Wie Du Dich bezeichnest, ist Deine Sache. Du "musst" schon mal gar nichts.
Ich habe mich gegenüber Dritten, nur ganz wenige Personen im engsten Umfeld sind eingeweiht, noch nie als (trockener) Alkoholiker bezeichnet. Warum auch? Ich wurde selten gefragt, ob ich keinen Alk (mehr) trinke. Ein einfaches "nein" genügte. Nur selten fügte ich noch hinzu, dass er mir nicht mehr bekommt und es mir "ohne" bedeutend besser geht. Was für einen Reim sich mein Gegenüber darauf gemacht hat, ist mir wurscht. Ich lebe jetzt knapp 9 Jahre abstinent und bin mit diesem Kurs gut und unfallfrei gefahren. Heutzutage bin ich als Abstinenzler sicherlich kein Exot in der Gesellschaft und fühle mich auch nicht so.
Es hat mich in meiner ehemaligen "analogen" SHG stets gestört, wenn sich die Teilnehmer dort vorstellten: "Ich bin die/der ... und Alkoholiker.." Dieses Bekenntnis wurde mantraartig aufgesagt und letztlich wie ein heilige Monstranz vor sich her getragen. Einmal äußerte ich dort bei Erscheinen eines Neulings, an dem Tag war ich auch zu Scherzen aufgelegt :"Und ich bin hier, weil ich viel zuviel Schokolade gefuttert habe."
Andere hier im Forum pflegen einen wesentlich offeneren Umgang mit ihrer Krankheit. Wenn ihnen dieser offene Umgang hilft und ihre Abstinenz absichert, machen sie für sich alles richtig.
Entscheidend ist wie immer im Leben das Ergebnis. Wenn das zufriedene Abstinenz lautet, hat der Betroffene verdammt viel richtig gemacht. Und letzteres nehme ich für mich in Anspruch.
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Spricht mir aus der Seele. Wie du erwähnst, ich muss nix. Bin ebenso der Ansicht, mich nennen zu können wie ich möchte. Abstinenzler find ich gut, danke. Dennoch bin ich mir sehr bewusst, dass ich nie wieder ein "normales" Verhältnis zum Alkohol haben kann. Bei SHG schreckt mich auch eher ab, dass dort, wie du so schön geschrieben hast, mantraartig gewisse Worte immer wiederholt werden. War schon bei der Vorstellung der Gruppen in der Klinik so. Hat auf mich gewirkt, als müsse man sich selbst stigmatisieren. Dort haben Einige dann zu mir gesagt, dass ich das falsch sehe und Andere, dass ich meinen eigenen Weg finden müsse, mit der Krankheit "Alkoholismus" umzugehen. Ich rauche z.B seit 7 Jahren nicht mehr. Das kommuniziere ich auch so, nenn mich aber nicht mehr Raucher.
Ob ich mit der Einstellung gut fahren werde, zeigt sich. Dass du mit dieser Weise gut gefahren bist, freut mich sehr für dich und weckt die Hoffnung, dass der Alkoholismus irgendwann in der Vergangenheit verschwindet und nur dann in Erinnerung kommt, wenn ich alkoholische Getränke ablehne. Und nicht nur, weil ich nicht mehr darf, sondern weil ich auch einfach nicht mehr will. Ich will schon jetzt nicht mehr, aber ich hoffe, es wird verstanden, was ich meine. In keinster, wirklich KEINSTER Weise möchte ich verharmlosen.
Dir weiterhin alles Gute