EllaDrei - Dauer-Dilemma

  • Im letzten Telefonat mit xy ging es mal wieder um seine Messie-Wohnung, in die er nach Reha-Ende wieder zurück soll. Das ist sein Untergang und irgendwie auch ein Symbol für die Sucht, in der er festhängt. Er sagt, er will so nicht mehr leben, klammert sich aber an seine Sachen.

    Auch wenn es nicht mein Problem ist, macht mir das Thema total zu schaffen. Dort stehen überall noch Schnapsflaschen rum, eine Einladung zum Rückfall. Bin ab und zu dort, um Post zu holen etc.. Ich bereue, ihm das zugesagt zu haben. Es kommt mir dann immer alles so sinnlos vor und drückt mich nieder, und ich weiß, dass ich ihn gehen lassen muss.

    Ich spreche heute mit einem Berater über die Wohnung, einfach um meine Gedanken zu sortieren. Ich will dort selbst nicht aktiv werden, bringt nichts.

  • Hi EllaDrei,

    Was hat der Berater gesagt?

    Ich würde ja sagen, wenn er wirklich will, dann könnte er das schon schaffen. Dafür gibt es Entrümpelungsfirmen.

    Aber da er ja unbedingt an den Sachen und damit auch an seinem alten Leben festhalten will, wird das wohl mehr als schwierig.

    Wie steht es mit Deiner möglichen Konsequenz?

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hallo Lebenskünstler,

    heute konnte ich nur kurz telefonisch mit dem Berater sprechen, haben aber persönliches Gespräch vereinbart in ein paar Tagen. Genau wie Du schreibst, xy könnte entrümpeln lassen, wenn er will. Ich hab ihm dafür früher mehrmals finanzielle Hilfe angeboten, hatte es aber schon mehr oder weniger aufgegeben..Er reagiert immer fast panisch darauf und dann mit Hinhalteaussagen a la er arbeitet dran.

    Ich seh das wie Du als Festhalten am alten Leben. Das hab ich ihm auch gesagt - und umgekehrt, dass sein Leben aus meiner Sicht davon abhängt, ob er die Sache mit der Wohnung angeht. Er wird dort nicht nüchtern bleiben, das steht für mich fest. . An meiner angekündigten Konsequenz halte ich fest - beim nächsten Rückfall bin ich weg.

    Einmal editiert, zuletzt von EllaDrei (2. Juni 2025 um 21:25)

  • könnte entrümpeln lassen, wenn er will

    Wenn er wirklich Messie ist, ist das keine Lösung. Man würde ihn quasi enteignen und die Bude wäre auch ganz schnell wieder voll.

    Ich war mit einem Messie zusammen und weiß von was ich spreche. Es ist eine Wertbeimessungsstörung- d.h. die Person hängt genauso an einem alten Joghurt Becher wie am Tafelsilber.
    Es ist übrigens ganz typisch, dass sich Messies dann lieber in anderen Wohnungen aufhalten, ohne wirklich die eigene ändern zu wollen. Meiner hauste 2-4 Jahre mit Unterbrechungen bei mir und dann musste ich bei mir entrümpeln.

    Das ist eine tiefgreifende Störung. Lass das bei ihm. Du kannst es nicht ändern.

    Es gibt Profis in diesem Bereich (Therapeuten- nicht entrümpler). Da kann man höchstens noch einen Kontakt raussuchen. Die absolute Expertin sitzt in Stuttgart und ist schweineteuer.
    Nicht deine Aufgabe!

  • Wenn er wirklich Messie ist, ist das keine Lösung. Man würde ihn quasi enteignen und die Bude wäre auch ganz schnell wieder voll.

    Danke liebe AnnaBlume, dass Du das so klar benennst. Ich bin sicher, er ist Messie, es gibt eine eindeutige familiäre Vorbelastung. Alle Merkmale, die Du beschreibst, treffen zu. Und genau, er empfânde das als Enteignung. Leider scheint bisher bei Suchttherapeuten das Verständnis für diese Art "Doppeldiagnose" zu fehlen. Es wird immer nur Entrümpeln nahegelegt

    Ich musste übrigens auch schon den Keller meiner früheren Wohnung entrümpeln, weil er zum Lager gemacht wurde. Da ich also nichts unternehmen kann, bleibt wohl nur abzuwarten, bis er dorthin zurückgeht und nahtlos weitermacht... Er kann ja schlecht an beiden Baustellen parallel arbeiten, obwohl das wohl nötig wäre. Schwer, da zuzugucken, wenn man jemanden mag. Aber Du hast völlig Recht, ich muss mich abgrenzen. Danke.

  • bei Suchttherapeuten das Verständnis für diese Art "Doppeldiagnose" zu fehlen

    Erstaunlich weil das auch häufig ist. Ja viele Menschen tun das als ‚faul‘ oder ‚schlampig‘ ab. Aber die Menschen leiden. Trotzdem kein Grund dass zu sich zu nehmen. Bei meinem war auch Abhängigkeit im Spiel.

    Wir sind bis heute befreundet, aber weder will ich irgendwas mit seinen Lagerräumen zu tun haben, noch kommt er mir ins Haus. Gerne trinken wir zusammen irgendwo außerhalb Kaffee und dann ist es nett. Vielleicht kommt ihr irgendwann da hin.
    Jetzt erst mal Abstand finden.

  • Ich hatte mal ein Studentenzimmer bei einer Messie-Familie.

    Die Tochter bestellte einen Container und die Mutter bekam einen Nervenzusammenbruch.
    Für mich als Mieter hart, dass die Heizung ausfiel und der Heizungskeller auch voll stand. Der Heizungsbauer weigerte sich, dort zu arbeiten. Also gabs lange nur Kaltwasser.
    Ich bin ausgezogen, sie brauchten den Platz. Keine Ahnung, wie es dort weiterging.

    Bin überzeugt, das das auch für die Betroffenen nicht lustig war. Trotzdem hätten sie es wie ein Trinker eben selbst angehen müssen. Auch wenn das Thera bedeutet hätte.

    Und ich schätze, das musst Du bei ihm lassen. Das geht immer noch ewig wenn er es überhaupt macht. Was ich bezweifle, denn so ein Problem in Kombi mit den Schwierigkeiten beim Aufhören....sehr naheliegend, wie es endet.

    Du kannst keine Dinge richten, die er vielleicht 20 Jahre früher hätte angehen müssen.

    LG LK

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  • Heute hatte ich das Gespräch mit dem Berater. Tat sehr gut. Er hat mich in dem eingeschlagenen Weg bestärkt. Mir war das wichtig von einem Menschen, der xy kennt und ihn etwas einschätzen kann. Es wird kein Wohnen bei mir geben, sondern in der eigenen Wohnung. Der Berater wird mit ihm die Wohnung zuvor bei einem Termin auch noch einmal sichten, vielleicht einigemaßen "rückkehrbereit" machen, da bin ich raus. Abstand, Grenzen setzen, Verantwortung bei xy lassen, da arbeite ich weiter dran. Und behalte umgehende Trennung im Blick,falls es zu Rückfall kommt. Bin ganz zuversichtlich dort weg.

    Einmal editiert, zuletzt von EllaDrei (5. Juni 2025 um 21:49)

  • Hallo zusammen,

    wollte mal berichten, dass ich xy jetzt mal besucht habe und wie anders das für mich war als die anderen Male früher. Ich hab festgestellt, wie sehr es mir hilft, hier zu lesen und mich auszutauschen.

    Mir sind so viele Dinge klargeworden in den vergangenen Wochen. Wie blauäugig ich in die Beziehung reingestolpert bin und wie lange ich mir selbst was vorgemacht hab, aber auch, wie wenig ich lange Zeit für mich eingestanden bin.

    Endlich konnte ich ihm jetzt mal klar sagen, wie es mir in den vergangenen Jahren ergangen ist, was ich jetzt für mich will und vor allem auch, was ich nicht mehr will. Ohne diese ewige falsche Rücksichtnahme.

    Jahrelang hab ich mich ungut behandeln und manipulieren lassen und hab trotzdem oft geschwiegen dazu aus Sorge, ihn zu belasten - wie paradox eigentlich....

    Er ist leider nicht wirklich weiter mit sich, aber das hatte ich auch nicht wirklich erwartet und ist erstmal nicht meine Sorge. Er hat mich übrigens als seine Ex und gute Freundin dort vorgestellt, ohne dass ausdrücklich eine Trennung zwischen uns ausgesprochen wurde, das find ich ganz gut so.

    Die Hoffnung, es könnte weitergehen mit uns, bleibt auf seiner Seite bestehen, aber es zeigt mir erstmal, dass mein Stoppschild gesehen wurde. Ich selbst fühl mich mit diesem Abstand erstmal wohl und schau in Ruhe, was kommt.

  • Kurzes Update - Xy ist von der Reha direkt in die Klinik, es hat sich ein gesundheitliches Problem entwickelt, das mit dem Trinken zu tun haben dürfte, möchte aber lieber nicht ins Detail gehen. Ich werde nun doch häufiger kontaktiert , bin aber bisher emotional nicht so involviert. Etwas seltsam fühlt sich das schon an, als wäre ich taub für seine Themen und Anliegen geworden. Ich habe ihm neulich gesagt, dass mir seine Probleme im Laufe der Zeit egaler geworden sind. Eigentlich keine schöne Aussage. Aber trotzdem ist es besser so, zumindest für mich.

    Einmal editiert, zuletzt von EllaDrei (27. Juni 2025 um 17:23)

  • Hi Rennschnecke, ich kam mal wieder zu früh auf Senden - vielleicht hast Du gerade auf meinen ersten Satz mit Deiner Frage reagiert? Danke jedenfalls für die Nachfrage, mir geht es ganz okay, siehe oben - hab noch was drangeschrieben.

  • Am Wochenende war ich wie häufiger seit einigen Jahren allein zu Hause. Grundsätzlich ist das natürlich nix Schlimmes, und es gibt mittlerweile auch Tage, an denen ich Zeit für mich genießen kann. Eigentlich war ich mit einer Freundin locker verabredet, die dann aber wegen anderweitiger Unternehmungen nicht konnte. Hab gemerkt, dass mich das verletzt und denke, das ist so ein Grundmuster bei mir. Und wahrscheinlich gibt's da auch eine Verbindung zur Beziehung zu xy. Allein sein, das war schon als Jugendliche eine Angst. Umso schwerer tu ich mich wohl damit, Menschen loszulassen, auch wenn sie mir nicht gut tun.

    Kleines Erfolgserlebnis gab es dann auch noch: Ich habe mich über eine App mit einigen Leuten zu einem Konzert verabredet. Habe sehr lange gebraucht, um über diesen Schatten zu springen, bin wohl noch nicht in der Welt der Online-Bekanntschaften angekommen... Ich möchte mir aber neue Kontakte aufbauen - jetzt ist ein Anfang gemacht.

  • Ich bin im April auch auf so eine Freizeit App gestoßen und ich habe seither viele tolle Menschen kennengelernt und viele Dinge unternommen. Konzerte, Wandern, Stammtisch, Kino usw.

    Ich kann Dir das nur empfehlen.

    Liebe Grüße

  • Hallo Ella,

    Ich bin jetzt erst auf deinen Faden gestoßen. Und war ganz überrascht, denn ich habe schon oft deine klugen Beiträge bei anderen gelesen und dachte daher du bist längst abgelöst.

    Vieles was du schreibst könnte von mir sein. Ich habe mich ja damals hier angemeldet, um sicherzustellen, dass ich auch wirklich ausziehe, wenn mein Mann wieder trinkt. Und so war es dann auch.

    Ich lebe mein Leben. Was trotzdem geblieben ist, ist die Sorge, dass er stirbt, sich verletzt, massive Schäden davon trägt. Es kostet mich viel Kraft dennoch nicht zu handeln, mich nicht zu kümmern.

    Den räumlichen Abstand zu haben hat aber extrem viel verändert. Früher habe ich mich der Dynamik ausgeliefert gefühlt und konnte kaum abschalten und war quasi ausgebrannt. Jetzt kann ich das ausblenden und zu mir selbst kommen und meine Wohnung ist mein safe place. Ha, ha, die Worterkennung wollte aus "place" gerade dauernd "Placebo" machen. Da fühle ich mich dann aber auch ein bisschen ertappt, denn gedanklich bin ich noch viel bei meinem Mann, ich agiere es halt nur nicht mehr. Oder zumindest sehr viel weniger.

    Bist du weiter standhaft, dass er nicht in deine Wohnung kommt nach der Reha? Hat dieser Berater seine Wohnung tatsächlich gesichtet? Denn tatsächlich auch praktische Hilfe zu bekommen, ist ja eher die Ausnahme. Ich frage, weil die Abgrenzung für dich dann vermutlich einfacher wäre. Aber ich weiß natürlich, dass hier ein Dilemma besteht, denn wenn ich mich nur raus ziehen kann, weil jetzt jemand anderes das Kümmern übernimmt, dann bin ich ja weit davon entfernt ihm wirklich zuzutrauen und zuzumuten selbst sein Leben zu regeln. Und das ist der Punkt in dem sich mein eigenes Hamsterrad wieder dreht: der Zweifel, dass er das kann (jetzt rede ich von meinem eigenen Mann), der Eindruck er ist seiner Sucht ausgeliefert.

    Und ich weiß natürlich, dass das eigentlich ein Grund mehr ist mich vollständig zu lösen. Denn so stirbt einer und sonst sterben zwei.

    Alles Liebe, Jump!

  • Hallo liebe Jump!

    vielen Dank, dass Du mir schreibst, das freut mich besonders, weil ich Dich so gerne lese. Und in Wirklichkeit muss jetzt ich mich ertappt fühlen, denn, wie Du es richtig erkannt hast, es geht weiter - und in letzter Zeit wieder verstärkt - hin und her in meinem Kopf - trotz mancher (alt)kluger Worte bei anderen...

    Bedingt durch mehrere Krankenhausaufenthalte von xy und einen Notfall in seiner Wohnung - das alles während seiner Reha, - gab es zuletzt mehr Kontakt, als wir ursprünglich vereinbart hatten, und ich hab mich wieder zu weit aus der Deckung gewagt. Will heißen, ich war wieder zu nah dran, hab unterstützt, ein offenes Ohr gehabt. Mein Rückfall... Ich versuche zwar, mich ihm gegenüber sachlich und distanziert zu benehmen, zeige wenig Emotionen, aber innerlich sieht es anders aus. Also wohl nur eine Form von Selbstbetrug.

    Der Plan, dass er in seine Wohnung zurückkehrt, steht. Der Berater kennt die Wohnung, ja, aber auch er weiß aus Erfahrung, dass er nichts ausrichten kann ohne Bereitschaft von xy, daran dauerhaft etwas zu ändern. Und diese Bereitschaft ist höchstens rudimentär vorhanden. Also wird sich die praktische Hilfe von dieser Seite wohl in Grenzen halten, und xy wird so darin leben müssen.

    Aber selbst wenn er das irgendwie schafft, ist das keine Lösung für mein Problem. Es wird darauf ankommen, sich gedanklich zu lösen, wenn er denn wieder trinkt/konsumiert. Mir gar nicht erst das Hirn zu martern, OB er das wieder tut.

    Du beschreibst ja sehr treffend, wie schwer auch Dir das fällt, obwohl Du - Hut ab! - die räumliche Trennung geschafft hast. Ein riesen Schritt, und ein Glück konntest Du diese Dynamik hinter Dir lassen, einen Rückzugsort für Dich schaffen. Aber verrückt, dass man es so empfindet und der endgültige gedankliche Absprung dennoch so schwer ist. Das kann ich gut nachfühlen.

    Gibt es bei Dir und Deinem Mann eine ausdrücklich ausgesprochene Trennung?

    Ich hab gemerkt, dass bei mir wieder Hoffnung gekeimt ist, wie so ein zähes Unkraut, nachdem ich mich schon mal gefühlsmäßig weiter entfernt hatte. Dabei kommen mir meine Hürden, alles abzuschütteln, lächerlich klein vor im Vergleich zu Deinen und denen vieler anderer hier. Ich bin nicht verheiratet, finanziell unabhängig, wir haben weder gemeinsame Kinder noch ein gemeinsames Zuhause. Trotzdem hänge ich in dieser Suchtbindung fest. Was hilft da heraus?

    Ich glaube nur noch eine Art strikter Zwang mir selbst gegenüber. Trinkt oder konsumiert er wieder nach der Reha, folgen Trennung und Kontaktabbruch. Das ist ein Ultimatum an ihn, vor allem aber auch an mich selbst. Ich will nicht mehr zurück in diese Niedergeschlagenheit und Kraftlosigkeit, in der ich schon mal war. Das hat sich tatsächlich wie "ein bisschen sterben" angefühlt. Der Kopf wird dann trotzdem Zeit brauchen. Und viel Ablenkung und positive Erlebnisse.

    Wie füllst denn Du Deine frei gewordene Zeit, Jump? Ich habe momentan Urlaub, konnte aber aus verschiedenen Gründen nicht verreisen. Hab angefangen mich etwas sportlich zu betätigen und war in den vergangenen Tagen größere Touren wandern. Das tat sowas von gut! Kopf war danach richtig frei, und ich hab mich gestärkt gefühlt.

    Liebe Grüße!

  • Liebe Ella, so jetzt komme ich dazu dir in Ruhe zu antworten.

    und ich hab mich wieder zu weit aus der Deckung gewagt.

    Ich kann so gut nachfühlen wie du das meinst. Ich wollte vor zwei Wochen nur ganz kurz aus organsatorischen Gründen was hinbingen und schwupps war ich wieder voll in der Dynamik drin.

    Gibt es bei Dir und Deinem Mann eine ausdrücklich ausgesprochene Trennung?

    Nein, es gibt gar keine Trennung. Weder ausdrücklich noch unausgesprochen. Ich habe nur die Regel, dass wir uns nicht sehen, wenn er getrunken hat. Das kann dann unter Umständen auch monatelang sein, ich weiß es nicht. Vor zwei Monaten waren wir ja noch zusammen im Urlaub.

    Das ist ein Ultimatum an ihn, vor allem aber auch an mich selbst.

    Das finde ich gut. Auch, dass du das hier in deinem Faden nochmal so schreibst. Das ist dann verbindlicher.

    Wie füllst denn Du Deine frei gewordene Zeit, Jump?

    Och, ich mache eigentlich das Selbe wie vorher. Ich lese gerne, gehe ganz viel spazieren, kümmere mich um die Pflanzen, koche, ab und zu treffe ich Leute, was hier einfacher ist, weil ich nun zentraler wohne. So viel mehr Zeit habe ich eigentlich gar nicht, jetzt muss ich ja mehr selbst machen, also haushaltsmäßig.

    Es ist mir am Anfang nur schwer gefallen wirklich zur Ruhe zu kommen in der neuen Umgebung. Aber jetzt kann ich hier genauso gut nichts-tun wie vorher 😉. Ich brauche nicht so viel Action. Am meisten vermisse ich meine Kater.

    Ich bin gespannt wie es bei dir weiter geht Ella.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Hallo Ella, ich bin schon seit bestimmt zwei Jahren stille Mitleserin hier im Forum und habe mich jetzt erst angemeldet, weil einige Ereignisse dazu geführt haben, dass ich das Gefühl hatte, hier wirklich Unterstützung suchen zu wollen.

    Viele Beiträge habe ich schon in den vergangenen Jahren gelesen, aber gerade bin ich über Deinen gestolpert.

    Ich kann die emotionale Verstrickung, die Du gefühlt in der Beziehung zu xy empfindest einfach so gut nachvollziehen. Auch das Hintertürchen, das man sich so gerne offen halten möchte… und der steinige Weg der Abgrenzung und das Aufhören, Fremdverantwortung zu übernehmen.

    Und immer wieder dieser Hoffnungsschimmer in Momenten, wo man eigentlich gerade dachte, man wäre jetzt einen Schritt weiter und bereit, sich zu lösen, der einen dann doch wieder hält. Ich habe oft das Gefühl, ich gebe mich einer Ilusion hin und es ist verdammt schwer, aus dieser Illusion auszusteigen und in meiner persönlichen Realität zu leben. Aber ich versuche es Schritt für Schritt. Ich versuche, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mein Herz erfreuen und habe es die letzten Monate immer klarer geschafft, mich abzugrenzen. Neulich sollte ich eine Rechnung für ihn bezahlen. Er war betrunken in der Kneipe und hat in seiner Trunkenheit ( zum x-ten Mal! ) seine Zahlungsmittel verloren. Ich habe es zum ersten Mal geschafft, nein zu sagen und ihm gesagt, dass er selbst die Verantwortung übernehmen muss. Ich war hin- und hergerissen zwischen Schuldgefühlen und Stolz auf mich selbst.

    Alles Liebe, hiiumaa

  • Hallo hiiumaa ,

    danke für Deine Nachricht. Du bringst es gut auf den Punkt. Und ich war kürzlich bei einem Nein auch ähnlich stolz wie Du es beschreibst. Aber es folgten auch wieder einige Jas meinerseits. Vorauseilende, automatische Jas. Weil ich schaff das ja, ich bin ja so viel besser dran als er. Die ewig eingeschliffene Denke: Er Notfall, ich Feuerwehr....

    Für nächstes Wochenende habe ich etwas zugesagt, was ich eigentlich nicht mehr machen möchte, weil es mir und der momentanen.Situation mit ihm nicht entspricht. Aber ich kriege es nicht hin, abzusagen und mich rauszuziehen. Ich denke, das kann ich doch nicht bringen. Es sind noch mhr Personen involviert. Ich bin zuverlässig und stehe zu dem, was ich zusage, das möchte ich auch beibehalten. Mit Blick auf ihn nervt mich diese Zuverlässigkeit allerdings schon fast.

    Er hat das unzählige Male gemacht, Verabredungen nicht eingehalten und nicht einmal abgesagt. Sogar unter Vorwänden die Wohnung verlassen, angeblich um gleich wiederzukommen - und blieb dann ein, zwei Wochen lang ohne ein Wort weg. Wenn man sowas einmal erlebt und nicht vernünftigerweise gleich den Absprung geschafft hat, fragt man beim nächsten Mal umso eindringlicher nach, ob der andere auch wirklich wiederkommt und wenn ja, wann - und schwupps, hockt man drinn in der Kontrollfalle.

    Das klingt vielleicht alles nicht so dramatisch, hat mich aber emotional völlig ausgelaugt. Und trotzdem habe ich immer wieder die Hintertüren offen gehalten, wie Du sagst, hiiumaa . Ich will die jetzt echt abschließen. Oder am besten gleich zumauern. Das geht so für mich nicht mehr.

    In mir ist noch immer viel Wut. Dass ich so vieles so lange falsch als Liebe gedeutet habe. Offensichtlich weil ich selbst so bedürftig bin. Kein gutes Gefühl für mich. Vermitteln kann ich ihm das alles nicht, vermutlich ist das auch ein falscher Ansatz. Es kommt als Vorwurf an und zieht nur Selbstbezichtigungen nach sich. Was mache ich also damit?

    Aber es gibt auch wieder bisschen was Gutes. Am Wochenende war eine Freundin zu Besuch, wir waren ausgiebig mit den Hunden unterwegs. Eine neue Verabredung fürs Wandern mit einigen Menschen habe ich auch. Manche Erinnerungen sind einfach so für die Tonne, die sollte man mit neuen, schöneren Erlebnissen und Erinnerungen überlagern

    Einmal editiert, zuletzt von EllaDrei (18. August 2025 um 16:14)

  • Hallo,

    auch von mir ein kleines Update. Ich muss sehr auf mich aufpassen. Habe xy dieses Wochenende gesehen. Wüsste man nicht, was los ist, wären wir ein nach außen gut eingespieltes Paar mit positivem Umgang. Selbst trinkend konnte er das bis zu einem gewissen Grad immer aufrecht erhalten. Eine Art Fassade sicherlich, damit ich mich nicht abwende, aber sie hat in seinem Sinne funktioniert. Auch die hat es mir nämlich schwer gemacht, konsequent zu sein und ihn loszulassen - er ist ja so nett und charmant 🙄

    Täglicher Umgang ist das eine, Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit das andere, und da gibt es viel verbrannte Erde hier. Er hat mich mehrmals bestohlen, es gibt ja noch einen anderen Suchtstoff. Auch aktuell habe ich von einem ein paar Monate zurückliegenden Vorfall erfahren. Ein Grund eigentlich, alles umgehend aufzukündigen. Pack ich nicht. Dann wieder denke ich, was muss denn noch alles passieren? Was will ich mir noch gefallen lassen? Ich entschuldige zu viel...

    Es ging in Gesprächen auch um (seine) Rückfallängste und die Sorge, mich zu verlieren - ein Appell sicherlich auch an mich, er wollte wohl schon mal vorbauen für den Fall, dass....

    Letztlich gut dass er es angesprochen hat, im Prinzip hat es mir wieder klar gemacht, wie dünn das Eis ist und dass er momentan einfach unter der Käseglocke lebt und die größte Arbeit für ihn erst nach der Reha beginnt.

    Ich konnte fest bei meinem Standpunkt bleiben und sagen, dass es allein seine Aufgabe und Verantwortung ist, dafür zu sorgen, dass es eben NICHT zum.Rückfall kommt und wenn doch, dass er sofort gegensteuern sollte.

    Hab auch meinen Plan bekräftigt, dass ich mich in dem Fall zurückziehen will und werde, nicht weil ich ihm drohen sondern mich schützen will. Weil ich weiß, dass sofort die gleiche alte Spirale beginnt. - er zieht sich immer weiter zurück, isoliert sich, konsumiert, ich mache mir Sorgen und so weiter und so fort.

    Es schien, als versteht er das. Kann aber auch wieder Fassade sein, weil er weiß, dass ich nix anderes akzeptiere. wie dem auch sei, ich bin offener geworden, schone ihn weniger.

    Am Abend habe ich noch drei Stunden im Garten gearbeitet, das tat mir total gut. Ich wünsche Euch allen einen möglichst guten Start in die Woche!

    Einmal editiert, zuletzt von EllaDrei (24. August 2025 um 21:42)

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