Beiträge von butterweich

    Hallo,

    Ich habe mich NICHT um ihn gekümmert. Ich habe bis jetzt NICHT angerufen, wie es um ihn steht.

    Aber es fällt mir schwer. Ungeheuer. Es ist schwer, etwas anders zu machen als sonst.

    Aber Eure Postings haben mich gestärkt und mir noch mal vor Augen geführt, wie notwendig es für mich ist, Dinge einfach sein zu lassen, nicht einzugreifen, und das auch auszuhalten.
    Und das Wort "Aushalten" wirft mich wieder auf meine Co-Abhängigkeit und auch, wie abhängig man doch von einem Gegenüber ist - im Moment fühle ich mich höllisch alleine und das ist auch schwer auszuhalten.

    Ich hoffe dass ich es lerne, mit mir glücklich zu sein - bisher war da immer noch ER im Hintergrund und jetzt ist da nur noch ein weisser Fleck.–
    Und ich kann es kaum fassen, wie groß dieser Fleck ist - wie ein Umriss auf einer schwarze Wand. Und bekommt damit Bedeutung. Lieber wäre mir, die Wand wäre ganz kahl und uniform.

    Ich glaube ich bin am Anfang eines Weges, der noch sehr lang wird...
    Gruss
    butterweich

    Hallo an alle,

    Im Augenblick bin ich voll im Konflikt und muss mir das mal von der Seele schreiben.

    Ich habe mich im April von meinem Ex getrennt, und der lässt sich jetzt so richtig hängen: Abstürze am laufenden Meter, exzessives Saufen mit nur kurzen Zwischenpausen durch diverse Krankenhausaufenthalte – kurz, eine immer schneller fortschreitende Selbstzerstörung: beim letzten Mal 3 Rippenbrüche, dieses Mal (heute abend wurde es mir mitgeteilt) eine große Platzwunde am Kopf: Und wieder Einlieferung ins Krankenhaus.... ohne dass er anschließend Konsequenzen zieht.

    Natürlich habe ich Mitleid mit ihm, natürlich berührt mich sein Leiden, dass er nicht stoppt, aber: Als er mich vor 2 Tagen anrief und über seine gebrochenen Rippen jammerte, sagte er mir auch, dass er wieder getrunken habe, Dazu die ständigen Liebesschwüre und da platzte mir der Kragen: Ich habe ihm gesagt, ich wolle nichts mehr von ihm hören, bis er in einer adäquaten Therapie sei, und ich kann und wolle ihm nicht mehr helfen! Ergebnis: s.o.!!

    Allmählich glaube ich, dass er nicht mehr lange leben wird.
    Ganz objektiv besehen.
    Körperlich ist er fertig, und sein Geist lässt schon lange schleichend nach...
    Und das greift mir doch ins Herz und ich frage mich:
    Sollte ich Hilfe geben als Mitmensch oder bin ich dann der Co, der sich wieder verpflichtet fühlt, zu helfen.–

    Dabei weiss ich, helfen kann ich ihm gar nicht, habe es lange genug versucht und eine Menge anderer Leute auch.
    Aber kann und darf man einen Mitmenschen dann einfach so abschreiben?

    Ich habe ihn lange Zeit gebeten, angefleht, nicht mehr zu trinken (emotionale Ebene) und dann wieder was anderes probiert: nüchternes analysieren wie es für ihn weitergehen wird, wenn er nicht aufhört, sich mit dem Suff immer wieder wegzubeamen – nichjts hat`s genutzt,
    und ich habe doch immer wieder geredet, geredet, geredet...

    Jetzt ist mir nicht mehr nach Reden und meistens auch nicht nach einer Begegnung aber im Moment nach einfach Dasein, ihn nicht alleine lassen in seinem jetzigen Elend – denn er ist doch ein Mensch.

    Vielleicht fällt Euch dazu etwas ein (bestimmt tut es das!). Mir leider nicht mehr.
    Für ein paar Zeilen wäre ich Euch dankbar.

    :( butterweich

    Hallo an alle,
    Ich habe da mal eine Frage, besonders an die Alkoholiker unter Euch: Glaubt Ihr, dass es einen Punkt gibt -(ausser dem Tod natürlich!)-, an dem ein Alkoholiker nicht mehr den Dreh kriegen kann, mit dem Trinken aufzuhören?

    Ich meine, wenn er schon alles an Hilfsmöglichketen durch hat und es trotzdem immer wieder passiert, dass er abrutscht und nicht mehr auf die Beine kommt - vielleicht weil er schon zu lange trinkt oder ein Alter hat, wo es immer schwerer wird, oder.... kurz und gut, wo er ein hoffnungsloser Fall wird?

    Gibt es so was wirklich, hoffnungslose Fälle, die es nicht mehr hinkriegen können?

    Bin mal gespannt auf Eure Antworten!
    butterweich

    Hallo Ihr Lieben,

    Nach vielen actionreichen Tagen und der Aussicht, dass es wohl nach meinem Umzug noch eine Weile so weiter geht, wollte ich mich mal wieder bei Euch melden.

    Den Auszug aus der Riesenwohnung mit allem Drumherum habe ich jetzt hinter mir, es war sehr, sehr anstrengend, aber jetzt sitze ich in meinem neuen Zuhause (auf das ich mich immer wieder neu freue! :P ) und bin mit der Einrichtung beschäftigt - auch stressig, aber diesmal konstruktiv.

    So recht zum Nachdenken und Revue-Passieren-Lassen bin ich vor lauter Arbeit noch gar nicht gekommen, zudem plagen mich Existenzsorgen :oops: , wie ich das alles im nächsten halben Jahr finanzieren soll (danach wird es besser, da bin ich sicher!)

    Leider ist meine Mutter in der ganzen Umzugs-Zeit noch sehr krank geworden, also habe ich nun dort eine "Baustelle", und große Sorgen, sie zu verlieren.

    Mein Ex hängt an mir wie eine Klette, zuerst hatte ich es mit totaler Kontaktsperre versucht, aber dann kam da etwas hoch wie Mitleid (sowieso- alte Co-Kiste!), aber auch Erbarmen, als ich hörte WIE besch... es ihm jetzt geht - sein Vermieter fand ihn auf dem Boden liegend in der Wohnung vor und er kam in einem elenden Zustand ins Krankenhaus.

    Seitdem geht es wieder los: Er ruft täglich an mit irgendeiner Bitte, versucht Druck auf mich auszuüben, mich zu erinnern, dass ja auch ER eine Menge für mich getan hätte, nennt mich stur, agressiv, wenn ich abblocke, appelliert an meine Verantwortung (warum glaubt er eigentlich ich sei es???), und will nicht begreifen, dass ich mich nicht mehr verantwortlich fühle und wenn ich etwas für ihn tue, dann aus meinem Willen heraus, aber nicht, weil ich mich in der Pflicht sehe, und das auch nur dann, wenn ich Zeit und Gelegenheit habe...
    Will immer mit mir "vernünftig" reden... dabei ist er die Unvernunft in Person.

    O.K., auch ich habe manchmal meine Aussetzter, aber nur temporär aus Überlastung, und dann schmiert er sie mir jedesmal neu auf`s Brot, nach dem Motto: Siehste, was wirfst Du mir eigentlich vor?

    Das Ganze zerrt mich immer wieder ein Stück weit zurück, ich gehe zwei Schritte vor, aber da klebt was, das will mich nicht loslassen, so empfinde ich es jedenfalls.

    Und, ja, mein Ton ihm gegenüber wird immer schärfer, mit einem Freund würde ich so nicht reden. Aber offensichtlich will er es immer wieder hören, sonst liesse er mich doch in Ruhe.

    Mein Wunsch ist eigentlich immer noch, einmal wieder dem trockenen Menschen auf gleicher Augenhöhe zu begegnen.
    Nun ja, eine neue LZ, sagt er, will er jetzt machen, allein mir fehlt der Glaube, bis er dort ist.

    Genervte Grüße
    butterweich :roll:

    Ihr Lieben,

    Mittlerweile weiss ich es jetzt definitiv: Es geht NICHT. Jedenfalls bei mir nicht. Zu groß sind noch die Löcher, die ich nicht sehe und in die ich reintappe und mich zu einer Verantwortlichkeit ausserhalb meiner selbst stolpern lassen.
    Bin schon wieder auf alle möglichen Tricks fast hereingefallen. es muß einfach Distanz her.
    Ich hatte zu Anfang nur wenig mit ihm telefoniert, aber jetzt kommen wieder die Endlos-Schleifen-Gespräche:
    Einfach abbrechen geht nicht, er ruft garantiert wieder an, inzwischen wegen jedem Sch...

    Die Vorwurfstour: Ich würde ihm dies und das und jenes vorenthalten während er mir doch so edel alles überlassen würde...

    Die Forderungstour: Du MUSST jetzt..
    .
    Die Nieder-Mach-Tour: Frau in der Midlife-Crisis meint noch mal durchstarten zu müssen... Mir fehle einfach seine Intelligenz... etc.etc....

    Und er, immer er wäre derjenige, der zurückstecken soll, aber damit wäre jetzt Schluß! Im Wechsel mit: Er habe solche Sorge und Angst um mich...

    Und das Ganze untermalt mit der Opfer-Tour: Ich hätte das alles initiiert und man hätte doch vernünftig damit umgehen können. Aber da ich zur Zeit hysterisch sei, wäre das ja nicht möglich –!

    Ich habe mir jetzt Kontaktsperre verordnet. Und ihm auch: ich habe ihm gesagt, daß ich kein Wort mehr mit ihm spreche, geschweige ihn sehen wolle, wenn er nicht nüchtern ist, denn das kommt noch dazu: er ist schon wieder meistens hackevoll.

    Jetzt muss ich wohl mit der Gift-und Galle-Tour rechnen, sei`s drum.

    Allmählich erfüllt mich eine unbändige Wiut auf den Kerl.

    Gute Nacht an alle, die jetzt noch wach sind
    butterweich

    Ihr Lieben,

    Das ist es ja, was mich manchmal verzweifeln lässt: Wie löst man sich wirklich aus diesen Mustern?

    Ich übe ja schon fleissig, z.b. erzählt er mir seit Tagen, wie schlecht es ihm körperlich geht, dass er am Ende seiner Kräfte sei und heute morgen rief er an und sagte mir, er wäre beim Arzt gewesen und der habe ihm äusserste Schonung verordnet - und - jetzt kommt es!! er wolle mir nur noch sagen, wo er sein Geld versteckt hat, falls er sterbe, damit ich es anschließend finden kann!!! Ich sagte ihm, die Tel.-Nr. des Rettungswagens wäre 112 und das ich noch viel zu tun hätte...

    Das war wieder ein Druck auf den "Emotions-Knopf", aber diesmal hat es nicht funktioniert. Ich war einfach nur genervt. Ein anderer knopf ist. Du bist ein schlechter, ich-bezogener Mensch. Den habe ich auch schon erkannt. Heisst im Klartext: Du tust nicht das, was ich will.

    Aber da sind noch viele andere Knöpfe, ahne ich, von denen ich noch nichts weiß und bei denen ich Angst habe, daß die funktionieren könnten, ohne dass ich es merke.

    Wie sind da Eure Erfahrungen? Was für "Knöpfe" gibt es noch? Wo muss ich besonders aufpassen? Ich meine, wir sind alle ganz unterschiedlich, aber trotzdem verbindet uns in dieser Sc...-Krankheit doch viel. Also muss es doch auch einige gemeinsame Nenner geben?

    Liebe Grüße
    butterweich

    Hallo an alle,

    Eure Antworten haben mich eigentlich in dem bestärkt, was ich mir schon dachte: Es gibt Ringeltauben, die diesen Spagat schaffen,aber ich glaube, ich gehöre nicht dazu, weil es für mich keine lockere Übung ist sondern eine Verrenkung.

    Was mich sehr nachdenklich gemacht hat:

    - Eher eine verschobene Beziehungs-Verlängerung unter einem Tarnnamen. -

    und

    - Wieso war es eigentlich ein Fehler ihm den kleinen Finger zu geben? Wenn Du Dich dabei schlecht fühlst, ist doch die Frage: warum und was empfindest Du? -


    Da ist glaube ich der springende Punkt.
    Ich bin noch so sehr verstrickt in diesen Beziehungs-Matsch, dass ich manchmal die Klarheit verliere, von der ich gerade geglaubt habe, ich wäre ihr näher gekommen und dass ich in der Lage bin, eindeutig zu denken und zu fühlen und danach zu handeln.

    Das einzige, was ich sicher weiss ist, das ich nicht nur keine Beziehung mehr will, sondern auch weiss, das es gar nicht mehr möglich ist - zu viel ist geschehen, ich sehe allmählich Muster in diesem jahrelang gewebten Beziehungs-Teppich, und das Muster ist nicht schön und gelungen, sondern hat jede Menge Löcher, die ich mehr schlecht als recht versucht habe zu stopfen, nur um zu sehen, dass an einer anderen Stelle die Fäden wieder nicht hielten...

    Dieser Teppich sieht aus wie ein Stück von zwei Webern, die ihr Handwerk nicht verstanden.
    Und ja - "Mein Mann hat etwas Passenderes verdient und ich genauso." -

    Leider kann ich jetzt den Kontakt noch nicht ganz abbrechen, weil wir (d.h. hauptsächlich ich) mitten in der Wohnungs-Auflösung stecken und das bietet immer wieder Grund und Anlass, das etwas besprochen werden muss. Noch lange 14 Tage. Ich ersehne den Augenblick, wenn ich in meiner neuen Wohnung sitze, die ich gerade einrichte, mein Arbeitsplatz endlich dort ist (das ist das Wichtigste) und ich hier die Tür für immer zu machen kann,

    Dann, hoffe ich, greift auch die räumliche Trennung wirklich (bin dann in einer anderen Stadt) und ich kann das Ganze mit mehr Distanz angehen.
    Und mir dort schleunigst eine SHG suchen, wieder regelmässig zu meiner Therapeutin gehen und erst mal zur Ruhe kommen, um nachzudenken, wie viel Kontakt ich eigentlich wirklich will und ob überhaupt.
    Ich hoffe, mit dem Tür-zu-machen dann auch ein bisschen von meiner Krankheit hierzulassen.

    Allen liebe Grüße
    butterweich

    Ihr Lieben,

    Allmählich glaube ich, der einzige Weg, einen Alkoholiker wirklich loszuwerden nach der Trennung ist die totale Kontaktsperre. -

    Ich jedenfalls hab`s vermasselt: Wollte nicht unmenschlich sein, mich nicht rächen, habe mir vor Augen geführt, daß er krank ist, und ihm gesagt, als er mich anflehte, nicht einfach so aus seinem Leben zu verschwinden, wenigstens hin und wieder mit ihm zu sprechen und ob er mich denn manchmal sehen dürfte, dass ich mir vorstellen kann, dass wir Freunde bleiben - wenn er nüchtern bleibt und was für sich tut. Wenn er wieder trinkt, sagte ich ihm, wäre das sofort vorbei.

    Seitdem hat er sich eine Wohnung gesucht, richtet sie gerade ein, ist immer nüchtern, wenn er mit mir spricht, respektiert den räumlichen Abstand, den ich erzwungen habe, ruft mich aber jeden, wirklich jeden Abend an und erzählt mir alles, was er getan hat, wie er sich fühlt, was er alles für mich tun möchte und dass er immer für mich da ist, wenn ich ihn mal brauche, was er am Tag erlebt hat, und...und...

    Und zum Schluss fängt er meistens an zu weinen und sagt, es würde ihm das Herz zerreissen, das ich nicht mehr da wäre, wie schwer es ihm fällt, das er mich nicht jeden Tag sehen darf und dass so viele gemeinsame Jahre doch nicht einfach so enden könnten...

    Ich glaube, er kann nicht glauben, dass ich mich wirklich von ihm getrennt habe und denkt, dass er mit der Zeit alles wieder gut machen kann. Aber ich WEISS, sobald er mich wieder hätte, läge der ganze Streifen, den ich mit ihm mitgemacht habe, wieder vor mir und das will ich auf gar keinen Fall, aber ich bringe einfach den Mut nicht auf, es ihm zu sagen.

    Allmählich glaube ich, das mit der Freundschaft kann nicht funktionieren. Da bin ich wohl wieder auf meine Illusionen hereingefallen. Es war schon ein Fehler, ihm den kleinen Finger zu geben - verdammt noch mal, lerne ich eigentlich gar nichts??? :evil:

    Oder hat jemand von Euch die Erfahrung gemacht, dass es mit der Zeit doch klappen könnte, da die Kurve zu kriegen??

    Allen einen schönen Abend
    butterweich :(

    Liebe Dagmar,

    Da hast du recht, ich hatte schon lange, als ich noch richtig in dieser Beziehung steckte, so Gefühle von "Liebeskummer" - einfach weil ich merkte, daß ich schon lange verlassen war und auch ich meinen Partner (?!) immer mehr innerlich verließ. Das hatte dann meistens mit Gemeinsamkeiten in der Vergangenheit zu tun, die es nicht mehr gab, weil ich merkte, mein Weg führt ganz woanders hin - auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch in vielen kleinen Schritten gelaufen bin und Angst hatte vor dem entscheidenden grossen.

    Verletzungen gleich welcher Art hatte ich bis dahin immer mit dieser Illusion zugelassen, daß wir ja "eigentlich" doch durch ein Band der Zuneigung verbunden wären, und habe alles, wirklich alles als alkoholische Entgleisung abgetan, die aber seiner Krankheit entsprang - und nicht z.b. seiner Disziplinlosigkeit oder seinem mangelnden Willen, wirklich etwas zu ändern. Irgendwann habe ich dann aber kapiert: Der will gar nichts ändern. Und von diesem Moment an ging das innere Ablösen von ihm dann ganz zügig...

    Jetzt habe ich ihn getan, den großen Schritt, und nun fangen die kleinen Schritte wieder an - jetzt werde ich mir selber zeigen müssen, daß ich diesem Weg gewachsen bin, und seit ich hier viel lese, nehme ich auch das Thema Co-Abhängigkeit noch ernster als vorher - langsam begreife ich den Umfang meiner eigenen kranken Verhaltensweisen und wie weit ich noch von einem wirklich selbstbestimmten Leben entfernt bin. Aber - und das habe ich jetzt schon erreicht - das Arbeiten daran kann ich nun demnächst in Sicherheit und Ruhe tun.

    Liebe Grüße
    butterweich

    Hallo ihr Lieben,

    Jetzt bin ich schon über einen Monat von meinem Ex getrennt, ich bin alleine in der Wohnung, er läßt mich weitgehend in Ruhe, mein Umzug ist vorbereitet - viel, viel Arbeit und Organisationskram, aber das hört ja auch irgendwann auf, spätestens wenn der halbe Juni um ist.

    Wir stehen noch in telefonischem Kontakt, manchmal brechen auch die Gefühle bei ihm heraus und auch mir tut alles, was geschehen ist, sehr, sehr leid - aber - bis auf eine ganz stille Trauer, fühle ich in den Stunden, in denen ich mal etwas Ruhe habe - NICHTS - darüber hinaus, keine Wut, keinen Groll, manchmal komme ich mir vor wie ein leerer Sack, da ist nichts mehr drin, was die Vergangenheit betrifft. Ich vermisse ihn nicht, ich komme alleine gut durch den Tag, ich lege mich abends in mein Bett und die leere Seite neben mir ist mir völlig egal....

    Wenn ich doch mal irgendetwas fühle, ist es die Vorfreude auf mein neues Zuhause und die Neugier, wie spannend mein Leben dann wird. Ich freue mich ungeheuer auf den Moment, wenn ich da alles beisammen habe, was ich brauche und zum ersten Mal die Türe zumachen kann in dem Bewußtsein: Jetzt bist Du endlich zuhause.

    Da ist auch keine Trauer wegen dieser Wohnung, die ich bald verlassen werde und die mal meine Traum-Wohnung war - es ist nur noch ein Zuwarten auf dem Moment, wenn der Umzug endlich losgehen kann.
    Schon komisch.
    Ich hätte so gerne mal weinen können, aber da ist nichts, wütend werden können, aber da ist auch nichts - nur eine große Leere.

    Ging es jemandem ähnlich wie mir?

    Liebe Grüße an alle
    butterweich

    Ihr Lieben,

    Heute abend dachte ich mir, es ist mal wieder an der Zeit, Euch einen kleinen Situations-Bericht zu liefern.

    Meine Wut ist inzwischen verraucht...- puff, einfach weg.

    Ich habe viel regeln können, u.a. ist diese Wohnung jetzt von mir UND von ihm unisono gekündigt - welch eine Erleichterung, ich mußte einmal nicht kämpfen, weil er inzwischen wieder Vernunftgründen zugänglich ist, seit er aufgehört hat zu trinken. Na also, es geht doch. Er lebt jetzt bei einem Verwandten und steht nicht mehr auf der Straße.
    Ja, mittlerweile ist es wieder möglich, klar mit ihm zu reden, er akzeptiert die Trennung, arbeitet wieder... will aber wohl doch nicht so ganz von mir lassen, bei unseren Telefonaten nennt er mich immer noch "Schatz" - das tut weh - und, das Schlimmste ist, es ist mir neulich auch rausgerutscht!!! Verdammt, 18 Jahre sind eine lange Zeit, es ist schwer, solche Dinge mit allem anderen fallenzulassen.

    Überhaupt ist es schwer, wenn noch so viel verquickt ist - wir waren ja privat und beruflich miteinander "vergasselt", die nötige Balance zu halten zwischen Nähe (die trotz allem noch da ist) und Abgrenzung, und ich merke, ich muss hier schnellstens weg in meine neue Wohnung, schon alleine wegen der Entfernung und der Konzentration auf mich alleine.
    Er hat jetzt zum Glück auch eine Wohnung gefunden (auch da habe ich ihm schon wieder unter die Arme gegriffen, weil es auch mich belastet hatte, ihn als praktisch obdachlos zu sehen-!!) - ach, Mist, all das wollte ich gar nicht mehr tuen und ich weiss nicht, ob es gut für mich ist, den Kontakt zu halten, vielleicht wird es ja irgendwann Freundschaft, aber jetzt - ich weiss nicht, das ist mir alles zu gefährlich nah. Und zu früh.
    Hier zu Hause vermisse ich ihn nicht, aber fast tägliche Telefonate aus den unterschiedlichsten Gründen sind inzwischen wieder Usus. Und meine Gedanken wandern häufig zu ihm, eigentlich habe ich bis jetzt noch nicht einen Tag wirklich MEIN EIGENES Leben, so wie ich es wollte, gehabt. Aber vielleicht kommt das ja demnächst, wenn ich endlich hier weg bin.

    Ich packe schon fleissig, schön und gemütlich ist es hier nicht mehr und ich sitze mehr oder weniger auf gepackten Koffern wie bestellt und nicht abgeholt, und warte auf den Tag, wo ich endlich wieder wirklich handeln kann - also raus hier und in meine eigenen Wände. Dazu kommt eine ständige innere Unruhe, als würde mich etwas permanent vor sich her hetzen. Nur die Nachtstunden bringen mir bei etwas Musik so was wie Frieden.

    Existentielle Sorgen treiben mich auch um, ausgerechnet jetzt, wo ich jeden Euro brauche, ist mein Wagen kaputtgegangen und die Reparatur kostet mich mal eben schlappe 750,- Euro- dazu kommt der immer noch terrorisierende Vermieter, der mir neulich das Wohnungsschloß zugeklebt hat, natürlich am WE, wo der Notdienst doppelt so teuer ist, also auch noch mal über 200,-! Geld, das eigentlich zum Wirtschaften in der ersten Zeit unter meinem neuen Dach gedacht war. Und wer hat mir aus der Patsche geholfen, als er davon erfuhr?- Bingo! Und ich war so in finanzieller Not, daß ich nicht mal ablehnen konnte. Na ja, ein Gedanke tröstet mich dabei und lässt mich meinen Stolz beiseiteschieben: Da sind noch viele Rechnungen offen, die nie beglichen werden können. Aber ich honoriere die Bemühung, auch wenn sie finanzieller Natur ist, mit einer gewissen Anerkennung. Leicht hat ers in der Beziehung ja auch nicht.

    Ich sehne den Tag herbei, wo ich mal wieder die innere Ruhe gefunden habe, unbelastet etwas Gutes für mich zu tun - radfahren, walken, schwimmen oder mal ein gemütliches Bad... eben Dinge, die ich jetzt nicht auf die Reihe bringe, weil so viel zu erledigen ist. Ich zähle die Tage bis zu meinem Abflug.

    Trotzdem gibt es auch positives - ab und zu treffe ich auf Menschen, die mich ein wenig aufbauen und mir kraft geben, wenn ich durchhänge. Das ist dann wie ein Geschenk.

    Danke fürs Lesen
    butterweich

    Liebe Weitsicht,


    Zitat

    Ich durfte viel durch meine Kinder lernen, sie zeigten mir, was wir im kindlichen Da-Sein, an Freude, Leichtigkeit und im Sein (der Augenblick in der Gegenwart) liebevoll miteinander umgehen können. Das Spielen, die Leichtigkeit und die FReude kamen leider viel zu kurz. Das Leben war eine freudlose, ernste Angelegenheit, sich auf Erwachsene verlassen oder vertrauen können, kam selten vor.

    ....mit Menschen sich austauschen dürfen, die ihr wahres Selbst leben möchten, das alles sehe ich als "Gnade" an. Danke jedem hier der sich geöffnet hat, denn es sind doch intime Einblicke in unsere wahren Gefühle, die zart und verletzlich sind. Schützen wir diese, sie wurden viel zu früh (Kindheit) niedergetrampelt. Leider oft von Menschen die uns schützen und lieben sollten, das lässt das Ganze so verwirrend sein. Denn wirkliche Liebe schliessen körperlichen (Schläge) und emotionalen Missbrauch aus.

    Vielleicht kennen hier einige die Geschichte vom Adler, der als junger Adler, für ein Huhn gehalten wurde und dementsprechend erzogen und behandelt wurde.

    Ein Tierkenner erkannte diesen Fehler, nahm sich dem vermeintlichen Huhn an, gab ihm Zuversicht, Vertrauen, glaubte an ihn und seine Fähigkeiten des Fliegens. Er übte mit ihm täglich das Fliegen, bis der Adler sich selbst vertrauen konnte und sich hoch in die Lüfte, dem HImmel zu bewegte und seine Kunst des Fliegens endlich leben konnte.

    Du hast es mit Deinen Worten geschafft, mich das erste Mal nach dem ganzen hinter mir liegenden "Horrorkabinett" zum Weinen zu bringen, es waren Tränen der Befreiung, ich danke Dir sehr dafür.

    Alles Liebe
    Butterweich

    Hallo an alle,

    Mein Gott, ich bin ganz überwältigt, was da bisher zum Thema "Inneres Kind" zusammengekommen ist - dabei war dieser Thread gar nicht meine Absicht gewesen und ich lese mit Erstaunen und mit Freude darin...

    Wichtig finde ich, dieses Urvertrauen in sich selber wiederzufinden, das Gefühl, das jeder in sich hat und dem er nur zu folgen bräuchte, wenn da nicht
    - ein "Du sollst nicht...
    - ein "Das kannst Du nicht machen...
    - ein "Warum hast du nicht...
    - ein "MAN" darf nicht...
    - ein "DU darfst nicht"...
    - ein "Sei vorsichtig"...
    - ein "Denke bloss nicht...
    stünde, dass wir alle ausnahmslos im Laufe der Zeit zu hören gekriegt haben und dem Kind klargemacht haben: Das was ich möchte kann nicht richtig sein, denn wenn ich xyz möchte, ist etwas nicht richtig mit mir, wenn ich xyz fühle stimmt was nicht... am besten, ich möchte und fühle das gar nicht mehr, dann kann mir nichts passieren. Und so werden wir zu großen Menschen und leben immer nur einen Teil von dem, was wir eigentlich sein könnten und unser Potential liegt brach... Ja, wir trauen uns nicht mal mehr, auch nur ein Eckchen davon, das wir vielleicht verspüren, wirklich in aller Konsequenz zu leben, weil wir uns selbst nicht mehr vertrauen und immer nur die überlauten Stimmen der Vergangenheit in uns hallen hören.

    Und weil wir uns nicht vertrauen, geben wir allzuleicht anderen Menschen Macht über uns. Bauen uns selbst unsere Käfige weil wir nie fliegen gelernt haben und erfahren durften, wie der Wind uns trägt... und das wir wieder wohlbehalten auf unseren Füßen landen können, wenn wir des Fliegens müde sind.

    Was macht das Leben eigentlich spannend, was gibt uns Impulse? Doch auch mal voller Neugier Risiken einzugehen! Kinder tun das immer - wenn man sie läßt. Und lernen dabei, was gesund für sie ist und wo sie demnächst vorsichtiger sein müssen. Aber zunächst mal GLAUBEN sie an sich, daß sie es schaffen. Das müssen wir wieder lernen.

    Herzlich
    butterweich

    Hallo Ihr Lieben,

    Die letzten Tage waren sehr aufreibend und ich war hin- und hergeworfen zwischen sorgenvollen Gedanken und Freude auf mein neues Leben.

    Es gab noch so viel zu erledigen, tausend Telefonate zu führen, Schrftverkehr zu machen und "nebenbei" mußte ich ja auch noch arbeiten - ausnahmsweise war ich in dieser Woche mal froh über die Flaute in meinem Job, denn sonst hätte ich alles gar nicht so geschafft. Ich denke voller Mitgefühl an die Frauen, die sich MIT Full-time-Job und womöglich noch Kindern aus so einer Situation freikämpfen müssen und bin dankbar für die Menge an Zeit, die ich dafür hatte, bin überhaupt dankbar, denn dagegen lebe ich ja noch im Luxus.

    Die Einstweilige Anordnung zur Zuteilung dieser jetzigen Wohnung an mich habe ich nun - also meine (zumindest äußerliche) Ruhe hier, ich bin mit meinem Ex so weit klargekommen, daß er einer fristgerechten gemeinsamen Kündigung der Wohnung zugestimmt hat und somit nicht mehr geknebelt durch einen gemeinsamen Mietvertrag - das war Erleichterung pur für mich, denn jetzt bin ich frei.

    Allerdings werde ich mit ihm zusammen noch den Klageweg gegen den Vermieter gehen müssen, denn der schuldet uns eine Menge Geld. Ich werde es gut brauchen können und er auch, da haben wir also noch ein gemeinsames Interresse und müssen aus diesem Grunde noch häufiger miteinander kommunizieren.

    Aber die Verstrickungen werden sich lösen - nach und nach.

    Mein Ex ist nach dem Rausschmiss erstmal heillos abgestürzt - war zweimal in Polizeigewahrsam, hat sich noch mehr vollaufen lassen, hat seine Papiere verloren, war im Krankenhaus drei Tage, und konnte dann bei einem Verwandten unterschlüpfen. Dort hat er weitergesoffen bis er eines Nachts hinfiel und sich die Rippen gebrochen hat. Zur Zeit sieht es so aus, dass er dabei ist, sich wieder etwas zu fangen, jedenfalls hat er angefangen, sich um seine Dinge zu kümmern - Papiere neu besorgen, zum Arzt gehen etc., so dass zu hoffen ist, dass er vielleicht wieder Boden unter die Füße kriegt.

    Er ruft mich immer noch an - bittet mich manchmal um Hilfe, möchte einen Tip, was er machen soll, wenn`s ihm besonders dreckig geht, nennt mich manchmal immer noch Schatz (das tut weh) - ich glaube wirklich realisieren kann er die Trennung noch nicht, will seine Mama nicht loslassen.
    Bisher konnte ich ganz sachlich bleiben, habe ihm wohl Tips gegeben mit dem Zusatz, sinngemäss: Laufen musst Du selbst -

    Leicht ist mir das nicht immer gefallen, meine Wut, mein Groll hat sich gelegt und ich merke, wie sehr ich auf mich aufpassen muss um nirgendwo eine Fläche zu bieten, wo sich wieder kleine Co-Würzelchen bilden können. Ich merke, daß ich sofort, wenn ich eins bemerke, scherzhaft gesagt, sofort Unkraut-Ex drüberkippen muss. Aber ich weiss, dass es Strukturen sind, die lange gewachsen sind und die ihre Zeit brauchen, um zu verdorren.
    Noch kann und möchte ich ihn nicht sehen, weiss, dass ich gefährdet bin, wieder auf mich selbst hereinzufallen und auf das, was ich vor langer Zeit gelernt habe. Aber jeder Tag, an dem ich nicht aktiv helfen will, ist für mich ein Punkt auf der Umlern-Scala.

    Allerdings bin ich nicht so gepolt, jemanden ganz und gar im Regen stehen zu lassen, auch wenn ich alles Recht der Welt dazu hätte, ich war und bin ein Mensch unter Menschen und will mich auch nicht unmenschlich verhalten. Bei mir gilt nicht "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Das macht es mir zwar etwas schwerer, aber ich fühle mich wohler damit, weil ich glaube, das jedes Steinchen, das man in den See der Barmherzigkeit wirft, Wellen schlägt.

    Bevor ich jetzt zu moralisierend werde, schliesse ich diesen Zustandsbericht an euch - korrigiert mich, helft mir, wenn ich irgendwo irre.

    Butterweich

    Liebe Koketterie, Doro und auch ihr anderen alle

    Ich bin gerührt über Eure Anteilnahme und mir kommen die Tränen darüber, soviel HERZ bei Euch zu finden - Danke dafür, es zeigt mir, das ich meinen Platz habe in der Welt.

    Bin zwar heute ziemlich geschafft, aber trotzdem möchte ich gerne noch ein paar Zeilen an Euch richten.

    Es ist wirklich so. Macht man sich auf den Weg, begegnen einem viele Stationen, an denen man ruhen, sich Kraft holen und sich aufrichten kann, auch mit einem dicken Rucksack auf dem Buckel... Und mir ist es in den letzten Tagen so ergangen - so viel Glück in den Schoß gefallen, daß ich langsam zu der Überzeugung komme, die Welt wartet mit weit offenen Armen auf mich... und oft brauche ich nicht mehr zu schleppen, sondern manchmal kommt jemand des Wegs, der mir tragen hilft.

    Ich habe heute meinen Traum-Mietvertrag unterschrieben. Ich kann es noch gar nicht fassen, daß mir das widerfahren ist: Das sich in so kurzer Zeit dieser große Wunsch erfüllt, und das dann auch noch wie in einer Soap-Opera: Das bekommst Du auch noch dazu, und das, und das... So z.B. superschöne Möbel, die ich mir nie hätte leisten können, für kleines Geld, weil sie niemand mehr brauchte - so gut wie neu.

    Bleibt die Frage, ob ich immer soviel verdienen werde, um dieses Glück zu halten, aber ich werde kämpfen wie eine Löwin für mein kleines, feines Refugium - und wenn ich dafür auch Arbeiten machen muß, die ich noch vor einer Weile niemals in Erwägung gezogen hätte - egal, der Zweck heiligt die Mittel.

    Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Ich habe das Gefühl, zur Zeit trägt mich eine sanfte Welle weiter...

    Ganz liebe Grüße und ich umarme Euch
    butterweich

    Hallo zusammen,

    Der Beitrag von Ette hat mich sehr überzeugt. Ich glaube auch, daß da Strukturen wach werden, die so alt sind, daß es erst einmal fleissiger Erinnerungsarbeit bedarf, um da wieder dran zu kommen.

    Ich mache das zur Zeit mit meiner Therapeutin und blicke immer wieder auf das Kind, das ich mal war, und von der erwachsenen Frau praktisch "überwuchert " wurde, aber tief drinnen immer noch sitzt mit allen seinen Sehnsüchten, Ängsten, Über-Lebensstrategien, Bedürftigkeiten, die nie gestillt wurden und das nur eine Orientierung kannte: Wie kann ich überleben? Was muß ich tun, um so zu sein, daß ich für andere gut genug bin, um Überleben zu können?
    Und dann versuche ich mir klarzumachen, was ich seitdem gelernt habe und inwieweit ich in der Lage bin, diesem Kind zu helfen, für es da zu sein, ihm zu zeigen, was es auf der Welt gibt, das es nie lernen durfte und es an die Hand zu nehmen... und es beschütze.

    Manchmal werde ich unendlich traurig dabei, wenn ich sehe und spüre, wie dieses Kind leidet, weil es nie etwas anderes kennen durfte, also nie sehen konnte, wie es sein könnte und sollte.

    Und so sucht an dann sein ganzes Leben lang immer wieder Menschen, wo man zeigen kann: He, ich bin doch für Dich da, siehst Du nicht, was ich alles tue, wie gut ich bin, ich habe es doch verdient, daß Du mich lieb hast, gib mir doch ein bißchen Liebe und kümmere Dich um mich.... Ich will doch alles machen, damit es Dir gut geht, nur sei doch für mich da....

    Weil wir nie das bekommen haben, was wir brauchten, als wir noch klein und hilflos waren. Und da setzt, glaube ich, das Suchtgedächtnis ein: Wir kennen unseren Wert noch nicht wirklich, ein Wert, der nicht bewiesen werden muß, sondern einfach davon lebt, daß wir hier auf der Welt sind.

    Solidarische Grüße
    butterweich

    Ihr Lieben,,

    Die Krux an der Frage ist erstens das Warum: denn Warum ist keine gute Frage, denn Sie enthält immer den Hintergedanken Schuld... um die es nicht geht. Sondern eher für was war es gut...eine Frage die wesentlich positiver bzw. liebevoller auf sich und die Situation blickt.[quote]

    Darüber habe ich heute nachgedacht, denn so konnte ich es noch nie sehen... Ja, für was war es gut? Ich habe mich in der Illusion gewiegt, dass eines Tages so etwas wie Reife aus dem ganzen Kampf entstehen könnte, habe immer versucht, an das bestmögliche Szenario zu glauben, wünschte, eines Tages jemanden nach allen Wirrungen und Irrungen an meiner Seite zu wissen, dachte, wir könnten miteinander wachsen - dabei war letztendlich ich es dann, die trotz Stillhalten und unendlicher Geduld im Leid gelernt hat und gewachsen ist und nur den Mut nicht fand, den entscheidenden Schritt in die Freiheit zu tun.

    So, und jetzt MUSSTE ich diesen Schritt tun und gut war es, weil ich jetzt erkannt habe, dass nur ich selbst mir Heimat sein und viel reifen lassen kann, was brach in meinem Boden lag und nun wachsen darf.

    Ich fühle mich jetzt wie ein Vogel, der lange in einem Käfig sass und jetzt endlich fliegen darf, und der aufpassen wird, dass er sich nicht mehr fangen lässt, indem er sich in einen Käfig setzt.


    Heute war ein Traum-Tag für mich: Ich habe DIE Wohnung gefunden, die wirklich 100% zu mir passt! Inmitten von Menschen, die mir auf Anhieb symphatisch waren. Mit einem kleinen Garten. Mitten im Grünen, mit alten, hohen Bäumen. In einem Haus, das so einladend wirkte, daß ich auf den ersten Blick wußte: Die ist es.

    Ich kann Euch gar nicht sagen, es fehlen mir die Worte, wie glücklich ich bin.

    Auch das Problem mit dieser Wohnung hier bin ich dabei, zu lösen. Gebe Gott, daß es so, wie mir das vorschwebt, klappt. Dazu mußte ich mit meinem Ex kommunizieren. Bis jetzt war er kooperativ, so daß in mir die Hoffnung keimt, alles friedlich über die Bühne zu bringen. Hoffentlich schlägt das bei ihm nicht wieder um, sonst muß ich wieder die harten Bandagen rausholen - und ich bin den Kampf leid. Meine Wut auf ihn hat sich gelegt, aber ich fühle mich schwer verletzt und ziehe jetzt klare Grenzen.

    Für heute genug. Es tut gut, dass ich mich mit Euch austauschen kann, macht mir Mut, gibt mir Stoff intensiver nachzudenken.... Ich danke Euch.

    Gute Nacht
    butterweich

    Ihr Lieben,

    Danke, daß Ihr mir das schreibt. Es gab mal eine Zeit, da hätte ich vor Glück getanzt, wenn ich diese Ruhe gehabt hätte -aber jetzt, wo sie nicht gerade in greifbarer Nähe aber vielleicht demnächst in Sicht ist, habe ich Angst vor ihr.-Verrückt! Selbst jetzt, wo der Kerl im Krankenhaus ist und im Moment keine potentielle Gefahr darstellt, brodelt es in mir und ich bin absolut hypermotorisch.-

    Aber ich stehe auch im Moment noch so unter Strom, weil hier mit dieser Wohnung noch gar nichts geklärt ist und ich mir den Schädel zerbreche, wie das alles zu lösen ist.
    Wir hängen zusammen im Mietvertrag, der Vermieter schuldet UNS BEIDEN ne Menge Geld, weil er uns bei der Quadratmeterzahl besch... hatte (ist schon ne Riesen-Wohnung und so fiel es erst gar nicht auf), aber als wir für den Steuerberater nachmessen mußten, wieviel QM unsere Arbeitsräume in Anspruch nehmen, merkten wir es dann... also haben wir geklagt und das läuft jetzt....Ende offen!) und jetzt möchte ich wohl ausziehen, aber dann kann mein Ex hier wieder rein und ganz gemütlich die ganze Summe, die der Vermieter uns schuldet, abwohnen und damit nicht genug: Er kann dann noch weiter hier wohnen bleiben und je nachdem, wie er drauf ist (nüchtern oder sturz- alles mögliche machen, wofür auch ich den Kopf hinhalten muss, weil ich im Vertrag stecke - das macht mich allmählich verrückt, dieses Szenario.
    Ich habe keine Ahnung, wie das aufgedröselt werden kann, also muss ich wieder mal Anwalt-Gespräche führen, bevor ich eine neue Wohnung miete. Sonst stehe ich evt. ganz schnell vor der Pleite.
    Und auch, wenn ich diese Wohnung zugewiesen bekommen sollte, wie sieht`s dann rechtlich aus?

    Was mich auch noch sehr beschäftigt ist der Gedanke: Wie konntest Du die ganze Zeit über DAS mit dir machen lassen, wie hast Du es geschafft, immer auf Vertrauen und blind zu schalten, wenn das Gröbste vorüber war (verbale Gewalt, Abstürze am laufenden Meter, immer mal wieder körperliche Gewalt, agressives Verhalten, diesen ekelhaften Negativismus), von Jahr zu Jahr zunehmend und ich immer treu und brav an seiner Seite - wie konnte ich nur, was habe ich da mit mir gemacht, wo war mein Gefühl für Würde, wie konnte ich mir so egal sein, daß ich mir das immer wieder angetan habe?! Und da liegt der Anteil an Schuld, den ich mir selbst gebe: Warum habe ich nicht eher die Reißleine gezogen? Wie konnte ICH es so weit kommen lassen? Die Hoffnung stirbt immer zuletzt aber warum ist sie nicht eher gestorben? Selbst, wenn ich Konditionierungen etc. bedenke kann ich mich selber nicht mehr verstehen.

    Es ist gut, diese Gedanken mal loswerden zu dürfen. Erst jetzt begreife ich allmählich wirklich, welch ein Haufen Aufarbeitung noch vor mir liegt.

    An die, die sich getrennt haben: wie ging es Euch mit solchen Gedanken? Was habt Ihr damit gemacht, wie seid Ihr wieder mit Euch selbst in Frieden gekommen?

    butterweich
    (sehr nachdenklich und wütend auf sich selbst),
    wie immer zu später Stunde,
    und deshalb: Schlaft alle gut, sanft und sicher!

    Liebe Mitstreiter- Kämpfer- Helfer-,

    Heute war ich bei der Polizei und habe meine Aussage gemacht. Strafanzeige gestellt und auch erzählt, daß es nicht das erste Mal war, das er ausgerastet ist, aber bei weitem das Heftigste. Jetzt nehmen die Dinge ihren Lauf.
    Trotzdem ich dachte, ich könnte relativ ruhig über die Sache berichten, hat mich doch einmal das Heulen gepackt - ich bin inzwischen auch ziemlich fertig von dem ganzen Stress und bin froh, daß die Ostertage kommen und ich erst wieder ab Dienstag meine Frau stehen muß.

    Zu hause erwartete mich dann wieder das übliche - Telefonate von allem und jedem, es gibt so viel zu regeln, auch was meine finanzielle Weiter-Existenz betrifft, da ich selbstständig bin, aber mit meinem Ex zusammengearbeitet habe, muß ich die Dinge jetzt hübsch trennen und für mich an Kunden und Arbeits-Partnern erhalten, was geht. Jetzt haben mir schon einige signalisiert, daß sie weiter mit mir arbeiten wollen. Das hat mich schon mal ungeheuer erleichtert, und mir die Zuversicht gegeben, das ich es schaffen kann, für mich zu sorgen.

    Heute nachmittag habe ich mich dann noch einmal aufgerappelt und habe meine 1. Wohnung besichtigt, allerdings mit nicht viel Hoffnung, das ich sie bekommen könnte, weil alle Vermieter Angst haben, Selbsständige könnten zahlungsunfähig werden... Aber, oh Wunder, ich könnte sie haben, wenn ich wollte! Und sie gefiel mir, war eigentlich mehr, als ich erwartet hatte. Allerdings liegt sie im selben Stadtteil wie diese hier, und da bekomme ich dann leichte Bauchschmerzen, dass ich meinem Ex zu oft oder überhaupt begegnen könnte - aber andererseits sage ich mir, was soll die Angst, denk immer daran, wie es war, als dein Kopf auf den Fliesen gelandet ist, das wird Dir helfen, Deine Grenzen zu bewachen.

    Heute hat er mich angerufen, er hat es jetzt wohl ins Krankenhaus geschafft, war wohl zu ungemütlich draussen oder wo immer er war... bat mich um sein Telefonbuch, war sehr friedlich und hat nicht versucht, auf Schmusekurs zu gehen- also hat er kapiert, wo es jetzt lang geht, jedenfalls hoffe ich das. Ich sagte ihm, daß ich nicht wolle, daß er mich jetzt andauernd anruft, am Besten überhaupt nicht oder nur dann, wenn wirklich was dringend pragmatisches zu klären wäre.-
    ich habe dann das Tel.-Buch zur Pforte gebracht und war wieder weg.

    Als ich heute die Wohnung besichtigte, kamen aber ausser der Freude, sie wahrscheinlich bekommen zu können, auch noch andere Dinge hoch - ich sah mich, alleine in diesen Wänden, "hörte" die Stille, wenn ich demnächst die Türe beim Heimkommen aufschließe, sah mich an einem Tisch sitzen und essen, alleine... ich merke trotz allem Aktionismus, die Depression hockt in jeder Ecke und wartet auf ihre Chance.
    Und ich fürchte, dass sie mich irgendwann kriegt und fühle schon die noch ungeweinten Tränen und die Leere, die mich wahrscheinlich erstmal packt. Vor diesem Moment fürchte ich mich und weiss trotzdem genau, dass ich auch dort noch durch muss. Kennt Ihr das Gefühl? Die Zeit mit meinem Ex war in den letzten Monaten anstrengender denn je, ich war so oft verbittert, hungrig nach Nähe und Zuwendung, aber an manchen Tagen war da trotzdem jemand, mit dem ich noch Lachen und mich austauschen konnte, dem ich vom Tag erzählen konnte... Ich werde wieder lernen müssen, mir selbst zu genügen und auch, es zuzulassen, traurig zu sein, durchzuhängen, Zustände, die ich mir in den letzten Monaten NIE erlaubt habe, weil immer SEIN Befinden an erster Stelle stand und ich glaubte, rücksicht auf seine Depressionen nehmen zu müssen, die sich verstärken könnte und schwieg... Auch habe ich verzweifelt versucht, all dem Negativen, was da rüberschwappte, einen deich entgegenzusetzen, indem ich für mich den Focus immer auf das Positive im Leben gerichtet hielt. Vielleicht gelingt es mir ja weiterhin (klopfe 3x auf holz!).

    Ihr Lieben, danke für`s Lesen, und das ihr da seid.
    Gute Nacht
    butterweich

    Hallo,
    nach einem super-stressigen Tag komme ich jetzt endkich dazu, Euch zu antworten.

    Danke für Euren zuspruch. Es macht mir Mut, zu lesen, daß ich auf dem richtigen Weg bin.-

    Heute habe ich Schritte unternommen, um die Trennung offiziell zu manifestieren - ich war bei einer Rechtsanwältin, die stellt jetzt erstmal einen Antrag auf Einstweilige Verfügung, damit mir die Wohnung zugesprochen wird.
    Aber hier bleiben will ich trotzdem nicht, denn 1. kann ich sie mir alleine gar nicht leisten, 2. fühle ich mich hier nicht sicher, und 3. tobt hier ein Mietstreit, und der Vermieter ist auch nicht ohne... aber das ist ein anderes Thema, was meinen Stand hier sehr erschwert.

    Mein Ex hat sich nicht an das polizeiliche Verbot gehalten, hier nicht aufzutauchen und war heute 3x da, um ins Haus zu kommen-sturzbetrunken. Beim ersten Mal war ich Gott sei Dank nicht da, und der Vermieter hat die Polizei gerufen, als er anfing, die Nachbarn unten zu belästigen, weil er rein wollte.
    Die beiden anderen Male habe dann ich die Polizei rufen müssen.

    Gestern rief er mich an, war wieder relativ nüchtern und bat mich, wenigstens in die Wohnung zu dürfen, wenn ich nicht da bin, um zu arbeiten. Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht will, ihm aber gerne seine Sachen herausgebe, damit er arbeiten kann, wenn sie von jemandem abgeholt würden. Da war er noch in einem Hotel, wie er sagte, aber wo er jetzt hin soll, weiss er wohl nicht...

    Aber ich kann es nicht ändern, es gehört nicht in meine Verantwortung, und wenn er weitersäuft und noch weiter absackt, ist das seine Entscheidung. Kliniken zum Entgiften gibt es hier, und da könnte er hin.

    Ich muß es mir immer wieder sagen, das ihn keiner zwingt, weiterzutrinken und daß es NUR SEINE Sache ist, was aus ihm wird.
    Das ist manchmal verdammt schwer, und ich muss meine Gedanken davon fernhalten, in Mitleid abzurutschen - das ist alt, das kenne ich, ich muß lernen, an mich zu denken und das ich jetzt alles tun muss, damit es mir einmal wieder besser geht. Ich habe inzwischen, im Laufe der Jahre, jedes Gefühl verloren, was eine gesunde Belastbarkeit sein kann und wo es anfängt, mich zu kränken.

    Darüber hinaus sehe ich inzwischen die Sache so: Ich stehle ihm mit meiner Helferei nicht mehr die Beine - jetzt kann er, wenn er will, anfangen, laufen zu lernen und das ist das Beste und Einzige, was ich noch für ihn tun kann.

    Und ich werde vielleicht lernen, was Freiheit sein kann.

    Genug für heute. Ich bin total geschafft, meine Gedanken sind ein Sturzbach und ich möchte versuchen, irgendwie zur Ruhe zu kommen, um Morgen wieder die kraft zu haben
    - zur Polizei zu gehen und meine Aussage zu machen
    - eine verlängerte Frist zu erwirken, bis die Einstweilige Verfügung greift (sonst darf er in 7 tagen hier wieder rein)
    - mir die erste Wohnung anzusehen
    - und...und...

    ich sehne mich so nach Ruhe und einem Ende der Horror-Story. Dabei bin ich noch ganz am Anfang. Aber ich konzentriere mich auf mein Ziel.

    Gute Nacht
    butterweich