt. Wir kennen uns schon 10 Jahre, hatten in der Zeit aber nicht regelmäßig Kontakt, was ich so mitbekommen habe waren viele Frauengeschichten (nichts Beständiges ... vielleicht war auch der Alkohol der Grund für die ständig wechselnden Partnerschaften :-| ), auch mal Drogen und eben auch Alkohol. Also besteht dieses Problem schon länger. Seinen Führerschein hat er auch vor 3 Jahren deswegen verloren. Aber anstatt 1 Jahr Abstinenz zu machen, will er den einfachen Weg gehen und einen Führerschein aus dem Ausland beschaffen (leidiges Thema, da sage ich nichts mehr dazu). Ende 2019 wollte er endlich ankommen und hat sich so um mich bemüht, dass ich uns eine Chance gegeben habe. Das erste Jahr hat er sich noch zusammengerissen und alle seine Freunde waren erstaunt, dass er auf einmal (verhältnismäßig) so wenig getrunken hat.


    Aber seit Beginn diesen Jahres hält er sich gar nicht mehr zurück. Er trinkt jeden Tag Bier. Es gibt aber auch Tage (bisher 4 Mal erlebt), da hat er sich nach Feierabend auch mal eine Flasche Kirsch reingeschüttet. :shock: Vor allem hier auf dem Dorf wird das mit dem Alkohol sehr locker gesehen. In der Firma wo er arbeitet, gibt es das erste Bier schon am Vormittag und alle finden es ok. Man wird eher komisch angeguckt, wenn man nicht mittrinkt. Nach Feierabend gibt es dann noch zu Hause ein paar Bier, da Besuch auf dem Hof ein- und ausgeht, da muss natürlich mit jedem Kumpel noch ein Bier getrunken werden, wenn sie schonmal da sind.


    Er hat auch schonmal selbst gesagt, dass er weiß, dass er ein Alkoholproblem hat. Aber das war's dann auch. Häufiger kommen eher Aussagen wie "Ich habe 4 Tage problemlos durchgehalten, also bin ich nicht abhängig", genauso wie "Aber deswegen bin ich doch kein schlechterer Mensch" oder "Aber ich erledige doch trotzdem alle meine Aufgaben". Als ob das eine Art Rechtfertigung wäre. ... da kann ich nur den Kopf schütteln, da mir leider nichts mehr dazu einfällt. Er ist ein netter und lieber Mensch und kümmert sich um alles und jeden. Er kümmert sich schon immer allein um Haus und Hof und sitzt in seinem Elternhaus fest.


    Nach unserem letzten "Ich habe es verstanden"-Gespräch letzte Woche, trinkt er trotzdem weiterhin täglich bereits vormittags sein erstes Bier. Und wenn ich mal einen Nachmittag nicht da bin, dann sind es bei meiner Rückkehr schon 4-6 mit der Aussage "Das trinkt sich halt so weg" oder "Naja wenn's schmeckt...".


    Gestern habe ich (so inkonsequent wie ich bin - mal wieder) ihm eine Ansage gemacht, dass er zum Arzt oder in eine Entzugsklinik gehen und sich helfen lassen soll, denn allein schafft er es nicht. Sonst würden wir nicht Woche für Woche das gleiche Gespräch führen. Heute tat er wieder so, als ob nichts gewesen wäre (er will sich ja nicht streiten). Das regt mich aber noch mehr auf. Dann kommt sowas wie "wir könnten ja spazieren gehen und reden". Ich meinte nur, es gäbe nichts, was ich nicht schon gehört hätte und er sollte langsam mal was TUN, anstatt zu reden. Denn alles was ich höre ist "Ich muss EINFACH weniger trinken". Und dann zieht er noch seine Mutter mit rein, z.B. sei sie stinkig, dass ich nicht zum Mittag komme usw. Das ist doch nicht meine Schuld. Ich möchte einfach nicht da sitzen und sauf heile Welt tun. Er denkt dann bestimmt noch, dass ich es toleriere und wieder alles gut ist.


    Ich setze mir inzwischen selbst Grenzen und ziehe mich in meine Wohnung zurück, wenn mir sein "Zustand" nicht gefällt. Den Zweitschlüssel habe ich ihm inzwischen auch abgenommen, damit er hier nicht einfach so auftauchen kann (am schlimmsten noch im angetrunkenen Zustand). Mein "Problem" derzeit ist zusätzlich, dass er mir ein Stück Garten bei sich eingerichtet hat, sodass ich regelmäßig auf seinem Hof erscheinen müsste und er quasi die Sicherheit hat "die kommt schon wieder". Ich bemühe mich derzeit um einen eigenen Garten direkt neben meiner Wohnung und hoffe sehr, dass es klappt. Das würde mir ein weiteres Stück Unabhängigkeit zurückgeben.


    Ich möchte mich (noch) nicht von ihm trennen. Ich liebe ihn und möchte mit ihm zusammen sein. Das geht aber nur, wenn er sich helfen lässt. Das muss er aber SELBST erkennen und sich Hilfe holen. Das passiert aber nicht, weil er denkt, dass er es allein schafft, was nie klappt. Wenn ich an die Zukunft denke, wo wir nicht zusammen sind, dann macht mich das sehr traurig...aber scheinbar ist ihm unsere Beziehung nicht so viel wert, um mit dem Trinken aufzuhören.

  • Hallo Becki,


    ich freu mich, dass du hier dein Therma eröffnet hast!


    Du schreibst, er sagt:


    Zitat

    "Ich habe 4 Tage problemlos durchgehalten, also bin ich nicht abhängig", genauso wie "Aber deswegen bin ich doch kein schlechterer Mensch" oder "Aber ich erledige doch trotzdem alle meine Aufgaben". Als ob das eine Art Rechtfertigung wäre. ...


    Das sind typische Aussagen von Abhängigen. Ich kenne diese Aussagen auch von meinem Exmann. Und es ist wohl tatsächlich eine Art Rechtfertigung, auch vor sich selbst. Denn fast alle Alkoholiker, die ich so kennen gelernt habe, haben das so auch gesagt. Also dass sie schon auch gemerkt haben, wie alles aus dem Ruder läuft mit dem Trinken und dass sie sich mit solchen Aussagen auch ein Stück weit vor sich selbst gerechtfertigt und beruhigt haben.


    Zitat

    Ich möchte mich (noch) nicht von ihm trennen. Ich liebe ihn und möchte mit ihm zusammen sein. Das geht aber nur, wenn er sich helfen lässt.


    Ja, so ist das. Noch scheint er so weit gut zu funktionieren aber das wird nicht ewig so bleiben. Eine Suchterkrankung wird leider von alleine nicht besser, im Gegenteil, es geht nur abwärts. Und noch scheint er zu denken, dass er alles alleine hinbekommen kann... Du solltest dir bewusst sein, dass es sehr schnell passieren kann, dass du da mit drin steckst im Abwärtsstrudel. Und das Aussteigen dann immer schwieriger wird.


    Liebe Grüße
    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Hallo Aurora,


    vielen Dank für deine Antwort. Ich benötige leider immer ein paar Tage bis ich antworten kann, da ich dafür meine Ruhe brauche und sich das häufig sehr schwierig gestaltet. :oops:



    Noch scheint er so weit gut zu funktionieren aber das wird nicht ewig so bleiben. Eine Suchterkrankung wird leider von alleine nicht besser, im Gegenteil, es geht nur abwärts.


    Da ist mir auch schon einiges aufgefallen. Letztes Jahr hat er nach einer Geburtstagsfeier oder einem Dorffest, wo es mal mehr zu trinken gab, am nächsten Tag immer Pause vom Alkohol gemacht, weil es ihm nicht so gut ging. Dieses Jahr aber nicht. Er trinkt einfach am nächsten Tag wieder seine 3 Bier. Als ich ihn darauf angesprochen habe, meinte er, dass er dieses Jahr bei den Feiern nicht mehr so viel trinken würde, sodass es ihm am nächsten Tag nicht schlecht geht und er somit wie gewohnt (klingt jetzt blöd) trinken kann. Ich muss aber leider sagen, dass ich nicht finde, dass er in diesem Jahr bei Feiern weniger betrunken wäre, als letztes Jahr. Da geht es doch schon los ...


    LG Becki

  • Hallo,


    in dieser Woche ist wieder einiges passiert:


    Er war wieder jeden Tag angetrunken. Dann habe ich gesagt, dass ich das jetzt so handhaben werde, dass wir uns gar nicht erst sehen, wenn er trinkt. Zum einen ärgere ich mich dann nicht über seinen Zustand und zum anderen erhoffe ich mir, dass er dadurch mal merkt, dass es kaum bis keine trockenen Tage gibt, weil wir uns dann kaum sehen würden. Ich habe gehofft, er hat meinen (wie er es nannte) "Vortrag" verstanden.


    Am nächsten Tag trank er nichts, blieb nach Arbeit bei mir ohne nach Hause zu fahren und wir hatten einen schönen Abend. Ich dachte, dass ihm das vielleicht gezeigt hätte, wie harmonisch es läuft, wenn der Alkohol nicht auf der Tagesordnung steht. Und er vielleicht noch weitere Tage durchzieht.


    Spoiler: Weit gefehlt.


    Gestern war er bei einem Freund, da haben sie natürlich Bier getrunken und danach wollte er zu mir kommen. Ich habe ihn daraufhin freundlich erinnert, dass er das gar nicht erst braucht, da ich ja gesagt habe, dass wir uns nicht sehen, wenn er getrunken hat. Später habe ich das nochmal freundlich wiederholt. Abends schrieb er mir, ob wir reden können. Ich bin davon ausgegangen er ist nun zu Hause und ruft mich an.


    Aber nein ... plötzlich stand er vor meiner Tür. Und dann war er entsetzt, dass ich ihn nicht reingelassen habe. :shock: Dann schrieb er, dass es so nicht weiter geht und dass eine Trennung vermutlich besser wäre. (Dass ER trinkt, obwohl es mich stört, ist also ok, aber dass ICH ihn angetrunken nicht reinlasse, ist ein Trennungsgrund :roll:) Ich bin aber nicht wirklich darauf eingegangen. Vielleicht hat er gehofft, ich kriege "Angst" und gebe nach. Habe aber nur geschrieben, jeder muss für sich entscheiden, was einen glücklich macht.


    Heute früh schrieb er, dass er von mir enttäuscht war, dass ich ihn nach Hause geschickt habe. Hallo?! Manchmal denke ich, ich bin im falschen Film. Was hat er denn erwartet? Ich habe versucht mich nicht aufzuregen und habe nur geschrieben, dass ich ihm vor Tagen und gestern ja mehrmals gesagt habe, dass ich nicht möchte, dass er vorbeikommt, wenn er getrunken hat. Und wenn er schon nicht von selbst mit dem Trinken aufhört, diese Variante eben mein Schutzmechanismus ist, um mir seinen Zustand nicht anzutun und mich nicht aufzuregen. Und das muss er akzeptieren. Schien er erstmal verstanden zu haben. Zumindest kam dann wieder "ich will mich nicht streiten, ich liebe dich". Habe nichts dazu gesagt. Er hat dann gefragt, ob ich ihn abends besuche, habe aber abgelehnt. Mir ist nicht danach, da ich weiß, heute ist Freitag, da gibt es Bier. Denn wenn er nichts getrunken hätte, hätte er es mir schon heldenhaft 100 Mal auf die Nase gebunden. :roll:


    LG Becki

  • Hallo Becki,


    Deine Position hat etwas. 8)


    Vielleicht findet sich dein xy in diese Regelung hinein, vielleicht trennt er sich oder die Beziehung schläft ein.


    Was aber keine Option sein sollte, ist dass du nachgibst oder mal "ein Auge zudrückst". Dann machst du dich unglaubwürdig.


    Im Umfeld meiner damaligen SHG gab es einen ähnlich gelagerten Fall.
    Die Freundin des Gruppenmitgliedes hatte die gleiche Position bezogen: Etwas getrunken = kein Treffen


    Glaubst du, du kannst ein solches Stehvermögen aufbringen?
    Denn am wahrscheinlichsten scheint mir, dass er sich eher für den Alkohol als für dich entscheidet.

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

  • Liebe Becky,
    ich habe deinen Text gelesen und dachte ich lese von mir. Nur das du mit dem Setzen deiner Grenzen zeitiger angefangen hast als ich.
    Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen dass es nicht besser wird wenn er es nicht möchte. Du kannst es dir noch so sehr wünschen und den tollen Menschen in ihm sehen... Solange er für sich keinen Grund hat und er keinen Sinn darin sieht den Menschen den du in ihm siehst auch selbst dauerhaft ausleben zu wollen, kannst du machen was du willst... Es wird nichts bringen.


    Ich selbst bin selbst weit davon entfernt mich von meinem Partner zu trennen....
    Es wird immer wieder Phasen geben in denen es sich toll und befreiend anfühlt weil der Partner seinen Konsum reduziert. Man fühlt sich euphorisch und denkt das alles gut wird nur um ein paar Wochen später wieder einen Tritt ins Gesicht zu bekommen wen man damit konfrontiert wird, dass sich überhaupt rein gar nichts geändert hat.


    Ich wünsche dir dass du einen gesunden Weg für dich findest. Ich suche ihn noch.
    Alles Liebe


    Harley

  • Hallo Becki,


    lass Dir eines als trockene Alkoholikerin versichern: Dass Dein Freund einen Tag nach einer Party Bier trinkt, ist kein Zeichen dafür, dass es ihm nicht schlecht geht und er es deshalb trinken KANN.
    Er MUSS es trinken, eben damit es ihm NICHT schlecht geht.


    Und lass Dir eines als Co.Abhängige versichern: Eine Beziehung mit einem Alkoholiker zu führen, in der man sich nur sieht, wenn kein Alkohol im Spiel ist, wird nicht funktionieren.
    Denn wenn Du das wirklich konsequent (und zwar wirklich konsequent) durchziehst, wirst Du ihn nicht mehr sehen. Er wird sich vielleicht ab und zu mal zusammen reißen und selbst dann hat er vermutlich vorher heimlich 2 Bier gekippt oder er zerrt noch vom Restalkohol.


    Dieser Versuch einer Co.Abhängigen „ich sehe ihn nur noch, wenn er keinen Alkohol getrunken hat“ ist in etwa vergleichbar mit dem Versuch eines Alkoholikers „ich trinke nur noch an den Wochenenden“. Funktioniert Beides nicht, da eine Abhängigkeit besteht.


    Deine Vorgehensweise wird genau Eines herbeiführen: Vorwürfe und Schuldzuweisungen von seiner Seite an Dich.


    So hart das auch klingt, Becki... aber Du verschwendest Deine wertvolle Zeit und Energie. Bitte glaub mir das.


    LG Cadda


  • Hallo Dante,


    genau DAS gilt es herauszufinden. ?( Bis jetzt klappt es mit meinem Stehvermögen eigentlich ganz gut. Mit seiner Einsicht oder einer Verhaltensänderung dagegen eher weniger. X/ Aber wenigstens stand er nicht mehr angetrunken vor meiner Tür, nachdem ich ihn letzte Woche nicht reingelassen habe.

    Er sagt jetzt zwar immer öfter "Ich weiß das ist nicht gut, was ich mache", aber eine Änderung folgt nicht. Vermutlich hat er seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht, von dem hier immer alle sprechen. Aber mittlerweile kann ihn und seine Worte nicht mehr ernst nehmen. :rolleyes:


    Dafür bin ich nicht mehr verärgert. :) Ich blende ihn an Tagen, wo er angetrunken ist, aus und nutze diese Zeit intensiv für mich, anstatt mich aufzuregen oder mir Gedanken zu machen was er tut, wo er ist usw. Ständig auf ihn einzureden bringt auch nichts. Schon gar nicht, wenn er angetrunken ist. Das habe ich in diesem Forum gelernt.


    Ob er sich am Ende eher für den Alkohol als für mich entscheidet, oder ich mich am Ende eher für meinen Seelenfrieden als für ihn entscheide, wird sich zeigen. Für den Moment geht es mir ganz gut mit den grenzen, die ich gesetzt habe. Aber mir ist klar, ein Dauerzustand kann das nicht bleiben, denn eine gemeinsame Zukunft stelle ich mir so nicht vor.

    Hallo Harley,


    genau so ging es mir, als ich deine Beiträge gelesen habe. :huh: Viele hier sind schon lange verheiratet und haben Kinder. Wie schwierig es da ist, mag ich mir gar nicht ausmalen. :( Aber bei deinen Beiträgen dachte ich mir "Oh, das ist ja genau wie bei mir".


    Wie geht es dir denn inzwischen? Hat sich eure Situation etwas gebessert oder ist es immer noch ein Auf und Ab?


    So läuft es nämlich bei uns. Mal gut, mal schlecht. An den Tagen, wo er trinkt, versuche ich dann ihn und sein Verhalten von mir "fernzuhalten" und die Zeit für mich zu nutzen. Ich weiß, er will mir nichts Böses, er ist wie er ist. Aber der Punkt ist: Nur er kann sich selbst helfen. Doch solange er weiter so vor sich hinlebt, bin ich nicht verpflichtet mich dem aussetzen, mich aufzuregen usw. Ich mache stattdessen mein Ding. Ist vielleicht auch ganz gut für den Fall, dass er irgendwann gar nicht mehr da ist. Dann habe ich wenigstens noch mein geregeltes Leben, auch wenn es mir schwer fallen wird ganz ohne ihn zu sein. :( Derzeit habe ich ihn wenigstens 3-4 Mal in der Woche bei mir (so blöd wie das klingt :roll:). ... Leider hoffe ich tief in mir, dass er irgendwann doch etwas ändert.

    Hallo Cadda,


    danke für deine Antwort. Sehr ernüchternd (wie ironisch). :( Wie du es schon weise vorausgesagt hast, wir sehen uns nicht mehr jeden Tag. Ob er sich an den "guten" Tagen trotzdem heimlich ein Bier kippt, kann ich nicht sagen, aber (und ich kann nur über mein Empfinden sprechen) da kommt er wenigstens nüchtern rüber. Im Allgemeinen habe ich ja nichts dagegen, wenn Menschen MAL 1-2 Bier trinken, wenn sie danach nicht angetrunken sind. Aber bei meinem XY hört es ja meist nicht nach 1-2 Bier auf (da wie du schon sagtest - eine Abhängigkeit besteht) und das ist ja das Problem.


    Das Komische ist, mit meinen neu gesetzten Grenzen geht es mir nicht schlechter und ich bin nicht mal traurig. :huh: Ich bin eher erleichtert, dass ich mich an den Tagen, wo er angetrunken ist, abends nicht ärgern und schimpfen muss. Ich habe an diesen Tagen meine Ruhe und nutze die Zeit intensiv für mich. So böse wie es klingen mag. Da ich meine eigene Wohnung habe, ist es durch die räumliche Trennung einfacher dem nicht ausgesetzt zu sein, als wenn man zusammenleben würde.


    Ob ich meine wertvolle Zeit und Energie verschwende? Ich würde sagen jaein oder ich erkenne es noch nicht. :oops: Als ich dem noch täglich ausgesetzt war, war ich irgendwann nur noch wütend/traurig und habe mich nur noch auf dieses Problem konzentriert und wie ich es lösen kann. Aus den Beiträgen in diesem Forum habe ich verstanden, dass ich da gar nichts tun kann. Mittlerweile stelle ich (so egoistisch es klingen mag) meine Bedürfnisse in den Vordergrund, denn er zieht in gewisser Weise auch den Alkohol mir vor. Der Punkt ist aber: Im Moment möchte ich keinen anderen Partner an meiner Seite. Ich liebe meinen XY und möchte nicht ganz ohne ihn sein. Dann wäre ich glaube sehr niedergeschlagen und damit wäre mir auch nicht geholfen. Und so habe ich wenigstens einige schöne Tage in der Woche MIT ihm und die anderen Tage sind zwar OHNE ihn, aber dafür sind sie jetzt auch schön. Jahrelang kann das nicht so gehen. Ich möchte irgendwann mit meinem Partner (wer auch immer es sein wird) zusammenleben, das wird mit ihm, so wie er jetzt ist, nicht gehen. Vielleicht findet er irgendwann einen Weg da raus oder wir gehen getrennte Wege.

  • Hallo Becki,


    mir geht es leider genauso und deshalb kann ich Dich gut verstehen. Wir haben uns jetzt zwar räumlich getrennt, leiden aber nunmehr beide, das behauptet er jedenfalls. Ich habe die Situation, wo er sich tage- und nächtelang weggebeamt hat, nicht mehr ertragen können. Er war nicht mehr der Mensch, den ich kannte. Hinzu kamen diese verbalen Attacken und Einprügeln auf mich.


    Ich habe hier auch sehr, sehr viel gelesen und für mich erkannt und akzeptiert, dass ich ihm nicht helfen kann. Egal wie viel ich investiert habe, mit ihm in nüchternem Zustand gesprochen habe, es hat einfach nichts gebracht. Außer in manchen lichten Momenten, wo er plötzlich reflektiert und ehrlich auf die Situation blicken konnte, aber den letzten Schritt einfach nicht gehen will. Wenn ich auf ihn oder die Situation blicke, sehe ich einen Menschen, der im Wasser fast ertrinkt und mit den Armen versucht, sich an der Wasseroberfläche festzuklammern.


    Ich hoffe wie Du, dass er sich besinnt, dass er erkennt, dass er sein Leben wegwirft, dass er schöne Momente gar nicht genießen kann, dass er seinen Kummer und seine Probleme nur in Alk ertränkt und letztlich vor sich selbst wegläuft. So wie er es eigentlich die letzten Jahre gemacht hat. Ob die Erkenntnis kommt, wo er jetzt alleine in seiner Bude hockt? Seine letzten beiden LZT geschahen ja nicht aus seinem Willen heraus, sondern weil der Arbeitgeber ihm die Pistole auf die Brust gesetzt hat. Die erste LZT vor fast zwei Jahrzehnten hatte er von sich aus angetreten. Ich hoffe sehr, dass er diesen Weg noch einmal einschlägt.


    Ich glaube, dass der Tiefpunkt unserer Partner scheinbar noch nicht eingetreten ist. Manchmal frage ich mich, was eigentlich noch alles passieren muss, dass man als Alkoholkranker erkennt, dass man vor dem Alk katapulltiert.


    Das, was ich Positives für mich erkannt habe, ist die Tatsache, dass ich ihm nicht helfen kann und es für mich so akzeptiert habe. Aber ein Leben ohne ihn, das kann ich mir derzeit einfach noch nicht vorstellen...

    LG Kiwi76

  • Hallo Becky und auch Kiwi,


    letztendlich ist es gut, wenn es einem durch den gewonnenen Abstand schon mal besser geht. Was ich aber auf keinen Fall machen würde ist, auf den berühmten persönlichen Tiefpunkt zu warten. Es stimmt, dass trockene Alkoholiker ihn erleben und dann aufgehört haben. Was aber Fakt ist: Es gibt endlos viele Menschen, die ihren Tiefpunkt nie erreichen. Oder sie haben ihn erreicht und schaffen es trotzdem nicht aufzuhören oder wollen das auch gar nicht.


    Es gibt so endlos viele Alkoholiker, die für den Rest ihres Lebens saufen. Deshalb würde ich keinesfalls darauf warten, denn dann ist wieder der Satz greifbar, dass man Zeit verschwendet.


    Als neutraler Beobachter könnte man auch darauf warten, dass IHR Euren persönlichen Tiefpunkt in der jeweiligen Beziehung mit dem Alkoholiker erreicht. Das schaffen auch manche Menschen, wenn es soweit ist. Andere bleiben jedoch ein Leben lang beim Alkoholiker.


    Nicht nur Alkoholiker... es gibt ja auch genügend toxische Beziehungen, wo die Co-Abhängigen es ihr Leben lang „aushalten“. Oder sie erreichen wiederum ihren persönlichen Tiefpunkt und beenden die Beziehung. Es liegt immer in der eigenen Hand. Auf beiden Seiten.


    Liebe Grüße


    Cadda

  • Hallo Cadda,


    ja, mein Tiefpunkt scheint noch nicht ganz erreicht. Räumliche Trennung habe ich hinbekommen. Die komplette Trennung ist der schwierigere Weg und ja, Deine Zeilen berühren mich sehr, denn der Satz, wonach man Zeit verschwendet, der ist der Kern des Leidens. Auf was warten, für was leiden, für was Zeit verschwenden, Kummer und Leid ertragen, wenn sich der andere nicht bewegt?


    Ich hoffe für mich, dass ich mit Abstand von den gemeinsamen Träumen und Wünsche Abschied nehmen und einfach loslassen kann. Derzeit haben wir noch zu viel Kontakt. Das bekomme ich noch nicht hin, nicht ans Telefon zu gehen. Manche Handynachrichten kann ich jedoch schon ignorieren.


    Schritt für Schritt in ein neues Leben, das von Respekt, Vertrauen und Zuversicht geprägt ist, das wünsche ich allen, die in so einer Situation stecken und man aus dieser Abwärtsspirale aussteigen kann. Endgültig. Für sich.


    LG

    Kiwi

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