Sich mit der Vergangenheit (nasse Zeit - trocken - Rückfall - Entgiftung in Dauerschleife) zu beschäftigen war für mich sehr wichtig.
Ich wollte einfach "NUR" wissen. warum und wann ich getrunken habe. Gab es da "Muster", die mir helfen würden, das alles zu verstehen.
Gab es typische Situationen? Kann ich die in Zukunft vermeiden?
Besonders hilfreich für mich war eine spezielle Aufgabe in meiner letzten Langzeittherapie im Sommer 2009.
Jeder in der Gruppe hatte die Aufgaben eine Lebenslinie zu erstellen. Zur Vorbereitung hatte wir dann für 2-3 Tage/Abende Zugang zu einem Raum mit einem riesigen Whiteboard um das aufzuzeichnen und einen Vortrag vorzubereiten. Ich dachte anfangs: was für ein Zirkus??....aber.......nach drei Tagen war mein Whiteboard gut beschrieben....
Linie 1 sollte die Milestones (Facts) zeigen - also Geburt, Schule, Ausbildung, Hochzeit, Kinder.....usw.als Zeitleiste
Linie 2 wie war jeweils mit Gefühlszustand? Zufrieden, Angst, Stress, unglücklich, euphorisch...usw
Linie 3 das Trinkverhalten - was und wieviel
Die Geschichte wurde der Gruppe vorgetragen.....und dann wurde es spannend. Schon beim Vortragen merkte ich wo was fehlte, wo was nicht stimmte.
Und noch spannender waren die Fragen der Gruppenmitglieder......Mir wurden dann so viele Ereignisse klarer und nachvollziehbarer. Ich fand Ansatzpunkte, die ich ändern wollte. Letztendlich geht es ja bei dem Weg des Trinkens zum trockenen Alkoholikerr um Veränderung, deren es ja ein großen Rucksack voll Möglichkeiten gibt - die aber jeder für sich herausfinden muss.
Was auch sehr hilfreich war, die Geschichten der anderen zu hören - deren Rückschlüsse und Interpretationen. Da prallten die Meinungen schon heftig auseinander - so wie hier auch im Forum - wobei das ganz normal ist.
Fazit:
Für mich war diese penible Analyse der Vergangenheit und die Schlussfolgerungen einer der wichtigsten Bausteine, wenn nicht sogar der "Sockel" für den Weg in ein zufriedenes trockenes Leben!!
Ergänzung zu meinem weiteren Verlauf:
Nach dieser Langzeittherapie war ich dann 8 Jahre trocken. Ich hab dann wieder angefangen zu trinken und bin noch tiefer abgerutscht (das wäre ein eigenes Thema). Mein nächster Schritt war der Aufenthalt in einer soziotherapeutischen Einrichtung (5 Jahre) - was eine gute Entscheidung war.
Ich bin jetzt seit 14 Jahren trocken und mir geht es rundherum sehr gut...;-)
Gruß vom sinnfinder