Ist er psychisch/emotional gesund geworden?
Jedenfalls kommt es mir so vor, dass die Suchtstruktur seines Denkens und Fühlens weg ist. Als wäre es ein Wahrnehmungsfilter zwischen ihm und der Welt gewesen, der auch ohne Alkohol noch lange weiter funktioniert hat.
Anscheinend wird er niemals „gesund“ oder was auch immer ich darunter verstehe oder ich vielleicht einfach Erwartungen an einen Typen habe, der sie niemals erfüllen wird, weil er nicht der Typ dafür ist. 
Ich habe Mister X vorhin „rausgeworfen“ (ich hab ihm gesagt, er soll heute Nacht nicht bei uns/in meiner Wohnung schlafen - er hat ja auch eine eigene - weil ich Abstand von ihm brauche).
Nun ist er ziemlich sauer auf mich und will gleich die nächsten Tage auch nicht mehr herkommen, nur zum Kaffee kochen und Brote für die Arbeit schmieren.
Ja ja, ich vermute spätestens übermorgen hat er sich genug beruhigt um mit mir vernünftig reden zu wollen. Ich wollte ihm erklären, warum ich heute Abstand will, es hat ihn nicht interessiert.
Deswegen texte ich jetzt euch, liebe Forianer zu:
Eigentlich war geplant, dass wir dieses WE gemeinsam zum ersten Mal als 4köpfige Familie die Outdoor-Aktivität (ja die, wo er früher am liebsten und meisten gesoffen hat) zu unternehmen. Das beinhaltet u.a. Zelten, Essen überm Camping-Kocher zubereiten, evtl. Lagerfeuer, Toilettengang im Gebüsch erledigen… Ich hab mich einerseits total drauf gefreut, andererseits hatte ich auch seeeehr gemischte Gefühle. Ich hab halt viel Mist mit ihm auf solchen Trips erlebt und jetzt war ich schon ewig nicht mehr mit dabei, hab anders als früher zwei kleine Kinder mit im Schlepptau, hab mein neues Zelt noch nie aufgebaut, hab keine Ahnung wo meine ganze Ausrüstung verstreut ist, was fehlt usw.
Eigentlich wollte ich das alles unter der Woche vor dem WE planen und organisieren aber es ging mir körperlich nicht besonders gut. 
Ich hab´s nicht geschafft und dem Mister X am Mittwoch auch mitgeteilt, dass ich und die Kinder leider nicht mitkönnen, weil es mir körperlich nicht gut genug dafür geht und es mich total stresst, alles ohne seine Hilfe (er war ja unter der Woche arbeiten) organisieren zu müssen. Ich sagte wortwörtlich zu ihm: „Du kannst allein fahren, ich weiß du hast dich drauf gefreut.“
Das hat er dann auch gemacht. Er war von Freitag Spätnachmittag bis Sonntag Mittag weg. Als er hier wieder ankam hat er sich erstmal was zu Essen gemacht, dann seine Post berarbeitet (die er am Freitag schon in der Hand hatte) und sein Kind abgewiesen, dass er jetzt keine Zeit hat um mit uns rauszugehen.
Die Situation seines „vom Outdoor-Event zurück kommens“ war diesmal für mich emotional nicht so schlimm wie die letzte Heimkomm-Aktion, gut drauf war ich aber nicht. Er hat mich noch gefragt ob mit mir alles stimmt, ich hab geantwortet, ich hätte mit mir selbst zu tun.
Als ich mit den Kindern raus in den Garten bin konnte ich mir nicht verkneifen, weil das Kind nochmal gefragt hat ob der Papa mit raus kommt, laut in seine Richtung zu sagen: Du, der Papa ist das ganze Wochenende weg und wenn er wieder da ist muss er erst die Sachen erledigen, die er vor sich her geschoben hat. Deswegen hat er keine Zeit um mit dir zu spielen. (Glanzleistung, ich weíß
)
Ungefähr eine Stunde später bin ich vom Garten wieder in die Wohnung rein um für die Kinder was zu holen.
Mister X saß am Tisch und sagte: Nanu, kommt ihr schon wieder rein? Ich wollte gerade auch raus kommen.
Ich: Nö, nö, ich hol nur was, wir sind draußen.
Und bin wieder zu den Kindern in den Garten.
Eine weitere Stunde später in der er nicht auftauchte (er war nämlich eingeschlafen, Outdoor-Aktivitäten sind anstrengend) und meiner Gefühlsspirale, die sich zwar langsam aber konstant nach unten drehte, wurde mir vor allem eines klar: Heute will ich ihn nicht mehr sehen! Mir geht es so schlecht mit der Situation, ich kann nicht aussteigen oder meine Gefühle einfach abschalten, ich will das er weg ist.
Deswegen hab ich ihm eine sachliche Nachricht geschrieben, in der ich ihn aufforderte, sich seelisch, moralisch und praktisch drauf vorzubereiten, heute nacht woanders zu schlafen, nicht bei mir in der Wohnung. Ich brauche Abstand und erkläre ihm später gerne warum. Da war es 17:15 Uhr.
Mister X blieb verschollen, irgendwann ist er dann aber doch wieder aufgewacht und hat um 18:30 Uhr abends die Kinder zum schaukeln abgeholt. Wir waren dann ca. noch ne dreiviertel Stunde draußen.
Drinnen in der Wohnung sind die Kinder schon so knülle - also putze ich schnell die Zähne und mache sie bettfertig (eigentlich übernimmt beim größeren Kind der Papa diesen Part aber der war mit Abendessen für sich zubereiten beschäftigt). Als wir um 19:30 Uhr auf dem Sofa sitzen um uns ein Bett-geh-Video anzusehen sagt Mister X zu mir:
Wie stellst du dir das eigentlich vor, dass ich heute Nacht nicht hier schlafen kann? Ich muss doch morgen arbeiten!
Ich: Na so wie wenn du unter der Woche über Nacht draußen bist, du kochst dir jetzt noch eine Kanne Kaffee für morgen und schmierst deine Brote für die Arbeit.
Er: Dann darf ich also nicht einmal morgen früh hier her kommen?
Ich: Nein, ich will dass du weg bleibst, ich brauch Ruhe.
Er: Wenn ich jetzt gehen soll dann weißte aber schon, dass ich die nächsten Tage auch nicht komme!
Ich: Okay….. Dann interessiert dich auch nicht, warum ich Abstand brauche? Ich wollte es dir noch erklären!
Er: Nein, wenn ich so sauer bin interessiert mich das nicht.
Er ist dann kurz nach 20 Uhr gegangen und mir geht´s seitdem deutlich besser!
Was passiert hier, dass es so ausartet? Ich komm nicht raus aus meiner alten Haut - zum einen. Zum anderen hab ich halt doch leider unausgesprochene Erwartungen an ihn in Bezug auf Familie, die er nicht erfüllt.
Die ganze Geschichte rund um die Outdoor-Aktivitäten ist so tricky für mich, weil die Trigger für meine alten, schlechten Gefühle quasi überall sind. Mister X müsste sich schon wie ein Heiliger verhalten um meine alten Erinnerungen und damit verbundenen Gefühle neu und besser zu überschreiben. Leider tut er das nicht. Sobald es um diese elendigen Outdoor-Geschichten geht, rutscht er mental in sowas wie den Saufmodus (ohne zu Saufen) zurück und merkt es nicht. Er kommt da auch nicht gleich automatisch wieder raus wenn er zurück zu Hause ist. Es ist fast wie früher, nur ohne Fahne und rote Augen.
Mir klingeln dann nur noch die Sirenen in den Ohren, ich versuche irgendwie mein inneres Gleichgewicht zu behalten und nicht unfair ihm gegenüber zu werden. Es ist super-anstrengend, ich bin emotional total gestresst und dann will ich nur noch weg von ihm. 
Ich will meinen Seelenfrieden behalten auf dem er so leicht rumtrampeln kann. 
So gerne ich sie nicht hätte und ich ein großer Fan verbaler Äußerungen von Wünschen/Erwarungen und Bedürfnissen bin… Diese eine unausgesprochene Erwartung an den anderen Elternteil und Möchte-gern-Beziehungspartner habe ich doch:
Wenn er doch schon weiß, dass ich nicht mit kann weil es mir nicht gut geht und wenn ich ihm doch gönne (obwohl es mich emotional immer so schüttelt) dass er alleine weg fährt, muss er es trotzdem immer bis zum Letzten ausreizen?
Er hätte doch auch einfach nur von sich aus bis Samstag Abend bleiben können und dann zurück fahren um mit mir die Kinder ins Bett zu bringen und einen schönen Sonntag morgen und restlichen Tag mit uns zu verbringen.
Irgendein bescheuerter emotionaler Teil von mir wünscht sich immer noch, er würde wegen uns - von selbst - wieder her kommen. Weil wir ihm fehlen oder so, oder wir ihm wichtig sind und er sich Gedanken macht, wie wir ohne ihn zurecht kommen.
Aber das tut er nicht. Ich weiß dass es ihm zur Zeit selbst nicht so gut geht, er ist etwas gestresst von den äußeren Umständen seines Lebens und schon nützt er die nächstbeste Gelegenheit zum wegrennen in seine Suchtersatzverhaltensweisen.
Ich bin so froh, dass ich ihn wegschicken kann und das nicht mehr direkt aushalten muss!!! Ich bin so froh, dass ich für mich handle!
Und wie es weiter geht? Mister X wird noch etwas Zeit brauchen um aus seinem Saufmodus ohne Saufen wieder rauszukommen. Dann wird ihn auch wieder interessieren, wie es mir geht und sich anhören wollen, was ich zu erklären habe.
Wir werden uns wieder vertragen.
Was es mit mir macht? Ich bin wieder ein Stück weiter weg von ihm. Ich bin nicht mehr am Boden zerstört oder todtraurig. Mein hauptsächliches Gefühl ist, dass ich das alles so nicht mehr will. Ich will nicht immer noch eine Runde drehen.
Wahrscheinlich machen wir so weiter bis ich ihn nicht mehr mag und mich trotz Kinder/Familie endgültig von ihm trenne oder er gibt seine Suchtersatzverhaltensweisen zu Gunsten von weniger beziehungszerstörenden Stressabbaustrategien auf. Dann erholt sich unsere Beziehung vielleicht.
Heute bin ich ratlos.
Liebe Grüße an euch!
Alba