Beiträge von AufderSuche

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später hier dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.

    Bin ich selbst suchtgefährdet? - Ich selbst definitiv. Ich habe zwar Alkohol als abschreckend erlebt, bin aber später, als ich in Kreisen war, in denen Alkohol trinken als normal und „ungefährlich“ galt, der beruhigenden, lösenden, enthemmenden Wirkung des Alkohols verfallen. Alkohol als etwas, das Druck von einem nimmt, sich für einen Moment entspannt fühlen lässt.

    Und da ist diese Leere, die ich geneigt war, mit allem Möglichen zu füllen.


    Die Gefahr Co-abhängig zu werden, sehe ich ebenfalls. Wenn man seinen Vater oder seine Mutter schon nicht retten konnte, kann man als Erwachsener vielleicht seinen Partner oder seine Partnerin retten. Verantwortung zu übernehmen, hat man ja von klein auf verinnerlicht.

    Dazu kommt nach meiner Beobachtung auch, dass ich zum Beispiel bei meinem Partner eine Sicherheit gefunden zu haben glaube, die unbedingt beschützt werden muss. Glücklicherweise ist mein Partner ein ziemlich stabiler Mensch und kein Alkoholiker oder sonst wie Abhängiger.

    Erst, als ich begriffen habe, dass ich nur für mich allein verantwortlich bin und Verantwortung abgeben konnte, wurde ich frei.

    Je nachdem, wie ausgeprägt sich die Alkoholkrankheit in einer Familie zeigt, lernt man als Kind schon sehr früh, für die Eltern Verantwortung zu übernehmen. Es kommt u.U. sogar zu einer Art Rollentausch. Nicht das Kind und seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt der Familie, sondern die Befindlichkeiten der Eltern und die Sorge um sie. Das Kind übernimmt die Rolle, die eigentlich seine Eltern übernehmen sollten, es fühlt sich für seine Eltern verantwortlich und übernimmt nach Möglichkeit auch Verantwortung.


    Einmal hab ich meinem Vater beim Entzug helfen wollen und geglaubt, wenn ich nur stark genug bin und er mich genug liebt, dann schaffen wir das. Er hat ein paar Stunden ausgehalten, wir haben viel miteinander geredet, dann aber verlangte er sein Bier, das ich für ihn versteckt hatte, zurück. Ich musste es ihm schließlich geben, da er mächtig Druck machte. Da hatte meinen ersten kleinen Nervenzusammenbruch. Ich war verzweifelt, dass ich nicht stark genug war und dass er mich nicht genug liebte. Da war ich etwa 13 Jahre alt.


    Ich habe mich auch mehrfach vor meine Mutter gestellt, wenn mein Vater unter Alkoholeinfluss aggressiv war.


    Ich hab schon sehr früh ein sehr feines Gespür für die Stimmungslage zuhause entwickelt und mich entsprechend verhalten. Ich hab auch geglaubt, die Stimmungslage positiv oder negativ beeinflussen zu können.


    Sehr viel Energie floss in die Aufrechterhaltung einer Fassade nach außen. Außenstehende und eventuell auch Oma und Opa, Onkel und Tante sollen nicht mitbekommen, was zuhause los ist. Dazu war ich teilweise auch zum Lügen gezwungen.

    Hab ich doch mal beispielsweise meiner Oma von meinem Kummer erzählt, ging das für mich nach hinten los, weil diese mit meiner Mutter gesprochen hat und ihr Vorhaltungen gemacht hat. Darauf bekam ich Ärger mit meiner Mutter. So lernte ich, nicht mehr mit anderen über meinen Kummer zu sprechen.


    Sehr viel Energie floss in das Hoffen, wenn mein Vater wieder trocken zu werden versuchte. Sein Scheitern und erneutes Trinken stürzte uns alle in Verzweiflung. Es begann ein Kreislauf und ich wurde wachsam und achtete auf Zeichen, wann‘s wieder los ging.


    Bei uns gab‘s auch wechselnde Koalitionen. Mal waren wir ganz auf der Seite meiner Mutter, mal ganz auf der meines Vaters. Ich hab das als sehr anstrengend und aufreibend empfunden.


    Als besonders schlimm hab ich das Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit empfunden, der Situation einfach nicht entkommen zu können, in ihr gefangen zu sein, sie irgendwie aushalten zu müssen.


    Wenn wieder kein Geld da war für Essen oder Kleidung, fühlten wir Existenznöte. Natürlich fiel ich in meiner Klasse in solchen Fällen durch meine Kleidung auf.

    Allgemein fiel ich dort auf, weil ich anders und irgendwie reifer war als meine Mitschülerinnen und Mitschüler.


    Abgesehen von einem überaus ausgeprägten Verantwortungsgefühl, den Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit begleitet mich schon mein ganzes Leben lang das Gefühl der Scham. Scham aus einer dysfunktionalen Familie zu entstammen, Scham, nicht gut genug zu sein, Scham, wenn ich einen Fehler mache, wenn ich etwas übersehen habe, und so weiter. Ich hab mich sehr um die Aufrechterhaltung einer Fassade bemüht und mich geschämt, wenn ich dazu gerade nicht in der Lage war.


    Mein ganzes Leben lang habe ich mich nach Sicherheit gesehnt.


    Ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich geschrieben habe, in diesem Brainstorming so erwünscht ist. Wenn’s nicht passt, bitte einfach entfernen. So jedenfalls habe ich das Aufwachsen in einer Alkolikerfamilie wahrgenommen.

    Hallo Al_hl,


    herzlich Willkommen in diesem Forum. Du kannst hier sehr, sehr viele Informationen finden, die dir vielleicht helfen werden, deine Situation besser einschätzen zu können. Vielleicht findest du dich selbst auch in dem einen oder anderen Erfahrungsbericht wieder.


    Mir jedenfalls ging das und geht das so.


    Ich verstehe dich so, dass derzeit sozusagen zwei Seelen in deiner Brust schlagen. Die eine fühlt sich verantwortlich und sagt, dass du helfen musst und „zwar mehr deiner Mutter als ihm“ und dass du hinfahren musst. Die andere Seele sagt deutlich, „ich kann mich nicht überwinden hinzufahren und ihn sterben zu sehen“.

    Du steckst in einem Dilemma, weil du nicht beiden Seelen gerecht werden kannst.


    Es stellt sich die Frage, was dir jetzt helfen könnte/ was dich stärken könnte/ ob sich das Dilemma auflösen lässt.



    Ich möchte dir ein paar Fragen stellen, vielleicht hilft dir das weiter. Wenn nicht, lass sie einfach liegen.


    Du bist mit 16 Jahren von zuhause weggegangen, das wird seine guten Gründe gehabt haben, und du besuchst deine Eltern eher selten, was vermutlich auch gute Gründe hat.

    Was hat dich dazu bewogen, diese Schritte zu gehen? Welche Gefühle hattest du dabei? Aus welchen Gründen besuchst du deine Eltern selten? (Du musst dich hier nicht rechtfertigen und ich will dir gewiss keinen Druck machen, sondern die Fragen sollen dir helfen, dich selbst und deine Bedürfnisse klarer wahrnehmen zu können. Und etwas klarer bezüglich deiner Schuldgefühle werden zu können.)


    - Ich selbst bin nach dem Tod meines Vaters im Alter von 15 Jahren von zuhause weg und ich hab das aus purem Überlebensinstinkt gemacht. Das Verhältnis mit meiner Mutter war später wieder viel besser, aber die Telefonate und Besuche haben mir mitunter nicht gut getan und mein Therapeut fragte mich mal, warum ich etwas tue, was mir selbst nicht gut tut.


    Ich gehe kaputt an den Schuldgefühlen. Warum habe ich nicht früher was getan? Warum habe ich das so hingenommen? Wie verantwortlich bin ich für alles?

    Schuldgefühle sind mir selbst auch gut vertraut, auch Scham. Es scheint so, dass das typisch für EKAs ist.

    Dreh das Ganze aber mal um und versuch mal es aus der Distanz zu betrachten: (Stell die Fragen deinem Inneren und höre dabei auf deine eigenen Antworten.)


    Hättest du denn früher überhaupt etwas tun können, als 8-, als 10-, als 16-Jährige usw.?

    Glaubst du, das DU deinen Vater hättest heilen können?


    Deine Eltern sind beide erwachsene Menschen, die ihre eigenen Entscheidungen treffen. Hätten Sie sich von ihrem Kind in ihr Tun dreinreden lassen?


    Hätte dein Vater sich nicht auch selbst Hilfe holen können und müssen? Und ebenso deine Mutter? Hätte er nicht auch Verantwortung für sein Leben und seine Taten übernehmen müssen, so wie du es tust?




    Wie gut kennst du dich inzwischen mit der Krankheit „Alkoholismus“ und mit „Co-Abhängigkeit“ aus?


    Dein Vater scheint gewählt zu haben und deine Mutter auch ...


    Wo bleibst DU dabei?


    Du hast einen (?) Arzt angerufen, aber die haben aufgrund der „Diagnose Alkohol“ abgewimmelt. Welche Gedanken und Gefühle hast du deswegen? Würde es dir helfen, noch andere Ärzte zu kontaktieren?


    Kann deine Mutter sich nicht Hilfe von Außen holen?


    Hast du dich schon mal mit einer Suchtberatungsstelle in Verbindung gesetzt und dich dort beraten lassen?


    Ich habe mir nicht ausgesucht auf diese Welt zu kommen mit diesem Vater. Aber er hat sich auch nicht dieses Leben ausgesucht?

    Du hast es dir nicht ausgesucht, aber nun bist du da. Verantwortlich bist du nur für dich selbst. Das ist nicht nur so daher gesagt, ich selbst musst das auch erst lernen.


    Dein Vater hat sich auch nicht ausgesucht, in welcher Familie er geboren wird und aufwächst, aber sein Leben hat er letztlich selbst so gestaltet. Er hat im Laufe seines Lebens Entscheidungen getroffen, die ihn in die oder die Richtung gebracht haben.

    Das gilt im Übrigen auch für deine Mutter. Beide können sich Hilfe holen oder hätten es tun können.


    Ich MUSS helfen aber ich kann mich nicht überwinden hinzufahren und ihn sterben zu sehen.

    Da ist etwas in dir, dass sich dagegen wehrt, hinzufahren. Nimmst du es als Freund oder als Feind wahr?

    Welche Motive könnte es haben, sich zu wehren?


    Das sind kreuz und quer ein paar meiner Gedanken zu dem, was ich bei dir gelesen habe. Vielleicht ist etwas dabei, dass dir weiterhilft.

    Die Eltern so zugrunde gehen zu sehen, tut unheimlich weh. Und seinen eigenen Weg zu finden, habe auch ich als sehr schwer empfunden.

    Noch heute bin ich auf der Suche nach MEINEM Weg, deshalb habe ich mir auch diesen Nickname ausgesucht. Inzwischen habe ich Vieles finden dürfen, was MIR weiterhelfen könnte und -hilft.


    Liebe Grüße

    AufderSuche

    Hallo,

    eine Übung mit Erbsen habe ich auch bei einer Fortbildung kennengelernt: Und zwar sollten wir uns morgens 5 Erbsen in die eine Hosentasche stecken und jedes Mal, wenn uns am Tag etwas als schön, gut oder erfreulich auffiel, sollten wir jeweils eine Erbse in die andere Hosentasche stecken. Am Abend sollten wir uns unsere Erbsen in der anderen Hosentasche nochmals vornehmen und erinnern, wofür die stand.

    Hatte diese Übung ganz vergessen....


    Liebe Grüße

    AufderSuche

    Und mir helfen im Moment auch - mal mehr, mal weniger - Sätze, die ich kürzlich in einem Resilienz-Training gelernt habe.

    Bsp.: Ich fühle mich klein/ habe Angst/ fühle mich überfordert, aber ich liebe und akzeptiere mich (ein klitzekleines bisschen) so, wie ich bin.

    Ich sehe gerade, dass ich (unbewusst ?) die Formulierung nicht richtig gewählt habe. Da gehört kein „aber“ hin, sondern in den ersten Teil des Satzes ein „auch“.

    Hab beim Lesen des Resilienz-Ratgebers heute morgen bemerkt, dass das einen Unterschied ausmacht. Es geht auch darum, den ersten Teil anzunehmen.

    Auch wenn ich mich gerade überfordert fühle, liebe und akzeptiere ich mich so, wie ich bin.“ fühlt sich anders, fühlt sich besser an.

    Liebe Kttnlos,

    ich möchte dir noch ein paar Gedanken da lassen. Wenn du etwas damit anfangen kannst, gut, wenn nicht, lass sie einfach liegen.

    Du sprachst von dem Gefühl, dass deine Kraftreserven aufgebraucht sind. Das Gefühl kenne ich, wie gesagt, selbst ziemlich gut und auch ich suche da meinem eigenen Weg.


    Meine Erfahrung ist, dass die Beschäftigung mit meiner Vergangenheit zwar irgendwie notwendig für mich ist, um weiterzukommen, um verstehen zu können, was mit mir geschehen ist und um Heilung zu finden, dass sie mich aber auch enorm Kraft kostet. Wenn ich mich den Dingen allein widme - und ich neige dazu, das zu tun -, dann finde ich dort keine besseren Lösungen. Mein Arzt hingegen, der mich bislang therapeutisch ein wenig begleitet, der vermag meinem Blick auf etwas Positives zu lenken, er vermag mich zu stärken, in dem er hier und dort darauf verweist, dass ich gut/ sinnvoll/ ... gehandelt habe.


    Mein Inneres System ist bisweilen auch ziemlich in Aufruhr und das überfordert mich dann auch. In solchen Momenten ziehe ich mich meist zurück und kuschle mich irgendwo (Bett oder Sofa) ein.

    Manchmal aber suche ich meine beiden besten Freunde auf, die beide ebenfalls an Depressionen leiden, die Krankheit also von Innen kennen, aber gut und emphatisch zuhören können und mir auf ihre Weise Hilfestellung geben können. Bislang war es immer so, dass die Unruhe vorüber war, wenn ich von ihnen wegfuhr.


    Ansonsten bin ich auf der Suche, was MICH denn überhaupt stärken könnte.

    In der Regel ist das etwas, was im JETZT liegt.

    Ich übe mich in dem Gedanken, einfach so sein zu dürfen und dass das genug ist. - DAS fällt mir teilweise noch ziemlich schwer.

    Meditationen, die sich besonders mit auf den Atem beziehen, empfinde ich da als hilfreich.

    Ich spreche Selbststärkungssätze, wie ich sie innerlich gerade vor mir vertreten kann.

    Ich versuche mich darauf zu besinnen, was ich selbst an mir liebenswert finde.

    Ich übe mich in Achtsamkeit. Achtsames Gehen, achtsames Wahrnehmen, achtsames Essen usw., denn das lässt mich ganz bei mir sein.



    Als ich in der Klinik war, erinnerte ich mich daran, dass ich so gerne mal Motorrad fahren wollte. Und so war mein erstes großes Projekt, als ich aus der Klinik kam, den Motorradführerschein zu machen.

    Dass ich Motorradfahren als so schön empfinden würde, wie ich das jetzt tue, hätte ich damals nie erwartet. Ich hab inzwischen eine Maschine, auf der ich mich so richtig wohl fühle. Das Motorradfahren macht irgendwie auch den Kopf frei, weil ich einerseits konzentriert aufs Fahren bin und andererseits meinen Gedanken und Eindrücken freien Lauf lassen kann und im Moment, im JETZT bin. Es ist ganz anders als Fahrradfahren oder Autofahren oder Spazierengehen, auf eine andere Art sind das Sehen, Riechen, Fühlen, Hören sehr intensiv.


    Liebe Grüße

    AufderSuche

    Liebe Kttnlos,

    nun schaue ich auch bei dir vorbei und lasse dir ein paar Gedanken da.

    Ich weiß, dass meine Mutter es nicht eingestehen kann, aus ebendiesem Grund. Aber ich empfinde es als nicht richtig, dass ich deswegen Nachsicht haben muss. Ich dachte jahrelang, ich habe meinen Frieden damit gefunden. In der Therapie hat mich eingeholt, dass das gar nicht stimmt. Ich weiß nicht, ob ihr "Schuld"eingeständnis mir Erleichterung verschaffen könnte. Die Verletzungen sind in der Kindheit entstanden und was ich damals gebraucht habe, kann man mir jetzt schlichtweg nicht mehr geben. Ich sehe es auch nicht als Schuldeingeständnis, wie du es nanntest AufderSuche. Ich sehe es "als Verantwortung für die eigenen Taten übernehmen". Damit meine ich nicht nur ihre Sucht, sondern auch, dass sie ihren Lebenspartner immer über mich gestellt hat; immerhin lag ich 6 Jahren lang jede Nacht vor Angst zitternd im Bett und sie wusste das.

    Ich weiß nicht, ob ich das Nachsicht nennen würde.🤔

    Ich selbst sehe das eher als Einsicht in etwas, was ich nicht ändern kann.


    Wenn ich dich richtig verstehe, wünschst du dir, dass deine Mutter „Verantwortung für die eigenen Taten“ übernimmt, weil du in der Therapie gelernt bzw. wahrgenommen hast, dass du eben nicht deinen Frieden mit der Vergangenheit gefunden hast und weil du an eurer Beziehung arbeiten möchtest.


    Das Problem ist nur, dass sie eben nicht mitzieht.


    Ich kann gut nachvollziehen, dass dich das belastet.

    Darf ich fragen, ob du eine gewisse Wut auf deine Mutter verspürst?

    Ich hab in der Klinik das Buch „Das Drama des begabten Kindes“ von Alice Miller gelesen, das mir ein Mitpatient empfohlen hatte, und bin bei der Lektüre auf die Wut gestoßen. Ich bin meiner eigene Wut auf meine Eltern bei einem meiner vielen Spaziergänge, die ich während meiner Klinikzeit täglich absolviert habe, nachgegangen.

    Mir hat das damals tatsächlich geholfen.


    Für mich habe ich erkannt, dass ich nur für mich selbst „Verantwortung für die eigenen Taten“ übernehmen kann. Was andere tun, darauf habe ich keinen Einfluss.

    Natürlich tut mir das ein oder andere weh und mitunter leide ich nicht wenig darunter, was andere tun oder eben nicht tun. Da ich daran aber nichts ändern kann, suche ich mir meinen eigenen Weg. Nicht ohne Grund habe ich mir den Nickname „AufderSuche“ gewählt. ...


    Und diese Worte, liebe AufderSuche, passen perfekt zu dem Thema, das mich momentan beschäftigt. Ich bemerke, dass ich überhaupt nicht weiß, was mir Freude bereitet. Ich habe ein extrem anspruchsvolles Studium gewählt und früher in 3 Jobs gearbeitet, um mich finanzieren zu können. Dann noch eine Partnerschaft mit einem Süchtigen - Leben in Extremen. Da war gar kein Raum sich mit sich selbst zu beschäftigen. Und langsam wird mir klar, dass das wohl auch unterbewusst der Sinn des Ganzen war. Jetzt stehe ich da und merke: Mir gehts richtig beschissen. Ich weiß, ich muss jetzt besonders gut zu mir sein, mir Freuden bereiten etc. und ich weiß einfach nicht mit was. Spazieren gehen, ein Bad nehmen, gut für mich kochen, ein gutes Buch lesen. Ich probiere alles aus, aber nach diesen ganzen Extremen fühlt sich alles so abgestumpft für mich an.

    Als ich in der Klinik war, wusste ich auch nicht, was MIR wirklich gut tut. Ich kannte zwar das, was man im Allgemeinen so hört - du hast ein paar Beispiele genannt - , aber irgendwie berührte mich das nicht. Und so versuchte ich, während eines meiner längeren Spaziergänge, herauszufinden, was MIR eigentlich wirklich gut tut. Erst kam da gar nichts. Mir ist noch nicht mal aufgefallen, dass zum Beispiel meine täglichen Spaziergänge, zu denen es mich innerlich von Anfang an drängte, weil das Gebäude, in dem ich untergebracht war, direkt an einem Wäldchen liegt, dazu gehören. Das erste, was aus meinem Inneren kam, war: Ein warmes Körnerkissen, so eins mit Dinkel gefühlt.

    Nach und nach kam anderes aus mir hoch.


    Gut tut mir inzwischen definitiv das Kuscheln mit meinen Hunden.

    Gut tun mir ab und zu Meditationen.

    Usw.


    Negative Gefühle versuche ich auch so wie du zu deuten. Sie zeigen mir Bedürfnisse an.

    Letztens habe ich gelesen, dass Krisen als Chance zu betrachten, eine wichtige Ressource der Resilienz ist.


    Liebe Grüße

    AufderSuche

    Liebe Ktnnlos,

    hab ganz lieben Dank für deine einfühlsamen Worte! ☺️


    Ich bin beim Lesen direkt über diesen Satz hier gestolpert und dachte direkt "Nein! Bei Heilung gibt es keine Timeline, bis wann man was verarbeitet hat. Heilung verläuft nicht linear, sondern mal hoch, mal runter, zurück und im zickzack. Und manchmal kommen plötzlich Erinnerungen und Gefühle hoch, von denen man denkt, man hätte sie längst verarbeitet. Und dann muss man halt nochmal ran, es nochmal durchfühlen bis man einen Schritt weiter ist. Ich glaube, es ist ganz wichtig, da nicht die Geduld mit sich selbst zu verlieren. Es gibt einem ja niemand eine Anleitung "How to come to terms with your past" :D

    Was du beschreibst, entspricht auch meinen Erfahrungen. Linear läuft da gar nix bei mir. Manchmal denke ich: „Jetzt ist endlich gut, nu bin ich durch.“ Und dann tritt irgendetwas ein und es scheint wieder von vorne loszugehen.


    Es geht nicht wirklich von vorne los, das hab ich inzwischen schon lernen dürfen und ich hab auch schon einige Bewältigungsstrategien mehr erworben, als ich gelernt hatte.

    Auch Geduld habe ich in den letzten Jahren gelernt.


    Was das „nochmal ran“ betrifft, so versuche ich das demnächst mit professioneller Hilfe. Alleine komme ich da nicht mehr weiter.

    Ob mir das wirklich gut tut und ob die Therapeutin und ich überhaupt zusammenpassen, wird sich zeigen.

    Momentan bin mir gar nicht so sicher, ob ich wirklich an alles ran muss und wirklich nochmals durchfühlen muss oder ob ich nicht mehr daran arbeiten sollte, meine Bewältigungs-Strategien zu verbessern und meine Inneren Helfer aufzubauen.

    Nochmals durchfühlen zu müssen, macht mir derzeit ehrlich gesagt Angst.

    Die Therapeutin warnte mich auch davor, dass eine solche Therapie eventuell meine MS verschlimmern könnte. Das ist etwas, was ich ganz gewiss nicht will.

    Wenn die Therapeutin und ich also wirklich gemeinsam loslegen, werden wir das mit Augenmaß und entsprechender Vorsicht tun.


    Ich glaube, letzten Endes sind diese Definitionen von "Krise" und "Trauma" doch egal. Vielleicht war dieses eine Erlebnis nicht traumatisch, aber alle Erlebnisse zusammengenommen schon. Ich habe mich schon lange vor meiner Therapie gefragt, ob meine Kindheit traumatisch war. Mein Überleben war in dieser Zeit niemals bedroht und entspricht somit gar nicht der Definition. Doch als meine Therapeutin mich fragte, ob es traumatisch gewesen sei, wusste ich: Ja, genau so fühlt es sich für mich an. Vielleicht nicht die einzelnen, schrecklichen Situationen, aber alles zusammengenommen: ja! Wenn sich der Begriff also gut für dich anfühlt, verwende ihn ruhig.

    Ich mag mich selbst nicht aufspielen. Früher war es eigentlich immer so, dass andere wichtig waren, ich aber eher weniger.

    Instinktiv habe ich trotzdem immer wieder dafür gesorgt, dass ich überlebe.

    Ich bin damals nach dem Tod meines Vaters von zuhause weggegangen, um zu überleben. Wenn ich nur so getickt hätte, dass ich nicht wichtig bin, wäre ich geblieben, um mich um meine Mutter zu kümmern.

    Als ich im Herbst 2015 einfach nicht mehr konnte, bin ich in eine Klinik für Depressions-Erkrankte gegangen und war sogar bereit, Medikamente zu nehmen, gegen die ich mich eigentlich immer gewehrt habe. Ich bin nicht den Weg gegangen, der sich mir damals immer wieder aufdrängte, einfach so zu verschwinden, nicht mehr da zu sein.


    Ich möchte wissen, was mit mir ist, und ich sehne mich nach Heilung, deshalb habe ich mich auch mit diesen Begriffen beschäftigt. Unter die Diagnose von „Trauma“ falle ich meines Wissens nach nicht, auch wenn das, was ich erlebt habe, tatsächlich traumatisch war und mich tief geprägt hat. Ich habe keine Flashbacks, keine Dissoziationen.


    Was mir im Moment - es geht mir gerade wieder nicht so gut - hilft, ist, mir wie ein Mantra immer wieder vorzusagen, dass wir das Jahr 2021 haben.

    Und mir helfen im Moment auch - mal mehr, mal weniger - Sätze, die ich kürzlich in einem Resilienz-Training gelernt habe.

    Bsp.: Ich fühle mich klein/ habe Angst/ fühle mich überfordert, aber ich liebe und akzeptiere mich (ein klitzekleines bisschen) so, wie ich bin.


    Liebe Grüße

    AufderSuche

    Spannendes Thema! Bin gespannt, was von anderen dazu kommt.

    Ich muss gestehen, dass ich als relativer Anfänger von dieser Warnung gelegentlich überfordert bin.

    Da ist so Vieles, auf das ich plötzlich aufpassen muss, da tun sich sooo viele Baustellen auf.

    Angst führt, so heißt es, in die Nähe eines Rückfalls. Sollte ich nicht also besser Angst möglichst vermeiden und daher zunächst unbesorgt alles Mögliche tun dürfen, um nicht mehr saufen zu müssen?

    Wann wird denn das Aufräumen oder der Sport oder die Beschäftigung in einer SHG oder was sonst auch immer zur Sucht? Wenn ich mich selbst „wegmache“, wie Nicole schreibt? Wenn ich mich nicht genug meinen Gefühlen stelle?


    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo IchWillLeben,

    ich möchte dir mal meine Gedanken zu deinen Fragen da lassen, vielleicht kannst etwas damit anfangen, vielleicht auch nicht.


    Alkohol enthemmt, heißt es. Beobachten kann man das tatsächlich auch bei allen, die Alkohol konsumieren.

    Doch es geht auch noch weiter. Hilfreich fand ich in diesem Zusammenhang, was Simon Borowiak in seinem Buch „Alk: Fast ein medizinisches Sachbuch“ auf amüsant geschriebene Weise im ersten Kapitel geschrieben hat.

    Alkohol greift auf vielfältige Weise sehr tief in die Biochemie des Gehirns ein und er verändert das Wesen des Menschen, der Alkohol missbräuchlich konsumiert. Was du über deinen Ex erzählst, habe ich in ähnlicher Form bei meinem Vater erlebt.

    Vom Prinzip gerät da im Gehirn einiges durcheinander.


    Du fragst dich, warum auch du dich so verändert hast.

    Nun, solche Stimmungsschwankungen und Konflikte zu erleben, fällt wohl niemandem leicht. So etwas kostet unheimlich viel Energie.


    Jeder von uns hat im Laufe seiner Entwicklung Bewältigungsstrategien erworben, auch Strategien im Umgang mit Konflikten.

    Sich irgendwie anzupassen und so Konflikte zu vermeiden, könnte eine solche Bewältigungsstrategie sein. Und wenn man, selbst kurzfristig, mit dieser Strategie Erfolg hat, ist man geneigt, sie wieder anzuwenden.

    Auch andere Strategien, die sonst hilfreich sind, hier aber weniger hilfreich waren, sind denkbar.


    Und wenn du auf dich und deine Situation schaust, so warst du ja nicht nur für dich alleine verantwortlich, sondern da waren auch noch Kinder, die irgendwie beschützt werden mussten, denen du Geborgenheit geben wolltest. Das hat deine Situation gewiss nicht leichter gemacht.


    Ich sehe das so, wie Morgenrot:

    Ich bin mir sicher, das du immer das Beste für deine Kinder wolltest. Sei ehrlich zu ihnen, das ist das allerwichtigste und versuche dir keine Vorwürfe zu machen. Du hast gehandelt, wie du es in diesem Moment konntest.

    Genieße jetzt die schönen Seiten, die dir wieder begegnen.


    Was deine Selbstvorwürfe betrifft, auch ich kenne Selbstvorwürfe ziemlich gut und ich spüre, wie wenig sie mir gut tun.

    Gestern erst bin ich wieder auf das Thema „Resilienz“ gestoßen. Seit gestern spreche ich mir ab und zu Sätze vor, die der Selbststärkung dienen sollen und aus zwei Teilen bestehen.

    Erster Teil: Persönliches Stress-/ Angst-Thema benennen.

    Zweiter Teil: Selbststärkungssatz


    Vielleicht ist das auch für dich interessant?


    Herzliche Grüße

    AufderSuche


    Hallo Kttnlos,

    Danke dir für deine ausführlichere Vorstellung, so kann ich mir ein besseres Bild von dir machen und was dich bedrückt.


    In Manchem, was du von dir erzählst, entdecke ich etwas von mir wieder, beispielsweise die Angst oder Erwartung eines nächsten Rückfalls deine Mutter. Das ging mir bei meinem Vater ähnlich, nur dass seine Trockenzeiten kürzer waren als die deiner Mutter und ich auch noch deutlich jünger war.


    Dass deine Mutter nicht wahrnehmen kann oder will, was ihr Alkoholismus und der ihres Partners mit dir gemacht hat, ist mir auch nicht gänzlich unbekannt.

    Meine Mutter hat zwar wahrgenommen, was die Alkoholkrankheit meines Vaters und ihr Verhalten mit mir und meiner Schwester gemacht hat, aber das ganze Ausmaß konnte sie nicht verstehen. Irgendwann begriff ich oder spürte ich auch, dass sie völlig daran zerbrochen wäre, wenn sie es ganz an sich herangelassen hätte. Ab dem Zeitpunkt habe ich das Thema ihr gegenüber nicht mehr angesprochen. Es hat sie so schon schwer getroffen, dass auch ich an Depressionen erkrankt bin, ebenso wie sie.


    Deinen Worten entnehme ich, dass du dir wünschst, dass sie dich sieht, und dass du enttäuscht bist, dass sie es nicht tut, sondern nur sich und ihre Krankheit wahrnimmt.

    Darf ich dich fragen, was du dir davon erhoffst, dass sie dich sieht? Glaubst du, dass ihr Schuldeingeständnis dir Erleichterung verschaffen würde?

    Ich selbst habe mir das nämlich eine Weile gewünscht. Ich sehnte mich so sehr danach. Es hätte mir nachträglich so etwas wie Geborgenheit gegeben.


    Das Gefühl, dass die Kraftreserven aufgebraucht sind, ist mir ebenfalls vertraut. So ging es mir auch eine ganze Weile, denn ich hatte das Gefühl, immer kämpfen zu müssen.

    Inzwischen habe ich neue Kraftreserven bekommen. Nicht immer fühle ich mich stark und ich habe ab und zu auch schlechte Phasen, aber die Tendenz sieht ganz gut aus.

    Entscheidend für mich war, mich selbst und meine Stärken kennengelernt zu haben. Gelernt zu haben, mir Pausen für mich zu nehmen und mich auf die Suche nach dem zu begeben, was MiR wirklich gut tut.

    Dazu gehört, immer wieder auf das Positive zu achten und es gebührend wahrzunehmen.

    Dazu gehört auch - und ich gestehe, dass mir das wirklich schwer fällt - mich eine Weile gerade nicht mit meiner Vergangenheit zu beschäftigen, sondern mit der Gegenwart, mit dem Hier und Jetzt.

    Und was das Drinnen betrifft, das habe ich hier in diesem Forum gelernt, so habe ich begonnen, mich auf die Suche nach meinen Inneren Helfern zu begeben.


    Gerne lese ich mehr von dir.


    Herzliche Grüße

    AufderSuche

    Hallo Jules,

    ich habe mich jetzt ein paar Tage in einer Achterbahn befunden und war deshalb hier nicht aktiv....Ja ich habe schon mehrere Sachen dazu in diesem Forum gelesen, aber ich habe das Gefühl selbst mir meine Co-Abhängigkeit noch nicht einzugestehen. Oder seine Alkohol Abhägigkeit...

    Wie geht es dir inzwischen?


    Konnte dein Mann seine Liste weiter umsetzen?


    Sehr unsicher zu sein, ist, denke ich, völlig verständlich.


    Herzliche Grüße

    AufderSuche

    Also habe ich mir lieber bewusst meinen Ärger und meine Angst eingestanden und auch meiner Frau davon erzählt. Sie sagte, sie hätte sich in der Vergangenheit oft gewundert, dass ich mit schlechten Nachrichten scheinbar so gelassen umgehe.


    Suchtgedanken hatte ich nicht.

    Genau das ist doch eine aufschlussreiche Erfahrung, findest du nicht?


    Wie hat es sich für dich angefühlt, deiner Frau deinen Ärger und deine Angst zu gestehen?

    Wo sind die anschließend geblieben?

    Was hast du gedacht und gefühlt, als sie dir gesagt hat, dass sie sich früher über deine Gelassenheit bei schlechten Nachrichten gewundert hat?

    Hallo Eismann,

    ich finde es gut, dass du damit so umsichtig umgehst. Und Hartmut stimmt dir darin sicher auch zu.

    Eine Sache aber, an die ich selbst bei Hartmuts Antwort denken musste:

    Es könnte dich gegebenenfalls auch triggern, wenn du zu übervorsichtig bist bzw. eine Alltagssituation vor dir selbst dramatisierst.

    Warst du im Supermarkt denn ernsthaft gefährdet oder war dass Einkaufen für dich eigentlich normal?


    Ich selbst hatte am vergangenen Wochenende ziemlichen Druck, weil in meinen Kopf doch gesickert war, ich müsste auf etwas verzichten.


    Verstehst du, was ich meine?


    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Kttnlos,

    herzlich Willkommen in dieser Online-SHG.


    Ich selbst bin ebenfalls EKA, geprägt durch meine Kindheit und Jugend mit einem alkoholkranken Vater. Ich kann gut nachvollziehen, wie du empfindest und was für ein Weg hinter dir liegt.

    Und trotzdem fühle ich mich häufig so unfassbar lost und überfordert. Ich dachte, wenn ich die Therapie beendet habe, werde ich ein neuer Mensch sein, mich wie neu geboren fühlen. Mittlerweile ist mir klar, dass die Arbeit jetzt erst so richtig anfängt.

    Das kommt mir bekannt vor.

    Als ich erkannt hatte, dass ich Hilfe brauche, glaubte ich, dass die Heilung zügig erfolgen kann, wenn ich mich nur entsprechend intensiv bemühe. Und ich hab mich bei meinen Bemühungen wahrlich nicht geschont.

    Aus der Rückschau erkenne ich, dass und wie Enttäuschung, Frust und überzogene Selbstkritik auf diese Weise bei mir vorprogrammiert waren.

    Inzwischen denke ich anders darüber und ich gehe das Ganze auch etwas anders an.

    Die gute Nachricht ist ja, dass so etwas wie Heilung möglich ist. Und da ich inzwischen mein Inneres Selbst näher kennen- und lieben gelernt habe, sehe ich auch, wie sehr es verletzt worden ist, und ich nehme wahr, für wen ich mich da bemühe. Und für dieses innere Selbst nehme ich mir gerne alle Zeit der Welt.

    Und auf meinem Weg gibt es so Vieles zu entdecken.


    Hier in diesem Forum bin ich auf Menschen gestoßen, die nachvollziehen können, wie es mir geht, und ich erhalte immer mal wieder Hilfe zur Selbsthilfe.


    Ich wünsche dir einen guten und hilfreichen Austausch.


    Viele Grüße

    AufderSuche

    Typisch für mich war, dass ich lange Zeit nicht wirklich mit meinen eigenen Gefühlen umgehen konnte. Gefühle waren für mich irgendwie gefährlich, deshalb war ich immer bemüht, meinem Verstand die Führung zu überlassen.

    Als ich am Anfang der therapeutischen Gespräche mit meinem Arzt, bei dem ich wegen Depressionen in Behandlung war, meine Gefühle benennen sollte, war ich damit überfordert.

    Ich hab mehrfach gegoogelt, was für Gefühle es überhaupt gibt und woran man die erkennt.


    Merkwürdig ist nur, dass ich immer wusste, was mit anderen war. Ich hätte zwar deren Gefühle nicht unbedingt mit Worten benennen können, aber ich wusste immer, was sie brauchten.

    Was ich selbst fühlte, außer dem Üblichen, hätte ich nicht benennen können, was aber auch daran lag, dass das nicht eindeutig war, weil eigentlich immer das Gefühl von Scham vorhanden war.

    Wütend sein, hatte ich gelernt (bei meiner Großmutter), ist unerwünscht. Die böse *AufderSuche* haben meine Großmutter und ich immer gedanklich vor der Wohnungstür die Treppe heruntergeworfen.


    Ich war Perfektionistin, weil ich Sicherheit suchte. Ich hatte eine überaus ausgeprägte Sehnsucht/ ein Bedürfnis nach Sicherheit, doch mein stets wachsamer Geist nahm überall die Gefahren war. Diese habe ich, vorausdenkend, auszuräumen versucht, aber wirklich sicher fühlte ich mich nie.


    Ich hab mich immer anders und allein gefühlt, inzwischen habe ich Menschen kennenlernen dürfen, die mir ähnlich sind.

    Hoppla, das passt auch genau zu mir. 😉

    Genau so, wie Linde das hier beschreibt, war das bei mir auch. Und es ist auch heute noch so.


    Problematisch war für mich lange Zeit, dass ich mich verantwortlich fühlte, die Situation oder Stimmung zum Positiven beeinflussen zu müssen, dafür sorgen zu müssen, dass sich die anderen möglichst wohl fühlen.

    Gleichzeitig war ich stets bemüht, irgendwie nicht aufzufallen, denn wer auffällt, macht sich angreifbar.

    Hallo Eismann,

    ich kann nachvollziehen, wie es dir zunächst zuhause ergangen ist, auch wenn ich nicht wegen Suchttherapie in einer Klinik war, sondern wegen Depressionen.

    Ich hab damals zunächst dafür gesorgt, einen möglichst reizfreien Raum einzurichten, in den ich mich ggf. zurückziehen konnte. Ich war von den vielen Reizen zuhause zunächst völlig überfordert.


    Wie sorgst du sonst zuhause im Moment für dich?

    Hast du schon weitere Ideen, wie du dich ggf. umprogrammieren kannst? Ich meine, Ideen dafür, das, was das Suchtgedächtnis bei dir weckt, zu verändern.


    Viele Grüße

    AufderSuche