Lizzy01 - Zig Jahre blind

  • Hallo miteinander,

    Nach vielen Jahren bin ich aufgewacht, Scheuklappen sind weg und ich realisiere dass mein Mann Alkoholiker ist. Seitdem ich mich nun mit dem Thema auseinandersetze, wird mir vieles klarer und verständlicher. Ich suche nun hier Austausch und Hilfe, bin dabei für mich mehr zu sorgen um wieder frei atmen und leben zu können.

  • Hallo Lizzy,

    herzlich willkommen in unserer Online-Selbsthilfegruppe.

    Bei mir hat es auch viele Jahre gedauert dass mir bewusst wurde, dass mein erster Mann Alkoholiker war. Da fasse ich mir heute noch an den Kopf. Warum ich es nicht sehen konnte oder wollte. Aber genau wie bei dir konnte ich in die Gänge kommen als ich mich mit dem Thema Alkoholismus auseinandergesetzt habe.

    Hier ist der Link für den Austausch: https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Klick ihn einfach an und schreib dann was dazu. Du wirst dann freigeschaltet und dein Thema findest du im Bereich für Angehörige und Coabhängige wieder.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Aurora 6. Juli 2026 um 18:51

    Hat den Titel des Themas von „Zig Jahre blind“ zu „Lizzy01 - Zig Jahre blind“ geändert.
  • Hallo Lizzy,

    ich hab dich freigeschaltet und du kannst dich hier überall austauschen. Bitte schreibe aber die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern die noch nicht freigeschaltet sind. Erkennbar sind sie an den roten Nicknamen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Bei mir kam das ganz schleichend, dass sich das Gefühl einschlich, dass wären aber viele Flaschen die ich da dauernd entsorge. Auch als wir einen speziellen Schnaps geschenkt bekommen hatten und dieser binnen kürzester Zeit leer war, kam mir komisch vor. Mehr aber auch nicht. Als er bei der Geburt unseres ersten Kindes telefonisch nicht erreichbar war, weil er „so tief geschlafen“ hat, war ich schon konsterniert. Mehr aber auch nicht.
    Als er während einer längeren Autofahrt plötzlich ausfallend und richtig aggressiv geworden ist und dann auf dem nächst besten Parkplatz zitternd einen halben Liter Bier in sich reingeschüttet hat, kam mir das sehr komisch vor. Im Urlaub hat er Magenprobleme ausschliesslich mit Schnaps bekämpft und dafür aufs Essen verzichtet. Als ich mir in der Folge schwor, mit ihm nie wieder ein All Inclusive Hotel zu betreten, dämmerte es mir langsam. Bis ich die Tragweite des Problems begriffen habe, hat es nochmal 3 Jahre gedauert. Von da an nochmal 10 Jahre, bis mir wirklich klar wurde, dass „meiner“ kein bisschen anders ist als viele andere Alkoholiker. Bis dahin habe ich mir gerne einreden lassen, dass er das schon schafft und alles gut wird. Zur Not probiert er es halt nochmal. Bis heute bin ich sehr anfällig für seine Versprechungen aus der Richtung.

  • Ist sehr schwierig alles nachzuvollziehen- beim Essen das nicht und jenes nicht, keine Kohlenhydrate am Abend - aber Alkohol. Morgens Magentablette. Kein Nachtisch- der macht dick. Dafür ne Flasche Wein ||

  • Hallo Lizzy,

    es ist tatsächlich nicht nachvollziehbar für jemanden, der keine Suchterkrankung hat, warum Alkoholiker so merkwürdig sind.

    Da werden jedes Zwicken oder sonstige Ereignisse herangezogen um einen Alkoholkonsum zu rechtfertigen. Aber im Grunde genommen ist es ein innerer Zwang, Drang den die Sucht erzeugt. Und das muss wohl so dermaßen zwingend sein, dass nichts dagegen ankommt.

    Mir hat es erstmal schon geholfen zu erkennen, was Sucht bedeutet. Also welche Mechanismen da wirken. Dadurch konnte ich auch vieles für mich selbst besser einordnen. Zum Beispiel dass es keinen Sinn macht, wie ich mich all die Jahre verhalten hatte.

    Ich hab ihn unterstützt, mich geängstigt, geredet. Ich hab versucht mich anzupassen damit er nicht trinken muss weil - ich war ja, nach seinen Worten, meistens Schuld. Ich hab immer mehr alles alleine gemanagt, ihn geschont. Weil seine Mutter immer ihn als " er schafft das nicht, er ist so sensibel, empfindlich, er arbeitet schließlich" und ihr Lieblingssatz: "so sind wir Ks eben" bezeichnet hat.

    Und ich als brave Hausfrau, Mutter und Schwiegertochter hab mich mächtig in's Zeug gelegt.

    Das hatte alles keine Wirkung denn Sucht fragt nicht danach, was ICH gemacht habe. Sucht hat IHN regiert und dagegen hatte ich nie eine Chance. Ich hätte sonstwas machen können.

    Diese Erkenntnis hat es mir mehr und mehr erleichtert, zu mir selbst zu finden und dadurch auch in eine Handlung zu kommen. " Will ich so leben oder will ich es nicht?" Ich wollte es nicht, ich hab ihn verlassen.

    Diese Entscheidung war für mich goldrichtig. Es ist eine Entscheidung, vor der wohl Angehörige irgendwann mal stehen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Scheuklappen sind weg und ich realisiere dass mein Mann Alkoholiker ist.

    Hallo Lizzy,

    woran machst du das fest, ist es für dich erkennbar, dass er Alkoholiker ist?

    Der Schwerpunkt des Austauschs im Co-Bereich liegt ja bei dir - in der Selbstfürsorge, Abgrenzung und Selbstschutz. Dennoch wichtig, wovor … wie ist die Situation bei Euch?

  • Es ist die tägliche Menge am Abend. Ohne 1 Flasche Wein und 2,3 Bier vorweg ist keine Entspannung, kein Einschlafen möglich. Wenn der Vorrat aufgebraucht ist, was sehr selten vorkommt, gehts auch manchmal noch zur Tanke. Es gibt keinen Tag ohne. Und das seit Jahren.

  • Wegen der Menge weißt Du nicht, ob er Alkoholiker ist.
    Da müsste er erst mal ernsthaft aufhören wollen und dann merken, ob ihm das schwerfällt.
    Bei der Menge hätte ich noch keinen Grund gesehen drüber nachzudenken, da hätte ich nur gedacht, wer das komisch findet, spinnt.

    Du hast das Problem mit seinem Konsum, ob er eins hat, wissen wir nicht.
    Du bist diejenige, die das stört. Und die rausfinden muss, wie sie damit umgeht.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Was genau war verwirrend (der Smilie)? Keiner kann von außen sagen, ob er das wirklich braucht (Sucht) oder ob er das einfach will und riskanten Konsum betreibt.

    Und für die Auswirkungen auf die Beziehung ist das im Grund unerheblich. Sie störts. Obs ihn sein Trinken auch stört, hab ich nicht gelesen.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
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  • Verwirrend allein deshalb, Lebenskuenstler , weil ich mich gefragt habe, ob es im Sinne des Forums ist, über Sucht oder Nicht-Sucht zu spekulieren.

    Zumal die ja nicht allein von der Menge abhängt, sondern z. B. auch von der Regelmäßigkeit. Und die genannte Menge ist ja auch nur die Menge, die die Partnerin mitbekommt.

    Klar gehts immer noch schlimmer, aber ich sehe da einfach die Gefahr der Verharmlosung und des Vergleichens: "Ach, wenn so ein " alter Hase" das so einschätzt, dann war/ist es bei mir/meinem Partner ja doch noch nicht so schlimm. Dann geht vielleicht noch was ..."

    Beim Rest stimme ich Dir absolut zu: Entscheidend ist der Effekt auf die Partnerschaft, nicht die genaue Diagnose.

  • Bei Sucht geht es meistens auch um was, wo man als Betroffener das Gefühl hat, nicht mehr das Steuer in der Hand zu haben. Also zu müssen, nicht nur zu wollen. An dem hab ich erkannt, dass ich abhängig bin.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
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  • Meine Fragen zielten darauf ab, ein Gefühl für die Situation zu bekommen. Bisher steht da nur sehr wenig. Das Gros sind Beschreibungen von "Dritten".

    Und es ging mir auch genau darum:

    zu müssen, nicht nur zu wollen

    Auch wenn es so oder so schwierig mit Reden, Überzeugen, möglichem Ausstieg sein dürfte, so ist es ein ganz erheblicher Unterschied, ob Jemand schädlich konsumiert oder voll in die Sucht gefallen ist.

    Die Störung durch den Alkoholkonsum an sich ist eine andere Sache.

  • Wenn ich abends zu später Stunde nochmal losgehe und mir ne Flasche hol, ist das kein Genuß mehr. Wenn man sich von Freunden zurückzieht und sich alleine die Kanne gibt, ist das nicht aus Spaß. Es gibt keinen Tag mehr ohne diese Menge, seit vielen Jahren. Es hat vieles verändert, es gibt kein zusammen mehr weil ich nichts trinke. Sinnvolle Konversation ist da auch nicht mehr möglich. Ja, und ich hab ein Problem wenn ich dann Ausraster erleben muss.

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