Engel11 - Nun auch hier

  • Mir wird immer mehr klar. Wenn ich Gefühle und Bedürfnisse zur Erfüllung ins Außen gebe, kann mir das immer wieder genommen werden. Also entwickelt man Verlustangst, die Angst den Menschen, der einem dieses "ach so tolle und wichtige Gefühl" gibt, zu verlieren. Weil man sich an ihn haftet, weil nur "ER" dieses Gefühl in einem aktiviert.

    Durch die Prägung aus meiner familiären Geschichte zur Co-Abhängigkeit bin ich mit meinen Antennen sowieso viel mehr im Außen als bei mir. Natürlich finde ich dann den anderen wichtiger als mich und beziehe meinen Wert über ihn.

    Puh, ich habe das Gefühl meine bisherige Identität bricht in Teilen in sich zusammen und ich "muss" mich völlig neu von innen heraus aufbauen. Mit mehr Focus auf mich, meinen Werte, meinen Grenzen und meinen Bedürfnissen. Es ist, als ob ich die rote Pille von Matrix genommen habe. Es geht kein Weg mehr zurück, es geht nur noch vorwärts, den steinigen und unbequemen Weg. Es gibt keine Abkürzung.

    Das Interessante ist, dass ich keine Wut verspüre. Ich müsste doch wütend sein, wenn er vor meiner Tür steht und über meine Grenzen trampelt und mich in die Beziehung zurückziehen will, damit es ihm wieder besser geht und er sich seinem Schmerz nicht stellen muss. Das ist hochgradig infantil, manipulativ und egozentriert.

    Nein, Wut kann ich nicht spüren, eher habe ich noch Mitleid mit ihm, weil er wegen der Trennung leidet. Ich übernehme damit wieder Verantwortung für ihn und seine Gefühle. Aber das alles liegt in seiner Verantwortung, er ist erwachsen. Er war auch Teil der Beziehung, hat Entscheidungen getroffen, alles genauso mitgestaltet und ist auch für das Ergebnis mitverantwortlich.

    Äh, hallo ?????

  • Hallo Engel,

    da tut sich viel bei dir aktuell - auch wenn das unangenehm ist, freu ich mich für dich, dass du dich auf deinen Weg gemacht hast. <3

    Keine Wut bei Grenzüberschreitungen zu empfinden kenne ich. Ich war nicht wütend auf meinen Vater, wenn er betrunken angerufen hat und ich der seelische Mülleimer war. Ich war weder in der Lage aufzulegen, noch dazu einfach nicht ans Telefon zu gehen, noch hat es mich wütend gemacht. Auch heute rückblickend spüre ich die Wut nicht. Und ein Teil von mir denkt: "Noch nicht. Vielleicht kommt das ja noch. Ich glaube das wäre gut."

  • Keine Wut bei Grenzüberschreitungen zu empfinden kenne ich. Ich war nicht wütend auf meinen Vater, wenn er betrunken angerufen hat und ich der seelische Mülleimer war. Ich war weder in der Lage aufzulegen, noch dazu einfach nicht ans Telefon zu gehen, noch hat es mich wütend gemacht. Auch heute rückblickend spüre ich die Wut nicht. Und ein Teil von mir denkt: "Noch nicht. Vielleicht kommt das ja noch. Ich glaube das wäre gut."

    Ich vermute, dass mir mein Erleben in meiner Kindheit einfach weggesprochen worden ist und damit ich die Bindung zu meinen Eltern nicht verliere, habe ich Wut wohl einfach weggedrückt. Ich war ja auf diese Bindung angewiesen. Auch war ja meine Kindheit mein "Normal". Wenn mein Vater betrunken war, wäre Wut bestimmt auch für mich gefährlich und nutzlos gewesen. Mit einem Betrunkenen kann man nicht vernünftig reden, man kann ihm nur aus dem Weg gehen und unsichtbar werden.

    Ich vermute auch, dass ich mich immer wieder von meinem Ex-Partner einlullen lassen habe (also eher den Worten als den Taten Glauben und Vertrauen geschenkt habe) da mein Vater jedes Mal meine Mutter (und damit ja auch uns Kinder) mit Versprechen und Manipulation zurückgeholt hat. Es ist mir wohl vertraut. Und dann ging alles weiter wie immer, bis zur nächsten Eskalation. Mir wurde auch eine on/off Beziehung von meinen Eltern vorgelebt mit viel Drama und Schmerz.

    Es ist erschreckend, was ich für verschüttete Parallelen zu meiner kindlichen Prägung in meiner letzten Beziehung feststelle und das Krasse ist, ich kann es vom Verstand her erkennen und reflektieren und trotzdem gibt es einen bedürftigen Anteil in mir, der meinen Ex sehr vermisst und das Ganze noch nicht wirklich wahrhaben will.

    Ich sehne den Tag herbei, an dem ich merke, dieser Sog und die emotionale Bindung sind weg und er ist gefühlt einfach nur ein Mann unter vielen für mich.

  • Guten Morgen liebes Forum,

    ich schreibe etwas an meinem Faden weiter. Es ist ja wie eine Art Tagebuch und es tut gut, sich immer mal wieder alles durchzulesen. Jetzt sind es 9 Wochen.

    Letzte Woche Mittwoch hatte ich dann einen 2. Brief von ihm in meinem Briefkasten. Er hat mich nicht persönlich abgefangen, sondern ihn einfach eingeworfen. 6 Seiten lang. Immer noch: wir gehören zusammen, würden uns gut tun, er könne nicht verstehen, warum ich der Meinung bin, dass ich mich in der Beziehung verloren hätte, das wäre gar nicht sein Gefühl gewesen. Im Gegenteil, dass was ich jetzt machen würde, würde mir nicht gut tun, ich wäre von einem "bösen" Geist besessen, der mich von ihm weghält und uns beide damit quälen würde. Er wäre bereit für eine Paartherapie und wir könnten doch alle Probleme lösen, wenn wir wollen. Andere Paare hätte echte Probleme etc.

    Und wieder überhaupt keinen Bezug auf das Thema Alkohol, was ja bei jeder meiner 7 !!!!! Trennungen MEIN Trennungsgrund war. Er sieht anscheinend keinen Anteil bei sich.

    Der Brief hat mich relativ kalt gelassen, aber diese Trennung beschäftigt mich weiterhin emotional.

    Samstag war ich bei einer Familienaufstellung als Stellvertreterin dabei. Es gab bei dieser Hitze 6 Aufstellungen. Gleich bei der ersten Aufstellung wurde ich in meiner Rolle als "Vater" mit meinem eigenen Gefühl der "nicht Zugehörigkeit" überraschend konfrontiert. Das war so krass und hat mich extrem berührt und beschäftigt. Dieses Gefühl mich nirgends richtig dazugehörig zu fühlen ist neben der Gefühle "mangelnder Selbstwert und Selbstmitgefühl" mein Thema. Ich suche mir wohl gerne Felder in denen mir diese Gefühle bestätigt werden und arbeite mich dann schön daran ab. War ja in der Familie meines Ex-Partner mit seinen erwachsenen Kindern und seinem kompletten "nassen" Umfeld oft mein Spiegel. Ich dachte, ich müsste mich nur mehr anstrengen, mehr Verständnis haben und noch mehr an meinen Kindheitswunden arbeiten, damit ich das alles aushalte und sogar an meinen Wunden heilen könnte. Ich habe mich nur in diesen kranken Dynamiken immer mehr verloren und extrem angepasst bzw. Gefühle runtergeschluckt, damit es irgendwie passt. Ich habe für vieles Verantwortung übernommen, die gar nicht in meinem Bereich lag. Es gibt mit Sicherheit Parallelen zu meiner Kindheit.

    Der Samstag dort war auf jeden Fall sehr anstrengend mit vielen Fremdenergien. Vielleicht war so eine Aktivität in meiner jetzigen Phase auch einfach zu früh, im Nachhinein betrachtet.

    Samstag Abend war ich früh im Bett und bin dann später wach geworden, als Deutschland noch gespielt hat. Ich lag allein im Bett, im zu warmen Zimmer und habe ich mich plötzlich so einsam, verlassen und traurig gefühlt. Ich habe mich in Geschichten verloren, dass mein Ex Partner jetzt bestimmt in seiner Stammkneipe feucht fröhlich das Spiel mit seinen Freunden und Bekannten verfolgt, so viel Spaß und Unbeschwertheit in seinem Leben hat und sicher schon eine neue Frau kennengelernt hat. In der Stille der Nacht habe ich mich mit diesen Gedanken sehr gequält und habe sehr unruhig geschlafen.

    Sonntag ging es mir gar nicht gut, Ich hatte eine krasse innere Unruhe und einen sehr starken Drang/Impuls mit meinem Ex Partner Kontakt aufzunehmen. Ich war beim Sport, bin danach 2 Stunden im Wald spazieren gewesen, habe mit einem Bekannten telefoniert, der mich beruhigt hat, dass ich das alles schaffen würde. Ich habe am Samstag und Sonntag auch wieder sehr viel geweint und irgendwie um vieles getrauert.

    War dann nach dem Waldspaziergang wieder zu Hause und habe mich kurz hinlegen können. Ich habe danach wieder so einen Sog verspürt Kontakt aufnehmen zu wollen (der Sonntag gestern war einfach zu ruhig und mir zu heiß) und habe ChatGPT über die Gefahren von on/off Dynamiken ausgefragt und dann ist erstmalig etwas passiert, war ich so noch nie hatte, eine neue Erfahrung: Mein Nervensystem hat gelernt, dass ich nur Beruhigung bekomme, wenn ich innere Unruhe/Bindungsentzug durch Kontakt mit meinem Beziehungspartner stille, so war es ja vorher immer. Ich habe mich also im Außen regulieren lassen. Zudem ist es gefährlich, wenn man in Trennungen nicht über die Trauerphase drüber kommt, sondern im Schmerz den Kontakt sucht, um dem Schmerz der Traurigkeit aus dem Weg zu gehen. Wenn man dann zurück in die Beziehung gezogen wird, bleibt der Schmerz der Trennung offen bzw. lernt mein System nicht, dass dieser Schmerz vorübergehen kann/wird. Ich breche somit das innere Programm immer wieder ab. Dann folgt natürlich diese Hochphase der Verschmelzung, der Honey Moon, bis irgendwann die bisherige Dynamik wieder durchbricht, weil sich ja im Kern nichts geändert hat und die nächste Trennung folgen wird. Es ist immer der gleiche Kreislauf, der sich immer wieder neu recycelt. Das Nervensystem wird damit regelrecht gaga und auf Drama und Schmerz programmiert.

    Ich habe mir dann ein Icepack genommen, mir in den Nacken gehalten, bin in ruhigen Schritten durch meine Wohnung gelaufen (ich konnte in dieser Phase nicht still auf dem Sofa sitzen bleiben) und habe das Gefühl/den Impuls ihn anzurufen ausgehalten und ihn einfach nur in mir gespürt. Ich habe mich somit das erste Mal selbst reguliert und meinem Nervensystem den neuen Impuls gegeben, "wir" können das auch alleine ohne es im Außen zu suchen. Ich konnte damit diese Welle gut nehmen. Abends bin ich dann nochmal eine kurze Runde durch den Wald gelaufen, sowas mache ich aktuell fast täglich und es tut mir jedes Mal gut.

    Ich hoffe einfach, dass durch neu gemachte Erfahrungen, dieser innere Schmerz der Trennung weniger wird, dass diese Sogwellen weniger stark werden und ich Stück für Stück mein Nervensystem umprogrammieren werde und somit die Sicherheit in mir aufbauen kann, mir selbst eigene Sicherheit zu geben. Dann wäre ich auch zukünftig weniger abhängig vom Außen oder einem nächsten Partner.

    Es ist aber ein Prozess, der sicher nicht in Tagen stattfinden wird. Gerade habe ich wieder so einen inneren Schmerz verspürt, dieses Ziehen in mir. Das was sich in 4 Jahren aufgebaut hat, ist halt nicht in 2 Monaten komplett verarbeitet. Auf jeden Fall, war diese Erfahrung gestern sehr wertvoll und hat mir Zuversicht und eine neue Sichtweise gegeben.

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