Disziplin - Disziplin

  • Hallo liebes Forum, ich möchte Mut machen und aufrütteln, weil ich am Alkohol fast gestorben wäre. Ich habe jahrelange getrunken und Antidepressiva genommen, bis ich schwer erkrankt bin. Ich bin ins Leberkoma gefallen und hatte eine Lebertransplantation. Mir ging es so so schlecht und ich habe gewinselt um mein Leben. Man muss sich vorstellen, dass ich danach einen Rückfall hatte und wieder zum Alkohol gegriffen habe. Zwar nur 2 Wochen, aber es hat gereicht. Hab dann eine Entwöhnungsbehandlung gemacht und bin jetzt 16 Jahre trocken.

    Ich hab das geschafft durch Diszplin und Achtung vor dem neuen Organ, durch das ich weiterleben konnte.

    Es gibt weiterhin viele Höhen und Tiefen in meinem Leben. Aber egal was kommt, der eine Satz hat sich eingeprägt "Du bekommst mich nie wieder!!"

    Versucht dem Alkohol zu entkommen. Mich hat dieser furchtbare Teufel wirklich fast das Leben gekostet. Es gibt keine Ausreden.

  • Hallo Disziplin!

    Herzlich willkommen hier im Forum, es wird sich bald ein für dich zuständiger Moderator um dich kümmern.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Herzlich willkommen hier im Alkoholiker-Forum, Disziplin.

    da hast du die tiefsten Abgründe der Sucht erfahren müssen.
    Wir fragen hier zu Anfang ab, ob sich jemand als Alkohliker sieht und eine lebenslange Abstinenz anstrebt.
    Mit dem, was du geschildert hast, gehe ich davon aus.

    Möchtest du dich hier im Forum mit anderen Alkoholikern und Betroffenen austauschen?

    Viele Grüsse
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich hab das geschafft durch Diszplin und Achtung vor dem neuen Organ, durch das ich weiterleben konnte.

    Hallo Disziplin,

    Das berührt mich, dass die Achtung vor dem neuen Organ ( Leber eines Verstorbenen) deine Sucht besiegt hat. Ich freue mich für dich und auch für den Verstorbenen.

    Und nun lasst uns andere unsere eigene alte Leber weiter achten und behüten.

    LG Matcha

  • Hi,

    die Leber ist sicher ein guter Grund. Ich würde aus anderen Gründen sehr wahrscheinlich nicht mehr leben, wenn ich weitergetrunken hätte.

    Zufriedenes Leben geht für mich über das unbedingt notwendige hinaus. Zufrieden trocken war ich lange in dem Sinn, dass ich die Entscheidung aufzuhören gut fand und nie damit zu kämpfen hatte, dass ich zurück wollte, obwohl manches Andere erst mal nicht so lief. Aber ich hatte trocken ja Zeit, dran zu arbeiten.

    Bei mir war es so, dass ich irgendwann gemerkt hatte, dass meine gesamte negative Lebenseinstellung mit dem Trinken zu tun hatte, und zwar in der Reihenfolge, dass die meisten Probleme durchs Trinken überhaupt erst entstanden. Ich hatte zwar sicher ein paar andere Probleme auch, aber die hätten sich wahrscheinlich anders besser lösen lassen. Und feiern war ich halt auch gern.
    Ich will drauf raus, so wirkliche Gründe fürs Trinken hatte ich nicht, ausser dem, dass ich erst sehr gerne getrunken habe, denn irgendwelche als Trinnkgründe vorgeschobenen Probleme löste ich damit ja nicht. Ich habe halt Einiges vernachlässigt, weil Trinken das Belohnungsgefühl sehr lange auch brachte und ich ansonsten etwas bequem war, um mich allzusehr anzustrengen. Die Folgen blieben natürlich nicht aus. Irgendwann wars dann der Kreislauf aus es wird immer schwieriger, und Du kennst das Mittel, das Du immer benutzt hast.

    Und jetzt, schon sehr lange trocken, gibt es die Auf- und Abs- die es vermutlich in jedem (auch nüchternen) Leben gibt, trotzdem verspüre ich bei allem eine Leichtigkeit und auch Dankbarkeit für mein Leben, die ich früher definitiv nicht hatte. Früher war mir das Leben eher lästig, oder wie ich das damals empfunden habe, mein Leben war der Einsatz im Spiel, den ich auch riskiert habe. Heute würde ich gerne auch 90 werden.

    Wie ist das bei Dir mit der Lebenszufriedenheit? Oder anders gefragt: ist es "nur" die (lobenswerte) Disziplin, oder bist Du inzwischen von der Nüchternheit auch anderweitig überzeugt?

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    2 Mal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (12. Juni 2025 um 12:28)

  • Hallo, am Anfang war ja der Alkoholmissbrauch. Ich habe seit meiner Jugend Panikattacken. Am Anfang hat der Alkohol mir "geholfen", weil es ja im Rahmen war, meiner Meinung.

    Dann schlug es um. Durch den Alkohol ging es mir ja plötzlich schlechter; die Angst und die Depressionen wurden schlimmer.

    Während der Transplantationsphase war ich ja mehr tot als über irgendetwas nachzudenken.

    Erst in der Entwöhnungsbehandlung fiel der Satz" ohne Alkohol glücklich und zufrieden sein". Selbst da kam der Gedanke, wie soll das denn gehen? Obwohl ein erneuter Rückfall mein Todesurteil gewesen wäre.

    Aber es kam wirklich die Zeit, wo ich merkte, dass es ohne Alkohol geht. Ich war glücklich; die Panikattacken wurden weniger und auch die Depression, meine 2 Hauptprobleme.

    Der Drang war weg und dann kam die Verantwortung für das Organ. Aller 6 Wochen zur Blutentnahme. Immunsupressiva für den Rest meines Lebens.

    Aber zur Besinnung bin ich wirklich in der Entwöhnung gekommen. Es war meine einzige. Ob ich alt werde, weiss ich nicht. Aber jetzt bin ich 63 und die letzten 15 waren sehr zufriedene Jahre, weit weg vom Alkohol. Ich bin sehr dankbar und stolz auf mich.

  • Ich dachte man müsse ein halbes Jahr trocken sein um überhaupt für eine Transplantation gelistet zu werden. Da hast Du aber mehr als Glück gehabt und ich finde Deine Einstellung zu Deiner geschenkten Leber richtig. Alles Gute weiterhin

  • Hallo AnnaBlume,

    Punkt Nr. 1:

    Den Alkoholmissbrauch grundsätzlich nur mit ärztlicher Hilfe in Angriff nehmen. Es gibt dann keine Ausreden mehr. Ehrlich sein, man ist dann eh durchschaut und die Blutwerte sagen die Wahrheit.

    2. Aufhören kann jeder, aber nicht wieder Anfangen ist das Problem. Die Gefahren lauern überall. Als ich nach der Entwöhnung enlassen wurde, sagte ich zu einer älteren Schwester zum Abschied "Jetzt fängt mein neues Leber an, nie nie wieder greif ich zum Alkohol". Dann sagte sie: " Du wirst aber weiterhin Probleme haben, Höhen und Tiefen. Aber sagt dir immer "Du (Alkohol) bekommst mich nie wieder".

    Wir sind viel In Italien. Italien - Wein. Ich hab dran oft gedacht, 1 Glas zum Essen, Spagetti ohne Wein geht doch nur schwer. Aber trinke ich ein Glas, sagt mir mein Gehirn, dass hast du aber jetzt gut vertragen. Denn die Sucht ist ja nur verschoben, nach ganz hinten in meinem Gehirn. Will ich sie wieder rauslocken?

    Und dann kommt sie die Disziplin. Nein es ist es nicht wert. So lange abstinent. Es ist es nicht wert das eine Glas, weil ich mich kenne und weiss was passiert. Sei diszipliniert trotz deiner Sucht.

    Verstecke dich nicht immer hinter dem Satz, dass ist eben unsere Krankheit; wir sind suchtkrank, da gehören Rückfälle dazu.

    Nein, ich will nicht wieder süchtig werden . Ich möchte leben und Probleme lösen ohne Alkohol. Und dazu gehört für mich an allererster Stelle Standhaftigkeit und Achtung vor meiner jahrelangen Abstinenz. Ich bin mir das selber schuldig.

  • Danke für deine Punkte, gemeint war, was das Forum dir Gutes tun kann.

    Ein Punkt ist ja schon erreicht. Durch mitteilen von Erfahrungen reflektiere ich mich immer selbst.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Wir sind viel In Italien. Italien - Wein. Ich hab dran oft gedacht, 1 Glas zum Essen, Spagetti ohne Wein geht doch nur schwer. Aber trinke ich ein Glas, sagt mir mein Gehirn, dass hast du aber jetzt gut vertragen. Denn die Sucht ist ja nur verschoben, nach ganz hinten in meinem Gehirn. Will ich sie wieder rauslocken?

    Und dann kommt sie die Disziplin. Nein es ist es nicht wert. So lange abstinent. Es ist es nicht wert das eine Glas, weil ich mich kenne und weiss was passiert. Sei diszipliniert trotz deiner Sucht.

    War das nur in den ersten Jahren so oder führst Du diese Art Selbstgespräche zwischendurch immer noch?

    Klingt für mich ein bisschen nach "Faust in der Tasche", das Beharren auf der Disziplin...ich kenne es von Langzeittrockenen eher, dass sie hier aufschlagen, um ihre Sucht nicht aus den Augen zu verlieren, gerade weil ihre Abstinenz so selbstverständlich für sie geworden ist.

    Wie ist es bei Dir zu Hause, Du schreibst von "wir" - ist Dein Zuhause bzw. deine Ferienwohnung alkoholfrei? Oder hat sich das im Laufe der Jahre geändert?

    Wir lernen ja weniger von gutgemeinten Ratschlâgen, sondern aus Erfahrungen, am besten im Austausch miteinander ...so verstehe ich auch die Frage von Anna.

    In dem Sinne: Herzlich willkommen, bin gespannt darauf, mehr von Dir zu lesen.

  • Sollte ich etwas "altklug" rüberkommen, dann tut es mir leid.

    Ich habe keine geballte Faust in der Tasche, aber lese aufmerksam. Wenn jemand schreibt, dass er nach mehreren Jahren Abstinenz immer noch nicht am Weinregel vorbeigehen kann, obwohl diese für ihn selbstverständlich geworden ist?

    Außerdem habe ich das Gefühl, dass das Wort "Disziplin " nicht gerne gehört wird. Ich lese immer gerne zwischen den Zeilen. Man wird ja mit den Jahren auch immer feinfühliger.

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