aennie - Es ist wie es ist

  • Doch das Wichtigste ist, dass wir den Ausstieg geschafft haben, Aennie! Und das ist doch toll!

    Das ist es Elly.

    Bin gerade wieder gefühlsduselig. Vohin war wieder Wut in mir wie ich das schrieb, jetzt weicht es einer Traurigkeit. Traurigsein finde ich ein besseres Gefühl als Wut.

  • Alle diese Gefühle gehören wohl dazu, gerade, wenn das Gehirn lange Zeit regelrecht vergiftet wurde und sich nur langsam davon erholt, Aennie.

    Wie war das denn bei Dir, hast Du versucht (evtl. Unbewusst), mit Alk unliebsame Gefühle zu dämpfen oder damit Deine "Gesellschaftstauglichkeit" zu fördern?

    Du hattest ja vorhin sinnvemäß bei mir geschrieben, dass Du Dich sehr zurückgezogen hast, weil Dir viele Menschen nicht guttun und Dir zu laut und egozentrisch sind.

    PS: Scheue Dich bitte nicht, wenn es Dir akut schlecht gehen sollte, die Telefonseelsorge anzurufen - dort hören Dir geschulte Menschen zu, ohne zu werten. Du bist nicht allein!

  • Hallo aennie, ich beschreibe mich ganz kurz: Ich habe sehr früh angefangen, ziemlich viel zu trinken. Das habe ich sehr lange gemacht, und mein ganzes Leben war stark durch Wut geprägt.

    Stell dir kleine Kugeln vor: fünf rote, fünf weiße, fünf blaue…. von jeder Farbe fünf Stück, schön sortiert. Je mehr und länger man säuft, desto mehr vermischen sich diese Kugeln. Erst wenn man seinen Zustand annimmt und trocken wird, sortieren sich diese farbigen Kugeln langsam, und man sieht alltägliche Dinge wieder viel lockerer und positiver – aber es braucht Zeit.

    Ich hoffe, dass ich dir mit meinem Beispiel etwas helfen konnte. Alles Gute 🙋🏻‍♂️

    Ich bin (M/geb. 71)und "lebe" glücklich, abstinent seit 05./24.

  • Oh nein, bitte nicht falsch verstehen, mir geht es gut soweit.

    Meine Gefühlswelt ist leider immer noch völlig durcheinander. Ich verwechsle scheinbar manche auch.

    Ich beschäftige mich derzeit viel mit dem Thema. Heute Morgen spürte ich wieder Wut. Und dann fragte ich mich, ob es wirklich Wut ist und kam drauf, daß ich wohl doch eher Traurigkeit ist. Und so mache ich das nun öfters. Ich bin also am sortieren, wie Zwieback es schrieb. Ich finde das einen guten Fortschritt.

    Mir waren zu viele und zu laute Menschen schon immer zu viel. Aber ich konnte ja nicht immer nur in meinem Kämmerlein sitzen, dachte ich zumindest. Und um irgendwo dazuzugehören, trank ich dann mit, als die ersten aus der Schule damit anfingen. Die die nichtmittranken zählten zu den Langweilern.

    Nun denn, ich möchte in der Vergangenheit gar nicht weiter rumwühlen jetzt.

    Aufkommende Gefühle deuten und richtig einsortieren. Das ist jetzt erstmal mein Plan.

    LG

  • Und für was stehen die Kugeln? In drei Farben und genau fünf.

    „Das ist symbolisch gemeint: Wenn man all die Farben nimmt, die es gibt, und diese zum Beispiel mit fünf multipliziert, und sich diese Kugeln vorstellt – also in Fünfergruppen, jede Farbe für sich betrachtet – dann ist alles so, wie es eigentlich sein soll. Wenn man nun aber sehr viel und sehr lange trinkt, dann entsteht im Kopf sehr viel Chaos, und diese symbolischen Kugelgruppen werden durcheinandergemischt. Um das wieder ordentlich zu sortieren, muss man trocken sein und Geduld haben. So war es bei mir: Im Laufe meiner Trockenheit hat sich sehr vieles automatisch sortiert. Die Kugeln haben wieder zueinander gefunden, zu der Gruppe, zu der sie hingehören. Das Chaos wurde immer weniger. Ich habe früher viele Sachen probiert, um diesem Chaos entgegenzuwirken, das Problem war aber, dass ich immer weiter gesoffen habe. Es war ein unendlicher Kreislauf aus Wut, Verzweiflung und saufen ,besser kann ich es nicht erklären.“

    Ich bin (M/geb. 71)und "lebe" glücklich, abstinent seit 05./24.

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