EigenSinn - Über 20 Jahre mit einem alkoholabhängigen Partner – auf dem Weg zurück zu mir selbst

  • Ist doch ganz einfach. Da akzeptierst Du einfach alles, was Dich in Deinem Eingangspost an Deiner Allein-Ehe gestört hat.
    Dann greifst Du ihn deswegen nicht an, und er blafft nicht zurück.

    Dann lebt ihr eben nebeneinander her. Das machen viele ältere Paare, schätze ich. Deine materiellen Bedürfnisse sind erfüllt, die emotionalen nicht.

    Außerdem könnte er durchaus alkoholische Demenz oder Korsakow oder sonstige alkoholbedingte Krankheiten bekommen, davor sind funktionierende Alkoholiker nicht gefeit.

    Letztendlich bleibt das immer Deine Entscheidung.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Wenn bei mir alles im Lot wäre, hätte ich wohl kaum den Weg in dieses Forum gesucht und mich hier so offen mit meiner Geschichte und meinem Leidensdruck gezeigt. Ich habe mir einen Austausch mit Menschen erhofft, die meine Situation vielleicht nachvollziehen können, und etwas Verständnis für die Zerrissenheit, in der ich mich befinde. Dass ich gerade versuche, einen anderen Umgang mit meiner Lebenssituation zu finden, bedeutet doch nicht, dass alles in Ordnung ist. Ich möchte mich hier aber nicht weiter erklären oder rechtfertigen müssen und werde mich deshalb aus der Diskussion zurückziehen.

  • Hallo EigenSinn!

    Ich habe auch viele Jahre nebeneinander hergelebt und habe mich in ein Zimmer zurückgezogen oder Dinge ganz alleine gemacht. Im Nachhinein muß ich sagen ich habe mich dadurch um viele schöne Lebensjahre betrogen. Mal ganz ehrlich was soll eine Beziehung für einen Sinn haben wenn jeder nur noch sein eigenes Ding macht?

    Noch schlimmer finde ich wenn einer von den Beiden trinkt. Schon der ständige Anblick des Partners der mal wieder angetrunken oder betrunken ist ist einfach ätzend. Ständiger Alkoholgestank im Haus, einfach ekelhaft! Kein gutes Gespräch mehr möglich weil der Partner gar nicht mehr richtig versteht was man sagt oder es am nächsten Tag vergessen hat. Mein Mann ging auch bis zur Rente noch arbeiten, aber sonst?

    Zuhause liess er sich total gehen, lag schon morgens angetrunken auf der Couch, bzw. er war ja nie mehr richtig nüchtern. Es war kein Verlass mehr auf ihn, alles blieb an mir hängen. Was machst du wenn bei deinem Partner körperliche oder geistige Schäden eintreten, pflegst du ihn dann? Ich weiß ja daß Alkoholsucht eine schwere Erkrankung ist aber wenn gar keine Bereitschaft kommt etwas zu ändern muß man eben selber etwas ändern. Es geht immer weiter bergab, die Menge Alkohol wird immer mehr, das ist bei einer Sucht so. Ich bin solange geblieben bis ich selber am Ende meiner Kräfte war.

    Wenn du aber meinst du könntest das bis an dein oder sein Lebensende aushalten steht dir das natürlich frei. Ich bereue es heute noch nicht viel früher in die Gänge gekommen zu sein, aber nützt ja nichts ändern kann ich es auch nicht mehr.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo EigenSinn!

    Ich möchte mich hier aber nicht weiter erklären oder rechtfertigen müssen und werde mich deshalb aus der Diskussion zurückziehen.

    Das musst du doch gar nicht vielleicht liest du erstmal hier die Geschichten anderer Betroffener. Manche kamen oft verzweifelt hier an, sie wollten wissen:"Wie lege ich meinen Partner trocken". Leider schafft das keiner, diese Erkenntnis ist schonmal sehr wichtig.

    Ich verstehe schon daß du nicht direkt alles hinwerfen möchtest und nach Lösungen suchst. Aber sich mit einem Alkoholiker zu arrangieren ist in meinen Augen schlicht unmöglich, das kann nie und nimmer ein gutes Leben sein. Er wird dich immer tiefer in seinen Sumpf ziehen, die Spirale geht nur abwärts.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo, Eigensinn,

    ich habe deine Vorstellung mit großem Interesse und Verständnis gelesen. Ich komme aus der anderen Ecke, von den Alkoholikern, und kann deine Zerrissenheit sehr gut nachvollziehen. Da ist das gute Leben, das ihr euch aufgebaut habt, dein schönes Zuhause als Nest, als sicherer Hafen, nicht nur für dich, sondern auch für deine Lieben. Das würde ich auch nicht leichtfertig aufgeben.

    Andererseits ist da dein Mann, den du für einen Alkoholiker hältst, er sich aber nicht. Seine Trinkmengen sprechen allerdings eine deutliche Sprache. Dass er im Alltag 'funktioniert', erleichtet das Zusammenleben. Die Frage, wo das hinführt, kann dir hier wohl keiner beantworten. Die Gefahr ist groß, dass sich seine Trinkmengen steigern - mit allen Begleitumständen, die du hier bei zahlreichen Co-Abhängigen nachlesen kannst.

    Ich wünsche dir ein glückliches Händchen bei deiner Entscheidung.

    Liebe Grüße

    Mattie

    Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden (frei nach Kierkegaard)

  • Liebe EigenSinn

    ich finde, es ist ja nichts verwerfliches dabei, alle Optionen gedanklich mal durch zu spielen.

    Jetzt ist es halt der Gedanke, ob Du es vllt so handhabst wie Deine Bekannte / Frisöse.

    Ich finde es nachvollziehbar, gerade wenn der Partner sogenannter "funktionierender Alkoholiker" ist.

    Meine Ex- Partner ist das auch.

    Deshalb konnte von außen auch niemand verstehen, was ich für ein Problem habe. Und ich ja auch oft, also tagsüber, nicht!


    Wichtig finde ich aber ein paar Dinge

    • wie verhältst Du Dich, falls (auch solche Verläufe gibt es, Sucht ist tückisch!) dein Partner ganz plötzlich nach Jahren ein anderes Trinkverhalten an den Tag legen sollte?
    • wie verhältst Du Dich, falls er (auch das gibt es) dann doch nach so vielen Jahren eine negative Persönlichkeitsentwicklung macht und unausstehlich oder gewalttätiger wird?
    • wie verhältst Du Dich, falls er durch die langjährige Nervenschädigungen eine Krankheit bekommt, die ihn pflegebedürftig werden lassen? Könntest Du ihn dann pflegen?

    Wenn Du Dir all dessen bewusst bist und auch "JA" zu einem Leben mit diesen eventuellen Konsequenzen sagen kannst, ist das eine zu respektierende Entscheidung!

    Nur drüber hinweg sehen und vom momentanen Ist- Zustand ausgehen, das wäre für mich ein "JEIN" und das halte ich für nicht gut.

  • Liebe EigenSinn , ich hoffe sehr, dass Du hier weiterliest und auch -schreibst - für Dich.

    Ich kann mir vorstellen, dass es gestern ein bisschen viel und z. T. Auch rauh für Dich war - Du bist ja gerade erst am Mittwoch hier angekommen.

    Da kann und wird wohl niemand erwarten, dass Du in zwei,drei Tagen für Dich die Klarheit im Fühlen und Handeln findest, für die andere COs, wie hier vielfach nachlesbar, oft Jahre gebraucht haben und vielleicht noch brauchen.

    Ich selbst bin vor über drei Jahren als Alkoholikerin hier ins Forum gekommen (auch lange Zeit unauffällig abends zu Hause saufend und nach außen hin - noch - einigermaßen funktionierend), habe aber auch langjährige eigene Co-Erfahrung.

    Das Gras wächst - auch bei Alkoholikern und COs - nicht schneller, wenn man daran zieht - und sei es noch so gut gemeint.

    Mit einer Ausnahme: Leben Kinder im Alkoholikerhaushalt, ist zeitnahes Handeln gefragt, damit diese keinen Schaden nehmen und nicht später selbst süchtig oder Co. Werden. Da sind dann klare Worte und weniger Geduld gefragt, finde ich.

    Komm erst mal hier an und finde Dich ein. Alles Gute!

  • Gibt es hier Jemanden der mit radikaler Akzeptanz mit einem alkoholkranken Partner zusammen lebt?

    Hallo EigenSinn,

    ja den gibt es, ich oute mich hier mal.

    Nach Jahren der falschen Hoffnung habe ich für mich einen klaren, rationalen Schlussstrich gezogen: Meine Frau ist erwachsen, sie hat ihre Entscheidung getroffen und muss damit leben. Wir leben getrennt in der ehelichen Wohnung, unsere Kinder sind volljährig und aus dem Haus, ich ziehe mein Ding alleine durch. Ich bin 40+, habe folglich noch ordentlich Rest auf der Uhr.

    Ich mache mein Zeug (Hobbys, Freunde, Job, Haushalt, Finanzen) komplett alleine. Meine Frau hat in meinem Alltag praktisch keine Funktion mehr, außer ab und zu zu meckern.
    Dann sage ich nur: Du bist keine Gefangene, du kannst jederzeit an einen schöneren Ort deiner Wahl gehen. Rums Tür zu 🤣😎

    Finanziell ist alles geregelt: Ich zahle alles und überweise ihr etwas Unterhalt (anwaltlich abgesichert, für ihre Suchtmittel).
    Warum sollte ich ihr unsere schöne Wohnung überlassen, nur damit sie sie komplett runterrockt? Das sehe ich nicht ein.

    Die extremen Begleiterscheinungen ihrer Sucht (Krampfanfälle, Not-OPs, Krankenhausmarathons) behalten wir als Familie für uns alleine und intern“ das muss das Forum nicht im Detail wissen,.

    Kurzum: Ich bleibe hier, trenne unsere Leben unter einem Dach konsequent und die Scheidung liegt vorerst auf Eis.

    PS: Würde der Klügere immer nachgeben, würde die Welt von Idioten regiert.

  • Liebe Eigensinn, da sitze ich nun und mir geht sovieles im Kopf rum was ich schreiben möchte. Ich bin auch schon sehr lange verheiratet . Mein mann trinkt schon lange aber richtig angefangen hat es als die kinder ausgezogen waren. Da gab es viele schlimme Szenen in form von emotionaler Gewalt. Hab lange gebraucht bis ich Hilfe gesucht habe. Bin eigentlich erst hier im Forum aufgeschlagen als ich schon viel gelernt habe für mich zu sorgen. Ich mache es wie deine Frisörin dir erzählt hat. Ich lebe mein Leben, ich mache noch den haushalt aber mehr als Wohngemeinschaft. Durch die Jahre ist er ruhiger geworden, unsere Tochter die eh ein Papakind war und ist , ist mir eine große Stütze geworden vor allen im finanzielen Dingen zu regeln . Wo ich ihn nicht erreichen kann schafft es unsere Tochter. Ich habe aber andere (wenige) Personen außerhalb der familie wo ich reden kann.

    Ich beobachte dass meine Kinder ihren eigenen Umgang haben mit ihrem Vater. Er darf die Enkelkinder tagsüber schon mal zuhause betreuen aber er darf sie (unausgesprochen) nicht von der Schule oder so abholen mit dem auto. Aber die enkel sie lieben ihren Opa aber die wenigsten leben in der nähe. Ich dagegen habe viel umgang mit ihnen und meißtens bei denen in der Wohnung.

    Ich habe es aufgegeben mir Sorgen um seine gesundheit zu machen, er will es ja auch nicht es ist sein Leben. Ich mache mir keine gedanken was ist wenn er ein Pflegefall wird. Das weiß niemand und dann kann man immer noch reagieren. Ich habe mehrere chronische Erkrankungen und muss mich um mich selbst kümmern, es kann sein dass ich vor ihm gehe oder Pflege brauche. Ich habe vieles schon geregelt und bin im Moment ganz entspannt .

    Mariexy

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!