Schritte für die nächsten Wochen

  • hey plejaden

    glückwunsch zur prüfung, so unwichtig war die ja auch wieder net!

    ich schätz mal du strahlst in letzter zeit auch mehr selbstbewußtsein und zuversicht aus, so was zieht andere menschen einfach an. irgendwie sieht man das, wenn ich mich wohl fühle in meiner haut gehn auch mehr leute auf mich zu.

    laß dir zeit, das ist etz mehr oder weniger neuland für dich, ich bin da auch immer mißtraurisch. auch wenn ich dich nur per internet kenne, also ich glaub ich wär gern mit dir befreundet im realen leben :D

    liebe grüße

  • Hallo ihr zwei, mh das hatte ich tatsächlich hinten angestellt, dass die sich für mich interessieren weil ich mich verändert habe und sich auch meine Ausstrahlung verändert hat. Und summerdream :oops: du machst mich ja ganz verlegen.

    Ich war heute übrigens wieder ganz normal um 9 Uhr an der Uni und hab drei Stunden gelesen. Danach bin ich heim, hab aber auf der Rückfahrt Kopf-, Hals und Ohrenschmerzen gekriegt. Hoffentlich hat mein Freund mich nicht angesteckt, der liegt seit gestern abend mit einer Erkältung flach :twisted: . Andererseits, es ist Wochenende, wann könnte ich besser eine Krankheit auskurieren ohne Zeit für meine Abschlussarbeit zu verlieren :roll: . Alles für den Dackel, alles für den Club...
    Gemäß der Vorsicht hab ich mir dann heute einen ruhigen Tag gemacht und meinen Freund, die arme Kreatur, mit Tee versorgt.

    Wie ich schon bei Blizzard geschrieben habe, mache ich mir seit einigen Wochen Sorgen um meinen Schokoladenkonsum. Das ging nicht direkt nach meinem ersten abstinenten Tag los. Ich möchte es fast mit Weihnachten in Verbindung bringen. So kaufe ich mir inzwischen fast jeden Tag einen Riegel am Automaten und esse zu Hause auch noch ziemlich viel. Das ist aus dreierlei Gründen nicht gut: Erstens ist es schädlich für meinen Magen, der verträgt keine Süßigkeiten. Dann wegen dem ganzen Zucker, den ich auf diese Weise in mich reinstopfe. Und letztens noch wegen des Gefühls, das sich imho süchtig anfühlt: Meistens nach dem Mittagessen kriege ich ein dumpfes Appetit-/Hungergefühl auf Schokolade. Wenn ich dem widerstehe und keine Schoko esse, hält sich dieses Gefühl über Stunden und ich muss immerzu daran denken, nun doch mal etwas Schoko zu essen. Klingt bekannt? Klingt bekannt.
    Ich möchte mich gerne wieder gesund ernähren; mir meine Butterbrotdose voll Obst und Gemüse mit zur Uni nehmen. Aber selbst wenn ich das mache, lasse ich es unbeachtet in der Tasche und kaufe mir einen Schokoriegel.

    Man kann jetzt natürlich sagen, naja, ein kleines Laster halt, macht doch nichts. Aber das geht allein wegen meines Magens schon nicht. Dass mir die letzten Tage so oft schlecht ist, möchte ich fast auf den übermäßigen Schokokonsum zurückführen.

    Mh, ich schaue mal, ob ich mir da was Konstruktives für mich erarbeiten kann. Immerhin, wenn ich einfach aufhöre Schoko zu essen muss ich keine Entzugserscheinungen fürchten :roll: .

    LG
    Plejaden

  • Hallo Pleyaden
    Wenn du was gefunden hast,diesen Appetit auf Schoko zu beseitigen ,lass es mich wissen...Mir geht es da ganz genauso.Wenigstens hab ich die süßen Limonaden abgeschafft.
    Hängt aber glaube ich mit dem TRockensein zusammen.

    Lütze

    Trocken seit 2.11.2007

  • Du wirst es als erster erfahren Lütze ;) . Wollte nur kurz meinen Plan kundtun, bevor ich mich in die Federn haue: Ich werde mir morgen ein Ernährungstagebuch basteln und das mal ein paar Wochen führen. Dabei geht's nicht ums Kalorienzählen, sondern was ich wann bei welcher Gefühlslage esse.

    Das mag jetzt übertrieben erscheinen, ist es aber nicht. Ich habe einen undichten Magenpförtner (Reflux) und soll mich deswegen an einige einfache Grundregeln halten, und eine der Grundregeln lautet wenig Süßigkeiten :roll: . Durch meine Alkoholkrankheit habe ich die ganze Geschichte nicht unbedingt besser gemacht. Well then...

  • hallo plej!

    Zitat


    Vielleicht hängt es aber auch mit meiner Person zusammen; ich habe mich in den letzten Monaten sehr zum Positiven verändert, bin aufgeschlossener und mutiger geworden. Auf jeden Fall freue ich mich über diese Entwicklung

    da kannst du dich auch drüber freuen plej. das sind genau diese dinge die ich bei meiner nüchternheit verbuche die ein positives gefühl hervorrufen weil ich nüchtern bin und ich darauf zurückgreifen kann, wenns mal nicht so läuft oder der alk in kopf kommt.

    zu deiner schoko- geschichte. ich lieb ja schokolade bzw. eher alles was so puddingmäßig ist oder schokoladencremetorte. hab letztens erst mit meiner freundin eine große schüssel moussechokolate gemampft, das war richtig schön. o nicht weiter drüber schwärmen. sonst steh ich schon um achte an der kasse.

    meine schwester hat sowas was man zuckersucht nennt. das heist sie ist kein alki wie ich geworden, aber verhält sich genauso im streß oder wenn sie sich belohnen möchte wie einer der alki ist, nur halt mit süßigkeiten. ebend ein suchtmensch. weiß gar nicht wie die so schlank bei bleiben kann. egal. hier hast du ja schon das eine oder andere mal über suchtverlagerung gelesen. schokolade essen ist ja nicht verkehrt, aber wenns anfängt auszuarten muß man diesem verhalten genauso ein stoppschild aufstellen, wie bei der alkoholkrankheit.

    andersrum verändern sich gerade in der anfangszeit auch essgewohnheiten und das geschmacksempfinden. und dieses verhalten läßt dann auch nach. am anfang hab ich auch mehr gegessen und jetzt ist es wieder normal.

    also guck einfach für dich. und wenns ungesund wird steuer gegen.

    meine gedanken dazu.

    gruß panther

    Kompromisse bedeuten ein Rückfall riskieren
    (vor dem trink - Rückfall geht ein Verhaltensrückfall vorraus)
    nicht Trinkende seid 04.03.07

  • Zitat von panther

    hier hast du ja schon das eine oder andere mal über suchtverlagerung gelesen. schokolade essen ist ja nicht verkehrt, aber wenns anfängt auszuarten muß man diesem verhalten genauso ein stoppschild aufstellen, wie bei der alkoholkrankheit.

    Mh, ich glaube ich werde dann mal das Stoppschild aufbauen. Ich weiß ziemlich sicher, dass zumindest das Schoko-Futtern nach dem Mittag/Abendessen auch Gewohnheit ist, und wenn ich das so ne Woche lasse ist auch der Hyper weg. Mal sehen. Sobald mein Freund endlich aufgestanden ist füttere ich den Drucker mit neuem Toner und mache mich an das Tagebuch...

    Aber eigentlich hatte ich grad ein anderes Erlebnis und schreibe deshalb mal außerplanmäßig: Ich hatte gerade ein Erlebnis, das auf der einen Seite negativ, aber dann auch wieder positiv war. Ich komme gerade aus dem Nachbarkaff und war mit dem Bus unterwegs. Beim ersten Linksabbiegen kippte hinten plötzlich eine Flasche um, die da jemand hat stehen lassen und rollte durch den ganzen Bus. Fast sofort machte sich Biergestank breit. Super! Drei Haltestellen weiter nahm sich jemand ein Herz und hat das Teil aus der hinteren Tür getreten, aber der Gestank blieb.
    Und schon war der Alkohol wieder in meinen Gedanken: Zuerst habe ich mich einfach innerlich nur aufgeregt, doch dann machte sich Melancholie breit, ein Anflug von nassem Selbstmitleid? Nie wieder mit den Eltern an heißen Sommerabenden im Garten sitzen und richtig einen über den Durst trinken... Bevor ich anfangen konnte mich darin zu suhlen kam aber etwas anderes hoch: Die Erinnerungen an diese stumpfe Gier, das Gerenne, nach dem einen Bier noch eins holen und noch eins, in einem Hamsterrad zu stecken und nicht mehr rauszukommen, trinken und trinken und trinken zu müssen und keine Entscheidung mehr zu haben wenn das Zeug einmal im Körper ist. Das war sehr erschreckend, die nackte Wahrheit, und es hat mich von dem Anfall befreit. Es hat mir drastisch und unerbittlich vor Augen geführt, dass Alkohol"genuss" bei mir immer mit diesem fürchterlichen Hamsterrad zusammenhängen wird. Mir wird wieder klar, wieviel freier mein Leben ist, aus welcher Tretmühle ich mich befreit habe. Und es gibt keinen Vorteil, den der Alk mir bieten könnte, der diese Hölle auch nur im entferntesten aufwiegen könnte. Und plötzlich kam auch alles andere wieder: Dass ich mich nicht mehr vergiften will, dass ich, selbst wenn ich könnte, nichts mehr trinken würde, weil Alkoholkonsum gegen meine Prinzipien, meine Lebensvorstellung geht.

    Irgendwie war das wieder ein neues "Klick" in meinem Kopf.

    Letztendlich bin ich zwei Haltestellen vor meinem Ziel ausgestiegen und die restlichen zwei Kilometer heim gelaufen. Mir ist von dem Gestank schlecht geworden.

    LG
    Plejaden

    P.S.: Übrigens hatte ich letztens noch mit wem genau über das Thema "Alkoholgestank im Bus" eine kleine Diskussion. Natürlich ist es sch... . Aber die Busfahrer können daran auch wenig ändern, Leute mit ner Pulle in der Hand werden meist nicht reingelassen, aber die Taschen dürfen sie nicht durchsuchen...

  • Zitat

    Ich dachte tatsaechlich, was ist, wenn ein trockener Student gerade zur Voelsung vorbei kommt? Naja, ich denke, der oder die, die es mit dem Trockenwerden wirklich ernst meinen, gehen schnell vorbei.

    I wo ;) . An meiner Uni war's dasselbe mit dem Glühwein und ich bin sogar soweit gegangen die meisten Ausschankstellen zu umlaufen und hab damit ein paar Extra-Kilometer gemacht. Ich fand das einfach ziemlich ätzend und hab mich sehr drüber aufgeregt: Den Weihnachtsmarkt hatte ich mir wegen des Glühweins geschenkt, aber das war dann für wohl die Katz.

    Der Typ hat öffentlichen Alkoholkonsum auch mit rauchen verglichen, übrigens. Wir sind eigentlich zu dem Konsens gekommen, dass man Alk in der Öffentlichkeit gar nicht verbieten kann. Aber in den letzten Tagen spukt es mir im Hinterstübchen herum, dass es Länder gibt wo öffentliches Trunkensein verboten ist. War es gar Amerika? Egal ;) .

  • Hallo zusammen,

    ich hatte ein schönes Wochenende, von dem Vorfall im Bus gestern einmal abgesehen. Habe den Rest des Samstages mit meinem Freund verbracht, der hier seine Erkältung ausgeschwitzt hat. Heute habe ich ausgeschlafen (bis 9 Uhr... ui :roll: ) und habe dann etwas an der Geschichte geschrieben, dann Biathlon geguckt und war danach Joggen. War richtig schön! Ich fühle mich jetzt so richtig schön kaputt, wenn ihr versteht was ich meine ;) .
    Danach hab ich mich geduscht und das zweite Rennen geguckt, danach wollte ich mich noch etwas in die Sonne setzen, aber meine Eltern haben sich mit den Nachbarn im Garten besoffen und das wollte ich mir nun nicht geben. Also bin ich in meinen eigenen vier Wänden geblieben und hab Viva Pinata gespielt.

    Eine Sache hat mich heute ziemlich beschäftigt: Ich lese hier, im offenen Bereich (naja, wo sonst, im geschützten kann ich ja nicht lesen 8) ) in fast jedem dritten Themenstrang Sätze wie "es macht mir nichts aus, wenn die Leute um mich herum trinken". Das höre ich auch von fast allen LZ-Trockenen in meiner SHG.
    Ich muss sagen, so habe ich in den ersten Wochen meiner Trockenheit auch gedacht. Hab mich zu meinen Eltern gesetzt beim Grillen, mein Vater hat sich ein Bier nach dem anderen reingepfiffen und es hat mir nichts ausgemacht.

    Wirklich :?:

    Nun, ich habe keinen Suchtdruck bekommen, das nicht. Ich habe nicht gedacht "ach, könntest du jetzt mittrinken" und es hat sich auch nicht diese dumpfe Gier eingestellt. Was ich aber getan habe: Ich hing mit den Augen immer am Alkohol. Habe immerzu gedacht "aha, jetzt trinkt Papa wieder etwas, tiefe Schlucke... Mama hat ihr Glas fast leer... jetzt holt sie sich ein Neues - aha, Rotwein! Papas Flasche ist schon zur Hälfte leer... Wie gut, dass ich nicht mehr trinken muss, ich bin soviel besser dran als die beiden!" Das ging in einer Endlosschleife immer so fort. Was war im Zentrum meiner Gedanken? Richtig.
    Ich habe jetzt mal drauf geachtet, es jetzt erst bemerkt: Wenn ich mit den Leuten in der SHG zusammensitze, mit meinem Freund in meiner alkfreien Bude, mit Kommilitonninen in der Cafete und dort steht Limo, Wasser, Kaffee auf dem Tisch - dann interessiert es mich einen Sch...dreck was die da trinken! Also, es macht mir nichts aus? Ich verschwende keinen Gedanken an Alkohol und kann ganz cool daneben sitzen, muss mein Leben nicht ändern?

    Was mich nun wurmt ist, dass es anderen wohl anders geht. Offensichtlich entwickeln sie einen festen Willen oder Ekel oder sonstwas, der sie vor solchen Gedanken schützt. Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe nicht vor mich in trinkende Gesellschaft zu begeben. Das kotzt mich mittlerweile einfach nur an. Ich habe einfach Angst, dass ich einen wichtigen Schritt in meiner Entwicklung verpasse, dass ich etwas falsch mache weil ich diese Gedanken habe :( . Schließlich sagen viele LZ-Trockenen in meiner SHG, dass sie von Anfang an mitgefeiert und einfach nur nicht getrunken haben, und die sind jetzt ein Dutzend Jahre trocken.

    Ich persönlich möchte mich nicht in die Nähe von Alkohol begeben oder von Leuten, die ihn konsumieren. Ich habe dann diese Gedanken, fühle mich wie auf dünnem Eis. Aber ist es richtig, dass ich diese Gedanken habe? Müsste ich jetzt, nach fast einem halben Jahr Trockenheit, nicht anders denken? Müsste mir die Anwesenheit von Alkohol nicht "wirklich" nichts mehr ausmachen, wie bei anderen Leuten auch?

    Nachdenkliche Grüße
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Ich persönlich möchte mich nicht in die Nähe von Alkohol begeben oder von Leuten, die ihn konsumieren. Ich habe dann diese Gedanken, fühle mich wie auf dünnem Eis. Aber ist es richtig, dass ich diese Gedanken habe? Müsste ich jetzt, nach fast einem halben Jahr Trockenheit, nicht anders denken? Müsste mir die Anwesenheit von Alkohol nicht "wirklich" nichts mehr ausmachen, wie bei anderen Leuten auch?

    Ein trockenes Umfeld ist ein MUSS, das weißt Du selbst und arbeitest daran.

    Ich glaube, was mir oder Dir etwas ausmacht ist ein sehr persönliches Empfinden . Sicher auch abhängig von der Tagesform, der aktuellen Stimmungslage.

    Ich halte es nach wie vor so: Wo ich mich nicht wohlfühle, bleibe (oder gehe) ich weg.

    LG kommal

    unterwegs...

  • Hallo Pleyaden!
    Mir geht es genauso.Ich registriere wer wieviel trinkt,merke wie es stinkt und vlt. verkrampfe ich dann auch ein wenig...
    Nein,Saufdruck verspüre ich keinen.Freue mich auch,dass ich nichts mehr saufe.
    Vlt. liegt es an der geänderten Wahrnehmung,von der du auch selbst schon geschrieben hast.Es ist nicht falsch,sich zurück zu ziehen,wenn einem danach ist.Wir hören da nur auf die innere Stimme...
    Ich glaube nicht,dass wir in unserer Entwicklung zum trockenen Leben etwas verpasst haben.Das kommt vlt. alles noch später.
    Es ist doch gut,wenn unsere Wahrnehmung jetzt so geschärft ist.

    Lütze

    Trocken seit 2.11.2007

  • Ich wollte nochmal kurz danke für die Antworten sagen. Der Chat heute hat mir auch nochmal den Kopf gerade gerückt, Stichwort "Auf mich selbst schauen" und "gesunder Krankheitsegoismus". Stimmt was du geschrieben hast kommal, es ist persönliches Empfinden. Vielleicht bin ich was Alk in der Nähe angeht dünnhäutiger als andere. Ich habe einfach Angst, mich selbst zu verraten und zu belügen. Den größten Teil meines Lebens habe ich nichts anderes getan. Genauer gesagt, habe ich erst vor ein paar Monaten damit aufgehört.

    Und Lütze, schön zu wissen dass es mir nicht allein so geht ;) .

    @currlinger: ich hab schon von einigen Cos und Kindern hier gehört, dass sie selbst keinen Alk mehr trinken und Betrunkene auch nicht mehr ertragen können. Wenn man selbst gesehen hat, was dieses Gift anrichtet, was es aus einem Menschen macht, nur allzu verständlich.
    Hattest du eigentlich schon deine Prüfung?

    Ich werde morgen noch was zum Chat von heute schreiben, muss noch einiges verdauen. Die Themen "gesunder Egoismus", "Nein-Sagen" und "Sich selbst wieder fühlen" sind für mich sehr wichtig.

    LG
    Plejaden

  • Zitat

    Die Themen "gesunder Egoismus", "Nein-Sagen" und "Sich selbst wieder fühlen" sind für mich sehr wichtig.

    das sind die schlüsselthemen um für sich gut sorgen zu können und ebend nicht den fokus für sich selbst zu verlieren.

    Kompromisse bedeuten ein Rückfall riskieren
    (vor dem trink - Rückfall geht ein Verhaltensrückfall vorraus)
    nicht Trinkende seid 04.03.07

  • Hallo Plejaden,

    ich habe ähnlich viele Meinungen beim Thema ‚Ich bin trocken, aber gehe dennoch feiern’ gehört und mir ist dabei auch aufgefallen, dass sich hier im Forum der Tenor jedoch gegen ein solches Verhalten richtet. Ich glaube, dass das auch ein Thema ist, welches jeder ganz individuell für sich handhaben sollte, aber bei mangelnder Rückfallerfahrung (so wie bei uns beiden) ist ein Mehr an Vorsicht sicher ganz sinnvoll. Schließlich können wir nur spekulieren, welche Reize für uns zu einer ernsten Gefahr werden können, da wir ja bisher noch nicht gefallen sind. Hmmm, also dann doch lieber die Sache mit der Porzellankiste :wink: . Ob man sich auf Dauer allerdings wirklich zu 100% von Alkohol konsumierenden Menschen wird fernhalten können, wage ich jedoch zu bezweifeln. Aber eines ist natürlich klar: Wo gesoffen wird, da gehe ich nicht mehr hin.

    Bin gespannt auf Deine Ausführungen zum Thema gesunder Krankheitsegoismus.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo JoeDoe und panther,

    klar, die Porzellankiste ist super. Wie konnte ich die nur vergessen?

    Es tut mir nicht weh, wenn ich zehnmal einen Bogen um Betrunkene mache. Aber es kann sehr sehr weh tun, wenn ich es das entscheidende eine Mal nicht tue.

    So, nun zu heute. Ich hatte heute einen längeren Tag an der Uni, von 9 bis 15 Uhr nur einen italienischen Artikel gelesen. Ich werde morgen aber einen anderen lesen, der hier vertieft sich nur in irgendwelchem Detailgeplänkel und es gäbe noch etwas Wichtigeres zu lesen.
    Zwischendurch habe ich noch einem Arbeitskollegen geholfen, der mit einem Computerprogramm Ärger hatte, danach ging es dann nach Hause. Da hab ich mich erstmal geduscht, ein paar Vokabeln abgeschrieben und ausgedruckt (diese ganzen kleinen fiesen Worte... "an" "während" "bei" "danach" "daher", kann mir das nie merken :( ) und danach Viva Pinata gespielt.

    Mh, gesunder Krankheitsegoismus. Vielleicht etwas zur Begrifflichkeit: Ich muss, um eine zufriedene Trockenheit zu erreichen, meine Krankheit an erste Stelle setzen. Ich muss tun, was gut für mich ist und die Gefahren eines Rückfalls minimiert. Ich eigene mir also einen gesunden Egoismus bezüglich der Alkoholkrankheit an, eben einen gesunden Krankheitsegoismus ;) .
    Mein Problem ist nach wie vor, dass ich Probleme mit Egoismus habe. Mir wurde ein Leben lang eingetrichtert, dass ich ja darauf bedacht sein muss, wie ich auf andere wirke; das ist alles was zählt. Ich hab z.b. als Kind ständig an meiner Wangeninnenseite und meinen Fingernägeln herumgeknabbert, weil ich seelisch ziemlich fertig war. Wenn meine Mutter das gesehen hat, setzte es eine Ohrfeige und den Kommentar "du kriegst einen schiefen Mund und dann will dich kein Mann mehr haben!" Ich habe immer noch Probleme das einfach so abzustreifen und zu der Einstellung zu gelangen "es ist egal, was andere denken". Auch habe ich mich früher öfters in Situationen begeben, die sowohl für meine Seele als auch für meinen Körper destruktiv und gefährlich waren, nur um einer anderen Person zu gefallen. Man kann sich überhaupt nicht ausmalen, wie wenig "Ich" damals da war, ich war eine Unperson, ein Klumpen Lehm, der von anderen nach Belieben geformt werden konnte um zu gefallen. Mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich daran denke.
    Das ist zum Glück heute vorbei, aber die Spuren trage ich immer noch in mir. Trotzdem, ich kann etwas dagegen tun. Ich habe soviel erreicht. Es zählt nicht mehr, wer ich damals war, sondern wer ich heute bin. Heute bin ich kein hilfloses Kind mehr, sondern eine Erwachsene, die ihr Leben selbst in der Hand hat.

    Also, wohl an:
    1. Ich brauche mich nicht zu rechtfertigen, warum ich keinen Alkohol mehr trinke. Wenn jemand felsenfest der Meinung ist, ich würde übertreiben, dann ist das halt so.
    2. Ich bin für mein Leben selbst verantwortlich. Wenn ich wieder anfange zu trinken, werden alle nur mit den Achseln zucken und sagen "Ach du trinkst wieder? So ein Pech."
    3. Ich richte mein Umfeld so ein, wie ich es möchte.
    4. ... ... Hey, was maßen sich andere Leute überhaupt an wenn sie zu wissen meinen, dass ich übertreibe? Wieviel Alkohol zuviel für mich ist?
    5. Ich muss ein Leben lang mit mir selbst leben. Die anderen nicht. Die sagen bloß schnell was daher, manchmal nur um etwas gesagt zu haben. Deshalb will ich mein Leben riskieren?

    So, morgen mehr ;) .

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    Punkt 2 und Punkt 5 finde ich sehr wichtig.

    Die Verantwortung für Dein Leben hast Du - und zwar ganz ausschließlich! Solltest Du wieder zum Glas greifen, dann werden andere Menschen dazu eine Meinung haben, oder eben auch nicht. Das ist dann deren Sache und auch völlig unerheblich für Deinen weiteren Weg. Denn wie Du am Ende so schön erwähnt hast: Du bist diejenige, die mit Dir ein Leben lang zusammen lebt, und nicht die anderen! So gesehen, wäre die einzige Person, der Du bei einem Rückfall Rechenschaft schuldig wärst, eben Du selbst und niemand sonst.

    Also: Immer schön egoistisch sein (bezogen auf den Alkohol natürlich :wink:)

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Irgendwie bin ich heute sehr mitteilsam :oops: weiß auch nicht warum.

    JoeDoe : Da hast du völlig recht. Ich glaub ich mache im Moment noch den Fehler, dass ich das Ziel vor Augen habe, nämlich gesunder Egoismus und nicht völliger Egoismus. Deshalb hinterfrage ich im Moment auch ständig, überlege immer "ist das überhaupt angemessen?" Das ist natürlich kontraproduktiv. Meine Therapeutin meint immer "Sie sind ein sensibler und empathischer Mensch, Sie kriegen das schon hin die Balance zu finden".

    Heute werde ich wohl nicht joggen gehen, ich hab meine Tage gekriegt und deshalb hab ich Kreislaufprobs die erfahrungsgemäß bei Sport schlimmer werden, inklusive der Schmerzen. Ich denke, ich werde heute früh nach Hause fahren, muss endlich mal ans Schreiben kommen. Hier hab ich dann auch eine Wärmflasche und einen halbwegs bequemen Bürostuhl.
    Mein Plan ist, morgen vor der Uni zu laufen, wenn es mir dann besser geht.

    Bis später.

  • Hallo Plej,
    ich per sönlich,mag dieses Wort Egoismus ja nicht so gerne,deshalb,habe ich es in meinem Wortschatz,durch das Wort Eigenverantwortung ersetzt

    Zitat

    Ich glaub ich mache im Moment noch den Fehler, dass ich das Ziel vor Augen habe, nämlich gesunder Egoismus und nicht völliger Egoismus

    Dein bestreben,sollte es sein,stets eigenverantwortlich zu handeln,jenes hat für mich nichts mit Egoismus in dem Sinne zu tun,deshalb mag ich dieses Wort auch nicht!

    Alles was Dupersönlich zu deinem allgemeinen Wohlbefinden unternimmst,geschieht aus deiner Verantwortung Dir selbst gegenüber!

    Sicherlich ist es so manches mal gut,Dinge zu hinterfragen,zu durchleuchten,abzuchecken,aber so manches mal,ist es eben auch ratsam,Dinge und Geschehnisse,nicht immer ganz bis zum Ende zu durchdenken,auch etwas einmal so stehen zu lassen wie es ist!

    All dieses geschieht aus deinem Handeln deinem Tun,und auf jedes folgt eine Konsequenz.

    Jenes hat nichts mit Egoismus zu tun,sondern obliegt meiner eigenen Verantwortung,meiner Eigenverantwortung

    Deine Therapeutin hat Recht,finde deine Ballance,in Dir,deinem Handeln!

    Gruß Andi

  • Hallo zusammen,

    heute war ein zäher Tag. Es ging mir seelisch zwar gut, ich war total motiviert und gut drauf, aber ich hab halt meine Tage und deshalb sagt mein Körper... Hol dir eine Wärmflasche. Leg dich hin. Schau deinem Freund bei Devil May Cry zu. Nun, so ist es nicht gekommen, also fast nicht :roll: .

    Ich bin früh zur Uni, hab den neuen Artikel angefangen zu lesen und bin sehr zufrieden mit der Entscheidung. Dann hab ich auf jeden Fall noch zwei Stunden gearbeitet, noch eine Stunde gelesen (bin fünf Seiten weit gekommen, und das auf italienisch!) und danach ging es nach Hause. Dort hatte ich dann besagten Durchhänger, mein Freund hatte auch einen, also habe ich das Wärmflaschending durchgezogen und er hat DMC gespielt. Nach einer Stunde musste er dann weg, und ich hab mich nochmal aufgerappelt und an meiner Seminararbeit geschrieben, eineinhalb Stunden lang, danach gingen mir die Aufzeichnungen aus :lol: . Und jetz ist Feierabend.

    Wo wir grad von Selbstbewusstsein geredet hatten, ich hab heute eine Werbeanzeige gesehen, die mir echt die Schuhe ausgezogen hat: Im Vollformat ein weinendes Kind mit einem Spielzeugtraktor, daneben in Riesenlettern "Du machst uns nichts als Ärger!" Das hat gesessen. Genauso hab ich mich während meiner ganzen Kindheit gefühlt - ich mache meinen Eltern nichts als Ärger. Haben sie glaub ich nie so gesagt, aber gespürt hab ich es immer. Mh...

    Andi : Ich hab lange über deinen Beitrag nachgedacht und finde die Vokabel "Eigenverantwortung" auch treffender als "Egoismus". Egoismus ist bei mir negativ konnotiert, Eigenverantwortung dagegen positiv. Ich denke, daraus ist auch dieses Ambivalente und Hinterfragende gekommen - ich hatte ja vor egoistisch zu werden, und das wollte ich eigentlich nicht. Meine Therapeutin wird entzückt sein.

    Nochmal etwas zum "Nein"-Sagen: ich habe ja Angst, dass andere Leute schlecht von mir denken wenn ich ihnen einen Wunsch oder eine Forderung abschlage (ja, Menschen machen sich mir gegenüber gelegentlich nicht mehr die Mühe mit einer Bitte zu kommen, sie fordern gleich). Beim Chatten ist mir dann plötzlich wieder eingefallen, dass ich es schon hundertmal erlebt habe, dass die Leute tatsächlich nicht besser von mir denken. Sie behandeln mir zwar kurzfristig besser und belohnen mich mit Aufmerksamkeit und geheuchelter Freundschaft, aber nur um mich bei der Stange zu halten. Ihre schlechte Meinung über mich haben sie so oder so (oder ihre gute Meinung, je nachdem). Dieses Zuckerbrot-hinwerfen habe ich dann mit Freundschaft und Wohlwollen verwechselt :( .

    So, ich werde mir jetzt eine neue Wärmflasche machen und auf meinen Freund warten, solange an der Geschichte schreiben.

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    hmmm, da habe ich mich bezüglich der Vokabel ‚Egoismus’ mal extra zurückgehalten, weil ich diesem Wort auch einen negativen Beigeschmack zuordne, aber Du hast das ja mit Andi zusammen gut hingebogen (und ich bin nicht der fiese Haarspalter :wink:). Im Ernst: Eigenverantwortung klingt nicht nur besser, es trifft meiner Meinung nach auch viel besser den Kern der Sache.

    Das Thema ‚Nein sagen’ ist bei mir ja auch ein sehr kritisches Ding: Werde ich um einen Gefallen gebeten, dann entspringen meinem Munde sehr oft die Worte ‚Ja, kein Problem!’. Leider kommt es aber auch zu Situationen, dass ich später leider feststellen muss, dass sich da doch ein Problem größerer Natur befindet und die Enttäuschung beim Bittsteller ist dann doch viel größer, als wenn ich die Sache direkt verneint hätte. Das ist bezüglich der Förderung einer guten Meinung über meine Person natürlich wenig dienlich.

    Was die Meinung über Deine Person angeht (und das gilt für mich natürlich genauso): Da wird es immer Menschen geben, die Dich nicht mögen. Aber ist das wirklich ein Problem? Oder anders herum gefragt: Magst Du wirklich jeden Menschen? Möchtest Du wirklich jedem eine gute Freundin sein? Ich versuche da ganz ehrlich zu sein und mache mir auch bewusst, dass es genügend Leute gibt, die ich gar nicht näher kennen lernen will! Das bedeutet nicht, dass ich mich denjenigen gegenüber respektlos verhalte, aber bei der höflichen Umgangsart endet dann auch mein Interesse an der Persönlichkeit. Ich nehme mir sogar das Recht heraus, den ein oder anderen Menschen für einen Idioten zu halten, und weil ich mir dieses Recht gebe, denke ich, dass meinem gegenüber das gleiche Recht zur Verfügung steht. Solange man eine kleine Schar ausgewählter guter Freunde hat, einen ehrlichen und treuen Partner an der Seite hat …

    Soweit

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Ich wollte mich jetzt nochmal kurz melden, weil ich nicht weiß, ob ich heute abend dazu komme. Habe ja heute SHG und bin deshalb wieder erst um neun Uhr daheim. Ich habe mir vorgenommen, an einem Tag wie heute dann halt später zur Uni zu fahren, damit ich nicht 12 Stunden unterwegs sein muss.

    JoeDoe : Das hatte ich auch einige Male, ja. Hab irgendwelche Aufträge angenommen, einfach "Ja" gesagt und weil ich es dann nicht hingekriegt habe denjenigen enttäuscht und z.T. auch in die Bredoullie gebracht.
    Die Sache mit der Meinung ist für mich eher eine emotionale Krücke. Klar, was du schreibst weiß ich vom Kopf her schon seit Jahren, nur es kommt einfach nicht im Bauch an. Es ist zwar in den letzten Monaten etwas tiefer gerutscht, aber wirklich angekommen noch nicht. Klar, ich hab Geduld mit mir, aber ich möchte auch nicht dass es stagniert. Ich bin da wirklich die letzten Jahre auf der Stelle getreten.

    Zitat

    Das bedeutet nicht, dass ich mich denjenigen gegenüber respektlos verhalte, aber bei der höflichen Umgangsart endet dann auch mein Interesse an der Persönlichkeit.


    So möchte ich das auch handhaben. Ich habe schon einige Menschen kennen gelernt, die irgendwelche Personen sehr genau spüren ließen dass sie sie nicht leiden konnten und meinten dazu nur schulterzuckend "ich bin nur ehrlich, ich hasse dieses Rumgeschleime". Z.B. wurde den unbeliebten Leuten einfach völlig zusammenhanglos an den Kopf geworfen "Kannst du mal das Maul halten, da kommt einfach nur Müll raus. Also ehrlich."
    Aber jemanden höflich zu behandeln hat nichts mit schleimen zu tun. Ich habe sogar zu meinen ganz schlechten Zeiten solche Leute für "stark" und "toll" gehalten, was sie das tun konnten, was ich nie wagen würde: Jemanden angreifen und kein Problem damit haben sich unbeliebt zu machen. Heute halte ich solche Leute für ziemlich arm :roll: .

    @currlinger: Herzlichen Glückwunsch! Ich muss jetzt noch eine Abschlussarbeit schreiben, aber das ist ja nicht ganz so adrenalinbesetzt wie eine Prüfung - bisher zumindest ;) .

    So, ich muss los. Vielleicht schreib ich heute Abend noch was.

    LG
    Plejaden

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