Mir wird immer mehr klar. Wenn ich Gefühle und Bedürfnisse zur Erfüllung ins Außen gebe, kann mir das immer wieder genommen werden. Also entwickelt man Verlustangst, die Angst den Menschen, der einem dieses "ach so tolle und wichtige Gefühl" gibt, zu verlieren. Weil man sich an ihn haftet, weil nur "ER" dieses Gefühl in einem aktiviert.
Durch die Prägung aus meiner familiären Geschichte zur Co-Abhängigkeit bin ich mit meinen Antennen sowieso viel mehr im Außen als bei mir. Natürlich finde ich dann den anderen wichtiger als mich und beziehe meinen Wert über ihn.
Puh, ich habe das Gefühl meine bisherige Identität bricht in Teilen in sich zusammen und ich "muss" mich völlig neu von innen heraus aufbauen. Mit mehr Focus auf mich, meinen Werte, meinen Grenzen und meinen Bedürfnissen. Es ist, als ob ich die rote Pille von Matrix genommen habe. Es geht kein Weg mehr zurück, es geht nur noch vorwärts, den steinigen und unbequemen Weg. Es gibt keine Abkürzung.
Das Interessante ist, dass ich keine Wut verspüre. Ich müsste doch wütend sein, wenn er vor meiner Tür steht und über meine Grenzen trampelt und mich in die Beziehung zurückziehen will, damit es ihm wieder besser geht und er sich seinem Schmerz nicht stellen muss. Das ist hochgradig infantil, manipulativ und egozentriert.
Nein, Wut kann ich nicht spüren, eher habe ich noch Mitleid mit ihm, weil er wegen der Trennung leidet. Ich übernehme damit wieder Verantwortung für ihn und seine Gefühle. Aber das alles liegt in seiner Verantwortung, er ist erwachsen. Er war auch Teil der Beziehung, hat Entscheidungen getroffen, alles genauso mitgestaltet und ist auch für das Ergebnis mitverantwortlich.
Äh, hallo ?????