tom77, Hi aus München

  • Hi, ich wollte mich heute mal wieder melden. leider geht es mir mittlerweile psychisch so schlecht, das ich gestern die reissleihne gezogen und mich habe krankschreiben lassen.

    nächsten dienstag bin ich bei meiner psychiaterin. eventuell muss man da mit medikamenten gegensteuern.

    negative gedankenspiralen und innere unruhe, kenne ich, und kann ich auch immer irgendwie handeln. neu ist die antriebslosigkeit. das ist richtig ecklig und kenne ich so an mir nicht.

    ich hoffe das das nur temporär ist. falls es schlimmer wird, werd ich mich einweisen müssen.

    ich hatte hier ja schonmal geschrieben, dass es ein fehler war, keine langzeittherapie gemacht zu haben. das holt mich aktuell wieder ein.

  • Mir tut leid dass es dir so schlecht geht. Gut dass du dir professionelle Hilfe holst besser jetzt als nie. Ich drücke alle Daumen dass dir schnell geholfen werden kann.
    Wenn du jetzt zu Hause bist sei besonders achtsam und melde dich bei Druck. Wir sind da!

  • Das ernst zu nehmen ist in jedem Fall gut.

    Der Alkohol hat jahrelang in das Neurotransmittersystem eingegriffen und eine trügerische Stabilität etabliert, die aber nur mit Alkohol funktioniert.
    Fehlt der Alkohol plötzlich ist das System im Ungleichgewicht. Viele Veränderungen sind reversibel, mache bleiben ein Leben lang. Das Gehirn muss sich nun wieder auf den nüchternen Zustand einstellen. Das braucht Monate.
    Alkohol fördert die Dopaminausschüttung, welches das Belohnsystem stimuliert. Da das Gehirn bei permanenter Einwirkung von Alkohol das Überangebot von Dopamin
    regulieren will, hat es die Anzahl der Dopamin-Rezeptoren reduziert. Bei Abstinenz, geht die Dopaminausschüttung zurück und diese ist für die vorhandenen Rezeptoren dann viel zu gering. Das Gehirn baut die Anzahl der Rezeptoren jetzt zwar wieder auf aber genau das braucht seine Zeit.

    Ich habe das durch Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit wahrgenommen. Selbst Dinge, die mir vorher Spass gemacht haben konnten mich nicht hinterm Ofen vorlocken, weil das Belohnsystem, was den Spass und die Zufriedenheit darüber auslösen soll, aus dem Gleichgewicht geraten ist. Zeit und Geduld ist hierbei gefragt.
    Als ich das verstanden hatte, konnte ich die Lustlosigkeit besser akzeptieren.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Da kenne ich mich nicht aus, aber ich würde das zuerst mit deinem Arzt nächste Woche besprechen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Das Belohnsystem erholt sich in der Regel vollständig. Irreparable ist die Sucht und die Tatsache, dass ich Alkoholiker bin. Ich kann die Sucht nur stoppen aber nie heilen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Guten Morgen🙂

    ein kurzes update. heute geht es mir besser. das wetter spielt auch mit. also duschen und raus auf’s radl.

    ich probier es heute ohne mein ADHS medikament. ist ja keine spiegelnedikament. lassen leute entsprechend auch gerne mal am wochenende weg. einfach weil der schlaf in der regel besser ist.

    der punkt ist das ich das medikament damals in der klinik (nach aufwendigen tests, und sorgfältiger, kritischer abwägung der oberärztin) verschrieben bekam.

    heißt:stabil nüchtern ohne medikament kenne ich nicht.

    ich pack mir die pille einfach ein. falls die stimmung kippt, kann ich ganz einfach gegenschiessen.

    sonnigen tag für euch🙃

  • hi liebes forum,

    was soll ich sagen. letzten dienstag hatte ich nen dicken rückfall. kann mich noch an 3 augustiner und 1 0.1 l jägermeister erinnern. dann hat es mir den film gerissen. ne liebe freundin war dann über nacht bei mir, der hatte ich noch auf whatsapp geschrieben. ich wollte stockbesoffen noch zur tanke laufen und nachlegen. die liebe hatte wohl große mühe mich da zu bändigen. hatte dann ein paar dosen spezi getrunken und schinken-köse toasts gegessen.

    als ich gegen mitternacht wieder halbwegs nüchtern war, setzte starke unruhe ein. meine freundin (eine gute freundin, wir sind / waren nie zusammen) ist angstpatientin und bekommt entsprechend notfallmedikamente verschrieben. sie konnte sich mein elend irgendwann nicht mehr anschauen, und hat mir ne halbe beruhigungstablette gegeben. die hat ihren dienst getan, bin dann auf der couch eingeschlafen.

    mein plan jetzt: mindestens 2x die woche in eine selbsthilfegruppe gehen.

    ich hab das unheil eigtl. schon kommen sehen, und hab mir alles schöngeredet. bin da wie ein blinder in die wand gelaufen.

    musste mich dann mittwoch für die woche krankschreiben lassen. ich war stundenlang spazieren und hab daheim podcasts gehört.

    morgen geht ne neue woche los. körperlich geht es mir wieder gut. was bleibt ist diese ohnmacht und hilflosigkeit, die man wieder spürt.

    viele grüße tom

    4 Mal editiert, zuletzt von tom77 (27. Juli 2025 um 19:28)

  • Hallo Tom,

    Respekt an jeden, der sich hier nach einem Rückfall meldet. Hut ab!

    Aber warum nicht vorher? Der Weg vom Saufdruck zur Flasche dauert – da wäre doch Zeit gewesen, sich hier zu melden. Was hat dich da gehindert? Dieses Forum ist nicht nur zum Nachbesprechen, sondern gerade für die Momente, in denen es kritisch wird.

    Nach dem Saufen auch die übliche Reue. Viele reagieren mit neuen Vorsätzen und suchen erneut weitere Hilfe. Aber wenn ich deinen Beitrag lese, wirkt das eher wie ein Rückzug in die Opferrolle statt wie echte Motivation zur Veränderung.

    Hilfe allein bringt nichts, das hat in der Vergangenheit auch nicht geholfen. Trocken wirst du nicht durch Wissen, Therapie oder Selbsthilfegruppen. Trocken wirst du, wenn du selbst aktiv wirst und es wirklich willst.

    Und da muss ich mich eben, wenn ich wackelig bin, erstmal selbst schützen – zu Hause wie draußen. Ein alkoholfreies Umfeld schaffen und vieles mehr.

    Aber erstmal die Frage: War dein Rückfall nur am Dienstag? Und danach hast du nichts mehr getrunken?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • hi Hartmut ich muss lernen gefühle zuzulassen. das unter den teppich kehren und den schein nach außen wahren hab ich mir daheim abgeschaut. das soll es nicht entschuldigen, ich bin ja alt genug ..

    das warum war mal wieder ein klassiker.

    viel stress im büro, und andere kleine wehwehchen. aus meiner üblen laune heraus den einfachen weg gesucht meinen frust loszuwerden. trotz hat natürlich mitgespielt (das eine bier hab ich mir jetzt verdient). der irrglaube das würde schon gut gehen.

    nach einer halben bier kann ich dann nicht mehr gegensteuern. mein kopf ist voll im automodus.

    getrunken hab ich seitdem nix mehr. das ich stockbesoffen noch zur tanke wollte, um mich komplett abzuschiessen ist natürlich sehr beunruhigend.

  • Sucht funktioniert unabhängig von Gefühlen, Stress oder äußeren Ereignissen. Sie nutzt jede Gelegenheit, jede Situation, um sich als scheinbare Lösung zu präsentieren. Deshalb ist es wichtig, Grenzen zu setzen, sich selbst zu schützen – notfalls auch sich einfach mal in Sicherheit bringen.

    Kennst du den Notfallkoffer?

    Das Forenteam
    27. August 2021 um 21:40

    Ich habe gerade nicht den gesamten Gesprächsverlauf im Kopf, aber wie sieht dein alkoholfreies Umfeld aus? Ein Rückzugsraum, in dem kein Alkohol griffbereit ist? Sonst bleibt es immer nur bei Absichtserklärungen, und alle guten Vorsätze laufen ins Leere.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • hi Hera es ist latenter dauerstress, der sich nicht mehr legen mag. dazu die vielen baustellen, die ich angehen muss. alles was ich die letzten jahre in den sand gesetzt hab.

    das schizophrene ist ja, dass ich dann wieder saufe. den bärenteil meiner kleinen und großen probleme hat mir ja der alkohol einbrockt.

    das kann man normalen leuten ohne suchterkrankung schlicht nicht mehr erklären.

    das ist der nächste punkt: ich bin es so leid menschen anzulügen, die mir nahe stehen.

  • schutzraum ist meine wohnug. hier fühl ich mich wohl. ich hatte schon ewig keinen alk mehr daheim.

    die andere sache, da muss ich mich gerade machen. ich habe noch kontakt zu zwei guten freunden, die ich schon ewig kenne. die hatte ich auch in trockenen zeiten regelmäßig getroffen. beide trinken leider aktuell problematisch. ich mag hier keinen schnulzenroman schreiben, aber der gedanke daran, den kontakt komplett abzubrechen, inkl. nummer blockieren etc. dreht mit den magen um.

  • Ich glaube, das erste, was Du verinnerlichen müsstest, ist:

    Es ist viel einfacher, bei Stress nicht zu trinken, als zu dem Stress dann anschliessend auch noch den Rückfall aufzuarbeiten.

    Denn das Argument, dass Du wegen Dauerstress trinkst, hinkt ja dermaßen, mit Rückfällen hast Du ja noch mehr Stress.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • bin lange gut mit gefahren bei saufdruck zu visualisieren, wie‘s mir morgen geht, wenn ich heute saufe, oder eben nicht.

    ich hab das für mich wohl schleichend ein stück weit runtergespielt. ich war nicht mehr achtsam genug was meine sucht angeht. ich dachte mir trotzig sch*** auf das gespenst alkohol, eine halbe geht schon.

    ich möchte danke sagen, dass ich hier so schnell hilfe bekommen habe, und das kommt von herzen.

    ich werd‘ mich noch ein wenig durchstrechen, und auf der couch rumlümmeln.

    schönen abend für euch🙂

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