• Hi Ihr,

    ich habe wegen der Wirkung, wegen des Rausches getrunken. Aus Gründen konnte ich außer in meiner Jugend mir nicht komplett die Lichter ausschießen. Deshalb kann ich hier auch nicht das alte Polizeipferd geben und den ein oder anderen sturzbesoffenen Schwank zum Besten geben. Aber ich habe den Rausch gemocht, gesucht und es war gefühlt mein Recht zu saufen.

    In den Jahrzehnten in denen ich einen missbräuchlichen oder riskanten habe ich den Rausch auf jeden Fall gemocht. In den zehn Jahren des abhängigen Trinkens ging mir der Rausch zunehmend auf den Zeiger. Da war es eigentlich mehr Stress und "Arbeit" um auf Pegel zu kommen um dann am nächsten Tag noch irgendwie zum Tagwerk zu kommen.

    Ich habe meist jeden zweiten, öfters auch jeden dritten Abend gesoffen. Und der zweite oder wahlweise zweite und dritte Tag waren für mich trotz Entzugserscheinungen eine "Erholung".

    Der Punkt auf den ich hinaus will. Ich beschäftige mich weder positiv noch negativ mit meiner nassen Zeit. Ich trinke nicht mehr und kann aus dieser Zeit nichts lernen, was heute meine Abstinenz schützen würde. Aus diesem Grund finde ich, wenn einige über Ihre nasse Zeit schreiben auch eher befremdlich.

    Ich verdamme Alkohol nicht und ich hebe nicht auf irgendeinen Sockel. Ich betrachte ihn neutral. Meine Mission ist es nicht andere Menschen vom saufen abzuhalten. Ich hätte mich auch nicht vom saufen abhalten lassen. Und ich befürworte auch nicht repressive Maßnahmen die erwachsene Menschen vom Alkohol- und Drogenkonsum abhalten sollen. Repression ist bei einer Sucht das völlig falsche Mittel.

    Das richtige Mittel ist in meinen Augen einzig und allein Prävention und Aufklärung.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich glaube da ändert sich aber gerade was. In meiner Jugend galt Saufen bis zum Umfallen als cool. Gerade wir feministisch angehauchten Mädchen wollten da in nix nachstehen und erzählten laut und prahlerisch von unseren Exzessen.
    Bei der Clique meiner Tochter ist das völlig anders- da wird schon auch mal Bier getrunken, aber wenn jemand auf einer Party rum fällt, wird gefragt was los ist, ob alles ok ist bei ihm.
    Das gefällt mir sehr gut. Alle wird man dadurch nicht aufhalten, aber zumindest ist so ein Umfeld weniger gefährdend als meins damals.

  • Hallo Anna, das sind genau auch meine Beobachtungen. Da hat sich schon was geändert.

    Viele Jugendliche gehen anders mit Alkohol um als in meiner Generation.Bei unseren 4 mittlerweise erwachsenen Kindern war das gut zu beobachten. Als ich Jugendlicher war, ging das mit 15 schon richtig ab (wer verträgt am meisten, Druckbetankung) 😏.

    Zum Feminismus und meiner Meinung nach auch falsch verstandenen Emanziepationsaktivismus der letzten Jahrzehnte, sag ich mal lieber nichts.Da gehen unsere Meinungen sicher auseinander.

    Es ist schön, zu sehen, das du nun aktiv an deinem Traum arbeitest. Ich wündche dir alles Gute für dein Projekt.

  • Ich bin bei Jugendlichen außen vor. Das Thema habe ich mir gespart. Ich hab erst neulich gelesen, dass es insgesamt zwar weniger wird, die Extreme aber trotzdem zunehmen.
    Rauchen fangen nach zwischenzeitlichem Rückgang anscheinend wieder mehr an.

    Ich glaube, wenn ich Kinder hätte, würde mir mehr Sorgen machen, dass bei uns die nächste Hitzewelle nächste Woche nach derzeitiger Vorhersage noch heißer werden soll als die letzte.
    Und noch so ein paar Nachrichten.

    Dazu:

    Ich trinke nicht mehr und kann aus dieser Zeit nichts lernen, was heute meine Abstinenz schützen würde. Aus diesem Grund finde ich, wenn einige über Ihre nasse Zeit schreiben auch eher befremdlich.

    das Einzige, was meine Abstinenz wirklich schützt ist, dass ich nicht trinke. Das ist so banal, wenn ich drüber nachdenke. Das muss halt einfach laufen.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich habe aus meiner nassen Zeit gelernt, das Saufen oder auch andere Suchtmittel zu konsumieren um meine Gefühlswelt zu verbessern, der blödeste Versuch war, meine Probleme erträglich zu machen. Ich bin froh, das ich das,wenn auch sehr spät.erkannt habe.Es gibt keinen halbwegs vernünftigen Grund, Suchtmittel zu nehmen.

  • Ich war auch auf der Flucht und wusste keine andere Lösung Ich hab meine Gefühlswelt schlicht verdrängt, nicht verbessert, einfach betäubt, weil mir alles viel zu viel war. Besser hat es das nie gemacht, aber für kurze Zeit tatsächlich erträglicher. Und dann konnten Kopf und Körper irgendwann nicht mehr ohne. Schlimm.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

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