Guten Abend, ich habe mich hier angemeldet, um mich zum Thema Schuldgefühle austauschen zu können. Mein Partner/ Expartner hat zuletzt exzessiv und täglich getrunken. Nun ist er in die Entgiftung gegangen und hat den Kontakt abgebrochen. Ich respektiere das natürlich, er braucht jetzt alle Kraft für sich selbst und ich wünsche ihm in aller Liebe einen guten Weg. Wir sind derzeit getrennt, ohne, dass diese Trennung ausgesprochen wurde.
Ich versuche gerade, den Scherbenhaufen in mir zu bearbeiten und merke, wie schuldig ich mich fühle. Darüber würde ich gern ein Thema eröffnen. Danke!
Flora - stellt sich vor
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hallo flora
herzlich willkommen bei uns.
woran genau glaubst du denn schuld zu sein? an seiner krankheit? sicher nicht, oder hast du ihm das zeug ins hals geschüttet.
an meiner sucht bin ich ganz allein schuld, mein handeln hat mich dahin gebracht wo ich damals war und wo ich heute bin. ich bestimme meinen lebensweg in dieser hinsicht. von unfällen mal abgesehen bestimmt das jeder für sich.
ich gehe aber davon aus das du das tief in dir drin auch weißt. ich hoffe das wir dir hier helfen können diese gedanken zu den akten zu packen
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Vielen Dank für die Antwort!
Ich weiß im Moment nicht, was ich tatsächlich weiß. Fest steht, er hat schon vor unserer Beziehung getrunken- allerdings nicht in dem Ausmaß, wie nun zuletzt- und tiefe Wunden mitgebracht.Aber ich habe ihn manchmal sagen hören „Du machst mich kaputt. Wenn du so zu mir bist, muss ich trinken!“.
Ich schäme mich fast, diesen Satz hier tatsächlich auszuschreiben, denn er klingt, als hätte ich ihm furchtbares angetan.
Er hat das in Augenblicken gesagt, in denen er sich gefürchtet hat, mich zu verlieren- etwa, weil ich Dinge angesprochen habe, die für mich schmerzhaft waren. Oder irgendwann um Raum für mich gebeten habe, weil über Probleme sprechen kaum möglich war und ich in manchen Momenten einfach nicht mehr wusste, wie ich zu den Bedingungen mein offenes Herz bewahren kann.
Am Silvesterabend habe ich noch einmal versucht, über Dinge zu sprechen, die mich belasten. Er hat mit Vorwürfen und Angriffen reagiert, ist dann tagelang verschwunden, ohne sich zu melden.
Erst Sonntagabend schrieb er mir, er sei nun auf der Entgiftung und wolle auch weiterhin keinen Kontakt.
Das respektiere ich natürlich, denn er braucht nun alle Kraft für sich.
Gleichzeitig beschäftigt mich das Thema schuld sehr, denn nun steht im Raum, die Beziehung hätte ihm nicht gut getan und seine Problematik erheblich verstärkt.
Das bereitet mir schlaflose Nächte, denn ich habe mein Bestes gegeben und alles, was er mitgebracht hat so liebevoll mitgetragen wie es mir irgendwie möglich war.
Ich habe im beruflichen Kontext mit Co- Abhängigkeit zu tun und habe den Eindruck, diesbezüglich sehr wach zu sein. So habe ich ihn zwar unterstützt, aber nie entscheidende Schritte abgenommen.
Doch ich denke, jeder der an einen solchen Punkt gerät, muss sich fragen, welche Lebensbedingungen beigetragen haben. Ich war ein Teil davon, denn ich habe zwei Jahre lang mit ihm gelebt.
Und da stehe ich nun irgendwie vor einem Scherbenhaufen. Abgesehen von all den Verletzungen, um die ich mich kümmern muss, allen Strapazen die die letzte Zeit bedeutet hat, bin ich nun die ehemalige Partnerin, die ihm nicht gut tat.
Das entlastet ihn, seine Familie - nur mich macht es gerade unfassbar traurig und schwer. Ich will mich nicht noch mehr mit Schuldgedanken belasten, aber im Augenblick fällt mir das schwer.
Danke fürs lesen -
Hallo Flora,
herzlich willkommen in unserer Onlineselbsthilfegruppe.
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Ich schäme mich fast, diesen Satz hier tatsächlich auszuschreiben, denn er klingt, als hätte ich ihm furchtbares angetan.
Solche Sätze habe ich zig fach gehört. Diese Schuldzuweisungen. Hier habe ich erkennen können, dass ich keine Schuld an seiner Trinkerei habe /hatte. Wenn ein nasser Alkoholiker solche Aussagen macht, will er dich zum Nachdenken bringen, du sollst Fehler bei dir suchen. Damit bist du dann erst einmal beschäftigt, und er hat seine Ruhe und kann weiter trinken.
Ich habe im beruflichen Kontext mit Co- Abhängigkeit zu tun und habe den Eindruck, diesbezüglich sehr wach zu sein. So habe ich ihn zwar unterstützt, aber nie entscheidende Schritte abgenommen.
Ich hatte im Beruf mit nassen Alkoholikern und CO - Abhängigkeit zu tun, und habe nicht erkannt, dass ich zuhause auch damit konfrontiert war. Ich kam mir vor, wie in zwei Leben. Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass mich mein Fachwissen in der eigenen fast eher zur Betriebsblindheit geführt hat. Oft wollte ich gar nicht hinsehen.
Wenn du dich hier austauschen möchtest, folge dem unteren Link, und schreib noch einen kurzen Satz dazu, wir schalten dich dann frei.
https://alkoholiker-forum.de/bewerben/
lg Morgenrot
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nur mal kurz, ich bin krankenschwester und bin trotzdem alkoholikerin geworden obwohl ich in allen fassetten von er krankheit wußte. wie morgenrot sagt, betriebsblind.
zum 2. im suff waren alle an meiner situation schuld nur nicht ich selbst. bequem denn so mußte ich ja nichts ändern. das ist der selbstschutz der krankheit, die macht einen gaga und man glaubt seine eigenen lügen. alkohol ist ein nervengift das das hirn total verdreht. ist einfach so.
hier hast du nun einen platz wo es einzig um dich geht damit du wieder klar sehen kannst. (meine oma pflegte zu sagen, wenn die liebe im kopf ist, ist der verstand im ar..., das macht blind)
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Wenn du dich hier austauschen möchtest, folge dem unteren Link, und schreib noch einen kurzen Satz dazu, wir schalten dich dann frei.
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Oh, ich kann das mit dem zitieren noch nicht 🙈 ich würde dort gern einen Satz schreiben, aber dort werde ich nur darauf hingewiesen, mich zunächst vorstellen zu müssen.
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Flora klicke auf den Link, dann öffnet sich das Bewerbungsfenster, du hast mich jetzt nur zitiert.
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das stimmt, folge einfach erst einmal dem Link und schreibe einen Satz bei der Bewerbung
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Dankeschön ihr beiden, das stimmt, in Bezug auf Co- Abhängigkeit sollte man sich vermutlich nicht zu sicher sein.
Ich glaube, dass die Angst vor Verantwortungsübernahme bei meinem Expartner schon vor und außerhalb des Alkoholthemas sehr groß war. Sonst würde ich hoffen, dass wir nach seiner Therapie eines Tages noch mal offen miteinander sprechen können.
Leider scheint seine Tendenz, unangenehmes wegzuschieben und lieber hinter sich zu lassen, jede einstige Verbundenheit zu überlagern.
Das macht mich traurig 😞 -
Danke, Morgenrot!
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hallo Flora,
jetzt hat es geklappt. Du bist für die offenen Bereiche freigeschaltet und kannst dort überall schreiben. Bitte aber in den ersten 4 Wochen nicht bei den neuen Usern im Vorstellungsbereich, diese erkennst du an den orange/roten Namen.
Ich wünsche dir einen guten und hilfreichen Austausch, du kannst jetzt hier in deinem Thema einfach weiter schreiben.
lg Morgenrot
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Ich glaube, dass die Angst vor Verantwortungsübernahme bei meinem Expartner schon vor und außerhalb des Alkoholthemas sehr groß war. Sonst würde ich hoffen, dass wir nach seiner Therapie eines Tages noch mal offen miteinander sprechen können.
Leider scheint seine Tendenz, unangenehmes wegzuschieben und lieber hinter sich zu lassen, jede einstige Verbundenheit zu überlagern.
Das macht mich traurig 😞Liebe Flora
Das was du beschreibst kenne ich. Mein ExPartner hat jeweils gesagt, dass er aus lauter Frust trinkt weil unsere Beziehung nicht funktioniere. Nur dadurch wurde die Beziehung auch nicht besser. Ich fühlte mich schuldig, habe immer wieder an mir gearbeitet aber irgendwie hat nichts geholfen. Ich nahm immer mehr Abstand von ihm, vorallem innerlich. Ich versucht ihm meine Grenzen klar zu machen, sie wurde aber immer wieder überschritten. So schrumpfte die Liebe so langsam dahin und irgendwann gabe ich nicht mehr geredet weil es sich so sinnlos anfühlte.
Ich bin im September letzten Jahres mit meiner Tochter zusammen aus unserer Wohnung ausgezogen. Wir hatten diese zusammen gekauft gehabt. Ich musste gehen weil ich die Beziehung beendet habe. Jetzt möchte ich meinen Teil ausbezahlt haben damit ich nicht haftbar gemacht werden kann für irgendwas. Ausserdem hat er eine neue Freundin und ich möchte einen sauberen Strich unter dem Ganzen haben. Er ist jetzt enttäuscht, dass ich meinen Teil haben möchte. Das Ganze kann aber gut über die Bank geregelt werden, so dass mein ExPartner meinen Teil nicht abstottern muss. Ausserdem denkt er, dass er finanziell zu kurz kommt. Obwohl ich ihm schwarz auf weiss zeigen kann, dass das absolut nicht der Fall ist.
Was ich damit sagen will: NICHT weil du böses getan hast oder böse bist (du hast ihm ja den Alk nicht eingeflöst) sondern weil das Gegenüber keine Verantwortung übernimmt und immer wieder in die Opferrolle flüchtet fühlst DU dich schuldig.
Vielleicht ergibt sich ja nach der Therapie ein Gespräch... Siehst doch mal so. Er konzentriert sich momentan auf sich und du hast Zeit für dich und kannst dich auf dich konzentrieren. Hast du zb. für das kommende Wochenende etwas geplant, dass dir Freude bereiten könnte?
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Guten Abend, Silberstreifen, danke für deine Antwort.
Ja, ich unternehme Dinge, die mir zu anderen Zeiten (mehr) Freude bereiten. Und natürlich sehe ich den positiven Aspekt für ihn und seine Zukunft, dass er sich auf sich selbst konzentriert hat.Nun ist er seit zwei Tagen zurück und hatte schon gestern wieder eine Fahne. Ich habe mir nicht vorgemacht, dass es anders kommen könnte- eine kurze Entgiftung ist eben keine (Langzeit) Therapie.
Heute hat er wieder getrunken. Noch nicht in dem Ausmaß, wie zuvor, aber es wird nicht lange dauern und dann ist er da wieder.
Ich möchte mich weder in eine Kontroll- Rolle verstricken, noch ist die Ablehnung angenehm, die mir zum Beispiel heute entgegen schlug, als ich die Fahne ansprach. Daraufhin sagte er: Ich will jetzt nicht in die Tiefe gehen, ich bin im Moment zufrieden mit meinen Fortschritten. Und jetzt geh ich ins Bett!“… so sitze ich hier gerade. Und denke: ich mache keine vorwürfe, aber kann doch nicht einfach so tun, als würde er nicht wieder trinken, oder?
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aber kann doch nicht einfach so tun, als würde er nicht wieder trinken, oder?
Du kannst aber akzeptieren, dass es dich um eine Krankheit handelt, die nur der Erkrankte stoppen kann.
Du kannst also deine ganze Kraft darauf richten, dass es dir besser geht.
Du weißt je bereits, dass du dich lösen solltest. Und hier wirst du ebenfalls nur Ratschläge und Argumente finden, die dich darin bestärken werden, diesen Weg zu gehen.
Also vergeude keine weitere Lebenszeit. Ich wünsche dir die nötige Kraft, dann kann es nur besser werden.
Vielleicht nimmt dich dein Partner irgendwann ein Beispiel an dir.
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*dich = sich ein Beispiel
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Liebe Flora
Nein du kannst nicht so tun als würde er nicht wieder trinken. Denn dann würdest du dich und deine Wahrnehmung leugnen. Man sollte sich nicht verbiegen müssen sondern sich ohne Angst mitteilen können. Ich glaube mit einem süchtigen Partner ist es fast schon unmöglich eine gesunde Beziehung zu führen.
Was wünscht du dir für Deine Zukunft? Wie soll dein Leben aussehen und was wünscht du dir von deinem Partner?
Die Trinkmengen werden vermutlich bald die gleichen sein wie vor der Entgiftung. Bei meinem Expartner war das immer so. Nach Trinkpausen erst mal nur 3 Bier, und innerhalb 2 Wochen war er wieder bei den Mengen von "vor der Trinkpause". Ich kenne dieses hoffen, bangen, die Enttäuschungen.... Die Hochs und Tiefs. Ich kann dir gut nachfühlen. Es tut mir wirklich leid, dass es so gelaufen ist. Fühl dich gedrückt...
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Wir sind derzeit getrennt, ohne, dass diese Trennung ausgesprochen wurde.
Wieviel Kontakt habt ihr denn noch? Wohnt ihr zusammen?
lG WW
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Danke für eure Antworten 😔
Whitewolf, ja, wir wohnen zusammen.
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Maibisjuni, bitte versteh es nicht als provokative Frage: was genau bedeutet es, das zu akzeptieren?
Ich weiss, dass ich auf den Verlauf keinen Einfluss nehmen kann. Aber was bedeutet das für unser Miteinander und mein ansprechen, wenn du sagst, es geht darum diese Tatsache zu akzeptieren? Wie verhält sich ein Partner der das akzeptiert? Ich habe vor lauter Traurigkeit einen knoten im Kopf… -
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