Beiträge von Kttnlos

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Die Freischaltung für den geschützten Bereich kann nach frühstens 4 Wochen erfolgen. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.

    Ich habe einen Plan, den habe ich auch mit meinem Mann besprochen. Und der beinhaltet die Trennung erst in ca. 1 1/2 Jahren.

    Kannst du uns etwas mehr von diesem Plan erzählen, oder geht das zu sehr ins Detail? Das ist jetzt tatsächlich auch ein bisschen persönliches Interesse. Trennung nach Plan mit eingeweihtem Partner - das hab ich bisher noch nie gehört!


    Wenn dir Tabula Rasa machen zu extrem ist, könntest du zum Beispiel auch kleinere Schritte machen. Viel im Forum lesen von den Erfahrungen anderer, Suchtberatung aufsuchen, die machen auch Beratung für Angehörige und vor allem: zum Beispiel neue Hobbies ausprobieren um dich sozial nochmal neu aufzustellen. Vielleicht macht der Absprung nicht mehr ganz so viel Angst?


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Früher habe ich oft zu mir gesagt, wenn er doch nur ein Arschloch zu mir und den Kindern wäre, dann wäre ich sofort weg. Oder gewalttätig.....

    huhu Petra,


    Solche Sätze liest man im Forum immer wieder. Der Gedanke ist auch total nachvollziehbar - aber, ich formuliere es jetzt mal sehr extrem, bitte nicht falsch verstehen, leider auch irgendwo egoistisch. Denn im Prinzip soll der andere einem damit die Entscheidung ja quasi abnehmen, bzw. So einfach machen, dass es einem nicht mehr so schwer fällt. Nur leider ist sowas immer eine wahnsinnig harte Entscheidung, immer schmerzhaft, immer beängstigend, immer traurig. Die Frage ist also eher: ist das Maß für einen so dermaßen voll, dass man bereit ist ins kalte Wasser, ins Unbekannte zu springen (und vielleicht mit einem erfüllenderen Leben belohnt zu werden) oder kann/will man die Situation, mit der man eigentlich nicht zufrieden ist, weiter aushalten? Wenn letzteres der Fall ist, ist das natürlich ok. Die Konsequenz ist halt, dass sich auch nichts ändert. Ich würde deshalb gerne die Frage in den Raum werfen, ob dieser Trade-Off zwischen beruflicher Auszeit, aber dafür der finanziellen Abhängigkeit zu deinem Mann, es wert ist zu bleiben? Und das meine ich als aufrichtige Frage!


    Natürlich liegt es absolut in deiner Hand zu entscheiden, bei deinem Partner zu bleiben. Dann wäre es für uns aber gut zu wissen, was deine Erwartungen an das Forum sind? Denn fast jeder in diesem Forum wird dir sagen, dass man mit einem nassen Alkoholiker nicht glücklich werden kann. Einfach, weil das leider so ziemlich die Erfahrung von jedem aus dem Forum ist. Der Alkohol wird immer im Weg stehen. Wenn du trotzdem bei deinem Partner bleiben willst, ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, dass du dich emotional unabhängig von ihm machst, dich ganz klar abgrenzt, damit du eben nicht mehr unter seinem Konsum leidest. Was müsste denn passieren, bzw. Welche Schritte kannst du denn unternehmen, dass die Situation für dich erträglicher wird?


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Liebe Lana,


    Ich bin beim Lesen an deinem Satz "wieder gescheitert" hängen geblieben. Natürlich mag sich das für dich gerade so anfühlen. Aber mir kam direkt in den Kopf: nein, nicht gescheitert, GEWONNEN! Du hast etwas unglaublich schmerzhaftes geschafft, weil es besser für dich ist. Du hast dich für DICH entschieden. Das ist ein Sieg. Es ist ein Grund zu feiern und zu tanzen. (Wenn noch nicht jetzt, dann irgendwann in der Zukunft). Schau, wie stark du bist. Was du schaffen kannst!


    Weißt du, was in meinem Leben passierte, als ich mich endlich für mich entschieden hatte? Ich habe Platz in meinem Leben gemacht für jemanden, der mir genau so viel Liebe zurück geben konnte, wie ich ihm gab. Und, oh, es ist so wunderschön. Ich komme auch aus einer suchtkranken Familie und wusste nicht, was normal ist. Und seit fast 2 Jahren komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus, wie schön und toll eine Beziehung sein kann. Ohne Drama, ohne Kampf, einfach glücklich. Es war nicht leicht dahin zu kommen. Ich habe viel Therapie gemacht, viel an mir gearbeitet. Aber es hat sich so gelohnt. Und für all das hast du dir vor ein paar Wochen die Tür geöffnet. Nein, liebe Lana, du bist nicht gescheitert. Du hast dich für ein besseres Leben entschieden!


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Ich wusste aber, wenn ich nicht schnell ankomme.. wird er trinken.. und hat er auch...

    Nudeltante, es ist nicht deine Aufgabe ihn vom Trinken abzuhalten. Mit diesem Satz hast du dir gerade fett die Verantwortung für SEIN TRINKEN aufgeladen. Du kannst nichts machen. Wenn er trinken will, wird er trinken. Das muss er allein schaffen. Ihr zwei seid im nullkommanix bereits wieder im absoluten Alkoholismus-Fahrwasser angelangt: er trinkt, du verhältst dich co-abhängig. Und dass er dich körperlich angegangen ist, ist nach dem Vorfall direkt wieder in Vergessenheit geraten? Dann hat er von der ganzen Situation indirekt ja sogar profitiert.


    Und Nudeltante, bitte denke an die Kinder - neben den ganzen Enttäuschungen wegen dem Trinken jetzt noch mit dem Streit im Garten konfrontiert zu werden - ist ganz schön heftig für eine Kinderseele. Alles, was du fühlst, fühlt ein Kind mit dem Faktor 1000. Und sie sind den Entscheidungen, die die Erwachsenen treffen, vollständig ausgeliefert.


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Tatsächlich fühl ich mich aber schon unfassbar allein in meiner (realen) Welt und hab das Gefühl, dass ich mit zunehmendem Alter immer weniger dazugehöre. In meinem Umfeld haben alle Familie oder einen Lebenspartner. Vor Corona war ich total oft tanzen. Damit habe ich verdrängen können, dass ich nicht nur oft allein sondern auch ziemlich einsam ich bin.

    Liebe Lana,

    Es tut mir Leid, dass du dich einsam fühlst. Ich kenne das Gefühl gut, aber mit deiner Trennung und deiner Reflexion bzgl. deiner Partnerwahl ebnest du dir den Weg für richtige Liebe.


    Hast du schon mal darüber nachgedacht irgendeiner Gruppe beizutreten? Du meintest, du tanzt gerne. Wie wäre es mit einem Tanzkurs, in dem du neue, Gleichgesinnte Leute kennenlernst? Als erwachsenes Kind alkoholkranker Eltern neigt man dazu, weiter in unbefriedigenden Situationen auszuharren, weil man es eben nicht anders kennt. Dabei vergisst man gerne, dass man jetzt erwachsen, handlungsfähig und in der Lage ist, seine Situationen positiv zu beeinflussen.


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Liebe Lana,


    Ich weiß nicht, ob das ein Verhaltensmuster von Alkoholikern ist oder generell von gekränkten Menschen, aber das Verhalten meines Ex-Freunds schlug damals auch schlagartig um, als er realisierte, dass ich wirklich nicht mehr zurück komme. Bei mir blieb da nur wahnsinnige Fassungslosigkeit und Enttäuschung zurück - und das Wissen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, denn niemand sollte mit einem Menschen zusammen sein, der sich so widerlich gegenüber einem anderen verhält. Bleib stark! Irgendwann hört der Terror auf und du bist wieder frei für eine echte Liebe!


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Liebe Steffi,


    Hier mal ein paar Anmerkungen zu deiner Geschichte: Bestätigung von uns, wie desaströs deine Situation ist, hast du hier schon vielfach bekommen. Du bist nicht verrückt bzgl. Seines Konsums - das ist krank. Du wärst nur verrückt, wenn du noch länger dort bleibst. JEDER Co hier im Forum weiß genau, wie du dich fühlst, hat das alles selbst auf die ein oder andere Weise erlebt. Genau deswegen sagt dir hier jeder, dass es nur besser wird, wenn du gehst. Alkoholismus ist eine Familienkrankheit - jeder wird auf seine eigene Weise krank. Beim Alkoholiker ist es offensichtlich. Aber auch die Angehörigen werden krank. Du bist Co-abhängig, das bringt seine eigenen kranken Verhaltensweisen mit. Das kontrollieren, das im Gedanken nur bei ihm sein, das nicht gehen können bzw. wollen zB. - da steckst du total drin. Linde66 schreibt hier immer sehr kluge, wohlüberlegte Beiträge und wollte dir mit ihren Worten nur klar machen, wie extrem wichtig es ist, dass du ins Handeln kommst um dich aus DEINER Krankheit, der Co-Abhängigkeit, befreist.


    Steffi, du schreibst, es ist wie im Krieg. Welcher Mensch bleibt denn freiwillig im Krieg? Vor allem wenn er die Wahl hat, Frieden zu finden?


    Und nein, du musst nicht stabiler werden, um zu gehen. Du musst gehen, um stabiler zu werden!


    Die Worte hier im Forum mögen dir hart und verständnislos erscheinen. In Wahrheit verzichten die meisten hier auf zu übertrieben bzw. dauerhaftes Mitfühlen und sagen dir, was ihrer Erfahrung nach wirklich hilft: Gehen.


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Huhu liebe Nudeltante,


    Mit Schrecken habe ich dein Update gelesen. Es tut mir so leid!


    Ich hatte für euch zwei echt die Finger gedrückt. Ich dachte, bei euch kanns was werden. Diese Meinung habe ich jetzt geändert. Es ist egal, ob es 'nur' kneifen und schubsen war. Das ist gewaltbereites Verhalten. Bitte stell dir einmal vor, dein Partner hätte sich dir ggü. in nüchternem Zustand so verhalten. Das wäre doch garantiert ein absoluter Trennungsgrund. Schieb den Alkohol nicht als Entschuldigung vor. Passiert ist passiert, und für dich als Opfer macht sein Zustand die Situation nicht weniger traumatisch. Es gibt Dinge, nach denen gibt es kein Back to normal, kein Zurück mehr. Gewisse Grenzen dürfen einfach nicht überschritten werden.


    Ich schicke dir ganz viel Kraft in dieser harten Zeit.


    Kttnlos

    Liebe Brigitt,


    ist es eigentlich so falsch einen Menschen, den man mal sehr geliebt hat zu helfen?

    Solche Worte liest man hier immer wieder in der ein oder anderen Form. Vielleicht hilft es dir ja, deine Vorstellung von Hilfe in diesem Fall zu verändern: du hilfst nicht, indem du ihn unterstützt und ihn nicht 'seinem Schicksal überlässt', wie du es sagst. Jede Hilfe im eigentlichen Sinne führt nur dazu, dass man den Betroffenen etwas Leidensdruck nimmt - und der muss verdammt hoch sein, damit der Groschen fällt. Der eigene Rückzug dient natürlich vorwiegend dem eigenen Schutz, zumindest für mich. Denn mit der Sucht kann es noch Jahre so weitergehen. Wenn aber irgendetwas hilft - für sich selbst und die Angehörigen, dann ist es Rückzug, da der Betroffene die harten Konsequenzen seines Handelns spürt.


    Wenn du das Gefühl hast, dass du genug Abstand hast und dennoch helfen willst, um ein reines Gewissen zu haben - nur zu. Ich denke allerdings, dass du damit nicht viel verändern wirst. Allerdings musst du aufpassen, dass du nicht allzu schnell wieder in die alte Rolle fällst. Von außen betrachtet ist nämlich wirklich noch nicht viel Zeit vergangen.


    Brigitt, auch wenns schwer ist: Guck auf DICH! Finde heraus, was DIR besser helfen könnte, mit der Situation klarzukommen und Abstand zu finden.


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Huhu Helena,


    ich hab mich jetzt durch deinen Strang gelesen. Ich kann mich meinen Vorrednerinnen und Vorrednern nur anschließen. Du wirkst in deinen Beiträgen wirklich unglaublich reflektiert.

    Ich bin wahnsinnig traurig, dass mein Papa nicht mehr da ist. Gleichzeitig bin ich dankbar, dass ich von meinen ständigen Sorgen befreit wurde. Mir keine Gedanken machen muss, was noch kommt, wie ich mich ihm gegenüber verhalte. Eine große Last ist von meinen Schultern gefallen. Das klingt irgendwie makaber, aber so ist es nunmal neben der Trauer auch.

    Das kann ich wahnsinnig gut nachfühlen. Natürlich wünscht man einer geliebten Person den Tod nicht, aber die Sucht ist und bleibt eine wahnsinnige Belastung für die ganze Familie. Dass man nach dem Tod erleichtert ist, ist verständlich. Ich denke, jedes EKA kann das nachvollziehen.


    Ich finde es eine sehr gute Idee, dass du deine Geschichte in Kapiteln geordnet niederschreibst. Ich weiß nicht, ob du das auch kennst, aber bei mir persönlich schießen häufiger alte Erinnerungen hoch. Dann bin ich z.B. kurz vorm Einschlafen und realisiere, dass ich über dieses oder jenes Ereignis meiner Kindheit grüble. Früher grübelte ich dann munter vor mich hin, fand aber keinen Abschluss. Mittlerweile habe ich realisiert, dass die Themen immer wieder schmerzhaft aufkommen, weil ich sie noch nicht fertig gefühlt habe. Heute versuche ich, nicht mehr so viel zu grübeln, sondern viel mehr zuzuhören, den Schmerz zuzulassen und dem verletzten inneren Kind die Liebe zu geben, die es damals gebraucht hätte. Ich glaube ein großer Teil vom Heilen ist, das Geschehene nochmal einzuordnen und dabei durchzufühlen - und zwar so oft, wie es eben sein muss. Dabei muss man Geduld mit sich selbst zu haben. Mit dem Aufschreiben gehst du in meinen Augen diese Schritte!


    Liebe Grüße,

    kttnlos

    Lieber achelias,


    bei deinem Beitrag musste ich erstmal stutzen, denn für mich wirken diese beiden geschriebenen Aussagen wie ein Widerspruch.

    Miteinander nicht geht und dich dieses ständige Gegeneinander krank macht, bleibt nur noch, sich zurück zu ziehen.

    Vergibt deiner Mutter und beginne neu, begrabe das Kriegsbeil. Was nützt es, wenn jeder auf seiner Position verharrt und alles nur noch schlimmer wird? Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern.

    Gestalte die Gegenwart, versuche eine gute Grundlage für die Zukunft zu schaffen.

    Natürlich gibt der Klügere nach.


    Auch mit meiner Mama war es nicht immer einfach, doch wir arrangierten uns und profitierten beide.


    Ich möchte meiner Mutter für die Vergangenheit vergeben, sehr sogar. Dann hätte ich nämlich endlich Frieden. Aber zwei Dinge blockieren mich da leider: 1. Ich glaube nicht daran, dass meine Mutter trocken bleibt. Darauf zu vertrauen birgt ein riesiges Risiko für mich - nämlich wieder enttäuscht zu werden. Ich erwische mich noch immer bei dem Gedanken "Mal schauen, wann es wieder los geht." Ich bin permanent in Hab-Acht-Stellung. 2. Um vergeben zu können brauche ich Abstand. Ich muss in Ruhe meine Wunden lecken - wie lange das dauert, kann ich selbst nicht sagen. Aktuell fühlt es sich an, als würde das noch Jahre dauern. Das Problem ist, dass meine Mutter das nicht akzeptieren kann.


    Liebe Helena,


    deine Worte finde ich wahnsinnig beruhigend. Ich kann dir eigentlich in jedem Punkt nur zustimmen. Es hat Jahre gedauert, bis ich irgendwann verstanden habe, dass ich nicht alles schlucken muss, nur weil es sich bei der Person, die mich verletzt, um meine Mutter handelt. Ich habe mir die Zuversicht, dass es ok ist, sich zu distanzieren, soooo hart erkämpft - vor allem vor mir selbst. Jedes Mal, wenn jemand diese Entscheidung in Frage stellt, fühlt es sich so an, als würde man versuchen, mir diese Erkenntnis wieder wegzunehmen. Dann sitze ich da und versichere mir selbst: Es ist nicht so schlimm, wenn andere mich nicht verstehen. ICH verstehe mich. Aber es kostet mich dennoch Kraft.

    denn in der Natur ist es vorgesehen, dass sich die Kindern von den Eltern LÖSEN

    Ich sehe es ganz genau so. Doch meine Mutter lässt mich einfach nicht los. Sobald ich ihr das kleinste bisschen entgegen komme, tritt sie zuerst verbal nach mir (vielleicht um mich zu bestrafen, wer weiß das schon) und tut schon bald darauf auf heile Welt. Dann schreibt sie mir jeden Tag wegen dem unnötigsten Kram und will von mir hören, wie toll sie dies macht, wie gut sie jenes macht, wie toll und jung sie noch aussieht - wie ein kleines Kind das ruft "Mama, Mama, guck mal". Total verdreht. Und wenn ich ihr das nicht gebe, wird wieder geschnappt, aber erwartet, dass ich brav in der Spur laufe. Ich möchte einfach eine freundliche, aber distanziertere Beziehung zu ihr.


    Ich habe vorhin @Auroras Beitrag in Apis Strang gelesen:


    "Es ist dieser Allmachtsgedanke, der uns Cos umtreibt und immer wieder an den Abhängigen fesselt. Oft genug hat er das vielleicht auch selbst so gesagt: ohne dich kann-will-werde ich nicht weiterleben. So in der Art. Um dich festzuhalten, dir Verantwortung und Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich habe damals sogar aus dem Familienkreis sowas in der Art gesagt bekommen. "Ohne dich geht er drauf. Ohne dich geht er völlig den Bach runter". Solche Dinge. Das sind regelrechte Totschlagsätze. Die mich festgehalten haben. Und die MICH noch zusätzlich zu allem mit kaputt gemacht haben."


    Und ich dachte nur: Genau das passiert bei mir gerade! Der Alkohol ist weg, aber die Suchtstruktur ist da. Und ich fühle einfach so sehr, dass ich das nicht in diese Rolle gedrängt werden will. Nur fühle ich mich dabei wie ein egositisches *****loch.


    Eure kttnlos

    Hallo liebe Forumsmitglieder,


    ich wollte die Osterfeiertage nutzen und ein kleines Update von mir geben und auf eure unterstützenden Beiträge eingehen.

    Du kannst dich nur selbst schützen, sonst wird "der Knacks" immer größer


    achelias obwohl meine Mutter nicht mehr trinkt, kann ich mich diesen Wort zu 1000 Prozent anschließen. Meine Mutter ist seit Jahren trocken, aber die Suchtstrukturen - Grenzverletzungen, Schweigegebote, Rollentausch - sind noch immer da.


    Helena_Strahlende auf deinen Beitrag würde ich gerne etwas genauer eingehen. Dafür braucht es jetzt aber etwas Kontext:


    Ich habe mich seit Beginn meiner Therapie zunehmend von meiner Mutter distanziert. Mir ist klar geworden, dass mir die Beziehung zu ihr nichts zurück gibt, dass sie emotionale Unterstützung von mir einfordert, aber mich quasi nicht kennt. Sie weiß überhaupt nicht, was mich umtreibt, belastet und es interessiert sie auch nicht. Meine Therapeutin bezeichnete ihren Umgang als emotionalen Missbrauch. Selbstverständlich merkte sie meinen Rückzug und konfrontierte mich immer wieder. Nach einem Jahr erklärte ich ihr dann doch, dass ich mich schlichtweg nicht gesehen fühle in unserer Beziehung und sie reagierte... positiv!


    Sie schlug eine Familientherapie/-beratung vor. Etwas, das ich mir schon immer gewünscht hatte. Ich machte mich also auf die Suche - und bemerkte dabei nicht, dass sie mich die ganze Arbeit mit Therapeuten/Beratersuche allein machen ließ. Lange Rede, kurzer Sinn: 2 Stunden vor unserem ersten Termin sagte sie das Ganze mit einer absolut lächerlichen Ausrede ab. Daraufhin brach ich den Kontakt ab mit den Worten: Wir können gerne wieder Kontakt miteinander haben, wenn sie bereit ist, die Beratung mit mir zu machen. Ich selbst gehe btw. immer noch in die Beratung, um besser mit der ganzen Situation umzugehen.

    Teilt dir dein Umfeld das aktiv mit oder hast du nur ein Gefühl.

    Klar, mein Partner, meine Freundinnen und Freunde unterstützen mich in meiner Entscheidung. Die haben ja auch mitbekommen, wie sehr ich Jahre gelitten habe. Aber auch wenn z.B. der Berater akzeptiert, dass ich erstmal keinen Kontakt zu meiner Mutter haben will, hat er schon öfter angedeutet, man könne zwar den Kontakt abbrechen, aber eine familiäre Bindung abzubrechen sei nicht so einfach. So nach dem Motto: Ein Kontaktabbruch ist keine langfristige Lösung.


    Mein Partner ermutigte mich vor ein paar Monaten immer wieder, mich seinen Eltern anzuvertrauen. Als ich nach mehrmaligen Motivationen seinerseits also einen vorsichtigen Versuch wagte (Ich erzählte in einer passenden Situation, dass meine Mutter mir schrieb, sie wünschte, sie hätte mich als Kind meinem Vater überlassen), nahm seine Mutter am Ende meine in Schutz. Ich war so gekränkt danach, dass mir die Tränen kamen. Safe to say, dass ich das Thema dort nie wieder aufbringen werde.


    Von meiner Cousine weiß ich, dass meine Mutter am Geburtstag meiner Oma nur darüber geredet hat, was für eine gemeine Tochter ich doch sei. Und in einem Wutanfall schrieb sie mir (neben 'Wie kann man als erwachsene Frau nur so nachtragend und selbstsüchtig sein) auch, dass selbst mein Patenonkel mich nun wirklich nicht mehr verstehe, obwohl der doch IMMER auf meiner Seite gewesen sei bisher.


    Und gestern die neue Krönung: Gestern rief ich meine Oma an, um ihr Ostergrüße dazulassen. Da ich gerade meinen Master absolviert habe, gehen mein Partner und ich ab Freitag für 2 Monate nach Chile, bevor ich meine neue Stelle im Sommer antrete. Und aus dem nichts meinte meine Oma: Du, kttnlos, bevor du nach Chile gehst, meldest du dich aber bei deiner Mutter. Sie ist soooo verzweifelt, weil du nicht mit ihr sprichst. Wenn du dich nicht meldest, das packt sie nicht. Dann ist sie in der Psychiatrie, wenn du wieder kommst.


    Einerseits triggert mich das ganze wahnsinnig. Es ist kein schönes Gefühl, die Hälfte der Menschen, die man liebt, gegen sich zu wissen. Es ist natürlich auch nicht schön für mich, dass es meiner Mutter schlecht geht. Und ein Teil von mir hat ein schlechtes Gewissen und will 'es wieder gut machen'.


    Aber der andere Teil wird immer wütender. Ich bekomme von allen Seiten Druck gemacht, doch bitte Einsicht zu zeigen. Aber ich empfinde das Verhalten meiner Mutter als manipulativ und mein Verhalten als gesund. Sie erklärt jedem, der uns beiden nahe steht, wie böse und gemein ich doch bin, stellt sich in die Opferrolle und verdreht Tatsachen. Sie ist nicht bereit MEINE Grenzen zu akzeptieren. Da ist in meinen Augen null Reflexion. Und jetzt wird MIR latent vermittelt, ich sei dafür verantwortlich, dass es meiner Mutter schlecht geht, und dass ich dafür verantwortlich bin, wenn sie in der Psychiatrie landet. Das alles führt dazu, dass ich immer weniger Kontakt zu ihr haben will. Ich will nicht erpresst werden.


    Das schlimmste ist, dass ihr Verhalten zieht. Seit gestern kreisen meine Gedanken um das Gespräch. Ich zweifle wirklich an mir: Soll ich nicht meinen Stolz runterschlucken und dafür meine Ruhe haben? Stelle ich mich wirklich einfach nur an, oder IST das manipulativ? Ich hoffe, eure Gedanken dazu können mir helfen, den Kopf wieder etwas freier zu kriegen.


    Eure kttnlos :)

    Liebe rosaclaudi,


    es tut mir wirklich leid, das zu hören. Auch wenn es vorhersehbar war, war es sicher ein Schlag ins Gesicht. Genau deswegen hatte ich dir am Anfang so viele Fragen gestellt: damit du im Vorhinein einen Plan hast, wie du mit solchen Situationen am besten umgehst. Damit holst du dir auch deine eigene Handlungsfähigkeit zurück und fühlst dich nicht so hilflos. Es ist wirklich gut, dass du dir einen Rückzugsort gesucht hast, an dem du dich schützen kannst! Allerdings sollte eine Mutter nicht vor ihrem Sohn 'fliehen' müssen - schon gar nicht in ihrem eigenen Zuhause. Jetzt trinkt er, obwohl er weiß, dass das zu Problemen mit dir führt, speist dich mit einem frechen Kommentar ab und die Konsequenz ist...? Dass er DEIN Zuhause, in dem er zu Gast ist, für sich allein hat. Es würde mich nicht wundern, wenn er sogar noch froh wäre, dass du nicht da bist - dann muss er sich immerhin nicht mit dir auseinandersetzen. Dein Sohn ist noch komplett im nassen Denken. Ich an deiner Stelle würde schnellstmöglich klar machen, dass er keinen Fuß in deine Wohnung setzt, solange er alkoholisiert ist und das auch durchziehen. Ich weiß, das ist total hart - aber eine aktive Sucht bekommt man einfach nicht mit mütterlicher Liebe und Nachsicht weg.


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Liebe Nudeltante,


    Mensch, das tut mir jetzt wirklich richtig leid, deine bad news zu lesen. Die aufkeimende Hoffnung und das harte Ankommen in der Realität - ich kenne es nur zu gut.


    Erstmal finde ich, dass du gut reagiert hast, indem du dich an euren Teil der Absprache gehalten hast und KEINEN Schritt darüber hinaus gegangen bist. Sowas ist für einen Co ja auch ein großer Schritt. Wenn man sich dann noch dafür geiselt, überhaupt irgendwie gehandelt zu haben, ist das ja auch extrem entmutigend. Versteht mich jetzt nicht falsch: Das soll keine Einladung sein, in einer Co-Abhängigkeit zu bleiben, aber wenn man sich selbst auch für kleine Schritte runtermacht, ist das in meinen Augen wenig produktiv. Deswegen finde ich auch die Perspektive, dass ein Rückfall nicht zum Krankheitsbild gehören muss, etwas extrem. Sie baut extremen Druck auf. Manchen mag dieser Druck helfen trocken zu bleiben. Aber wenn ein Rückfall dann doch passiert, dann muss man sich doch auch dafür feiern dürfen, die Kurve zu kriegen. Wenn man denkt 'Jetzt ist eh alles verloren. Ich bin ein/e Versager/in', trinkt man doch eher weiter, als wenn man sich sagt 'Das war ein Rückschlag. Das sollte nicht wieder passieren. Aber ich bin stolz darauf, dass ich es wieder versuche'.


    Beim Durchlesen der ganzen Beiträge, dir hier schon geschrieben wurden, war ich, ehrlich gesagt, ziemlich hin- und hergerissen.


    Einerseits gehöre ich durchaus zu der Fraktion "Ein Rückfall gehört zum Krankheitsbild". Ich erinnere mich noch, dass meine Mutter nach der ersten stationären Therapie, die ich als Kind aktiv mitbekommen habe, innerhalb kürzester Zeit rückfällig wurde. Und dann wieder. Und dann wieder. Und dann wieder. Die Rückfälle waren i.d.R. kurz. Nach jedem Rückfall stieg sie wieder zurück aufs Pferd, holte sich wieder Hilfe und begann von vorne. Aber während eines Rückfalls log sie und verheimlichte. Ich persönlich hatte es damals schon so empfunden, dass sie wirklich trocken werden will und dass ihr klar ist, dass sie krank ist, trotz der Lügen und dem Verheimlichen in den Momenten des Rückfalls. Es ist eben schwer ein jahrelang antrainiertes Suchtverhalten - und da gehören Lügen und Verheimlichen und sich nicht an Abmachungen halten für mich dazu - von heute auf morgen anders zu machen. Meine Mutter antwortete erst nach vielen Jahren ehrlich auf die Frage "Hast du getrunken". Heute ist sie trocken. So wie ich eure Geschichte gelesen habe, glaube ich irgendwie auch deinem Partner, dass er trocken werden will.


    Jetzt kommt aber ein fettes Andererseits: Das ist jetzt nur meine Perspektive, die durchaus durch meine damalige Co-Abhängigkeit gefärbt sein kann. Denn letztenendlich bleibt die Frage offen, ob sie in der Zeit des Lügens und Verheimlichens wirklich schon bereit war den Alkohol loszulassen. Denn jetzt kommt der Knackpunkt: Meine Mutter selbst hatte unzählige Entzüge, ambulante, stationäre und Langzeittherapien hinter sich. Es hat 2 Jahre gedauert, bis die erste längere Trockenheitsphase begann - und auch die hielt 'nur' 6 Jahre an. Aktuell ist sie zwar wieder seit mehreren Jahren trocken, aber mein Vertrauen - das ist für immer ruiniert. Es waren einfach zu viele Enttäuschungen. Selbst nach Jahren bin ich in einer Hab-Acht-Stellung und warte nur auf den nächsten Rückfall. Ein Teil von mir ist überzeugt, dass dieser kommt. Das kann auch auf DICH zukommen. Da ist es gerade erstmal egal, ob dein Partner wirklich trocken werden will oder nicht. Die Frage ist, ob du das dir und deinem Kind wirklich antun willst und wenn ja, wie lange? Wie viele Rückfälle sind denn für dich tragbar? Ich glaube, die User:innen geben dir so heftiges Feedback, weil du dir darüber wirklich im Klaren sein musst. 'Irgendwann ist mein Kontingent auch voll' ist letztenendlich eine super schwammige Formulierung, die dir alle Hintertüren offen lässt. Dieses 'irgendwann' lädt einfach zu sehr zum Verharren im Status Quo ein. Wo ist dein Grenze und wann ist sie erreicht? Das muss klar ausformuliert sein.


    Dann ist da noch dein Kind. Mal ein ganz plumper Vergleich: Ein Kind liebt auch Süßigkeiten. Lässt man es deswegen den ganzen Tag welche essen? Manchmal sind Handlungen, die dem Kind im ersten Moment unverständlich erscheinen, trotzdem das beste für das Kind. Natürlich hängt das Kind am Papa. Aber ein Ende mit Schrecken ist 1000x besser als ein Schrecken ohne Ende. Diese ganzen Enttäuschungen - ich glaube als Erwachsener ist einem wirklich nicht klar, WIE SCHLIMM das für eine Kinderseele ist. Es ist ein Weltuntergang. Es ist, als würde man mit einem Hammer einen Spiegel in 1000x Teile zerschlagen. Nur dass der Spiegel die Seele ist. Es hinterlässt irreparable Schäden: Vertrauensprobleme, Bindungsprobleme, Selbstwertprobleme. Ehrlich gesagt ist mir ganz anders geworden bei der Vorstellung, das Kind dem frisch trocken gewordenen und offensichtlich noch nicht stabilen Vater zu überlassen, während du in der Kur bist. Was ist, wenn das schief geht? Dann ist dein Kind die gesamte Zeit der Situation ausgesetzt - sogar ganz ohne, dass du das gröbste abfängst. Ehrlich gesagt würde ich versuchen, das Kind für die Zeit woanders unterzubringen. Das ist zwar hart, aber eine absolut richtige Konsequenz aus dem Verhalten deines Partners.


    Liebe Grüße,

    kttnlos

    Liebe Feli,


    dieses 'Kein Mitleid wollen'-Thema kennen hier glaube ich einige, dabei ist es total verquer. Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir sind auf Unterstützung von anderen angewiesen, sonst gehen wir unter. Ersetze das Wort mal durch Mitgefühl von anderen - das bringt es nämlich viel eher auf den Punkt. Wir sind schon von klein an auf die Empathie von anderen angewiesen: Wenn wir fallen, fanden wir Trost im Mitgefühl der Eltern; wenn wir den ersten Liebeskummer haben, fanden wir Trost im Mitgefühl der anderen etc. Das ist als erwachsener Mensch nicht anders, das 'innere Kind' braucht noch immer dieses Mitgefühl.

    Und doch, manchmal gehe ich hart mit mir ins Gericht, weil ich nicht gegangen bin, als ich gemerkt habe, dass wir es so nicht hinbekommen.

    Und dann bist du noch hart zu dir selbst. Das kann kein Mensch auf Dauer durchhalten! Aus der Forschung weiß man, dass Selbstmitgefühl total wichtig ist für die psychische Gesundheit. Ich hab dir mal einen - edit- verlinkt, in dem veranschaulicht wird, wie wichtig das eigentlich ist: - edit, Link entfernt - Stell dir mal vor, eine Freundin würde dir erzählen, dass sie das durchlebt, was du durchlebst. Würdest du sie dadurch in schlechterem Licht sehen, sie abwerten etc.? Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Antwort darauf NEIN ist.


    Es ist wirklich wahnsinnig wichtig, dass du dein Schweigen brichst und wieder deine Mitte findest. Du musst diese Situation nicht allein tragen. Niemand, der dir nahe steht wird dich verurteilen. Das ist ein Trugschluss. Geh zu einer Sucht-Beratungsstelle, sprich mit einer Freundin, such dir eine Selbsthilfegruppe, um nur einige Möglichkeiten aufzuzählen! Und so ganz isoliert machst du dich auch total angreifbar für seine Manipulationen. Er verunsichert dich, redet dir ein, dass du Wahrnehmungsstörungen hast, macht dir Angst - das wäre alles viel schwieriger für ihn, wenn du von außen auch hörst, dass du nicht verrückt bist, dass das nicht normal ist, etc. Konzentrier dich nur auf dich: Mach ganz viele Dinge die DIR gut tun!

    Hi rosaclaudi,


    erstmal mein herzliches Mitgefühl, dass du den Weg hier ins Forum gefunden hast. Es muss schrecklich sein, dem Sohn beim Trinken zuzuschauen.


    Nur mal eine kurze Zwischenfrage: Wie stellst du dir denn vor, wie es nach der Abschlussprüfung weitergehen wird. Was machst du, wenn er sie besteht? Setzt du ihn direkt vor die Tür oder gibst du ihm eine Deadline? Was machst du, wenn er sich um keine Bleibe kümmert oder keine findet? Und jetzt mal noch weiter gedacht: Falls er die Abschlussprüfung schafft, ist ja danach nicht alles gut. Die Sucht ist trotzdem noch da und funkt in jeden Lebensbereich. Nach der Ausbildung ist es dann halt der Job! Weißt du, wie du dich vor solchen Tiefschlägen schützen kannst? Und was machst du, wenn er die Abschlussprüfung nicht schafft?


    Liebe Grüße,


    kttnlos

    Liebe Feli,


    ich bin immer wieder schockiert darüber, wie weit man als Co-Abhängige doch bereit ist, Dinge zu ertragen. Er gibt dir das Gefühl die Schuldige zu sein, schlafwandelt (wer weiß, ob er dabei nicht mal was gefährliches macht), nässt alles ein, bedroht dich und gibt 400 Euro monatlich (!!!) für Alkohol und Zigaretten aus, während du putzt, die Kinder versorgst, seinen Konsum vor anderen verheimlichst (und dir selbst so die Möglichkeit nimmst von anderen gehört und verstanden zu werden), SEINE Schulden abbezahlst und dabei noch 30 Stunden die Woche arbeitest. Wie lange zahlst du denn schon bei diesen Schulden mit? Ich will mir gar nicht ausmalen, um welche Größenordnung es sich dabei handelt und was DU dir alles Gutes mit dem Geld hättest tun können. Ich bin ehrlich gesagt beeindruckt, dass du noch keinen Totalzusammenbruch hattest - woher nimmst du die Kraft dafür?


    Ich habe ein paar Fragen an dich:


    1. Was hält dich denn noch an deinem Mann? Da scheinen ja nur noch wenige warme Gefühle zu sein, eine finanzielle Abhängigkeit gibt es auch nicht. Wenn es nur um diese Drohung geht... Auch wenn das erstmal gruselig klingt, würde ich mich nicht einschüchtern lassen. Ich lehne mich mal weit genug aus dem Fenster und behaupte, dass das Alkoholproblem deines Partners vor Gericht auf jeden Fall zur Sprache käme.


    2. Lies dir nochmal durch, was du alles geschrieben hast. Ist das WIRKLICH deine wertvolle Energie wert? Ich bin mir sicher, du hast eine Menge davon, sonst hättest du das alles gar nicht so lange durchziehen können. Aber auch deine Kraft ist endlich und wenn du nicht gut auf dich aufpasst, dann fordert sich deine Psyche irgendwann immer laut ein, dass du ihr zuhörst. Wie würde denn ein Leben ohne ihn aussehen? Die Vorstellung, sich zu trennen, macht einem immer erstmal Angst, klar. Aber von dem, was du hier so schreibst, ist er dir ja keine große Stütze - im Gegenteil, er scheint ja eher eine zusätzliche Belastung zu sein.


    3. Du schreibst zwar, deine Kinder kriegen kaum etwas mit. Aber als EKA kann ich dir sagen: Das stimmt nicht! Wir kriegen extrem viel mit - und wir saugen alles auf wie ein Schwamm. Willst du deinen Kindern wirklich so ein Leben vorleben? Dass es 'normal' ist, dass ein Elternteil ständig betrunken ist und der andere dafür für Zwei buckeln muss. Aus eigener und der Erfahrung vieler anderer EKA kann ich dir da eine düstere Prognose geben: Im schlimmsten Fall schauen sich deine Kinder das Verhalten deines Partners ab und lernen selbst keinen gesunden Umgang mit Alkohol. Oder sie werden zu Menschen, die keine Grenzen setzen können und viel zu viel ertragen, bevor sie einen Schlussstrich ziehen. Willst du das für deine Kinder? Erschwerend kommt noch dazu, dass bei euch das typische Alkoholikergesetz des Schweigens herrscht: Es wird nicht über den Konsum gesprochen. Kinder merken aber, dass etwas nicht stimmt. Ihnen die Situation nicht zu erklären, in dem Versuch den Partner schützen zu wollen, wird ihnen nicht nur nicht gerecht, sondern ist toxisch. Es nimmt ihnen die Möglichkeit über ihre Erlebnisse zu sprechen.


    Ich kann dir nur dringend raten, Dinge zu ändern. Du könntest z.B. einmal anfangen, dein Schweigen zu brechen. Es muss ja nicht gleich mit den Kindern sein, aber mit Freund*innen. Es muss sooo hart sein, das alles mit sich selbst auszumachen. Außerdem kann der Partner einem viel besser einreden, man selbst sei das Problem (und auf keinen Fall ER), wenn du keine Rückmeldungen von außen bekommst.


    Viele Grüße,

    kttnlos

    Hi Grinsekatze,


    Hier können sicher viele deine Situation verstehen. Ich habe meinen Partner damals auch extrem geliebt, aber irgendwann konnte ich nicht mehr. Da ist mir gleichzeitig eine Sache klar geworden: ich kann ihm auf dem üblichen Weg 'helfen' und reden, flehen und streiten - oder ich kann ihm und mir helfen, indem ich ihn verlassen. Versteh mich nicht falsch: ich hatte trotz Liebe wirklich keinen Bock mehr auf ihn. Aber ich wusste auch: wenn selbst eine Trennung ihn nicht wach rüttelt, dann hätte alles flehen nichts gebracht. Ich hab die Trennung irgendwann als eine Chance für uns beide begriffen, denn mit meinem Verhalten hab ich ihm nur die soziale Unterstützung gegeben, die er gebraucht hat, um weiterzumachen.


    Wenn du nicht bereit bist für so einen Schritt, ist das ok. Jeder muss so eine Situation in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Art bewältigen. Allerdings kannst du auch Schritte einleiten, die nicht gleich Trennung bedeuten. Du kannst z.B. Mal zu einer Beratungsstelle gehen und dir dort Unterstützung suchen!


    Liebe Grüße,

    Kttnlos

    Hallo liebe Laure,


    erstmal finde ich es richtig stark von dir, dass du in Therapie warst und deine Vergangenheit aufarbeitest. Ich möchte dir an dieser Stelle mal etwas Rückmeldung geben zu den Gedanken und Gefühlen, die ich hatte, als ich deine Geschichte gelesen habe. Ich musste ich an zwei Punkten ziemlich dolle schlucken: 1. dein Partner war gewaltätig (mir persönlich ist dabei egal, wie lange es her ist oder wie oft es passiert ist). 2. Es gibt Kinder. Ich musste direkt an die Worte meiner Therapeutin denken (ähnlich zu dem, was Christrose schrieb): Als EKA sucht man sich, in dem unterbewussten Versuch sein Kindheitstrauma zu lösen, häufig suchtkranke Partner*innen. Man versucht das zu schaffen, was einem in der Kindheit nicht gelungen ist: die geliebte Person zu heilen und damit seinen eigenen Schmerz zu heilen. Danach hängt meine Therapeutin folgende Worte an: Das ist leider ein wenig aussichtsreiches Unterfangen bei (uneinsichtig) süchtigen Menschen. Meine Therapeutin hatte damals das Buch "Familienkrankheit Alkoholismus" von Ursula Lambrou empfohlen. Kennst du es zufällig? Wenn nicht, kann ich es dir sehr ans Herz legen. Die Autorin ist selbst ein EKA und beschreibt den Schmerz, der damit einhergeht (auch als Erwachsener noch) sehr treffend. Es wird dort sehr deutlich, dass Alkoholismus nicht nur die Erkrankung einer Person ist, sondern die ganze Familie "miterkrankt". Das bringt mich zu meinem nächsten Punkt, den Kindern. Ich sag es mal etwas provokativ: Suchtkranke Familien erzeugen suchtkranke Familien. Man weiß mittlerweile z.B., dass EKA selbst häufig suchtkrank werden oder sich, wie z.B. in deinem und meinem Fall, suchtkranke Partner*innen suchen, so wiederholt sich die Geschichte wieder und wieder. Ich habe als Kind vieeeeel mehr mitbekommen, als die Erwachsenen dachten. Es hat die Beziehung zu meiner Mutter nachhaltig zerstört, da ich nicht darüber hinwegkomme, dass sie mich nicht besser vor ihrem suchtkranken und aggressiven Partner beschützt hat. Willst du deinen Kindern wirklich den Schmerz mitgeben, den du erleiden musstest und riskieren, dass sich das Muster wiederholt? Ich weiß, das sind ziemlich harte Worte und es liegt mir fern, dich damit zu verletzen. Es tut mir nur im Herzen weh, wenn sich eine Frau von ihrem Partner schlagen lässt und als EKA blutet mir vor allem das Herz, wenn ich mitbekomme, dass Kinder, die auf die Eltern angewiesen sind, die Sucht der Eltern so hautnah miterleben müssen.


    Liebe Grüße,

    kttnlos