Beiträge von Carl Friedrich

    Ich habe das m.E. wichtige Thema mal vor die Klammer gezogen, damit es nicht in irgendeinem thread versickert und sich als Merkposten an die User richtet, die sich im ersten Jahr der Abstinenz befinden.

    Ein paar kleine Anhaltspunkte für die Adsventszeit, die m.E. größere Herausforderungen mit sich bringen, da der Alkohol ab ca. Mitte November schon fast allgegenwärtig zu sein scheint. Ich wähle bewusst den Begriff der Herausforderung, da er positiver klingt, als das eher negativ besetzte Wort Risiken.

    1. Der Verbraucher wird in dieser Zeit nur so mit Reklame für Alk zugeschüttet. Heute Morgen hörte ich z.B im Radio die Reklame eines Discounters für's WE: Und was stand an erster Stelle? Rum.

      Demnächst quellen die Prospekte von Discountern, Super- und Getränkemärkten förmlich über mit Alk. All das prasselt im ersten Jahr besonders intensiv auf den Neueinsteiger ein, der womöglich noch etwas wackelig unterwegs ist.
    2. Weihnachtsmärkte, bei denen sich eine Saufbude an die nächste reiht, dazu der Geruch/Gestank von Glühwein und Schnaps.
    3. Weihnachtsfeiern, bei denen es schon mal heftig, auch alkoholisch, zu Sache gehen kann.
    4. Weihnachten selbst im Kreis der so netten Familie, so dass wie selbstverständlich auch angestoßen werden muss.
    5. Dann als Finale Silvester, m.E. das versoffenste Ereignis des Jahres.
    6. Und dieses Jahr gibt's dank Fifa noch ein Sahnehäubchen oben drauf, die Fußball-WM. Stichwort: Rudelgucken und -saufen. Auch wird die WM gerade von der Alk-Branche gerne zum Anlass genommen, irgendwelche Sondereditionen incl. Zubehör wie Gläser, Becher, Fähnchen, Wimpel und was weiß ich für einen Quatsch, dafür mit viel Tam Tam auf den Markt zu schmeißen.

    Alle diesen Ereignisse wirken auf den noch nicht so gefestigten Probanden heftig ein und können das immer noch blendend funktionierende Suchtgedächtnis gehörig in Wallung versetzen. Falls also vermehrt Suchtgedanken/Saufdruck aufkommen sollte, dann könnten die vorstehenden Aspekte mitauslösend gewesen sein.

    Also geht in Euch und überlegt, ob die Teilnahme an so einem Ereignis wirklich erforderlich ist und wie Ihr Euch ggf. absichert, damit es nicht zum Unfall (Rückfall) kommt.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    VSOP ist keine Alkoholmarke. VSOP bezeichnet den Reifegrad.

    VSOP ist eine Qualitätsbezeichnung für Cognac (Quelle: Wikipedia).

    Das Zeug habe ich mir früher in der Adventszeit beschafft und zusätzlich gesoffen, denn Genuss wäre die unzutreffende Bezeichnung.

    Für mich ist VSOP untrennbar mit Branntwein verbunden, eine andere Verwendung dieses Kürzels kenne ich nicht.

    Vielleicht gehst Du noch mal wegen Deines Nicknames in Dich.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Also wenn man mich fragt, ist die bedingt durch ihren Freundeskreis einfach abgestumpft. Die saufen alle über den Durchschnitt.

    Typisches Landleben

    Hallo!

    Also 2 Schwachstellen:

    1) Die uneinsichtige Frau

    2) Das saufende Umfeld

    Im Rahmen meiner Therapie gab es ein Angehörigengespräch zwischen meiner Familie und einem Therapeuten. Das könnte doch ein Anknüpfungspunkt sein. Notwendige Anstöße kommen im Leben häufig von außen z.B. der Füherscheinstelle oder dem Arbeitgeber. Da könnte sie mal hören und darüber nachdenken, wie ein außenstehender Fachmann Deine Situation einschätzt.

    Das saufende Umfeld: Von dem habe ich mich getrennt, genauer gesagt, bedingt durch meine Abstinenz sind die Kontakte zu heftiger trinkenden Bekannten und Saufkumpanen eingeschlafen. Das gemeinsame Bindeglied, der Suff, ist weggefallen. Und jetzt ist nichts mehr so, wie es mal war. Und das ist gut so. Die eingeschlafenen Kontakte werde ich nicht wieder erwecken.

    Unlängst traf ich zufällig mal einen früheren Mitzecher. Heute frage ich mich, warum ich mich früher überhaupt mit ihm abgegeben habe.

    Denn meine Trockenheit war und ist immer Prio 1 gewesen...da mache ich keine Kompromisse.

    Auch mir ist der Ausstieg aus dem aktiven Part der Sucht erst gelungen, als ich meiner Abstinenz und somit meiner Gesundheit und folglich meinem Leben rückhaltlos die oberste Priorität eingeräumt habe. Dem gegenüber ist alles andere minder bedeutsam und nachrangig.

    Ein Rumeiern im alten, stark trinkenden Umfeld ist nicht geeignet, eine zufriedene Abstinenz zu erreichen, sondern eine stete Gefahrenquelle für einen Rückfall.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Wo sich der Alkohol so alles verstecken kann, ist manchmal überraschend.

    Wir waren heute mal kurz im Nachbarland und saßen gemütlich im ältesten Gebäude der Stadt im Cafe und genossen Kaffee und Kuchen. Zum Kaffee wurde ein winziger Becher in Schnapsglasgröße mit Sahne gereicht. Ich dachte mir nichts Schlechtes und probierte etwas von der Sahne mit meinem Löffel, um sie ggf. auch in meinen Kaffee zu kippen.

    Siehe da, unter der Sahne, mir schien die Herbstsonne ins Gesicht, weshalb ich nicht genau hingeschaut hatte, versteckte sich irgendein süßlicher Likör, selbstverständlich mit Alkohol. Meine Frau hat sich dann dieser Beigabe bereitwillig angenommen.

    Da habe ich wieder mal was dazu lernen können.

    Wer trotz besseren Wissens, bewusst kalt entzieht, spielt nicht nur mit seinem Leben, ich stellt seine Ernsthaftigkeit damit in Frage.

    Letzteres, die mangelnde Ernsthaftigkeit, sehe ich nicht im Vordergrund.

    Die Denkweise und das Verhalten des nicht entgifteten Probanden sind halt noch schwer vom Alkohol gezeichnet. Hinzu tritt der nicht zu unterschätzende Faktor der Scham. Er hat erkannt, dass es so nicht weiter kann, was erst mal gut ist, und geniert sich dann, das dem Doc oder Dritten gegenüber einzugestehen. Das erging mir ähnlich. Da habe ich insoweit ein gewisses Maß an Verständnis für. Und wenn dann noch früher regelmäßig daheim gesoffen wurde, liegt es für mich jedenfalls nahe, dass man genau dort, nämlich daheim, den Versuch unternimmt, sich irgendwie aus dem Schlamassel heraus zu wurschteln. Und genau da liegt dann auch das Problem der gesundheitlichen Risiken.

    Daher ist es genau der richtige Weg, erst mal den Doc zu konsultieren oder sich von der Suchtberatung einen empfehlen lassen, der sich mit dem Thema auskennt. Alles weitere entscheidet dann der Mediziner und auf den sollte man hören.

    Also kalter Entzug zu Hause ist wirklich nicht empfehlenswert für Alkoholiker. Ich hoffe das die Informationen dem ein oder anderen helfen könnte.

    Dann schlage ich vor, auch den Titel um das betreffende Adjektiv zu erweitern, denn ein ambulanter Entzug nach Abstimmung mit dem behandelnden Arzt ist im Einzelfall sicherlich eine adäquate Behandlungsform. Nicht jeder muss zum Entgiften in eine Spezialklinik, obwohl die dortigen Insassen durchaus eine positive Motivationshilfe darstellen können, das eigentliche Ziel der Abstinenz ernsthaft anzugehen und fortzusetzen.

    liest sich für mich als Durchhalteparolen zum ersten Jahr hin an

    Die Auffassung teile ich nicht. Das erste Jahr ist das schwierigste, anschließend wird es leichter. Und die Gedanken sind bekanntlich frei, für sie kann ich nichts. Was ich lernen kann, ist mit ihnen umzugehen.

    Im Übrigen sind wir nicht alle gleich, was auch gut so ist. Es gibt Probanden, die auch gedanklich mit dem Thema abgeschlossen haben, was ich für sie Klasse finde, bei anderen flackert das Thema KT doch noch mal auf. Und das hat nichts mit einem permanenten Aufenthalt in einem "nassen" = notorischem Säuferumfeld zu tun, sondern letztlich mit den Tücken des Suchtgedächtnisses, das vom eigenen Willen leider nur teilweise zu steuern ist. Kommen entspr. Gedanken auf, gilt es gegenzusteuern. Dafür habe ich mir meine eigenes Programm zurecht gelegt, das sofort abgespult wird.


    Auch hab ich mir die Frage gestellt, ob ich ein kontrolliertes Trinken nun schaffen würde.

    Aber ganz tief in mir weiß ich, dass es schief geht.

    Dennoch kommen halt diese Gedanken..... für mich ein Zeichen dass ich nicht komplett gefestigt bin.

    Ich trete bei diesem Thema eher auf der Stelle, akzeptiere es aber.

    Mir kamen diese Gedanken aus den Tiefen des Suchtgedächtnisses in den ersten Jahren öfter und sie wurden rasch verworfen.

    Ich habe mich an gelegentliche Gedankengänge gewöhnt, sie zeigen mir, dass ich niemals über dem Berg sein werde. Gerade diesen Anstoß empfinde ich für mich auch schon irgendwie positiv, solange er nicht in heftiges Suchtverlangen umschlägt.

    Ich bezeichne mich als gefestigt und bin 7 1/2 jahre unfallfrei unterwegs.

    Meine Frau gibt mir jedoch oft das Gefühl, dass ich ja mal wieder normal trinken könnte.

    Sie meint zu besonderen Anlässen wäre das doch voll okay.

    Darin sehe ich eine erhebliches Risiko. Deine Frau hat das Problem leider noch nicht richtig in seiner ganzen Tiefe erfasst und geht wohl von einer Heilung aus.

    Schau Dir mal mit ihr zusammen den Beitrag: DER TROCKENDOC an, den findet man noch im Netz und ggf. Mediatheken. Da wird es eindringlich beschrieben. Sucht ist eine Einbahnstraße, es gibt kein zurück in ein früheres Stadium.

    Hätte ich eine Frau, die mir permanent klar machen will, wie toll doch Anstoßen an Geburts- und Feiertagen bzw. sonstigen Anlässen doch sei, weiß ich nicht, ob ich so lange clean geblieben wäre.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Angeblich soll vereinzelt es Alkoholiker geben, die es können. Das wäre dann die berühmte Ausnahme von der Regel. Ich kann es nicht, werde es niemals können und daher ist es nicht meine Baustelle. Auch habe ich persönlich noch niemand persönlich kennen gelernt, bei dem es funktioniert.

    Daher finde ich es hervorragend, dass in diesem Forum nicht dem Prof. Krökel gehuldigt wird. Liest man mal die ersten Passagen bei dem Herrn nach, meine ich, merken zu können, dass er sich wohl eher an Leute wendet, die viel zu viel (z.B. riskanter Hochkonsum), jedoch noch nicht abhängig trinken.

    Als Parallele mal die Qualmerei, auch bei ihr half mir nur die Abstinenz. Kontrolliertes Qualmen z.B. 3x wöchentlich 'ne halbe und womöglich zuvor geschnorrte Kippe funktionierte nicht. Beim Qualmen konnte ich zwar besser Maß halten als beim Alk, aber auch davon bin ich jetzt frei.

    was meint ihr ?

    Hallo!

    Du hast Dir selbst die Antwort gegeben: Nein. Dieser Geburtstag sollte besser ohne Dich begossen werden. Du bist keine 3 Wochen clean, da könntest Du mit einer alkohollastigen Feier überfordert sein.

    Schütz Dich selbst, Deine Nüchternheit ist für Deine Gesundheit mitentscheident, und die ist wesentlich wichtiger als eine Geburtstagsfeier.

    Bei mir stand die erste kleine Feier anlässlich des Geburtstags meiner Frau nach knapp 5 Monaten an, als ich schon 4 Monate Therapie hinter mir hatte und mich mit meinem Therapeuten abgestimmt hatte. Allerdings war das ein Essen im Restaurant, bei dem ganz moderat von gerade mal 2 Leuten ein Glas Wein und vorher ein Prosecco getrunken wurde. Die berteffenden Gläsen standen nicht in meinem direkten Sicht- und Griffbereich.

    Zu einer förmlichen Feier, bei der auch alte Saufkumpels teilnehmen, bin ich nie mehr gegangen. Ich bin knapp 7 1/2 Jahre abstinent. Ich wüsste nicht, was ich dort sollte. Das gemeinsame Bindeglied ist weggefallen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Da lese ich heute in der Zeitung, dass ein Gastronom in einem etwas abseits gelegenen Bereich des Sauerlandes einen Landgasthof eröffnet hat. Es soll dort ohne Alk gekocht und auch kein Alkohol ausgeschenkt werden.

    Kleiner Wermutstropfen: Angeblich alkoholfreies, in Wirklichkeit jedoch zumeist schwach alkoholhaltiges Bier sowie entsprechenden Wein und Sekt gibt's dennoch.

    Dieses Zeug ist nichts für abstinente Alkoholiker, weil es viel zu nah am Original ist, nämlich optisch, geschmacklich und geruchlich.

    Zu dem Gastronom war zu lesen, dass er selbst seit Jahren abstinent sei und vorher infolge des eigenen Konsums Schäden an Leber und Bauchspeicheldrüse hatte. Da kann sich jeder einen eigenen Reim darauf machen, ob er Alkoholiker ist.

    Ob der Gastronom das Teil auch ohne Alkohol ans Laufen bekommt, bleibt abzuwarten.

    Ich bin auch davon überzeugt, dass eine stationäre Reha für mich das Richtige ist….wenn da nicht die Familie (Alleinerziehend mit Kind und Mutter, die nicht mehr mobil ist) wäre…..da kann ich nicht einfach mal 16 Wochen “verschwinden”

    Hallo!

    Erörter das doch mal mit der Suchtberatung, Du bist nicht die Erste mit dem Problem.

    Ich habe eine ambulante Therapie gemacht. Vielleicht kommst Du ja mit ihr wider Erwarten doch klar. Die Termine sind eindeutig festgelegt. Bei mir war es der Montag ab 17.00 und zusätzlich alle 2-3 Wochen ein Einzelgespräch, bei dessen Terminierung auf berufliche und private Belange weitgehend Rücksicht genommen wurde. Das hatte nichts mit Stress zu tun, ganz im Gegenteil der Stress wegen der Stoffbeschaffung fiel ja gerade weg.

    In meiner Therapie gab es ein paar Kandidaten, die schalteten aus der ambulanten in die stationäre um, als sie sie merkten, dass letztere doch das geeignetere Mittel war.


    Gruß

    Carl Friedrich

    Da las ich unlängst vom Versterben des Herrn Ferfried von Hohenzollern. Dieser war zu Lebzeiten Alkoholiker und hat nach 15 Jahren Abstinenz einen Rückfall hingelegt. Zu den Gründen wurde er wie folgt zitiert:

    "Ich war 15 Jahre trocken! Dann wollte ich wieder wie ein normaler Mensch leben. Also fing ich an, abends regelmäßig ein Viertel Wein zu trinken. Das ging vier, fünf Monate gut. Ich musste einsehen, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die das können.“

    Der werte Herr wurde angeblich mit sieben leeren Flaschen Whisky und Medikamenten bewusstlos in seinem Ferienapartment gefunden und in eine Klinik eingeliefert.

    Seine Rückfallschilderung kommt mir bekannt vor, ich habe sie schon von mehreren Rückfälligen hinsichtlich ihres Rückfalls genau so erzählt bekommen. Erst schlich sich der Konsum so langsam wieder ein, bis er immer stärker wurde und der Proband wieder "voll drauf war".

    Was mich stört: Der Begriff "wie ein normaler Mensch leben." Das halte ich für abgehoben. Es gibt Millionen Menschen, die keinen Alkohol trinken, sei es aus religiösen, gesundheitlichen oder sonstigen Gründen, weil sie halt nicht die Kontrolle über ihren Verstand verlieren möchten. Sind sie keine "normalen" Menschen? Das leuchtet mir irgendwie nicht ein.

    3 Punkte sind für mich für einen Rückfall entscheident, so meine Beobachtungen in den letzten Jahren.

    • Der Proband hat sich wirklich nie richtig vom Alkohol gelöst und in seinem Hirn schlummerte vorborgen der Gedanke, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Stoff.
    • Das Umfeld: Wer sich regelmäßig in einer trinkenden Umgebung aufhält, kommt womöglich leichter auf den Gedanken, sich für geheilt zu halten, so dass er doch wieder mal was trinken könne.
    • Sich regelmäßig mit dem Problem auseinander setzen, sich mit ihm zu befassen, dass es nicht komplett in den Hintergrund gedrängt wird.

    Es geht mir nämlich mehr um die Situation, in welche man sich begibt

    Meine Worte, ein Abstinenter hat auf einer Veranstaltung, auf der der heftige Konsum im Vordergrund steht, nichts verloren, er dürfte sich dort auch nicht wohl fühlen. Deshalb gehe ich da auch nicht hin.

    Eine mir Bekannte Person (trockener Alkoholiker) gibt beispielsweise noch regelmäßig Vodkarunden in seinem privaten Umfeld, eben mit genau den Kollegen von damals.

    Und eines Tages trinkt er dann aus purer Solidarität, aufgrund eines spontanen Verlangens oder weil es an ihn heran getragen wurde, er sei doch schon so lange trocken, da könne er doch mal wieder, einfach doch mal einen mit. Ich halte das für eine Hochrisikonummer, die im Rückfall enden kann.

    Da spielt es aus meiner Sicht keine Rolle, ob die Anwesenden Gästen nur an genau diesem Abend trinken und sonst keinen Alkohol konsumieren.

    Entscheident ist für mich, dass der Alkohol dort das wahre Bindeglied der Zusammenkunft zu sein scheint und nicht nur beiläufig mal 1-2 Gläser getrunken werden. Ich würde mich in der Runde nicht wohl fühlen und wäre schnell weg.

    Gruß

    Carl Friedrich

    "Ja, ohne Therapie wissen Sie ja gar nicht, warum Sie überhaupt getrunken haben? Das MÜSSEN Sie doch wissen!" Verdammt nochmal NEIN, muss ich nicht, irgendwann muss doch auch mal gut sein.

    Da ist was dran. Meine Therapeuten waren nicht in der Lage, den Grund für mein Versagen herauszufiltern, halt das typische multikausale Geschehen, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen, angefangenen bei einer familiären Prädisposition.

    Vielleicht kommt später ja noch mal der Punkt, an dem es Dich, nur das ist wichtig, interessiert, warum es so passiert ist. Dann kannst Du immer noch forschen.

    Ich fang schon an Gespenster zu sehen vor lauter Selbsthilfe und hinter jeder Ecke lauert der Rückfall, der ja eh immer eine Armlänge entfernt ist (dieser Vergleich regt mich auf bis zum Mond und zurück

    Wenn Du Dich von Suchtstoffen, so gut es eben geht, fern hälst, ist der Rückfall nicht wenige cm entfernt, sondern ziemlich weit weg. Ich nenne es Risikominimierung.

    Stell Deine Abstinenz für Dich, nicht für Dritte, an oberste Stelle. Gehe in Dich und sieh zu, dass Du von dem Gedanken Abschied nimmst, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Stoff. Die Abstinenz unter Vorbehalt stellen, lässt keinen langfristigen Erfolg erwarten.

    Ich fang schon an Gespenster zu sehen vor lauter Selbsthilfe

    Im Sport nennt man es "übertrainiert". Es ist wichtig, mit der Zeit das angemessene Verhältnis zwischen Vorsorge und normalem Leben zu finden. Zum normales Leben zählt für mich, nicht dem Alkohol und trinkenden Bekannten hinterher zu laufen. Treffen mit stark zechenden Leuten waren und sind für mich tabu. Ich halte so was nicht mehr aus. Allerdings habe ich mir den Respekt vor der Krankheit bewahrt, ich nenne es Respekt, andere Demut, mir ist dieser Begriff zu unterwürfig.

    Ja und dann muss der Proband einfach loslegen. Schwimmen lernt man nicht am Beckenrand, sondern nur im Wasser. Beachte die Grundbausteine hier und Du hast es selbst in der Hand, Dich zu befreien.

    Zum Schluss eine kleine Anekdote. 2 Polytoxikomanen aus meiner Anfangszeit berichteten mir jeweils in der Sommerzeit, dass sie keinerlei Verlangen nach Alkohol hätten, aber der Gedanke, einfach mal 'ne Tüte zu quarzen, käme öfter auf. Sie konnten den Qualmdruck abwenden, indem sie sich sagten: "Wenn ich jetzt nachgebe, fängt die ganze Schei... wieder von vorne an.

    Alles Gute wünscht

    Carl Friedrich

    Ich hätte jemanden besuchen sollen oder so, um die Umgebung zu wechseln

    Eine vernünftiger Ansatz, nur sollte der Besuchte dann nicht als erstes 'ne Pulle Bier auf dem Tisch stehen haben.

    Bei Suchtdruck hat sich bei mir bewährt, sofort die Umgebung zu wechseln, um andere Reize zu setzen und am besten irgendetwas tun, was mir Freude bereitet.

    Beim letzten Druck habe ich meine Sporttasche gepackt und bin ins Fitnesstudio geradelt. Kaum war ich dort angekommen, war der Druck wie weggeblasen. Dennoch habe ich mich an dem Tag dort besonders intensiv ausgetobt.

    Pferde sind bekanntlich Fluchttiere, bei Suchtdruck werde ich zum Zossen ;) .

    Gruß

    Carl Friedrich

    So, gestern war das etwas weniger seriöse Grillen mit meinen alten Kumpels aus meiner Kleinstadt

    Das zweite Grillen, ja das wird wohl etwas heftiger

    andererseits stand der Alkohol schon sehr zwischen mir und den anderen

    Das sind so 3 Aspekte, die mir schon vor ein paar Wochen ins Auge sprangen.

    Du bist saufenden Leuten zu nahe gekommen und zwar nicht versehentlich, sondern mit voller Absicht. Solche Saufevents können gewaltig nachwirken.

    Du hast einfach die nötige Distanz zum Alkohol vermissen lassen.

    Ich konnte erst dann vom Stoff loskommen, als ich bereit war, meiner Abstinenz alles andere unterzuordnen. Dazu gehört, riskanten Veranstaltungen aus dem Weg zu gehen, bis eine gewisse Festigung eingetreten ist. Die kann man nicht an einer einzelnen Monatszahl der Abstinenz festmachen, das hängt von jedem selbst ab, der eine braucht länger, der andere kürzer.

    Gruß

    Carl Friedrich