Pinguin - Boden unter den Füßen weggerissen

  • Ja ein Teil von mir wünscht es ihm, dass er ein Rückfall hat. Ich mein ich hasse ihn nicht. Aber ich hasse seine Sucht und den Alkohol und was es aus ihm macht. Wir haben eine gemeinsame Wohnung und im unteren Stockwerk unser Schlafzimmer und Büro. Das ist jetzt quasie sein Raum und ich hab oben mit den Kindern. So grob. Ich meine mein ganzes Zeug ist unten.

    Ich bin gerade täglich bei meinen Eltern. Es ist ein auf und ab. Zwischen ich vermisse ihn massiv und habe Angst. Und dann fühlt es sich irgendwie okay an.


    Ich wünschte mir einfach dass er durch ein Wunder die Sucht verliert. Ich weiß dass das lächerlich ist.


    Aber er hat es 2 Jahre geschafft trocken zu bleiben. Das war so schön.

  • Ja ein Teil von mir wünscht es ihm, dass er ein Rückfall hat.

    DAS ist krass und erschüttert mich. Wo du doch die hässliche Seite dieser Krankheit kennst... warum schreibst du das? Was genau soll das wem bringen?

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Wut. Reine Wut über die Situation. Ich habe jahrelang alles aufrecht erhalten. Bin ich die einzige die das denkt? Ehrlich?

    Ein Teil von mir hasst ihn für diese Situation. Für die Sucht und das auseinanderfallen der Familie. Ein anderer Teil will ihn zurück. Warum?

    Bin ich der einzige Mensch der so denkt?


    Er schreibt jetzt, dass er seine paar Sachen holt. Er hat ja kaum Sachen. Deswegen hat er sich wohl immer wohl gefühlt im Garten zu sitzen. Jetzt hab ich ein schlechtes Gewissen. Dabei habe ich ihn nie verboten irgendwas zu dekorieren. Er hat's eben nicht getan also habe ich das gemacht. War das falsch?


    Und wieder Frage ich mich ob ich an allem schuld bin.

  • Nachdem er sonst ja auch nicht macht, was Du Dir wünschst, finde ich das eher nebensächlich.
    Er wird rückfällig oder auch nicht, das liegt an ihm.

    Für mich gehört wünschen, wenn es nicht mit einer Bitte verbunden ist, die auch abgelehnt werden kann, insgesamt mehr zum magischen Denken. Der alte Kinderglaube "früher, als das Wünschen noch geholfen hat".
    Auch gute Wünsche helfen ja nicht wirklich.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Das heißt ich darf nicht wütend sein wegen seiner Sucht? Verzweifelt, enttäuscht und traurig.

    Ja er kämpft auch irgendwie seit Jahren. Er war einmal in der Entzugsklinik und hat sich früher selbst entlassen. Dann war er 2 Jahre trocken. Danach meinte er er schafft es selber. Aber ich habe doch auch gekämpft. Für ihn. Für uns. Und dass ich irgendwann pissige wurde und Grenzen gesetzt habe ist falsch?

    Ich habe ihn pusten lassen jeden Abend. Und dachte okay. Wir schaffen das. Und irgendwie hatte ich immer das Gefühl es stimmt was nicht. Ich hatte ein schlechtes Gewissen ihm das vorzuwerfen. Er hatte sich ja schließlich bemüht. Dann kam der Rückfall und im Rückfall meinte er er hat in der Zeit einfach morgens getrunken, damit der Test abends 0.00 anzeigt.


    Und ich habe gesagt danke für die Ehrlichkeit. Ich bleibe. Lass und den peth Test machen damit das Vertrauen zurück kommt. Ich will dir vertrauen.


    Und ja ich war pampig wenn ich geputzt habe während er auf dem Sofa saß und ins Handy starte. Er meinte selber er habe viel mehr Kraft, wenn er trocken sei. Er will dass selber nicht mehr. Er schämt sich dafür. Ich wollte zu ihm stehen. Aber mein Grenzen zu verlieren ist doch nicht Sinn des ganzen.

    Zu sagen du armer Alkoholiker ist doch auch nicht richtig. Ich habe ihn oft unterstützt. Aber den Weg musste er schlussendlich selber gehen.


    Und jetzt tut es einfach weh nach jahrelangen kämpft, dass ER aufgibt.

  • Das heißt ich darf nicht wütend sein wegen seiner Sucht? Verzweifelt, enttäuscht und traurig.

    Wenn Dir das hilft, um damit umzugehen, darfst Du so wütend und enttäuscht sein, wie Du willst und es brauchst.
    Es ändert nur nichts an seiner Sauferei.

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  • Natürlich ändert es nichts. Und es tut unfassbar weh, dass seine sauferei (finde das Wort hart) wichtiger ist als die Familie.

    Dass er lieber Geld in die Trennung und Scheidung steckt anstatt in eine Langzeittherapie und sonst was. Ich habe sogar gesagt ich kann in den drei Monaten mehr arbeiten wenn ihm das finanzielle Sorgen macht.

  • Ich verstehe dein Wut und Verzweiflung 100%. Wüte, brülle, lass es raus.
    Irgendwann muss aber dann (nicht sofort) der Punkt kommen, wo du inne hältst und für dich darüber nachdenkst, wie es jetzt weiter geht.

    Eure Wohnsituation habe ich nicht so recht kapiert. Ihr wohnt getrennt im selben Haus? Und er holt dann Sachen?

    Ich halte Nix von solchen halben räumlichen Trennungen- schon gar nicht ‚der Kinder wegen‘. Außer man merkt irgendwann, dass man nur noch freundschaftlich empfindet und alles läuft konfliktlos- ich vermute das ist sehr selten der Fall.

    Kann jemand von euch ausziehen? So richtig meine ich?

    Gibt es auch etwas, dass du gut an der Trennung finden kannst? Und wenn es nur ist, dass du jetzt ganz klar den Tisch alleine abräumst und sich niemand auf dem Klo rumdrückt um nicht zu helfen?

  • Ich arbeite dran dass ich irgendwann abschließen kann. Dazu ist es aber noch zu frisch.

    Ich suche eine Wohnung. Weil ich das auch nicht schön finde so. Die Kinder wollen abends immer zum Papa. Ich kann mit den Kids nicht gehen. Theoretisch könnte er zu seiner Mutter. Die hat noch 1-2 Zimmer frei. Aber dass will er nicht.


    Ich habe Angst vor der finanziellen Situation. Ja meinen kleinen Luxus halt.

    Ja klar. Es sitzt keiner auf dem Sofa während ich in der Wohnung rumflitze. Ich muss mit niemanden Absprachen halten sondern kann mich komplett auf die Kinder konzentrieren. Ich glaub der Rest wird die Zeit bringen. Noch ist es zu frisch und noch zu nah. Aktuell fühlt es sich noch so an, als würde er sich einfach unten zurückziehen wie bei seinen kalten Entzügen. Ich bin's halt gewohnt, dass er manchmal nicht da ist. Aktuell ist es nicht sooo massiv anders

  • Wut. Reine Wut über die Situation. Ich habe jahrelang alles aufrecht erhalten. Bin ich die einzige die das denkt? Ehrlich?

    Hallo Pinguin,

    Ich bin auch oft total oft mega wütend gewesen, insbesondere dann, wenn Versprechungen nicht eingehalten wurden, aber auch generell, weil er einfach nicht versteht, dass die Trinkerei unsere Beziehung zerstört hat.

    Du bist definitiv nicht die Einzige, die wütend war/ist und ihrem Partner manchmal die Pest an den Hals gewünscht hat. 😉

  • Keine Ahnung, ob ihm seine Sauferei wirklich wichtiger ist als die Familie, oder ob er tatsächlich einfach nicht aufhören kann.

    Ich konnte lange tatsächlich nicht aufhören, weil ich keinerlei Vorstellung hatte, wie ich am Leben nüchtern was finden könnte. Ich war überzeugt, wenn ich aufhöre, kann ich mich gleich umbringen.

    Und es bringen sich auch viele Alkoholiker tatsächlich um. Ich glaube nicht, dass sie das tun, weil sie das so lustig finden. Aber ich kann auch nicht wirklich dabei mitreden, denn ich hatte eines Tags die Schnauze tatsächlich voll und habe von einem Tag auf den Anderen aufgehört.

    Bei Vielfachrückfälligen wie Deinem Mann kann ich nicht mitreden, was in denen vorgeht, sondern da bin ich auch Außenstehender und kann das nur akzeptieren, dass es das gibt. Ich denk mir auch oft, warum kapiert derjenige das nicht, aber es ist eben so.

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  • Aber er hat doch Kinder und einen Job und noch eine Ehefrau. Bei den AAs hat ihm eine Person gesagt wieso trinkst du überhaupt, du hast doch alles.

    Und ja manchmal ist das Leben nicht einfach. Ich kann davon ein Lied singen. Ich hab auch schon Familienmitglieder durch Tod verloren. Mein Sohn kam in der 29 SSW und ich habe ein Jahr funktioniert. Um mich selber sah es bei der Geburt nicht gut aus. Bei meiner Tochter gab es eine Notsektio. Irgendwann war mir alles zu viel und ich bin in eine Depression gefallen. Ich habe Therapie genommen und war in der Reha. Ich habe gekämpft. Für mich und meine Kinder.


    Aber ich habe mich fürs Leben entschieden nicht fürs überleben. Keiner sagt es ist einfach. Aber es gibt Wege. Und zu Hause zu sitzen und jeden Tag alles so zu machen wie bisher und sich dann wundern, wieso die Sucht nicht weggeht und man rückfällig wird, ist doof.

  • Was sagt das schon, dass er Kinder und einen Job hat?

    Kinder wären für mich auch ein Grund, die Flucht zu ergreifen. Jobs waren auch immer etwas, wo ich nur rauswollte. Ich habe für das Wochenende und den Urlaub gelebt. Unter der Woche, Arbeit ist doch kein Leben, da verkaufe ich doch nur meine Zeit.

    Das ist doch absolut individuell, ob man daran was findet. Ich bin nach einer entsprechenden Erfahrung allen Frauen aus dem Weg gegangen, bei denen Kinderwunsch irgendwie spürbar war. Für mich bedeuten Kinder vor allem Mehrarbeit und rumgenerve. Andere mögen das, ich mag es nicht. Deswegen hätte ich auch nicht aufgehört.

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  • Was sagt das schon, dass er Kinder und einen Job hat?

    Kinder wären für mich auch ein Grund, die Flucht zu ergreifen. Jobs waren auch immer etwas, wo ich nur rauswollte. Ich habe für das Wochenende und den Urlaub gelebt. Unter der Woche, Arbeit ist doch kein Leben, da verkaufe ich doch nur meine Zeit.

    Das ist doch absolut individuell, ob man daran was findet. Ich bin nach einer entsprechenden Erfahrung allen Frauen aus dem Weg gegangen, bei denen Kinderwunsch irgendwie spürbar war. Für mich bedeuten Kinder vor allem Mehrarbeit und rumgenerve. Andere mögen das, ich mag es nicht. Deswegen hätte ich auch nicht aufgehört.

    Ja stimmt ja auch. Wenn man nach außen alles hat schützt das vor einer Sucht nicht, wenn drinnen etwas fehlt.

    Vll ist er für die Kinder auch nicht gemacht. Obwohl er sie liebt. Ich habe manchmal auch das Gefühl dass eken Depression dahinter steckt. Den er hasst seinen Job und sagte auch oft er geht nur für uns arbeiten, damit finanziert er halt alles. Glücklich ist er aber nicht.

  • Es ist alles spekulativ, was hier über ihn geschrieben wird. Keiner von uns steckt in ihm drin, und wer weiss, ob er selber weiss, warum er das macht.

    Ja, Alkohol ist eine Droge, und die hat Wirkung. Wegen der Wirkung wird sie ja auch getrunken. Und möglicherweise gibt ihm der Alkohol auch mehr, als ihm Kinder, Job und Ehe geben können. Das ist alles möglich, aber wir wissen es nicht. Vielleicht ist auch nur sein Suchtdruck so hoch, dass er nicht dagegen ankommt. Denn Alkohol wirkt auch so, dass auf Dauer ohne Alkohol keine Freude mehr empfunden wird. Das liegt an der Gehirnchemie, die vom Alkohol beeinflusst und verändert wird. Und es dauert lange, bis sich das zurückbildet, und er hält es eben nicht durch. Egal warum.

    Wie schon mal jemand bemerkt hat, es kommt auf das an, was hinten raus kommt. Und das ist ja wohl, dass er so mit Euch nicht mehr mag. Da kannst Du Dich drehen und wenden und mit dem Kopf gegen die Wand rennen, das ändert alles nichts. Du bist machtlos demgegenüber. Und das ist vermutlich schwer zu akzeptieren, aber ohne das drehst Du Dich im Kreis.

    Also kann es doch für dich nur darum gehen, wie Du das überwindest und ohne ihn klarkommst. Und wenn du glaubst, er könnte sich so einfach ändern, kannst Du ja gerne versuchen, ob Du Dich so einfach ändern kannst. Dann stell doch mal deine Liebe zu ihm auf Knopfdruck ab. das kannst Du ja vermutlich auch nicht.

    Was hast Du denn nun mit dieser Situation vor?

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  • Meine Verlustangst angehen. Mich dem Ganzen zu stellen und in Mini Schritten zu akzeptieren . Was hab ich den sonst für eine Wahl.


    Ob er an sich arbeitet und sich doch nicht trennen will, kann nur er entscheiden.

    Ich muss mit dem Leben was er mir gibt.

    Einmal editiert, zuletzt von Pinguin (25. August 2026 um 18:00)

  • Ich denke, Du hast mehr Möglichkeiten, als mit dem zu leben, was er Dir gibt. Mit dieser Aussage machst Du Dich ja auch komplett von ihm abhängig und lässt Dein Leben von ihm bestimmen. Da gibst Du ihm ja schon sehr viel Macht über Dich, und das freiwillig. Willst Du das so?

    Du kannst ja auch eine eigene Vorstellung vom Leben haben und Deine eigenen Grenzen setzen. Weißt Du überhaupt, wo Deine Grenzen sind? Oder bist Du bereit, alles zu fressen, was er Dir gibt? Wenn das so wäre, hättest du ja auch einfach mit seiner Sauferei so weitermachen können. Also hast Du wohl irgendwo Grenzen.

    Und dann könnte es ja immerhin sein, dass er für Deine Lebensvorstellungen einfach der falsche Partner ist. Entweder ihr habt Euch geirrt oder Ihr habt Euch auseinander entwickelt, kommt alles vor.

    Das ist ja doch relativ oft so, dass man glaubt, wenn man jemanden liebt, dann müsste das auch klappen. Aber jede dritte Ehe wird geschieden, das ist ja auch ganz normal.

    Liebeskummer geht im Schnitt nach einem Jahr vorbei, dafür gibts auch Fachleute, dann ist der Weg wieder frei. Und selbst wenns länger dauert, was Besseres als das wäre wohl schon möglich. Auch alleine kann man leben.

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  • Öhm, ich habe kein Problem damit, wenn Du Dir das antun willst.

    Ich habe aber auch meine Frau sehr gut verstanden, als sie mir gesagt hat, dass sie sich nicht anguckt, wie ich mich zu Tode trinke, und sie sich deswegen von mir getrennt hat.
    Ich hatte ihr sogar selbst gesagt, dass ich sie nicht mehr ernst nehmen kann, wenn sie so unter mir leidet und sie sich trotzdem nicht trennt.

    Ja, sie hat gelitten, ich habs gesehen, und trotzdem konnte ich mir damals nicht vorstellen, mit dem saufen aufzuhören. Wir waren sogar in der Paartherapie und haben uns über den Paartherapeuten als Vermittler gesagt, wie es im Einzelnen aussieht. Und daran haben wir gesehen, dass es damals keinen gemeinsamen Weg geben konnte.

    Es war ein Dilemma, ohne Alk gings nicht, und mit Alk ging es auch nicht mehr. Und Aufhören hätte an dem, was mich am Leben störte, nichts geändert. Da musste es mir erst mal sehr schlecht gehen, bis ich bereit war, das Leben auch nüchtern zu probieren.

    Ich musste erst genug gesoffen haben, damit es mir gereicht hat. Da konnte meine Frau nur auf Abstand gehen.

    Und trotzdem weiß ich, dass es Anderen nie reicht, bis sie auf dem Friedhof liegen. Denn es hören immer noch die Wenigsten auf.

    Mach was draus.

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