Hallo Veru!
Mir ist der Ausstieg aus dem aktiven Teil der Sucht erst gelungen, als ich bereit war, meiner Abstinenz absolute Priorität im Leben einzuräumen, rückhaltlos zu ihr zu stehen und ihr alles andere unterzuordnen. Dazu gehört es, in den ersten Monaten, in denen ich noch wackelig unterwegs war, riskanten Situationen aus dem Weg zu gehen.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Alkohol geradezu allgegenwärtig ist. Das heißt jedoch auch, ihm nicht noch entgegen zu gehen oder gar nachzulaufen.
Ein wichtiges Unterscheidungskriterium war und ist für mich, ob die von mir besuchte Veranstaltung mit dem heftigen Konsum von Alkohol verbunden ist oder ob der Alkohol nur eine untergeordnete, unwichtige bzw. beiläufige Rolle spielt. Zu Saufveranstaltungen gehe ich nicht hin, das halte ich im Kopf nicht aus, da gehöre ich nicht hin.
Vorsichtig bin ich nach knapp 7 Jahren immer noch, wenn bei einer Veranstaltung fast alle Alkohol konsumieren.
In den letzten Jahren haben sich zum Glück und wie ich es hier im Forum oft las, die Kontakte verändert. Der Kontakt zu früheren Saufkumpels ist weggebrochen. Das Bindeglied Alkohol ist weggefallen. Ersetzt wurden sie durch Leute, die sehr wenig bis gar nicht trinken. In diesen Kreisen fühle ich mich wohl und da gefährdet und stört es mich auch nicht, wenn mal hier und da ein Glas Wein oder Bier getrunken wird.
Es ist in den ersten beiden Jahren schon eine Gratwanderung, was der Proband machen und letztlich riskieren kann. Wir sind unterschiedlich gestrickt. Was mich kalt lässt, kann andere schon mächtig triggern und in schweres Fahrwasser geraten.
Ich muss nichts durchhalten, oder den Druck durch Techniken austricksen.
Die Formulierung wirkt auf mich irgendwie trotzig. Hattest Du schon mal richtig fetten Suchtdruck, der Dein Denken bestimmt, Dich mental kräftig durchschüttelt? Ich bin froh, dass ich weiß, was dann zu tun ist. Zum Glück werden die Abstände des Drucks immer größer. Das letzte Mal ereilte es mich vor ca. 2 1/2 Jahren.
Wenn Du in so einer Situation auf die bewährten Methoden anderer Abstinenter zurückgreifen kannst, um Dich selbst aus einer misslichen Situation zu befreien, dann hast Du einen wichtigen Schritt in Richtung Abstinenz absolviert.
Ich gehe grundsätzlich nur hin, wenn ich mich jederzeit diskret aus dem Staub machen kann. Ich gucke es mir nicht an, wie die Leute sich einen hinter die Binde kippen.
Auch das ist m.E. ein wichtiger Aspekt bei der (Wieder-)teilnahme am sog. gesellschaftlichen Leben. Sich eine Rückzugsmöglichkeit offen zu halten. Als Abstinenter verhalte ich mich wie ein Pferd, das bekanntlich ein Fluchttier ist. Wird es brenzelig, bin ich weg.
Übrigens... in 0,0 ist auch nur 0,0. Und es schmeckt halt auch nicht nach dem typischen Bier. Eher wie ein ISO Getränk.
Es schmeckt überhaupt nicht, deshalb lasse ich es weg.
Und noch etwas zu dem besagten Gesöff: Es sieht exakt so aus wie Bier und es wird entweder aus der Bierflasche (dieselbe Form) oder Biergläsern ausgeschenkt. Das sind 2 zusätzliche optische Reize, die auf Dein immer noch einwandfrei funktionierendes Suchtgedächtnis einwirken. Du siehst die Originalbierflasche mit dem Namen der Biermarke und dazu die passenden Biergläser.
Ich habe anfangs noch ein paar besonders schöne Weißbiergläser behalten. Eines Tages kam ich an einem warem Sommerabend auf die Idee, aus so einem Trinkgefäß einfach mal Apfelschorle zu trinken. Sogleich sprang mein Suchtgedächtnis an und piesackte mich mit Suchtdruck. 
Meine Bier- und Schnapsgläser habe ich mittlerweile alle entfernt, verschenkt und weggeworfen.
Mit diesem Kurs, der auch nicht immer so geradlinig verlaufen ist wie er sich jetzt hier liest, bin ich zufrieden und unfallfrei unterwegs.
Vielleicht kannst Du mit meinen Ausführungen und Erfahrungen etwas anfangen und aus ihnen einen Nutzen ziehen.
Gruß
Carl Friedrich