• Saufen, war es auch lustig. Ich glaube ohne das hätte ich das Gefühl, ich hätte was verpasst. Wenn ich heute jung wäre und selbst mit dem Wissen

    Beim ersten Punkt geb ich dir recht.Allerdings mit meinen heutigen Erfahrungen, würde ich das nicht mehr machen. Die negativen Aspekte sind einfach zu gravierend! Ja vielleicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.Vor harten Drogen hatte ich immer allergrößten Respekt! Zum Glück! Wegen dem Risiko, nicht zu wissen, wie mein Körper reagiert und wegen der Kriminalisierung. Alkohol ist eine legale Droge, von der Gesellschaft akzeptiert. Das ist der entscheidende Punkt für mich.Es war und ist eine immer verfügbare Droge, deren negative Aspekte oft verharmlost werden. Verbote haben keinen Sinn,siehe Prohibition in Amerika. Mehr Aufklärung und Begrenzung der Verfügbarkeit,Reklame,(was hat Alkohol in der Tankstelle zu suchen ?) wäre schon mal ein erster guter kleiner Schritt. Das steht aber schonwieder der Alkohollobby und dem Profit im Wege. Gruß Bono

  • Verbote haben keinen Sinn,

    Sehe ich auch so. Ich wusste schon sehr früh wie man an alle Arten von Drogeb kommt. Probieren wollte ich viele nicht, weil ich zu viel Respekt vor der Wirkung hatte.
    Verbote haben mich nicht gehindert, aber wahrscheinlich hätte es was mit mir gemacht, wenn mir das Zeug regelmäßig pro aktiv angeboten worden wäre und ALLE Menschen um mich rum konsumiert hätten.

    Ich finde gut, dass es unter den heutigen Jugendlichen weniger ‚cool‘ ist, sich völlig zu besaufen und man nicht mehr als langweiler gilt wenn man es ganz lässt. Bei uns früher war das absolut anders.
    So lange man sich auf dem Oktoberfest einpinkeln und Frauen begrabschen kann, ohne sein Gesicht zu verlieren - aber wehe man wird mit Koks erwischt - stimmt was nicht.

    Es gab mal ein Ranking von allen möglichen Drogen, das wirklich mal versucht hat nach neutralen Kriterien die Gefährlichkeit einzuschätzen. Alkohol war da an erster Stelle noch vor Fentanyl, Heroin und Koks.

  • Bono,

    Rein theoretisch gebe ich Dir recht. Praktisch hätte ich vermutlich noch gefährlicher gelebt, je mehr man mir verboten hätte.

    Ich habe mal einem befreundeten Psychoanalytiker ausserhalb einer Therapie ein paar Dinge aus meinem Leben erzählt, die hier noch nicht stehen, und der sagte, ich hatte Angstlust. Das kommt, wenn man beängstigende Situationen erfolgreich überstanden hat.
    Angstlust fängt da an, wo jemand gerne in die Geisterbahn geht und Gruselfilme guckt.
    Das halbe Kino lebt davon.
    Es ist aber auch, wenn Motorradfahrer rasant Kurven schneiden, Fallschirmspringer haben es oft, und Extremkletterer auch.
    Ich bin auch gerne mal alleine und ungesichert in der Steilwand gehangen.
    Ich musste auch bei jeder Droge selbst ausprobieren, wie sie wirkt.

    Mich zog das Risiko und das Verbotene richtiggehend an.
    Ja, es war knapp, aber knapp vorbei ist auch daneben.

    Auf der anderen Seite hat das den Vorteil, dass mich auch wenig schockt. Z.B. meine Behinderung. Mich fragen da oft Leute, wie ich das mache, da trotzdem einfach weiterzumachen. Ich bin da widerstandsfähig.
    Und auch sonst, mein Leben heute ist nicht schlechter als das der meisten meiner Altersgenossen. Ich bin, weil ich was machen muss, vermutlich fitter als die meisten Sofasitzer meines Alters. Und das auch trotz meiner Vergangenheit.

    Am Ende kommts drauf an, ob man zufrieden ist, mit seinem Leben.
    Und ich bin auch jemand der sehr viel liest.
    Zum Beispiel, was Leute am Ende ihres Lebens am meisten bereuen.
    AnnaBlume , Du hattest mich mal gefragt, ob ich mich als durchschnilttlich akzeptieren kann. An diesem Punkt kann ich das jedenfalls sehr gut. Ich gehe davon aus, was die meisten bereuen, würde ich auch bereuen. So, wie ich auch akzeptiert habe, als Alkoholiker sollte man besser aufhören, wenns reicht, ohne viel Rumgezicke.

    Da kann ich sagen, was die Leute am meisten verpasst haben und dann im nächsten Leben gerne anders machen würden, habe ich gemacht.
    Und da bin ich wieder bei der Bilanz. Die ist eben insgesamt positiv.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich finde gut, dass es unter den heutigen Jugendlichen weniger ‚cool‘ ist, sich völlig zu besaufen und man nicht mehr als langweiler gilt wenn man es ganz lässt. Bei uns früher war das absolut anders.

    So isses! Sehr schön, das die heutige Generation anders damit umgeht!,jedenfalls ein nicht unerheblicher Teil! Ich glaube,es ist äußerst uncool geworden besoffen zu sein. In unserer Generation war das ja eher ein Außenseiterkriterium! Es tut sich was in der Richtung. Schön.:)

  • Hi LK und Ihr,

    ich persönlich finde diese Diskussion gerade etwas bizarr, weil es für mich aktuell völlig egal ist, was ich zu Alkohol oder anderen Drogen mal gedacht habe und vielleicht heute noch denke oder eben nicht. Und letztendlich ist es auch egal, ob ich weiterhin denke des erwachsenen Menschen das Recht haben zu konsumieren, was sie wollen. Denn das heißt erwachsen sein. Ich habe konsumiert, was ich wollte. Habe, was Alkohol angeht, mich in eine Sucht konsumiert (aka gesoffen). Und ich wusste von meinem 18 Geburtstag bis heute das das passieren wird, wenn ich ernsthaft saufe. Denn es gibt bekanntermaßen kein halb süchtig oder süchtig light. Und die Antwort auf die Frage, ob ich noch einmal ernsthaft anfangen würde zu saufen oder überhaupt Alkohol zu trinken lautet im Hier und Jetzt Nein. Würde ich es tun, wäre ich wieder drauf.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Kazik,

    Im Hier und jetzt ist es sicher so, sonst wäre ich nicht trocken.

    Am Anfang, und damit meine ich wirklich mit 12, war mir aber vom Elternhaus grundsätzlich verboten, Gefühle zu zeigen. So wie Du Deine Wut nicht leben durftest, durfte ich das auch nicht. Verliebtsein wurde ausgelacht, so was hat man nicht, undsoweiter. Und ich hatte das internalisiert, mir selbst auch keine Gefühle erlaubt. Da zählten Vernunft und gute Noten, alles andere war unerwünscht. Aus heutiger Sicht, alles was lebendig ist, durfte nicht sein.
    Bis zu dem Punkt war Saufen auf jeden Fall ein Mittel, um die Gefühle überhaupt zu merken und anzufangen, sie auszuleben. Selbst wenn ich mich dann selbst oft gefragt habe, was eigentlich los war, dabei habe ich gelernt, dass ein Mensch keine Maschine ist.

    Dass es irgendwann mal problematisch wurde, steht auf einem ganz anderen Blatt.

    Ob das heute so viel besser ist, da enthalte ich mich. Ich lese regelmässig, dass die Jungen immer mehr psychische Probleme haben.
    Kann ich aber nicht beurteilen.

    LG LK

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    Aber das Gras wächst.
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  • Hi Kazik,

    ich war ja auch schon lange trocken; als ich in dem Alter war, in dem Du wirklich angefangen hast. Ich habe mit 40 aufgehört, Du hast mit 48 erst richtig angefangen, meine ich gelesen zu haben Logisch, dass da die Ausgangssituation eine ganz andere war.

    Und ich wurde,lange nüchtern, auch noch gefragt, ob ich mich noch an die eine oder andere lustige Situation erinnern kann. Ich hatte ganz am Anfang geschriebem ich war witzig, ich war spritzig, ich stand im Mittelpunkt. Das habe nicht nur ich so gesehen. Ich habe keine Depressionen damit behandelt. Später mal, als es problematisch wurde, habe ich auch Probleme wegzusaufen versucht, aber damit fing es nicht an.
    Und auch mit meiner Frau scherze ist teilweise drüber, was wir früher für Blödsinn gemacht haben.
    Wir sind ja sogar unter Alkoholeinfluss zusammengekommen. Es gibt da einige Geschichten, wo wir Tränen gelacht haben. Aber es blieb halt nicht so.

    LG Lk

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    Aber das Gras wächst.
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  • Hi LK,

    ich habe mich ähnlich wie Du mit ca. 14 von meinen Eltern abgewendet, weil sie keine Macht mehr über mich haben sollten. Und es war nicht nur wegen der Gewalt. Da „passte“ so ziemlich alles nicht und mir war klar, das wird sich auch nicht ändern. Und vor allen Dingen wollte ich sie, nachdem, was bis dahin passiert war, nicht mehr ändern. Den die Änderung von etwas Schlechtem bleibt immer noch weitestgehend schlecht. Also beschloss ich, halbfertig wie ich war, nicht nur das zu tun, was ich will, sondern im Kern auch nur die Verantwortung für mich selbst zu übernehmen. Ich wollte nicht die Verantwortung für einen anderen Menschen übernehmen oder bekommen, weil ich andere Menschen nicht der Gefahr aussetzen wollte, dass ich das Gleiche mache, wie meine Eltern. Und ich wusste, dass diese Gefahr bestand, den meine Eltern hatten 14 Jahre Zeit auf mich einzuwirken.

    Nun ich habe dann in meinem Leben trotzdem oft Verantwortung auch über Menschen übernommen, aber ich habe immer so gut ich konnte vermittelt, dass alle Ihre Selbstverantwortung haben und auch behalten. Und dass ich mich nicht hinter Ihnen verstecke und sie sich aber auch nicht hinter mir verstecken sollen. Was aber nicht heißt, dass ich diese Menschen nicht geschützt habe.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Z.B. meine Behinderung. Mich fragen da oft Leute, wie ich das mache, da trotzdem einfach weiterzumachen. Ich bin da widerstandsfähig.

    Das ist so, denke ich.Einfach weitermachen nach einem harten Schicksalsschlag,ist für die meisten Menschen nicht so einfach! Im Selbstmitleid zerfliiesen, hat aber auch keinen Sinn. Das ist denn eine gute,positive Lebenseinstellung von dir.Einfach Sachen akzeptieren, die man nicht ändern kann! Gruß Bono

  • Hi LK,

    ich habe geschrieben, das ich mit Ende 48 angefangen habe ernsthaft zu saufen, das heißt ich habe mit einer bestimmten Menge Alkohol angefangen und diese in meinem Rhythmus an den jeweiligen Wochentagen "planmäßig" gesoffen. Die Menge und der Rhythmus haben sich in den neun Jahren nicht verändert.

    Von meinem 14 Lebensjahr hatte ich ein riskantes Trinkverhalten, was Menge und Häufigkeit angeht. Ich hatte dabei nach der Jugend nur zwei Grenzen. Ich habe während des Trinkens aufgehört, wenn ich merkte, dass ich die Kontrolle über mich verlor. Weil ich keinen Bock darauf hatte, besoffen irgendeinen Scheiß zu machen, den ich nicht gewollt habe. Und ich habe, was die Häufigkeit angeht, aufgehört, wenn ich das Gefühl bekam, ich nähere mich der Grenze, wo ich, das nicht mehr unter Kontrolle habe. Dann habe ich wochenlang, monatelang und mindestens einmal über Jahr nichts getrunken. Und mir hat nichts gefehlt.

    Worauf ich eigentlich hinauswollte ist, dass meine Geschichte und mein Trinkverhalten im Hier und Jetzt überhaupt keine Relevanz mehr hat. Ich kann da was meinen Konsum angeht, nichts mehr ändern und auch nichts für die (alkoholfreie) Zukunft von lernen.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Kazik,

    Ich war als Kind/Jugendlicher, bevor ich getrunken habe, extrem kontrolliert. Mir wurde immer gesagt, dass ich ja so intelligent bin, also konnte man vernünftiges Handeln von mir erwarten. Alles Andere wurde mir als Böswilligkeit ausgelegt, Und ich habe versucht, mich dem anzupassen, weil ich ja irgendwie doch geliebt werden wollte. Ich habe irgendwann auch mal gesehen, dass mein Vater ein grundsätzliches Problem mit Kindern hatte, wenn sie einfach Kinder waren, spielten und "ungezogen" waren. Er hat dadurch Freunde verloren, weil er zu deren Kindern genauso war, Fre..e halten, er will seine Ruhe. Als ich durch Saufen die Kontrolle verlieren konnte, fühlte ich mich erst mal befreit. Und bei mir ging es aus mir selbst raus nicht so weit, dass ich jemand Anderem so weh getan hätte, dass es Konsequenzen für mich hatte. Es hat niemand ernstlich versucht, mich zu bremsen.

    Ich bin ja dann in Opposition zu meinen Eltern gegangen und wollte alles ganz anders machen. Dann kam ich irgendwann darauf, so lange mein Handeln dadurch bestimmt ist, dass ich dass Gegenteil mache, und meine Laune immer noch davon beeinträchtigt ist, wie es zu Hause lief, haben sie immer noch Macht über mein Leben.
    Das war zwar nicht der Einzige, aber ein wichtiger Grund für mich, warum ich damit meinen Frieden machen wollte. Erst danach war ich innerlich frei von meinem Elterhaus.

    Manchmal muss ich bei Deinen Depressionen und deiner häufigen Erwähnung, dass sie keine Macht mehr über Dich hatten, dran denken, ob das wirklich so ist wie Du das sicher so siehst. Ich möchte Dir damit aber nicht zu nahe treten und ausserdem kann ich mich sowieso irren. Es ist mir aber ein Bedürfnis, zu äussern, dass mir das auffällt. Vielleicht wird Dich das jetzt nüchtern auch noch beschäftigen.

    Du hattest mal geschrieben, dass Dein Vater und Du einen finalen Kampf um Deine Mutter geführt hatten. Bei uns war das insofern anders, als sich mein Vater, glaube ich zumindest, von meiner Mutter aus der Beziehung mit mir herausgedrängt gefühlt hatte. Das kommt öfter vor, grade jetzt irgendwo kann ich das beobachten. Meine Mutter versuchte auch, mir den Umgang mit ihm zu verbieten, nach der Scheidung. Sie sagte mir auch, wenn ich mal heirate, muss ich mir überlegen, wen ich einlade, wenn er kommt, kommt sie nicht. Und umgekehrt.Und ich weiss aus seinen Erzählungen, dass sie sich schon über meinen zukünftigen Werdegang und die Erziehungsmethoden gestritten hatten, da war meine Mutter erst schwanger mit mir und ich noch gar nicht auf der Welt. Sie hatten auch ziemlich unterschiedliche Vorstellungen über Erziehung. Meine Mutter wollte es mehr bedürfnisorientiert, mein Vater war eher der Meinung, gelobt sei, was hart macht. Aus seiner Sicht war es ein Fehler, Kinder zu verwöhnen. Und meine Mutter klammerte später deutlich mehr als er. Aber er konnte leichter Fehler zugeben und sich leichter selbst reflektieren und über seine eigene Blödheit lachen. Ist bei mir grundsätzlich auch so. Kurz vor seinem Tod hat er schwer mit seinem Leben gehadert, und er war völlig vereinsamt, weil er alle immer weggeschickt hatte, und das ist mein Antrieb, es anders zu machen. Ich möchte nicht so enden wie er. Trotzdem werde ich genügend Gelegenheit finden, selbst Fehler zu machen. Weil ich auch nur ein Mensch bin.

    Frühe Fotos mit mir zeigen eigentlich ein allseits gutes Verhältnis, einen liebenden Vater und eine liebende Mutter, eingebettet in die Großfamilie, in der meine Mutter gelebt hat. Und eine Flüchtlingsfamilie, mein Patenonkel Pole, und immer reichlich Schnaps auf den Tischen. Schlimm wurde es, als wir in die Heimatstadt meines Vaters zogen und sie dort ein großes Haus bauten. Da hatten sie beide so viel Arbeit, dass ich lange nur nebenher lief. Ich sollte dann vor allem geräuschlos funktionieren, weil sie überhaupt keine Zeit mehr für mich hatten. Und das Verhältnis meines Vaters zu seiner Familie war nicht besonders harmonisch. Das waren seine Brüder und seine Schwester und seine Mutter, und meine beiden bis jetzt übriggebliebenen Onkel haben auch einen ziemlich unfreundlichen Umgang miteinander.
    Meine Mutter sagte mir mal, sie versteht mich überhaupt nicht, ich habe Charaktereigenschaften, die ich weder von ihr noch von ihm haben kann. Aber ihm bin ich wie aus dem Gesicht geschnitten und sehe ihn täglich, wenn ich in den Spiegel gucke, vor mir, und sie wusste ja wohl dass ich von ihr war. Ich kann dem gar nicht aus dem Weg gehen.

    Aus späteren Erzählungen von ihm weiss ich, dass er neidisch auf mich war. Er war der Älteste und musste seinen Brüdern das Studium finanzieren. Er selbst war in der Arbeit gut genug, um Preise zu gewinnen, die Zeitungsartikel habe ich nach seinem Tod gefunden. Er bekam aber von meiner Großmutter keine Anerkennung dafür und hasste irgendwie Akademiker, ich denke gerade weil er seine Brüder finanzieren musste. Und ich war früher dummerweise immer Klassenbester und für die Lehrer war klar, ich muss mindestens Mediziner werden, was damals noch als Das Höchste galt. Und das stank ihm bis zum blanken Hass auf mich. Er hätte lieber einen Handwerker gehabt. Ja, ich habe mich durch diesen Frieden mit ihm auch von dieser Ablehnung befreit. Ich hatte ihm davor aber auch schon die Bedingungen gesagt, unter denen ich den Kontakt zu hm halte. Eine der Bedingungen war, er ist nicht besoffen, wenn er mich anruft, und er ist auch nicht besoffen, wenn ich zu Besuch komme. Er hat wirklich versucht, sich daran zu halten. Es war ihm offensichtlich wichtig, dass ich noch komme.

    Ich habe lange versucht, von so wenig wie möglich zu leben. Denn ich wollte eben nicht so ein Malocher werden wie mein Vater. Wo meine Mutter auch noch erklärt hatte, seine fast durchgehend schlechte und zornige Laune käme daher, dass er zu viel arbeitet. Ich habe es ca. 10 Jahre mit Minimalismus versucht. Arbeit nur das Nötigste. Erst als ich dann mal praktisch komplett pleite war und lange nach einem Offenbarungseid, habe ich angefangen, wirklich Ausbildungen abzuschliessen und Berufe auszuüben.

    Und ich hatte schon frühzeitig ein ernstes Problem mit dem Sinn des Lebens. Es fing damit an, wozu die ganze Plagerei, wenn man am Ende nichts mitnehmen kann. Ich hab meine Mutter schon damit zur Verzweiflung gebracht und wollte wissen, wozu sie mich eigentlich haben wollte, wenn sie dann doch nicht damit zufrieden ist. War bestimmt nicht ganz einfach mit mir. Darüber hat sie sich auch oft beklagt, wie schwierig ich war. Ich habe ihr irgendwann gesagt, sie war ja die Erziehungsberechtigte, ich war das Kind. Sie kann mir nicht vorwerfen, dass ich ein Kind war, sie wollte mich ja haben, ich konnte dabei nicht mitreden. Deswegen habe ich mich dann auch von ihr abgewandt, und damit war sie gar nicht einverstanden. Und sie drohte mir dann auch mit Selbstmord. Nach aussen habe ich nicht gemacht, was sie wollte, aber trotzdem hat mich das irgendwo belastet. Das hatte schon noch Macht. Ich wollte mir das aber auch nicht anmerken lassen, auch vor mir selbst nicht, bin ja schon groß und stark. Aber ich war in Unfrieden mit mir, das war das Problem dann.

    Diese ganzen Aktionen da, mit Frieden schliessen und Allem, hatten damit zu tun, das ich mich selbst lieben können wollte. Denn in den späteren Phasen meiner Sauferei hatte ich deutliche Ansätze, dass ich mir nicht nur nichts wert war, sondern mich am liebsten zerstört hätte. Und es ist sicher Küchenpsychologie, wurde aber von einem Therapeuten durchaus für möglich gehalten, das ich die Ablehnung, die meine Eltern für mich hatten, innerlich übernommen hatte und quasi auf dem Weg war, ihren Hass auf mich stellvertretend auszuführen. Seitdem ich diesen Frieden habe, kämpfe ich jedenfalls nicht mehr damit, dass ich anders sein will, als ich bin. Und ob das, was ich gerade geschrieben habe, wirklich notwendig war oder nur eine hilfreiche Selbsterzählung ist, ist da gar nicht so entscheidend. Es hat funktioniert, das spüre ich.

    Muss ja keiner lesen, dem es zu viel wird:)

    LG LK

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    4 Mal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (21. März 2025 um 19:19)

  • Muss ja keiner lesen, dem es zu viel wird :)

    Hab es gelesen und ich finde es ganz interessant. Wird mir immer wieder bewußt, wie wir vom Elternhaus als Kinder/Jugendliche geprägt werden. Zum Glück habe ich irgendwann meinen Frieden mit meinem Vater gemacht.Das tat und tut gut.Mit meiner Mutter konnte ich nicht in Kontakt treten.Sie ist verstorben als ich 5 Jahre war.Da hat was gefehlt in meinem Leben. Ist mir aber sehr spät bewusst geworden. Ich finde,man muss irgendwann,wenn man erwachsen ist,die Verletzungen und Erlebnisse abarbeiten, dann geht es besser. Jeder hat seinen Rucksack zu tragen.

  • Da

    Hi LK und Ihr,

    ich persönlich finde diese Diskussion gerade etwas bizarr, weil es für mich aktuell völlig egal ist, was ich zu Alkohol oder anderen Drogen mal gedacht habe und vielleicht heute noch denke oder eben nicht. Und letztendlich ist es auch egal, ob ich weiterhin denke des erwachsenen Menschen das Recht haben zu konsumieren, was sie wollen. Denn das heißt erwachsen sein. Ich habe konsumiert, was ich wollte. Habe, was Alkohol angeht, mich in eine Sucht konsumiert (aka gesoffen). Und ich wusste von meinem 18 Geburtstag bis heute das das passieren wird, wenn ich ernsthaft saufe. Denn es gibt bekanntermaßen kein halb süchtig oder süchtig light. Und die Antwort auf die Frage, ob ich noch einmal ernsthaft anfangen würde zu saufen oder überhaupt Alkohol zu trinken lautet im Hier und Jetzt Nein. Würde ich es tun, wäre ich wieder drauf.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Zu dem wollte ich noch sagen:

    der Punkt, dass es erlaubt ist, kommt bei mir meistens im Zusammenhang mit Coabhängigen, die argumentieren, dass ihr xy aufhören muss. Oder ob er aufhören muss.

    Und mit dieser Frage wurde ich zu Trinkzeiten von verschiedenen Leuten, fast immer Frauen, konfrontiert. Deswegen springe ich da an und es kommt auch öfter in meiner Argumentation, dass es eben nicht verboten ist.
    Ich brings zum Teil auch, um zu verdeutlichen, wie vergebens der Kampf der Angehörigen dagegen ist.

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  • Ich brings zum Teil auch, um zu verdeutlichen, wie vergebens der Kampf der Angehörigen dagegen ist.

    Mal von der CO Seite. Der Kampf wie du ihn nennst, ist ja oft das verzweifelte Bemühen, die Familie, oder Beziehung zusammenzuhalten. Bestärkt dann oft sogar noch von Institutionen, die das Kämpfen um den anderen noch begrüssen, oder einem Tipps geben, die nicht das eigene Empowerment stärken, sondern auch nur um die rettung des alkoholikers kreisen. selbst erlebt. Oft wird gar nicht wahrgenommen, was angehörige da eigentlich durchmachen, und das sie selbst hilfe, entlastung und distanz benoetigen.

  • Ich verstehe die Co-Seite durchaus, da ich eine Partnerin habe.

    Zu mir kamen früher aber auch Frauen, die wollten die Beziehung erst anfangen, um mich um retten. Das habe ich mindestens drei Mal erlebt.
    Das Übliche halt, wie ich hier auch lese, der Traumtyp, wenn er nur nicht saufen würde.

    Bin jetzt mal ein paar Tage offline unterwegs.
    Bis dann.

    LG LK

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  • Da kann ich nicht zustimmen Kazik. Zitat:Erwachsene haben das Recht,sämtliche Drogen zu konsumieren! Wenn sie dies beherrschen sollten und das für sich stelbst tun,wär es OK! Allerdings übersiehst du dabei die Folgen für die Gesellschaft! Beschaffungskriminalität,.u.s.w..Nicht zu vergessen den gesundheitlichen Aspekt! Unzählige Entgiftungen, erflolglose Therapien, ein Heer von Psychatern und Psychologen und, und,und! Für viele ist das selbstverständlich! Ja und da kommt der entscheidende Punkt! Das kostet Unmengen an Geld! Alle regen sich auf,das die Beiträge zur Krankenkasse immermehr steigen,keine zeitnahen Termine zu bekommen sind!Das Gesndheitssystem ist heillos überlastet( natürlich hat das auch noch andere Gründe)! Quasi herrscht die Meinung vor, das ist mein Recht. Aber wenn die Sache in die Hose geht, haben der Staat und seine Institutionen die Sache zu richten! Wer ist der Staat?? Wir alle!Ich bin ein freiheitsliebender Mensch.allerdings hört die Freiheit für mich da auf, wo Andere für die bewust eingegangenen Risiken derAnderen einstehen müssen!

  • Manchmal muss ich bei Deinen Depressionen und deiner häufigen Erwähnung, dass sie keine Macht mehr über Dich hatten, dran denken, ob das wirklich so ist wie Du das sicher so siehst.

    Hi LK,

    speziell was meine Depressionen angeht, bin ich sicher, das ich die Macht meiner Eltern, besonders die meiner Mutter gebrochen habe. Wäre dem nicht so wäre ich nicht in dieser SHG und vermutlich nicht mehr auf dieser Welt.

    Ich habe die körperliche und seelische Gewalt meiner Eltern als Kind und Jugendlicher überstanden und ich habe weiter so gut ich konnte gegen sie gekämpft.

    Und ich habe als Erwachsener meine Depressionen, die eine Folge dieser Gewalt waren, überstanden und um mein Leben gekämpft.

    Und ich kann mit einigermaßen guten Gewissen sagen, dass ich nicht wie meine Eltern andere Menschen, besonders Hilflose grundlos körperlich und seelisch angegriffen habe.

    Alles andere, was meine Eltern mir "anerziehen" wollten und was ich aus guten Gründen nicht angenommen habe und in meinem Leben so gut ich konnte anders gemacht habe, ist im Grunde zweitrangig. Hätten sie mich gebrochen, hätte ich nichts anders machen können.

    Ich konnte bis jetzt nicht mit meinen Traumata abschließen. Ich würde mir das aber für die Zukunft wünschen.Und ich habe mit meinen Eltern keinen Frieden gemacht und werde das auch nicht machen.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Bono,

    das würde jetzt ein riesiges Fass werden und ich möchte hier auch nicht gegen die Forenregeln verstoßen. Deshalb schreibe ich auch nur noch dazu. Für mich ist eine/die Gesellschaft für Alle zuständig. Diejenigen die kein Problem haben und Diejenigen die Probleme haben. Und um diese Zuständigkeit zu organisieren hat eine/die Gesellschaft sich den Staat geschaffen. Was in meinen Augen nicht geht ist das Teile der Gesellschaft oder der Staat sich für etwas nicht zuständig erklären. Denn das würde wiederum Teile der Gesellschaft ausschließen.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Was in meinen Augen nicht geht ist das Teile der Gesellschaft oder der Staat sich für etwas nicht zuständig erklären. Denn das würde wiederum Teile der Gesellschaft ausschließen.

    Den gleichen Gedanken hatte ich auch. Wenn man den zu Ende denkt ist man ganz schnell bei Dytopien wie Corpus delicti von Juli Zeh, wo man sich dem Staat gegenüber verpflichtet gesund zu leben, was auch streng überwacht wird.

    Man kann aufklären und Prävention betreiben. Werbung einschränken usw. Die Eigenverantwortung des Einzelnen ist dennoch ein hohes Gut - aber Menschen, die- egal ob selbst verschuldet oder nicht- in Not sind, sollten von einer Gesellschaft mit getragen werden. Das ist die Grundlage des sozialen Prinzips.

    Wir alle hier profitieren davon.

  • Hallo Kazik, du hast in einem Punkt recht,das könnte jetzt ein riesiges Fass werden. Das will ich auch nicht.Aber ein paar Gedanken muss ich dann doch noch loswerden. Natürlich muss allen geholfen werden. Wird ja auch!! Wir sind ein Sozialstaat! Allerdings finde ich es ungerecht, wenn Menschen,wohlgemerkt( bewußt),Risiken eingehen und alle müssen für die Folgen gerade stehen. Da man übers Geld alle erreicht, wäre beispielsweise über höhere Versicherungsprämien für bewußt eingegangene Risikosportarten oder Hobbys nachzudenken.Mich stört einfach die Einstellung! Ich habe das Recht Risiken einzugehen ohne an die Folgen zu denken und wenn das Risiko in der Katastrophe endet ,wird das von der Gesellschaft( Staat.) aufgefangen! Diese Selbstverständlichkeit ärgert mich halt! Das ist meine Meinung und das war es dann auch, von mir zu diesem Thema. Gruß Bono

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