Trocken und Partnerschaft

  • Heute spreche ich etwas an, das jeden trockenen Alkoholiker betrifft, der in einer Beziehung lebt. Und nein, damit meine ich nicht die Co-Fraktion, die versucht, einen nassen Alkoholiker trocken zu therapieren. Das ist eine andere Welt und funktioniert ohnehin selten.

    Bei uns kommen immer dieselben Argumente „Ich kann meinem Partner doch nichts verbieten.“ „Wir müssen darüber reden und einen Kompromiss finden.“ „Wir sollten jede Nebenwirkung der Sucht gemeinsam analysieren.“

    Ehrlich gesagt aus meiner Sicht " Das ist "Unsinn" Entscheiden muss ich selbst, das ist das Thema. Es geht nicht darum, den Partner zufriedenzustellen oder Harmonie zu produzieren. Es geht darum, in einer sicheren Umgebung trocken zu bleiben.

    Ich muss klar unterscheiden. Was ist echte Risikominimierung und was sind Zugeständnisse, die nur neue Risiken schaffen, weil man dem Partner gefallen oder etwas gut machen will ?

    Und noch etwas. Wer hier landet, bekommt keine Paartherapie. ;) Hier geht es darum, Wege aufzuzeigen, wie jemand trocken werden und bleiben kann. Dass manche Grenzen hart wirken oder übergriffig erscheinen, mag sein aber sie sind nicht die Basis für Harmonie, sondern die Basis für Abstinenz.

    Wie habt ihr das erlebt?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich habe es hier etwas leichter, da meine Partnerin und ich nicht zusammenwohnen.

    Bei uns läuft das so, dass mein Zuhause alkoholfrei ist, bei ihr ist das nicht möglich, da sie in einer WG wohnt. Darum halten wir uns größtenteils bei mir auf, manchmal geht es aber nicht anders und ich bin auch mal zwei Tage bei ihr.

    Das beschränkt sich aber ausschließlich auf unter der Woche, da habe ich noch nie getrunken und die WG ist auch ausnahmslos berufstätig. Das heißt, hier wird unter der Woche nicht getrunken.

    Wenn sie jetzt am Wochenende mal "Party machen" möchte, dann schläft jeder bei sich und wir sehen uns erst am nächsten Abend wieder, was aber vielleicht 1x im Vierteljahr vorkommt.

    Hoffe, ich habe das Thema überhaupt richtig verstanden 😄

    VG Soapstar

  • Ich bin ja zum Glück in der Position, dass mein Mann nicht trinkt und raucht. Meine Sucht analysieren wir auch nicht gemeinsam. Es ist meine Sucht. Mein Mann ist froh, dass ich nicht mehr trinke. Er weiß das es eine Krankheit ist und das ich wachsam sein muss. Aber meine Sucht ist kein alltägliches Thema bei uns.

    Da wir uns aber schon seit 20 Jahren die Aufgaben im Haushalt teilen, ist er nun hin und wieder leicht überfordert. Als ich noch gesoffen habe, konnte er seine Aufgaben mehr schleifen lassen. Seit ich nüchtern bin nerve ich mehr rum wenn nicht immer alles gleich geschieht. Aber da muss er durch. Unsere Ehe wird es aushalten. Wirklich geklagt hat er noch nicht.

    Er ist ja selbst auch froh, wenn es dann mal erledigt ist und er seine Ruhe hat.

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Das beschränkt sich aber ausschließlich auf unter der Woche, da habe ich noch nie getrunken

    Egal wie die Wohnsituation aussieht, aber dieses Denken kann richtig gefährlich werden. Bin ich süchtig, dann immer. Die Sucht interessiert sich nicht für das frühere Trinkverhalten oder dafür, was mal „normal“ war. Wenn sie gestoppt ist , sucht sie nur nach einer Hintertür, um wieder aktiv zu werden.

    Nur mal zum Nachdenken.;)

    Bei mir war es ähnlich. Erst Fernbeziehung, und als wir zusammengezogen sind, habe ich offen gesagt, wie ein alkoholfreies Umfeld für mich aussieht. Sie war erst überrascht, weil sie dachte, ich würde ihr etwas "unterstellen" Aber sie hat kein Problem damit, weil sie nicht süchtig ist. Also muss sie auch nichts trinken, um „normal“ zu sein.:whistling:

    Meine Sucht analysieren wir auch nicht gemeinsam.

    Nicht falsch verstehen. Am Anfang habe ich mich auch mit meiner Partnerin ausgetauscht. Aber nicht mit der Erwartung „unterstütz mich“ . Es ging darum, die ganzen Gedanken loszuwerden, die einem beim Trockenwerden im Kopf herumwirbeln.

    Entscheidungen für meine Trockenheit treffe ich ausschließlich selbst. Ich bin sowieso kein Freund davon, Verantwortung abzugeben. Ich lasse niemanden für mich „vorkosten“, ich lasse mich nicht kontrollieren und ich prüfe selbst, wo Risiken liegen könnten , von Lebensmitteln über Einladungen bis hin zu Situationen, die alte Muster "triggern" könnte

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Abend,

    Meine Frau trinkt nicht, muss sie auch nicht. Sie kann zwar, lässt es aber. Zuhause gibt es keinen Alkohol. Wir reden auch nicht über Alkohol es sei denn, es ergibt sich im Gespräch "xy hat mich angerufen und war besoffen" oder es kommt was darüber in den nachrichten.

    Über meine Sucht rede ich nicht mit ihr, wozu auch. A wird sie es nicht verstehen, B ist es meine Sucht. Da tausch ich mich lieber hier aus.

    Wir scherzen, streiten, diskutieren, leben als glückliches Ehepaar zusammen und haben einen geregelten Alltag in dem Alkohol keine Rolle spielt.

    Sie weiss, dass ich Alkoholiker bin aber nimmt Gott sei Dank keine übertriebene Rücksicht darauf.

    Wir brauchen beide keinen Alkohol im Leben. Es könnte nicht besser sein.

  • Bei uns ist es so:

    - zuhause ist alkoholfreie Zone , - immer!

    - Wenn sie mal etwas im Restaurant trinken will, fragt sie mich, ob es ok ist. Dies ist es. Wenn nicht, würde ich es sagen.

    - Nach meinem Empfinden sprechen wir wenig über meine Sucht. Ich will sie aber nicht damit belasten.

    -Grundsätzlich ist sie denke Ich sehr froh , das ich abstinent lebe. Sie ist nicht mehr Zielscheibe meines besoffenen Ichs.

    - Ich esse Süßes und das oftmals süchtig. Dies kommentiert sie. Ich antworte. Ist halt so. Analysieren tun wir nicht. Wir bemerken , erkennen, sagen was wenn wir wollen... Aber letztendlich bleibt es mein Thema. Auch wenn ich mir manchmal mehr Empathie wünsche, was meine Sucht angeht, - sie kann es halt nicht verstehen und sie muss es auch nicht verstehen. Ich versuche nicht zu trinken. Heute. Und das ist meine Verantwortung. Und wenn ich es Tag für Tag schaffe, so ist es auch mein persönlicher Verdienst.

  • Wenn sie mal etwas im Restaurant trinken will, fragt sie mich, ob es ok ist. Dies ist es. Wenn nicht, würde ich es sagen.

    Nett gemeint ist es schon.

    Aber ein Alkoholiker kann nicht wissen, ob eine Situation „okay“ ist, bevor das Getränk überhaupt auf dem Tisch steht? Oder?

    Allein die Erwartung, dass der Partner gleich trinkt, reicht aus, um das Suchgedächtnis anzutriggern. Es geht nicht um Zulassen oder Verbieten, das ist nebensächlich.

    Entscheidend ist: Sobald ich anfange zuzuschauen, wie jemand trinkt, rutscht die Sucht wieder ins System.

    Genau da fängt die Gefahr an. Zumindest mal offen drüber nachgedacht, keine Kritik oder so.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Aber sie hat kein Problem damit, weil sie nicht süchtig ist.

    Ist das nicht der Knackpunkt? Wer kein Problem mit Alkohol hat, hat auch keins ohne?

    Doch so mancher Alkoholiker hat sich vermutlich mehr oder weniger bewusst einen Partner gesucht, der "auch nicht ins Glas spuckt". (Traf auf meine letzten beiden Partner zu.) Da wird es mit dem alkfreien Haushalt natürlich schwierig. Da kann und willl der andere den Alk nicht so einfach weglassen.

    Ich war zum Glück schon längst getrennt von (und inzwischen wieder gut befreundet mit) meinem letzten Partner. Darum gilt ganz klar, wenn er oder andere vorbeikommen: Meine Wohnung, meine Regeln. Drinnen dulde ich ja auch keinen Zigarettenqualm. Das bin ich mir, ist meine Gesundheit mir wert.

    Ich frage mich aber auch: Wenn mein Partner in meinen Augen kein Alkoholproblem hat und ich trotzdem meine, ihm ein alkfreirs Zuhause nicht abverlangen zu dürfen: Spricht da nicht noch ziemlich nasses Denken aus mir, dass dem Alk eine viel zu hohe Bedeutung beimisst?

  • Spricht da nicht noch ziemlich nasses Denken aus mir, dass dem Alk eine viel zu hohe Bedeutung

    Beschönigen ist nasses Denken. Alles, was ich mir schönrede, arbeitet für die Sucht. Es ist aber kein Stigma, das nasses Denken , es ist nur ein Syndrom der Sucht.

    Der entscheidende Unterschied ist für mich. Begegne ich Alkohol unerwartet, kann ich reagieren und mich schützen. Mich entfernen.

    Aber wenn ich zu Hause bewusst Alkohol zulasse, hole ich etwas in meine Nähe, das real Macht über mich haben könnte.

    Gedanken an Alkohol kann ich wegschieben, den Raum oder die Macht nicht zulassen. Aber steht der Alkohol real da, ist es das was anderes.

    Wenn ich trockene Alkoholiker frage, werden viele sagen, das eine oder das andere ist für mich kein Risiko. Ich würde übertreiben.

    Frage ich jedoch die 95 % der Rückfälligen, sieht das plötzlich ganz anders aus.

    Auch nur zum Nachdenken

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hi,

    das mit dem Trinken von anderen Menschen ist so ein Punkt. Es ist mir lieber wenn um mich rum nicht getrunken wird. Zuhause und auf Arbeit kein Problem (bis auf gelegentliche Veranstaltungen am Abend), ist alles stets alk-frei.

    Aber es gibt Gelegenheiten wo es sich nicht vermeiden lässt, dass ich auf Leute treffe die Alkohol trinken. Ja, es triggert mich natürlich und ich denke über Alkohol nach in dem Moment. Der Wunsch zu trinken kommt nicht auf, aber völlig an mir vorbei geht es auch nicht.

    Ich kann es jedoch nicht vermeiden und werde immer wieder in solche Situationen kommen. So ist es nunmal.

    Fakt ist auch, dass so gut wie niemand weiss, dass ich Alkoholiker bin. Das soll auch so bleiben, deshalb können auch andere Menschen um mich herum ruhig trinken. Ich trinke halt nicht, gute Gründe nichts zu trinken gibts genug.

    Zuhause ist mein Safe-Space, Gäste sind selten und die überleben auch ohne Alk, von unserer Seite wird nichts gekauft.

    Das reicht mir. Eine Welt in der es keinen Alk gibt und somit keine Trigger, wäre super für mich, aber leider ist es nicht so. Damit muss ich leben. Ich kämpfe auch nicht dagegen an, ich bin wachsam und mir der Gefahr bewusst. Mehr kann ich nicht machen.

    Ich glaube ein Partner der keinen Alkohol trinkt ist ein Glücksgriff. Für meine Frau ist es kein Problem nichts zu trinken, in den letzten 3 Jahren wars wohl nur einmal wenn ich mich recht erinnere.

  • Zu diesem Thema kann ich leider nicht so viel sagen, aber das Thema "Trocken und Dating" fände ich interessant.

    Wir sind keine Dating‑Hotline. :whistling:Offene Karten reichen, sonst fällt es einem irgendwann auf die Füße. Wenn es nicht passt, kommt es eben nicht zu einer Beziehung.

    Und bei bestehenden Beziehungen gilt für mich . Wenn der Partner es nicht versteht, egal wie oft man es erklärt, und es für mich belastend bleibt, er aber trotz des Wissens, dass es mir schadet, weitermacht, dann stimmt etwas nicht. Entweder steckt selbst eine Sucht dahinter oder ein anderes Problem in der Partnerschaft. Ich will meinem Partner schließlich auch nicht schaden

    Fakt ist auch, dass so gut wie niemand weiss, dass ich Alkoholiker bin.

    Das ist zwar nicht das Thema, aber es würde nichts daran ändern, ob jemand es weiß oder nicht , das sind ohnehin nur Spekulationen. Fakt bleibt: Ich bin Alkoholiker und damit verantwortlich.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • hallo,

    bei mir gibt es ganz klare regeln auch in der beziehung, keinen alk in meiner gegenwart. mein wohnumfeld ist frei von dem zeug und das bleibt auch so und punkt:idea: wenn jemand etwas unbedingt trinken möchte kann er sich das gern mitbringen. ich werde kein geld ausgeben für dieses zeug. mich stört es auch nicht wenn es jemand vor meiner nase trinkt, aber danach hat derjenige das leergut mitzunehmen und das glas oder was auch immer selber abzuspülen. meine regeln, dass gute dabei, die besuche mit alk tendieren gegen null:mrgreen: weil keiner mehr was mirbringt oder keiner mehr kommt. win-win für beide seiten.

    es geht hier auch nicht darum jemanden etwas zu verbieten nur weil ich ein problem damit hab. es geht hier übergeordnet um gegenseitigen respekt und augenhöhe in einer beziehung. ich könnte mir nichtmal im ansatz vorstellen mit jemanden intim zu werden der vorher noch nen glas wein hintergekippt hat...grrrr,ne danke;) weil drehen wir das ganze mal um, wenn mich jemand liebt dann auch mit all meinen schwächen also auch meiner sucht und dass wäre dann auch die achillesferse für die beziehung. mir ist meine gesundheit und mein leben mehr wert als eine flüchtige liebelei. alk ist nun mal nicht ein lebenswichtiges elexier, man kann auch getrost darauf verzichten:)

    gruss eternal

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

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