Wichtelmama - Co mit zwei kleinen Kindern

  • Hi WM,

    Ich möchte mir diesen Schuh nicht anziehen, es tut trotzdem weh.

    Du könntest auch darüber wütend sein.

    dass wir in meine Heimat zurückkehren

    Wäre nicht auch eine Möglichkeit in Deiner alten Heimat jetzt nach einer Wohnung zu suchen. Vielleicht ist der Wohnungsmarkt dort besser? Und wenn Du sowieso eigentlich lieber dort wohnen würdest?

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Wichtelmama

    Herzlichen Glückwunsch zur Wohnung! Das ist ja der Hammer! Und ich glaube auf jeden Fall auch an etwas schicksalhaftes, göttliches, universelles, was auch immer...

    Freue mich sehr mit Dir und: einen guten Teil der jetzigen Ansagen Deines Mitbewohners kenne ich auch. Das ist traurig...

  • Wäre nicht auch eine Möglichkeit in Deiner alten Heimat jetzt nach einer Wohnung zu suchen. Vielleicht ist der Wohnungsmarkt dort besser?

    Hallo Kazik,

    Klar hätte ich das machen können. Das wäre der Weg übers Gericht gewesen mit ungewissem Ausgang. Man hätte sehr gut argumentieren müssen, warum es den Kindern in meiner Heimat besser geht. Hätte man versuchen können, aber mir ist es noch immer oder trotz allem wichtig, dass die Kinder die Möglichkeit haben den Vater zu sehen. Da macht es einen Unterschied ob es 5km oder 700km sind.
    Die Wohnung ist zeitlich befristet, der Mitbewohner hat jetzt genug Zeit zu beweisen, dass ihm wirklich was an den Kindern liegt. Nutzt er diese Chance wieder nicht, kann ich zumindest nicht behaupten nicht alles versucht zu haben. Zumindest für die Kinder. Was er mit seinem Leben macht, hat er selbst in der Hand.

  • Wichtelmamma, das ist ja der Wahnsinn, herzlichen Glückwunsch.

    Sieh Dir an, was Du in so kurzer Zeit geschafft hast. Zu Beginn Deiner Geschichte hier schien das noch absolut undenkbar und jetzt bist Du schon ganz kurz vor der neuen Freiheit.


    Zwei Dinge von mir:


    Erstens, die Aussagen des Mitbewohners sind klassische Schuldumkehr. Darauf brauchst Du nichts geben. In gefühlt jeder zweiten Geschichte im Co-Bereich wird von vergleichbaren Erfahrungen berichtet. Ich habe sowas aus der Entfernung bei uns daheim im Verhältnis Mutter/Vater tausendmal beobachtet. Mein Vater hat meine Mutter so oft manipuliert und sie als Schuldige für sein angebliches Leiden dargestellt. Nicht ein einziges Mal hat er Verantwortung für sich und sein Leben übernommen. Darüber könnte ich ganze Bücher schreiben.


    Zweitens, weil Du oben von neuer Normalität schreibst. Ich konnte erst mit 25 Jahren daheim raus. Wir scheinen in der gleichen Gegend zu leben, wenn ich mir die von Dir beschriebenen Mietpreise anschaue. Für mich war es damals so eine Befreiung endlich abends ins Bett gehen zu können, ohne mit einer familiären (alkoholbedingten) Eskalation rechnen zu müssen. Es war das Gefühl eines neuen Lebens. Deine Kinder werden das spüren und sie werden Dir auf ewig dankbar sein. Ein suchtbelasteter Haushalt ist kein schönes Aufwachsen, das werden Dir alle EKAs hier bestätigen.


    Ich freu mich sehr für Dich, wirklich!

    Einmal editiert, zuletzt von Seb25 (22. März 2025 um 20:03)

  • Du könntest auch darüber wütend sein.

    Dazu wollte ich noch was sagen. Ja, Wut ist eine dieser Emotionen, die ich den letzten Jahren vielfach durchlebt habe. Ich versuche sie in Zaum zu halten und verrauchen zu lassen. Die Wut ist da, aber bringt mich nicht weiter. Ich versuche sie so gut wie möglich wegzulachen.

  • Hallo Seb25 ,

    ob ich jetzt einiges in kurzer Zeit geschafft habe, ist wohl Ansichtssache. Ich hätte vieles einfach früher machen sollen, aber bis heute habe ich Bedenken, dass ich das geschafft hätte.

    Das mit der Schuldumkehr kenne ich nur zu gut. In allen möglichen Facetten. Und noch vieles andere. Und da muss ich sagen, bin ich so froh wenn ich das nicht mehr hören muss. Das Leid der Welt. Und wie schlimm alles ist. Und und und…

    Ja, das ist gut möglich, dass wir aus der selben Ecke kommen. Die Mietpreise sprechen da für sich.

    Das tut mir leid für dich, dass du so aufwachsen musstest. Ich bin auch EKA, habe aber von der Sucht meines Vaters nie etwas mitbekommen. Bis zum Outing zumindest. Sehr wohl aber habe ich wahrgenommen, dass meine Mutter immer sehr auf Spannung war.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass du ein befreites Leben geführt hast nach deinem Auszug. Das wünsche ich mir füreinander auch!

    Hab ganz lieben Dank❤️

  • habe aber von der Sucht meines Vaters nie etwas mitbekommen. Bis zum Outing zumindest. Sehr wohl aber habe ich wahrgenommen, dass meine Mutter immer sehr auf Spannung war

    Wie krass, das immer wieder mal von EKAs zu lesen! Danke dafür. Sehr sehr gut möglich, dass es meinem Sohn auch so ging...

    Ich hätte vieles einfach früher machen sollen, aber bis heute habe ich Bedenken, dass ich das geschafft hätte.

    Diese Gedanken habe ich auch oft.

  • Wie krass, das immer wieder mal von EKAs zu lesen! Danke dafür. Sehr sehr gut möglich, dass es meinem Sohn auch so ging...

    Mein Vater hat nur abends getrunken und ist dann „müde“ ins Bett gegangen. Vor anderen hat er immer den Schein gewahrt, ist sogar oft auch Auto gefahren und hat nichts getrunken. Er ist nie aufgefallen.
    Als ich dann jugendlich war und auf Partys, hat mich immer meine Mutter abgeholt. Sie wusste nie, ob mein Vater getrunken hat.
    Ich war durch die Pubertät und andere Dinge die meinen Vater betreffen vielleicht auch zu sehr abgelenkt, keine Ahnung. Ich kann mich ehrlich gesagt auch gar nicht erinnern. Aber mein kleiner Bruder hat was bemerkt. Er wusste, dass der Vater nicht ganz normal war.
    Ich kann nicht sagen, dass meine Kindheit schlecht war. Es sind aber viele ungute Dinge passiert die mich bis heute begleiten. Meine Mutter hat uns Kinder aus Überforderung geschlagen(also wenn wir wieder mal was besonders dummes gemacht haben). Eigentlich war sie immer auf Spannung. Ist schnell ausgeflippt. Hat geschrien. Mich triggert das bis heute ganz arg, wenn jemand seine Stimme erhebt oder sogar auch wenn die Kinder sich fetzen und anschreien. Das ist nicht schön.
    Der Alkohol beeinträchtigt das Familienleben auf so viele Weisen. Sehr traurig.

    Diese Gedanken habe ich auch oft.

    Hätte hätte Fahrradkette..oder wie war das?! Das ist ja leider immer das Elend. Könnte man in die Zukunft schauen, hätte man sich sicher viel Leid und Elend ersparen können😪

    Die Vergangenheit können wir nicht ändern, aber versuchen das Beste aus der Zukunft zu machen.,

  • Diese Gedanken habe ich auch oft.


    Ihr beide habt gehandelt, das ist das allein Entscheidende.

    Die meisten EKA-Geschichten hier haben eines gemeinsam: Es gab gerade keine Trennung und der nicht suchtkranke Elternteil hat das kranke System aufrechterhalten. Das Kind musste in einem kranken Umfeld überleben. Nicht der Zeitpunkt ist entscheidend, sondern allein, dass ein Ausbruch erfolgt ist.


    Viele Grüße

  • Gestern hatten wir alle zusammen einen eigentlich normalen, schönen Tag. Waren mit den Kindern ein wenig im Botanischen Garten. Der Mitbewohner war natürlich nicht nüchtern, ich konnte seine Fahne riechen(oder habe es mir eingebildet, ist auch egal). Er wirkte aber ganz normal. Und da sind sie wieder, diese kleinen Hoffnungsschimmer.
    Aber kaum wieder zuhause war der erste Weg der zur Flasche. Er war dann kurze Zeit später angetrunken, also so, dass ich es gemerkt habe. Ich war in dem Moment wieder richtig froh, dass ich eine Wohnung gefunden habe. Ich freue mich darauf!
    Ich frage mich aber ernsthaft, wie lange gehtbsowas gut? Wie lange kann man täglich eine Flasche Vodka saufen? Bisher hat er eigentlich recht wenig körperliche Symptome wie ich finde. Wobei man schon merkt, dass der Alkohol dem Körper zusetzt. Sowas wie Intentionstremor und Bluthochdruck sowie Magen-Darm Beschwerden hat er schon lange. In letzter Zeit wirkt er aufgedunsen finde ich, kann ich mir aber auch einbilden.
    Ein paar Kleinigkeiten was das Gedächtnis angeht kommen noch dazu. Aber ansonsten steht er eigentlich noch gut da für den Konsum. Ist traurig das anzusehen. Der Verfall durch den Alkohol, physisch wie psychisch

  • Meine Suchtberaterin sagte damals, die Menschen vertragen extrem unterschiedlich viel... und hier im Forum habe ich ja dann zusätzlich gelernt, eher zu fragen, wie viel und was ICH (v)ertrage.

    Und da sind sie wieder, diese kleinen Hoffnungsschimmer.

    Super, dass Du diese Hoffnungsschimmer als das entlarvt was sie sind... Ich kenne sie und sie sind sooo anstrengend!

  • und hier im Forum habe ich ja dann zusätzlich gelernt, eher zu fragen, wie viel und was ICH (v)ertrage.

    Du hast recht, dieser Satz ist viel besser! Ich vertage nämlich eigentlich schon lange nichts mehr.

    Ich kenne sie und sie sind sooo anstrengend!

    Jaaaa, das ist wahr! Man kommt immer wieder viel schneller als man denkt auf dem Boden der Tatsachen an! Dieses Hin-und Her ist furchtbar!

  • Guck mal, das ist mir aufgefallen:

    Und da sind wir wieder. Der Zweifel an der eigenen Wahrnehmung. Hast ja recht. Wobei ich zu den beiden Fällen sagen muss, ich habe schon das ein oder andere Mal auch ein Parfüm mit Alkohol verwechselt, also den Geruch so im Vorbeigehen. Auch bei anderen. Da muss man schon aufpassen mit Anschuldigungen. Der Mitbewohner hält mir ja vor, dass dies schon 1!!! Mal passiert ist in den letzten Jahren, also dass ich ihn zu Unrecht beschuldigt habe, dass er getrunken hat🤦‍♀️

    Aufgequollen ist er. Ich habe gestern nochmal genau darauf geachtet. Wenn man jemanden tagtäglich sieht, fällt einem vieles nicht mehr so auf, es sind Ja schleichende Prozesse. Wobei ich auch da vorsichtig bin. Der Grund kann vielfältig sein. Bedingt dadurch, dass er schlecht schläft und fast nur noch im Bett liegt, bedingt durch die Veränderung der Medikamnte, vielleicht durch den Alkohol. Keine Ahnung und es ist egal. Fakt ist, er schaut nicht gesund aus. Eigentlich schon lange nicht mehr, selbst dem großen Kind ist das schon aufgefallen vor einiger Zeit. Es stellt den Vater auf gemalten Familienbildern auch so dar. Der Vater mit lila Gesicht. Das spricht wohl Bände(falls er überhaupt auf den Familienbildern gemalt wird, oft fehlt er).

    Ich habe die letzten zwei Tage angefangen mein Handy aufzuräumen, besser gesagt die Fotos. Sämtliche fotografierten Flaschen werden gelöscht. Meine Güte, wie viele Fotos und Flaschen da die letzten Jahre zusammengekommen sind. Ein Wahnsinn! Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Liter Schnaps, Bier und Wein das wohl waren. Arme Leber.

    Andere Bilder möchte ich vorerst als Warnung behalten. So viele Situationen an die ich mich erinnere, nicht positiv. Einfach traurig und schlimm. Meine Kinder tun mir so leid. Ich hätte ihnen einen anderen Vater gewünscht, oder zumindest andere Zustände.

    Die Schuldgefühle nagen im Moment sowieso sehr an mir. Das große Kind muss die Schule wechseln. Das tut mir so leid. Gerade eingelebt und schon muss es wieder woanders hin. Ich hoffe die Schule ist so gut wie unsere jetzige. Ich mache mir da echt Sorgen, vor allem weil das Kind sich ja so schwer tut in der Schule😪

    Es muss einfach alles gut werden, es wird gut!

  • Hey Wichtelmama,

    Ich glaube das es wichtig ist das Du mit positiven Gedanken auch an den Schulwechsel gehst, sonst überträgt sich das auf Dein Kind. Sehe es doch so, dass es vielleicht auch eine super Chance ist auf einen Neuanfang auch für Dein Kind. Raus aus der Schublade in der es vielleicht gerade steckt.

    LG Momo

    P.S.: Schreibe aus Erfahrung mit meinem Kind.

  • Meine Güte, wie viele Fotos und Flaschen da die letzten Jahre zusammengekommen sind. Ein Wahnsinn! Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Liter Schnaps, Bier und Wein das wohl waren.

    Oh ja! Die Erfahrung hab ich auch vor kurzem gemacht. Habe alle Bilder vom Handy auf den Laptop gezogen und da ist es mir erst mal so richtig aufgefallen. Also ich kann sagen, so 90% aller Bilder wo mein XY drauf ist, da hat er Alkohol in der Hand... uff


    Meine Kinder tun mir so leid. Ich hätte ihnen einen anderen Vater gewünscht, oder zumindest andere Zustände.

    Hier auch 😥

    Und leider ist es nicht vorbei, da er ein Recht auf Umgang hat und dann natürlich auch trinkt. Die kleinen bekommen es durch die Trennung zwar nicht mehr 24/7 mit, aber die Tage an denen sie bei ihm sind, sind mir schon zu viel....

  • Es muss einfach alles gut werden, es wird gut!


    Das wird es, ganz bestimmt. So reflektiert und strukturiert wie Du mittlerweile schreibst, habe ich daran überhaupt keinen Zweifel.

    Und leider ist es nicht vorbei, da er ein Recht auf Umgang hat und dann natürlich auch trinkt.


    Es gibt die Möglichkeit, auf einen begleitenden Umgang hinzuwirken. Es gibt hierzu auch entsprechende Urteile. Entscheidend ist stets das Kindeswohl.

  • Es gibt die Möglichkeit, auf einen begleitenden Umgang hinzuwirken. Es gibt hierzu auch entsprechende Urteile. Entscheidend ist stets das Kindeswohl

    Wenn es so einfach wäre, dann hätte ich es schon längst umsetzen lassen...

    Fakt ist, so lange nichts (wieder) passiert ist, hat er ein Recht drauf. Und wenn er morgens die Kids abholt ohne Fahne, dann muss ich sie ihm mitgeben.

    Dass er ab mittags anfängt zu trinken, muss mir "egal" sein... Und auf Verdacht dann das Jugendamt hin schicken, damit kann ich ordentlich einen drüber bekommen, sollte er dann nichts besoffen genug sein...

    Willkommen in Deutschland 👍

  • Das wird es, ganz bestimmt. So reflektiert und strukturiert wie Du mittlerweile schreibst, habe ich daran überhaupt keinen Zweifel

    Das empfinde ich ganz genauso Wichtelmama !

    eine super Chance ist auf einen Neuanfang auch für Dein Kind. Raus aus der Schublade

    Und auch hier schließe ich mich an! Sihni musste nicht die Schule wechseln, aber halt den Ort, in dem er viele Probleme hatte. Und hier muss oder darf er jetzt neu anfangen, ohne dass die anderen Kinder ihn direkt abstempeln Mal sehen wie es wird, aber es KANN genauso gut wie schwierig werden!

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