Jump! aus dem Hamsterrad

  • Huhu, da ist ja eine lebhafte Diskussion entstanden, das gefällt mir.

    Hartmut ich nehme nochmal zu ein paar Punkten Stellung. Ich war überrascht, dass mein Kopf noch dran geblieben ist 😉. Danke, dass du meine Synapsen immer wieder zum Glühen bringst.

    Aber wenn das größte Problem angeblich laienhafte Bezeichnungen sind,

    Hab ich gesagt es ist das größte Problem? Es geht nicht um Wortklauberei, sondern um Zuschreibungen und Pathologisieren.

    Viele erleben es ja auch als "Wortklauberei", dass die Alkoholiker eingangs klar sagen müssen sie sind Alkoholiker, versus alkoholkrank. Und es heißt dann - zu Recht, wie ich finde - dass dies grundlegend ist. Obwohl die "Neuen" dann genau so argumentieren:

    Sie sind hier, weil sie aus ihrem Leid raus wollen und einen Weg suchen.

    Das hier habe ich so ja auch nicht verlangt:

    Und wenn ein Alkoholiker Hoffnung weckt, bekommt er keinen Maulkorb und kann es tun.

    Ich habe darauf hingewiesen, dass ich es schräg finde so etwas (wiederholt) bei einer Angehörigen zu posten. Ich habe nicht geschrien: löscht es, oder du darfst das nicht. So etwas nenne ich Austausch, Diskussion, Abgrenzung. Besonders letzteres sehr wichtig für Cos. Ich fand das auch nicht "schlimm" von Abstinenzler , ich wollte vor allem klar machen wie das wirkt/wirken kann. So wie Alkoholiker hier ja auch oft erklären wie Sucht funktioniert und wie sie das mit den Angehörigen erlebt haben.

    Und deshalb schauen viele auch in die Alkoholiker-Fäden, vermute ich mal. Weil sie den ganzen Wahnsinn verstehen wollen. Aber so wird es dann interpretiert:

    Und mal ehrlich: Ein Co, der noch im Kopf hat, jemanden trockenlegen zu wollen, schaut rüber zu den Alkoholikern, weil er eben noch nicht so weit ist

    Immer wieder wird das Verhalten von Cos aus der Sicht des Alkoholikers interpretiert. Beispiel: ich habe keine leeren Flaschen gesucht, weil ich ihn retten oder im engeren Sinn unter Kontrolle bringen wollte, sondern weil ich meine Wahrnehmung bestätigen wollte, wenn er behauptet: nein, ich hab nix getrunken - obwohl er einen glasigen Blick hat. Ich sag das, weil das mit den Flaschen ja immer das Paradebeispiel für Co-Abhängigkeit ist.

    Aus meiner Sicht ist die Dynamik viel subtiler. Ich habe ja viele Jahre quasi komplett ignoriert, dass mein Mann trinkt. Ich habe gesagt es ist seine Sache. Und fand mich super Anti-Co. Weil ich die typischen Co-Sachen nicht gemacht hatte. Das kam erst, als ich Angst um sein Leben bekommen hatte. Aber er hat auch nie geleugnet Alkoholiker zu sein. Hat mir nie die Schuld zugeschoben und so. Was ich hier lese ist nochmal eine ganz andere Dynamik.

    Es wird aber nicht immer eine Hoffnung geschürt, es wird nur vom Co so wahrgenommen was ein gravierender Unterschied ist.

    Aha. Die Co ist also mal wieder die Wahrnehmungs-Gestörte. Wenn einer schreibt: halte durch, bei mir hat es nach sieben Jahren dann ja auch geklappt und meine Frau freut sich riesig - dann ist es reine Einbildung, wenn ich dann denke es könnte bei mir ja auch so sein.

    Wenn ein Alkoholiker seiner Frau erzählt, ab morgen hör ich auf oder Trinkpausen einlegt, um die Wogen wieder zu glätten, dann ist das keine aktive Manipulation? Sie ist nur zu blöd darauf rein zu fallen? Klar ist es beim zigsten Mal "verrückt" weiter daran zu glauben.

    Weshalb das so ist kann ein Alkoholiker aber wahrscheinlich genauso wenig nachvollziehen, wie eine Co versteht warum der Süchtige trotz allem weiter trinkt. Und damit will ich beides nicht vergleichen/ähnlich machen. Ich will nur die unterschiedlichen Perspektiven verdeutlichen.

    Aber danke für deinen weiteren Einblick.

    Ähm 🤔, ist das ironisch gemeint? 😂

    Hartmut, deine Beiträge sind oft wertvoll, weil sie verhindern, dass ich mir was schön rede und vor allem, wenn du schonungslos deine Sicht als Alkoholiker darstellst. Am meisten freue ich mich aber über die Beiträge der Cos, die ja wirklich wissen wie es ist, wie es sich anfühlt. Und will darauf noch eingehen.

    Das ist in der ersten Phase ein Entzug auf emotionaler Ebene und kann ähnliche Entzugserscheinungen hervorrufen wie bei einer Sucht.

    Mein Mann muss in die Psychiatrie, wenn er einen Entzug hat. Er bekommt sonst einen epileptischen Anfall. Er zittert trotz Tabletten so stark, dass er weder Essen noch laufen kann, übergibt sich, hat Schmerzen, Depressionen, Schuldgefühle, Scham... Er hat keine Sehnsucht nach Alkohol, er hat ein zwanghaftes Verlangen. Er bekommt keine Glücksgefühle mehr durch Alkohol. Liebt ihn auch nicht. Fühlt sich gefangen. Es steht auch völlig außer Frage, dass er mich liebt.

    Für mich ist das nicht vergleichbar. Aber es ist wahnsinnig schwer einen geliebten Menschen aufgeben zu müssen. "Alles" zu verlieren. Angst zu haben er stirbt, oder wird zum Pflegefall. Zu wissen wie es früher war und wie es doch sein könnte. Sehnsucht nach früher zu haben. Das sind heftigste Gefühle. Für mich hat es aber nichts mit Entzug zu tun.

    Ich habe eher den Eindruck, dass dieses: ich bin ja auch süchtig. Ich habe ja auch einen Entzug eine Verbindung aufrecht erhält, etwas Gemeinsames. Und DAS sehe ich eher als etwas was aufgelöst gehört. Um mich wirklich zu befreien. Und nicht doch noch in der Dynamik fest stecken zu bleiben, nur halt anders.

    Co Abhängigkeit hab ich als Definition so verstanden, dass man seine Sucht deckt und und ihm alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt.

    So verstehe ich es auch. Aber auch hier ist das zentriert auf den Effekt für den Alkoholiker. Der Grund weshalb eine Angehörige ihn vielleicht krank meldet oder bei anderen Ausreden findet (hab ich nie gemacht) ist doch oft, dass sonst der finanzielle Ruin befürchtet wird. Oder die Kinder es nicht mitkriegen sollen. Oder die eigene Scham.

    Klar ist das für ihn ein Feigenblatt. Und es mag auch für den Alkoholiker "gut" sein, mich zu trennen, weil es ihn ganz vielleicht auf rüttelt. Aber das sehe ich eher als fragwürdig an, denn ich bin nicht verantwortlich dafür ihm einen Tiefpunkt zu bescheren. Wenn ich gehe, dann mache ich das für mich selbst. Ich Stelle mich wirklich selbst in den Mittelpunkt.

  • Es geht nicht um Wortklauberei, sondern um Zuschreibungen und Pathologisieren.

    Ist am Ende wirklich die richtige Krankheitsbezeichnung das, was jemanden ins Forum führt? Oder ist es nicht eher das Leid, das sich über lange Zeit aufgestaut hat, bis man merkt: So geht es nicht mehr weiter. Co-Abhängigkeit ist nicht einmal als eigenständige Krankheit in den Diagnosesystemen anerkannt. Sie gilt eher als Beziehungsstörung oder als Verhaltensmuster. Aber hilft mir dieses Wissen wirklich dabei, mein Leid zu lindern? Oder erklärt es einfach nur, warum es da ist.

    Vielleicht liegt der eigentliche Punkt woanders. Nicht im Benennen, sondern im Handeln. In den Schritten, die man geht oder eben nicht geht. In dem, was man weiter aushält, obwohl man längst spürt, dass es einem nicht guttut. Begriffe können Orientierung geben. Veränderung beginnt meist erst dort, wo man sich selbst ernst nimmt.

    Aha. Die Co ist also mal wieder die Wahrnehmungs-Gestörte

    Ja, man kann meine ursprüngliche Aussage so interpretieren, sie war wohl sehr direkt und vielleicht auch missverständlich formuliert. Ich sage einfach immer alles, was mir in den Kopf kommt, manchmal etwas ungeordnet. Aber es scheint ja Wirkung zu zeigen.,;) Nur zu lesen und alles widerspruchslos stehen zu lassen, fühlt sich für mich auch nicht nach wirklichem Austausch an.

    Ohne Reibung entsteht zumindest für mich kein Erkenntnisgewinn. Aber ich bin ja nicht allein hier.

    Dann probiere ich es mal als "Sanftmut":whistling: Es wird nicht immer aktiv Hoffnung geschürt. Oft wird Hoffnung vom Co einfach wahrgenommen oder hineingelesen. Und das ist für mich ein gravierender Unterschied:saint:

    Ich weiß aber auch nicht, warum es so abwegig sein soll, dass es bei Co-Abhängigen auch Wahrnehmungsverzerrungen gibt. Die gab es bei mir in der nassen Zeit genauso. Damals war es mir ziemlich egal, ob man das pathologisch nennt, krank oder sonst wie einordnet. Es hat mich belastet, und ich musste da raus. Mir ging es nie um Krankheitsbezeichnungen oder um ICD-Nummern.

    Mir ging es darum, dass etwas nicht mehr tragbar war und sich etwas ändern musste. Alles andere kam, wenn später.

    Zudem versuche ich auch, bei Alkoholikern nicht zu pauschalisieren. Ich sage nicht, dass alles, was ich hier schreibe, auf jeden zutrifft. Wenn ich von „wir“ spreche oder von „uns Alkoholikern“ oder „uns Co-Abhängigen“, verliere ich mich schnell in der Masse und vergesse, dass es eigentlich um mich als Einzelperson geht.

    Auch wenn ich hin und wieder in einen Beratungsmodus rutsche, fühlt sich das für mich nicht stimmig an. Selbsthilfe lebt nicht davon, dass einer für alle spricht, sondern davon, dass jeder für sich Verantwortung übernimmt.

    So, jetzt verschwinde ich wieder.:whistling:

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Und da sind wir bei den Zuschreibungen, die Angehörigen aufgedrückt werden. Das ärgert mich. Dass wir pathologisiert werden. Als selbst süchtig und krank bezeichnet werden.

    Dem kann ich nur zustimmen.

    Ich habe mich das letzte halbe Jahr weder besonders hilfsbereit, kontrollierend, nachgiebig, aufopfernd oder sonstwas empfunden.

    Doch ich weiß jetzt schon, bekomme ich nur einmal mit dass er getrunken hat, wird mein System wieder komplett hochfahren. Dann geht es plötzlich um die verlorene Zukunft, je nach Situation um Schadensbegrenzung (was mach ich wenn er betrunken bei mir ist?), sofortiges einordnen seines Zustandes, usw..

    Bin ich deshalb krankhaft?

  • Hi Jump!

    ich habe nicht mit dem Trinken aufgehört, weil ich mich als Alkoholiker gesehen habe, sondern ich habe aufgehört, weil ich gelitten habe. Gefühlt gelitten, nicht im Kopf "es schadet mir". Wenn ich mich nicht so schlecht dabei gefühlt hätte, hätte ich gesagt ich brauchs, na und?

    Zu dem Vergleich:

    ich habe mich zwei mal von Frauen getrennt, die ich noch geliebt habe oder vielleicht wars auch nur verliebt. Verliebt triffs besser, weils mehr emotionaler Ausnahmezustand ist. Also innerhalb der ersten drei Jahre Honeymoon-Zeit, von der ich gelegentlich lese.
    Die Lebensentwürfe passten nicht zusammen, also sagte mir mein Kopf, weitergucken.
    Bei der Letzten war es echt heftig, und sie war auch noch sehr enttäuscht über die Trennung, ich hätte nur ja sagen müssen.

    Von daher habe ich Vergleiche zwischen diesem Gefühl, und dem Gefühl, wenn ich trinken will, das aber nicht tun kann, weil das wegen irgendwelchen Vorhaben wirklich gerade nicht ging. Und ich bin jemand, ich konnte mich wirklich eine Zeitlang beherrschen, habs dann mit Druckbetankung nachgeholt.

    Die Intensität des Verzichtsgefühls ist für mich absolut vergleichbar.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hallo,

    Hartmut ,

    Co-Abhängigkeit ist nicht einmal als eigenständige Krankheit in den Diagnosesystemen anerkannt. Sie gilt eher als Beziehungsstörung oder als Verhaltensmuster. Aber hilft mir dieses Wissen wirklich dabei, mein Leid zu lindern? Oder erklärt es einfach nur, warum es da ist.

    Ja, mir hilft das denn ich habe mich nie als krank oder cosüchtig empfunden. Dieses Wissen hilft mir zu erkennen, dass ich mit meinen Gefühlen immer richtig gelegen habe.

    Ich hab mich schon längst aus der damaligen Coabhängigkeit lösen können. Trotzdem geben mir diese neuen Erkenntnisse nochmal ein gutes Gefühl, eine Erklärung. Weil ich jetzt noch besser verstehe, was da eigentlich passiert ist und welche Dynamik dahinter stand.

    Ich weiß aber auch nicht, warum es so abwegig sein soll, dass es bei Co-Abhängigen auch Wahrnehmungsverzerrungen gibt.

    Natürlich gab es in meine aktiven Zeit Wahrnehmungsverzerrungen. Meine Wahrnehmungen wurden ja ständig verdreht. Und da ich eher ein äußerst unsicherer Mensch war ( zum Glück ist das besser geworden und ich bin sicherer geworden), hat mich das völlig verdreht, mich völlig verunsichert und irgendwann auch geängstigt.

    Nach der Trennung hatte ich mir einen kleinen Fotoapparat gekauft. Und viele Fotos gemacht. Unbewusst habe ich damit meine Wahrnehmungen wieder mehr und mehr gestärkt, damit es gute Bilder wurden. Und ich hab sie Menschen gezeigt und die haben meine Bilder als sehr gut empfunden und dass ich ein gutes Auge hätte.

    Das hat mir geholfen, meinen Wahrnehmungen wieder mehr und mehr zu vertrauen.

    Lieber Gruß Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hi zusammen, hi Jump!

    I have a question: Wenn Co-Abhängigkeit keine Krankheit oder keine Sucht ist, dann könnten doch alle, die sich getrennt haben, dem Forum Tschüß sagen. Oder warum beschäftigen sie sich weiterhin mit der Thematik? Könnten sie doch eine Art Rückfall haben? Ich als Alkoholiker bin für immer süchtig und krank und muss mir das vor Augen halten. Für mich. Sind die, die keine Mods sind noch hier, um anderen zu helfen? Sonst könnten sie sich doch von der Thematik endgültig lösen? Das sind ernstgemeinte Fragen.

    LG

  • Ja, mir hilft das denn ich habe mich nie als krank oder cosüchtig empfunden. Dieses Wissen hilft mir zu erkennen, dass ich mit meinen Gefühlen immer richtig gelegen habe.

    Wäre es wirklich etwas anderes, wenn du dich als krank gesehen hättest? Ist „Krankheit“ an sich etwas Anstößiges? Wenn etwas morgen offiziell als Krankheit anerkannt wird, warst du dann rückwirkend nicht schon vorher betroffen?

    Ich verstehe, dass die Bezeichnung nicht prickelnd ist. Das geht mir genauso. Aber am Ende ändert sie nichts. Rein gar nichts. Weder an dem, was belastet, noch an dem, was man umsetzen muss oder eben nicht umsetzt.

    Ich komme aus dem Hause: Es ist, wie es ist. Wenn ich etwas ändern kann, dann ändere ich es. Ob man das nun Krankheit nennt, Verhaltensstörung oder sonst wie einordnet, ist mir ziemlich egal. Wenn mir eine Erklärung hilft, Dinge einzuordnen, okay. Wenn sie mir nur ein gutes Gefühl geben soll, weil etwas benannt wird, kann ich damit wenig anfangen.

    Entscheidend bleibt für mich nicht der Name, sondern das, was ich daraus mache.

    Du hast gehandelt, und das war gut. Auch wenn es aus meiner Sicht etwas länger gedauert hat. Aber am Ende ist das gar nicht so wichtig, was ich oder andere denken. Höchstens nimmt man es als Angriff oder persönliche Kritik wahr – das ist aber nicht mein Ziel.

    Wichtig ist, dass der Mensch für sich selbst handelt. Dafür ist jeder immer zuerst bei sich allein.

    Was ich bei anderen oft sehe, ist etwas anderes. Es wird nach Erklärungen gesucht, nicht nach Lösungen. Und selbst wenn Lösungen sichtbar sind – denn es gibt fast immer eine – wird sich wieder hinter Erklärungen oder Krankheitsbezeichnungen versteckt. Da wird alles sauber eingeordnet, analysiert und erklärt, aber das Tun bleibt auf der Strecke.

    Das ist zumindest meine Wahrnehmung im Austausch hier seit Beginn. Vielleicht ist das auch eine Wahrnehmungsverzerrung. Wenn ja, kann ich damit leben. Es ist am Ende auch nur eine Bezeichnung. Entscheidend ist, was man daraus macht.

    Und wenn jetzt noch jemand sagt: "Jeder in seinem Tempo", ist das auch nichts anderes als: "Halte durch in deinem Leid, die Zeit regelt es" oder es sei eben nicht notwendig, etwas zu tun.

    Ich weiß, es wird sicher wieder seitenlange Erklärungen oder Rechtfertigungen geben, warum das so oder so ist. Aber betroffen ist nicht nur der Mensch, sondern das gesamte System.

    Ich will hier niemanden beeinflussen oder die Welt retten. Jeder darf sein Leid so lange ausleben, wie er will. Und jeder Alkoholiker kann auch wieder saufen, rückfällig werden – das ist mir am Ende relativ egal.

    Ein schöner, hilfreicher Austausch noch.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hera!

    I have a question: Wenn Co-Abhängigkeit keine Krankheit oder keine Sucht ist, dann könnten doch alle, die sich getrennt haben, dem Forum Tschüß sagen. Oder warum beschäftigen sie sich weiterhin mit der Thematik?

    Ich würde Co-Abhängigkeit als Verhaltensstörung bezeichnen. Die geht ja nun nicht weg wenn ich mich trenne. Ich muß auch an mir arbeiten um meine Sichtweise zu erkennen und zu ändern. Sonst könnte es mir passieren daß ich auf den nächsten Alkoholiker reinfalle.

    Ich würde mich als nicht mehr co-abhängig bezeichnen bin aber von Natur aus ein recht gutmütiger Mensch und muß auf mein Helfersyndrom gut aufpassen damit es nicht über die Stränge schlägt.

    Ich hatte hier mehrere Pausen, bin jetzt 14 Jahre hier, ich gebe meine Erfahrungen weiter, selber bin ich zufrieden mit mir.:wink:

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Und auch das ist ja umgekehrt sehr ähnlich. Auch Alkoholismus gilt weitgehend als Verhaltensstörung, nach einem Jahr Abstinenz gilt man versicherungstechnisch als gesund und ein späterer Rückfall als Neuerkrankung. Richtig krank im Sinne der Versicherung ist nur, wer nicht aufhören kann. Und das können Cos ja offensichtlich auch oft nicht. Oder sie tuns einfach nicht, obwohl sie leiden.

    Und ich würde auch nicht wieder anfangen, wenn ich aus dem Forum rausginge oder rausfliegen würde, es ist auch zu großen Teilen, weil ich mich gern damit beschäftige.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • ich mich gern damit beschäftige.

    Ich bin hier meist moderativ unterwegs. Trotzdem möchte ich an der einen oder anderen Stelle genau hinschauen.

    Hier mal mein Fazit aus dem ganzen Austausch . Mal einfach ungefiltert rausgehauen.

    Nun ja, für mich wirkt es schon wie Stigmatisierung, wenn „Krankheit“ in Bezug auf CO grundsätzlich negativ bewertet wird. Ehrlich gesagt kenne ich das vor allem aus dem Bereich von Alkoholabhängigkeit.

    Da stellt sich für mich die Frage. Ist Alkoholismus dann überhaupt eine sogenannte „Familienkrankheit“?

    Diese Bezeichnung scheint es oft nur dann zu geben, wenn Angehörige sich selbst nicht als krank etikettieren lassen wollen, gleichzeitig aber Teil des Suchtsystems bleiben mit entsprechenden Verhaltensmustern, Anpassungen oder auch Wahrnehmungsverzerrungen.

    Das gehört zur Realität, ob man es nun mag oder nicht.

    Wenn Erklärungen jedoch nur dazu dienen, sich selbst besser zu verstehen, sich darin wiederzufinden und sich dabei möglichst nicht als „krank“ zu empfinden, sondern sich mit dem eigenen Zustand wohlzufühlen, dann stellt sich für mich eine andere Frage.


    Warum wird dann nicht gehandelt, wenn doch klar und deutlich ist, dass man seinen eigenen Alkoholiker nicht trockenlegen kann? Ein sozialer Abstieg oder materieller Verlust mögen schwer und schlimm sein, ja – aber sie sind meist nur temporär. Sich jedoch dauerhaft abhängig von einem Abhängigen zu machen, ist für mich kein besonders weiser Weg.

    Und wenn es keine krankhaften Hintergründe gibt, dann ist es auch weder realistisch noch logisch, diesen Weg weiterzugehen

    Erklären und Verstehen kann helfen, aber ich verstehe es einfach nicht:saint:, denn ohne Konsequenzen bleibt es Teil desselben Systems.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Wahrscheinlich war ich jetzt nicht gemeint, aber noch was zur Selbsterkenntnis und zum Krankheitsbegriff. Und zu den Gründen, etwas zu ändern.

    Vieles über Alkoholismus habe ich erst gelernt, als ich bereits knochentrocken war.
    Ich wäre am Anfang hier in dieses Forum nicht reingekommen, denn zuerst war das für mich ein undefinierbares Problem, das ich hatte.

    Als ich noch getrunken habe, passte mein eigenes Leben und Erleben zu keiner der Formen des Alkoholismus, die ich kannte, oder von denen mir erzählt worden war.
    Und ich kannte viele Alkoholiker in meinem Leben, die mir teilweise sogar sagten, dass ich niemals einer sein könnte.
    Kürzest gesagt, war mein Bild eines Alkoholikers in erster Linie das eines Spiegeltrinkers. Eventuell noch Quartalssäufer, aber meinen Trinktypus hatte keiner, den ich kannte oder von dem ich gehört hatte. Hier im Forum gibt es den einen oder Anderen.

    Für mich selbst war unbegreiflich, dass ich nach am Ende 26 Jahren Hartsäuferei immer noch Pausen machen konnte, zu wichtigen Terminen nüchtern erscheinen, und keine spürbaren körperlichen Entzugserscheinungen hatte. Im Sommer schwitzte ich zwar manchmal mehr, aber mir ist sowieso oft zu heiss, und Nervosität habe ich nicht groß damit zusammengebracht. Aber wenn ich jederzeit entscheiden kann, wann ich trinke, wo soll ich dann abhängig sein? Bei den Zigaretten musste ich schon zugreifen, bevor ich einen Fuß aus dem Bett gesetzt habe, das war für mich Abhängigkeit.

    Ich hab mich aber mehrmals in lebensgefährliche Situationen im Suff gebracht. Weil ich so betrunken war, dass ich nicht mehr laufen konnte, nicht mehr nach Hause gefunden habe, Stürze hatte, unerklärliche Wuden am nächsten Tag, Kreislaufkollaps, das Gefühl hatte, jetzt kann auch gleich ein Krampfanfall oder sonstwas passieren. Nicht ansprechbar war, den Notarzt wieder weggeschickt, und Schnapsflaschen, große, auf Ex. In Jugendjahren mag das jugendlicher Leichtsinn gewesen sein. irgendwann war ich aber nicht mehr jugendlich.
    Dann dachte ich, ich saufe wegen diverser Probleme, und wenn ich die gelöst habe, normalisiert sich mein Trinkverhalten.
    Ich hab die Probleme gelöst und bin immer noch abgestürzt.

    Edit: Alkohol hatte trotz meiner Kontrollfähigkeit im nüchternen Zustand für mich einen Stellenwert, der nicht nur höher war als der Stellenwert meiner Partnerschaft, sondern auch höher als der Stellenwert meines eigenen Lebens. Und ich bin das Risiko ja immer wieder eingegangen. Masochistisch wäre auch noch ne Möglichkeit.

    Und dann dachte ich, ich bin doch ein intelligenter Mensch. Also wenn ich so saufe, dann bin ich entweder ein unfähiger Idiot, oder ich bin an einer Ecke meines Hirns strunzdumm, oder ich bin in irgendeiner Weise geisteskrank. Wie sich das dann nannte, wurscht. Ich hätte aber ne Langzeit deswegen gekriegt. Na gut, Idiotie war lange auch eine anerkannte Krankheit. Dann hab ich halt das.

    Jedenfalls konnte ich das nicht greifen. Aber ich habe trotzdem aufgehört, weil das Feeling unleugbar schlecht war und ich wollte, dass es mir gut geht.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (30. Dezember 2025 um 17:57)

  • Jump! , Sollte dir die Diskussionen mit und über Alkoholiker auch noch mit Langzeittrockenen zu viel werden, sag einfach Bescheid, dann trenne ich es ab.

    Obwohl ich denke, dass ich ohnehin genug gelesen habe.

    Ich wünsche dir weiterhin einen hilfreichen Austausch.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Guten Morgen, ich war gestern den ganzen Tag unterwegs...und kann mich erst jetzt wieder einklinken.

    Tja, in der Zwischenzeit 8 Beiträge von Alkoholikern und 4 von Cos. Das ist eigentlich das, was mich selbst immer bisschen ratlos zurück lässt. Das wäre umgekehrt nicht denkbar. Oder ich bin halt doch relativ alleine mit meiner Sichtweise.

    Ich bin jetzt auch mal provokant. Ich glaube ihr wisst, dass ich das nicht persönlich meine: Ich wundere mich immer wieder weshalb manche Alkoholiker, hier jetzt speziell Hartmut und Lebenskuenstler sich an der Thematik so dermaßen fest beißen.

    Hartmut, du hast bei einem früheren Austausch mal geschrieben, dass eine frühere Partnerin genauso argumentiert hätte wie ich. Liegt es daran? Habt ihr eigene offene Themen mit Angehörigen? Könnt ihr nicht zugeben, dass ihr denen extrem viel zugemutet habt und pocht deshalb so stark darauf, dass Cos ja selber schuld sind?

    Es geht hier doch nicht um Begriffe oder Wortklauberei

    Genau. Ich weiß auch nicht weshalb du dich daran so fest beißt Hartmut. Ich habe das mit Inhalt und Beispielen gefüllt. Und entstanden ist das Ganze daraus, dass hier von mehreren Seiten geschrieben wurde Cos seien "süchtig". Wenn ich darauf eingehe und erkläre weshalb es nicht so ist, weshalb ich diese Bezeichnung falsch finde, wird das dann verdreht als Wortklauberei.

    Vielleicht liegt der eigentliche Punkt woanders. Nicht im Benennen, sondern im Handeln

    Natürlich. Und gerade im Sinne des Handelns finde ich es wichtig mir klar zu machen, dass ich eben nicht zuerst ewige Zeiten an meiner Persönlichkeit arbeiten muss, sondern dass ich aus diesem System aussteigen kann. Sozusagen: gehe direkt über Los - gehe nicht zuerst uns Gefängnis.

    Damit meine ich nicht, dass es einfach ist. Um Himmels Willen nein. Aber diese ganzen Selbstzweifel hindern doch auch nach vorne zu schreiten.

    Die Intensität des Verzichtsgefühls ist für mich absolut vergleichbar.

    Darum ging es aber nicht. Es ging um den Vergleich mit einem Entzug. Aber das was du beschreibst, also eine erzwungene Trinkpause, mag so sein. Keine Ahnung. Ich kann mit diesen Vergleichen halt nix anfangen. Genauso wenig mit der ständigen Wiederholung, dass der Alkoholiker seinen Alkohol mehr liebt als seine Frau. Ich sehe das als knallharte Sucht mit extremen körperlichem und psychischen Auswirkungen. Da ist nix, aber auch gar nichts romantisches oder glückseeliges dabei.

    Wenn Co-Abhängigkeit keine Krankheit oder keine Sucht ist, dann könnten doch alle, die sich getrennt haben, dem Forum Tschüß sagen.

    Machen doch auch sehr viele. Die allermeisten Cos aus meiner Anfangszeit hier sind nicht mehr dabei. Und ich denke genau das ist der Grund.

    Die geht ja nun nicht weg wenn ich mich trenne

    Doch. Ich glaube die Co- Verhaltensweisen gehen weg, wenn ich mich trenne oder sie abstelle. Was bleibt ist die weibliche Sozialisation und das ist ja auch was Gutes. Zum Beispiel: Nicht jede, die hilfsbereit ist hat gleich ein Helfersyndrom.

    Da muss ich auch an den Beitrag vor längerer Zeit von SouthAfrica123 denken. Sie hat super beschrieben wie sämtliches Co-Verhalten zurück gegangen ist, nachdem ihr Partner trocken wurde.

    Sonst könnte es mir passieren daß ich auf den nächsten Alkoholiker reinfalle.

    Das halte ich für ein absolutes Vorurteil. Das hält sich aber wacker, obwohl es überhaupt nicht belegt ist. Ärgert mich auch, wenn das immer wieder unterstellt wird. Nochmal: einen kleinen Anteil EKAs betrifft das. Es wird aber vollkommen übergeneralisiert.

    nach einem Jahr Abstinenz gilt man versicherungstechnisch als gesund und ein späterer Rückfall als Neuerkrankung.

    Das ist mir völlig neu. Generell gilt es nach einem Jahr immer, egal bei welcher Erkrankung, als "neuer Behandlungsfall". Das hat Abrechnungsgründe. Heißt aber nicht, dass jemand plötzlich als geheilt gilt. Ich weiß jetzt nicht was du mit "versicherungstechnisch" meinst?

    Nun ja, für mich wirkt es schon wie Stigmatisierung, wenn „Krankheit“ in Bezug auf CO grundsätzlich negativ bewertet wird

    Wird es nicht. Ich sag's mal so: es war für Alkoholiker doch ein Meilenstein, dass Alkoholismus als Krankheit anerkannt wurde. Und genauso ist es für mich eine sehr bedeutsame Erkenntnis, dass Co- Verhalten eben keine Krankheit ist. Sondern reaktiv. Ich habe ja schon öfter gesagt, dass ich es auch manchmal als Entschuldigung sehe zu sagen: ich kann nicht handeln, denn ich bin ja auch krank. Nee. Mit Willen geht bei uns eine ganze Menge.

    aber ich verstehe es einfach nicht

    Genau. Deshalb würde ich mich auch freuen wenn hier mehr Cos schreiben.

  • Huhu

    Hier ne Co, die bei der Diskussion nicht ganz mit kommt😉:

    Ich fühle mich weder krank noch bezeichne ich mich als süchtig.

    Aber: mich einfach so aus starkem Willen befreien konnte ich ja auch nicht!

    Ich brauchte die Unterstützung meiner Therapeutin. Ohne das wäre es nix geworden bei mir.

    Und ich habe mich von ihr wirklich in einer sehr sehr anstrengenden Zeit ernst genommen gefühlt, als sie mal bzgl meiner Ungeduld mit mir selber sagte: "Ist doch kein Wunder dass es ihnen an die Substanz geht...sie müssen als Co genauso hart an Ihren Mustern arbeiten wie Ihr abhängiger Partner es müsste, wenn er trocken werden wollen würde. Aus der Coabhängigkeit raus zu kommen ist genauso schwierig" ...so in der Art.

    Ob sie "Coabhängigkeit" damals als "Krankheit" oder "Sucht" definiert hat weiß ich wörtlich nicht, aber sie hat es bei mir als genauso behandlungsbefürftig gesehen wie andere "Störungen" auch denke ich.

    Hmmm aber sie hat auch immer betont, dass Coabhängigkeit fast immer mit Prägungen aus der Kindheit und oft mit weiblicher Sozialisation zusammenhängen. Und ich mich am besten davor schützen kann, wieder in (nicht nur Liebes-)Beziehungen zu geraten, die disfunktional sind, wenn ich da mal hin schaue.

    Also: "Krankheit", "Störung", "Sucht"...trifft es bei mir glaube ich genauso wenig wie "aus freiem Willen konnte ich gehen"...

    War jetzt wahrscheinlich wenig hilfreich, aber so ist grade meine persönliche Sicht drauf🤗

  • Genau. Deshalb würde ich mich auch freuen wenn hier mehr Cos schreiben

    …. noch eine Alkoholikerin

    Ich bin jetzt auch mal provokant. Ich glaube ihr wisst, dass ich das nicht persönlich meine: Ich wundere mich immer wieder weshalb manche Alkoholiker, hier jetzt speziell Hartmut und Lebenskuenstler sich an der Thematik so dermaßen fest beißen

    Das finde ich auch komisch. Genau die Männer, deren Partnerinnen oder Ex Partnerinnen Co Verhalten zeigte, erklären jetzt wieder anderen Frauen wo der Hase lang läuft. Für mich ist das irgendwie schräg.

    Ich lese viel bei den Co‘s, dadurch wird mir die zerstörerische Kraft von Alkoholismus bewusst. Bei vielen Frauen finde ich es bewundernswert, wie sie sich aus Ihren ungesunden Beziehungen lösen.

    Ansonsten gilt für mich, Schuster bleib bei Deinen Leisten.

    Schade, dass hier so wenig Co Männer schreiben.

    Ich wünsche allen einen freudvollen Jahreswechsel.

  • So...vorhin spontan geschrieben, jetzt ein bisschen nachgegrübelt:

    Ich denke, ich war nie süchtig nach der Beziehung zu meinem Expartner. Oder nach Anerkennung oder so. Nein. Aber die Bereitschaft oder Voraussetzung, in so eine Co- Beziehung zu geraten ist bei mir vllt schon etwas, was man pathologisch nennen kann. Also dass ich von Klein auf gelernt habe, meine Wahrnehmung nicht ernst zu nehmen und statt dessen alle Antennen darauf auszurichten, wie es meiner Bezugsperson geht. Und durch mein Verhalten dafür zu sorgen, dass es ihr möglichst gut gehen soll. Auszugleichen, was an Dissonanzen in der Luft schwingt. Verantwortung für (vermeintliche) Harmonie in der Familie übernehmen. So Sachen. Eigentlich hab ich mich als Kind ganz ähnlich verhalten wie später als Co. Bloß als Kind konnte ich gar nicht anders, hab ja unterschwellig diese "Aufträge" bekommen. Und als Erwachsene war ich lange Zeit nicht bereit, mich damit auseinander zu setzen und habe statt dessen ähnlich weitergemacht. Übrigens ebenso unterschwellig wie als Kind. damals in einer nach Außen hin (und in Teilen auch wirklich) super coolen Familie und als Erwachsene in einer nach Außen hin (und in Teilen auch wirklich) super coolen Beziehung. Dann kann man ja sowas vllt schon als pathologisch bezeichen? Keine Ahnung... ist mir aber auch irgendwie egal eigentlich, hauptsache ich check es immer mehr und pass drauf auf. Warum ist das wichtig?

    Einmal editiert, zuletzt von Api (31. Dezember 2025 um 10:20)

  • Doch. Ich glaube die Co- Verhaltensweisen gehen weg, wenn ich mich trenne oder sie abstelle.

    Sich trennen und etwas abstellen sind für mich 2 verschiedene Dinge. Wenn ich die Kraft und die Einsicht besitzen würde würde ich mir wahrscheinlich erst gar keinen süchtigen Partner aussuchen. Ich würde mich auch anders verhalten wenn ich einen süchtigen Partner hätte, bestimmt nicht so geduldig und immer weiter im Hamsterrad drehend.

    Ich müsste vor allen Dingen begreifen daß ich mich falsch verhalte wenn ich mich persönlich so einschränke nur um es dem Partner Recht zu machen. Um mich zu ändern müsste ich erstmal verstehen warum ich mich so verhalte. Als ich mich getrennt habe hatte ich weiterhin Kontakt zu ihm. Anfangs bin ich weiterhin zu ihm hingefahren wenn mich seine Nachbarn angerufen haben daß es ihm schlecht geht. Mit viel Wut im Bauch habe ich dafür gesorgt daß er zur Entgiftung geht, ich war total sauer auf ihn und konnte trotzdem nicht "Nein" sagen. Später habe ich es nach und nach geschafft mich zu distanzieren. Mitnichten hat meine Co-Abhängigkeit mit der Trennung einfach so aufgehört.

    Das halte ich für ein absolutes Vorurteil. Das hält sich aber wacker, obwohl es überhaupt nicht belegt ist. Ärgert mich auch, wenn das immer wieder unterstellt wird.

    Ich unterstelle nichts ich habe es während meiner beruflichen Tätigkeit immer wieder erlebt. Die Verhaltensweise sitzt oft so tief daß es ohne fremde Hilfe nicht möglich ist sich daraus zu befreien.

    Aber wenn ich deine Beiträge lese empfinde ich daß du deine eigene Meinung über alles stellst und gar nicht bereit bist andere Sichtweisen zuzulassen. Ich habe ja in der "Ich-Form" geschrieben also so wie ich es erlebt habe. Das ist mein eigenes Erleben und ist weder pauschalisierend noch habe ich etwas unterstellt. Es ist mir durchaus klar daß es nicht auf alle Co-Abhängigen zutrifft.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Zu deinem Kommentar, dass viele aus deiner Anfangszeit nimmer dabei sind. Ich lese jetzt ja auch schon über drei Jahre mit und wirklich oft, tauchen Cos nach einem Jahr oder auch mal zwei wieder aus der Versenkung auf, weil es "gestern" wieder richtig eskaliert ist.. du kennst die Geschichten. Oft behaftet mit Scham, dass sie es immer noch nicht geschafft haben, sich zu trennen. Das wollte ich nur kurz einwerfen.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!