Chulio, dann stelle ich mich mal vor...

  • Hi,

    ich versuche mal ein paar Eckdaten zusammenzufassen.

    Ich bin 37 Jahre alt, trinke seit ich 12 bin und habe es von Anfang an geliebt. Ich war leider immer der in unserer Truppe der am meisten saufe konnte, dafür habe ich mich natürlich auch gerne feiern lassen. Es gab bei mir immer nur eine Devise, so viel rein wie es geht, bis zum Erbrechen. Mit ca. 16 ging es dann auch los alleine zu trinken, das war für mein ADHS Hirn und die daraus entstandenen Ängste und Depressionen ein gefundenes Fressen.

    In der Kochausbildung kamen Amphetamine, später in der Frankfurter Zeit noch Kokain dazu. Mit Anfang 20 kam der erste Versuch sich Hilfe zu holen, einer von vielen der im Sande verlaufen ist. Mitte 20 mit einer Überdosis vom Mischkonsum 2 Tage Intensivstation. Ein rational denkender Mensch hätte dann gesagt "lassen wir das lieber mal", mein Suchthirn hatte aber andere Pläne und die schlimmste Zeit lag lag noch vor mir.

    Anfang 30, unzählige Abstürze, Unmengen Kokain und ein paar hundert Liter Schnaps später, lebe ich in einer zugemüllten Wohnung, seit über einem Jahr ohne Strom und werde aus meiner Wohnung raus geklagt. Damals hatte ich glücklicherweise Menschen die mich aufgefangen haben. Ein paar Monate war ich abstinent, in Therapie, dann ging es wieder los. Heimlich trinken, Flaschen im Haus verstecken usw. Und so dreht es sich im Kreis. Ich schaffe es vielleicht mal ein paar Wochen, Monate und dann manipuliere ich mich selbst wieder "das geht schon irgendwie gut", obwohl mir schon lange bewusst ist dass ich nie wieder "normal" trinken kann.

    Stand jetzt: Fettleber Grad 3, trocken seit 64 Tagen. In der ambulanten Therapie, der Antrag für die Entwöhnung ist gerade raus.

    Der Zug mit "normal trinken" ist lange abgefahren, wenn er überhaupt da war. Für mich gibt es nur noch den abstinenten Weg.

    Ich wünsche mir hier ein paar Gleichgesinnte für den Austausch zu finden, da es für mich oft schwierig ist in der Familie und im Freundeskreis darüber zu reden, gleich und gleich gesellt sich nun mal gern.

    Die "richtige" Arbeit findet natürlich im Alltag statt, aber begleitend ist dieses Forum bestimmt eine sinnvolle und tolle Sache.

    Grüße und einen schönen Sonntag.

  • hallo chulio

    da haste ja schon gut was hinter dir. hast du bei all den entzügen im anschluß irgend etwas in deinem leben verändert oder hast du so weiter gemacht und nur versucht den alk aus deinem leben zu streichen? und wie sieht es mit den anderen drogen aus? nur nicht trinken funktioniert nicht, hat es noch nie. das leben muß einmal auf den kopf gestellt werden um wirklich alles los zu lassen was mit dem konsum zu tun hat. von den "freunden", was ja in der regel nur saufkumpane sind, bis evtl zu der musik die man immer beim saufen gehört hat und die einen jetzt in dem kreislauf gefangen hält. es muß alles auf den prüfstand und konsequent aussortiert werden. du hast ein hartes stück arbeit vor dir.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Willkommen in unserer Online-SHG.

    Die "richtige" Arbeit findet natürlich im Alltag statt, aber begleitend ist dieses Forum bestimmt eine sinnvolle und tolle Sache.

    Das finde ich auch.

    Deine Geschichte wirkt zwar dramatisch, ist aber nichts Ungewöhnliches. Und nein, du manipulierst dich nicht „zum Saufen“ – das ist das Suchtzentrum , das da spricht, falls du wirklich betroffen bist.

    Hier tauschen sich nur Alkoholiker aus, die trocken sind oder trocken werden wollen, sich auch als Alkoholiker bezeichnen und den Wunsch nach lebenslanger Abstinenz haben.

    63 Tage hast du geschafft. Hast du allein entgiftet oder mit ärztlicher Hilfe?

    Bleibt die Frage noch . Siehst du dich selbst als Alkoholiker?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • hallo chulio

    da haste ja schon gut was hinter dir. hast du bei all den entzügen im anschluß irgend etwas in deinem leben verändert oder hast du so weiter gemacht und nur versucht den alk aus deinem leben zu streichen?

    Unterschiedlich, mal alleine probiert einfach wegzulassen, Suchtberatung, ambulante Therapie, bei den Eltern verbarrikadiert, Umzüge, Kontaktabbrüche.

  • Es war nicht stationär, aber alleine war ich nicht. Mit ambulanter Unterstützung des Hausarztes, mein Psychiater in der ADHS Ambulanz und der Internist in der Leberambulanz.

    "Bleibt die Frage noch . Siehst du dich selbst als Alkoholiker?"

    Ja, zu 100 Prozent.

  • Deine Geschichte wirkt zwar dramatisch, ist aber nichts Ungewöhnliches. Und nein, du manipulierst dich nicht „zum Saufen“ – das ist das Suchtzentrum , das da spricht, falls du wirklich betroffen bist.

    So meinte ich das ungefähr, habe es vielleicht etwas missverständlich formuliert.

  • Hartmut 14. Dezember 2025 um 13:11

    Hat den Titel des Themas von „dann stelle ich mich mal vor...“ zu „Chulio, dann stelle ich mich mal vor...“ geändert.
  • So schnell geht das,

    Ich habe dich freigeschaltet und verschoben, und du kannst dich jetzt erstmal überall austauschen – mit einer Ausnahme: die ersten vier Wochen nicht im Vorstellungsbereich.

    Hier noch ein Link, vielleicht entdeckst du dort etwas Neues?

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

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