Ich hab irgendwie das Gefühl, dass es den bei mir gar nicht so gab. Klick gemacht hat es, als ich zum wiederholten Mal beim heimlichen Saufen erwischt wurde. Scham, Wut, Schock - das waren wohl die vorrangigen Gefühle, die ich dabei hatte.
Ich weiß gar nicht, ob man dafür unbedingt einen Tiefpunkt braucht. Ich weiß nur, dass ich ihn gebraucht habe. Bei mir ging es bis zum Licht am Ende des Tunnels. Erst da habe ich begriffen, dass ich aufhören muss. Nicht wollte. Muss. Es war irgendwann keine Entscheidung mehr zwischen mehreren Möglichkeiten, sondern eine Notwendigkeit.
Gefühle spielen dabei für mich nur eine Nebenrolle. Scham, Wut, Angst, Verzweiflung oder Erleichterung können dabei sein. Müssen sie aber nicht.
Gefühle sind für das Suchthirn kein "Navigationssystem" Es benutzt Gefühle wie Werkzeuge. Mal dieses, mal jenes. Hauptsache, am Ende darf wieder gesoffen werden. Entscheidend ist für mich deshalb nicht, was jemand fühlt, sondern was er auf seinem Weg in die Trockenheit macht. Risiken minimieren. Sich der Sucht anpassen. Nicht versuchen, die Sucht an sich selbst anzupassen.
Und ja wenn es Klick macht, macht es Klick. Der eine säuft sich trotz mehrerer Tiefpunkte weiter zu Tode. Der andere wird einmal beim heimlichen Trinken erwischt, erkennt, was los ist, und hört auf. Warum es beim einen passiert und beim anderen nicht, weiß ich nicht.
Und ehrlich gesagt interessiert mich das auch nur begrenzt. Warum? Weil ich nicht von den Tiefpunkten anderer trocken geworden bin, sondern von meinem eigenen.