Beiträge von Paul_

    Hi,

    das ist lieb dass Ihr fragt, wollte schon bei mir schreiben, bin aber nicht dazu gekommen. Jahreswechsel ging komplett unspektakulär vonstatten, vorm fernseher mit meiner Frau. Gedanken an Alk habe ich selten, obwohl ich an Neujahr gedacht habe "wieviele Leute haben jetzt nen Mordskater.. und ich fühl mich fit".

    Habe mir mittlerweile Hobbys gesucht und erledige einfach Dinge im Haushalt oder auf Arbeit die ich sonst immer aufgeschoben hab.

    Kurz gesagt, ich bin glücklich. Weiterhin abstinent bin ich natürlich auch.

    Zu dem Post: dass das ein Schimpfwort sein soll ist schon bisschen sehr streng. Da werden hier in anderen Posts härtere Wörter verwendet. Desweiteren verstehe ich nicht wie man sich an meiner audsrucksweise stören kann wenn der geschilderte Sachverhalt so heftig ist. Was ist der Typ denn bitte dann? Ein liebenswerter Mensch der nur gewalttätig wird wenn er gesoffen hat? Für jemanden der sich in einer toxischen Beziehung mit einen gewalttätigen Partner befindet und nicht weiss ob sie nicht vlt mitschuld trägt an seinenäm Verhalten, ist so eine Zensierung meiner Beiträge nur Öl ins Feuer. Man soll ihn also nicht so bezeichnen wie ich ihn bezeichnet habe weil? Weil er es nicht ist?

    Wie dem auch sei, ich teile eure Meinung nicht, für mich ist er mehr als das was ich geschrieben habe und genauso wie ich mich selbst als edit (wir wollen ja keinen edit) bezeichnen kann als ich noch gesoffen habe, finde ich dass man das Kind auch ruhig mal beim Namen nennen kann.

    Falls ich gegen Forenregeln verstoßen habe, werde ich es mir für die Zukunft merken und weicher schreiben.

    LG,

    Paul

    Hallo,

    Willkommen im Forum. Schlimme Geschichte, wirklich Schlimme Geschichte. Wohl kein Einzelfall, leider, aber mehr als genug um mit sonem saufenden Stück Dreck nie wieder was zu tun zu haben. Alle anderen sind Schuld, er säuft ja schliesslich nur und haut zu. Wer so unausgereift und unsicher ist dass er meint es sei ok im Suff seine Freundin zu schlagen und dann noch denkt mit nem "ich liebe dich" ist alles wieder gut, hat nichts in einer Beziehung verloren. Mach einen riesen Bogen um den Typen, fang garnicht mit ihm an und seh zu, dass er aus deinem Leben verschwindet.

    Du kannst ihm nicht helfen! Er ist Alkoholiker, der Alkohol ist ihm am wichtigsten. Jedem nassen Alkoholiker ist der Alk am wichtigsten. Du bist nur Beiwerk. Viele PartnerInnen wollen helfen, es ist zwecklos und wird dich am Ende nur emptional ruinieren.

    Mal abgesehen davon, dass er wohl noch ne ganze Menge mehr Probleme hat.

    Es wird niemals der Tag kommen an dem er dir dankbar sein wird, dass Du ihn trocken gemacht hast und er jetzt ein problemfreies Leben führt, dank Dir. Absolut No Chance.

    Also alles richtig gemacht. Selbst wenn er obdachlos wird, nicht dein Problem. Er ist erwachsen und ne eigene Wohnung halten zu können kann man von nem Erwachsenen erwarten.

    Mir wird echt anders wenn ich an sonen Abschaum denke der dich ausnutzt und dann noch schlägt. Schäbig.

    Ich wünsche Dir Kraft das durchzuziehen und standhaft zu bleiben. Hilfe findest Du hier. Andere Mitglieder haben ähnliches erlebt und sind aus der Hölle in ein glückliches Leben gekommen.

    Abend!

    Die Gedanken kenne ich nur zu gut, sicher jeder hier in unterschiedlichem Ausmaß.

    Was mir immer geholfen hat war an den nächsten Schritt zu denken. Saufdruck, ok, ich trinke jetzt meinen Vodka. Der Rausch fährt rein, dann trinke ich weiter, denn jetzt mach ich nur ne wohlverdiente Pause vom Abstinent sein, hab mir ja auch ne Belohnung verdient, besonders weil ich im Schnitt weniger saufe als 99% der Bevölkerung. Dann schon ordentlich dabei, die Sachen machen die ich besoffen immer gemacht habe: musik hören, diskutieren, usw... Irgendwann voll wie nichts gutes ins bett fallen und einschlafen. Ende.

    Aufwachen. Was jetzt? Nichts, kein kater, mach meinen kram und bin ab jetzt wieder Abstinent. Abend. Naja, hat ja gut geklappt gestern, dann heute noch runde 2 und dann ist wirklich schluss.

    Und so geht das dann wieder tag für tag bis ich hier wieder auftauche weil ich nicht mehr kann und am ende bin. Genau wie die male zuvor, wo es auch nicht klappte mal einen abend, der guten Zeiten willen, zu bechern. Es endet immer im gleichen Schema, nur mit verheerenderen Konsequenzen. Es geht immer noch schlimmer.

    Und wofür? Für den kurzen Rausch, die paar minuten nach dem ersten Schluck.

    Finde dich damit ab, dass diese illusion von ruhe und Zufriedenheit beim saufen eben nur eine kurze flucht vor der realität ist. Mehr nicht. Das heisst dieses Gefühl was Du bekommst ist nur ein fake. Nichts wird besser, alles wird nach paar std wiederkommen, nur heftiger. Noch mehr saufdruck, noch mehr probleme, und ein noch tieferer Abgrund. Zu melodramatisch? Dann frag dich selbst was wohl nach einem Glas passiert.

    Das Leben ist nüchtern langweilig? Kann es sein, muss es aber nicht. Ist besoffen dummes zeug machen und sich peinlich zu benehmen besser?

    LG,

    Paul

    Abend,

    Ich fühle mich trocken wenn ich nicht an Alkohol denke geschweige denn ihn zu trinken. Schritt für Schritt gehe ich jetzt andere Dinge an, beispielsweise Ernährung. Das war zur nassen Zeit kein Thema, zur abstinenten Zeit nachrangig, jetzt wird es angegangen. Da ist so gar kein Platz für Alkohol, das fühlt sich trocken an. Kein Leichtsinn, nur langsam habe ich es wirklich akzeptiert dass ich gegen meine Sucht nicht gewinnen kann. Und wenn ich schon mit ihr Leben muss, dann richte ich jetzt mal paar andere Baustellen.

    Aber ob ich wirklich trocken bin? Ich fühle mich trockener als noch vor 3 Monaten.

    Hi Fortune,

    auch Dir frohe Weihnachten!

    Das Gefühl etwas zu verpassen, sein Leben nicht richtig frei leben zu dürfen, nicht trinken zu dürfen während die anderen Spass ohne Ende haben war am Anfang stets ein Begleiter. Ich habe wie Du schreibst keine dieser Stories miterlebt die von "richtigen" Alkis erzählt werden, a la Ehe in den Sand gesetzt, besoffen Unfall gebaut, in der Ausnüchterungszelle aufgewacht, und und und...

    Bei mir war es die tägliche Belohnung den Tag überstanden zu haben und endlich abschalten zu dürfen. Da wurde schon auf den letzten Metern vom Supermarkt nachhause der erste Drink direkt aus der Wodkaflasche verköstigt. Ausserdem musste ich ja planen: nicht zu spät anfangen, weil ich sonst bei meiner benötigten Dosis am morgen noch besoffener wäre als ich es ohnehin schon war (ohne es zu merken).

    Jeder von uns hier ist Alkoholiker, da spielt das Getränk und die Menge eine untergeordnete Rolle. Was hier sicher alle gemein haben ist, dass sich das Leben um den Alkohol drehte.

    Ich konnte mir ein Leben völlig ohne Alkohol nicht vorstellen. Wozu auch, jeder trinkt doch. Aber ein richtiges Leben war das schon lange nicht mehr. Der Alltag inkl. Beruf lief gut, aber auch nur so gut wie nötig um anschliessend bechern zu können. Es war eher ein umgekehrtes Leben. Besoffen war ich lebendig, nüchtern war die nervige Zeit bis ich wieder saufen konnte. Alles was scheisse war, arbeiten, Papierkram, Haushalt, usw. war das nervige Leben das ich um 17 Uhr beenden konnte um dann 5 Std lang eine Flasche Hartalk zu leeren bis ich endlich ins Bett fiel und einschlief.

    Nur, was ist das Bitte für ein Leben? Tag für Tag ohne Aussicht dass sich was ändert. So geil wie früher hat der Alk auch nicht mehr geknallt und gesundheitlich merkte man es auch langsam. Ich wusste dass es so nicht weiter gehen kann. Ich wollte ein Leben ohne Alk, aber am besten mit dem Besoffensein.

    Stell dir die Frage, ob Du nicht mehr aus deinem Leben rausholen willst als nur von Rausch zu Rausch zu leben. Es geht nämlich. Als ich Anfang Mai hier meinen Thread eröffnet habe, hätte ich nicht gedacht dass es sich so sehr zum positiven ändert. Kein Verstecken, keine Peinlichkeiten, keine Filmrisse, keine Sorgen ob der Alk für heute reicht, keine Abhängigkeit von einer Flüssigkeit.

    Ich habe mittlerweile echt Spass am Alltag, auch wenn er unspektakulärer erscheint. Und ich vermisse das Besoffensein nicht. Die Zeiten in denen ich voll auf Sendung mit Leuten irgendwo unterwegs war waren nicht alle schlimm, aber es reicht einfach. Ich hatte meinen "Spass", Zeit für was neues, Zeit für etwas was ich kontrollieren kann.

    In dem Sinne, du verpasst nichts wenn Du nüchtern bist. Staubtrocken ist es auch nicht. Es ist eher das Gefühl wieder die Kontrolle über sein Leben zu haben.

    Weihnachtliche Grüße,

    Paul

    Ob die Abstinenz an erster Stelle steht, ist für mich eine Überlegung, die nur dann eine Rolle spielt, wenn ich abwägen würde, ob ich wieder anfange.

    Für mich noch weit entfernt, im Unterbewusstsein ist der Alk und das Saufen noch viel zu sehr verankert bei mir. Daher hat es bei mir oberste Priorität.

    Ich würde mir aber wünschen dass ich es irgendwann nicht mehr als Priorität betrachten muss. Einfach weil es wie Hartmut geschrieben hat "in Stein gemeißelt" ist. Wenn das Nicht-Trinken genau so selbstverständlich ist wie Atmen. Atmen hat auch keine Priorität, ich mach es einfach weil es Lebensnotwendig ist, genau wie Nicht-Trinken. Ich bin ehrlich zu mir, soweit bin ich noch nicht.

    Ich sehe mich gerade nicht als nassen Alkoholiker. Bin ich deshalb automatisch trockener Alkoholiker? Ich bin ein Alkoholiker der nicht trinkt. Vielleicht bin ich ja noch "nass hinter den Ohren" weil ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass es bis zu meinem Lebensende nie zu einem Rückfall kommen wird. Kein Hintertürchen, nur die realistische Einschätzung in Anbetracht hoher Rückfallquoten und Rückfällen bei einigen, auch nach jahrelanger Abstinenz.

    Wenn es nach der Definition von Bibitor geht bin ich abstinent, aber bin ich wirklich trocken? Als 100% trocken hab ich doch ein Mindest (hasse diesen Begriff) nie wieder zu trinken. Aber kann ich mir da zu 100% sicher sein dass ich nie wieder trinke?

    Hi,

    Wenn es eine Pille gäbe die mich gesund macht, also auf den Zustand vor der Sucht bringt, würde es wohl darauf hinauslaufen, dass ich früher oder später wieder süchtig werden würde, wenn ich denn trinken würde. Ich weiss nicht inwieweit die Lebensumstände mich dazu getrieben haben so viel zu trinken und dann süchtig zu werden, und inwieweit es einfach in mir drin ist. Fakt ist, ich habe als Nicht-Süchtiger diese Karriere gestartet.

    Ich glaube es wäre reizvoll wenn es eine Pille gäbe die mich in einen Menschen verwandelt den es nie zum Alkohol hinzieht. Keine Trigger-Momente und eine Garantie nicht trinken zu müssen. Keine Sorge ob ein Tiramisu mich triggert. Ich sehe das bei einigen Verwandten die in ihrem Leben die Male bei denen sie Alkohol getrunken haben an einer Hand abzählen können. Für die ist Alkohol einfach kein Thema in ihrem Leben. Bei mir ist er ein Thema augrund meiner Sucht und wird immer ein Thema bleiben.

    Hi,

    das mit dem Trinken von anderen Menschen ist so ein Punkt. Es ist mir lieber wenn um mich rum nicht getrunken wird. Zuhause und auf Arbeit kein Problem (bis auf gelegentliche Veranstaltungen am Abend), ist alles stets alk-frei.

    Aber es gibt Gelegenheiten wo es sich nicht vermeiden lässt, dass ich auf Leute treffe die Alkohol trinken. Ja, es triggert mich natürlich und ich denke über Alkohol nach in dem Moment. Der Wunsch zu trinken kommt nicht auf, aber völlig an mir vorbei geht es auch nicht.

    Ich kann es jedoch nicht vermeiden und werde immer wieder in solche Situationen kommen. So ist es nunmal.

    Fakt ist auch, dass so gut wie niemand weiss, dass ich Alkoholiker bin. Das soll auch so bleiben, deshalb können auch andere Menschen um mich herum ruhig trinken. Ich trinke halt nicht, gute Gründe nichts zu trinken gibts genug.

    Zuhause ist mein Safe-Space, Gäste sind selten und die überleben auch ohne Alk, von unserer Seite wird nichts gekauft.

    Das reicht mir. Eine Welt in der es keinen Alk gibt und somit keine Trigger, wäre super für mich, aber leider ist es nicht so. Damit muss ich leben. Ich kämpfe auch nicht dagegen an, ich bin wachsam und mir der Gefahr bewusst. Mehr kann ich nicht machen.

    Ich glaube ein Partner der keinen Alkohol trinkt ist ein Glücksgriff. Für meine Frau ist es kein Problem nichts zu trinken, in den letzten 3 Jahren wars wohl nur einmal wenn ich mich recht erinnere.

    Abend,

    Meine Frau trinkt nicht, muss sie auch nicht. Sie kann zwar, lässt es aber. Zuhause gibt es keinen Alkohol. Wir reden auch nicht über Alkohol es sei denn, es ergibt sich im Gespräch "xy hat mich angerufen und war besoffen" oder es kommt was darüber in den nachrichten.

    Über meine Sucht rede ich nicht mit ihr, wozu auch. A wird sie es nicht verstehen, B ist es meine Sucht. Da tausch ich mich lieber hier aus.

    Wir scherzen, streiten, diskutieren, leben als glückliches Ehepaar zusammen und haben einen geregelten Alltag in dem Alkohol keine Rolle spielt.

    Sie weiss, dass ich Alkoholiker bin aber nimmt Gott sei Dank keine übertriebene Rücksicht darauf.

    Wir brauchen beide keinen Alkohol im Leben. Es könnte nicht besser sein.

    Hi,

    Klingt danach, dass Du im Alkohol deine Lösung für das Problem mit der Angst vor dem Tag und der Interaktion mit Menschen/Situationen gefunden hast. Nur, war es wirklich eine Lösung? Geholfen hat es ja nicht, die Ängste sind noch da. Also weisst Du auch, dass Alkohol diese Ängste nur für ein paar Std. aufschiebt. Mal ehrlich, das bringt doch nichts. Und was Du sicher auch gemerkt hast im Laufe der Zeit, so richtig hat der Alkohol auch nicht mehr gewirkt. Jedenfalls nicht in realen Mengen.

    Damit ich vom Alkohol was spürte wie Euphorie oder Erleichterung, musste ich so dermaßen viel trinken dass ich vorher eher umfiel ehe ich was positives merkte.

    Das schöne ist, ohne Alkohol pendelt sich das ein. Täglich wirds besser, mit höhen und tiefen, aber es wird immer besser. Also zieh es durch. Du hast ja eh keine Wahl, also mach es. Alkohol zu trinken verschiebt das Problem nur auf später und Du wirst wieder bei Null anfangen wenn Du irgendwann wieder beschließt nichts mehr zu trinken.

    Dann lieber jetzt Kurs halten. Es geht doch jetzt schon, und es wird mit der Zeit einfacher.

    Ablenkung und Beschäftigung hilft am Anfang, aber irgendwann ist selbst das nicht nötig, da Du dich mit der Zeit umgestellt hast auf ein Leben ohne Alkohol. Zu 100% wirst Du den Alk nie vergessen, aber er wird in deinem Alltag keine Rolle spielen. Dann bist Du auf dem richtigen Weg. Ohne Alkohol und Druck, ohne Lügen, Scham und Selbsthass endlich wieder ein Leben leben.

    Vergiss nicht, für die kleine Flucht aus dem Alltag und vor der Angst, für die paar Stunden, zahlst Du mit deinem Leben.

    LG,

    Paul

    Hi,

    Für mich funktioniert der im Forum beschriebene Weg wunderbar. Ich vermeide Risiken, bin mir meiner Sucht bewusst, lebe mein Leben mit ihr. Ich hab mich damit abgefunden. Wenn mal der Gedanke an Alk kommt, stell ich mir im Kopf vor wie es nach dem "einen mal" weitergehen würde. Wohl kein Grund nicht auch morgen, übermorgen und über übermorgen zu saufen, bis zum Geht-nicht-mehr. So würde es zu 100% ablaufen. Dieses Gedankenspiel hilft mir.

    Ich bin dem Forum sehr dankbar, schliesslich funktioniert es ja bei mir mit der Abstinenz.

    Auch wenn ich bei Anderen lese wie sie individuelle Wege gehen die scheinbar klappen, ok, dann ist es vlt so, skeptisch bin ich dennoch. Für mich funktioniert der Weg, also warum sollte ich groß daran rumdoktorn.

    Zugegeben nerven mich auch hier manchmal einige Punkte und Ansichten, aber wir sind nunmal nicht alle zu 100% gleich. Wäre wohl auch zu viel verlangt den ultimativen Weg zu finden der für Jede und Jeden 100% passgenau ist.

    In dem Sinne, Danke euch!

    Auch von meiner Seite Herzlichen Glückwunsch! Auch ein bisschen an mich selbst, da es heute genau ein halbes Jahr für mich ist. Das Forum und die Mitglieder spielen bei diesem Erfolg eine zentrale Rolle. Danke dass es euch gibt!

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hi,

    dass ich Alkoholiker bin werde ich ganz sicher nicht rausposaunen. Outen kommt für mich in der Öffentlichkeit auch nicht in Frage. Meine Frau, engste Freunde und Familie wissen Bescheid. Das reicht. Jeder der sich selbst fragt ob er ein Alkoholproblem hat oder sich dessen bewusst ist Alkoholiker zu sein, wird schon merken dass ich trockener Alkoholiker bin, genauso wie ich im Bekanntenkreis sehen kann wer ein problematisches Verhalten an den Tag legt.

    Selbst wenn ich mich als trockener Alkoholiker outen würde, könnte das negative Auswirkungen auf meinen Job und mein Umfeld haben. Das Risiko gehe ich auf keinen Fall ein.

    Ich trinke nicht, das ist für mich das wichtigste. Wie der Alkoholiker öffentlich gesehen wird ist mir relativ egal. Ich weiss ja wie es ist. Alle die ich kenne die meiner Meinung nach ein Alkoholproblem haben leben in guten Verhältnissen und kriegen ihr Leben nach aussen hin auf die Reihe, also nichts mit vollgekotzter Penner am Hauptbahnhof.

    Verstehe den Sinn hinter dem Thread nicht so ganz. Ob ich nun verkatert in meinem SUV ins Büro fahre oder mit vollgepisster Hose am Bahnhof Bier trinke ist doch egal. Solange ich nicht erkenne dass ich Alkoholiker bin und nur noch Abstinenz mich retten kann, wird das Bild in der Gesellschaft keinen Einfluss auf mich haben.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hi,

    Mit dem Willen war und ist es so ne Sache bei mir. Ich will viele Dinge, kriege sie aber nicht hin. Beim Alkohol wollte ich aufhören und wollte nicht mehr trinken. Gebracht hat es nichts, da ich nunmal süchtig bin. Erst als ich erkannt habe dass das Saufen mein sicherer Tod sein wird, gepaart mit einigen Tiefpunkten, kam der Wille wieder zu leben. Der treibt mich an. Mein Wille zu leben ist wieder da. Gegen den Alkohol bin ich machtlos, akzeptiert. Aber ohne den Willen zu leben ist eine Kapitulation vorm Alkohol für mich nur ein zementierter Weg in den nassen Abgrund. Ich glaube das trifft hier auf einige zu.

    Paul

    Hi in die Runde,

    bei mir war und ist der Ekel vor mir selbst ein funktionierender Motor. Wenn mal Gedanken an Alk kommen, z.B. wenn ich Menschen sehe die voller Genuss bei bestem Wetter sich das ein oder andere Bier reinkippen, denke ich an die zahlreichen Eskapaden die bei mir zwangsläufig auf sowas folgen würden. Da brauch ich keinen Willen. Da brauch ich genauso wenig Willen wie wenn ich meinen Finger in ein Wespennest stecken sollte. Es kommt einfach nicht mehr in Frage. Leider vergisst man gerne mal was nach dem ersten Schluck mit 100% Wahrscheinlichkeit passiert..

    Hallo hopeless,

    vielleicht hilft Dir ein bisschen Input eines Alkoholikers. Nasse Alkoholiker sind häufig sehr gute und überzeugende Lügner, auch und vor allem sich selbst gegenüber. Er wird Dir Alles erzählen was Du hören willst, er kennt dich schliesslich. Seine Motivation ist jedoch reiner Egoismus. "Saufen und Beziehung muss doch irgendwie gehen", ausserdem ist es ganz nett wenn man besoffen ist und jemand anderes ist da. Mag er auch der liebste Mensch sein, aber hier spricht die Sucht. An erster Stelle steht Alkohol und Rausch. Damit muss auch gefälligst jeder klar kommen, denn schliesslich trinkt er ja gerne und andere machen es genauso. Mit dem richtigen Pegel hat man auch immer recht und alle anderen übertreiben es. Die Welt wäre so perfekt wenn mal alle akzeptieren könnten, dass da nichts schlimmes dran ist.

    Aber dann wird man wieder nüchtern. Scheisse. N riesen Haufen von Problemen die man selbst verursacht hat. Also: Probleme so schnell wie möglich lösen. Angehörige belabern, sich entschuldigen, Versprechungen machen, parallel Überlegen wann und wie man endlich wieder was trinken kann, egal wie hoch der Preis und was man versprechen muss, wird ja eh nicht eingehalten. Wozu auch, gegen bisschen Alk ist ja nichts einzuwenden, diesmal nur bisschen aufpassen dass es nicht völlig ausartet. Und wir sind wieder genau da wo wir angefangen haben. Und das immer wieder und wieder...

    Solange er nicht ernsthaft akzeptiert, dass er süchtig ist und seine Sucht stoppen muss, wird sich rein garnichts ändern.

    Er wird sich bereits ausgemalt haben wie es sein wird wenn Du nicht da bist und dass er dann in Ruhe und Frieden saufen kann. Jedoch kommen dann früher oder später klare aber kurze Phasen in denen er kurz einsieht dass er dich nicht verlieren will. Ich mein, simple Frage: Alkohol oder Beziehung? Jeder Nicht-alkoholiker wählt ohne zu zögern die Beziehung. Jeder nasse Alkoholiker überlegt wie er beides, notfalls heimlich, haben kann.

    Er kann es schaffen, er kann es akzeptieren dass er Alkoholiker ist und seine Sucht stoppen, aber nicht indem er genauso weitermacht wie bisher. Und momentan scheint es bei ihm ja zu klappen.

    Denk an dich! Er tut es nämlich nicht.

    Liebe Grüße,

    Paul